Das Mädchen gegenüber - Andreas Debris - E-Book

Das Mädchen gegenüber E-Book

Andreas Debris

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Beschreibung

Zwei Autoren. Ein Stoff. Während Bastian Axell sexuelle Andeutungen setzt, führt Andreas Debris sie bis zur letzten Konsequenz aus. Das Mädchen von gegenüber ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein gnadenloser Erotik-Thriller, der Schmerz und Lust untrennbar miteinander verwebt. Ein altes Buch voller obszöner Zeichnungen entfacht eine gefährliche Obsession. Seine Seiten wirken wie ein Tor in eine andere Welt, in der Fantasie und Realität ineinanderfließen und Begierde keine Grenzen kennt. Vanessa und Sophia geraten in den Bann eines Mannes, der seine Sehnsucht in harten Femdom-Sessions auslebt und dabei ein tödliches Geheimnis verbirgt. Doch hinter der Fassade des Mannes lauert mehr als nur Leidenschaft. Es gibt einen skrupellosen Plan, eine fixierte Idee, die ihn antreibt. Er kennt den Namen, das Alter und jede Kleinigkeit des Mädchens von gegenüber und macht es so zu seiner Obsession. Was als Jugendlicher, als pubertäres Spiel begann, wird zum Trauma. Was zunächst wie Lust erscheint, wird zum Albtraum. Provokant. Düster. Ohne Tabus. Unerbittlich. Dieser Thriller kennt keine Hemmungen. Er stößt seine Leser*innen in Abgründe und zwingt sie, den Blick nicht abzuwenden. Ein Roman für Erwachsene, der nicht nur erzählt, sondern auch sexuell aufwühlt.

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Seitenzahl: 303

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Am nächsten Abend gaben sich Ludwig und Maria hemmungslos einem Taumel hin, einem Rausch aller Sinne. Eine solche Heftigkeit und Intensität ihrer sexuellen Hingabe hatten Ludwig und Maria noch nie erlebt.

Was sie nicht ahnte:

Der Mann neben ihr kannte ihre Adresse, ihren Status und wusste, dass niemand auf sie wartete. Er wusste viel über sie.

Eigentlich alles.

Mit seiner Frau konnte Ludwig nicht über seine sexuellen Neigungen sprechen . Zu destruktiv und exzentrisch waren seine Vorstellungen .

Ein Erotik-Thriller von Andreas Debris. Nach dem gleichnamigen Roman von Bastian Axell.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Er wohnte im Obergeschoss

Viele Jahre vergingen.

Er hatte sie schon vor Wochen entdeckt.

Kapitel 2

Seit sechs Jahren war Vanessa

Willkommen in unserem Team

Amüsiert schaut sie in den großen Spiegel.

Bei herrlichem Wetter

Kapitel 3

Sein Geschäft huldigte dem Flair

An diesem Samstagabend war alles klar.

Der Boden unter ihren Füßen

Die Stimmung im Raum war angespannt,

Kapitel 4

Corinna war voller Vorfreude

Draußen flog die Landschaft vorbei.

Nach jedem Aufwachen das Gleiche.

Kapitel 5

Eine weitere Artikelserie in ihrer Zeitung

Ein Journalist hakte nach.

Kapitel 6

Kein Tag ohne eine sexuelle Anspielung,

Erinnerungen kamen und gingen

Vanessa war dezent geschminkt.

Nackt betrachtete sie sich im Spiegel.

Die Redaktion hatte eingeladen

Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel

An diesem Wochenende

Ludwig war in den hinteren Räumen

„Ab jetzt schaust du mich nur noch an,

Kapitel 7

Corinna starrte in den Spiegel

„Wie ist diese Verletzung entstanden?“

Ich habe sein Haus beobachtet

Kapitel 8

Erstmalig an einem Abend

Vanessa besuchte die Nachbarin.

Marias Stimme war leise.

Die letzte Erinnerung war verschwommen.

Die Ermittlungsergebnisse

Wo ist Corinna?

Kapitel 9

Als der Anruf durchgestellt wurde

Es gab keinen Spiegel mehr.

Der Imbissmann hatte Corinna erkannt.

Es gab lange Gespräche,

Ludwig hatte sich vorbereitet.

Kapitel 10

Vanessa telefonierte mit Jessica,

Jessica fühlt sich wie in einem ihrer Thriller.

Er musste sich etwas einfallen lassen.

Es war eine windige, neblige Nacht,

Kapitel 11

Maria hatte im Fernsehen Krimis gesehen,

Der Alltag hatte sie wieder.

Kapitel 12

Von ihrem Mann hatte Maria auch eine

Vanessa ging mit schnellen Schritten

Als Maria an der Haltestelle ausstieg,

Kapitel 1

Er wohnte im Obergeschoss

in einem der Häuser der verkehrsberuhigten Straße.

Seine Wohnung war nicht groß, aber gemütlich, mit freiem Blick auf das Treiben im Viertel.

Die Wände waren in warmen Tönen gestrichen, die Einrichtung einfach, aber geschmackvoll.

Ein kleiner runder Tisch in der Ecke diente ihm als Arbeitsplatz, an dem er an seinen Projekten arbeitete oder einfach nur seine Gedanken ordnete.

Daneben ein großes Bücherregal an der Wand.

Es beherbergte seine Lieblingsromane und einige alte Fotobücher, die Erinnerungen an vergangene Reisen und besondere Momente festhielten. Ein bequemer Sessel lud dazu ein, es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen. Es war ein Bereich der Kreativität und der Inspiration. Oft schmökerte er stundenlang in seinen Büchern.

Die Wohnung war nicht nur ein Raum, sie war ein Spiegel seiner Seele. Hier fand er den Mut, seine Ideen zu verwirklichen, und die Freiheit, er selbst zu sein.

In seinen Gedanken war alles möglich, die Grenzen der Realität verschwammen. Jede Buchseite, die er umblätterte, versetzte ihn an ferne Welten, in andere Zeiten.

Oft fand er in den Geschichten einen Ort, an dem sich Wirklichkeit und Fantasie vermischten.

Die Lust am Lesen und das damit verbundene Eintauchen in eine andere Welt waren tief in seiner Persönlichkeit, in seinen Genen verwurzelt. Wenn er sich in Bücher vertiefte, fühlte er sich mit all den Figuren verbunden, die seine Vorstellungskraft anregten.

Sein Vater war Buchhändler und so wuchs er mit Büchern auf. Die Liebe zur Literatur prägte ihn schon als Kind, als er oft in den endlosen Regalen der Buchhandlung stöberte, während sein Vater zwischen den Regalen umherging und Bücher einsortierte.

Diese Erinnerungen waren für ihn wie ein kostbarer Schatz, den er immer in seinem Herzen trug. Gegenwärtig war Ludwig nur sporadisch in der Buchhandlung tätig.

Auf Wunsch seines Vaters absolvierte er eine Tätigkeit in einem Buchverlag, um sich weitere Kenntnisse anzueignen.

Die Wände seiner Wohnung schmückte eine beeindruckende Sammlung von Stichen, Druckgrafiken und Zeichnungen, die sein großes Interesse und seine Leidenschaft für die erotische Kunst widerspiegelten.

Ludwig hatte eine tiefe Wertschätzung für die verschiedenen Ausdrucksformen der Erotik entwickelt. Sie verliehen dem Raum eine sehr intime und persönliche Atmosphäre.

Er wusste, dass Erotik in der Kunst oft Tabus berührte, aber er war überzeugt, dass sie eine essenzielle Facette der menschlichen Existenz darstellte.

Einige seiner sinnlichen Zeichnungen, die die Weiblichkeit in all ihren Facetten darstellen, bestachen durch ihre feinen Linien und detaillierten Schattierungen.

Die Werke vermittelten eine tiefe Emotionalität und Intimität, die den Betrachter in eine Welt voller Anmut und Sensibilität entführt. Jedes Detail schien mit Bedacht gesetzt, um die verschiedenen Aspekte der Weiblichkeit zu zelebrieren, bis hin zur Zartheit und Zerbrechlichkeit.

Er hatte mit seiner Freundin und einigen Freunden seinen dreiundzwanzigsten Geburtstag gefeiert.

Das Geburtstagskind lächelte zufrieden, als er die leeren Teller und Gläser in die Spüle stellte.

Seine junge, hübsche Freundin half ihm dabei und sie tauschten ein paar liebevolle Blicke aus.

Das blaue Sommerkleid stand ihr ausgezeichnet und Ludwig fand sie wieder einmal sehr sexy. Sie bemerkte seinen Blick.

„Das ist genau das Kleid, das du dir ausgesucht hast“, sagte sie und drehte sich einmal um, um ihm die Rückseite des Kleides zu zeigen.

„Und der Pferdeschwanz ...“, sie ließ den Satz bewusst offen und trat einen Schritt näher.

Sie zog ihren Rocksaum nach oben, bis ihr Arsch und ihre Musch für ihn sichtbar wurden.

„Mein extra Geschenk für dich!“, sagte sie verführerisch.

Ludwig drückte sie an sich und fuhr mit seinen Fingern durch ihre glattrasierten Schamlippen. Ihre Augen funkelten, als sie spürte, wie sein Blick sie durchdrang.

Er schob ihr zwei Finger zwischen ihre Lippen und sie befeuchtete sie mit Speichel. Dann bespielte er ihren Kitzler mit den nassen Fingern. Kurz darauf stöhnte sie auf.

„Beug dich über die Lehne des Sessels“, forderte er sie auf.

Das war eine seiner Lieblingsstellungen. Doggy-Style.

Sie war schon ordentlich feucht, als er hinter ihr stand und in sie eindrang.

Ein Fick, der beide schnell in Ekstase versetzte.

Mit der Hand klatschte Ludwig seiner Freundin immer wieder kräftig auf die Arschbacken, um dann umso heftiger zuzustoßen. Es wurde immer wilder.

Ludwig zog den Kopf seiner Freundin an den Haaren nach hinten. Heftig und unkontrolliert.

Seine Geilheit übermannte ihn und er spritzte tief in ihr ab.

Seine Freundin drehte sich um und beide lagen sich tief entspannt und in tiefer Zuneigung in den Armen.

Nur langsam fanden sie in die Realität zurück.

Auf seinen Wunsch hin hatte sie ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie wusste, dass das eine seiner Vorlieben war und er manchmal etwas zu energisch darauf bestand, ihm seine Wünsche zu erfüllen.

Noch wohnte sie bei ihren Eltern.

Für beide stand fest, dass sie in den nächsten Jahren heiraten würden.

„Es war ein toller Abend. Ich habe mir gewünscht, dass es ein besonderer Tag für dich wird“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln und stellte die letzten Gläser in die Spülmaschine. Es war die Art von Leichtigkeit, die sie beide mochten.

„Ja, das war richtig geil. Ich weiß das zu schätzen“, sagte er und beugte sich vor, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben.

Dreißig Minuten später war er wieder allein.

Ludwig drückte die Fernbedienung.

Sofort erfüllte klassische Musik den Raum. Er hörte auch gerne Rockmusik, aber jetzt war ihm nach Klassik.

Ludwig nahm seinen Zeichenblock aus dem Regal, legte ihn auf seine Oberschenkel und betrachtete, was er bisher zu Papier gebracht hatte.

Es war ein junges, schlankes, hübsches Mädchen.

Er hatte einen Akt in verschiedenen Stellungen skizziert.

Mit jedem Strich betonte er die Schönheit des Weiblichen.

In der Stille des Zimmers überkam ihn das Gefühl, zwischen Einbildung und Wirklichkeit gefangen zu sein.

Es war, als hätte er eine unsichtbare Tür durchschritten, die ihn in eine andere Dimension des Denkens führte, in der alles möglich und nichts unmöglich war.

Mit jedem Strich versuchte er, die Verbindung zwischen Körper und Seele zu ergründen und tiefer in eine Welt einzutauchen, die zugleich berauschend und bedrückend war.

Der Stift war sein Werkzeug.

Die Gedanken und Gefühle, mit denen er arbeitete und die er zu Papier brachte, waren extrem komplex.

In dieser schöpferischen Zerrissenheit fand er einen Teil von sich selbst, der untrennbar mit dem Drang verbunden war, die Schönheit des Mädchens perfekt einzufangen.

Er spürte, wie der kreative Prozess einen Sog erzeugte, der ihn mit fast hypnotischer Kraft überwältigte.

In den letzten Monaten wurde das Zeichnen für ihn eine wichtige Erfahrung! Es war eine Art Flucht vor der Realität, eine Möglichkeit, den Schatten zu entkommen, die sich in die Dunkelheit seines Geistes festgesetzt hatten.

Seine Hände begannen, den Stift über das Papier gleiten zu lassen und schon bald entstand ein weiteres erotisches Detail, erfüllt von intimen, intensiven Gefühlen.

Mit jedem Strich spürte Ludwig, wie die Verbindung zwischen ihm und der entstehenden Figur stärker wurde.

Es war mehr als ein Bild. Es war eine magische Verbindung! Woher kamen diese inneren Dämonen, diese quälenden Gedanken, die er nicht in den Griff bekam? Sie schlichen sich in seine Träume, schienen aus den Schatten zu kriechen, um ihn in den Wahnsinn zu treiben.

Das Mädchen auf dem Papier war kein Abbild seiner Freundin, es war Ausdruck seiner verzweifelten Sehnsüchte, seiner ausschweifenden, dunklen Wunschvorstellungen, die wie ein Schatten über ihm schwebten und ihn in ihre eisernen Fänge zogen.

Es war ein Mädchen, ein sehr junges Mädchen.

Es war das Mädchen von gegenüber.

Das Zeichnen wurde zur Zwiesprache mit sich selbst, zur Manifestation innerer Konflikte und Wünsche, die immer mehr von ihm Besitz ergriffen.

Ludwig spürte die Zartheit ihrer Kurven, die Verletzlichkeit ihres Gesichtsausdrucks. Es war, als blicke er in die Seele einer Fremden und doch war es ein Spiegelbild seiner eigenen Abgründe.

Ludwig konnte sich nicht losreißen von den Linien und Formen, die durch das sanfte Licht der Stehlampe in der Ecke noch intensiver wirkten. Er zeichnete weiter.

Die Musik und seine Gedanken verschmolzen zu einer Symphonie aus Kreativität und Lust, aber auch aus Angst und Schmerz. Immer wieder das gleiche, hocherotische Motiv, das ihn wie ein Fluch verfolgte.

Ein kurzer Blick auf die Uhr. Es war spät geworden, aber diese Stunden intimer Innigkeit wollte er nicht missen.

Es war ein sonniger Morgen.

Ludwig zündete sich eine Zigarette an.

Der Rauch stieg in die noch kühle Luft.

Er kannte ihr genaues Alter. Er kannte ihren Namen. Sie war für ihn mehr als nur ein Gesicht aus der Nachbarschaft, sie war eine Konstante in seinen Gedanken. Sein Mädchen von gegenüber.

Wenn er von seiner Wohnung im Obergeschoss aus heimlich das Mädchen aus der Nachbarschaft beobachtete, das auch heute mit einer Freundin auf dem Weg zur Schule war, spürte er eine seltsame Mischung aus Sehnsucht, Melancholie und Angst.

Mit der Zeit wurde das Beobachten zu einem festen Ritual.

Sie war auffallend hübsch, schlank und um einiges kleiner als ihre Freundin. Sie lachte viel, und besonders gefielen ihm ihre Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, der frech auf und ab wippte.

Er öffnete das Fenster und tippte auf die Fotofunktion seines Handys. Wie so oft machte er drei, vier Fotos von den Mädchen.

Ludwig nahm einen tiefen Zug, die Kippe brannte hell auf und er schnippte die Asche in den kleinen Teller, der ihm als Aschenbecher diente.

Je mehr er versuchte, die düsteren, dämonischen Gedanken zu vertreiben, desto fester brannten sie sich in seinem Kopfkino ein. In diesen Momenten, wenn die Morgensonne die Straßen in ein warmes Licht tauchte, dachte er an die Sehnsüchte, die in ihm schlummerten.

Rational verstand er sein Verhalten nicht. Mehr und mehr hasste er sich dafür.

Es waren irrationale Wünsche.

Er hatte versucht, diese Gedanken zu verdrängen, zu verbannen, aber sie tauchten immer wieder auf.

Es war, als führten sie ein Eigenleben, verborgen tief in seinem Inneren. Sein Schwanz presste sich gegen seine Hose.

Da war diese Unschuld, diese ihrem Alter geschuldete Unbekümmertheit, diese Leichtigkeit.

Krampfhaft ballte er die rechte Hand zur Faust und drückte seine Fingernägel in die Haut. Er wollte diese Gedanken nicht, aber er hatte sie. Es war, als stünde er am Rande eines Abgrunds. Ludwig ballte beide Fäuste noch fester, krallte die Fingernägel mit aller Kraft in die Handflächen. Es half nicht.

Er musste diese dämonischen Gedanken loswerden und drückte den noch brennenden Zigarettenstummel in die Haut seines Oberarms. Seine Muskeln verkrampften sich.

Er hörte das Zischen, als die Haut verbrannte, spürte den Schmerz wie eine kurze Befreiung.

Es war ein Moment der Klarheit, der für einen flüchtigen Augenblick die Dunkelheit aus seinem Kopf vertrieb.

Es war nicht die erste Narbe.

Die Tage vergingen. Statt sich von ihr abzuwenden, wurde sein Bedürfnis, sie zu sehen, sie zu beobachten, immer stärker.

Er wusste, dass seine Gefühle toxisch waren, aber er fand keinen Ausweg aus dem Hamsterkäfig seiner Gedanken.

Oft lag er nachts wach im Bett, gefangen mit seinen eigenen Dämonen.

Die Gedanken an das Mädchen schlichen sich immer wieder in seine Träume und vergifteten die schönen Erlebnisse und Erinnerungen, die er mit seiner Freundin teilte.

Der Drang, sie zu beobachten, wurde zur Besessenheit.

Als er eines Abends durch den kleinen Park hinter den Häuserblocks ging, sah er sie.

Corinna saß allein auf einer Parkbank und starrte auf ihr Handy. Der Himmel war in die beginnende Dunkelheit getaucht. Das sanfte Licht des Displays beleuchtete ihr Gesicht und ließ ihre Züge weich und verletzlich erscheinen.

Er konnte ihr Lächeln sehen, als sie auf die Nachrichten reagierte, die sie erhielt.

Corinna war in ihre eigene Welt versunken, als gäbe es nichts außer ihr und dem kleinen Bildschirm vor ihr.

Es war, als wäre sie in einem Traum gefangen.

In diesen Momenten hatte er das Gefühl, einen heimlichen Blick in ihr Leben werfen zu können.

Die Dämmerung senkte sich, und der Park schien sich für Ludwig in eine düstere, unwirkliche Bühnenkulisse zu verwandeln.

Je mehr er sah, desto mehr wuchs in ihm die Angst vor seinen Gedanken, vor seinem Verhalten.

Er hatte eine Freundin, die er liebte und die er in den nächsten Jahren heiraten wollte.

Das hier war das Mädchen von gegenüber, eine noch junge, heranwachsende Persönlichkeit, kein Spielball seiner Gedanken und Wünsche.

Er musste sie endlich loslassen.

Dass ihm genau das nicht gelingen würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Sein Leben sollte sich in eine Richtung entwickeln, die er sich nie hätte vorstellen können und dieses Mädchen, diese Corinna, war der Grund dafür.

Viele Jahre vergingen.

Als sein Vater in den Ruhestand ging und bald darauf schwer erkrankte und starb, übernahm Ludwig die Buchhandlung.

Mit seiner Frau zog er in das komfortable Landhaus am Stadtrand, das er von seinem Vater geerbt hatte.

Mitunter fragte er sich, ob sich seine Frau in der neuen Umgebung wohlfühlte. Manchmal blickte sie aus dem Fenster in die Ferne, als suche sie etwas, das sie nicht finden konnte. Nach zwei Fehlgeburten blieb die Ehe kinderlos, was sicher einer der Gründe für das oft trübsinnige Verhalten seiner Frau war.

Im Zeitalter der neuen Medien schuf Ludwig in kurzer Zeit einen Rückzugsort für Literaturliebhaber. Er sprach mit den Besuchern über die Autoren, ihre Inspiration und den kulturellen Kontext der Werke. Dabei spürte er, wie seine Begeisterung auf die Kunden übersprang.

Für ihn war es nicht nur ein Geschäft, eine Buchhandlung, sondern ein Ort des Austauschs.

Ludwig widmete sich mit Leidenschaft seinem Beruf, der für ihn weit mehr war als nur ein wirtschaftliches Unternehmen. In einer zunehmend digitalisierten Welt wollte er einen Raum schaffen, in dem Bücher nicht nur Produkte, sondern als lebendige Geschichten akzeptiert wurden.

Er träumte auch davon, eines Tages ein Literaturfestival in seiner Stadt zu organisieren, um noch mehr Menschen zu erreichen und die Liebe zur Literatur zu fördern.

Regelmäßig organisierte er Lesungen, bei denen Autoren ihre Werke vorstellten und mit dem Publikum diskutierten.

Seine literarischen Kenntnisse waren beeindruckend.

Von den Klassikern bis zu zeitgenössischen Autoren war Ludwig um keine Antwort verlegen.

Oft stellte er auch thematische Buchpräsentationen zusammen, die die Besucher anregen sollten, neue Genres oder Autoren zu entdecken. Die Wände seiner Buchhandlung schmückten handgeschriebene Zettel mit seinen Lieblingszitaten und Empfehlungen.

Er hatte ein gutes Gespür dafür, welche Bücher zu wem passten.

„Vielleicht sollte dieses Buch zu Ihnen finden“, gab er seinen Kunden gerne mit auf den Weg.

Ludwig hatte ein Faible für alte erotische Zeichnungen, Bücher und Druckgrafiken und er erkannte schnell, dass es dafür einen lukrativen Markt gab.

Zeichnungen, Drucke und Radierungen als lose Blätter und Bücher aus längst vergangenen Zeiten, meist mit bizarren, sexuellen Schriften und Motiven, eröffneten ihm einen neuen, ganz speziellen Kundenkreis.

Ludwig spezialisierte sich darauf, auch aus ganz persönlichen Gründen.

Sammler und Liebhaber, die Gefallen an den sinnlichen Darstellungen fanden, und Kuratoren, die auf der Suche nach außergewöhnlichen Ausstellungsstücken waren, besuchten Ludwig regelmäßig.

Je mehr er sich mit den alten Werken beschäftigte, desto mehr erkannte er, dass sie ihn veränderten. Die Geschichten und Skizzen, in denen sexuelle Exzesse in aller Deutlichkeit dargestellt wurden, übten einen unwiderstehlichen Sog auf ihn aus. Immer weniger konnte er sich diesem Strudel sexueller Perversionen entziehen.

Als er eines Abends bis spät in die Nacht in seinem Geschäft arbeitete, sah er sich ein altes Buch genauer an, das er am selben Tag von einem älteren Mann gekauft hatte. Er kannte diesen Mann, hatte bisher aber immer nur kurzen Kontakt mit ihm.

Die Seiten waren leicht vergilbt und brüchig.

Die mehr als grenzwertigen, sexuell expliziten Illustrationen schienen ihn zu hypnotisieren.

Ludwig fühlte eine seltsame Anziehung zu dem alten Buch mit seinen Zeichnungen, als wollte es ihn in eine andere Welt ziehen. Die Illustrationen, so anstößig und provozierend sie auch waren, schienen ihm Einblicke in seine verborgene Sehnsüchte zu gewähren, in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwammen.

Es war ein Buch über die Abgründe der menschlichen Seele, über die Grausamkeiten, die Gedanken, die in den dunkelsten Ecken des Gehirns lauerten.

„Gibt es wirklich Menschen, die bereit sind, solche Abgründe an Bösartigkeit und perversen, grausamen Handlungen an anderen Menschen zu begehen?“, flüsterte Ludwig vor sich hin und fuhr nervös mit den Fingern über die Seiten des Buches.

Er erinnerte sich an das Gespräch mit dem Mann, der ihm das Buch angeboten hatte. Lange hatten sie sich über das Buch mit seinen Zeichnungen und Texten unterhalten.

„Es gibt Dinge, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Geheimnisse, die das Leben verändern können. Aber um sie zu entdecken, musst man bereit sein, alles hinter sich zu lassen. Der Weg dahin ist nicht einfach, aber die Belohnungen können jenseits der wildesten Träume liegen.

Es ist ein Schlüssel zu Welten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Oft müssen wir uns von Gewohnheiten und Ängsten trennen, um das volle Potenzial unseres Seins zu entfalten. Die Geheimnisse, die wir finden, sind oft die, die in uns selbst verborgen liegen. Sie warten darauf, ans Licht gebracht zu werden und sie haben die Kraft, unsere Perspektiven zu verändern, uns neue Wege zu zeigen.“

Die Schatten der Vergangenheit schienen Ludwig zu verfolgen, doch jetzt, mit diesem Buch in der Hand, fühlte er sich bereit, sich ihnen zu stellen. Jetzt, nach all den Jahren.

Die Seiten waren gefüllt mit faszinierenden Illustrationen und rätselhaften Texten. Ein Gefühl von Vorfreude und Nervosität durchströmte ihn.

Es war der Beginn einer Reise, die sein Leben für immer verändern würde. Gebannt hatte Ludwig die Worte des Fremden auf sich wirken lassen.

Ab diesem Tag wurde der Mann für Ludwig ein enger Vertrauter im Geiste. Kein Freund, dazu waren sie zu verschieden. Da war jemand, der ihn verstand, jemand, der seine Fantasien teilte. Beide akzeptierten sich aus diesem Grund. Nur aus diesem Grund.

Nach Ladenschluss, bei einem Glas Wein, blätterten sie in den Büchern und Skizzen und mehr und mehr brannten sich die Szenen mit den surrealen Motiven in ihre Gehirne ein.

Bald vermischte sich die Realität mit wirren Gedanken und Fantasien, fernab jeder Norm.

Mit seiner Frau konnte Ludwig nicht über seine sexuellen Neigungen sprechen. Zu destruktiv und exzentrisch waren seine Vorstellungen.

Ludwig hatte zwei Gesichter und war sich dessen bewusst.

Er verehrte und liebte seine Frau, aber der Schatten seines Geheimnisses lastete schwer auf seinen Schultern.

Er sehnte sich in seiner Ehe nach einem Raum für seine tiefen, verborgenen sexuellen Abgründe, die er seiner Frau nie offenbaren konnte. Würde sie seine Sehnsüchte verstehen? Würde sie ihn noch lieben, wenn sie seine Wünsche erfüllte?

In den stillen Nächten, wenn er neben ihr lag und ihren Atem hörte, spürte er den inneren Konflikt. Dem Wunsch nach Offenheit stand die Angst vor Verlust gegenüber.

Ludwig wusste, dass ein offenes Gespräch mit seiner Frau die einzige Möglichkeit war, diese Fesseln zu sprengen und die Last von seinen Schultern zu nehmen.

Aber der Gedanke, ihr von seinen verborgenen Wünschen zu erzählen, erfüllte ihn mit Angst.

Er machte vage Andeutungen und teilte ihr zumindest eine seiner sexuellen Vorlieben mit.

Bei jedem Wort sah er die Verwirrung in ihren Augen.

Sie hatte eine Art Schutzschild um sich aufgebaut, suchte nach Antworten, nach einem Fenster in seine Seele.

Wenn er sie leckte, war sie im Land ihrer Träume.

Ludwig liebte es, sie so zu befriedigen und sie in einen Rausch zu versetzen, der nicht enden wollte.

Er ließ sich Zeit, sehr viel Zeit, und sie dankte es ihm mit einem unglaublich langen und intensiven Orgasmus.

Ihre Muskeln zuckten, ihr ganzer Körper vibrierte. Sie war jenseits des Horizonts, weit weg von der Realität.

Es dauerte, bis sich ihre verkrampften Muskeln wieder entspannten und sie in die Wirklichkeit zurückkehrte.

Mit feuchten Augen sah sie Ludwig schweigend an.

Sofort setzte wieder die übliche Nüchternheit ein.

Er sah keine Liebe in ihren Augen, keine Lebensfreude.

Ohne ein weiteres Wort stand sie auf und ging ins Bad.

Die Gegenleistung, so musste man es aus Ludwigs Sicht nennen, war von Zeit zu Zeit ein mehr oder weniger unpersönlicher Handjob von ihr. Immerhin machte sie das sehr geschickt und Ludwig hatte seine Befriedigung.

Er hatte eine andere sexuelle Leidenschaft außerhalb der Ehe und betrachtete diese nicht als Untreue.

Obwohl sie täglich Zeit miteinander verbrachten, begann für beide ein Gefühl der Vereinsamung. Man lebte zusammen, aber viel mehr war da nicht mehr.

Einige Zeit später bemerkte er ein ungewohntes Zucken um ihre Mundwinkel, dachte aber nicht weiter darüber nach.

Er stellte fest, dass die Gespräche, die früher so leicht und unbeschwert gewesen waren, immer schwieriger wurden und er musste sich anstrengen, um ihre Gedanken zu verstehen.

Oft endete ihre Dialoge in peinlichem Schweigen.

Er konnte nicht ahnen, dass diese Anzeichen ihre Beziehung von Grund auf verändern würden.

Ihre Worte wurden manchmal unverständlich, ihr Lachen schien mehr von Nervosität als von Freude geprägt zu sein.

Er hatte sie schon vor Wochen entdeckt.

Es war nicht das Mädchen von gegenüber.

Da waren die vier alten Zeichnungen. Diese Motive hatten sich in seinem Gehirn verfestigt, auch wenn er sich immer wieder dagegen wehrte. Er sah die Motive vor sich.

Da war diese kleine, zierliche, erwachsene Frau mit den kleinen Brüsten, umgeben von Männern und Frauen, die sie auf das Grausamste misshandelten.

Es war ein regnerischer Abend, als die Unbekannte ihren Arbeitsplatz verließ. Aus dem Nichts war sie ihm aufgefallen. Zufall? Schicksal? Er bewertete es nicht.

Mit schnellen Schritten betrat sie die Eingangshalle des großen Einkaufszentrums und schlenderte beschwingt durch das riesige, mehrstöckige Shoppingcenter, das erst vor einiger Zeit eröffnet worden war.

Die Unbekannte sah sich nach Jeans und Schuhen um.

Mit gebührendem Abstand folgte er ihr und ließ sie nicht mehr aus den Augen.

Das Selbstbedienungsrestaurant befand sich im dritten Stock. Am Buffet stellte sie sich ihr Essen individuell zusammen und suchte sich dann einen freien Tisch. Sie entschied sich für einen Fensterplatz.

In einiger Entfernung saß Ludwig, vor sich ein kleiner Salatteller und ein Bier. Er hatte sie im Blick. Vom Verstand her konnte und wollte er das alles nicht, aber da war wieder diese innere Zerrissenheit, dieser Kontrollverlust.

Sie schien in Gedanken versunken zu sein, während sie an ihrem Salat mit Meeresfrüchten knabberte und hin und wieder nach draußen blickte, wo der Regen gegen die Fenster prasselte.

Ludwig fragte sich, was in ihrem Kopf vor sich ging.

Er hatte das Gefühl, dass zwischen ihnen etwas Magisches war, obwohl sie sich noch nie begegnet waren.

Vieles hatte er erreicht in seinem Leben und trotz aller Erfolge fehlte ihm etwas. Ludwig erinnerte sich an die Zeit, als er noch im Obergeschoss eines der Häuser in der verkehrsberuhigten Straße wohnte. Damals fing alles an.

Er konnte nicht anders, er musste ihr folgen.

Der Zwang wurde zur Lust, zum Trieb, bar jeder Vernunft und er wusste, dass er Gefahr lief, in einen Abgrund zu stürzen und doch verspürte er ein unstillbares Verlangen in ihre Nähe zu kommen.

Da war diese mädchenhafte, berauschende, verführerische Person. Dieser wippende Pferdeschwanz und diese zarte, schlanke Gestalt.

Ludwig hatte sich ein besonderes »Mädchen« ausgesucht.

Sie schien in ihrer eigenen Welt gefangen zu sein, unberührt vom Trubel um sie herum. Es war, als strahle sie eine eigene Aura aus, die ihn magisch anzog.

Bald würde das alles hier für sie nur noch bloße Erinnerung sein.

Eine düstere Fantasie blühte in seinem Kopf auf und ließ ihn nicht mehr los. Die Vorstellung brannte sich in seinem Gehirn ein, dass sie ihm gehören könnte, dass er derjenige sein könnte, der alles mit ihr teilte könnte... und damit meinte er alles. Er war ein Gefangener seiner eigenen Gedanken.

Unruhig nahm er eine neue Sitzposition ein.

Etwas Kaffee schwappte aus der Tasse, als er mit einem Bein an den Tisch stieß.

In den folgenden Tagen und Wochen wurde sein Leben von dieser geheimnisvollen Präsenz beherrscht.

Wer war sie? Er beobachtete sie weiter, sammelte Informationen über ihre Vorlieben, ihre Freunde, ihren Tagesablauf. Ludwig begann, ihre Gewohnheiten zu studieren.

Im Internet fand er Fotos von ihr, die sie mit Freunden teilte.

Schon jetzt hatte er sie in seinen Fängen und diese junge Frau ahnte von all dem nichts.

Immer öfter musste er sich von dem Druck befreien.

Er nahm seinen Schwanz und wichste ihn. Mitunter sogar zwei Mal am Tag. Ludwig brauchte diese Befreiung, brauchte ein hormonelles Gleichgewicht, aber es war nur ein kurzes Loslassen seiner dämonischen Gedanken.

Er tauschte sich mit dem älteren Mann aus. Dieser ließ keinen Zweifel daran, dass er zu ihm stehen würde, was auch immer geschehen würde.

Der Mann teilte ihm sein Interesse mit, endlich Taten folgen zu lassen.

Inzwischen war Ludwigs Sehnsucht so groß, dass sie ihn überwältigte und es für ihn kein Zurück mehr gab.

Er war nicht allein, es gab noch jemanden, der ihn mit aller Konsequenz unterstützte. Dieser wollte seinen Anteil und sagte ganz klar, was er wollte. Er wollte seine Fantasien ausleben. Eine Frau, die ihm gehörte und er scheute sich nicht, dies zu begründen. Er wollte sie sich gefügig machen und dazu war ihm jedes Mittel recht. Sie sollte jederzeit für ihn benutzbar sein. Dafür würde er jedes Risiko eingehen.

Diese Worte waren für Ludwig absolut unglaublich. Die Gedanken, die ihn quälten, wurden von dem anderen nicht nur akzeptiert, sondern sogar befeuert.

Das änderte allerdings nichts an dem Verhältnis zu diesem Mann. Er empfand keine Empathie für ihn.

Ganz im Gegenteil. Aber er war in der gleichen Gedankenwelt mit ihm. Es war eine seltsame Verbindung, die sie teilten, ein unausgesprochenes Verständnis für die Schattenseiten des menschlichen Daseins. Und obwohl Ludwig keinen Funken Mitgefühl für diesen Mann verspürte, wusste er, dass sich sein Leben von diesem Augenblick an verändern würde.

Die beiden Männer trafen eine mündliche Vereinbarung. Ohne diesen Mann und sein Buch wäre vieles anders gekommen, vielleicht sogar alles.

Aber jetzt gab es kein Halten mehr.

Ludwig wartete schon auf sie, als sie an diesem Tag wieder ins Einkaufszentrum ging. Sie kam allein.

Doch diesmal war alles anders. Diesmal war er bereit.

Die kleine, zierliche Frau - sie war um die dreißig Jahre alt - war in einen roten Regenmantel gekleidet, der sie noch auffälliger machte.

Wieder beobachtete er sie aus der Ferne, wie sie durch die Gänge des Einkaufszentrums schlenderte.

Ihr Regenmantel schimmerte im künstlichen Licht der Geschäfte. Seine Augen folgten jeder ihrer Bewegungen, während sie sich unbeschwert durch die Menge bewegte, die Taschen mit ihren Einkäufen leicht in den Händen schwingend.

Er fand einen Grund und den richtigen Zeitpunkt.

Unter einem Vorwand, sprach er sie an.

Er trat einen Schritt näher, und als sie sich umdrehte, trafen sich ihre Blicke. Für einen brennenden Moment schien die Zeit stillzustehen.

Ihre Augen waren warm und einladend. Er wusste, dass er jetzt handeln musste. Es war der Anfang eines Gesprächs, das er sich schon lange erträumt hatte.

Es war der entscheidende Moment, der alles verändern würde. Ludwig hatte einen Plan, der ihm alles, was nun folgte, erleichtern würde.

Er hatte alle möglichen Szenarien durchgespielt.

Zunächst würde eine gewisse Zeit mit ihr verbringen, danach würde er sie abgeben. So war es verabredet.

Kapitel 2

Seit sechs Jahren war Vanessa

Chefredakteurin einer großen überregionalen Tageszeitung.

Ein Job, der sie jeden Tag aufs Neue forderte.

Stillstand gab es in ihrem Leben kaum. Die Dynamik, mit der sie durch den Tag ging, spiegelte sich auch in ihrer Karriere wider. Während andere in der Routine des Alltags versanken, fand sie immer wieder neue Wege, ihre Kreativität und ihren Ehrgeiz zu entfalten.

Ihre Kollegen und Kolleginnen bewunderten nicht nur ihre Professionalität, sondern auch ihre Fähigkeit, selbst in stressigen Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren.

Die Redaktion war ein eingeschworenes Team, das in den vergangenen Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt hatte.

Die Leser erwarteten nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern auch tiefere Einblicke und fundierte Analysen.

Künstliche Intelligenz und soziale Medien beschleunigten den Zugang zu Informationen in nie gekanntem Ausmaß.

Fake-News überschwemmten den Markt.

Gerade deshalb war es Vanessa und ihrem Team wichtig, die journalistische Integrität und die Qualität der Recherche nie aus den Augen zu verlieren. Vanessa glaubte an die Macht des Journalismus, an die Macht der Printpresse.

Trotz Computer war ihr Schreibtisch voll mit Notizen auf Papierzetteln.

Jeden Tag traf sie sich mit den Frauen und Männern der Redaktion, um das aktuelle Tagesgeschehen zu diskutieren, Themen auszuwählen und Strategien zu entwerfen, wie man die Leser weiterhin erreichen konnte.

Mit ihrer auffallenden Körpergröße, dem wuscheligen Haar, das ihr Gesicht wie ein Rahmen umspielte und ihrer sportlichen, schlanken und ausgeprägt femininen Figur, zog sie alle Blicke auf sich. Und nicht nur das.

Ihr stets perfekt abgestimmtes Outfit, das Eleganz und Selbstbewusstsein ausstrahlte, unterstrich ihre stilvolle Erscheinung. Ob im Alltag oder zu besonderen Anlässen, sie wusste sich immer zu inszenieren, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren.

Ihre selbstbewusste Ausstrahlung und die Leidenschaft, mit der sie für ihre beruflichen Ziele kämpfte, motivierten alle um sie herum. Gespräche mit ihr waren nie oberflächlich.

Sie hatte die Gabe zuzuhören und echte Verbindungen herzustellen. Ihre Fähigkeit, Menschen in den Bann zu ziehen, ging über ihr äußeres Erscheinungsbild hinaus. Es war die Mischung aus Charisma und Empathie, die sie zu einer beeindruckenden Persönlichkeit machte.

Jetzt, mit achtunddreißig Jahren und in den besten Jahren, wie sie zu sagen pflegte, führte sie ein Leben, mit dem sie absolut zufrieden war.

Einmal in der Woche ging sie nach Feierabend in ihr Lieblingscafé um die Ecke, wo sie mit Freundinnen und Kolleginnen bei einem kleinen Snack und einem Glas Wein über die neuesten Entwicklungen in der Welt diskutierte.

Es war ein kreatives Umfeld, in dem jeder eine Stimme hatte und gehört wurde.

Vanessa war bewusst Single, auch wenn sie sich manchmal einen Mann zum Anlehnen wünschte. Sie schätzte die Unabhängigkeit, die ihr Leben als Single mit sich brachte.

So konnte sie ihre Zeit nach Belieben gestalten, ihre Karriere vorantreiben und ihre Träume verfolgen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen.

Dennoch war da diese leise Sehnsucht nach einer tiefen, emotionalen Verbindung. Manchmal träumte sie davon, einen Partner zu finden, der ihre Leidenschaft für ihren Lebensstil teilte. Ein Mann, der sie nahm und es ihr richtig besorgte. Sie hatte eine Schwäche für harten, heftigen Sex mit einem Schuss Dirty Talk. Solange dieser Mann nicht auftauchte, genoss sie die Freiheit, die sich ihr bot.

Ihre kurzen Sex-Eskapaden mit, wie sie fand, interessanten Männern, hinterließen fast immer einen faden, unbefriedigten Beigeschmack. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit waren in den ganzen Dating-Portalen und neuen Medien leider Mangelware.

Für Vanessa stand fest: Die ständige Suche nach dem „Nächsten“ und das Spiel mit den Erwartungen schienen die Menschen in ihrem Streben nach Nähe und Intimität zu entfremden. Sie wollte sich nicht von der Oberflächlichkeit der modernen Dating-Welt mitreißen zu lassen.

Sexuell ausleben konnte sie sich auch mit ihrem ganz speziellen Hobby. Ein Fest für die Sinne, das sie mit ihrer besten Freundin Sophia teilte.

In ihrem grünen, eng anliegenden Sommerkleid sah sie auch heute wieder elegant aus. Sie war dezent, perfekt geschminkt, und ihre langen, gewellten Haare, die immer wie frisch geföhnt aussahen, lockerten den eher konservativen ersten Eindruck ein wenig auf.

Ein letztes Mal überflog sie die Titelseite der morgigen überregionalen Ausgabe ihrer Tageszeitung.

Vanessas aktueller Artikel über die feierliche Eröffnung der neu erbauten Kunsthalle, die von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung als architektonisches Meisterwerk gefeiert wurde, war gerade in Druck gegangen.

Es gab aber auch kritische Stimmen zu der ansonsten sehr gelungenen Eröffnungsfeier mit viel Prominenz.

Die Projektkosten hatten sich erwartungsgemäß fast verdoppelt.

Das Gespräch mit der aus Berlin angereisten Bundesministerin verlief ganz im Sinne von Vanessa.

Immer wieder kam sie auf die enorme Kostenexplosion zu sprechen und hinterfragte hartnäckig einige Fakten.

Für wen oder was würde man Kosten kalkulieren, wenn man sich nicht einmal annähernd daran halten würde? Würde jemand zur Verantwortung gezogen, oder nahm man das als selbstverständlich hin? Vanessa ahnte die Antwort, denn die Ministerin antwortete mit den üblichen ausweichenden Floskeln. Sie habe aber bereits eine weitere Prüfung in die Wege geleitet, sagte sie. Vanessa hakte nach.

„Wird wieder niemand zur Verantwortung gezogen?“

„Wir prüfen das. Danke für das Gespräch“, antwortete die Ministerin.

Die Leser würden sich ihre eigene Meinung bilden, davon war Vanessa überzeugt.

In den nächsten Tagen erwartete die Redaktion einen neuen Mitarbeiter. In den Vorgesprächen hatte der Neue Vanessa durch seine Kompetenz und sein sympathisches Auftreten überzeugt.

Er verfügte nicht nur über Fachwissen, sondern konnte auch komplexe Sachverhalte einfach und verständlich erklären.

Sie freute sich auf ihn, auf seine Unterstützung, nachdem sein Vorgänger in den Ruhestand gegangen war.

Vanessa erhoffte sich endlich die dringend benötigte Entlastung.

Willkommen in unserem Team

„Die Anrede mit »Du« ist seit Jahren im ganzen Haus selbstverständlich“, kam es freundlich von Vanessa.

Die Atmosphäre im Büro war locker und angenehm und Vanessa spürte sofort, dass Joachim mit seiner offenen Art und seinem freundlichen Lächeln eine positive Dynamik ins Team bringen würde.

„Ich bin sicher, du wirst dich schnell einleben“, sagte sie und sah, wie einige ihrer Kolleginnen im Großraumbüro Joachim verstohlen anschauten.

Vanessa bot ihm eine Tasse Kaffee an.

Sie unterhielten sich über die anstehenden Arbeitsabläufe und andere Themen, die Joachim besonders betrafen.

Anschließend stellte Vanessa ihm alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Großraumbüro persönlich vor.

„Dann kann es ja losgehen“, antwortete Vanessa gut gelaunt.

Sie bat ihn ans Fenster.

„Vor ein paar Monaten habe ich etwas Neues eingeführt.

Jeder von uns kann jetzt in den Park gegenüber gehen und durchatmen, wann immer er will. Das Wichtigste ist, ab und zu den Kopf freizubekommen. Computer setzen um, was in unseren Köpfen entsteht. Manchmal hilft eine kleine Pause.“

Vanessa nahm einen Schluck Kaffee.

„KI wird auch unser Berufsbild verändern, ob wir das wollen oder nicht. Wir steuern auf eine verrückte Zeit mit vielen großen Veränderungen zu und viele da draußen sind sich dessen noch nicht bewusst.“

Joachim bestätigte ihre Aussage mit einem Nicken.

Die ersten Tage vergingen wie im Flug.

Joachim fügte sich schnell in die Arbeitsabläufe ein und brachte frische Ideen mit.

Groß, sportlich schlank, immer gut gelaunt und mit seiner überaus charmanten und liebevollen Art war Joachim schnell der Hahn im Korb, besonders bei den Mitarbeiterinnen im Großraumbüro.

Joachim zeigte sich nicht nur als kompetenter, sondern auch als freundlicher Kollege, der immer bereit war, seine Ideen einzubringen und anderen zu helfen. Er stellte die Teamdynamik in den Vordergrund und sorgte dafür, dass alle Stimmen gehört wurden. Durch seine wertschätzende Art schuf er eine Atmosphäre, in der sich jeder wohlfühlte und motiviert war.

Sein Humor lockerte die Atmosphäre auf und bald wussten alle, dass man auf seine Unterstützung zählen konnte, sei es bei einem kniffligen Projekt oder auch nur bei einem kurzen persönlichen Gespräch.