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Ob Herpes, Husten oder Harnwegsinfektion - Mutter Natur hat fast jedem Wehwehchen und vielen Krankheiten etwas entgegenzusetzen. Da gibt es Wermut gegen Krämpfe, Ingwer gegen Übelkeit oder Senf gegen Nervenschmerzen. Doch welche Pflanze hilft wirklich, wo bekomme ich sie her, wie wende ich sie an und wie wirkt sie eigentlich? Dieses Buch erklärt Ihnen wissenschaftlich fundiert und dennoch leicht verständlich alles, was Sie über Heilpflanzen wissen müssen. Neben einer allgemeinen Einführung über Heilpflanzen, deren Inhaltsstoffe und Co. erfahren Sie zum Beispiel auch Interessantes über die verschiedenen Medizinsysteme mit Heilpflanzen, die es auf der Welt gibt. Im Herzstück des Buches finden Sie für jedes Beschwerdebild ein entsprechendes Kapitel, das Ihnen genau zeigt, welche Pflanzen Ihnen wie helfen können. Egal, ob Sie sich privat oder beruflich mit Heilpflanzen beschäftigen wollen, mit diesem Buch haben Sie den perfekten Ratgeber zur Hand.
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Seitenzahl: 537
Heilpflanze: Enthält eine Nutzpflanze Wirkstoffe, die für therapeutische Zwecke (Linderung und Heilung von Krankheiten) verwendet werden kann, handelt es sich um eine Heilpflanze.
Droge: Teile lagerungsfähiger, das heißt getrockneter Heilpflanzen, die zur Herstellung von Arzneimitteln dienen, heißen Drogen. Das können zum Beispiel Blüten, Blätter, Wurzeln oder Harze sein. Diese Drogen haben nichts mit Suchtmitteln (Rauschdrogen) zu tun.
Wirkstoff: Bei einem Wirkstoff beziehungsweise Arzneistoff handelt es sich um die pharmakologisch aktive Substanz, auf die sich (anders als beim Hilfsstoff) die Wirksamkeit eines Arzneimittels begründet.
Teeaufguss: Überbrühen Sie einen Teelöffel des Heilpflanzenteils mit 150 Milliliter Wasser. Bei getrockneten Pflanzenteilen beträgt die Ziehzeit durchschnittlich fünf bis zehn Minuten. Bei frischen Pflanzenteilen nur halb so lang. Trinken Sie den Teeaufguss nach Möglichkeit frisch zubereitet, damit auch flüchtige Substanzen wie ätherische Öle optimal freigesetzt werden können. Daher sollten Sie einen Teeaufguss immer zugedeckt ziehen lassen.
Abkochung: Hölzer, Rinden und Wurzeln kommen normalerweise als Abkochung zum Einsatz. Das liegt daran, dass harte Pflanzenteile wie die Rinde der Eiche oder Weide ihre Inhaltsstoffe nur unwillig abgeben, wenn man sie mit Wasser überbrüht. Die Menge und die Ziehdauer sind von Pflanze zu Pflanze verschieden. Als Faustregel gilt: übergießen Sie einen gehäuften Teelöffel der getrockneten Pflanzenteile mit 250 Milliliter kaltem Wasser und bringen die Mischung zum Kochen. Bevor Sie die Pflanzenteile dann absieben, lassen Sie die Abkochung zehn bis 15 Minuten lang zugedeckt ziehen.
Kaltwasserauszug: Manche Heilpflanzen speichern Inhaltsstoffe, die unter Hitzeeinwirkung zerstört werden. Sie werden am besten als Kaltwasserauszug zubereitet. Übergießen Sie daher rund einen Teelöffel des Pflanzenteils mit 150 bis 250 Milliliter kaltem oder zimmerwarmem Wasser und lassen Sie die Mischung rund 30 Minuten zugedeckt ziehen.
Tinktur: Sie können aus jeder Heilpflanze eine Tinktur herstellen und dann in Tropfenform einnehmen. Dazu ist ein neutral schmeckender 50- bis 70-prozentiger Alkohol am besten geeignet. Füllen Sie den Pflanzenteil in eine beschriftete Braunglasflasche mit Schraubverschluss und übergießen Sie die Zutat mit Alkohol im Mischungsverhältnis 1:10. Schütteln Sie die Mischung täglich und filtern Sie die Pflanzenteile nach zwei bis sechs Wochen ab.
Inhalation: Viele Heilpflanzen mit ätherischen Ölen können Sie prima zur Inhalation einsetzen. Geben Sie fünf Esslöffel der frischen oder getrockneten Pflanzenteile in eine große flache Schüssel und übergießen Sie die Zutaten mit 1 Liter kochendem Wasser. Beugen Sie sich tief über die Schüssel und bedecken Sie Ihren Kopf mit einem Handtuch. Atmen Sie die aufsteigenden Dämpfe so lange ein, bis das Wasser kalt ist.
Bad: Zubereitungen für Teil- und Vollbäder werden wie ein Teeaufguss in stärkerer Dosierung hergestellt. Als einen Richtwert können Sie die Mischung von 1:10 veranschlagen.
Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
1. Auflage 2018
© 2018 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
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Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autorin und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie eventuelle Druckfehler keine Haftung.
Coverfoto: MoustacheGirl/iStock/Thinkstock
Lektorat: Dr. Katharina Hemschemeier, Berlin
Korrektur: Frauke Wilkens, München
Print ISBN: 978-3-527-71346-2
ePub ISBN: 978-3-527-80701-7
mobi ISBN: 978-3-527-81131-1
Dr. Nadine Berling-Aumann ist Ökotrophologin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Heilpflanzen in Europa und in Asien. Sie ist außerdem Doktor der theoretischen Medizin, Ernährungstherapeutin und Autorin. Ihre Doktorarbeit beschäftigte sich mit Heilpflanzen und mit Arzneimitteln in der Tibetischen Medizin. Für ihre wissenschaftliche Arbeit hat sie zehn Jahre in Nord-Indien und in Nepal gelebt und dort gearbeitet. Heute unterstützt sie als Ernährungstherapeutin hauptberuflich Menschen, die durch ihr Essen krank geworden sind oder durch ihre Erkrankung eine besondere Ernährung brauchen. Dr. Berling-Aumann arbeitet außerdem als Autorin zu Heilpflanzen und Ernährung. Sie unterrichtet Ernährungsfachkräfte, Lehrkräfte und Laien in Seminaren und beantwortet Fragen über Heilpflanzen, Gewürze und über Ernährung.
Es gibt zwei Personen, ohne die dieses Werk heute niemals in Ihren Händen liegen würde. Das ist erstens mein Mann, Bernhard Aumann, von dem nie ein Murren zu hören war, selbst wenn ich mitten in der Nacht aufgestanden bin, weil mir gerade ein passender Text für dieses Buch eingefallen ist. Ganz zu schweigen von den vielen Exkursionen um Bilder für dieses Buch zu machen. Außerdem hat er mir für das Kapitel 3 wertvolle Textbausteine geliefert, denn er ist Gärtnermeister.
Die andere Person ist meine wunderbare Lektorin, Dr. Katharina Hemschemeier. Sie hat dieses Buch nicht nur mit viel Scharfsinnigkeit in rasanter Zeit in die richtige Form gebracht, sondern auch mit ganz viel Intelligenz. Aus meiner Sicht könnte sie auch als Motivationstrainerin arbeiten. Als solche habe ich sie jedenfalls oft empfunden. Außerdem möchte ich dem Verlagsteam danken, das an diesem Werk mitgewirkt hat und es mir ermöglicht hat, dieses Buch zu schreiben.
Cover
Titelseite
Impressum
Über die Autoren
Danksagung
Einführung
Über dieses Buch
Konventionen in diesem Buch
Was Sie nicht lesen müssen
Törichte Annahmen über den Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I: Pflanzen und Pflanzenbedürfnisse verstehen
Kapitel 1: Sich ein Bild von Heilpflanzen machen
Was Heilpflanzen sind
Verbindungen zwischen Lebensmitteln und Heilpflanzen
Kapitel 2: Die Pflanzeninhaltsstoffe entdecken
Wozu Pflanzen Inhaltsstoffe bilden
Phenolische Verbindungen sind Antioxidantien
Saponine bei Husten mit Auswurf
Schleimstoffe als Balsam bei gereiztem Hals bis Darm
Kapitel 3: Heilpflanzen sammeln, anbauen, pflegen, ernten und lagern
Wie Heilpflanzen wachsen
Das Wichtigste zu Ernte und Weiterverarbeitung
Kapitel 4: Fachbegriffe und Zubereitungen kennenlernen
Vom Kraut zur Droge
Lebensmittel oder Arzneimittel?
Die Zubereitung von Heilpflanzen
Teil II: Medizinsysteme mit Heilpflanzen
Kapitel 5: Europa und Asien
Traditionelle Europäische Medizin
Ayurveda
Traditionelle Chinesische Medizin
Traditionelle Tibetische Medizin
Kampo-Medizin
Kapitel 6: Australien, Afrika, Nord- und Südamerika
Medizin der Aborigines
Afrikanische Volks- und Kräutermedizin
Indianermedizin in Nordamerika
Indianermedizin in Südamerika
Teil III: Zwischen Wissenschaft und einem Wirkstofftropfen im Ozean
Kapitel 7: Bewertung der Wirksamkeit von Heilpflanzen
Die Kommission E
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel
Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie
Die Weltgesundheitsorganisation
Kapitel 8: Naturheilverfahren mit Heilpflanzen
Anthroposophische Medizin
Aromatherapie
Bachblütentherapie
Hildegard-Medizin
Homöopathie
Klostermedizin
Kneipp-Therapie
Phytotherapie oder rationale Phytotherapie
Sauna
Teil IV: Heilpflanzen und deren erfolgreicher Gebrauch
Kapitel 9: Balsam für das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Gefäßerkrankungen
Kapitel 10: Beschwerden im Mund, Rachen und der Atemwege abbauen
Entzündete Schleimhaut im Mund oder Rachen und Zahnweh
Erkältungen
Gereizter Hals und Halsschmerzen
Asthma
Reizhusten und Husten mit Auswurf
Kapitel 11: Angenehmes für Magen, Darm und andere Verdauungsorgane
Appetitlosigkeit
Bauchspeicheldrüse
Blähungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) und Divertikulose
Durchfall
Gallenblase
Krampfartige Magen-Darm-Beschwerden
Magenschleimhautentzündung
Lebererkrankungen
Reizdarm
Übelkeit
Verstopfung
Kapitel 12: Hilfe bei ernährungsbedingten Krankheiten, Schilddrüsenbeschwerden und anderen Stoffwechselerkrankungen
Abnehmen mit Vernunft
Diabetes mellitus
Fettstoffwechselstörungen und hohe Blutfettwerte
Gicht
Schilddrüse als wichtiges Stoffwechselorgan
Kapitel 13: Keine Chance für Harnwegsinfekte, Reizblase und Prostatabeschwerden
Blasenentzündung
Reizblase
Gutartig vergrößerte Prostata
Kapitel 14: Gleichgewicht fürs weibliche Wohlbefinden
Unregelmäßige und schmerzhafte Periode
Hormone außer Rand und Band
Kapitel 15: Den Bewegungsapparat in Form halten
Entzündliches Rheuma
Gelenkverschleiß: Arthrose
Muskelschmerzen
Prellungen, Verstauchungen und andere stumpfe Verletzungen
Kapitel 16: Das Nervensystem entlasten
Demenz
Kopfschmerzen und Migräne
Nervenschmerzen
Kapitel 17: Besser schlafen, Ängste und Traurigkeit überwinden
Schlafbeschwerden
Nervosität
Angst und Depressionen
Kapitel 18: Hauterkrankungen behandeln
Atopisches Ekzem, Schuppenflechte und Sonnenschäden
Entzündete und wunde Haut
Herpes und Warzen
Hämorrhoiden
Juckreiz, Insektenstiche und Sonnenbrand
Pilzerkrankungen
Überaktive Haut
Teil V: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 19: Zehn Heilpflanzen zur Unterstützung bei Krebserkrankungen
Aronia zur Vorbeugung gegen Brustkrebs und Dickdarmkrebs
Cannabis: Hanf bei tumorbedingten Schmerzen
Ginsengwurzel bei Müdigkeit und Fatigue-Syndrom
Heidelbeere bei Durchfall und Verstopfung
Ingwer als Antioxidans bei Entzündungen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden
Kurkuma bei Krebserkrankungen und zur möglichen Krebsprävention
Malve bei wunder Mundschleimhaut
Mistel zur allgemeinen Therapieunterstützung
Rosenwurz bei Müdigkeit und Erschöpfung
Salbei bei wunder Mund- und Rachenschleimhaut
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 1
Tabelle 1.1: Pflanzenorgane, deren häufige Inhaltsstoffe und Vorteile für Pflanze und Mensch – vereinfachte Darstellung
Kapitel 3
Tabelle 3.1: Die beste Erntezeit
Tabelle 3.2: Wirkstoffe und deren Trocknungsdauer
Tabelle 3.3: Faktoren, die Sie bei der Lagerung beachten sollten
Kapitel 1
Abbildung 1.1: Hirtentäschel – Capsella bursa-pastoris
Kapitel 3
Abbildung 3.1: Beispiel für eine Kräuterspirale
Kapitel 9
Abbildung 9.1: Rosmarin – Rosmarinus officinalis
Abbildung 9.2: Arnika – Arnica montana
Abbildung 9.3: Ginkgo – Ginkgo biloba
Abbildung 9.4: Stechender Mäusedorn – Ruscus aculeatus
Abbildung 9.5: Rosskastanie – Aesculus hippocastanum
Abbildung 9.6: Echter Steinklee – Melilotus officinalis
Abbildung 9.7: Echte Weinrebe – Vitis vinifera
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Spitzwegerich – Plantago lanceolata
Abbildung 10.2: Schwarzer Holunder – Sambucus nigra
Abbildung 10.3: Sommerlinde – Tilia platyphyllos
Abbildung 10.4: Garten-Salbei – Salvia officinalis
Abbildung 10.5: Echter Eibisch – Althaea officinalis
Abbildung 10.6: Wilde Malve – Malva sylvestris
Abbildung 10.7: Hohe Schlüsselblume, Primel – Primula elatior
Abbildung 10.8: Echter Thymian – Thymus vulgaris
Abbildung 10.9: Wollblume oder Großblütige Königskerze – Verbascum densiflorum
Kapitel 11
Abbildung 11.1: Gelber Enzian – Gentiana lutea
Abbildung 11.2: Echter Galgant – Alpinia officinarum
Abbildung 11.3: Ananas – Ananas comosus
Abbildung 11.4: Echter Kümmel – Carum carvi
Abbildung 11.5: Gewöhnlicher Löwenzahn – Taraxacum sect. Ruderalia
Abbildung 11.6: Echtes Tausendgüldenkraut – Centaurium erythraea
Abbildung 11.7: Indisches Flohkraut – Plantago ovata
Abbildung 11.8: Gemeiner Lein – Linum usitatissimum
Abbildung 11.9: Jambulbaum – Syzygium cumini
Abbildung 11.10: Wermut – Artemisia absinthium
Abbildung 11.11: Fenchel – Foeniculum vulgare
Abbildung 11.12: Kalmus – Acorus calamus
Abbildung 11.13: Gemeine Schafgarbe – Achillea millefolium
Abbildung 11.14: Echter Eibisch – Althaea officinalis
Abbildung 11.15: Echtes Süßholz – Glycyrrhiza glabra
Abbildung 11.16: Echte Artischocke – Cynara cardunculus
Abbildung 11.17: Mariendistel – Silybum marianum
Abbildung 11.18: Echter Lavendel – Lavandula angustifolia
Abbildung 11.19: Bittere Schleifenblume – Iberis amara
Abbildung 11.20: Echte Aloe – Aloe vera
Abbildung 11.21: Alexandrinische Senna – Senna alexandrina
Kapitel 12
Abbildung 12.1: Bittermelone, Bittergurke – Momordica charantia
Abbildung 12.2: Artischocke – Cynara cardunculus
Abbildung 12.3: Große Brennnessel – Urtica dioica
Abbildung 12.4: Ackerschachtelhalm – Equisetum arvense
Abbildung 12.5: Herzgespann – Leonurus cardiaca
Abbildung 12.6: Ufer-Wolfstrapp – Lycopus europaeus
Kapitel 13
Abbildung 13.1: Bärentraube – Arctostaphylos uva-ursi
Abbildung 13.2: Hänge-Birke – Betula pendula
Abbildung 13.3: Große Brennnessel – Urtica dioica
Abbildung 13.4: Große Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus
Abbildung 13.5: Meerrettich – Armoracia rusticana
Abbildung 13.6: Echte Goldrute – Solidago virgaurea
Abbildung 13.7: Afrikanische Hypoxis – Hypoxis hemerocallidea (Synonym Hypoxis rooperi)
Abbildung 13.8: Roggen – Secale cereale
Kapitel 14
Abbildung 14.1: Stieleiche – Quercus robur
Abbildung 14.2: Hirtentäschel – Capsella bursa-pastoris
Abbildung 14.3: Echte Kamille – Matricaria recutita
Abbildung 14.4: Trauben-Silberkerze – Cimicifuga racemosa
Abbildung 14.5: Rhapontik-Rhabarber – Rheum rhaponticum
Kapitel 15
Abbildung 15.1: Kampferbaum – Cinnamomum camphora
Abbildung 15.2: Große Brennnessel – Urtica dioica
Abbildung 15.3: Beinwell – Symphytum officinale
Kapitel 16
Abbildung 16.1: Ginkgo – Ginkgo biloba
Abbildung 16.2: Rosenwurz – Rhodiola rosea
Abbildung 16.3: Mutterkraut – Tanacetum parthenium
Abbildung 16.4: Gewöhnliche Pestwurz – Petasites hybridus
Abbildung 16.5: Cayennepfeffer – Capsicum frutescens
Kapitel 17
Abbildung 17.1: Baldrian – Valeriana officinalis
Abbildung 17.2: Zitronenmelisse – Melissa officinalis
Abbildung 17.3: Echtes Johanniskraut – Hypericum perforatum
Abbildung 17.4: Echter Lavendel – Lavandula angustifolia
Abbildung 17.5: Winterharte Passionsblume – Passiflora incarnata L.
Kapitel 18
Abbildung 18.1: Rinde der Hänge-Birke – Betula pendula
Abbildung 18.2: Borretsch – Borago officinalis
Abbildung 18.3: Bittersüßer Nachtschatten – Solanum dulcamara
Abbildung 18.4: Saathafer – Avena sativa
Kapitel 19
Abbildung 19.1: Aronia – Aronia melanocarpa
Abbildung 19.2: Männliche Blüten der Hanfpflanze – Cannabis sativa
Abbildung 19.3: Weißbeerige Mistel – Viscum album
Cover
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Mein erster Kontakt mit Heilpflanzen war am zweiten Tag meiner ersten Berufsausbildung in einer Apotheke. Voller Neugierde betrachtete ich die pflanzlichen Inhalte in den unzähligen Metalldosen und braunen Glasgefäßen, die auf langen Regalen aneinandergereiht waren. Öffnete ich einen Deckel, duftete es mal herrlich blumig, mal angenehm entspannend und manchmal löste der Geruch beinahe einen Brechreiz bei mir aus.
Während ich mich mit den getrockneten Pflanzen beschäftigte, entging meinen Kolleginnen mein Interesse nicht. Mit einem Zettel in der Hand fragte mich eine Kollegin während meiner Erkundungstour, ob ich Lust hätte, eine Drogenmischung herzustellen. Mein Gesichtsausdruck muss damals ungläubig bis entsetzt gewesen sein. Jedenfalls erklärte mir meine Kollegin, dass eine »Droge« in der Pflanzenheilkunde getrocknete Teile von Heilpflanzen sind, die für therapeutische Behandlungen eingesetzt werden, wie Wurzeln oder Blüten. Auf ihrem Zettel – einem Rezept – standen verschiedene Drogen mit Mengenangaben, die ich für einen Kunden abwiegen, mischen und abfüllen durfte. Heute fallen mir aus dem Stegreif über 250 verschiedene Heilpflanzen und Drogen ein.
Heilpflanzen üben für viele Menschen eine Faszination aus. In der Tat bestanden bis in die 1960er-Jahre noch mehr als 50 Prozent aller Arzneimittel aus Heilpflanzen oder enthielten pflanzliche Zubereitungen. Heute sind es deutlich weniger, aber das Interesse von Verbrauchern scheint stetig zu wachsen. Dabei glauben viele Menschen, dass es sich bei der Anwendung von Heilpflanzen immer um eine sanfte und nebenwirkungsfreie Form der Therapie handelt. Sollten Sie schon einmal Rizinusöl als Abführmittel eingesetzt haben, wissen Sie, dass die Wirkung keinesfalls als angenehm oder sanft zu bezeichnen ist. Unangenehm bis schmerzhaft ist eine bessere Umschreibung für die abführenden Prozesse im Darm durch Rizinusöl!
Heilpflanzen sind Arzneimittel. Sie enthalten pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe und beeinflussen die Gesundheit. Wie andere Arzneimittel auch können sie unerwünschte Nebenwirkungen oder auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beziehungsweise Medikamenten haben. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Heilpflanzen im Zweifelsfall erst nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker einzusetzen.
Die gute Nachricht ist die, dass Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies Ihnen erklärt, wie Heilpflanzen wirken und warum sie das tun. Sie lernen, wie jede einzelne Heilpflanze richtig angewendet wird und für wen die Pflanze geeignet ist. Sie erfahren außerdem, welche Chancen die Anwendungen von Heilpflanzen nach sich ziehen und welche Grenzen es gibt. Bei der Berichterstattung in den Medien über Gesundheitsthemen durch Wissenschaftler und Laien ist es manchmal ziemlich schwierig zu erkennen, was richtig ist und was an Scharlatanerie grenzt. Täglich werden neue vermeidliche Sensationen berichtet, die versprechen, »das Heilmittel« für dies und das zu haben, um die Meldung mit dem nächsten Atemzug wieder wegzuwischen, da es sich als wirkungslos oder gefährlich entpuppt. Das sorgt nicht nur für Verwirrung und Verwechslung, sondern es bremst gleichzeitig das Vertrauen in Therapien, die an sich hervorragend und wirksam sind.
Mit diesem Buch möchte ich Sie mit dem nötigen Hintergrundwissen in die Lage bringen, sich eine eigene Meinung über Heilpflanzen zu bilden, und klare Trennlinien zwischen anerkannten und umstrittenen Verfahren aufzeigen, damit Sie wissen, wie Sie Heilpflanzen richtig anwenden, um gesünder zu sein und um Beschwerden zu lindern oder sogar zu heilen.
Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies ist eine Einführung in die Welt der Heilpflanzenkunde und liefert Ihnen einen Überblick über das Thema als ein offenes System mit all seinen Einflussfaktoren. Sie können dieses Buch als Nachschlagewerk für Ihr Studium benutzen und zur Behandlung Ihrer Beschwerden. Alle Beschwerdebilder sind nach Gruppen sortiert. Wenn Sie beispielsweise schlecht in den Schlaf finden, dann schauen Sie am besten ins Kapitel 17, Abschnitt »Schlafbeschwerden«. Dort finden Sie die wichtigsten Informationen zu wirksamen Heilpflanzen und wie Sie diese richtig anwenden.
Ich möchte Sie aber auch ganz allgemein für Heilpflanzen begeistern und dabei Inhalte und Wechselbeziehungen einfach und klar darstellen. In Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies lernen Sie ausschließlich Heilpflanzen kennen, zu deren Wirksamkeit es eine gute Beweislage gibt und die Sie im Hausgebrauch einsetzen können. Dennoch dient dieses Buch in erster Linie zu Ihrer Information. Sollten sich Ihre Beschwerden nach vorgeschlagener Anwendungsdauer nicht bessern oder – schlimmer noch – Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich in kurzer Zeit drastisch, suchen Sie bitte unbedingt einen erfahrenen Arzt auf.
In diesem Buch werden Fachgriffe entweder vermieden oder direkt erklärt, damit Sie beim Lesen hoffentlich weder eine Suchmaschine nebenbei laufen lassen müssen noch ein Wörterbuch zur Übersetzung brauchen. Damit Sie sich einfach zurechtfinden, sind die Texte wie folgt gestaltet:
Kursivschrift
wird für neue Begriffe und Fachausdrücke verwendet, die anschließend erklärt werden. Auch botanische Pflanzennamen und medizinische Pflanzenteile oder Ausscheidungen von Pflanzen in lateinischer Sprache werden kursiv geschrieben.
Fettdruck
weist auf Schlüsselwörter und wichtige Heilpflanzen hin.
Grau unterlegte Kästchen enthalten Informationen mit spannendem Hintergrundwissen, das für das Verstehen des Kapitels allerdings nicht unbedingt gelesen werden muss.
Internetadressen
zu interessanten Websites sind in Monofont geschrieben.
Alle Kapitel sind nach einem ähnlichen Muster aufgebaut: Es geht dabei immer los mit einer generellen Einführung ins Thema, in der die wichtigsten medizinischen Grundlagen erklärt werden, etwa zu den Atemwegen. Im zweiten Schritt erfahren Sie mehr über die einzelnen Beschwerdebilder wie beispielsweise Husten, zu denen ich Ihnen anschließend ausgewählte Heilpflanzen vorstelle, die alphabetisch sortiert sind. Diese Heilpflanzen habe ich nach unterschiedlichen Gesichtspunkten ausgewählt:
Sichere Anwendung:
Auf die Vorstellung von giftigen Heilpflanzen oder solche, die bei Langzeitanwendung Ihrer Gesundheit schaden können, verzichte ich in diesem Buch vollständig.
Wenige oder keine unerwünschten Wirkungen:
Heilpflanzen sind Arzneimittel und können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Je weniger desto besser! Doch alle Nebenwirkungen sind immer erklärt oder es wird auf Nebenwirkungen dieses Produktes in vorherigen Kapiteln verwiesen.
Anerkannte Wirksamkeit:
Die Wirksamkeit der Heilpflanzenwirkstoffe ist seitens übergeordneter Institutionen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt oder es liegen entsprechende Studien und Arzneimittelzulassungen vor. Wenn Sie das interessiert, finden Sie diese Informationen auf der Website
www.fuer-dummies.de
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Verfügbarkeit und Popularität:
In Europa gibt es andere Heilpflanzen als in Südamerika, die selbst gesammelt und aufbereitet werden können. Dennoch ist es manchmal sinnvoll, die Vielfalt der weltweit vorkommenden Heilpflanzen zu nutzen, etwa in Form von Fertigarzneimitteln.
Falls Sie das Inhaltsverzeichnis bereits durchgeblättert haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass einige Heilpflanzen mehr als einmal in diesem Buch vorkommen. Das liegt daran, dass viele Heilpflanzen für ganz unterschiedliche Beschwerden eingesetzt werden können. Ein wunderbares Beispiel ist die Arnikapflanze: Arnikablütenauszüge nützen bei Prellungen, Blutergüssen und bei Wassereinlagerungen, aber nachweislich auch bei Insektenstichen, leichtem Sonnenbrand und vielem mehr! Aus diesem Grund lesen Sie von ein und derselben Heilpflanze oftmals zu unterschiedlichen Beschwerdebildern und in verschiedenen Kapiteln mit Verweisen, an welchen Stellen im Buch Sie noch mehr über die Pflanze erfahren können. Im Zweifelsfall schlagen Sie im Stichwortverzeichnis am Ende des Buches nach. Hier habe ich allerdings auf die lateinischen Namen der Pflanzen und Pflanzeninhaltsstoffe verzichtet – das wäre dann doch zu unübersichtlich geworden. Diese Informationen finden Sie jeweils bei der Beschreibung der Heilpflanze.
Damit Sie sich gut zurechtfinden, haben die Heilpflanzenporträts immer die gleiche Struktur:
Die Heilpflanze oder deren Wirkstoff(e) und wozu sie nützt
: Zum Beispiel Rosmarin gegen Kreislaufbeschwerden.
Botanischer Pflanzenname:
Rosmarinus officinalis
Abbildung:
Einige Heilpflanzen werden mit einem Foto vorgestellt.
Einleitung zur Heilpflanze:
Was gibt es über die Heilpflanze Spannendes zu wissen? Für wen ist die Heilpflanze besonders geeignet? Diese Fragen werden in der knappen Einleitung beantwortet.
Der Wirkstoff oder die Droge:
Wenn Sie eine Heilpflanze medizinisch einsetzen, ist Ihnen sicherlich schon aufgefallen, dass oft nur Blüten oder nur Wurzeln der Pflanze verwendet werden. In der Tat werden nur selten alle Pflanzenteile, das heißt alle Bestandteile von der Blüte über Blätter, Rinde und Wurzeln eingesetzt. Der Rosmarin hat einen Wirkstoff und zwar
Rosmarinblätter
, die in Fachkreisen
Rosmarini folium
genannt werden. Aus diesem Grund beziehen sich alle weiteren Informationen auf den Wirkstoff und nicht auf die Heilpflanze als Ganzes.
Inhaltsstoffe und Wirkungen bei Beschwerden:
Die wichtigsten und wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe im Wirkstoff werden erwähnt. Außerdem erfahren Sie, was die Heilpflanzenextrakte in Ihrem Körper bewirken.
Anwendung des Wirkstoffs:
Ob Sie die Heilpflanze als Tee, als Tinktur oder besser als Fertigarzneimittel einnehmen können, erfahren Sie an dieser Stelle, ebenso wie Informationen zur Tagesdosis.
Unerwünschte Wirkungen:
Hier erfahren Sie die aktuell bekannten Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Heilpflanzen.
Es kommt darauf an, zu welchem Zweck Sie dieses Buch benutzen möchten. Wenn Sie sich ein umfassendes Bild von der Heilpflanzenkunde verschaffen möchten, lohnt es sich, das Buch ab der ersten Seite komplett durchzulesen. Wenn es Ihnen aber gerade im Magen zwickt oder Sie gerade Lust haben, sich über die Tibetische Medizin zu informieren, dann können Sie stets das jeweilige Kapitel aufschlagen und für Sie relevante Informationen erfahren. Dabei liefern Ihnen die Texte in den grau unterlegten Kästen interessante Fachinformationen. Diese führen über ein Verständnis der Heilpflanzenkunde hinaus und müssen daher nicht gelesen werden. Das Gleiche gilt für die Abschnitte mit dem Symbol »Technischer Kram«, wobei es sich in den Pflanzenporträts stets um Rezeptvorschläge handelt.
Als ich mit dem Schreiben des Buches begann, habe ich viele Informationen über Botanik, Pharmakologie, Medizin, Volksheilkunde und Ernährungswissen zusammengetragen und sortiert. Ich habe mir gedacht, dass einer der folgenden Punkte auf Sie als Leser zutrifft:
Als Laie, Hobby-Heilpflanzenkundler, Koch, Gärtner oder Wanderer fanden Sie Heilpflanzen schon immer spannend und möchten sich selber oder den Menschen, die Ihnen nahestehen, etwas Gutes tun.
Sie sind Student der Pharmazie, Medizin, Ernährungswissenschaften oder Ökotrophologie, Psychologie, Pflegewissenschaften oder Biologie und möchten sich zusätzlich zu den klassischen Lehrbüchern über Theorie und Praxis informieren.
Sie sind Arzt, Heilpraktiker, Psychotherapeut oder als Fachkraft in einem Beruf der Medizin, Pharmazie, Ernährung und Pflege tätig und haben sich auf das Gebiet der Naturheilkunde spezialisiert oder Sie suchen ein einfach verstehbares Nachschlagewerk zum Zeigen für Ihre Patienten.
Sie könnten auch als Kaufmann im Einzelhandel für frei verkäufliche Arzneimittel zuständig sein und weiterführende theoretische und praktische Informationen suchen.
Vielleicht sind Sie auch eine Lehrkraft oder Pädagoge und wollen das Wissen über Heilpflanzen leicht verständlich vermitteln.
Das Buch besteht aus fünf Teilen. Um Ihnen eine schnelle Auswahl zu den Informationen, die Sie zuerst lesen möchten, zu erleichtern, sind hier alle Teile von Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies kurz zusammengefasst.
Sie erfahren in diesem Teil, wie eine Heilpflanze aufgebaut ist, warum sie manche Inhaltsstoffe produziert und was diese Inhaltsstoffe im menschlichen Körper bewirken können. Außerdem lesen Sie über wichtige Aspekte vom Sammeln von Heilpflanzen über deren Anbau bis zur Ernte und Lagerung. Auch lernen Sie das Wichtigste über Fachbegriffe und pflanzliche Zubereitungen wie Drogen und Mazerate kennen.
In diesem Teil lernen Sie viel über Heilpflanzen in verschiedenen Medizinsystemen. Egal ob es sich um Traditionelle Europäische Phytotherapie, Ayurveda oder Afrikanische Volks- und Klostermedizin handelt, traditionelle Medizinsysteme vereint weltweit der Einsatz von Heilpflanzen für die Behandlung von Krankheiten.
Auf allen Erdteilen gibt es Kriterien, nach denen die Wirksamkeit von Heilpflanzen bewertet wird. In Europa existieren allerdings andere Regeln als beispielsweise in Indien. Daher erfahren Sie in diesem Teil das Wichtigste darüber, wie und wer die Wirksamkeit von Heilpflanzen festlegt und welche Gründe es dafür gibt. Außerdem stelle ich Ihnen bekannte Naturheilverfahren mit Heilpflanzen vor.
Dieser Teil bildet das Kernstück von Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies. In den Kapiteln wird im ersten Schritt erklärt, um welche Organe oder um welche Personengruppen es geht. Im nächsten Schritt finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkrankungen und deren Erkennungsmerkmale. Je nach Erkrankung und Erkennungsmerkmal lernen Sie etliche erfolgreiche Heilpflanzen kennen, die Sie als wirksame pflanzliche Arzneimittel anwenden können. Sie erfahren, welche Pflanzenteile therapeutisch eingesetzt werden, welche wichtigen Inhaltsstoffe die Heilpflanzen enthalten, warum die Heilpflanzen auf unsere Gesundheit wirken und wie sie richtig angewendet werden.
In dem abschließenden Teil von Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies dreht sich alles um das Thema Krebserkrankungen. Vorgestellt werden hier zehn spannende Heilpflanzen, die Sie zur Reduktion von häufigen Beschwerden einsetzen können oder solche, die aktuell in der Laienpresse und unter Wissenschaftlern diskutiert werden.
Die kleinen runden Symbole in der … für Dummies-Reihe sind nützliche Hilfsmittel, damit Sie sich leichter orientieren und besonders spannende oder wichtige Informationen schnell erfassen können.
Hier gibt es besonders wichtige Informationen hin, die Sie wirklich gelesen und verstanden haben sollten.
Hinter diesem Symbol verbergen sich Rezeptvorschläge oder Anwendungsbeispiele.
Neben diesem Symbol finden Sie nützliche Informationen, Definitionen oder Erklärungen medizinischer Fachausdrücke.
Dieses Symbol entlarvt mögliche Schwierigkeiten, die Ihrer Gesundheit schaden können, wenn Sie beispielsweise eine Krankheit haben oder die falschen Arzneimittel kombinieren.
Hier werden wichtige Querverbindungen zwischen Heilpflanzen, ihren Anwendungsbereichen, Inhaltsstoffen und Wirkungen erläutert. Und das, garantiere ich Ihnen, ist mitunter sehr spannend.
Jedes Kapitel in Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies ist wie in allen … für Dummies-Büchern in sich geschlossen. Das hat den Vorteil, dass Sie nicht mit dem ersten Kapitel beginnen müssen, um das letzte Kapitel zu verstehen. Sie können aber auch anhand des Inhaltsverzeichnisses oder der Stichwortliste direkt auf Entdeckungstour zu den Pflanzeninhaltsstoffen und deren Anwendung gehen. Wenn Sie schon immer wissen wollten, ob Tibeter oder Aborigines dieselben Heilpflanzen einsetzen wie wir hier im europäischen Raum, bietet Kapitel 6 Ihnen einen interessanten Einstieg in das Thema.
In den Teilen IV und V dreht sich alles um die wichtigsten, für Ihre Gesundheit relevanten Heilpflanzen. Sie können hier an jeder beliebigen Stelle einsteigen, um Ihre speziellen Fragen oder Hilfe für Ihre Beschwerden nachzuschlagen.
Auf der Website www.fuer-dummies.de finden Sie unter dem Stichwort »Zusatzmaterial« zwei weitere Kapitel: Zum einen das Kapitel »Steigerung der Abwehrkräfte und der Leistungsfähigkeit«, das nahtlos mit einem weiteren Themenbereich an die Pflanzenporträts und -anwendungen in Teil IV anschließt. Zum anderen finden Sie dort das Kapitel »Das sagen Experten zu den Anwendungsgebieten«, in dem Sie sich umfassend zum aktuellen Stand der offiziell anerkannten Anwendungsbereiche von Heilpflanzen informieren können.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
… beantworte ich die folgenden Fragen: Was eigentlich macht eine Pflanze zu einer Heilpflanze? Und in welcher Wechselbeziehung stehen Heilpflanzen zu anderen Lebewesen?
Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Pflanzenfamilien
Pflanze, Heilpflanze oder Lebensmittel?
Heilpflanzen als Wegbegleiter der Menschen
Pflanzen bilden genauso wie Menschen Familienbande. Während manche Menschen viele Gemeinsamkeiten mit ihren Familienmitgliedern haben, tanzen andere Menschen eher aus der (Familien-)Reihe. Das ist bei Pflanzen nicht anders. Die meisten Mitglieder der Lippenblütlerfamilie erkennen Sie zum Beispiel schon mit ganz wenigen botanischen Grundlagenkenntnissen anhand ihrer Blütenform. Aber würden Sie darauf kommen, dass ein europäisches Johanniskraut mit dem Harongabaum, der ausschließlich auf Madagaskar vorkommt, verwandt ist und zur selben Familie gehört? Um Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Pflanzen zu finden, braucht man schon etwas mehr botanische Kenntnisse. Aber spätestens eine Untersuchung im Reagenzglas entlarvt ihre Familienbande. Sie enthalten nämlich beide den Inhaltsstoff Hypericin, der entspannungsfördernd wirkt.
Die Familienzugehörigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Welt der Pflanzen. Allerdings hat dieser rote Faden ganz viele Abzweigungen, die Sie zu einer Heilpflanze oder einer Tischdekoblume leiten können. Dazu ein Beispiel: Die Echte Goldrute gehört zu der großen Familie der Korbblütengewächse. Während im deutschen Sprachgebrauch meist nur von der Goldrute gesprochen wird, reden Pflanzenkundler von der Gattung Solidago. Spätestens an dieser Stelle werden Sie sich fragen, wozu das alles wichtig ist.
Goldrute ist eben nicht gleich Goldrute. Es gibt etwa 100 verschiedene Arten innerhalb der Gattung Solidago, von denen vier auch bei uns heimisch sind. Entscheidend dafür, ob es sich um eine Heilpflanze handelt oder nicht, ist die jeweilige Art der Goldrute! Während die Gattung Solidago sozusagen der Vorname der Goldrute ist, ist die Pflanzenart der Nachname; dieser wird in der Botanik immer mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben. Im Falle derjenigen Goldrute, die eine Heilpflanze ist, lautet der Artname »virgaurea« (Echte Goldrute). Die anderen Goldrutenarten sind keine anerkannten Heilpflanzen und haben auch andere Nachnamen, wie zum Beispiel Solidago gigantea, die Riesengoldrute. Nur wenn Sie den richtigen botanischen Vor- und Nachnamen einer Pflanze kennen, können Sie mithilfe dieses Buches oder mithilfe von Datenbanken wie die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sicher herausbekommen, ob es sich um eine medizinisch anerkannte Heilpflanze handelt, ob die Pflanze in der Volksheilkunde eingesetzt wird oder ob die Pflanze nicht für medizinische Zwecke verwendet werden kann.
Egal ob Sie in einer Großstadt oder auf dem Lande wohnen, spätestens nach dem Verlassen Ihres Wohnraums werden Sie in einem Umkreis von 100 Metern auf eine Heilpflanze stoßen. Ein tolles Beispiel dafür ist das Hirtentäschel (siehe Abbildung 1.1). Die zarte Pflanze erinnert an ein Mauerblümchen, und in der Tat wächst es zwischen Steinplatten auf Gehwegen, an Wegrändern oder auf Mauern. Diese Anspruchslosigkeit könnte irrtümlich zu der Annahme verleiten, dass das Hirtentäschel wertloses Unkraut ist.
Abbildung 1.1: Hirtentäschel – Capsella bursa-pastoris
Tatsächlich aber gehört das Hirtentäschel zu den Pflanzen mit blutstillenden Eigenschaften. Zerreiben Sie die oberirdischen Bestandteile mit den Fingern, also Stängel, Blätter und Blüten, stoppen die Inhaltsstoffe zum Beispiel leichtes Nasenbluten innerhalb weniger Minuten, wenn Sie das Ganze in die Nase stecken. Wozu Sie das Hirtentäschel sonst noch einsetzen können, erfahren Sie in Kapitel 14.
Heilpflanzen sind Arzneimittel! Wenn Sie bewusst eine Heilpflanze einsetzen, wollen Sie damit:
Krankheiten heilen oder lindernreduziertes seelisches und körperliches Wohlbefinden verbesserneine vorbeugende Wirkung erzielenDazu verwenden Sie die Heilpflanze oder deren Pflanzenteile wie Wurzeln, Blätter, Blüten, Früchte oder pflanzliche Produkte wie Harze oder ätherische Öle.
Viel spannender als sich den bloßen Aufbau von Pflanzen aus Stängel, Blättern, Blüten und Früchten anzusehen, ist im Zusammenhang mit Heilpflanzen die Frage, zu welchem Zweck eine Pflanze Inhaltsstoffe in ihren Organen bildet und wie Menschen davon profitieren können. Eine Übersicht dazu finden Sie in Tabelle 1.1.
Pflanzenorgan
Häufige Inhaltsstoffe
Vorteile für die Pflanze
Nutzen für den Menschen
Blüte
Öle
ätherische Öle
Fraßschutz, Lockmittel
gegen Keime, durchblutungsfördernd, manchmal beruhigend
Schleimstoffe
Stoffwechsel
Schutz vor Reizungen
Flavonoide
Infektionsschutz, Lockmittel
entzündungshemmend, krampflösend, antioxidativ
Saponine
Schutz der Energievorräte
hustenschleimlösend
Glykoside
Fraßschutz
herzwirksam
Alkaloide
Fraßschutz
Nervensystem beeinflussend
Bitterstoffe
Fraßschutz
appetit- und verdauungsfördernd
Scharfstoffe
Fraß- und Verletzungsschutz
gegen Bakterien, verdauungs- und schmerzfördernd
Früchte und Samen
ätherische Öle
Lockstoff
gegen Keime, durchblutungsfördernd, manchmal beruhigend
fette Öle
Stoffwechsel, Reserve für schlechte Zeiten
Nahrungsmittel und vieles mehr
Scharfstoffe
Fraß- und Verletzungsschutz
gegen Bakterien, verdauungs- und schmerzfördernd
Blätter
Gerbstoffe
Fraß- und Verfaulungsschutz
zusammenziehend, antientzündlich
Flavonoide
Infektionsschutz, Lockmittel
entzündungshemmend, krampflösend, antioxidativ
Stängel, Holz und Rinde
ätherische Öle
Lockstoff
gegen Keime, durchblutungsfördernd, manchmal beruhigend
Flavonoide
Infektionsschutz, Lockmittel
entzündungshemmend, krampflösend, antioxidativ
Gerbstoffe
Fraß- und Verfaulungsschutz
zusammenziehend, antientzündlich
Harz
Wundheilung
oft antientzündlich, gewebereizend
Wurzel
Bitterstoffe
Fraßschutz
appetit- und verdauungsfördernd
Flavonoide
Infektionsschutz, Lockmittel
entzündungshemmend, krampflösend, antioxidativ
Scharfstoffe
Fraß- und Verletzungsschutz
gegen Bakterien, verdauungs- und schmerzfördernd
Tabelle 1.1: Pflanzenorgane, deren häufige Inhaltsstoffe und Vorteile für Pflanze und Mensch – vereinfachte Darstellung
Immer mal wieder geistern News wie »Aus der Forschung: Ananas hilft effektiv bei Wassereinlagerungen in Armen und Beinen« durch die Medien. Es ist zwar richtig, dass die Ananasfrucht den Inhaltsstoff Bromelain enthält, ein wirksames Mittel bei Wassereinlagerungen und Schwellungen. Sollten Sie bei geschwollenen Beinen also täglich oder nur gelegentlich Ananas essen? Genau diese Frage ist der Knackpunkt. Um eine pharmakologische Wirkung gegen Schwellungen erzielen zu können, müssten Sie täglich 30 Kilogramm (!) Ananas konsumieren. Fast alle natürlichen Substanzen können irgendwelche »aufsehenerregenden« Wirkungen auf den Körper entfalten, aber es kommt auf die Qualität der Substanz und die Menge an. Wenn Sie eine Heilpflanze einsetzen möchten, sollten Sie sich erst einmal ein paar Fragen stellen (keine Sorge, die meiste Arbeit nimmt Ihnen dieses Buch bereits ab):
Welchen Zweck soll der Einsatz der Pflanze erfüllen?
Geht es Ihnen um eine vorbeugende Wirkung, um die Behandlung von Beschwerden oder um eine Geschmacksverbesserung?
Welcher Pflanzenteil dient dieser Zweckerfüllung?
Fenchelfrüchte können als Gewürz oder als pflanzliches Arzneimittel eingesetzt werden, wohingegen die Fenchelknolle ausschließlich als Gemüse verzehrt wird.
In welcher Menge und wie lange muss ein Pflanzenteil eingesetzt werden, um den Zweck zu erfüllen?
Um mit Goldrutenkraut die Harnblase zu stärken, brauchen Sie eine andere Menge als dies bei Kürbiskernen der Fall ist. Die meisten Heilpflanzen entfalten ihre volle Wirkung außerdem erst bei regelmäßiger Anwendung über mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate!
Enthält die Heilpflanze giftige oder gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe?
Beinwell ist als Creme oder Paste hervorragend bei Prellungen geeignet. Durch seine leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide sollte die Pflanze innerlich jedoch besser nicht angewendet werden.
Sollte der medizinisch verwendete Pflanzenteil innerlich oder äußerlich angewendet werden?
Als Tee zubereitet können getrocknete oder frische Pfefferminzblätter bei Bauchweh helfen. Tragen Sie das ätherische Pfefferminzöl auf Ihrer Stirn auf, kann es Spannungskopfschmerzen bremsen.
Sollte die Heilpflanze frisch oder getrocknet eingesetzt werden?
Die meisten Heilpflanzen können sowohl frisch als auch getrocknet verwendet werden. Allerdings gehen bei den Verarbeitungsprozessen oftmals Inhaltsstoffe verloren.
Welche Zubereitungen aus der Heilpflanze sind am besten geeignet?
Salbeiblätter können bei Halsschmerzen prima als Tee zubereitet werden. Bei wunden Stellen im Mund ist eine Tinktur aus
Rathaniawurzel
gut geeignet, und bei wunder, entzündeter Haut kann ein Bad mit
Hamamelisrindenextrakten
die Wundheilung verbessern.
Für wen ist eine Heilpflanze oder eine Heilpflanzenzubereitung geeignet?
Getrocknete
Heidelbeerfrüchte
können bei Kindern gegen leichten Durchfall helfen. Leistungssteigernde Heilpflanzen wie
Taigawurzel
sollten hingen lediglich von Erwachsenen verwendet werden.
Welche Qualitätsanforderungen sind notwendig?
Ein Kamillenblütentee aus dem Supermarkt erfüllt niedrigere Qualitätsanforderungen als Kamillenblüten, die Arzneibuchqualität erfüllen. Im Arzneibuch sind genaue Anforderungen zum Beispiel an den Gehalt wirksamer Inhaltsstoffe, Pestizidbelastung und Schwermetalle festgelegt.
Während meiner Ernährungsvorträge werde ich immer wieder auf den gesundheitlichen Nutzen von Heil- und Gewürzpflanzen wie Kurkuma angesprochen. Die Frage ist: Geht es um einen gesundheitlichen Nutzen oder um Geschmacksverbesserung? Eine Messerspitze Kurkuma in einem Gericht für zwei Personen ist ein hervorragendes Gewürz. Aber um eine pharmakologische Wirkung auszulösen, kommt es auf die tägliche Menge der Einnahme des Gewürzes an, und die beträgt mindestens 2 Gramm (also 20 Messerspitzen oder mehr)! Die Frage nach dem Zweck und der Menge ist also sehr wichtig im Umgang mit Heilpflanzen. Möchten Sie eine pharmakologische Wirkung erzielen, sind genau definierte Wirkstoffmengen erforderlich. Das erklärt auch, warum manche Heilpflanzenextrakte ausschließlich als ein standardisiertes Arzneimittel zum Beispiel in Form von Tabletten oder Tropfen einzunehmen sind.
Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 1086. Sie haben fürchterliches Zahnweh, aber den Beruf des Zahnarztes gibt es noch nicht und Ihr Nachbar ist nach einer Behandlung durch einen herumreisenden Heiler nach einer Zahnentfernung an einer Infektion gestorben. Weder Sie noch der Heiler wissen über Hygiene oder Bakterien Bescheid, denn Antibiotika (wie Penicillin) werden erst 1928 durch Alexander Fleming entdeckt. Andererseits haben Sie unerträgliche Schmerzen und Ihr Kiefer pocht. Sie machen sich also auf den Weg zu einem Kloster, das eine Krankenstelle unterhält (diese werden allerdings 1130 von der Kirche wegen der Doppeltätigkeit verboten). Dort erkennen heilkundige Mönche und Nonnen Ihr Problem und legen Ihnen eine getrocknete Gewürznelkenblüte auf den schmerzenden Zahn mit der Anweisung, fest darauf zu beißen. Ein paar Minuten später spüren Sie bereits, wie die Schmerzen nachlassen.
Heute gilt die schmerzstillende und desinfizierende Wirkung von Gewürznelken (Syzygium aromaticum) bei Zahnschmerzen als wissenschaftlich belegt. Aber wie kamen die Heilkundigen überhaupt auf die Idee, Gewürznelkenblüten bei Zahnschmerzen und Zahnentzündungen einzusetzen? Der Einsatz von Heilmitteln beruhte immer auf Beobachtung und Erfahrung. Begeben Sie sich daher gedanklich bitte um ein paar Tausend Jahre zurück in die Steinzeit: Ein Hund knabbert ganz gezielt Schafgarbenpflanzen, was ein Mensch beobachtet. Dieser schließt aus dem Verhalten seines Hundes, dass die Schafgarbe erstens ungiftig ist und zweitens irgendeinen Vorteil für den Hund haben könnte. Nach einigem Experimentieren findet der Mensch heraus, dass die Schafgarbe mit heißem Wasser überbrüht zwar ziemlich bitter schmeckt, dafür aber Krämpfe im Magen und Darm verschwinden lässt. Eine derart nützliche Wirkung muss innerhalb der Gruppe weitergegeben werden. Bereits in der Steinzeit gab es ein erstaunliches Wissen über giftige, unverträgliche oder auch heilsame Pflanzen.
Heilpflanzen und naturheilkundliche Verfahren waren über viele Jahrhunderte hinweg die einzige Möglichkeit zur Behandlung von Krankheiten aller Art. Die wissenschaftsbasierte Schulmedizin mit ihren vielen Errungenschaften gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Davor haben die Menschen bei Krankheiten zu allen Zeiten hauptsächlich auf die Naturheilkunde setzen müssen. Das ging nicht immer gut und auch nicht alle Beobachtungen und Erfahrungen wurden richtig gedeutet, aber das kam und kommt in der Schulmedizin auch vor. Zudem wird das Heilpflanzenwissen nach wissenschaftlichen Maßstäben standardmäßig geprüft, um zu hinterfragen, ob der therapeutische Einsatz von Pflanzenteilen auch schulmedizinischen Ansprüchen standhält. In diesem Fall wird von rationaler Phytotherapie gesprochen.
Die Anwendung von Heilpflanzen entspricht der evidenzbasierten Medizin (EbM), wenn sie auf der Grundlage von klinischen Studien und entsprechenden medizinischen Veröffentlichungen gesichert ist. In Gesünder leben mit Heilpflanzen für Dummies werden viele Heilpflanzen vorgestellt, die den Anforderungen an eine rationale Phytotherapie standhalten. Zum Teil werden aber auch Heilpflanzen betrachtet, deren Anwendung sich aus der Volks- oder Erfahrungsheilkunde ableitet oder deren Wirkweise (noch) nicht in klinischen Studien am Menschen, sondern bislang nur in Labor- oder Tierexperimenten nachgewiesen werden konnte.Außerdem ist es mir ein Anliegen, dass Sie eine Heilpflanze niemals während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter unter 18 Jahre ohne ärztlichen Rat beziehungsweise nach Rücksprache mit einem Arzt einsetzen. Heilpflanzen sind Arzneimittel, deren Wirkungen nur sehr selten in der Schwangerschaft und Stillzeit erprobt sind. Ihre Inhaltsstoffe können sogar gesundheitsschädlich für die Kleinsten unter uns sein.
Kapitel 2
IN DIESEM KAPITEL
Alle Inhaltsstoffe erfüllen einen Zweck
Wichtige Inhaltsstoffe der Pflanzen
Jede Heilpflanze trägt ihre ganz persönliche Handschrift, die von ihrem Aussehen und ihren Inhaltsstoffen geprägt ist. Viele Heilpflanzen enthalten über 150 verschiedene Einzelsubstanzen; würde man alle Einzelsubstanzen in Pflanzen auflisten, würde man auf Zigtausende kommen. Zum Glück kann man Inhaltsstoffe in Gruppen zusammenfassen und muss nicht jede einzelne Substanz mit Namen, chemischer Struktur und Wirkung auswendig lernen. Für ein Basiswissen über Pflanzeninhaltsstoffe kann es allerdings vorteilhaft sein, die wichtigsten zu kennen, die ich Ihnen in diesem Kapitel vorstellen möchte.
Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum Pflanzen Inhaltsstoffe wie Senföle oder Gerbstoffe produzieren? Ganz sicher nicht, um uns Menschen einen Gefallen zu tun! Pflanzen produzieren Inhaltsstoffe, um ihre Vermehrung zu sichern und sich vor Angriffen anderer Lebewesen zu schützen. Eine Biene wird von dem angenehmen Duft einer Blüte angelockt, was für die Pflanze den Vorteil hat, dass die Biene ihre Bestäubung übernimmt. Dadurch sichert die Pflanze ihren Fortbestand. Die Biene wiederum profitiert vom Blütennektar, aus dem später Honig wird. Und der Mensch? Blüten enthalten oft ätherische Öle – und die riechen angenehm, wirken immer antibakteriell und damit oft gegen Entzündungen. Manche ätherische Öle können sogar die Hormonproduktion beeinflussen und beruhigend und ausgleichend wirken. Sie können aber auch so richtig einheizen und das Blut – oder besser gesagt, die Durchblutung – in Wallung bringen.
Wenn ein Marienkäfer das Blatt oder die Blüte einer Kapuzinerkresse anknabbert, bringt dies das Marienkäferblut ebenfalls in Wallung, aber nur kurz. Danach wird der Marienkäfer vermutlich sterben, denn die Kapuzinerkresse hat, um ihr Überleben zu sichern, Schutzmechanismen entwickelt. Sobald Organe angeknabbert werden, bilden sich blitzschnell Senfölverbindungen, die auf kleine Lebewesen wie Marienkäfer beim Verzehr nun mal tödlich wirken. Selbstverständlich hat die Kapuzinerkresse nichts gegen Marienkäfer, solange sie zu ihrer Vermehrung durch Bestäubung beitragen; aber wer will schon bei lebendigem Leibe gefressen werden? Was für Insekten und andere kleine Lebewesen gilt, trifft allerdings nicht (immer) auf (erwachsene) Menschen zu. Verzehrt ein Mensch nämlich 50 Gramm Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse pro Tag, schadet es nicht dem Menschen, wohl aber Bakterien, die für eine Blasen- oder Atemwegsentzündung verantwortlich sind. Diese werden in ihrer Vermehrung gebremst oder abgetötet.
Es gibt verschiedene Wege, über die ätherische Öle in Ihren Körper gelangen können. Die beiden wichtigsten sind die Nase und die Haut. In der Nase wirken ätherische Öle durch ihren Geruch gleich doppelt: Sie enthalten Duftstoffe, also kleine Moleküle, für die gewissermaßen Ihre Schalter oder Rezeptoren in der Nase empfänglich sind. Wenn ein Duftstoff auf einen Rezeptor trifft, dann gibt es ein Signal an die Riechnerven, und die geben es weiter an Ihr Gehirn. Auf diese Weise können ätherische Öle beispielsweise Ihre Stimmung beeinflussen oder Erinnerungen wecken, je nachdem, was Sie mit dem speziellen Geruch verbinden. Die ätherischen Öle dringen aber auch über die Schleimhäute in den Körper ein. Zu spüren bekommen Sie das sofort, wenn Sie sich in konzentrierter Form beispielsweise einen Erkältungsbalsam auf die Haut reiben – die behandelten Hautstellen werden ziemlich schnell warm und rot. Wenn Sie in die Badewanne steigen und das Badewasser mit ätherischen Ölen verfeinern, entfalten die ätherischen Öle auch deshalb ihre Wirkung, weil sie in die Haut eindringen. Was sie dort bewirken, also ob sie entspannend wirken oder anregen, das hängt vom jeweiligen Öl ab. Auf jeden Fall gelangen sie über die Haut direkt in das darunterliegende Gewebe und auch ins Blut.
Dann gibt es noch einen dritten Weg, über den Sie ätherische Öle aufnehmen können, wenn Sie die entsprechenden Pflanzen oder ihre Zubereitungen essen und trinken: über den Mund in den Magen. Lavendel, Ingwer, Thymian und Salbei sind Beispiele für Heilpflanzen, die ätherische Öle enthalten. Auf welche Ihrer Organe sich die ätherischen Öle dann auswirken, ist wiederum vom ätherischen Öl abhängig. Ein Thymiantee wirkt antientzündlich, krampflösend und schleimlösend bei Husten. Ätherische Öle in Lavendelblüten wirken als Teezubereitung beruhigend und helfen gegen Blähungen und Bauchschmerzen.
Wann immer Sie feststellen, dass eine Heilpflanze Alkaloide enthält, sollten Sie besonders wachsam sein. Alkaloide wirken ziemlich extrem und können für Menschen giftig sein. Sie können zum Beispiel auf das Zentralnervensystem (ZNS) und die Atmung wirken, was Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal am eigenen Leib gespürt haben, wenn Sie beispielsweise zu viel Kaffee getrunken haben. Das Koffein im Kaffee ist ein Alkaloid, das über das Zentralnervensystem zum Beispiel gegen Müdigkeit wirkt. Alkaloide können aber auch die Verdauung anregen und werden bei leichten Herzrhythmusstörungen erfolgreich eingesetzt. Mit Alkaloiden sollten Sie niemals experimentieren, sondern immer die Dosierungsempfehlungen befolgen.
Wenn Sie gerne mexikanisch, indisch oder thailändisch essen, lieben Sie wahrscheinlich den scharfen Geschmack der Chilischoten. Chilis enthalten vor allem unter ihrer Schale das Alkaloid Capsaicin in mehr oder weniger großen Mengen. Dass ein Gewürz scharf ist, wird nicht über die Geschmacksknospen der Zunge wahrgenommen. Hierfür sind vielmehr Schmerz- und Wärmerezeptoren im Mundraum zuständig. Werden diese beispielsweise durch Capsaicin gereizt, leiten die Fasern des Trigeminusnervs die Botschaft »Es brennt im Mund!« weiter ans Gehirn.
Sollten Sie sich schon seit Längerem mit Heilpflanzen beschäftigen, werden Sie in dem einen oder anderen Lehrbuch gelesen haben, dass Bitterstoffe appetitanregend wirken. Seit einiger Zeit tauchen aber vermehrt Berichte auf, dass Bitterstoffe auch Heißhunger auf Süßes hemmen und sättigungsfördernd wirken. Was ist denn nun richtig? Machen Bitterstoffe hungrig oder fördern sie ein Sättigungsgefühl? Die Antwort lautet: Beides stimmt!
Wenn Sie sich einen Tee aus der sehr bitter schmeckenden Enzianwurzel zubereiten, dann passiert Folgendes in Ihrem Körper: Bei dem Kontakt der Bitterstoffe mit den Geschmacksknospen auf Ihrer Zunge wird reflexartig die Speichelproduktion erhöht, was Sie daran erkennen, dass Ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft. Gleichzeitig wird die Sekretion von Magen- und Gallensaft erhöht, was zu einer Verbesserung der Verdauungsleistung führt. Zudem erhöhen Bitterstoffe die Durchblutung des Magen-Darm-Trakts, fördern die Darmbewegung und steigern den Appetit. Aber wozu das Ganze? Evolutionär betrachtet sind die Reflexe auf Bitterstoffe ein Schutzmechanismus, um mögliche Schadstoffe auszuhebeln. Das wird beispielsweise deutlich, wenn man sich ansieht, was im Magen passiert. Bitterstoffe steigern die Bildung des Magenhormons Gastrin, das die Salzsäureproduktion im Magen steigen lässt. Salzsäure tötet Keime wie Bakterien oder Pilze ab.
Bitterstoffe stärken ganz generell die Verdauung. Sie wirken kurzzeitig appetitfördernd und beugen durch ihre Wirkungen auf den gesamten Verdauungstrakt Blähungen, Bauchschmerzen und -krämpfen vor. Gleichzeitig bremsen sie Heißhunger auf Süßes. Empfehlenswert sind Zubereitungen aus Kamillenblüten,Schafgarbenkraut,Pomeranzenschalen,Enzianwurzel oder Kalmuswurzel, die rund 30 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen werden sollen.
Heilpflanzen mit herzwirksamen Glykosiden sollten Sie niemals in Eigenregie anwenden, sondern nur in Form von standardisierten Fertigarzneimitteln! Falsch dosiert wirken Herzglykosidegiftig und können sogar tödliche Folgen haben. Sie kommen zum Beispiel in Heilpflanzen wie Fingerhut, Adonisröschen oder Maiglöckchen vor. Richtig dosiert stärken herzwirksame Glykoside hingegen die Funktion des Herzens, indem sie dafür sorgen, dass sich der Herzmuskel stärker zusammenzieht. In Fachkreisen wird daher von einer verbesserten Kontraktionsfähigkeit des Herzens und einer positiv inotropen Wirkung gesprochen.
Positiv inotrop heißt sinngemäß »Steigerung der Herzschlagkraft«. Das bedeutet, dass sich die Herzmuskelzellen besser zusammenziehen können und die Pumpkraft des Herzens dadurch leicht gesteigert wird. Herzwirksame Glykoside werden daher bei leicht eingeschränkter Herzleistung (Herzinsuffizienz) erfolgreich eingesetzt.
Über Jahrzehnte hinweg waren Fette schlichtweg als Dickmacher verpönt. Wenn ich über fette Öle nachdenke, stelle ich mir jedoch als Erstes die Frage, ob das Fett (oder besser gesagt, die Fettsäuren) Entzündungen im Körper fördern oder ob die Fettsäurezusammensetzung antientzündlich wirkt.
Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, die vor allem in tierischen Fetten vorkommt. Sie kann aber auch aus der Linolsäure (ebenfalls eine Omega-6-Fettsäure) vom Körper selbst hergestellt werden. Linolsäure kommt in pflanzlichen wie tierischen Lebensmitteln vor. Arachidonsäure ist Bestandteil von Zellwänden; aus ihr entstehen aber auch Gewebsbotenstoffe (Gewebshormone) wie Prostaglandine und Leukotriene. Eine bestimmte Gruppe der Prostaglandine trägt beispielsweise zum Schutz der Magenwand bei. So weit zu den positiven Eigenschaften der Arachidonsäure und den Gewebshormonen, aber das ist nur die eine Seite, denn diese Gewebshormone können als »Schmerzmediatoren« auch sehr unangenehm wirken.
Für Menschen mit entzündlichen Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, multipler Sklerose und Schuppenflechte, aber auch mit Migräne und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann eine Ausbremsung der Gewebshormonentstehung ein wahrer Segen sein. Manche Prostaglandine und Leukotriene fördern Entzündungen und Schmerzen im Körper. Um die Entstehung dieser Gewebshormone zu vermindern, gibt es daher die Möglichkeit, die Arachidonsäure-Aufnahme über die Nahrung zu drosseln, indem Sie weniger tierische Produkte verzehren und Speisefette mit einem hohen Omega-3-Fettsäureanteil bevorzugen Sie kommen in Leinsamen, Lein-, Raps- und Perillaöl vor und reduzieren die Entstehung entzündungsfördernder Prostaglandine und Leukotriene. Dadurch wirken sie antientzündlich. Reich an Omega-3-Fettsäuren sind außerdem fettreiche Fische.
Nichts mit fetten Ölen und Fettsäuren haben Heilpflanzen wie Cayennepfeffer, Teufelskralle und Kamille zu tun. Ihre Inhaltsstoffe stellen aber einen weiteren wichtigen Weg dar, um die übermäßige Entstehung der Gewebshormone zu drosseln. Sie hemmen die Aktivität von körpereigenen Enzymen, die Cyclooxygenase (kurz COX) und Lipoxygenase heißen. Ohne diese Enzyme können aus der Arachidonsäure erst gar keine Gewebshormone entstehen. Aus diesem Grund bewirken Teufelskrallenwurzel und Co eine Entzündungshemmung.
Heilpflanzen wie Kapuzinerkresse, Meerrettich und Senf sind reich an Glucosinolaten, deren Wirkungen ziemlich beeindruckend sind. Das Besondere an Kapuzinerkresse und Co ist, dass sich die gespeicherten Glucosinolate durch Senfölverbindungen spezielle pflanzeneigene Enzyme, die beispielsweise beim Zerschneiden oder Zerreiben der Pflanzen aktiviert werden, in Senföle umgewandelt werden. Enzyme sind Stoffe, die chemische Reaktionen beschleunigen (katalysieren) können. Die Glucosinolate sind also gewissermaßen eine Vorstufe von pharmakologisch wirksamen Substanzen, denn erst als Senfölverbindungen zeigen sie ihr wahres Gesicht. Sie töten Bakterien und Pilze ab oder unterbinden lebenswichtige Stoffwechselfunktionen der Erreger. Außerdem hemmen sie die Vermehrung von Viren und unterbinden die Virenproduktion in befallenen Zellen. Dabei verfügen die Senfölverbindungen über einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen herkömmlichen Antibiotika: Sie werden bereits in den oberen Darmabschnitten ins Blut aufgenommen. Dadurch bleiben wichtige Darmbakterien unbeeinträchtigt, sodass die Darmflora weiterhin im Gleichgewicht bleibt. Im Blut angekommen, versucht der Körper, die Senfölverbindungen so schnell wie möglich wieder auszuscheiden. Dazu wird die Substanz in die typischen Ausscheidungsorgane transportiert, und zwar in die Lunge und in die Harnblase. Beide Organe können die Senfölverbindungen jedoch nicht umgehend entfernen, weswegen sich die Inhaltsstoffe sozusagen »anstauen«.
Sind in den Atemwegen oder in den Harnwegen Erreger wie Bakterien oder Pilze vorhanden, so können die Senfölverbindungen dort ihre antibakterielle beziehungsweise antimykotische Wirkung entfalten. Empfehlenswert sind glucosinolathaltige Heilpflanzen bei leichten Infekten.
Unter den phenolischen Verbindungen sind Polyphenole seit ein paar Jahren im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Allen Polyphenolen gemein ist ihre antioxidative Wirkung, die oft als Radikalfängereigenschaft übersetzt wird. Freie Radikale sind sehr reaktionsfreudige Sauerstoffmoleküle, die gesunde Zellen so verändern können, dass diese sogar zu Krebszellen entarten. Auch die Zellalterung wird durch freie Radikale maßgeblich beeinflusst. Und diese freien Radikale werden von phenolischen Verbindungen »entschärft«.
Wichtige phenolische Verbindungen, die Sie kennen sollten, sind:
AnthranoideCumarineFlavonoideGerbstoffeLignaneWenn Sie das Schlagwort Anthranoide in eine Internetsuchmaschine eingeben, wird Ihnen auf der ersten Seite ein anderes Schlagwort präsentiert: »Abführmittel«. Auch wenn viele pflanzliche Arzneimittel als »sanfte Medizin« bezeichnet werden können, gehören anthranoidhaltige Heilpflanzen definitiv nicht dazu.
Wenn Sie Extrakte aus einer anthranoidhaltigen Heilpflanze einnehmen, etwa aus Alexandrinischer Senna oder Aloe, wird aus dem Darmlumen (hohler Innenraum des Darmes) weniger Natrium und damit auch weniger Wasser resorbiert. Zeitgleich strömen mehr Elektrolyte und Wasser ins Darmlumen hinein, sodass sich die Flüssigkeitsmenge im Darm stark erhöht, was wiederum zu einem weicheren Stuhl und einem erhöhten Füllungsdruck im Dickdarm führt. Die Darmwand wird gedehnt und der Defäkationsreflex ausgelöst. Das abführende Ergebnis stellt sich nach acht bis zwölf Stunden ein. Die Nebenwirkungen sind jedoch beachtlich und reichen von Bauchschmerzen und -krämpfen über Übelkeit und Erbrechen bis zu einem Gewöhnungseffekt nach mehrwöchiger Anwendung. Aus diesem Grund stelle ich Ihnen in diesem Buch nur zwei anthranoidhaltige Heilpflanzen vor, die Alexandrinische Senna und die Aloe, die Sie bei hartnäckiger Verstopfung kurzzeitig in Erwägung ziehen können. Eine Verstopfung können Sie mit anderen Heilpflanzen wie dem Lein, mit deutlich weniger unerwünschten Wirkungen beheben.
Je nach Heilpflanze entfalten Cumarine und ihre Derivate sehr unterschiedliche Wirkungen. Sie können beispielsweise die Blutgerinnung beeinflussen, Wassereinlagerungen entgegenwirken und Entzündungen hemmen. Auch die Kosmetikindustrie weiß Cumarine und deren positiven Effekte zu schätzen. Dort werden sie in Sonnenschutzpräparaten und als Duftstoff verwendet. Wichtige cumarinhaltige Heilpflanzen sind der Steinklee und der Cassia-Zimt.
Seit einiger Zeit ist Zimt wegen seines blutzuckersenkenden Effekts in die Schlagzeilen gekommen. Allerdings ist diese Wirkung wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Zudem müsste man für einen blutzuckersenkenden Effekt vermutlich täglich 3 bis 6 Gramm (!) Cassia-Zimt verzehren. Das ist problematisch, weil insbesondere diese Zimtsorte (botanisch: Cinnamomum cassia) so viele Cumarine enthalten kann, dass Leberschäden möglich sind.
Wenn Sie sich in die Welt der Flavonoide begeben, werden Sie ganz schnell feststellen, dass Sie zu dem Thema ganze Bücher mit Inhalten füllen können. Bis heute sind nämlich ungefähr 8.000 verschiedene Flavonoide bekannt. Also stellt sich die Frage nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, und der lautet: Entzündungshemmung. Dazu können Flavonoide ziemlich viel leisten: Sie kommen in vielen Heilpflanzen vor, zum Beispiel im Ein- und Zweigriffligen Weißdorn, im Roten Weinlaub oder im Buchweizenkraut. Sie schützen unter anderem die Blutgefäße und stärken ihre natürliche Funktion, wirken Wassereinlagerungen entgegen oder stärken die Herzfunktion. An dieser Stelle sei eine wichtige Untergruppe der Flavonoide kurz erwähnt: Anthocyane. Anthocyane wirken antioxidativ. Sie können aggressive Sauerstoffverbindungen einfangen, die die Körperzellen schädigen können.
Dass Sie es bei dem Genuss eines schwarzen Tees mit pflanzlichen Gerbstoffen (Tanninen) zu tun haben, merken Sie daran, dass sich Ihre Zunge pelzig anfühlt. Das liegt daran, dass Gerbstoffe aus dem Tee mit Eiweißen (Proteinen) auf der Mundschleimhaut eine Verbindung eingehen können. In Folge derer fällt das Eiweiß aus und die Oberfläche verdichtet sich beziehungsweise zieht sich zusammen. Hierbei entsteht eine Reizung des Trigeminusnervs, die zu einem pelzigen Gefühl im Mund führt.
Alle Gerbstoffe haben eine Gemeinsamkeit, egal ob sie natürlichen (vor allem pflanzlichen) oder künstlichen Ursprungs sind: Sie verändern die Struktur von Proteinen und lassen diese denaturieren, was nichts anderes bedeutet, als dass die Proteine sich gewissermaßen auffalten und danach nicht mehr aktiv sind. In Folge dieser Eiweiß-Gerbstoff-Reaktion wirken Gerbstoffe zusammenziehend – sie haben durch (Schleim-) Hautkontakt einen austrocknenden, blutstillenden und entzündungshemmenden Effekt.
Wenn Sie sich geschnitten haben und die Wunde mit einer Gerbstoffheilpflanze behandeln, führt die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe dazu, das sich die Wunde, also die (Schleim-) Hautoberfläche, verdichtet und austrocknet. So bildet sich eine Schutzschicht und die Blutung wird gestoppt. Das Gleiche klappt übrigens auch bei Entzündungen im Mund, Magen, Darm, im Anal- und Genitalbereich sowie bei extremem Schwitzen – also innerlich wie äußerlich angewandt! Die Rinde der Eiche oder des Hamamelisstrauchs sind besonders gerbstoffreich.
Gerbstoffe haben viele Vorteile. Zum einen haben sie nur wenige Nebenwirkungen, die sich selten durch leichte Hautreizungen zeigen. Ihre zusammenziehende Wirkung hat nämlich den Effekt, Keimen den Nährboden entziehen zu können und Entzündungen entgegenzuwirken. Unter der Gerbstoff-Eiweiß-Schutzschicht wird die Haut außerdem unempfindlicher, sodass Schmerzen und Juckreiz abnehmen.
Auch bei Durchfall können Gerbstoffe helfen. Ihre zusammenziehenden Eigenschaften sorgen dafür, dass sich die Oberfläche der Darmschleimhaut verdichtet. Dadurch wird die Wasserabgabe an den Darm gedrosselt und der Darminhalt erhält seine normale, feste Form zurück. Sollten Bakterien im Spiel sein, wird ihnen obendrein der Nährboden entzogen und sie sterben ab.
Lignane sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die zu den Phytoöstrogenen gezählt werden. Phytoöstrogene haben zwar chemisch gesehen einen anderen Aufbau als echte Östrogene, aber ihre Wirkungen ähneln dem Geschlechtshormon Östrogen. Derzeit laufen viele Untersuchungen zu lignanhaltigen Heilpflanzen wie Leinsamen, Roggen und anderen Getreidesorten, weil es Hinweise gibt, dass diese Pflanzeninhaltsstoffe der Brustkrebsentstehung vorbeugen können. Lignane kommen außerdem in Heilpflanzen wie der Taigawurzel vor. In diesem sehr speziellen Strauch bewirken die Lignane nachweislich eine Stärkung des Immunsystems und eine allgemeine Kräftigung.
Alle Saponine haben eines gemeinsam: Sie schäumen wie Seife in Wasser. Deshalb werden Saponine auch als Seifenstoffe