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Notarzt Peter Kersten ist alles andere als begeistert, als ihn seine Lebensgefährtin Lea mit einer spontanen Reise nach Helgoland überrascht. In der Sauerbruch-Klinik ist ihm vor Kurzem ein sehr junger Mann unter den Händen weggestorben. Dieses traurige Ereignis hat den sonst so routinierten Notarzt sehr getroffen, und seitdem hat er noch mehr als sonst das Bedürfnis, in der Klinik die Kontrolle über alles zu behalten und möglichst oft präsent zu sein. Wie soll er sich da an der Nordsee entspannen?
Lea ist äußerst verstimmt, als sie ihren Freund während des Urlaubs mehrfach dabei erwischt, wie er heimlich mit seinen Kollegen aus Frankfurt telefoniert. Reicht sie ihm denn nicht aus, um glücklich zu sein? Ist die Liebe zu seinem Beruf größer als seine Liebe zu ihr?
Doch dann kommt es zu einem furchtbaren Ereignis, dass plötzlich alle anderen Probleme verblassen lässt: Während einer Wattwanderung entdecken Lea und der Notarzt eine verzweifelte Frau, die aufgeregt winkt und um Hilfe ruft. Sie kniet neben einem kleinen Jungen, der bewusstlos und blutüberströmt neben ihr liegt. Als Dr. Kersten feststellt, dass hier neben der Gefahr des Verblutens auch noch ein Herz-Kreislaufstillstand vorliegt, weiß er, dass es ein Kampf auf Leben und Tod wird, den er für den Jungen führen muss ...
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Seitenzahl: 120
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Hilferuf im Wattenmeer
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: shutterstock/Monkey Business Images
E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-3771-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Hilferuf im Wattenmeer
Kann Dr. Kersten dem kleinen Bennet das Leben retten?
Alexa Reichel
Notarzt Peter Kersten ist alles andere als begeistert, als ihn seine Lebensgefährtin Lea mit einer spontanen Reise nach Helgoland überrascht. In der Sauerbruch-Klinik ist ihm vor Kurzem ein sehr junger Mann unter den Händen weggestorben. Dieses traurige Ereignis hat den sonst so routinierten Notarzt sehr getroffen, und seitdem hat er noch mehr als sonst das Bedürfnis, in der Klinik die Kontrolle über alles zu behalten und möglichst oft präsent zu sein. Wie soll er sich da an der Nordsee entspannen?
Lea ist äußerst verstimmt, als sie ihren Freund während des Urlaubs mehrfach dabei erwischt, wie er heimlich mit seinen Kollegen aus Frankfurt telefoniert. Reicht sie ihm denn nicht aus, um glücklich zu sein? Ist die Liebe zu seinem Beruf größer als seine Liebe zu ihr?
Doch dann kommt es zu einem furchtbaren Ereignis, dass plötzlich alle anderen Probleme verblassen lässt: Während einer Wattwanderung entdecken Lea und der Notarzt eine verzweifelte Frau, die aufgeregt winkt und um Hilfe ruft. Sie kniet neben einem kleinen Jungen, der bewusstlos und blutüberströmt neben ihr liegt. Als Dr. Kersten feststellt, dass hier neben der Gefahr des Verblutens auch noch ein Herz-Kreislaufstillstand vorliegt, weiß er, dass es ein Kampf auf Leben und Tod wird, den er für den Jungen führen muss …
„Schau mal, Peter. Ist das nicht ein Wahnsinns Ausblick?“ Lea König lehnte sich an ihren Partner und blickte gebannt auf die Weite des Meeres. Peter Kersten reagierte nicht. Es fiel ihm schwer, sich gedanklich auf den spontan angetretenen Urlaub einzulassen.
Seine Freundin hatte ihn mit einem einwöchigen Kurztrip nach Helgoland überrascht, und wenn er den Gutschein richtig deutete, erwartete ihn ein volles Programm mit zahlreichen Aktivitäten.
Sie hatten in der letzten Zeit einige tragische Fälle in der Frankfurter Sauerbruch-Klinik gehabt. Der Sommer hatte einen verunglückten Motorradfahrer nach dem anderen in Dr. Kerstens Notaufnahme geschwemmt, sodass er irgendwann angefangen hatte, für schlechtes Wetter zu beten.
Wenn es regnete oder zu grau und unfreundlich war, dann ließen die Motorradfahrer ihre Zweiräder zu Hause. Dann gab es weniger dramatische Unfälle. Und es gab vor allem weniger Tote zu beklagen.
Als Peter Kersten vor drei Wochen ein Teenager unter seinen Händen weggestorben war, war der erfahrene Notarzt beinahe in eine schwere Depression verfallen. Ihm war völlig klar gewesen, dass er den sechzehnjährigen Mopedfahrer so oder so nicht hätte retten können.
Ein Kleintransporter hatte dem jungen Mann die Vorfahrt geraubt, und der Mopedfahrer hatte keinerlei Chance gehabt, den Zusammenprall zu überleben. Als er eingeliefert worden war, war er bereits hirntot gewesen, und nur noch die intensivmedizinische Unterstützung hatte überhaupt ermöglicht, dass der Körper des Jungen fortfuhr, zu atmen.
Es war Peter Kersten unendlich schwergefallen, den aufgelösten Eltern des Unfallopfers beizubringen, dass Lunge und Herz nur noch wegen der Maschinen funktionierten, und dass sie sich von ihrem einzigen Sohn verabschieden mussten.
Noch immer gellte der verzweifelte Schrei der Mutter in Peters Ohr, und der schmerzverzerrte, vorwurfsvolle Blick des Vaters verfolgte ihn bis in seine Träume.
Mehrfach war er in der Folgezeit schweißnass aus schlimmen Albträumen hochgeschreckt, und nicht einmal ein nettes Essen mit Kollegen, das Lea organisiert hatte, hatte seine Stimmung aufheitern können.
Dann war Lea vor wenigen Tagen mit der Überraschung herausgeplatzt, sie habe hinter seinem Rücken einen einwöchigen Urlaub für Peter beantragt. Kurz darauf hatten sie auch schon die Koffer gepackt und waren Richtung Norden aufgebrochen.
Nun standen sie eng aneinandergelehnt auf dem Deck des Seebäderschiffs MS Neptun und hielten Kurs auf die Ferieninsel Helgoland.
Peter atmete den rauen, salzigen Wind des Meeres ein. Er spürte winzige Wassertropfen auf seiner Wange. Wegen des herbstlichen Wetters war er dick in einen Anorak eingepackt, und er verspürte eine wohlige Wärme.
Er war körperlich ganz da, aber seine Gedanken waren in der Notaufnahme der Sauerbruch-Klinik geblieben. Er machte sich Sorgen, ob der Ablauf ohne ihn flüssig weiterlief. Er hatte zu wenig Zeit gehabt, eine ordentliche Übergabe zu machen. Mit gemischten Gefühlen dachte er an die Kollegen, die wegen ihm nun zusätzliche Schichten übernehmen mussten.
Das Gesicht des verunglückten Mopedfahrers schob sich in seine Erinnerung. Der Junge hatte ausgesehen, als würde er schlafen.
„Hörst du mir überhaupt zu, Peter?“ Leas Frage riss ihn aus seinen Überlegungen, und verlegen sah Peter seine Partnerin an.
„Es tut mir leid. Ich war in Gedanken ganz woanders.“
Eine steile Falte entstand auf Leas Stirn. Sie drückte sanft Peters Hand und holte tief Luft, um ihm eine kleine Standpauke zu halten.
„Du musst wirklich endlich mal abschalten, Peter!“, warf sie ihm vor. „Ich weiß genau, dass du in Gedanken schon wieder in der Klinik warst. Denkst du nicht, die Kollegen werden das auch ohne dich schaffen? Klar, du bist ein hervorragender Arzt. Aber auch du hast ein Recht auf Erholung und Freizeit.“
„Natürlich …“ Peter Kersten wunderte sich, wie leicht Lea König ihn manchmal durchschaute. Vermutlich lag das daran, dass sie Psychologin war. Es war beinahe unmöglich, ihr etwas vorzugaukeln.
„Wie heißt unser Hotel nochmal?“, fragte Peter Kersten, um seinen guten Willen zu zeigen. Er freute sich auf die gemeinsame Zeit mit Lea. Gleichzeitig war er überhaupt nicht in Ferienlaune.
„Das Hotel heißt „Zur Möwe“. Klingt doch nett, oder?“
„Ja, das tut es.“ Peter Kerstens Blick wanderte über das Deck und blieb auf einem verschlossen wirkenden Mann und einem kleinen Jungen kleben. Die zwei saßen nebeneinander auf einer Bank, und der Junge – vermutlich der Sohn des miesepetrigen Reisenden – hielt ein Fernglas in den Händen.
„Es gibt ein hervorragendes Restaurant im Hotel, und das Programm, das ich für uns gebucht habe, wird dir gefallen.“ Leas Stimme überschlug sich vor Vorfreude.
„Es wird mir gefallen, mich leidenschaftlich mit dir durch ein frisch gemachtes Hotelbett zu wälzen!“, witzelte Peter. „Ehrlich, Lea. Ich freue mich!“
Lea König stieß ihn mit gespielter Empörung in die Seite.
„Ich habe mich noch nie mit irgendjemandem durch Hotelbetten gewälzt!“, behauptete sie. „Aber wenn das dein bevorzugtes Ferienprogramm ist, dann habe ich nichts dagegen einzuwenden.“
Sie umschlang ihren Freund in einem Anflug plötzlicher Liebe, und unbeeindruckt von den anderen Gästen an Deck des Schiffs küssten sie sich.
Ein paar Meter entfernt beobachtete Andreas Stone das verliebt wirkende Pärchen. Der Anblick gab dem Dreiunddreißigjährigen einen Stich, und rasch sah er zu seinem Sohn Bennet hinunter.
„Und, Kleiner, siehst du was? Pass auf, dass dir das Fernglas nicht aus der Hand rutscht. Es ist eigentlich für Erwachsene gedacht und ziemlich schwer!“
Mit voller Konzentration starrte der fünfjährige Junge in den wolkenlosen Himmel.
„Ich passe schon auf …“, murmelte das Kind. „Papa, ich sehe einen Storch! Ganz weit oben.“
„Hm …“ Andreas Stone runzelte die Stirn. Gab es Ende September Störche über der Nordsee? Er war sich nicht sicher, ob das überhaupt sein konnte. Aber er wollte Bennet seine Begeisterung nicht nehmen. Vermutlich handelte es sich um eine stinknormale Möwe, die dort oben ihre einsamen Kreise zog.
„Entschuldigen Sie, hätten Sie vielleicht ein Taschentuch für mich?“
Eine Frau, etwa in Andreas’ Alter, war neben ihm aufgetaucht. Sie hatte ein blondes Mädchen an der Hand, das völlig verschmiert war mit Erdbeereis.
Bennet senkte das Fernglas und rückte sofort näher an seinen Vater heran. Obwohl er diesem Alter längst entwachsen war, hatte er Angst vor unbekannten Menschen und fremdelte schrecklich. Der Storch am Himmel war augenblicklich vergessen.
„Moment, ich habe hier irgendwo ein Taschentuch …“ Andreas wühlte in seinem Rucksack. Die Blondine lächelte ihn freundlich an, aber er hatte keinerlei Interesse an einer Urlaubsbekanntschaft. Wenn er ehrlich war, so war er nicht im Geringsten in Ferienstimmung. Er hatte vorgehabt, mit seinem Sohn in der Nachsaison einen kurzen Urlaub zu machen, aber an Helgoland hatte er dabei nicht gedacht.
Gerne wäre er mit Bennet nach Italien geflogen oder hätte Ferien in einer Finca auf Mallorca gemacht. Dann aber hatte der Junge im Fernsehen einen Bericht über Kegelrobben auf Helgoland gesehen, und seitdem war er besessen von der Idee, auf der Insel Urlaub zu machen.
Es war Andreas unmöglich, seinem Sohn auch nur einen Wunsch abzuschlagen. Nicht nach allem, was vor eineinhalb Jahren geschehen war. Also hatte er ihm auch diese Bitte erfüllt. Jetzt, an Bord des Seebäderschiffs, merkte er jedoch, dass er gar keine Lust hatte, im kalten Herbst Ferien mitten in der Nordsee zu machen.
Er entdeckte das Päckchen mit den Taschentüchern und reichte es der Frau hinüber. Neugierig musterte der kleine Bennet die blonde Tochter der Fremden. Das Kind musste in seinem Alter sein, und die Aussicht auf eine Spielkameradin entlockte ihm nun doch ein schelmisches Lächeln.
„Danke!“, sagte die Mutter des Mädchens erleichtert. „Ich bin manchmal einfach etwas chaotisch und habe meine gesamte Notausstattung für Kinderbetreuung zu Hause vergessen. In meiner Handtasche sind weder Taschentücher noch Pflaster noch Sonnencreme. Na ja, wie es aussieht, werden wir die Sonnencreme sowieso nicht brauchen! Oder was denken Sie?“
Sie warf einen kritischen Blick in den Himmel, und Andreas nickte verdrossen.
„Ich bin übrigens Bettina. Meine Tochter heißt Mia.“
„Andreas Stone“, murmelte Andreas, und sie schüttelten sich die Hand. „Das hier ist mein Sohn Bennet.“
„Ach …“ Bettina sah den kleinen Jungen mit sanftem Blick an. „Familie Stone. So steinhart wirkt ihr zwei gar nicht. Seid ihr beide Amerikaner?“
Ohne eine Miene zu verziehen, schüttelte Andreas den Kopf.
„Nein, ich komme aus Stuttgart. Aber die Eltern meiner Frau stammen aus Texas. Ich habe nach der Hochzeit ihren Familiennamen angenommen.“
„Ihre Frau hat es Ihnen sicherlich hoch angerechnet, dass Sie ihren Namen angenommen haben?“, überlegte Bettina laut. „Kommt sie nach Helgoland nach, oder …“
In dem Moment gab die Fähre ein lautes Tuten von sich.
„Oh, wir sind gleich da!“ Vor ihnen erstreckte sich der Südhafen der Insel. Eilig nahm Bettina ihre Tochter an der Hand und nickte Andreas und Bennet zu. „Wir sehen uns hoffentlich wieder – die Insel ist ja klein!“ Dann ging sie mit Mia zurück in den Speiseraum, um ihre dort abgestellten Sachen zu holen.
Auch Dr. Kersten und Lea König bereiteten sich auf die Ankunft vor. Die zweieinhalbstündige Überfahrt war wie im Flug vergangen.
„Gibt es auf Helgoland Haie?“ Aus großen Augen sah Bennet seinen Vater an. Offenbar war ihm diese Horrorvorstellung gerade erst gekommen.
Andreas schüttelte irritiert den Kopf.
„Nein, die Insel ist absolut harmlos!“, versprach er ihm. „Dir wird hier gar nichts passieren.“
Bennet wirkte nicht überzeugt. Der kleine Junge hatte sich so auf die gemeinsame Reise gefreut, aber kaum waren sie angekommen, verfiel er schon wieder in Panik.
„Erinnere dich daran, was du in der Therapiestunde gelernt hast!“, beruhigte Andreas seinen aufgelösten Sohn. „Denk an eine blühende Blumenwiese. Du liegst auf einer Decke im Gras, und du hörst das fröhliche und freundliche Quaken von Fröschen.“
Bennet schloss die Augen.
„Jetzt höre ich es!“, behauptete er. Die Gäste schoben sich an Vater und Sohn vorbei, aber Bennet ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Langsam wirkte er wieder entspannter.
„Können wir von Bord gehen und das Abenteuer beginnen?“, fragte Andreas Stone augenzwinkernd.
„Ja!“, erwiderte Bennet laut. „Ich verspreche, überhaupt keine Angst zu haben!“
***
„Es tut mir wirklich sehr leid. Aber ich kann auch nicht zaubern!“
Andreas Stone sah die junge Frau an der Rezeption der Jugendherberge fassungslos an. Er war entgeistert, mit welcher Gleichgültigkeit sie die ganze Sache abtat.
Unglücklicherweise war es ausgerechnet Bettina, die junge Mutter vom Schiff, mit der sich Andreas nun um das einzige Zweierzimmer streiten musste.
„Ich habe ein Doppelzimmer gebucht!“, wiederholte Andreas stur. „Also möchte ich auch ein Doppelzimmer beziehen.“
Er wich dem Blick von Bettina aus. Unter anderen Umständen hätte er natürlich ihr und ihrer Tochter Mia den Vortritt gelassen, aber es ging einfach nicht, dass Bennet in einem großen Schlafraum mit Fremden schlief. Das konnte man weder ihm noch den anderen Gästen zumuten.
Verstört fasste Bettina nach der Hand ihrer Tochter.
„Es tut mir leid“, stammelte sie. „Aber auch ich muss auf ein Doppelzimmer bestehen! Ich habe das Zimmer vor einem halben Jahr reserviert. Es geht absolut nicht, dass wir in einem Gemeinschaftszimmer übernachten.“ Sie wirkte aufgebracht und musste blinzeln, um nicht vor allen Leuten in Tränen auszubrechen.
Ein extrem gut aussehender junger Mann trat hinter ihr aus dem Schatten. Er war stark gebräunt, und sein dichtes Haar war so tiefschwarz, dass es nur gefärbt sein konnte. Er steckte in einem lässigen beigen Leinen-Anzug.
„Kann ich helfen?“
Bettina drehte sich um.
„Sind Sie der Leiter der Jugendherberge? Es gibt hier ein Problem mit …“
Der fremde Mann versank in den Anblick der aufgelösten Bettina. Sie war sehr attraktiv, auf eine natürliche Art. Eine echte Blondine eben! Ob sie sich ihrer Wirkung auf Männer überhaupt bewusst war? Er trat einen Schritt näher und fasste die Besucherin vertraut an der Schulter.
Bettina zuckte übertrieben heftig zurück und zog ihre kleine Tochter an sich.
Der Mann grinste unsicher.
„Nein, ich bin nicht der Leiter der Jugendherberge. Ich komme aus Hamburg und bin Reporter des BLITZ!“, klärte er auf und zog seine Hand wieder zurück. „Sie kennen doch Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung?“
Verwirrt nickte Bettina. Wie wollte ihr ein Journalist bei dem Problem der doppelt vergebenen Zimmer helfen?
„Randolf, mein Name“, stellte sich der Reporter mit einlullendem Klang in der Stimme vor. „Mike Randolf. Ich bin wegen Lena Meyer-Landrut hier auf der Insel.“
Bettina schwirrte der Kopf. Sie war müde und brauchte einen Mittagsschlaf. Lena Meyer-Landrut … war das nicht die erfolgreiche Sängerin, die Deutschland vor einigen Jahren beim Eurovision Song-Contest zum Sieg verholfen hatte? Was hatte diese Senkrechtstarterin ausgerechnet auf Helgoland zu suchen?
Mike Randolf trat wieder näher und beugte sich verschwörerisch zu Bettina hinab.
„Ich habe Insider-Informationen, dass Lena demnächst auf der Insel eintrifft. Es finden ja momentan Jugend-Chortage auf Helgoland statt, und es befinden sich jede Menge Sänger und Sängerinnen in den Gästehäusern. Angeblich wird Lena als Botschafterin vorbeigeschickt. Sie soll einer der jungen Chorsängerinnen einen Plattenvertrag überreichen. Es hat irgendwas mit einer neuen Fernsehshow zu tun. So was wie ‚Deutschland sucht den Superstar‘. Sie wissen schon, was ich meine.“
Bettina wusste nicht, was der aufdringliche Reporter meinte. Und sein vertrauliches Geschwafel war ihr jetzt schon zu viel. Sie wollte endlich in ihr Zimmer.
„Was ist jetzt mit der Unterkunft?“, fragte sie die Rezeptionistin, selbst erschrocken über ihren harten Tonfall.
Die junge Frau hinter der Theke gähnte.