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Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Philosophie - Philosophie der Antike, Note: sehr gut, Universität Vechta; früher Hochschule Vechta, Sprache: Deutsch, Abstract: Sind die Bezeichnungen für die Dinge naturbedingt oder durch menschliche Konvention entstanden? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit? Auf was nimmt die Sprache Bezug? Welche Rolle spielt die Sprache im Erkenntnisprozess? – All dies sind Fragen, welche die Sprachphilosophie und auch die folgende Ausarbeitung betreffen. (...) Die Sprachphilosophie hat ihren Ursprung in der Philosophie. Schaut man in einem `normalen´ Lexikon unter dem Begriff `Sprache´ nach, so findet man die Auffassung, dass „die Zeichen [...] nicht der notwendige oder `natürl.´ Ausdruck der Wirklichkeit [sind], sondern sie werden ihr von jeder Sprachgemeinschaft konventional zugeordnet.“3 In einem philosophischen Wörterbuch findet man Folgendes zum Begriff `Sprache´: Sprache sei „die nicht einer bloß sinnlich-triebhaften Empfindungsmitte, sondern dem seel.geist. Verstehenszentrum des Menschen entspringende Fähigkeit des Menschen, mit einer sinnlich wahrnehmbaren Gestalt [...] eine nur geistig verstehbare Bedeutung zu verbinden“4; weiterhin werde sich der Geist erst in der Sprache „denkend u. erkennend der Dinge, Zusammenhänge u. seiner selbst klar.“5 Es wird bestritten, dass sie „nicht nur `Ausdruck´ von etwas, das schon zuvor fertig im `Innern´ da wäre“6, sei – diese Auffassung von der Sprache als Ausdruck bzw. Abbild der Gedanken geht auf Aristoteles zurück, wie wir sehen werden. Die vorliegenden, komprimierten Erkenntnisse über Sprache sind das Produkt aus jahrhundertelanger sprachphilosophischer Reflexion und enthalten Auffassungen, die in dieser Form noch nicht von Platon und Aristoteles erdacht wurden – jedoch haben sie einen grundlegenden Anteil an diesen Reflexionen, wie gezeigt werden wird. In dieser Hausarbeit soll es vornehmlich um die sprachphilosophischen Reflexionen von Platon und Aristoteles gehen. Diese werden jeweils in die grundlegende Philosophie der beiden `Denker´ eingebettet, und in einem vergleichenden Dialog zwischen ihnen soll ihre Sprachphilosophie gegenübergestellt werden. Im dann folgenden Abschnitt wird die Reflexion und die Kritik der platonischen sowie der aristotelischen Sprachphilosophie skizziert. Die oben genannten Fragen, vornehmlich die zweite, sind zentrale Fragen der Sprachphilosophie und werden in allen Abschnitten dieser Ausarbeitung diskutiert, dergestalt, dass die Antworten unterschiedlicher Philosophen – allen voran die Platons und Aristoteles´ – vorgestellt werden.
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Hochschule Vechta Fach Philosophie Sommersemester 2001
Seminar: Grundprobleme der antiken Philosophie
Mit Sprache über Sprache -Gegenüberstellung und Rezeption der
(Sprach-) Philosophie von Platon und
Aristoteles
Holger Vos
Studiengang Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen 4. Semester
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Sind die Bezeichnungen für die Dinge naturbedingt oder durch menschliche Konvention entstanden? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Sprache, Denken und Wirklichkeit? Auf was nimmt die Sprache Bezug? Welche Rolle spielt die Sprache im Erkenntnisprozess? - All dies sind Fragen, welche die Sprachphilosophie und auch die folgende Ausarbeitung betreffen. Doch vor jenen Fragen kommt eine Frage, die einen höheren Stellenwert einnimmt: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“ Nach Heidegger1ist dies die metaphysische Grundfrage; das Staunen darüber, dass überhaupt etwas `ist´, stellt alles Seiende in Frage. Platon und Aristoteles, die Philosophen, um welche es im Folgenden hauptsächlich gehen soll, beschäftigten sich ebenfalls mit dem Seienden und versuchten, es in Kategorien einzuordnen. Als sie sich mit der ersten der oben genannten Fragen beschäftigten, war die Sprachphilosophie noch keine eigenständige Wissenschaftsdisziplin, doch ist dies für nachstehende Fragestellungen nicht bedeutsam, da „das Problem der Sprache in der Tat so alt ist wie die Philosophie“2selbst. Die Sprachphilosophie hat ihren Ursprung in der Philosophie.
Schaut man in einem `normalen´ Lexikon unter dem Begriff `Sprache´ nach, so findet man die Auffassung, dass „die Zeichen [...] nicht der notwendige oder `natürl.´ Ausdruck der Wirklichkeit [sind], sondern sie werden ihr von jeder Sprachgemeinschaft konventional zugeordnet.“3In einem philosophischen Wörterbuch findet man Folgendes zum Begriff `Sprache´: Sprache sei „die nicht einer bloß sinnlich-triebhaften Empfindungsmitte, sondern dem seel.-geist. Verstehenszentrum des Menschen entspringende Fähigkeit des Menschen, mit einer sinnlich wahrnehmbaren Gestalt [...] eine nur geistig verstehbare Bedeutung zu verbinden“4; weiterhin werde sich der Geist erst in der Sprache „denkend u. erkennend der Dinge, Zusammenhänge u. seiner selbst klar.“5Es wird bestritten, dass sie „nicht nur `Ausdruck´ von etwas, das schon zuvor fertig im `Innern´ da wäre“6, sei - diese Auffassung von der Sprache als Ausdruck bzw. Abbild der Gedanken geht auf Aristoteles zurück, wie wir sehen werden. Die vorliegenden, komprimierten Erkenntnisse über Sprache sind das Produkt aus jahrhundertelanger sprachphilosophischer Reflexion und enthalten Auffassungen, die in dieser Form noch nicht von Platon und Aristoteles erdacht wurden - jedoch haben sie einen grundlegenden Anteil an diesen Reflexionen, wie gezeigt werden wird.
In dieser Hausarbeit soll es vornehmlich um die sprachphilosophischen Reflexionen von Platon und Aristoteles gehen. Diese werden jeweils in die grundlegende Philosophie der beiden `Denker´ eingebettet, und in einem vergleichenden Dialog zwischen ihnen soll ihre Sprachphilosophie gegenübergestellt werden. Im dann folgenden Abschnitt wird die Reflexion und die Kritik der platonischen sowie der aristotelischen Sprachphilosophie skizziert.
1vgl. Spierling 1992, S. 289ff. Martin Heidegger (1889-1976).
2Borsche 1996, S. 8.
3Meyers Taschenlexikon 1999, S. 3264.
4Müller / Halder 1967, S. 166.
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Sizilien, wo Platon sich hauptsächlich am Hofe der dortigen Herrscher Dionysios I. und Dionysios II. aufhielt, um seine Staatsutopie, seine ethisch-politischen Ideale, zur verwirklichen. Seine Versuche scheiterten; seine erste Sizilienreise endete damit, dass er aufgrund einer Intrige des Herrschers Dionysios auf einem Sklavenmarkt verkauft wurde. Mit Hilfe eines Freundes kam Platon wieder frei und gründete - wieder in Athen, im Jahre 387 v. Chr. - eine eigene philosophische Schule, die Akademie.