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In "Das Liebeskonzil" entfaltet Oskar Panizza ein satirisches Drama, das in einem fiktiven Liebeskongress gipfelt, bei dem die Tugenden und Schwächen der menschlichen Liebe durch ironische Zuspitzung beleuchtet werden. Der Text verbindet eine scharfsinnige Analyse zwischenmenschlicher Beziehungen mit einem einzigartigen literarischen Stil, der sowohl humorvoll als auch tiefgründig ist. Panizzas Werk spiegelt den kulturellen Umbruch der Jahrhundertwende wider, indem es gesellschaftliche Normen hinterfragt und den Leser zur Reflexion über die Natur der Liebe anregt. Oskar Panizza, ein bedeutender Schriftsteller des deutschen Expressionismus, war bekannt für seine kritische Haltung gegenüber der zeitgenössischen Gesellschaft und ihren Dogmen. Sein Leben war geprägt von gesellschaftlichen Konflikten und einem tiefen Interesse an psychologischen Themen, was sich in seinem Schaffen niederschlägt. Diese Umstände, zusammen mit seiner provokanten Ausdrucksweise, zwingen den Leser dazu, Auseinandersetzungen mit den Tabus seiner Zeit zu führen. "Das Liebeskonzil" ist eine lohnenswerte Lektüre für all jene, die sich sowohl für die Anfänge der modernen Literatur als auch für die Komplexität menschlicher Beziehungen interessieren. Panizzas spielerische, jedoch ernsthafte Betrachtung der Liebe zieht Leser in ihren Bann und hinterlässt einen bleibenden Eindruck von nachdenklicher Heiterkeit.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
"Es ist got gefellig gewesen in unsern tagen kranckheiten zu senden (als wol zu achten ist) die unsern vorfaren unbekant seint gewesen. Da bey haben gesagt die der heiligen geschrift obligen, das die blatteren uß gotz zorn kumen seint, und got damit unsere bösen berden straffe und peynige."
Ulrichen von Hutten, eins teutschen Ritters Von den Frantzosen oder blatteren 1519.
"Dic Dea, quae causae nobis post saecula tanta Insolitam peperere luem?..." Fracastoro, Syphilis sive de morbo Gallico 1509.
Personen. Gott Vater Christus Maria Der Teufel Das Weib Ein Cherubim Erster Engel Zweiter Engel Dritter Engel Helena } Phryne } Héloise } Gestalten aus dem Totenreich Agrippina } Salome } Rodrigo Borgia, Alexander VI., Papst Girolama Borgia, vermählt mit Cesarini (Mutter unbekannt) } Isabella Borgia, vermählt mit Matuzzi (Mutter unbekannt) } Pier Luigi Borgia, Herzog von Gandia(von der Vanozza) } Don Giovanni Borgia, Graf von Celano(v. d. Vanozza) } Kinder des Cesare Borgia, Herzog von Romagna(v. d. Vanozza) } Papstes Don Gioffre Borgia, Graf von Cariati(v. d. Vanozza) } Donna Lucrezia Borgia, Herzogin von Bisaglie (v. d. Vanozza)} Laura Borgia, noch minderjährig. } Giovanni Borgia, noch minderjährig . }(von Julia Farnese, vermählte Orsini) Die Vanozza } Mätressen des Papstes Julia Farnese, vermählt mit Orsini } Alessandro Farnese, ihr Bruder, Kardinal. Donna Sancia, Schwiegertochter des Papstes, vermählt mit Don Gioffre. Adriana Mila, Vertraute des Papstes, Erzieherin seiner Kinder. Francesco Borgia, Erzbischof von Cosenza } Luigi Pietro Borgia, Kardinal-Diakon } Neffen des Papstes Collerando Borgia, Bischof von Monreale } Rodrigo Borgia, Kapitän der päpstlichen Garde } Giovanni Lopez, Bischof von Perugia } Pietro Caranza, Geheimkämmerer } Vertraute des Papstes Juan Marades, Bischof von Toul, Geheimintendant } Giovanni Vera da Ercilla, Mitglied des heiligen } Remolina da Ilerda, Mitglied des heiligen Kollegiums } Burcard, Zeremonienmeister des Papstes. Ein Priester. Erster Edelmann. Zweiter Edelmann. Dritter Edelmann. Pulcinello, Schauspieler Colombina, Schauspieler Eine Courtisane.
Der Heilige Geist, Erzengel, ältere und jüngere Engel, Amoretten; —Maria Magdalena, Apostel, Märtyrer, Barmherzige Schwestern, ein Bote; —Tiere, Fratzen, Gestalten von Toten;—Geistliche Würdenträger, päpstliche Hofbeamte, Gesandte, römische Damen, Kavaliere, Courtisanen, Schauspieler, Sänger, Kämpfer, Soldaten, Volk.
Zeit: Frühjahr 1495, das erste historisch beglaubigte Datum vom Ausbruch der Lustseuche.
Der Himmel; ein Thronsaal; DREI ENGEL in schwanenweißen, federdaunartigen Anzügen mit enganliegenden, gamaschenähnlichen Kniehosen, Wadenstrümpfen, kurzen Amoretten-Flügeln, weißgepuderten, kurz geschnittenen Haaren, weißen Atlas-Schuhen; sie haben Flederwische in der Hand zum Abstauben.
ERSTER ENGEL. Heut steht ER wieder spät auf.
ZWEITER ENGEL. Seid froh! Dieses Gehust', dieses wasserblaue Geglotz', dieses Schleimfließen, Fluchen, Spucken den ganzen Tag—man kommt zu keinem gesunden Augenblick.
DRITTER ENGEL. Ja, es ist merkwürdig daheroben!
ERSTER ENGEL. Apropos! Ist der Thron festgemacht?
ZWEITER ENGEL. Ja, um Gottes Willen! Ist der Thron festgemacht? Er wackelte gestern.
DRITTER ENGEL. Wer wackelte gestern?
ERSTER ENGEL. Der Thron, dummes Gänschen!
DRITTER ENGEL (verwundert). Der Thron?—Warum wackelt der Thron?
ERSTER ENGEL. Enfin, er wackelt eben.
DRITTER ENGEL. Wie? Wackelt denn hier heroben überhaupt etwas?
ERSTER UND ZWEITER ENGEL (laut auflachend). Ha, ha, ha, ha!—
DRITTER ENGEL (immer ernster und erstaunter). Ja, warum wackelt der heilige Thron?
ERSTER ENGEL (energisch). Dummes Gänschen! Weil hier sowieso alles aus dem Leim geht und lidschäftig wird, Götter und Möbel, Franzen und Tapeten.
DRITTER ENGEL (innerlich erbebend). Gott, wenn das meine Mutter wüßte!
ZWEITER ENGEL (stirnrunzelnd und höhnisch). Deine Mutter?—Was willst Du denn mit Deiner Mutter, Fratz?
DRITTER ENGEL. Ach, sie ließ doch heute die sechzigste Seelenmesse für mich lesen!
ERSTER UND ZWEITER ENGEL (mit wachsender Verwunderung). Für Dich?!— (Beide laut auflachend.) Ja wie alt bist denn Du?
DRITTER ENGEL (sich besinnend und dann mit Pathos zitierend.) "Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, und ein Tag wie tausend Jahre!"—
ERSTER UND ZWEITER ENGEL (ihr abwinkend und sie zur Raison bringend; sehr breit). Ja, ja, ja—is schon recht; das wissen wir schon!—Aber wie alt warst Du denn drunten?
DRITTER ENGEL (kindlich). Knapp vierzehn Jahre!
ERSTER ENGEL (lachend). Und da brauchst Du Seelenmessen?
DRITTER ENGEL (zaghaft). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich bin ja gestorben!
ERSTER UND ZWEITER ENGEL (noch lauter lachend). Ha, ha, ha! Hi, Hi!—No, natürlich, sonst wärst Du ja nicht hier!—
DRITTER ENGEL (in unverrückbarem Ernst). Ach, Ihr wißt ja nicht, ich bin ja in Sünden gestorben!
ERSTER UND ZWEITER ENGEL (aufs neue lachend). Das auch noch!—Du armer Schlucker, was hast Du denn getan?—
DRITTER ENGEL (stockt, schaut mit ihren starren Augen ihre Genossinnen an und faltet die Hände).
ZWEITER ENGEL (höhnisch). Hast Deine Schulaufgaben nicht gelernt?—Hast Kleckse in Dein Schreibheft gemacht?