Das 1x1 der fundamentalen Aktienanalyse - Rüdiger Götte - E-Book

Das 1x1 der fundamentalen Aktienanalyse E-Book

Rüdiger Götte

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Beschreibung

Anlagen in Anleihen und Tagesgeld bieten kaum noch Renditechancen. Anlagen in Aktien, die mehr Rendite versprechen, trauen sich viele Privatinvestoren jedoch nicht zu, aus Angst vor dem Verlust des Investments. Mit dem richtigen Handwerkszeug können aber auch Privatanleger an der Börse erfolgreich spekulieren. Dr. Rüdiger Götte führt in seinem vorliegenden Buch in die fundamentale Aktienanalyse ein und beantwortet die Schüsselfrage des Spekulierens: Wann ist eine Aktie ihr Geld wert bzw. wann ist sie zu teuer? Dazu erklärt der Autor den Ablauf der fundamentalen Aktienanalyse anhand des Beispiels der Bayer AG. Hierzu wird zunächst ausführlich erläutert, wie man einen Geschäftsbericht liest - beziehungsweise auswertet - und wie man eine Bilanzanalyse durchführt. Dies mündet dann in die Frage, nach welchen Kriterien Aktien an der Börse bewertet werden. Anschließend wird beispielhaft der faire Aktienkurs der Bayer AG anhand der fundamentalen Aktienanalyse ermittelt. Zusammenfassend stellt Dr. Rüdiger Götte zudem die besten fundamentalen Aktienstrategien vor. Der erfolgreiche Börsenratgeber liegt nunmehr in vollständig aktualisierter und überarbeiteter Auflage vor.

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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ibidem-Verlag, Stuttgart

Vorwort zur zweiten Auflage– Was sichverändert hat!

Geschäftsberichte bilden mit ihren Finanzinformationen die zentrale Grundlage zur Beurteilung der Chancen und Risiken von Unternehmen.Welch große Bedeutung den Finanzinformationen innerhalb der Geschäftsberichte zukommt, hat die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise gezeigt, als deren Mitauslöser die falsche Einschätzung von Risiken gilt.Allerdings kann man den heutigen Geschäftsberichten kaum mangelnde Transparenz vorwerfen.So hat sich ihr durchschnittlicher Umfang in den letzten Jahren deutlich erhöht. Manche Berichteerreichen einenUmfangvon mehr als 400 Seiten. Dies ist nicht alleine Schuld der Unternehmen, sondern letztlich ein Spiegelbild der Schnelllebigkeit und Komplexität heutiger Geschäftsvorfälle. So ist die Erschließung neuer Märkte durch Unternehmenszusammenschlüsse ebenso die Regel geworden wie Verkäufe von Unternehmensteilen zwecks Konzentration auf das Kerngeschäft. BeispielsweiseerwarbBayer im Juni 2002 die Aventis CropScience undschlossdamit im Pflanzenschutzmarktzur Weltspitze auf.Die Bayer AGüberführtezunächst ihr klassisches»Chemiegeschäft«und Teile des Polymergeschäftes in die Lanxess AG. Die Lanxess AG wurdeschließlicham 28. Januar 2005 von der Bayer AG abgetrennt. Im März 2006 kündigte Bayer ein Übernahmeangebot für die Schering AG an. Nach der erfolgreichen Übernahmewurdedie Schering AGim Dezember 2006umbenannt in BayerSchering Pharma AG.

Obendrein werden die Geschäftsberichte immer»dicker«, weil es immer komplexereMitarbeitervergütungs- und Kundenverträge gibt, die in den Geschäftsberichten erläutert werden müssen. So schreibtz.B.die Bayer AG in ihren Geschäftsbericht 2012 (S. 136), dass sie im Rahmen des konzernweiten Short-Term-Incentive-Programmsüber 700 Mio.€an variablen Einmalzahlungen an ihre Beschäftigten vorgesehen hat. Zudem führen auch die vielen neuen Finanzaktionen zu weiteremErklärungsbedarf.

Damit die Geschäftsberichte die aktuelle Unternehmensentwicklung widerspiegeln, werden von den Unternehmenheute nicht nur umfangreichere, sondern vorallemaktuellereInformationengefordert. Deswegen werden immer mehr Bilanzpositionen zu ihrem aktuellen Zeitwert (Fair Value) anstatt zu ihren historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten bewertet. Das Problem ist, dass der aktuelle Zeitwert von den Unternehmen geschätzt werden muss. Daher sinddiese Werte – im Vergleich zu historischen Wertansätzen–unsicherer und können leichter bilanzpolitisch verzerrt werden. Darüber hinaus kann durch eine regelmäßige Aktualisierung der aktuellen Zeitwerte ein bislang unbekanntes Ausmaß an Gewinnvolatilität entstehen. Aus diesem Grund ist heute der Gesamtgewinn eines Unternehmens anders zu definieren und zu interpretieren als noch vor knapp einem Jahrzehnt.

Deshalb habe ich auchden Aufbau dieses Buchesfür diezweite Auflage grundlegendverändert.Hauptsächlich betrifft dies die Ausführungenüber den Geschäftsbericht.Dessen Aufbau entspricht jetzt im Wesentlichen der üblichen Gliederung eines Geschäftsberichtes.Somöchte ich Sie indieLage versetzen,sich besser in einem Geschäftsberichtzurechtzufinden. Da die wenigsten Privatanleger die Zeit haben, sich 100 oder mehr Positionen aus den Bilanzen eines Unternehmens anzusehen, werde ich Ihnen in diesemKapitel zeigen, wie Sie selektiv einen Geschäftsbericht lesen,um nichtobder Fülle der Informationen dasWesentlicheaus den Augen zu verlieren. Beispielsweise hat der Geschäftsbericht der Bayer AG des Geschäftsjahres 2012 296 Seiten. Dieser Geschäftsbericht stellt die Grundlage fürdieErläuterungenzurfundamentalen Aktienanalyse in diesem Buch dar. Er ist kostenlos erhältlich bei der Bayer AG (www.investor.bayer.de).Die wesentlichen Informationen für die fundamentale Aktienanalyse der folgenden Seiten sind diesem Bericht entnommen.Dazuwerdenanhand eines Auszuges aus dem Bayer-Geschäftsbericht die praxisrelevanten wichtigsten Merkmale aktueller Geschäftsberichte erklärt.Zusätzlich wurden einige neue Kennzahlen eingeführt, die heute große Bedeutung haben.Außerdem wurde die Berechnung der Kennzahlen übersichtlicher gestaltet. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass der Leser die Berechnung der Kennzahlen leicht nachvollziehen kann.

Dr. Rüdiger Götte

November 2014

Vorwortzur ersten Auflage

Häufigbleibt dem Kleinanleger an der Börse nur ein französisches Sprichwort übrig:»Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!«Dieses Sprichwort hat an der Börse das Zeug dazu, ein Leitsatz der Kleinanleger zu werden.

Meistens werden nämlich durch Börsenanalysten die Kleinanleger in eine Aktie getrieben, indem die Messlatte der Erwartungen an eine Firma auf rekordträchtige Höhen getrieben wird. Verfehlt nun das Unternehmen diese Erwartung, zeigt man sich enttäuscht und senkt den Daumen zum Verkauf. Dieses Verhalten von Börsenanalysten ist nichts anderes als ein umsatz- und provisionsfördernder Aktionismus ohne fundamentale Begründung. Hier liegt vielmehr der Verdacht nahe, dass Eigeninteresse mit von der Partie ist.Zudem lassen oftmals Kursprognosen von Analysten Zweifel an deren fachgerechter Ausbildung aufkommen. Ein Sprichwort an der Börse sagt:»Wer nichts wird, wird Wirt. Und wer nichts ist? Wird Analyst.«

Vielleicht ist dies zu hart formuliert, aber ist der Börsenanalyst wirklich die Kompassnadel, die den Weg durch das Dickicht des Börsendschungels zeigt?Ist der Börsenanalyst wirklich der Unparteiische, der die Spreu vom Weizen trennt? Oder ist der Börsenanalyst nichts anderes als ein Verkäufer, der zuerst die Taschen seiner Auftraggeber und damit nicht zuletzt auch die eigenen füllt?

Schlägt man in einem Wörterbuch nach, was eigentlich Analyse bedeutet, so bekommt man folgende Aussage: Unter Analyse versteht man die systematische Untersuchung eines Gegenstandes bzw. Sachverhaltes. Doch wie sorgfältig können Analysen von Börsenanalysten schon sein, wenn sie wenige Minuten nach der Veröffentlichung von teilweise komplexen Umsatz- und Gewinnzahlen zu einem für das Unternehmen teilweise vernichtenden Urteil kommen? Ist dies nicht vielmehr eine Art Bauernfängerei?

Ferner sind viele Vermögensberater und letztlich auch Medien auf Finanzanalysten angewiesen, um ihre Kunden bzw. Leser oder Zuschauer mit vermeintlicher Kompetenz zu beeindrucken.

Das wohl bekannteste Beispiel für den Eigennutz von Analysten sind die im Jahr 2000 vielfach erstellten Analysen von Internetunternehmen, wo viele Unternehmen als besonders vielversprechend dargestellt wurden, die in Wirklichkeit keinerlei langfristige Geschäftsperspektive hatten. Aufgrund solcher Analysen sind zum Beispiel in Amerika einige namhafte Brokerhäuser ins Fadenkreuz der Justiz geraten.

Sie fragen sich nun sicherlich, warum ich Ihnen dies alles überhaupt erzähle. Möchte ich vielleicht nur mein Buch besonders marktschreierisch anpreisen? Nein, das ist nicht der Grund; ich möchte Ihnen vielmehr die Augen dafür öffnen, dass an der Börse (fast) nichts ohne Hintergedanken geschieht. Zudem sind häufig für die großen Investmenthäuser am Markt die Kleinanleger nur Manövriermasse, die es in die eine oder andere Richtung zu bewegen gilt.

Das Wissen darum sollten Sie bei jeder Anlageentscheidung berücksichtigen. Gönnen Sie also jeder Meldung und Empfehlung noch einen zweiten oder dritten Blick, und bleiben Sie kritisch, wenn es jemand auf den ersten Blick allzu gut mit Ihnen meint.

Nur die Anleger, die wissen, wie man eine fundamentale Aktienanalyse erstellt, haben die Chance,eine Analystenmeinungeinzuordnen und sich so ein eigenes Bild von dem Geschehen zu machen, damit sie eben nicht mehr nur die dumme Manövriermasse der Analysten sind. Hierzu gibt eseinschönes Sprichwort:»Wissen ist Macht«–und in diesem Fall auch Geld. Darum möchte ich dem Anleger mit meinem Buch das Wissen für die fundamentale Aktienanalyse vermitteln.

Für die freundliche Unterstützung bei den Recherchearbeiten zum vorliegenden Band möchte ich dem Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Götte danken. DesWeiterenbedanke ich mich für die Überlassung einiger Screenshots beiwww.onvista.de. Zusätzlich danke ich der Bayer AG für die freundliche Überlassung der Daten aus dem Geschäftsbericht 2001.

Dr. Rüdiger Götte

Sämtliche Daten, Formeln und Ausführungen in dem vorliegenden Buch wurden mit größter Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Dennoch können weder Verlag noch Autor sich für deren Richtigkeit verbürgen; jegliche Haftung seitens Verlag oder Autor für die Richtigkeit der in diesem Buch gemachten Angaben ist daher ausgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur zweiten Auflage – Was sich verändert hat!
Vorwort zur ersten Auflage
1 Einleitung
2 Vorauswahl eines Unternehmens für die fundamentale Aktienanalyse
3 Ablauf der fundamentalen Aktienanalyse
4 Geschäftsbericht
4.1 Was ist ein Geschäftsbericht?
4.2 Woher bekommt man einen Geschäftsbericht?
4.3 Wie ist ein Geschäftsbericht aufgebaut?
4.3.1 Brief an die Aktionäre
4.3.2 An unsere Aktionäre
4.3.3 Konzernlagebericht
4.3.3.1 Corporate-Governance-Bericht
4.3.3.2 Wertorientiertes Management
4.3.3.2.1 Return-on-Capital-Employed (RoCE, Kapitalrendite)
4.3.3.2.2 Konzept des Cashflow-Return-on-Investment (CFRoI)
4.3.3.2.3 Economic-Value-Added-Konzept (EVA-Konzept)
4.3.4 Konzernabschluss
4.3.4.1 Konsolidierungsmethoden von Tochterunternehmen
4.3.4.1.1 Vollkonsolidierung von Tochterunternehmen nach der Erwerbsmethode
4.3.4.1.1.1 Erstkonsolidierung nach der Buchwertmethode
4.3.4.1.1.2 Goodwill bzw. Badwill
4.3.4.1.1.3 Folgekonsolidierung nach der Erwerbsmethode
4.3.4.1.2 Kapitalkonsolidierung nach der Equity-Methode
4.3.4.2 Bilanz
4.3.4.2.1 Aufgaben der Bilanz
4.3.4.2.2 Bilanzierungsrichtlinien
4.3.4.2.3 Gliederung der Bilanz
4.3.4.2.3.1 Aktiva
4.3.4.2.3.1.1 Langfristige Vermögenswerte (Anlagevermögen)
4.3.4.2.3.1.2 Kurzfristige Vermögenswerte (Umlaufvermögen)
4.3.4.2.3.2 Passiva
4.3.4.2.3.2.1 Eigenkapital
4.3.4.2.3.2.2 Fremdkapital
4.3.4.3 Gesamtergebnisrechnung
4.3.4.3.1 Gewinn- und Verlustrechnung
4.3.4.3.2 Gesamtergebnisrechnung (sog. IFRS-Erfolgsrechnung)
4.3.4.4 Eigenkapitalentwicklung
4.3.4.5 Kapitalflussrechnung oder Finanzierungsrechnung
4.3.5 Konzernanhang
4.3.5.1 Anlagegitter bzw. -spiegel
4.3.6 Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
5 Analyse von Produkten und Dienstleistungen
6 Untersuchung des Branchen- und Wettbewerbsumfeldes sowie der Unternehmensstrategie
7 Allgemeiner Überblick über das betrachtete Unternehmen
8 Finanz- und erfolgswirtschaftliche Analyse (Bilanzanalyse)
8.1 Einleitung
8.2 Strukturanalyse
8.2.1 Vermögensstrukturanalyse
8.2.1.1 Kennzahlen der Vermögensstrukturanalyse
8.2.2 Kapitalstrukturanalyse
8.2.2.1 Kennzahlen der Kapitalstrukturanalyse
8.2.3 Finanzstrukturanalyse
8.2.3.1 Kennzahlen der Finanzstruktur
8.2.4 Strukturanalyse für den Beispielsfall der Bayer AG
8.3 Finanzanalyse
8.3.1 Liquiditätsanalyse
8.3.1.1 Liquiditätskennzahlen
8.3.2 Cashflow
8.3.2.1 Cashflow-Kennzahlen
8.3.3 Finanzanalyse für den Beispielsfall der Bayer AG
8.4 Erfolgsanalyse
8.4.1 Wirtschaftlichkeitsanalyse
8.4.2 Rentabilität
8.4.2.1 Die Eigenkapitalrentabilität
8.4.2.2 Gesamtkapitalrendite
8.4.2.3 Betriebsrentabilität
8.4.2.4 Umsatzrentabilität
8.4.2.5 Return-on-Investment-Konzept
8.4.3 Erfolgsanalyse für den Beispielsfall der Bayer AG
8.5 Zukunftsvorsorge
8.5.1 Anwendung auf den Beispielsfall der Bayer AG
8.6 Abschließende Beurteilung des Unternehmens Bayer AG
8.7 Schnellverfahren zur Ermittlung der Solidität und Finanzkraft eines Unternehmens
8.7.1 Exkursion: Bonität
8.7.1.1 Messung der Bonität eines Schuldners
8.7.1.2 Wie kommt es zu Bonitätsveränderungen?
8.7.1.3 Auswirkungen einer Bonitätsveränderung
8.7.2 Schnelltest zur Prüfung von Solidität und Finanzkraft eines Unternehmens
8.7.2.1 Anwendung des Schnelltests für unser Beispiel Bayer AG
9 Aktien- und kursbezogene Kennzahlen
9.1 Aktienbezogene Kennzahlen
9.2 Kursbezogene Kennzahlen
9.2.1 Dividendenrendite
9.2.2 Kurs/Buchwert-Verhältnis
9.2.3 Q-Ratio
9.2.4 Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Cashflow-Verhältnis
9.2.4.1 Kurs-Gewinn-Verhältnis
9.2.4.1.1 Einschub: PEG
9.2.4.2 Kurs-Cashflow-Verhältnis
9.2.4.3 Klassifizierung von Substanz- und Wachstumsaktien
9.2.5 Kurs-Umsatz-Verhältnis
9.2.6 EBIT und EBITDA
10 Methoden zur Berechnung des fairen Aktienkurses
10.1 Traditionelle bzw. relative Bewertungsverfahren
10.1.1 Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
10.1.2 Price/Earnings to Growth Ratio (PEG)
10.1.3 Enterprise-Value-Verfahren (EV)
10.1.4 Beispiel für die Bewertung eines Unternehmens mittels Multiplikatorenverfahren
10.2 Moderne Bewertungsverfahren
10.2.1 Das Substanzverfahren
10.2.2 Das Ertragsverfahren
10.2.3 Das Dividend-Discount-Modell
10.2.4 Das Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF-Methode)
10.2.4.1 Der Entity-Ansatz
10.2.4.2 Equity-Ansatz
10.2.5 Beispiel für die Anwendung moderner Bewertungsmethoden
10.2.5.1 Beispiel für moderne Bewertungsmethoden basierend auf dem Cashflow
10.2.5.1.1 Discounted Cashflow (DFC)
10.2.5.2 Beispiele für moderne Bewertungsmethoden basierend auf dem Gewinn je Aktie
10.2.5.2.1 Ertragsmethode
10.2.5.2.1 Modifizierte Ertragsmethode
10.2.5.2.3 Gewinn je Aktie / KGV-Modell
10.2.5.2.4 Berechnung des fairen Wertes mithilfe von Internetkalkulatoren
10.2.5.3 Der faire Wert eines Unternehmens
10.3 Relative Bewertungsmethoden im Vergleich zu modernen Bewertungsmethoden am Beispiel der Bayer AG
10.4 Abschließende Bewertung der Berechnungsverfahren
11 Anlagestrategien
11.1 Einleitung
11.2 Wichtige Aktienregeln
11.3 Informationssuche für die Aktienstrategien
11.4 Indexbezogene und nichtindexbezogene Aktienstrategien
11.4.1 Indexbezogene Strategien
11.4.1.1 Strategie Dividendenrendite
11.4.1.2 Nach Marktkapitalisierung bzw. Big-10-Strategie
11.4.1.3 Nach Kurs-Umsatz-Verhältnis
11.4.1.4 Strategie Aggressives Wachstum
11.4.1.5 Wert-Strategie
11.4.1.6 Wachstums-Strategie
11.4.1.7 Vergleich der indexbezogenen Strategien
11.4.2 Nichtindexbezogene Aktienstrategien
11.4.2.1 Variation der Reinganum-Strategie
11.4.2.2 Grahams Aktienstrategie
12 Goldene Regeln der fundamentalen Unternehmensanalyse
13 Schlusswort
14 Literaturverzeichnis
15 Glossar

1Einleitung

Welcher Mensch träumt nicht vom großen Geld, einem Leben in Reichtum und Luxus? Und nirgends scheint dieser Wunsch heutzutage leichter realisierbar zu sein als an der Börse. Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozentpunkten waren bis ins Frühjahr 2001 am Neuen Markteher die Regel als die Ausnahme. Dauerurlaub als Lebenskonzept rückte damit in greifbare Nähe. Leider lauern dicht neben gigantischen Gewinnen auch katastrophale Abstürze. So fiel beispielsweise der Neue-Markt-Index (NEMAXAll Share) von 8.544 (Datum: 10.03.2000) auf 462 Punkteam 13.09.2002, also um mehr als 90%[1].Manch frisch gebackener Anleger musste die bittere Erkenntnis machen, für kurze Zeit reich gewesen zu sein, um kurz darauf sein gesamtes Vermögen wieder zu verlieren–was für ihn heißt: Außer Spesen nichts gewesen.

Aus diesem Beispiel ersieht man, dass die meisten Anleger seltsamerweise an der Börse exakt das Gegenteil dessen tun, was sie im täglichen Leben tun würden. Je höher die Kurse steigen, je teurer also die Aktien sind, desto eher sind sie zu Käufen bereit. Obwohl dies jeglicher Vernunft widerspricht, denn in Phasen allgemeiner Aktienbegeisterung sind die Verlustrisiken am größten. Genau dieses seltsame Verhalten der Anleger veranlasste den amerikanischen Journalisten Charles H. Dow (1851-1902) schon vor mehr als100 Jahren zu dem Spruch:»Der größte Fehler der Anleger ist: Sie achten auf den Kurs einer Aktie statt auf ihren Wert.«

Um den Wert einer Aktie zu erkennen, entwickelten die Analysten ein ausgefeiltes Instrumentarium, nämlich die fundamentale Aktienanalyse. Dabei geht die fundamentale Aktienanalyse von der Hypothese aus, dass die Bewertung einer Aktiengesellschaft durch den Markt, d.h. den Aktienkurs, mehr oder weniger stark um den inneren Wert des Unternehmens herumpendelt. Dabei gilt: Ein Unternehmen kann immer nur so viel wert sein wie die gegenwärtigen und zukünftigen Gewinne.

Zudem geht die fundamentale Aktienanalyse davon aus, dass früher oder später fundamental günstige Aktien im Aktienkurs steigen werden. Als besten Beweis für die Gültigkeit der fundamentalen Aktienstrategie kann man wohl den legendären Erfolg des amerikanischen Aktiengurus Warren Buffet und seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway anführen, welche er streng nach den Grundsätzen der fundamentalen Aktienanalyse managt.

Doch kommen wir nun zurück zu dem Privatanleger: Welchen Nutzen bringt ihm die fundamentale Aktienanalyse? Der Privatinvestor strebt bei seiner Kapitalanlage in Aktien gewöhnlich nach einer absoluten Performance, für ihn besteht der Nutzen seiner Investition in Aktien vor allem aus Kurssteigerungen und erhaltenen Dividenden. Im Prinzip möchte er die Aktien möglichst billig kaufen und teuer wieder verkaufen. Genau dabei hilft ihm die fundamentale Aktienanalyse. Mit ihr kann der Privatinvestor erkennen, ob eine Aktie billig oder teuer ist.

Darum eröffnet dieses Buch dem Anleger das Geheimnis derfundamentalen Aktienanalyse. Dazu werden dem Anleger zunächst alle notwendigen Grundkenntnisse vermittelt. So erlernt der Privatinvestor anhand des Geschäftsberichtes des Unternehmens Bayer AG, einen Geschäftsbericht zu lesen. Im nächsten Schritt wird ihm erläutert, was eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung, ein Lagebericht usw. ist. Zudem lernt der Privatinvestor einen Konzernabschluss zu lesen. Er erfährt dabei unter anderem, was Goodwill-Abschreibungen sind.

Mit diesem Rüstzeug und Wissen kann dann die eigentliche fundamentale Aktienanalyse beginnen. Im Rahmen der fundamentalen Aktienanalyse wird dem Privatanleger auchgezeigt, wie man eine Bilanzanalyse durchführt. In der Literatur wird die Bilanzanalyse meistens als Synonym für die Auswertung eines Geschäftsberichtes verwendet. Das Ziel der Bilanzanalyse ist es, herauszufinden, wie die gegenwärtige und zukünftige Ertragskraft und die finanzielle Stabilität eines Unternehmenssind. Als Auswertungsinstrument werden dazu Kennzahlen verwendet.Kennzahlenliefern Erkenntnisse über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung des Unternehmens als Ganzes sowie in komprimierter Form auch prägnante Einsichten in Teilbereiche eines Unternehmens. Daher vermitteln Kennzahlen ein Bild der Situation, lassen Interdependenzen erkennen und decken Schwächen und Stärken eines Unternehmens im Betriebs- und Zeitvergleich auf. Um die Bilanzanalyse mittels Kennzahlen besonders anschaulich zu erklären, wird jeder Schritt am Beispiel der BayerAG erklärt.

Nach Abschluss der Bilanzanalyse, welche relativ umfangreich und zeitaufwendig ist, wird dem Anleger ein alternatives Verfahren aufgezeigt, das die Bilanzanalyse zu substituieren vermag, da esdieselben Ergebnisseliefert.

Letztlichzeigenbeide Analysen, ob für das betrachtete Unternehmen eine Insolvenzgefahr besteht oder nicht. Für die fundamentale Aktienanalyse kommen nämlich nur Aktien von Unternehmen infrage, bei denen keine Insolvenzgefahr besteht.

Im letzten Schritt wird nun anhand der Bayer AG aufgezeigt, wie man mit einfachen Mitteln den fairen Aktienkurs berechnet. Dabei gilt: Ist der gegenwärtige Aktienkurs unterhalb des fairen Aktienkurses, so ist die Aktie fundamental unterbewertet. Im anderen Fall wäre sie fundamental überbewertet und nach Ansicht der fundamentalen Aktienanalyse nicht mehr kaufenswert.

Zum Abschluss des Buches stelle ich Ihnen noch einige besonders erfolgreiche fundamentale Aktienstrategien vor.

2Vorauswahl eines Unternehmens für die fundamentale Aktienanalyse

Häufigwerdeich gefragt: Wiefindet man eigentlicheinfür ein Investment interessantesUnternehmen? Schließlich kann eineUnternehmensanalyse nur dann gewinnbringend sein, wenn man interessante Unternehmen findet. Somit kommtdemAuffinden von entsprechenden Unternehmen eine ebenso zentrale Rolle zu wie der eigentlichen fundamentalen Aktienanalyse.Vorab sei gesagt, dass es leider kein Patentrezept für das Auffinden von attraktiven Unternehmen gibt. Deswegen besteht ein maßgeblicher Teil der wertschöpfenden und kreativen Tätigkeit bei der fundamentalen Aktienanalyse darin, sich immer neue Kanäle (z.B. Internetforen, Zeitungen usw.)zu erschließen, um potenziell interessante Unternehmen zu finden. Sie sollten auch über den Tellerrand schauen, d.h. lesen Sie nicht nur Wirtschaftspublikationen, sondern auch Technikmagazine usw. So geben die Technikmagazine, wiez.B.C't, häufig frühzeitig Hinweise auf sich abzeichnende neue Trends. So berichtete z.B. die C't frühzeitig über den sich abzeichnenden Siegeszug desmobilenInternets.

Meiner Ansicht nach sollte bei der Vorauswahl der Unternehmen der Fokus aufdemGeschäftsmodell und weniger auf Fundamentaldaten oder Aktienbewertungen[2]liegen. Denn eine Vorauswahl nach Aktienbewertungen führt oftmals zu den sog.»Value Traps«. Dies sind nur scheinbar günstige Unternehmen, bei denen die günstigen Fundamentaldaten oft übereinenMangel im Geschäftsmodell oderschlechteZukunftsaussichten hinwegtäuschen.

Viele interessante Unternehmen lassen sicheinfachdurch ihre Präsenz im Alltag auffinden. Diesbezieht sich zum einen auf ihreProdukte, die wegen der Preispolitik, Qualität,Medienpräsenzoder aktueller Trends auffallen. Manchmal wird man auch durch die Berichterstattung über ein Unternehmen odereinenTrend in den Medien auf Investitionsmöglichkeiten aufmerksam. Zudem ist es ratsam,ein Netzwerk mitanderenInvestoren aufzubauen, um Ideen auszutauschen.

Ein Privatinvestor sollteallerdingsnur Aktien von Unternehmen kaufen, deren Produkte oder Dienstleistungen er versteht,d.h.deren Geschäfte er versteht. Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen ein Privatinvestor nicht kennt oder versteht, scheiden damit sofort aus[3].

Ziel der Vorauswahl eines Unternehmensfür die fundamentale Aktienanalyse ist es, die besten unter den vielen tausend gehandelten Unternehmen an der Börse zu finden. Deswegen ist es ratsam, im Zweifelsfall eher gegen als für ein Unternehmen zu stimmen.Nach welcher Art von Unternehmen sucht man also?Ichlassemich vondemGrundsatz leiten: Das Geschäftsmodell und die Produkte des zu bewertenden Unternehmens müssen verständlich und nachvollziehbar sein, nur dann ist eine genaue Analyse durchführbar!Hier sind vonbesonderemInteresse folgendeArten vonUnternehmen:

Hersteller kurzlebiger Produkte mit bekannten Markennamen, wiez.B.Wrigley, Coca-Cola, L'Oreal, Procter & Gamble (Gillette), Unilever, Nestléusw.

Unternehmen dieser Gruppe stellen Produkte mit relativ kurzenLebenszyklenher. Verkauft z.B. Gillette einen Rasierer, so wird der Kunde immer wieder neue, passende Rasierklingen kaufen müssen. Das heißt,das Unternehmen sichert sich durch den Verkauf des Rasierers zusätzliche wiederkehrende Verkäufe von Klingen. Ein anderes Beispiel istNestlémit der Einführung von Nespresso gelungen:Jede verkaufte Kaffeemaschine garantiert dem Unternehmen weitere Kapselverkäufe.

2.Anbieter von Produkten, die immer gekauft werden müssen, wie z.B. Bayer, E.ON, Deutsche Telekom, Abertis (Betreiber von Autobahnen)usw.

Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen die Konsumenten diese Produkte nachfragen. So ist die aus der Schweiz stammendeVetropack-Gruppe ein gutes Beispiel für diese Gruppe von Unternehmen. DieVetropack-Gruppe stelltu.a.Glasverpackungen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie her. Sicherlich kennen sie den Spruch:»Gegessenund getrunken wird immer.«Während es nichtgesichertist, dassKunden auch in wirtschaftlichen Abschwüngen zu teuren Markenprodukten (wie. z.B. von Unilever oderNestlé) greifen, so ist es doch wahrscheinlich, dass auch in der tiefsten Rezession Getränke und Lebensmittel verpackt werden müssen. Entsprechend verdient die Vetropack-Gruppe als Verpackungslieferant mit.

3.Unternehmen, deren Produkte aufgrund von Markenname, Image, Technik oder Qualität mit einem deutlichen Aufschlag am Markt verkauft werden können, wiez.B.Apple, LVMH, Audi, Tiffany & Co usw.

In dieser Kategorie trifft man hauptsächlich Unternehmen an,die Luxusartikel oder Life-Style-Produkte anbieten. So können z.B. Tiffany & Co, LVMH dank ihres Image und ihrer Produktqualität hohe Preise durchsetzen.

4.Anbieter von Produkten, die wegen externen Einflüssen und Regulierungen nachgefragt werden müssen, wiez.B.Rosenbauer, Geico usw.

So kommtz.B.keine Kommune, Stadt oderkeinFlughafen ohne eine moderne Flotte an Löschfahrzeugen aus. In diese Lücke stößt der österreichische Löschfahrzeughersteller Rosenbauer. Zudem wirtschaftet das Unternehmen in einem Oligopol aus einigen wenigen Anbietern weltweit. Ein anderes Unternehmen ist die Allianz. So ist laut Gesetz in Deutschland jeder Autofahrer verpflichtet, eine Autoversicherung abzuschließen.

5.Unternehmen,deren Produkte über eine hohe Skalierbarkeit verfügen,d.h.deren Grenzkosten gegen null streben,wiez.B. SAP, Microsoft, Pfizer usw.

In diese Gruppe werdenz.B.Softwareunternehmen eingeordnet, dasich ihreProdukte, wenn sie einmal entwickelt wurden,quasi ohne weitere Kosten vervielfältigen lassen. Problematisch an Softwareunternehmen ist, dass sie schwer zu analysierensind, weil der Unternehmenserfolg häufig an wenigen Produkten und Innovationen hängt. Verschläft das Management einen Trend,kann das ganze Unternehmen auf der Kippe stehen. Beispielsweise kämpft Microsoft immer noch um den Anschluss an das mobile Zeitalter. So laufendieProduktedes Unternehmensauf Smartphone oderTableteher selten. Ebenfalls zu dieser Gruppe zählen die Hersteller von Pharmazeutika. Zu Beginn fallen zwar hohe Kosten für Forschung und Entwicklung an, welche sich aber nach Markteinführung durch geringe Stückkosten pro Pille amortisieren.

6.Anbieter des günstigsten Produktes in einem Markt, wiez.B.Walmart, Amazon usw.

Nicht nur einMarkennameistein Alleinstellungsmerkmal,auchder günstigste Anbieter in einem Markt zu sein, kann ein solches Merkmal sein. Der Onlinehändler Amazon hat durch sein ausgeklügeltes Logistiknetz und seine Größe einen Kostenvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Walmart hat durch sein gigantisches Umsatzvolumen von mehr als400 Mrd. $eines der höchsten Einkaufsvolumen weltweit und sichert sich dadurch Vorteile im Einkauf.

7.Anbieter von langlebigen Gütern, wie Daimler, BMW usw.

Innerhalb dieser Gruppe werden mitunter hohe Umsätze (z.B.mit Häusern, Waschmaschinen, Autos usw.) erzielt. Allerdings benötigt der Konsument selten mehr als eine Einheit dieser Produkte. Dementsprechend sind die Wiederkaufszyklen weit gestreckt. Zudem werden von Konsumenten in Abschwungphasen größere Investitionen in langlebige Güter eher aufgeschoben.

EinandererinteressanterAnsatz ist die A-Z-Analyse. Bei der A-Z-Analyse wird ganz simpel eine Liste von Unternehmen dem Alphabet nach von A bis Zzusammengestellt undausgewertet. Die Grundgesamtheit kann dabei eine Liste aller nationalen oder internationalen Unternehmen enthalten. So erklärte Warren Buffett in einem Interview seinen Ansatz, schlichtweg jedes börsennotierte Unternehmen in den USA anzusehen. Der verschreckte Reporter sagte erstaunt:»But there's 27.000publiccompanies«, worauf Buffet erwiderte:»Well, start with A's.«

Sie sehen schon,dieser Ansatz erfordert hohen Zeiteinsatz und Ausdauer. Da in der Regel die wenigsten Privatinvestoren diesen Aufwand leisten können, habe ich die A-Z-Analyse abgewandelt, damit sie schneller zum Ziel führt. Dabei orientiere ich mich an der Brancheneinordung der großen Indices, insbesondere des EuroStoxx 50. So bekommt man einen repräsentativen Überblick über die Wirtschaft. Danach wähle ich aus jeder Branche die besten Unternehmen aus. Dazu stelle ich mir folgende Frage:Hat das Unternehmen einen bekannten Markennamenin seiner Branche?Schließlich wird die Rentabilität eines Unternehmens durch seine Marktposition unddasKostenmanagement bestimmt.

Als die Extremposition einer ausgeprägten Marktposition ist natürlich das Monopol zu nennen. Dies ist allerdings in der Realität wegen Wettbewerbs- und Regulierungsgründen in Reinform selten vorzufinden. Darum gilt es,nach abgeschwächten Formen von Monopolen zu suchen, alsonachUnternehmen mit einem Alleinstellungsmerkmal, wie einembekanntenMarkennamen. Beispielsweise ist der Markenname der Coca-Cola Company in weiten Teilen der Welt einer der bekanntesten. Deshalb kann kaum ein Restaurant oder Supermarkt darauf verzichten, Produkte von Coca-Cola anzubieten, ohne Gefahr zu laufen,Ertragseinbußen hinzunehmen. Dem Management der Coca-Cola Company ist es gelungen, die Brause von einem simplen Getränk zu einem Life-Style-Produkt mit eigener Botschaft (»köstlich und erfrischend«) zu entwickeln. Deswegen verfügt das Unternehmen über Marktmacht, die esihmerlaubt, Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben und so nachhaltig hohe Renditen zu erzielen.

Andere Unternehmen mit bekannten Markennamen sindz.B.:Bayer (Aspirin), Beiersdorf (Nivea),BMW, VW,Daimler (Mercedes-Benz), Porsche, Metro(MediaSaturn-Gruppe), aber auch Amazon, Microsoft (Windows) oderGoogle.

Traut man sich als Privatinvestor nicht zu entscheiden, ob ein Unternehmen einen bekannten Markennamen hat, so muss man auf die jährlich publizierten Hitlisten der bekanntesten Markennamen zurückgreifen. Solche Hitlisten werden veröffentlicht von Agenturen wie beispielsweise Interbrand[4]. Diese Hitlisten werden in Zeitungen oder im Internet veröffentlicht. Die Idee hinter diesem Kriterium ist, dass Markenbuchstäblich Gold wert sind und ein Garant für die Stabilität von Gewinnen.

Alsnächstes sollte Sie sich der Frage zuwenden: Ist das Unternehmen der Herrscherinnerhalb seiner Branche? Dabei gilt: Ist ein Unternehmen nicht die Nummer 1 in seiner Branche bzw. seinem Markt, dann gehört es auch nicht in die Vorauswahl. Viele Laien verfallen nämlichdemIrrtum und setzen auf die Nummer 2, weil sie glauben, dass die Nummer 2 noch»Aufholpotenzial«hat. Dies ist ein großer Irrtum. Sie würden ja auch beim Pferderennen nicht auf die Nachzügler setzen.

Beispielsweise ist Google die Nummer 1bei den Internetsuchmaschinen und gehört somit zur Vorauswahl. Auch Yahoo gehört zu den Marktführern bei den Internetsuchmaschinen, allerdings ist der Abstand zu Google beträchtlich. Obwohl Yahoo noch Marktführer bei der Verwaltung von E-Mail-Accountsist,gehört es nicht zur Vorauswahl, da esderzeit einigefundamentaleProbleme hat.

Allerdings kann eineNummer 1 auch seinen Platz an der Sonne verlieren!Die Geschichte ist voll von sog.»Fallen Angels«, großen Marken, die durch Managementfehler oder äußere Einflüsse an Ansehen verlorenhaben.Beispielsweise war Nokia in den 1990er Jahren die Nummer 1 im Handymarkt(fast jedes zweite verkaufte Handy stammte von Nokia)und gehörte somit zur Vorauswahl. Allerdings»verschlief«das Management wichtige Entwicklungen im Handymarkt, wiez.B.Smartphonesund Apps. Aus diesem Grund verlor Nokia seineMarktführerschaft an Samsung und Apple.Wie schwer die Krise von Nokia war, zeigt sich daran,dassNokiaim September 2013 seine Handysparte komplett an Microsoft verkaufthat.

Deswegen sollte der Anleger sich von Zeit zu Zeit fragen: Welches Verhalten und welche Einstellungen bewirken das finanzielle Ergebnis des Unternehmens? Mit anderen Worten: Wiehat sich die Branche verändert,inderdas Unternehmen tätig ist?Beispielsweise wurde durch das Internet der Zeitungsmarkt grundlegend verändert, sodass viele Traditionshäuser mit sinkendenEinnahmen bzw. Verlusten zu kämpfen haben.

Letztlich ist es egal,in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist. Solange es ein Branchenführer ist, wiez.B.Samsung, lohnt sich ein Blick auf das Unternehmen.In vielen Branchen, so zum Beispiel in der Automobilbranche, gibt es keinen wirklichen Herrscher. Deswegen sind Daimler oderVW, trotz ihrer offensichtlichen Qualitäten, keine Herrscher der Branche. In solchen Fällen kann man dieses Kriterium für die Branche nicht anwenden. Für solche Branchen gilt,dassman sich auf Unternehmen konzentrierensollte, die über bekannte Marken verfügen. Bedenken Sie dabei immer: EinUnternehmen wird in der Regel zum Marktführer, weil es das bessere Unternehmen ist und die besseren Produkte hat.

Bei meiner Vorausauswahl nach attraktiven Unternehmen bin ich auf die Bayer AG gestoßen. Sie überzeugte michaus den folgenden Gründen:

Tabelle1:Warum Bayer?

Allgemeines:

Bayeristein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Dies bedeutet, dass die Bayer AG in sehr attraktiven Geschäftsbereichen tätig ist. Diese Bereiche versprechen für die Zukunft ein Wachstum und hohe Ertragskraft, weil Gesundheit und Ernährung Megatrends sind.Daneben sollte wegendesKlimawandelsder Bereich hochwertige Materialien zulegen können, weil hier viele Produkte zur Energieeffizienz bzw. zur Vermeidung von CO2, wie Dämmstoffe oder leichte Materialien, entwickelt werden.

Aufbau der Bayer AG

Umsatzerlöse in Mio.€

Bayer-Konzern

39.760

Teilkonzerne

in Mio.€

Anteil am Konzernumsatz in%

HealthCare

CropScience

MaterialScience

18.612

8.383

11.503

47%

21%

29%

Einzelne Geschäftsbereichebzw. Teilkonzerne:

BayerHealthCare(Gesundheitsbereich) gehört zu den weltweit führenden innovativen Unternehmen der Gesundheitsversorgung. Das Geschäft ist in vier Divisionen aufgeteilt: Animal Health (Tierarzneimittel und-pflegeprodukte), Consumer Care (verschreibungsfreie Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel), Medical Care (Blutzucker-Messgeräte, Kontrastmittel usw.) und Pharmaceuticals (verschreibungspflichtige Arzneimittel).Dieser Bereich hatviele bekannte Marken, wiez.B.Aspirin, Yasmin, Adalat.

Bayer CropScience gehört zu den großen Unternehmen im Bereich Pflanzenschutz und Saatgut. Der Bereich ist in folgende Segmente unterteilt: Crop Protection/Seeds (dieserBereich bietet hochwertiges Saatgut (Seeds) und Pflanzenschutzlösungen auf biologischer und chemischer Basis an) sowie Environmental Science (fokussiert sich auf nicht-landwirtschaftliche Anwendungen. Darum werden viele Produkte und Dienstleistungen zur Kontrolle von Schädlingen in Heim und Garten bis hin zur Forstwirtschaft angeboten).Auch dieser Teilkonzernbesitzt viele bekannte Marken innerhalb der Landwirtschaft, wiez.B.Adengo, Basta, Luno, BayerGarden usw.

Bayer MaterialScience gehört zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Daneben bietet es Systemlösungen an, die in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens Anwendung finden. Der Bereich ist in folgendeDivisionenunterteilt: Polyurethanes (wichtiges Einsatzgebiet ist die Bauindustrie, wo Hartschaum auf Basis von Polyurethanen (PU) als hochwertiger Dämmstoff eingesetzt wird), Polycarbonates (durch Einsatz von Polycarbonat werdenu.a.gewichtsreduzierte Materialien hergestellt, wiez.B.Autoscheiben),»Coating, Adhesives, Specialities«(u.a. Lack- und Klebstoffrohstoffe) sowie Industrial Operations. Bayer verfügt über viele bekannte Marken innerhalb der Branche, wiez.B.Makrolon (Polycarbonat (transparenter, schlagzäher Kunststoff)),der AnwendungimAutomobil-, Elektrobereichoder bei der Herstellung von CD und DVDs findet.

Daneben gibt es noch Servicegesellschaften, die zentrale Servicefunktionen für das operative Geschäft der Bayer-Teilkonzerne (HealthCareusw.) erbringen.Der Bereich Business Services konzentriert sich auf Dienstleistungen bei derIT-Infrastruktur, Einkauf, Logistik, Finanz- und Rechnungswesen usw. Technology Services bietet das technologische Rückgrat, wenn es um die Entwicklung und die Planung sowie den Bau und die Optimierung von Prozessen und Anlagen geht. Currenta bietet Dienstleistungen im chemisch-technischen Bereich an, wieu.a.Energieversorgung, Entsorgung, Infrastruktur usw. Daneben betreibt es den Chempark an den Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Diese Servicegesellschaft ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Bayer und Lanxess.

Fazit:

Bayer ist ein Unternehmen, das in allen seinen drei Teilkonzernen sehr bekannte Marken hat. Diese dürften für ein gutes Wachstum sorgen. Obendrein gehört Bayer in allen seinen drei Bereichen – Pharma,CropScience, Materialien – zu den Top-Playernam Markt. Diese Stellung dürfte die Bayer AG halten können, weil sie8%des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Hieraus sollte ein stetiger Strom von neuen bzw. verbesserten Produkten resultieren,die zu einem Umsatzwachstum führen.Zudem betätigt sich der Konzern in zukünftig vielsprechenden Bereichen.

Der Medikamentenbedarf dürfte wegen der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung und der steigenden Nachfrage in den Schwellenländern zulegen. Getrübt werden die Aussichten dadurch, dass auf fast allen Gesundheitssystemen ein zunehmender Kostendruck lastet. Er dürfte dazu führen, dass nach Patentablauf verstärkt Generika nachgefragt werden stattderOriginalpräparate. Durch die hohen Forschungsausgaben dürfte Bayer stetig Innovationen liefern, die Umsatzeinbußen ausgleichen.

Um die steigende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen, wird eine Steigerung der Ernteerträge und -qualität immer wichtiger. Dies dürfte auch die Nachfrage nach Saatgut und Pflanzenschutzmittelnankurbeln.

Obendrein führt die steigende Weltbevölkerung zu einer Verknappung fossiler Ressourcen, zu einer steigenden Mobilität und zu einem Wachstum der Städte. ZurLösung dieser Herausforderungen bietet der Bereich»hochwertige Materialien«eine Vielzahl von Produkten zur Energie- und Ressourceneffizienz, umweltschonende Mobilität, Bauen und Wohnen an.

All dies dürfte dazu führen, dass die Bayer AG in Zukunft auch weiterhin gute,rentable Geschäfte tätigen kann. Somit lohnt sich eindetailliertererBlick auf die Bayer AG.

Abschließend sollten Sie immer vor Augen haben, dass der moderne Kapitalismus einer Segelregatta gleicht, bei der die einzelnen Schiffe sehr hart am Wind segeln. Unternehmen, die sich auf nur einen Geschäftsbereich konzentrieren, fahren mit einem höheren Risiko als Unternehmen mit vielen Geschäftsbereichen (wie zum Beispiel Siemens). Dadurch haben die Unternehmen mit einem Geschäftsbereich die Geschwindigkeit, die sie benötigen, um zu den Siegern zu gehören. Ob Sie auf Unternehmen setzen, die sich ausschließlich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren–wie z.B. Coca-Cola (Softdrinks und Nahrungsmittel), ebay (Internetauktionen), Nestlé (Nahrungsmittel),Walmart (Einzelhandel) oderDisney(Medien)–hängt von ihren persönlichen Präferenzen ab.

Bedenken Sie aber auch, dass Mischkonzerne mit mehreren unterschiedlichen Geschäftsbereichen auch ihre Reize haben–so wie beispielsweise General Electric oder Siemens.

Nachdem wir uns nun mit der Vorauswahl eines Unternehmens beschäftigt haben, steigen wir direkt in die fundamentale Aktienanalyse ein.

3Ablauf derfundamentalen Aktienanalyse

Bevor man sich der fundamentalen Aktienanalyse zuwendet, ist es sinnvoll, sich zunächst kurz mit der Börsenpsychologiezu beschäftigen.So sagte einmal der Altmeister der BörsenspekulantenAndré Kostolany: »Wirtschaft und Börse verhalten sich wie ein Mann und sein Hund. Der Mann geht langsam voran, der Hund läuft vor, schnuppert und kommt wieder zurück und am Ende kommen beide gemeinsam an.« Dies bedeutet nichts anderes, als dass kurz- und mittelfristig psychologische Faktoren die beherrschenden Faktoren der Börsenentwicklung sind. Aber langfristig dagegen bestimmen Fundamentaldaten den Trend an der Börse. Ein Beispiel für den Effekt ist die Kursexplosion bei den Aktien der sog.New Economyan den Weltbörsen in den Jahren 1998 bis zum Frühjahr 2000. Diese Kursexplosion stellte die traditionelle fundamentale Aktienanalyse infrage. Aber mit dem dramatischen Abschwung der New Economy in den folgenden Jahren bestätigte sich wiederum der Leitspruch vonKostolany: »Wirtschaft und Börse verhalten sich wie ein Mann und sein Hund ...« Daher empfiehlt Kostolany: »Aktien stets nach sorgfältiger Vorauswahl kaufen und anschließend in Dauerschlaf verfallen. Und falls man zwischenzeitlich erwacht und die Kurse gefallen sein sollten: Nicht in Panik verfallen, sondern nachkaufen.«

Nach dieser kleinen Exkursion kommen wir nun wieder zurück zurfundamentalen Aktienanalyse. Grundsätzlich läuft jede fundamentale Aktienanalyse nach einem bestimmten Schema ab. Aber die Aussage der Analyse hängt von dem Zweck der Zielgruppe ab. Dies wird deutlich, indem man sich die unterschiedlichen Ziele von einzelnen Nutzergruppen der fundamentalen Aktienanalyseansieht:

·Eigentümerwechsel: Im Rahmen von Unternehmenskäufen bzw. -verkäufen dient die Analyse zur Preisfindung. Hierbei spiegelt der letztlich gefundene Preis den jeweiligen Nutzen bzw. Wert für den Käufer und Verkäufer wieder. So können beispielsweise künftig erzielbare Synergien einen Käufer dazu veranlassen, ein Unternehmen höher zu bewerten, als sich auf Basis einer Stand-alone-Analyse ergeben würde.

·Kapitalanlage für Privatanleger: Ein Privatanleger strebt gewöhnlich nach absoluter Performance seiner Anlage, für ihn besteht der Nutzen seiner Anlage vor allem aus Kurssteigerungen und Dividenden.

·Kapitalanlage für Institutionelle: Der institutionelle Investor (dies sind z.B. Versicherungen oder Aktienfonds) bemisst den Wert einer Investition in eine Aktie auf Basis der erwarteten Performance relativ zu einem Referenzindex bzw. einer Benchmark (z.B. einen Aktienindex, wie der Deutsche Aktienindex [DAX]). Er sucht also Aktien, die besser sind als der Index.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Unternehmensanalyse kein Standardprodukt ist, welches jeder Zielgruppe gerecht wird. So kann dieselbe Analyse bei den einzelnen Zielgruppen zu widersprüchlichen Aussagen führen: Eine Aktie kann in einem fallenden Markt für eineninstitutionellen Investor ein Kauf sein, wenn sie sich besser – trotz Kursrückgang – entwickelt als der entsprechende Benchmark. Dagegen ist die gleiche Aktie für einen Privatanleger kein geeignetes Investment, da er absolut gesehen Geld verliert. Hieraus wird deutlich, dass undifferenziertes Betrachten einer Analyse zu wenig aussagekräftigen Ergebnissen führt.

Trotz der angesprochenen Zielgruppenproblematik läuft der Prozess einerfundamentalen Aktienanalyseimmer nach einem bestimmten Muster ab:

·Analyse von Produkten/Dienstleistungen;

·Untersuchung des Branchen- und Wettbewerbsumfeldes sowie der Unternehmensstrategie;eswerden solche Fragen gestellt wie: Wie ist die Stellung des Unternehmens im Markt? Gibt es besondere Einflüsse, die dem Unternehmen ernsthaft schaden können[5]?

·Finanz- und erfolgswirtschaftliche Analyse (Bilanzanalyse);

·Bewertung des Unternehmens.

Die einzelnen Schritte sind dabei jedoch niemals isoliert zu betrachten, sondern jeweils ein integraler Bestandteil eines komplexen Prozesses. In den folgenden Kapiteln wird dieser Ablauf der fundamentalen Aktienanalyseausführlich am BeispielderBayer AG erläutert. Um überhaupt mit der fundamentalenAktienanalyse beginnen zu können, benötigt man einen Geschäftsbericht eines Unternehmens.Denken Sie dabei immer daran: DerGeschäftsbericht ist ein Spiegel der wirtschaftlichen Zustände und Entwicklungen eines Unternehmens. Letztlich zeigt er das wirtschaftliche Geschehen in einem Unternehmenan.Daher beschäftigt sich das nächste Kapitel zunächst einmal mit den Fragen:

·Was ist ein Geschäftsbericht?

·Woher bekommt man einen Geschäftsbericht?

4Geschäftsbericht

Nach Altmeister André Kostolanyzeichnet sich der erfolgreiche Börsianer durch die Beachtung der vier Gs aus:Geld(eigenes und keingeliehenes) haben, sichGedankenmachen, in schwierigen Zeiten inGeduldüben sowie auf ein QuäntchenGlückhoffen. Sich Gedankenmachen–das heißt, sich profund zu informieren, bevor man handelt.

Genau dieses Hintergrundwissen liefert der Geschäftsbericht. Folgerichtig ist der Geschäftsbericht das wichtigste Handwerkszeug bei der fundamentalen Aktienanalyse. Darum sollten Sie in der Lage sein, einen Geschäftsbericht zu lesen und–was vielleicht noch wichtiger ist–ihn zu bewerten. Dazu vermittelt Ihnen dieses Kapitel das notwendige Rüstzeug.

4.1Was ist ein Geschäftsbericht?

Der Geschäftsberichtist die wichtigste Informationsquelle, aus der Finanzanalysten bzw. Privatinvestoren ihr Wissen über ein Unternehmen schöpfen. Der Geschäftsbericht enthält in der Regel den Jahresabschluss, den Lagebericht sowie weitere Informationen. Dabei setzt sich der Jahresabschlussaus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie dem Anhang zusammen. Aus all diesen Informationen lässt sich ein Bild des Unternehmens formen.

Dabei richten sich die Informationen eines Geschäftsberichtes nicht nur an die Aktionäre und solche, die es werden möchten, sondern auch an Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, kurz gesagt: an die gesamte interessierte Öffentlichkeit. Insofern findet man in dem Geschäftsbericht auch Stellungnahmen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Branche, in dem das Unternehmen tätig ist. Außerdem wird häufig auch im Geschäftsbericht Stellung genommen zur Wirtschafts- und Steuerpolitik. Durch diese Aussagen kann der Aktionär relativ gut abschätzen, wie sich das Unternehmen im Branchenumfeld geschlagen hat. Wird zum Beispiel erwähnt, dass die Branche um 5%gewachsen ist, aber das Unternehmen nur um3%, so deutet dies darauf hin, dass das Unternehmen Marktanteile verloren hat.

Vor allem an die Aktionäre richten sich die Quartals- und Zwischenberichte, die börsennotierte Aktiengesellschaften über die Quartale oder die erste Hälfte ihres Geschäftsjahres veröffentlichen. Diese Berichte informieren den Aktionärzwischen den Erscheinungsterminen der Geschäftsberichte über die Entwicklung der Geschäftstätigkeit des Unternehmens und geben Aussagen über die mögliche Entwicklung des Unternehmens bis zum Ende des Geschäftsjahres. Die Publizitätspflichten der Unternehmen regelt das Handelsgesetzbuch(Abk. HGB).

Für einen unbedarften Leser enthalten die Geschäftsberichte eigentlich nur lange Zahlenkolonnen. Hinter diesen Zahlenkolonnen verbergen sich aber Informationen über die Vermögens-, die Finanz- und die Ertragslage des betrachteten Unternehmens. Die nachfolgenden Abschnitte werden Ihnen dabei helfen, das Geheimnis dieser Zahlenkolonnen zu lüften.

Doch vorab sollten wir uns einen Augenblick damit befassen, nach welchen allgemeinen Regeln ein Geschäftsbericht aufgebaut wird. Ein Geschäftsbericht wird nach Bilanzierungsregeln aufgebaut. Sie regeln, grob gesagt, wie die Zahlenkolonnen zustande kommen, also wie die einzelnen Positionen bzw. Zahlen der Zahlenkolonnen zusammengestellt werden. In Deutschland spielen drei Bilanzierungsregeln zurzeit eine Rolle. Diese sind:

·Das Handelsgesetzbuch (HGB) zusammen mit den deutschen Rechnungslegungsstandards (DRS),

·die US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (Abk.: US-GAAP)

·und die International Financial Reporting Standards (Abk.:IFRS[6]).

Während sich die international anerkannten Richtlinien US-GAAP und IFRS von Aufbau und Struktur her ähneln, weichen die Vorschriften des HGBs deutlich davon ab.

So berücksichtigt der Abschluss nach HGB in erster Linie die Interessen der Gläubiger und stellt deswegen prinzipiell eine vorsichtige Bewertung des Vermögens in den Vordergrund. Dagegen orientieren sich die internationalen Richtlinien US-GAAP und IFRS/IASvornehmlich am Interesse der Investoren, die an einem realistischen Gewinnausweis interessiert sind. Daher verlangen US-GAAP und IFRS, zeitnah und vorausschauend zu bilanzieren. Darüber hinaus verlangen sowohl US-GAAP als auch IFRS detaillierte Informationen über den Geschäftsverlauf, wie beispielsweise umfangreiche Angaben zu den Segmenten eines Unternehmens. Ein weiterer Unterschied zu den HGB-Richtlinien ist, dass die internationalen Richtlinien US-GAAP und IFRS keine steuerlich motivierten Wertansätze zulassen.

Die Unterschiede zwischen den drei Bilanzierungsstandards sind zum Teil historisch bedingt. So entstand das HGB bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit unterstand die Geldpolitikin Deutschland ausschließlich dem Staat. Der Staat als Gesetzgeber hatte ein Interesse daran, inflationäre Erscheinungen im Sinne des Gläubigerschutzes aus den Bilanzen herauszuhalten.Der Abschluss nach HGBistweiterhin relevant für die Einzelabschlüsse vieler Unternehmen unddientals Ausschüttungs- undSteuerbemessungsgrundlage.

Dagegen entstanden die US-GAAP als Folge des großen Börsenkrachs von 1929. Dieses Ereignis wurde zum Anlass genommen, den Handel mit Wertpapieren unter scharfe Kontrolle zu stellen. Darum dient die US-GAAP-Richtlinie auch vorrangig der Prämisse des Investorenschutzes.

Die inEuropa weit verbreiteten IFRSwurden vom Londoner International Accounting Standards Board (IASB)[7]mit dem Ziel entwickelt, die Bilanzierungsgrundsätze von Geschäftsberichten international zu harmonisieren.

Die Unterschiede in der Rechnungslegung können beträchtlich sein, wie folgende Tabelle zeigt.

Tabelle2:Die wichtigsten Unterschiede in den Rechnungslegung der Bilanzen nach HGB, IAS und US-GAAP

Sachverhalt

HGB

IAS

US-GAAP

Beispiel

Selbsterstelltes immaterielles Anlagevermögen (z.B.Patente und Lizenzen).

Dürfen in der Bilanz nicht angesetzt werden.

Dürfen zu Herstellungskosten ausgewiesen werden, wenn sie künftig zu Gewinnen führen.

Werden bei Ertragsaussicht inderBilanz ausgewiesen.

BASF stellte 1998von HBG auf US-GAAP um. Hierdurch konnte selbst entwickelte und genutzte Software in Höhe von 50,1 Mio.€inderBilanzangesetzt werden. Zusammen mit anderen Anpassungen stieg das Geschäftsergebnis auf 1,32 Mrd.€(HGB: 1,24 Mrd.€).

Forschungs- und Entwicklungskosten für selbsterstelltesimmaterielles Anlagevermögen.

Dürfen in der Bilanz nicht angesetzt, aber in der Gewinn-und Verlustrechnung als Aufwand gebucht werden.

Werden in die Bilanz als Aktiva gebucht, falls zukünftig Gewinne zu erwarten sind. Kein Vollkostenansatz in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Dürfen nicht indieBilanz aufgenommen werden, mit folgenden Ausnahmen: Computer-Software, Erdöl- oder Erdgasexplorationen.

DaimlerChrysler bilanziertseit2001 nach US-GAAP. Dies führte dazu, dass inderGewinn- undVerlustrechnung Forschungs- und Entwicklungskosten von über 5,9 Mrd.€verbucht wurden, was das Konzernergebnis und den Gewinn stark schmälerte.

Goodwill bei Übernahmen.

Darf in der Bilanz angesetzt werden und über 4 Jahre oder längere Nutzungsdauer gewinnmindernd abgeschrieben werden. Wahlweise darf der Goodwill auch erfolgsneutral mit Rücklagen verrechnet werden.

Muss in der Bilanz gebucht und über 20 Jahre abgeschrieben werden. Die jährlicheAbschreibung drückt selbstverständlich den Gewinn. Jährlich wird geprüft, ob die planmäßige Abschreibung um eine außerplanmäßige (Goodwill-Abschreibung)ergänzt werden muss, wenn der Goodwill besonders stark gefallen ist.

Muss inderBilanz gebucht werden. Anstelle kontinuierlicher Abschreibungen wird der Wert jährlich geprüft und ggf. korrigiert. Dies führt zu tendenziell höheren Gewinnen, die aber in den einzelnen Jahren stark schwanken.

1999 stellte die Deutsche Telekom von HGB auf US-GAAP um. So musste sie erstmals Goodwill-Differenzenausweisen. Hierdurch erhöhte sich das Geschäftsergebnis um 5 Mio.€.

Rückstellung für drohende Verluste oder Verbindlichkeiten.

Sind möglich, wenn der Eintritt der Verbindlichkeit möglich ist. Dabei darf eher ein höhererBetrag alseinzu niedriger gebucht werden.

Darf gebucht werden, wenn die Verpflichtung gegenüberDritten besteht und die Inanspruchnahme wahrscheinlich ist. Es muss aber der niedrigste zu erwartendeBetrag angesetzt werden.

Darf gebucht werden, wenn die Verpflichtung gegenüber Dritten besteht und die Inanspruchnahme wahrscheinlich ist. Der Betrag muss realistisch geschätzt werden.

Mit der Umbuchung von HGB auf IAS löste die Münchner Rück 1998 eine gesetzlich vorgeschriebene Schwankungsreserve von 276 Mio.€auf, die nach IAS-Regeln nicht erlaubt ist. Der Jahresüberschuss verdoppeltesich fast auf 1,2 Mrd.€im Vergleich zum HGB.

Bewertung von Pensionsrückstellung.

Nur nach den tatsächlich entstandenen Verpflichtungen zum Stichtag.

Dynamisch, wobei das künftige Gehalts- und Rentenwachstum mit berücksichtigt werden muss.

Dynamisch, wobei das künftige Gehalts- und Rentenwachstum mit berücksichtigt werden muss.

RWE erhöhte bei der Umstellung von HGB auf IAS diesen Posten von 5,98 Mrd.€auf 9 Mrd.€, entsprechend belastete dies den Gewinn.

Diese Unterschiede zeigen sich besonders deutlich, wenn man sich Konzernabschlüsse desselben Unternehmens ansieht, die jeweils nach zwei verschiedenen Rechnungslegungen aufgestellt wurden.

Bilanz- und Ertragspositionen von VW,Stichtag 31.12.2000

HGB

IFRS

Umsatz

85.554 Mio.€

Umsatz

83.127 Mio.€

Jahresüberschuss

  2.061 Mio.€

Jahresüberschuss

  2.614 Mio.€

Eigenkapital

11.267 Mio.€

Eigenkapital

21.371 Mio.€

Vorräte

  8.389 Mio.€

Vorräte

  9.335 Mio.€

Bilanz- und Ertragspositionen von Allianz, Stichtag31.12.2006

IFRS

US-GAAP

Jahresüberschuss

  7.021 Mio.€

Jahresüberschuss

   6.517 Mio.€

Eigenkapital

49.650 Mio.€

Eigenkapital

52.999 Mio.€

Gewinn je Aktie

  17,09€

Gewinn je Aktie

   15,59€

Es zeigt sich, dassHGB und IFRSteilweise heftige Unterschiedein denBilanzierungsvorschriftenhaben. Zum Teil erklären sich die Unterschiede durch geänderte Nutzungsdauern von Vermögensgegenständen und abweichendeAbschreibungsverfahren sowie dieAktivierung von Entwicklungskosten. Danebenführteine andere Behandlung von Leasingverträgen zu den Unterschieden. U.a. wegen der Aktivierung von Entwicklungskosten undderBewertung der Leasingvorräte fällt beim IFRS-Abschluss der Gewinn deutlich höher aus als beim HGB-Abschluss. So erlaubt der HGB-Abschlussz.B.,dass die Entwicklungskosten meist direkt aufwandswirksam werden, wohingegen die Entwicklungskosten beim IFRS-Abschluss als Vermögensgegenstand in die Bilanz aufgenommenwerdenkönnenund über die Nutzungsdauer des entwickelten Produkts abgeschriebenwerden. Folglich verteilt sich der Aufwand über mehrere Perioden, was dazu führt, dass der Gewinn steigt. Deswegen erscheinen ein und dasselbe Unternehmen auf dem Papier manchmal wie Fremde, je nachdem welcher Abschluss zugrunde liegt.

Obendreinzeigtsich, dass die Unterschiede zwischen IFRS und US-GAAP nicht ganz so groß sind als beim Vergleich von HGB und IFRS. Prinzipiell bietet ein IFRS-Abschluss mehr Spielraum bei Wahlrechten als US-GAAP.

Trotz der zahlreichen Auflagen und Regulierungen seitens derBörsenaufsichtkommt es immer wieder zu Bilanzfälschungen.DenwohlbeeindruckendstenFall der Bilanzfälschung vollbrachteeines dergrößtenUS-Unternehmenseiner Zeit–Enron. Wie fälschte Enron seine Zahlen?Eswurdenu.a.Geschäfte mit eigenen oder vom Management gegründetenOffshore-Gesellschaften abgeschlossen und diese als Gewinn verbuchtoder langlaufende Verträge sofort als Gewinn verbucht,d.h.der Gewinn wurde schon gebucht,bevor der eigentliche Umsatzakt ausgewiesen wurde (bezeichnet man als Gewinnsteuerung bzw. verfrühter Ausweis von Gewinnen). Außerdem lagerteEnron Milliarden an Schulden in Offshore-Gesellschaften aus, sodass sie nicht mehr in den eigenen Büchern standen(bezeichnet man als Off-Balance Sheet Accounting). Zusätzlich wurden Vermögenswerte durch fragwürdige Bewertungsmodelle zu extrem hohen Werten in der Bilanz berücksichtigt(bezeichnet man als Aktivierung von fiktiven Wirtschaftsgütern).Alldiese Betrügereien wurden nicht von Enron erfunden, sondern nurkonsequentumgesetzt. Damals sagte ein Analyst etwas fassungslos:»Die Verrücktheiten indenGeschäftsberichten funktionieren nach den Gesetzen von Ebbe und Flut. Sie verschwinden, aber nur, um in irgendeiner Formwiederzukommen.«

Allerdings führen die Enron-Betrügereien weltweit dazu, dass die Bilanzierungsvorschriften strenger und die Strafen für Bilanzfälschung erhöht wurden. Z.B. wurde in Deutschlandder Corporate-Governance-Kodex(s. S.50ff.)eingeführt.Dennoch ist die Bilanzierung bzw. der Geschäftsbericht die einzige Möglichkeit,sich ein Bild von der unternehmerischen Wirklichkeit zu machen.

In meinem Buch möchte ich Ihnen nur die Bilanzierungsrichtlinie nach IFRS erläutern, weil ab dem Jahr 2005 grundsätzlich alle börsennotierten Unternehmen innerhalb der EU-Länder verpflichtet sind, ihre Geschäftsberichte nach IFRS aufzustellen.Auch außerhalb Europas finden die IFRS-Abschlüsse zunehmend Anwendung. So werdenz.B.seit 2009 Abschlüsse nach IFRSauchan den US-Börsen anerkannt.

Doch bevor wir uns mit den Bilanzierungsrichtlinien nach IFRS befassen können, müssen wir zunächst einmal einen Geschäftsbericht in Händen halten. Darum wenden wir uns erst einmal der Frage zu: Woher bekommt man einen Geschäftsbericht?

4.2Woher bekommt man einen Geschäftsbericht?

Viele Geschäftsbericht