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Ökologie, Nachhaltigkeit und Regionalität - mit Permakultur zum Ernteglück! Obst und Gemüse naturbelassen selbst anbauen, Honig und Eier tierfreundlich selbst erzeugen, das alles verbinden Kerstin und Ralf Rüth in ihrem Permakultur-Projekt "MellaLand" im Chiemgau und versorgen damit seit Jahren eine Vielzahl an regionalen Kunden aus Spitzengastronomie, Hotelgewerbe und Einzelhandel. Dabei liegt ihnen nicht nur die Qualität und Regionalität ihrer Erzeugnisse am Herzen, sondern vor allem ein nachhaltiger und rücksichtsvoller Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. In diesem Buch teilen die Autoren ihren ganzen Wissensschatz rund um eine Anbaumethode, die die Bedürfnisse von Menschen, Tieren und der Natur in Einklang miteinander bringt. - Mit der MellaLand-Methode zur nachhaltigen Selbstversorgung - Alte und regionale Obst- und Gemüsesorten wiederentdecken und anbauen - Große Vielfalt: Obst, Gemüse, Honig und Eier selbst erzeugen - Zahlreiche Praxistipps zum Gärtnern das ganze Jahr - Detaillierte Step-Anleitungen und viele inspirierende Fotos Finden auch Sie mit der MellaLand-Methode zu Ihrem ganz persönlichen Ernteglück!
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Seitenzahl: 221
Veröffentlichungsjahr: 2022
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© eBook: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München
© Printausgabe: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München
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Projektleitung: Judith Starck, Susanne Kronester-Ritter
Lektorat: Judith Starck
Bildredaktion: Judith Starck
Korrektorat: Andrea Lazarovici
Umschlaggestaltung und Layout: kral & kral design, Dießen a. Ammersee
eBook-Herstellung: Behzad Terrah
ISBN 978-3-96747-090-1
1. Auflage 2022
Bildnachweis
Illustrationen: Alamy; Gisela Rüger; Klaus Schmerfeld; Quagga Illustrations; shutterstock; Bright_Design; Angry-Brush; Kornleva; NataLima
Fotos: Inge Ofenstein; Rüth; shutterstock; alicja neumiler; Arigato; NadiaMikushova; nnattallii
Syndication: www.seasons.agency
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»Es ist nicht genug, zu wissen,
man muss auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muss es auch tun.«
Johann Wolfgang von Goethe
IN ANDENKEN
an unsere viel zu früh verstorbene Tochter Melanie haben wir unseren Permakulturgarten MellaLand genannt. Es liegt uns am Herzen, dass ihr Fleiß und ihre Liebe zu diesem Grundstück bewahrt und geehrt werden.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Themen wie Nachhaltigkeit, der Schutz des Klimas, der Erde und der Ressourcen sind in der heutigen Zeit wichtig in der Politik, den Medien und generell für die nächste Generation. Viele reden, gehen auf Demonstrationen und fordern neue Wege.
Ein Blick zurück in die Zeit vor der Industrialisierung zeigt, dass die Generationen Anfang des 19. Jahrhunderts bereits eine perfekte Permakultur lebten. Sie mussten auf ihre Ressourcen achten und auf relativ kleiner landwirtschaftlicher Fläche alle notwendigen Nahrungs- oder Hilfsmittel produzieren. Erst ab den 70er-Jahren wandelte sich die Welt nach und nach zu mehr Konsum und Verschwendungssucht.
Wollen wir die Welt tatsächlich nachhaltig verbessern, bedeutet das ein Umdenken in allen Lebensbereichen – vom Urlaubsverhalten oder aufwendigen Hobbys über den Fleischkonsum bis hin zu dem ständigen Drang nach neuen Autos oder neuer Kleidung. Wir verurteilen das nicht, sondern möchten dazu anregen, dabei das »wie viel« und »wie oft« zu hinterfragen. Kinder sollten unserer Meinung nach wieder mehr in und von der Natur lernen, statt am Computer zu sitzen, und jede Schule sollte einen Garten mit Bienen haben, um den Biologieunterricht lebendig zu gestalten. Ein »einfach nur so weiter«, ohne den Bewusstseinswandel, wird nichts nachhaltig verändern.
Wir leben nach alten Traditionen, für uns ist das eine modern interpretierte, gelebte Permakultur. Mit unserem Permakulturprojekt MellaLand und unserem Handeln ist es uns gelungen, schon viele Menschen zu motivieren – mit diesem Buch werden es hoffentlich noch viele mehr. Das wünschen wir uns.
Kerstin und Ralf Rüth mit Familie
Gesunde Nahrungsmittel selbst anbauen, und das im Einklang mit der Natur und ganz ohne künstliche Hilfsmittel − dieser Wunsch wurde am Samerberg Realität.
Durch unsere Tätigkeit in einer Heilpraxis und als Zahntechnikermeister beschäftigten wir uns schon jahrelang mit der Gesundheit der Menschen. Die Ernährung ist dabei ein sehr wichtiger Teil. Irgendwann wollten wir über hochwertigeselbst hergestellte Nahrung nicht nur reden, sondern sie in die Tat umsetzen.
VON DER KINDHEIT GEPRÄGT
Kerstin Rüth kam in Waren/Müritz zur Welt und wuchs in der ehemaligen DDR auf. Die Familie hatte einen 1.500 m² großen Garten, wo unter anderem Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren, Kartoffeln, Erbsen, Rüben, Karotten und Kohl angebaut wurden. Ebenso gehörten zwei Schweine, Kaninchen, 40 Hühner und 20 Flugenten zum Haushalt. Selbstversorgung war normal. Die Menschen, die in diesem Teil von Deutschland lebten und nicht nur von der staatlichen Zustellung von Nahrungsmitteln abhängig sein wollten, nahmen durch den eigenen Anbau ihre Ernährung selbst in die Hand. Kerstins Familie zog aus den Samen, die nur von den stärksten Pflanzen genommen wurden, eigene Pflanzen an. Es wurde geerntet, eingelagert, eingeweckt und fermentiert. Da Kerstins Vater sehr früh verstarb, war es selbstverständlich, dass alle bei allen Arbeiten mithelfen mussten. Nur beim Schlachten durfte Kerstin fehlen. Tiere zu essen, die sie vorher gefüttert hatte, war für sie unmöglich. Demnach aß sie in der Kindheit gar kein Fleisch, was damals im Osten eher als Krankheit wahrgenommen wurde und nicht normal war. Das Leben war sehr einfach, was Kerstin heute als Privileg sieht. Die Menschen mussten sich Gedanken machen, sparsam mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Sie mussten lernen, eigene Sorten zu vermehren und zu tauschen. Die Situation damals war eine, die Mutter Erde nährte und freute.
Ob im eigenen Garten, Schrebergarten oder am kleinen Hof – im Osten war es bis weit in die 50er-Jahre ebenso eine lebenswichtige Grundlage einer jeden Familie, für sich und einem begrenzten Publikum Lebensmittel zu erzeugen. Diese Nahrungsmittel hatten allerdings noch eine ganz andere, eine viel höhere Qualität. Bei den Produkten der heutigen Nahrungsmittelindustrie zählen nur noch Größe, Farbe und Langlebigkeit. Um die höchstmögliche Ertragsrate zu erreichen, bleiben Faktoren wie Geschmack, lebenswichtige Nährstoffe oder natürliche Vermehrung dagegen auf der Strecke.
Im Chiemgauer Voralpenland liegt das Gemeindegebiet Samerberg mit einer Reihe von Weilern und Einödhöfen. Die Kulturlandschaft ist geprägt von Grün- und Weideland.
AM ANFANG WAR EIN KURS
Ralf Rüth behauptet von sich selbst, dass er bis 2013 der schlechteste Gärtner im Chiemgau war. Handwerkliche Fähigkeiten waren vorhanden, auch Rasenmähen ging gut – mehr dann aber auch nicht. Als er schließlich zum Geburtstag von seiner Frau Kerstin einen Kurs zum Thema Permakultur geschenkt bekam, änderte sich das schlagartig. Im Jahr 2014 absolvierte Ralf Rüth die Ausbildung bei Sepp Holzer, dem österreichischen Pionier der Permakultur. Die Lages des Hofes von Sepp Holzer im Lungau, der kältesten Region in Österreich, ist sehr speziell. Der Hof liegt auf 800 bis 1.400 m Höhe – für den erfolgreichen Anbau von Lebensmitteln ist diese Ausgangsposition also höchst außergewöhnlich. Aber, es gelingt, und zwar mit sehr gutem Erfolg! Ein Spruch von Sepp Holzer senior spielt auch für Ralf Rüth eine tragende Rolle:»Es gibt keine Ungunstlagen, es gibt nur unfähige Menschen.« Betrachtet man die Hochlagen der Inkas in Südamerika, so hätte dort aus klimatischen Verhältnissen heraus nie eine Hochkultur entstehen können.
Permakultur ist ansteckend
Die Ausbildung dauerte ein Jahr und hat die Sichtweise von Ralf Rüth gegenüber der Natur total verändert. Durch seine Erzählungen und die vielen Gespräche übertrug sich seine Faszination und Begeisterung auf die Kinder Melanie und Chiara. Beide verspürten den Wunsch nach derselben Ausbildung. Der Samen der Erkenntnis, den Kerstin Rüth gesät hatte, war somit erkennbar in der Familie angekommen. Alle zusammen wollten die Welt nachhaltig verändern und nicht nur darüber reden, sondern dies auch erfolgreich umsetzen.
Anfang November 2014 wurde Familie Rüth zugetragen, dass ein Grundstück ganz in der Nähe ihres Hauses am Samerberg versteigert wird. Sie nahmen die Gelegenheit wahr und ersteigerten es am 20. November 2014. Das Grundstück ist ein Hektar groß und liegt am Hang. Bis dahin wurde es nur als Viehweide genutzt und von den ansässigen Landwirten als Ungunstlage eingestuft, da man es nicht mit großen Traktoren bewirtschaften kann. Schon bei der ersten Begehung sprudelten alle vor lauter Ideen. Anfang 2015 begannen Melanie und Chiara die Permakultur-Ausbildung bei Sepp Holzer junior im Lungau, der inzwischen die Leitung von seinem Vater übernommen hatte. Im September 2015 schlossen beide erfolgreich diese Ausbildung mit Auszeichnung ab.
Hommage an Melanie
Als Familie liegt uns viel an der Natur, der Nachhaltigkeit, der Gesundheit, dem respektvollen Umgang mit Tieren und der Achtung von früheren Generationen, die die echte Permakultur schon lebten. Kerstin ist in der Familie die hauptsächliche Ideengeberin. Ralf bezeichnet sich immer gerne als verlängerte Werkbank, da er und die Kinder unter Anleitung von Kerstin die meisten Dinge und Anlagen selbst bauen. Durch einen tragischen Verkehrsunfall verloren wir 2016 unsere geliebte Tochter Melanie. Nach dieser schweren Zeit in tiefster Trauer entschlossen wir uns, unser Herzensprojekt MellaLand zu nennen. Eine Hommage an unsere geliebte Melanie!
MellaLand
SPIRIT
Der Einfluss unserer Ernährung
Seit über 30 Jahren leben wir im eigenen Haushalt zuckerfrei (Industriezucker) und waren in den über 50 Lebensjahren noch nie in einer der Fast-Food-Ketten zum Essen. Auch Melanie und Chiara waren dort nur sehr selten Besucher. Kerstins behinderte Tochter Sandra, die heute glücklich in einer bayerischen anthroposophischen Einrichtung lebt, hat eine »regionale« Ernährung erfahren. Es war sehr spannend zu beobachten, wie viel und welchen Einfluss die Ernährung auf ihre seelische Gesundheit hat und hatte. Wenn Sandra Zucker in Form von Eis, Schokolade oder Ähnlichem erhielt, wurde sie sehr aggressiv und war kaum zu bändigen. Zucker spielt auch im Sport eine große Rolle, bei einem sinkenden Zuckerspiegel verringert sich die Leistungsfähigkeit. Aber es sollte kein künstlicher Zucker sein.
GESUNDE ERNÄHRUNG
Wir widmen unser Leben schon sehr lange der Gesundheit von Menschen. Kerstin betreibt seit mehr als 20 Jahren eine Heilpraxis, wo sie sich mit Pflanzenextrakten, Heilpflanzen, Homöopathie, Heilungen und der Gesundheit der Menschen beschäftigt. Vielen Patienten, die austherapiert und von der normalen Medizin aufgegeben wurden, konnte sie mit ihren Kräften heilen. Ralf führt seit circa 40 Jahren als selbstständiger Zahntechniker eine Firma, die sich mit körperverträglichen Zahnersatzmaterialien beschäftigt. Viele werden sich fragen: Gibt es denn auch nicht körperverträglichen Zahnersatz? Ja, den gibt es seiner Meinung nach.
Nahrung ist nicht gleich Nahrung
Die meisten Menschen unterschätzen die Verbindung zwischen Lebensmitteln und der Gesundheit. Kerstin predigt dies seit vielen Jahren ihren Patienten. Nur muss man nicht erst krank werden, um sich dann aus der Not heraus besser zu ernähren. Viel wichtiger wäre, der Herstellung von Lebensmitteln eine wesentlich höhere Wertigkeit zukommen zu lassen.
Wir machen explizit einen großen Unterschied zwischen Lebensmitteln und Nahrungsmitteln. Für uns werden Lebensmittel aus samenfesten, nicht manipulierten Samen gezogen. Bei sogenannten F1-Hybriden ist das natürliche Vermehren der Sorte durch deren eigene Samen nicht mehr möglich. Ob man hierbei schon von Genmanipulation sprechen kann oder nicht, spielt dabei, unserer Meinung nach, keine Rolle. Es stellt auf jeden Fall einen elementaren Eingriff in die Natur dar. Ohne Manipulation vom Menschen trägt das gesamte Ökosystem die Vermehrung auf natürliche Art als höchste Priorität in sich. Es gibt keine Frucht, die nicht automatisch die eigene Vermehrung durch Samenbildung in den Vordergrund stellt. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen F1-Hybriden und der Fortpflanzung von Menschen. Wenn in diesen Nahrungsmitteln wichtige Enzyme fehlen, könnte dies ja auch auf unseren Körper einen wesentlich höheren Einfluss haben. Nehmen wir vermehrt über viele Jahre Nahrungsmittel zu uns, denen die Vermehrung durch den Eingriff in die Stammfunktion durch den Menschen genommen wurde, so glauben wir, dass dies Einfluss auf unsere eigene Fortpflanzung hat. Verlässliche Zahlen zeigen zum Beispiel eine vermehrte Zeugungsunfähigkeit von jungen Menschen in den sogenannten hochzivilisierten Ländern.
WAS IST EIGENTLICH PERMAKULTUR?
In wenigen Worten beschrieben, versteht man unter Permakultur den harmonischen Umgang des Menschen mit der Natur in Bezug auf Ertrag, Nachhaltigkeit, Nutzung der Ressourcen, das Teilen der Erträge mit den Tieren, die dir helfend beistehen.Dazu gehören Hühner, Bienen und andere Insekten, Würmer, Eidechsen, Kröten, Schlangen, Hermeline und noch mehr kleine und große Helfer, die Tag für Tag das Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen im Einklang halten. Ein wesentlicher Punkt ist dabei der Anbau in Mischkulturen (siehe >) – die höchste Kunst des Anbaus. Dabei stellt sich zwischen Schädlingen und Nützlingen eine gewisse Ausgeglichenheit ein. Viele Probleme der heutigen Landwirtschaft haben übrigens mit Monokultur zu tun, da sich in diesen Kulturen ohne entsprechende Gegenspieler nur Schädlinge vermehren können. Mischkulturen müssen sicher mit höherem händischem Aufwand ausgeführt werden, es sind bei entsprechendem Fleiß aber auch wesentlich höhere Erträge möglich. In unseren Beeten und Anbauflächen werden verschiedenste Arten immer gleichzeitig angebaut. Kohlarten, die eine längere Wachstumszeit benötigen, gemischt mit schnell wachsenden Arten wie Salate und Erbsen. Für fast jede Kultur und deren Schädlinge gibt es Gegenspieler, die bei erfolgreicher Umsetzung perfekt funktionieren.
JEDER PLATZ IST ANDERS
Alle Neueinsteiger möchten am liebsten den ultimativen Ratgeber, der alles erklärt, den perfekten Plan für Pflanzgemeinschaften enthält und eigenes Denken abkürzt. Nur, den gibt es nicht. Jede Gegend mit ihren klimatischen Gegebenheiten, jede Nutzpflanze hat ihre eigenen Regeln. Nicht alles, was bei uns am Samerberg funktioniert, ist maßgeblich für ganz Bayern oder Deutschland. Es bedarf dem Tun, der Begegnung mit der eigenen Region sowie dem Beobachten, welche Kulturen miteinander funktionieren und leben möchten. Dies ist eine große Wissenschaft für sich und es braucht dafür etwas Ausdauer. Und auch wenn Ralf es früher gar nicht gerne mochte, wenn Kerstin den Satz sagte »Alle Erkenntnisse des Tuns und Beobachtens haben höchste Weisheit in sich« – heute versteht er es aus tiefstem Herzen.
Das große Ganze
Um Permakultur zu begreifen, ist aus unserer Sicht aber noch ein anderes Verständnis maßgeblich. Ralf war, bevor er Kerstin kannte, nicht spirituell und mehr der sichtbaren Physik und den chemischen Regeln zugewandt. Der Mensch versteht das Sichtbare leichter. Alle großen Philosophen der Vergangenheit beschrieben die nicht sichtbare Welt als die größere. Bei der Permakultur spielt auch das Nichtsichtbare eine große entscheidende Rolle. Es gibt das Göttliche, den Vater der geistigen Welt, und die »Mutter Erde«, mit der wir alle, die aus Materie bestehen, verbunden sind. Dies hat absolut nichts mit irgendeiner irdischen Religion zu tun. Es ist eine Weisheit des wirklichen allumfassenden Glaubens, alle Religionen finden sich darin wieder. Darin erklärt sich alles, auch die wichtigste Erkenntnis, dass alles in höchst sensibler Verbindung steht, das Geistige, Unsichtbare wie auch das Irdische, Sichtbare. Denn: Wer von uns sieht die Erdanziehung? Ohne diese gäbe es aber keine Atmosphäre, kein Wasser, kein Leben auf diesem Planeten. Atomare Strahlung kennen die meisten Menschen. Sehen kann sie niemand, die Gefährlichkeit ist je nach Material jedoch extrem hoch. Die Anziehungskraft des Mondes sieht man am besten an den Gezeiten des Wassers. In den Ozeanen gibt es teilweise mehr als vier bis fünf Meter Tidenhub. Welche unvorstellbar große Kraft kann solche Massen bewegen, ohne sichtbar zu sein? Ganz zu schweigen von der lebenswichtigen Wärmekraft der Sonne, des Feuers, die ebenfalls nicht sichtbar ist, die aber jeder spüren kann. Als großer Gegenspieler die Kälte, die auch niemand sieht, aber jeder spürt.
All diese Informationen sollen nicht zu esoterisch wirken, aber wir sollten unseren Geist öffnen, da dies für einen nachhaltigen Wandel, der unserer Meinung nach extrem nötig ist, unumgänglich ist. Der heutige Mensch handelt meist nur noch nach dem Geist unserer jetzigen Zeit. Werbung, unnützer Konsum und teilweise schulische Ausbildungen bestimmen alle anderen Wertigkeiten. Seit einiger Zeit ist jedoch ein gewisser Wandel erkennbar. Immer mehr Menschen erkennen die innere Leere der heutigen Zeit, dass unser Handeln kein wahrhaftiges Glücksgefühl mehr erzeugt. Das Arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie, erzeugt wahre Freude. Dies praktizieren wir seit Jahren auf unserem einen Hektar großen Grundstück. Unsere Hühner (ab >) helfen uns im Herbst und Frühjahr, bevor wir ansäen, die Schneckeneier und Larven von Schädlingen auf den Anbauflächen zu dezimieren. Sie beschenken uns für dieses Futter mit perfekten Eiern. So wie wir unsere Kartoffeln bewirtschaften (ab >), konnte der Ertrag pro Quadratmeter von circa sechs auf bis zu zehn Kilogramm erhöht werden. Dies bedeutet aber auch, dass fast alles per Hand gesät, gepflegt, geerntet werden muss und große Erntemaschinen dies nicht umsetzen können.
Eine große Vielfalt sowie das Anpflanzen in Mischkultur sind ganz wichtige Punkte in der Permakultur.
Auf MellaLand gehören Hühner und Bienen zu den tierischen Mitbewohnern des Gartens.
Saftige Beeren und knackiges Obst dürfen natürlich auch nicht fehlen für ein ausgeglichenes Angebot.
Reiche Ernte dank ausreichender Nährstoffe: Gedüngt wird auf MellaLand nur mit natürlichen Mitteln.
Ohne Bienen keine Bestäubung und keine Früchte. Deshalb sind sie so wichtig für unser Ökosystem.
Die Paarung von Regenwürmern ist ein einzigartiges Schauspiel, das wir auf MellaLand beobachten dürfen.
MellaLand
SPIRIT
Strukturen in der Landwirtschaft
Bei der Permakultur, die wir auf MellaLand leben, steht nicht der höchstmögliche Ertrag pro Quadratmeter im Vordergrund, sondern das Handeln im Sinne des großen Ganzen, ohne dabei die Wichtigkeit der Wirtschaftlichkeit außer Acht zu lassen. Das hört sich sehr esoterisch an, ist aber eigentlich die altgelebte Tradition der Landwirtschaft der Generationen vor 1930. In dieser Zeit, die noch nicht zu sehr von chemischen Mitteln beeinträchtigt war, mussten die Bauern die Natur studieren und beobachten. Sie entwickelten für ihre Region die besten Strategien, pflanzten Sorten, die für diese Lagen veredelt oder besonders geschützt wurden.
In den letzten Jahrzehnten ist dieses Wissen fast vollständig verloren gegangen, moderne Dünger und Pflanzenschutzmittel ersetzen vieles. Ein Beispiel: Die Düngekraft des Wurmes mit seinen Ausscheidungen (siehe >) ist unseres Wissens nach in seiner Wachstumskraft bis heute noch von keinem Kunstdünger übertroffen. Wird heutzutage Gülle auf Böden ausgebracht, kann man flächendeckend beobachten, wie viele Würmer an die Oberfläche kommen und dort verenden. Jede Grünfläche wächst, ob mit oder ohne Gülle. In den Landwirtschaftsschulen wird aber immer noch mit Vehemenz gelehrt: »Wachse oder weiche!« Die Traktoren, Güllefässer und Spritzanlagen werden immer größer, die Böden immer ärmer. Bereits im Jahr 2003 initiierten die Weltbank und die Vereinten Nationen einen bisher einmaligen internationalen wissenschaftlichen Prozess, der nach vier Jahren intensiver Arbeit den sogenannten Weltagrarbericht hervorbrachte. Schaut man diesen an, so muss man erkennen, dass über 75 % der Menschheit von kleinbäuerlichen Betrieben leben, die eine Fläche unter einem Hektar bewirtschaften. Die Aussage, dass nur Großbetriebe in der Lage sind, die Ernährung zu garantieren, stimmt einfach nicht. Kleinere Betriebe müssen ihren Boden pflegen, da sie keine Ausweichflächen haben. Sie nützen in der Regel ihre Ressourcen. Das ist gelebte Permakultur. Auf kleineren Anbauflächen können mehrere unterschiedliche Fruchtfolgen geerntet werden. Und wer den fleißigen Helfern der Natur eine Heimat gibt, wird reichlich beschenkt durch hohe Erträge, geringeren Schädlingsbefall und beste Bestäubung.
Die Entwicklungen auf dem Saatgut-Markt sind ebenfalls nicht förderlich für eine strukturreiche Landwirtschaft. Dominiert wird dieser durch F1-Hybriden, mit denen die großen Samenhersteller sich ihren Markt schützen wollen, denn der Landwirt kann sich selbst kein eigenes Saatgut erschaffen, da F1-Hybriden nicht vermehrbar sind. Viele der neuen Samensorten wachsen überhaupt nur mit den beigestellten Düngern und Pestiziden. Dies stellt für uns einen eklatanten Eingriff in unsere Persönlichkeitsrechte der Selbstbestimmung dar. Das europäische Parlament wollte – angeblich zum Schutz der Welternährung – es sogar unter Strafe stellen, dass auch Privatpersonen keine Samen selbst herstellen dürfen und diese nicht einmal als Geschenk weitergeben dürfen. Welch ein Irrsinn! Somit sollten nur noch hochertragreiche Samen, die im Labor entstanden sind, den weltweiten Hunger eindämmen. Betrachtet man die Situation aus einem anderen Blickwinkel, nimmt man damit den Erzeugern jegliche Möglichkeit, die Sorten zu finden, die speziell für ihre jeweilige Region funktionieren, zum Beispiel Sorten, die in Hochlagen gegen Frost und andere Einflüsse Resistenzen entwickeln und in der Folge weniger Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel benötigen.
Wir haben damals unbekümmert drauflosgelegt und durch unsere Erfahrungen ständig dazugelernt. Nach dem Kauf war unser Grundstück einfach nur Grünland und Wiese. Damit wir die schräge Fläche gut und wirtschaftlich bearbeiten konnten, errichteten wir am Anfang zuerst Strukturen wie Beete und Wege.
Anfänglich wollten wir das Gelände nach und nach umgestalten. Wegen der notwendigen Privilegierung (siehe >) und um die entsprechende Wirtschaftlichkeit zu erreichen, mussten wir das Projekt allerdings wesentlich schneller umsetzen als ursprünglich gedacht. Aufgrund der exponierten Lage, unser Grundstück ist von der Straße aus gut sichtbar, standen wir von Anfang an im Fokus der Öffentlichkeit. Unsere Tätigkeiten, die ganz und gar nicht den in der Landwirtschaft üblichen Bewirtschaftungsmethoden entsprachen, riefen auch bei den Behörden immer wieder Skepsis hervor. Alles wurde genau beobachtet, gegebenenfalls zur Anzeige gebracht oder Petitionen beim Bayerischen Landtag eingereicht. Unser Projekt stand immer wieder – und steht auch heute noch – auf einem harten Prüfstand. Auch für uns war und ist vieles neu, aber mit jeder Erfahrung lernten wir dazu und unsere Überzeugung ließ uns nicht vom Weg abkommen.
MellaLand
SPIRIT
Unsichtbare Kräfte
Geomantie beschreibt die Lage der nicht sichtbaren oder nur schwer erkennbaren Krafteinflüsse und Energien, die auf einem Stück Land vorhanden sind. In früheren Generationen war es ein ganz normaler Vorgang vor dem Bau eines Hauses oder einer Stallung sein Grundstück auf mögliche Wasseradern ausmessen zu lassen. Die Lage der Häuser, die Positionierung von Dächern oder Eingangsbereichen baute man nach jahrhundertealten Erfahrungen auf. Heute werden dieses alte Wissen und die Rituale nur noch selten angewendet. Erst später, wenn Schlafstörungen oder andere Probleme auftreten, zieht man gerne solche alten Weisheiten heran, um diese Störungen zu unterbinden.
Auch die Kirchen wissen seit jeher um diese Energien, zum Beispiel stehen alle alten großen Kathedralen, Kirchen und Dome auf sogenannten Leylinien, auch Drachenlinien genannt, die in ringförmigen Linien um den kompletten Globus verlaufen. Die ganz bekannten Kathedralen liegen oft auf Kreuzungspunkten von Leylinien. Wir wissen, dass viele Menschen dies für spirituellen Hokuspokus halten. Aber schauen wir auf Erdanziehung oder den Einfluss des Mondes auf alles Lebendige auf der Erde, erkennen wir, dass wir all diese Kräfte wohl spüren, aber eben nicht sehen können. Wir sprechen oft von Wesenheiten, denen in alten Traditionen wie dem Sonnenwendfeuer oder den Erntedankfesten gehuldigt und gedankt wurden.
Wir wollten von einem Fachmann eine unvoreingenommene Analyse unseres Platzes bekommen und ließen unser Grundstück noch vor dem ersten Spatenstich durch den Geomanten Stefan Brönnle einen Tag lang untersuchen. Heraus kam, dass mehrereWasseradern, aufsteigende und absteigende, durch MellaLand führen. Zwei dieser Adern wären für Brunnenbohrungen geeignet, die geschätzte anzusetzende Tiefe liegt bei circa sechs Metern. Schlaf- oder Dauersitzplätze sollten in diesen Bereichen nicht eingerichtet werden. Auf unserem Grundstück verlaufen ebenso zwei geologische Verwerfungen und zwei Leylinien. Es gibt drei sogenannte Naturwesen in Form von sehr erhabenen, großen, außergewöhnlichen Bäumen (auch Devas genannt). Einer davon besteht aus einer Eiche und einer Linde, die ein und demselben Wurzelstamm entspringen - sehr faszinierend. Solche sehr seltenen Baumwesen sollte man nie fällen, sie sind zu wichtig für eine ganze Region. Unser Gutachten umfasst über 30 Seiten und bietet eine Vielzahl von interessanten, wichtigen Informationen. Wir können solch ein Gutachten nur wärmstens empfehlen, am besten im Vorfeld, da die Möglichkeiten vor Baubeginn einfacher umzusetzen sind. Für uns war es ein besonderer Beweis für die Einzigartigkeit des Grundstücks.
DAS GELÄNDE TERRASSIEREN
Um das Gelände besser nutzbar zu machen, begannen wir im April 2015 mit den ersten Terrassierungen im unteren Bereich des Hangs, gebaut mit größeren Steinbrocken aus der Region. Der erste von unzähligen Baustopps ließ nicht lange auf sich warten. Obwohl im Baugesetz steht, dass Erdbewe gungen bis 500 m² genehmigungsfrei seien, wurden wir eines Besseren belehrt. Die Genehmigungsfreiheit trifft nur zu, wenn die Tätigkeit einer Privilegierung bzw. einem genehmigten Projekt dient. Kurz nach Beginn unserer ersten Aktion wurden unsere Erdarbeiten eingestellt, obwohl diese schon fast fertiggestellt waren. Nach einem Gespräch im Landratsamt durften wir nur weitermachen, wenn wir die circa ein Meter hohen wunderschönen Felsbrocken mit Erde überschütten und wieder abdecken. Aus unserer Sicht war dies nicht verständlich, da solche großen Natursteine unzähligen Tieren Unterschlupf bieten und den Boden wegen ihrer Wärmespeicherfähigkeit in der Übergangszeit frostfrei halten. Sogenannte Trockenmauern, die schon vorhanden sind, stehen sonst sogar unter Naturschutz und werden von der EU gefördert. Die Untere Naturschutzbehörde hatte unsere Steine jedoch als Stützmauer eingestuft und deshalb nicht erlaubt. Im Laufe der Zeit erlebten wir immer wieder, dass sehr sinnvolle Landschaftsgestaltungen und das Erschaffen von Lebensräumen von den Behörden, in unserem Fall von der Unteren Naturschutzbehörde, verhindert wurden. In unseren Augen sollte diese Behörde mehr für die Natur, die Artenvielfalt und deren Wiederbelebung tun, statt dies zu verhindern. Schließlich konnten wir die zwei Terrassierungen anlegen, wenn auch nicht wie ursprünglich geplant.
Kleinere Terrassierungen bauen wir mit Holzdielen, die mithilfe von kleinen Pfosten befestigt werden. Einzelne Steine zwischen den Kräutern speichern die Wärme.
IM ERSTEN JAHR
In 2015 entstanden viele Grundstrukturen und Bauten. Außer den Terrassierungen errichteten wir um unser komplettes Grundstück herum einen Holzstangenzaun, um die Obstanlagen vor Wildverbiss zu schützen. Dieser ersetzte den vorhandenen Stacheldrahtzaun, der zu schweren Verletzungen bei Wildtieren führen kann. Zudem bauten wir entlang der Straße und auf den entstandenen Terrassen die ersten Hochbeete mit einer Umrandung aus runden Holzstangen sowie das erste Hügelbeet. Die Hochbeete entwickelten sich leider zum echten »Schneckenhotel«, da die Hohlräume der Stangen ein perfektes Versteck sowie Nistplätze für Schnecken boten. Nach dieser Erfahrung haben wir die Konstruktion unserer Beete verändert und bauten entweder Hochbeete aus Holz mit Bodenkontakt oder Hochbeete auf Stelzen (ab >). Schon im ersten Jahr haben wir in den Beeten sehr erfolgreich Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Salate, Zucchini und Kürbisse angebaut. Ebenso pflanzten wir die ersten Obstbäume (siehe >), alte Sorten, verteilt auf dem Grundstück.
Neue Mitbewohner
Da wir von Anfang an Tiere in unser Permakulturprojekt integrieren wollten, bauten wir aus Holz Unterstände für die Bienen. Die ersten 20 Bienenvölker fanden im Jahr 2015 ihr Zuhause auf unserem Grundstück. Auch das Hühnerhaus in Form eines Hexenhauses (siehe >) wurde im Sommer 2015 aufgestellt und in Betrieb genommen. Wir starteten mit 20 Hühnern.
Die Bienenstöcke sollten an einem geschützten Platz stehen oder man baut einen Unterstand.
Für kleinere Nebenwege ist Rindenmulch als Belag eine gute und kostengünstige Wahl.
DAS ZWEITE UND DRITTE JAHR
Im Frühjahr befreiten wir sehr mühsam mit Spitzhacke und Spaten die Flächen zwischen den Terrassierungen von der Grasnarbe und bepflanzten das Beet. Nach den ersten Erfahrungen mit den Behörden wappneten wir uns für zukünftige Bauprojekte durch entsprechende Bauanträge. Zum Jahreswechsel 2015/2016 reichten wir den Bauantrag für ein Wirtschaftsgebäude ein (siehe >
