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Dank der Spielsucht meines Vaters ertrinke ich nach seinem Tod in Schulden. Meinen Job habe ich schon verloren und bald muss ich mich auch von meiner geliebten Wohnung trennen, sollte ich nicht schleunigst eine Lösung für mein Geldproblem finden. Da kommt mir der Vorschlag einer alten Freundin nur gelegen. Dieser ist allerdings ziemlich suspekt. Ich soll mich von einem Mann dafür bezahlen lassen, ihm meinen Körper zur Verfügung zu stellen. Dafür würde ich definitiv in der Hölle schmoren. Da der Mann bereit ist, sein Angebot beträchtlich zu erhöhen, und ich keine andere Möglichkeit sehe, den hohen Schuldenberg fristgemäß zu tilgen, treffen wir ein Arrangement. Schon bald muss ich feststellen, dass das gar keine so schlechte Idee war. Kurze Zeit später finde ich sogar Gefallen an den Treffen in den schicken Hotelsuiten. Und ehe ich mich versehe, ist das Geld nebensächlich geworden und ich genieße die heißen Abende mit meinem Arbeitgeber. Das klingt nach einer klischeehaften Lovestory, aber ich muss euch leider enttäuschen. Tayron Sullivan mag vieles sein, aber der edle Ritter auf dem weißen Pferd ist er nicht. Er ist ein richtiges A*schloch, wie es im Buche steht. Und ich, das naive Mädchen in Nöten, verliebe mich trotzdem in ihn. Ein bisschen klischeehaft ist es vielleicht schon … Das Buch ist in sich abgeschlossen.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Needy for you
Erotischer Liebesroman
Copyright: Alle Rechte sind der Autorin vorbehalten. Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Eine Verbreitung des Textes oder Ausschnitten des Textes ist ohne die schriftliche Genehmigung der Autorin untersagt.
© S. H. Roxx, 2. Auflage 2024, Österreich; (1. Auflage 2019)
Coverdesign: © S. H. Roxx unter der Verwendung von canva.com
Bildquelle: depositphotos.com © alphaspirit
Sämtliche Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Ereignissen ist rein zufällig.
Kontakt: www.shroxx.com
Impressumsanschrift siehe Buchende
Vorwort
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Epilog
Danksagung
Meine Lieben! Dieses Mal halte ich mich wirklich kurz, da ich mir auch den heißgeliebten Warnhinweis ersparen darf. Stattdessen mal anders:
Solltest du kein Fan von Gewaltdarstellungen sein, kannst du dieses Buch ohne Bedenken lesen.
Es ist nicht gegen die Regeln (na gut, ein bisschen schon), überschreitet keine Grenzen und wird dich in keiner Form verstören oder triggern.
Außer, du hast etwas gegen (rauen) Sex.
Oder einen heißen Kerl, der dafür bezahlt.
Aber das fände ich nun wirklich komisch …
Kurz zusammengefasst: Es handelt sich hierbei um einen erotischen Liebesroman, der weder dark noch jugendlich, aber ziemlich spicy ist. Die Klamotten werden oft fallen gelassen (oder heruntergerissen), auf Verhütung wird keinen Wert gelegt, die Protagonisten drücken sich gerne unfein aus und stellenweise verhalten sie sich auch blöd. Sie kommen aber wieder zur Besinnung, versprochen. Später werden sie sogar ziemlich romantisch.
Und hey – natürlich geschieht alles in beidseitigem Einverständnis. Auch, wenn es mal grob wird. Sollte dir so etwas nicht gefallen, dann …
… weiß ich auch nicht, um ehrlich zu sein.
Der Roman ist in sich abgeschlossen und umfasst eine Länge von knapp 90k Wörtern. Happyend-Garantie!
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und feuchte Höschen <3
XOXO,
eure Roxxi
Allison
Ich friere, als ich aus dem Bus steige, und ziehe meinen grauen Mantel noch etwas fester zu, während ich dick eingepackt in Handschuhen, zwei Schichten Pullover, einer Haube und einem Wollschal durch Chicagos Straßen laufe. Für Anfang Dezember ist es ungewöhnlich kühl, obwohl Chicagos Winter nicht gerade bekannt für seine milden Temperaturen ist. Aktuell bewegen wir uns nur knapp über der Nullgrenze, der starke Wind macht das Ganze bloß noch schlimmer.
Ich seufze erleichtert, als ich das Café erreiche, in dem ich mich mit einer alten Bekannten auf einen Kaffee treffe, und ziehe zitternd die hohe Glastür auf. Das Bistro ist hell beleuchtet und der Duft von frisch gebackenen Muffins steigt mir in die Nase und benebelt meine Sinne. Ich sehe mich nach Sara um und entdecke sie an einem Tisch in der Ecke vor den Toilettenräumen.
»Hey.« Ich lasse mich ihr gegenüber auf den Ledersessel fallen und ziehe die Handschuhe von meinen tauben Fingern. Immer noch zitternd reibe ich sie aneinander und frage mit einem entschuldigenden Lächeln: »Wartest du schon lange?«
»Nicht sehr lange«, antwortet sie mit einem distanzierten Lächeln und winkt den Kellner herbei, ehe sie zwei Tassen schwarzen Kaffee ordert und mich mit einem verdächtigen Funkeln in den Augen betrachtet. »Na, wie geht’s dir? Das mit Will tut mir übrigens leid – ich habe versäumt, dich anzurufen.«
Ich winke gelassen ab, obwohl es mir einen Stich versetzt, als ich mich daran erinnere, dass sie – als eine meiner längsten Freundinnen aus Schulzeiten – nicht für mich da war, als mein Vater gestorben ist. Trotzdem musste ich mich in einer dringlichen Angelegenheit an sie wenden und nun sitze ich hier und spiele die gute Freundin, die ihr nicht übelnimmt, dass sie eine egoistische Schlampe ist, die sich immer noch für etwas Besseres hält, nur weil ihre Familie einen Haufen Geld besitzt.
Sie wurde so erzogen, also kann sie grundsätzlich nichts dafür.
»Schon okay.« Ich ziehe den Mantel aus und bedanke mich bei dem Kellner, der uns den Kaffee bringt. Sara schenkt ihm keinerlei Beachtung, als sie die Tasse an sich nimmt und mit ihren aufgespritzten Lippen daran nippt. »Mir wird es besser gehen, wenn du gute Nachrichten für mich hast.«
Sie presst die dicken Lippen zu einer schmalen Linie aufeinander und setzt die Tasse ab. Mit ihren perfekt manikürten Fingern streicht sie sich das toupierte Haar über die Schulter und erklärt: »Ich habe mit meinem Vater gesprochen. Da lässt sich nichts machen, tut mir leid. Die Schulden müssen getilgt werden und das bis Ende des Monats.«
Ihre Antwort trifft mich wie eine Faust mitten ins Gesicht.
Jetzt bin ich aufgeschmissen. Der absolut schlimmste Fall ist eingetreten. Mein Leben ist vorbei. Adios.
»Hast du ihm gesagt, dass ich momentan keinen Job habe?«, will ich fassungslos wissen.
Sie nickt. »Er kann da trotzdem nichts machen, Alli.«
»Er ist Richter am Obersten Gerichtshof und eines der ältesten Vorstandsmitglieder«, halte ich entschieden dagegen und sehe sie irritiert an. »Wenn er mir nicht helfen kann, wer dann?«
»Dafür sind viele Faktoren verantwortlich. Zum einen hatte dein Vater jahrelang Schulden beim Staat und hat diese in mickrigen Raten abbezahlt, während sie sich aufgrund seiner Spielsucht weiterhin vermehrt haben. Nun wollen die Leute endlich Geld sehen. Mein Vater hat mit dem Vorstand gesprochen und ihnen deine Situation erklärt, aber auch wenn sie Mitleid haben, da du die Schulden nicht verursacht, sondern geerbt hat, wurde die Frist schon einmal verlängert und du hast die Raten nicht bezahlt. Nun ist die Gesamtsumme fällig und wenn diese nicht bis zum letzten dieses Jahres eintrifft, wirst du gepfändet und landest im Knast.«
Ihr Einfühlungsvermögen ließ schon immer zu wünschen übrig.
Ich reibe mir über das Gesicht und spüre, wie sich meine Kehle zuschnürt, als ich mich selbst demütige, indem ich ihr gestehe: »Ich habe das Geld nicht, Sara. Woher verdammt nochmal soll ich zweihundertfünfzigtausend Dollar auftreiben? Ich habe eine Wohnung zu bezahlen und brauche Geld für Lebensmittel. Und da ich nun mal gefeuert wurde, weil mein alter Boss ein sexistisches Arschloch ist, kann ich mir das schon kaum leisten. Ich habe gerade einmal tausend Dollar Rücklagen auf meinem Sparbuch, dann bin ich komplett bankrott.«
Sie betrachtet mich ein wenig betroffen, wirkt jedoch nicht so, als täte ihr ernsthaft leid, in welcher Notlage ich mich befinde. Da Geld für sie quasi auf Bäumen wächst, wäre ihr Mitleid ohnehin nur gespielt, weil sie die Situation nicht richtig nachvollziehen kann. Sie weiß nicht, wie es ist, wenn man sich nicht alles leisten kann, was man möchte. Geschweige denn wie es ist, wenn man sich plötzlich gar nichts leisten kann.
»Nun«, presst sie hervor und zuckt mit den Schultern. »Das verstehe ich schon, aber leider kann ich dir nicht helfen. Mein Vater auch nicht, so viel Einfluss hat er nicht.«
Ich seufze ungläubig und schüttele frustriert den Kopf.
»Schreib noch einen Brief und bitte um eine Fristverlängerung«, schlägt sie letztendlich vor und mustert mich ein wenig abschätzend. »Das ist das Einzige, das du tun kannst.«
»Das habe ich schon drei Mal getan, der Antrag wurde aber abgelehnt.« Was genau der Grund dafür war, dass ich sie angerufen und ihren Vater um Hilfe gebeten habe.
Sie nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee. »Hast du nichts gespart?«
Ich sehe sie entrüstet an. »Wie soll ich mit zweiundzwanzig Jahren eine Viertel Million Dollar gespart haben? Du weißt, dass wir immer am Limit gelebt haben.«
»Ich erinnere mich«, murmelt sie etwas abgeneigt. »Hast du keine andere Familie, die dir aushelfen könnte? Was ist mit dieser Tante in London, der Schwester deiner Mutter?«
»Hat ihr Unternehmen letztes Jahr verloren und selbst Schulden«, erkläre ich verzweifelt. »Ich habe niemanden, der mir so viel Geld leihen könnte. Von meiner Mom habe ich damals auch nichts geerbt, wie du weißt. Selbst wenn ich morgen einen Job finde, schaffe ich es in den nächsten Jahren nicht, die Schulden abzubezahlen, da ich auch noch meinen Lebensunterhalt finanzieren muss.«
»Das stimmt.« Sie seufzt. »Wie viel war die monatliche Rate bisher?«
»Zweitausend Dollar.« Ich leere meinen Kaffee und überlege, mir noch einen zu bestellen, lasse es aber, weil ich mir nicht einmal das leisten kann. »In etwas über zehn Jahren wäre ich schuldenfrei.«
»Hättest du noch einmal zweitausend Dollar im Monat zur Verfügung, mit denen du dein Leben finanzierst«, wirft sie bedenklich ein, woraufhin ich gepresst nicke. »Du findest keinen Job, bei dem du viertausend Dollar im Monat verdienst.«
»Würde es etwas ändern, wenn doch?«, will ich zweifelnd wissen. »Du sagtest doch, die Gesamtsumme ist bis Monatsende fällig.«
»Schon, aber könntest du nachweisen, dass du ein fixes Einkommen auf unbefristete Zeit hast, das garantiert, dass du die Raten weiterhin bezahlen kannst, könnte mein Vater womöglich noch etwas machen«, eröffnet sie mir mit einem eindringlichen Blick. »Aber wo willst du so einen gut bezahlten Job finden? Du hast nicht einmal einen Collegeabschluss.«
Danke für die Erinnerung, Bitch.
»Vergiss es.« Ich fische fünf Dollar aus meiner Manteltasche und werfe sie auf den Tresen. »Danke fürs Nachfragen, Sara, ich schulde dir was. Wir hören uns.«
»Du gehst schon?«, fragt sie mit hoher Stimme und sieht stirnrunzelnd zu mir auf. »Ich dachte, wir gehen noch zu dem guten Italiener im Zentrum?«
Ich lächele verbittert. »Mit welchem Geld?«
* * *
Stunden später sitze ich in meiner Wohnung und gehe alle noch offenen Rechnungen durch. Ich rede mir ein, dass ich schon noch eine Schonfrist bekäme, würde ich die aktuelle Rate von zweitausend Dollar einbezahlen, aber ohne Nachweis über einen fixen Job, in dem ich gut genug verdiene, wird das ohnehin nichts. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich mit meiner Miete verschulden würde, sollte ich mein letztes Geld für die Schulden meines Vaters ausgeben, und essen könnte ich bis nächstes Jahr auch nichts mehr.
Als ich nach seinem Tod vor einem Jahr von dem hohen Schuldenberg erfahren habe, der an mich als einzige lebende Verwandte übertragen wurde, bin ich in eine Schockstarre verfallen. Milde ausgedrückt. Damit war mein Schicksal besiegelt. Ich würde mir niemals eine schöne Wohnung oder ein Auto kaufen können, würde niemals ohne Bedenken Geld für Klamotten oder andere Dinge ausgeben können.
Ich müsste jeden Cent an den Staat zurückgeben.
Das habe ich anfangs auch getan, während ich mir gerade einmal erlaubt habe, genügend Geld für meine Miete und Ramen-Nudeln beiseitezulegen, um zu überleben und nicht auf der Straße zu landen. Doch dann habe ich meinen Job verloren, was in Anbetracht meiner fatalen Situation ein noch härterer Schlag in den Magen war, und konnte die Raten nicht mehr begleichen. Jetzt stecke ich so tief in der Scheiße, dass ich am Abgrund angekommen bin. Ich sehe keine Chance, wieder hochzuklettern. Es ist aussichtslos. Ich ertrinke in Schulden.
Mir kam der Gedanke, meinen alten Boss anzubetteln, damit er mir wenigstens meinen schlecht bezahlten Job als Rezeptionistin in einem Hotel wiedergibt, aber er ist ein Widerling, der mich ficken wollte und gefeuert hat, weil ich ihm deutlich gemacht habe, dass das nicht in meinem Interesse liegt. Das hatte nicht einmal etwas damit zu tun, dass er hässlich und uralt ist, sondern schlichtweg damit, dass ich nicht mit meinem Chef vögele, der nebenbei bemerkt nicht einmal eine einzige nette Charaktereigenschaft besitzt. Er hat mich früher schon belästigt, was ich hinuntergeschluckt habe, aber dann wurde er aufdringlich – zu aufdringlich – und so musste ich ihm klarmachen, dass ich mich an die Cops wende, wenn er das nicht sein lässt. Er war ziemlich grob bei unserer letzten Begegnung und ich hatte zugegebenermaßen Angst, dass er richtig zudringlich wird, sobald wir das nächste Mal allein sind.
Die Angst hat sich in Luft aufgelöst, als er mich einen Tag später aufgrund mangelnder Arbeitsleistung gefeuert hat.
Zu diesem Schwein gehe ich aus Prinzip nicht betteln. Eher gehe ich in den Knast. Hätte ich im Hotel genügend verdient, wäre es etwas anderes, aber auf die Dauer gesehen käme ich auch mit den eintausendachthundert Dollars, die ich monatlich bekommen habe, nicht weit. Ich musste immer etwas von meinem Ersparten drauflegen, um die Raten zu bezahlen. Dieses ist jedoch nun auch schon fast aufgebraucht.
Gott, Dad! Was tust du mir bloß an?
Seufzend schiebe ich die Rechnungen beiseite und stehe auf, um in der Küche nachzusehen, ob ich noch etwas zu essen zu Hause habe. Ich freue mich wie ein kleines Kind, als ich die lächerlich winzige Packung Instant-Nudeln sehe, die gerade einmal einen Dollar kostet, und koche rasch Wasser auf, um meinen Bärenhunger zu stillen. Da ich seit gestern nichts gegessen habe, knurrt mein Magen infernalisch, was bestimmt auch meine Nachbarn hören.
Meine Wohnung zu verlieren wäre richtig schlimm für mich. Nicht nur, weil ich dann auf der Straße landen würde, sondern auch, weil sie sehr schön und grundsätzlich leistbar ist. Es war pures Glück, dass ich sie gefunden und tatsächlich bekommen habe. Die Leute haben sich darum gerissen, aber die Vermieterin mochte mich, weil ich sie an ihre Enkelin erinnere.
Innerlich verabschiede ich mich schon von den netten Räumlichkeiten und freunde mich mit dem Gedanken an, künftig in einer zwei Quadratmeter kleinen Zelle zu hocken, die mein neues Zuhause darstellt. Ich würde nicht sofort im Gefängnis landen, sondern erst einmal die Wohnung räumen müssen, nachdem alles darin gepfändet worden ist, doch früher oder später würden sie mich holen kommen, damit ich die Schulden absitze.
Als ich mich mit meinem heutigen und morgigen Essen auf die Couch im Wohnzimmer setze, klingelt mein Handy auf dem Tisch. Es ist Sara, die mich anruft, weshalb ich damit zögere, abzuheben. Ich habe keine Lust darauf, mit ihr zu sprechen. Es hat mir gereicht, sie heute für zwanzig Minuten zu sehen.
Weil sie direkt noch einmal anruft, hebe ich seufzend ab.
»Ja?«
»Ich bin’s«, sagt sie leise. »Hör mal, ich habe vielleicht eine Lösung für dein Problem.«
Ich setze mich ruckartig auf, mein Herzschlag verdoppelt sich. »Hast du noch einmal mit deinem Vater gesprochen?«
»Nein.« Ich höre eine Tür im Hintergrund zufallen, ehe sie wieder leise und verschwörerisch weiterspricht: »Du weißt, dass du richtig tief in der Scheiße steckst, oder?«
Ich runzele die Stirn. Ist das eine rhetorische Frage?
»Und dass du nicht wählerisch sein kannst und möglicherweise auf nicht ganz moralische Dinge zurückgreifen musst«, fährt sie fort, woraufhin ich mich versteife. »Wenn du dir dessen bewusst und bereit bist, alles zu tun, um dir selbst den Arsch zu retten, dann habe ich einen Vorschlag für dich. Ob es klappt, liegt bei dir, aber die Möglichkeit besteht.«
Ich zögere, weil sich ihre Worte bedenklich anhören, und frage zweifelnd: »Die Möglichkeit, meine Schulden abzubezahlen?«
»Ja.«
»Wie?« Das Wort kommt wie aus der Pistole geschossen.
»Schluck mal deinen Stolz hinunter und frag dann noch einmal.«
Ich schließe die Augen. »Wie, Sara?«
»Sagt dir der Name Tayron Sullivan was?«
»Nein«, murmele ich verwirrt. »Noch nie gehört.«
»Der Sohn eines ehemaligen Freundes meines Vaters«, eröffnet sie mir. »Der hat mehr Geld, als er jemals ausgeben kann, und mir kam zu Ohren, dass er seine Frauen ausschließlich bezahlt … Ziemlich großzügig sogar.«
»Willst du mich verarschen?«, fahre ich sie entsetzt an. »Sitzt dein Vater – der Richter – etwa mit seinen Kumpels von der Staatsanwaltschaft im Hintergrund und wartet auf meine Zustimmung, dass ich mich prostituieren will?«
»Du denkst wirklich, dass alle Menschen, die für den Staat arbeiten, sauber sind, oder?« Sie lacht spöttisch. »Also, was ist? Bist du bereit, etwas dafür zu tun, um deine Lage zu verbessern, oder bist du zu stolz dafür und schmeißt dein Leben lieber weg?«
»Du meinst das ernst«, murmele ich fassungslos vor mich hin, als mir bewusst wird, dass ihr Vorschlag tatsächlich ist, meinen Körper zu verkaufen. »Woher weißt du überhaupt, dass er seine Frauen bezahlt? Geht er zu Nutten, oder was?«
»Keine Professionellen, die sind ihm zuwider«, erklärt sie ganz locker. »Nur Frauen, die anständig sind, aber dringend Geld benötigen. Er will keine, die das schon einmal gemacht hat.«
»Woher weißt du davon?«
»Ich habe ihn letztes Jahr auf einer Anwaltskanzleifeier getroffen, auf die ich meinen Vater begleitet habe. Er ist dort der vermögendste Mandant. Als ihn eine Bekannte von mir gefragt hat, ob sie sich später zusammen ein Hotelzimmer nehmen wollen, wollte er wissen, wie viel sie kostet.«
What the fuck? Meine Antwort darauf wäre ein besonders harter Schlag in die Weichteile gewesen.
»Er wollte sie nicht kostenlos«, spricht sie gelassen weiter, als würde sie über das Wetter plaudern. »Er meinte, er würde ausschließlich für seine Frauen bezahlen und das über einen längeren Zeitraum, je nachdem, wie lange er Lust auf sie hat. Er ist diskret und ungefährlich, mach dir keine Sorgen. Außerdem ist er ein guter Fick.«
Ich blinzele überrumpelt. »Warte, sie hat …?«
»Jep.«
»Obwohl sie das Geld nicht brauchte?«, frage ich fassungslos.
»Jep. Er sieht eben gut aus.«
Ich fange an zu lachen. »Wie gut kann ein Mann aussehen, dass man sich freiwillig zur Hure macht, obwohl man keinerlei Grund dazu hat?«
»Du wirst es verstehen, wenn du ihn triffst«, meint sie entspannt. »Lass dich nicht von seiner Art abschrecken, er ist … sagen wir, schwierig. Ein Arschloch halt, aber ein reiches Arschloch.«
Ich sitze mit offenem Mund da und starre reglos an die Wand.
Da ist sie, die Chance, auf die ich in den letzten Monaten so verzweifelt gewartet habe. Wie viele Gebete habe ich gesprochen, damit Gott mir irgendeinen Hoffnungsschimmer schickt, an dem ich mich festklammern kann? Ich habe mir und ihm geschworen, alles zu tun, was nötig ist, um mich aus dieser Scheiße zu retten, da ich eine Kämpferin bin und niemand, der einfach aufgibt.
Aber so etwas habe ich niemals in Betracht gezogen.
Mich zur Hure zu machen.
»Überleg es dir«, meint sie ernst. »Das ist deine einzige Chance. Erklär ihm deine Situation und hoff darauf, dass er genügend Lust hat, dich zu ficken, um eine Lösung dafür zu finden.«
»Sara, ich weiß nicht …«
»Er kann dich ganz offiziell einstellen.«
»Als Hure?«, schießt es teils empört, teils belustigt aus mir hervor.
»Nein, du dumme Gans. Als Angestellte in seiner Firma, um den Schein zu wahren. Er überweist dir wöchentlich Gehalt und gibt dir den Rest bar auf die Hand. So irgendwie könnte es funktionieren, dann hättest du auch einen Nachweis fürs Gericht.«
»Sara«, murmele ich eindringlich. »Was, wenn das rauskommt?«
»Wird es nicht«, beruhigt sie mich. »Vertrau darauf oder warte auf dein Schicksal.«
Ich kann nicht warten, ich muss es selbst in die Hand nehmen.
»Warum denkst du überhaupt, dass er sich mit mir treffen würde?«, will ich gedankenverloren wissen, während ich innerlich abwäge, ob ich dafür wohl in die Hölle kommen oder Gott ein Auge zudrücken würde, weil mir keine andere Wahl blieb.
Es wird wohl doch eher die Hölle werden.
»Weil ich ihn gefragt habe«, eröffnet sie mir und schockiert mich damit zutiefst. »Ich bin gerade auf einem Abendessen und er ist auch hier. Als wir kurz allein waren, habe ich ihn diskret gefragt, ob er Interesse daran hätte, einer hübschen Freundin auszuhelfen, die Geld bräuchte, und er meinte, du sollst ihn morgen um sieben Uhr im La Rivera treffen. In der Bar.«
»In einem Hotel.« Ich beiße mir nervös auf die Lippe. In mir herrscht ein wahres Gefühlschaos. »Und dann soll ich mit ihm gegen Bezahlung ficken.«
»Er ist kein Perverser, Alli, und es ist nur Sex«, seufzt sie genervt. »Stell dich nicht so an. Du vögelst ein paar Mal mit einem attraktiven Mann und bekommst etwas dafür. Sieh es einfach so. Ist dasselbe, als würde er dir teure Geschenke machen, nur gibt er dir das Geld eben bar auf die Hand.«
Ich schweige.
Dann starre ich auf die vielen Rechnungen, den Gerichtsbeschluss, sehe mich in meiner geliebten Wohnung um und freunde mich mit dem Gedanken an, in der Hölle zu schmoren.
»Ich gehe hin«, sage ich entschlossen und schließe resigniert die Augen. »Danke, Sara.«
»Bedank dich nicht. Ist schließlich keine Rittertat, die ich hier vollbringe.«
Da hat sie wohl recht. Aber dieser Abgrund klingt verlockender als der, der mich erwartet, wenn ich den Vorschlag ablehne.
Allison
So nervös war ich noch nie. Ich stehe in meinem besten Kleid und den höchsten Absätzen vor einem renommierten Hotel, in dessen Bar ich einen Mann treffen soll, der Frauen für Sex bezahlt, und den ich noch nie zuvor gesehen habe. Er könnte ein Serienkiller sein und ich würde freiwillig in seine Falle laufen.
Er könnte aber auch eine Chance sein, mich aus meiner jetzigen Falle zu befreien.
Ich betrete auf weichen Knien die Hotellobby und visiere einen der Fahrstühle an. Als ich hinter verschlossenen Türen stehe und den Knopf für die Bar-Etage betätige, wird mir flau im Magen, doch ich schlucke die ansteigende Übelkeit einfach hinunter und werfe einen prüfenden Blick in den Spiegel.
Ich muss ihm gefallen und weiß nicht einmal, welche Vorlieben er bei Frauen hat. Mag er helles oder dunkles Haar? Mag er sie dünn oder kurvig? Steht er eher auf südländische Frauen mit Akzent oder blasse Engländerinnen mit Sommersprossen? Wird ihm mein aufreizendes Kleid gefallen, das eine Spur zu viel preisgibt, oder wird er mich für eine billige Nutte halten, da er es nach außen hin konservativ und unschuldig bevorzugt?
Fuck. Ich übergebe mich gleich vor Nervosität.
Der Fahrstuhl gibt ein Ping von sich und ich steige aus, um zum Empfangspult zu gehen. Ein Oberkellner in schwarzem Anzug steht dahinter und begrüßt mich mit einem freundlichen Lächeln. Wüsste er, warum ich hier bin, wäre sein Blick nicht halb so einladend.
Scheißegal. Ich bin keine Hure und tue nur, was nötig ist, um zu überleben. Das macht mich nicht automatisch zu einem schlechten Menschen.
Rede ich mir ein.
»Es müsste ein Tisch reserviert sein«, erkläre ich ihm bemüht gelassen und lächele. »Der Name meines Bekannten ist Tayron Sullivan.«
»Ah, Mr. Sullivan«, schießt es erfreut aus ihm hervor und er umrundet plötzlich noch viel höflicher das Pult, um mich in die Bar zu begleiten. Währenddessen hilft er mir wortlos aus dem Mantel und hängt ihn sich über den Arm. »Ihr Begleiter ist schon anwesend, Miss. Ich führe Sie zum Tisch.«
»Danke«, murmele ich und schlucke schwer, als ich mich in der Bar umsehe. Sie ist ziemlich gut besucht, ich sehe nur Männer und Frauen in schicken Anzügen und Kleidern. Eindeutig die Oberschicht von Chicago, der ich nicht angehöre.
Bitte lass ihn nicht hässlich sein, bete ich innerlich, während meine Schritte immer unsicherer werden. Lass ihn nicht stinken oder faule Zähne haben. Nur weil Sara der Ansicht ist, dass er gut aussieht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das stimmt. Sie könnte gelogen haben, um mich zu dem Treffen zu überreden.
»Hier vorne«, reißt mich der Kellner aus den Gedanken und zeigt auf einen Tisch ganz in der Ecke des Raumes, der nur von schwachen Spots an der Decke beleuchtet wird. »Mr. Sullivan telefoniert auf dem Balkon. Nehmen Sie schon einmal Platz.«
Ich nicke nur und sehe mich unbehaglich um. Die Bar ist eigentlich sehr schön. Die Atmosphäre ist perfekt geeignet für ein erstes Date oder ein lockeres Geschäftsessen. Leise Musik spielt im Hintergrund und mischt sich mit dem Stimmengewirr der Leute, sodass die Sorge, jemand könnte uns belauschen, unwillkürlich von mir abfällt. Außerdem ist es der abgelegenste Tisch, der ein paar Meter entfernt von allen anderen steht, auf den er gezeigt hat.
»Einen schönen Abend wünsche ich.«
Ich lächele und sehe dabei bestimmt wie ein geschlagener Hundewelpe aus. »Danke.«
Kaum lässt er mich allein, drehe ich mich um, um hysterisch kreischend wegzulaufen. Doch dann rufe ich mir Saras Worte in Erinnerung und schließe für einen Moment die Augen, um mich zu sammeln. Das Selbstbewusstsein, das ich sonst an den Tag lege, verlässt mich immer in den ungünstigsten Momenten und dieser hier ist einer davon. Üblicherweise habe ich nicht mit Aufregung oder Übelkeit zu kämpfen, geschweige denn bin ich so dermaßen nervös, dass ich an den Händen zittere. Oder dass mir mein Herz bis zum Hals hinauf schlägt.
Aber das hier ist die absolute Ausnahmesituation, in der ich mich vermutlich – und hoffentlich – nie wieder befinden werde.
Mit all dem Mut, den ich zusammenkratzen kann, straffe ich meine Schultern und marschiere auf den hohen Schuhen zum Tisch. Ich wähle den Stuhl, der einen Blick zur Wand hat, damit mich niemand aus der Bar von vorne sehen kann, und lege meine Tasche auf meinen Schoß.
Dann warte ich mit Herzrasen darauf, dass jemand den Platz mir gegenüber einnimmt, während ich mein schwarzes Cocktailkleid zurechtschiebe und mein langes schwarzes Haar über die Schultern streiche. Ich trage bloß roten Lippenstift und Mascara, da das Kleid schon ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil der Ausschnitt obszön tief ist. Möglicherweise habe ich etwas zu viel Parfum aufgetragen, da ich es normalerweise nicht an mir rieche. Jetzt allerdings hängt es in der Luft und benebelt meinen Kopf.
Plötzlich wird der Stuhl mir gegenüber besetzt.
Ich blinzele mehrmals wie überfahren, während ich den Mann anstarre, der gelassener und selbstbewusster nicht wirken könnte, als täte er so etwas hier ziemlich oft.
Sein Aussehen überrumpelt mich jedoch viel mehr.
Sara hat nicht gelogen, als sie ihn als attraktiven Mann beschrieben hat. Er sieht beinahe einschüchternd schön aus.
Ist das hier vielleicht ein beschissener Scherz? So ein Mann bezahlt doch niemals für eine Frau!
»Was darf ich Ihnen bringen?«, reißt mich eine Kellnerin von seinem Anblick los und ich sehe etwas benommen zu ihr auf. Ihr entgeht scheinbar auch nicht, dass mein Gegenüber überwältigend gut aussieht, da ihre Augen ausnahmslos auf den Mann gerichtet sind, der immer noch mich anstarrt. »Das Übliche, Sir?«
Als er den Blick endlich von mir abwendet, sieht er ausdruckslos zu ihr auf. Da liegt kein Anzeichen von Freundlichkeit in seinem Blick, als er mit markerschütternd tiefer Stimme ordert: »Blended Whisky ohne Eis. Drei Finger breit.« Als der Blick der Kellnerin auf mich fällt, fügt er hinzu: »Für meine Begleitung dasselbe.«
Kaum verlässt sie unseren Tisch, runzele ich die Stirn und sehe den Mann mir gegenüber ehrfürchtig an. »Ich trinke eigentlich keinen harten Alkohol …« Meine Stimme klingt merkwürdig schüchtern und belegt.
Tayron Sullivan starrt mich an. Seine bernsteinfarbenen Augen sind so hart wie seine kantigen Gesichtszüge. Er lächelt nicht, schmunzelt nicht, und wirkt nicht einmal so, als hätte er Gefühle, während sein Blick wie in Zeitlupe über mich schweift, als würde er erst einmal jedes Detail von mir in Augenschein nehmen wollen, bevor er sich dazu herablässt, mit mir zu sprechen. Es ist unmöglich, zu erraten, was er denkt. Er könnte mich potthässlich finden und ich würde es nicht erfahren, da sich kein einziger Muskel in seinem Gesicht regt.
Als er fertig mit seiner prüfenden Musterung ist, sieht er wieder in meine Augen auf. Sein Blick ist so intensiv, dass mich mehrere kleine Blitze durchfahren. »Dann fängst du heute damit an.«
Herrje, seine Stimme … Noch nie habe ich einen Mann kennengelernt, der eine gleichermaßen autoritäre wie harte Stimme hat, deren tiefes und kraftvolles Timbre jeden Lärm durchbrechen könnte. Sie verrät ebenfalls nichts über seine Gefühle.
»Na gut«, antworte ich und versuche es mit einem Lächeln, welches er nicht erwidert.
Ich beäuge ehrfürchtig seine breiten Schultern, die in dem schwarzen Hemd göttlich zur Geltung kommen, und betrachte danach seine vollen Lippen, die wie gemeißelt aussehen. Er hat schwere Brauen und einen leichten Dreitagebart, sein dunkles Haar trägt er zurück gekämmt. Er wirkt wie ein Geschäftsmann, mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte. Alles an ihm strahlt Überlegenheit und Macht aus. Sogar die Art, wie er sitzt, wirkt einschüchternd. Breitbeinig und mit gestrafften Schultern, die kräftigen Arme vor der Brust verschränkt.
»Wie heißt du?«, will er schließlich wissen, seine Augen ruhen immer noch fest auf meinen.
»Alli.«
»Ich habe gefragt, wie du heißt – nicht wie dich deine Freunde nennen«, äußert er tonlos.
Ich blinzele verwirrt. »Ich heiße Allison.«
Er nickt nur. Sein Blick fällt auf mein tief ausgeschnittenes Dekolleté und das nicht einmal unauffällig. Er setzt es in Flammen, so heiß brennen sich seine Augen auf meine Haut. »Du bist eine Freundin der Richtertochter?«
Ich nicke. »Seit Schulzeiten.«
Wir bekommen unsere Drinks serviert und ich wundere mich nicht, als er sie wortlos entgegennimmt und sich weder bedankt noch die Angestellte überhaupt ansieht. Irgendwie bin ich mir jetzt schon sicher, dass dieser Mann niemals freundlich oder sanft im Umgang mit Menschen ist. Das ist das Einzige, das ich an ihm durchschauen kann. Er wirkt nicht nur hart und unnachgiebig, er ist es auch.
»Danke, dass Sie sich mit mir treffen«, sage ich schließlich aufrichtig und nehme mein Glas in die Hand. Als er wortlos einen Schluck von seinem nimmt, tue ich es ihm gleich. Der Whisky verätzt meinen Rachen und ich huste unwillkürlich. »Ziemlich starkes Zeug.«
»Ziemlich.« Er mustert mich wieder und dieses Mal liegt ein Funkeln in seinen hell leuchtenden Augen, das ich nicht zu deuten vermag. »Warum treffen wir uns, Allison?«
»Wie meinen Sie das?«, frage ich nervös und sehe mich unsicher in der vollen Bar um. »Ich dachte, das wäre klar …«
»Ist es auch.« Er stützt sich mit den kräftigen Unterarmen am Tisch ab und kommt mir etwas näher, als er mich eindringlich ansieht und verlangt: »Erzähl mir von dir.«
»Okay, also …«, ich räuspere mich, »zu aller erst – ich bevorzuge Alli.«
Er nickt, als würde er das zur Kenntnis nehmen, und erklärt währenddessen entschieden: »Ich bevorzuge Allison.«
Ich runzele die Stirn, irritiert von seiner unzulänglichen Art, beschließe jedoch, sein Verhalten zu ignorieren. Außerdem ist er zu nett anzusehen, als mit ihm einen Streit anzufangen, weil er unhöflich ist. Sobald er den Mund geschlossen hat, wirkt er wie der perfekte Mann und könnte glatt als Gentleman durchgehen.
»Ich habe zurzeit keinen Job, weil ich meinen alten verloren habe«, fahre ich fort und halte seinem intensiven Blick stand. Mehr will ich ihm nicht erzählen, es geht ihn nichts an. »Also brauche ich Geld.«
»Das ist nicht der einzige Grund«, presst er mit rauer Stimme hervor. Seine Augen verengen sich. »Und nicht alles, was ich wissen wollte. Also mach den Mund auf und fang an zu reden, Allison.«
Ich zucke zurück.
»Sonst ist dieses Treffen sinnlos«, erklärt er mit einer hochgezogenen Augenbraue. Es wirkt, als würde er mich herausfordern oder testen wollen, um zu sehen, wie ich bin oder auf seine kühle Art reagiere. »Ich mache das nicht mit jeder Frau. Ich wähle sie sorgfältig aus. Wenn du also nicht den Mund öffnest und mir etwas über dich erzählst, werde ich ablehnen.«
»Ablehnen?«, echoe ich verdattert. »Äh, okay … Ich dachte nicht, dass ich Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen muss. Schließlich wollen Sie mich nur vögeln und nicht heiraten.«
Das erste Mal regt sich etwas in seinem harten und zugleich schönen Gesicht. Sein rechter Mundwinkel wandert kaum merklich in die Höhe, als würden ihn meine unverblümten Worte amüsieren, doch er sagt nichts darauf und lächelt auch nicht richtig.
Ich nehme einen großen Schluck vom Whisky und lehne mich bemüht selbstbewusst an den Tisch an. »Ich denke, wir sollten erst besprechen, wie es … ablaufen würde, bevor ich Ihnen meine dunkelsten Geheimnisse verrate.« Ich lächele keck.
»Wie du willst«, räumt er schließlich ein und nippt an seinem Whisky. »Ich würde dich für den Zeitraum, in dem du mir zur Vergnügung stehst, bezahlen. Du kannst dir aussuchen, wie das geschehen soll – bei Bedarf melde ich dich in einer meiner Firmenniederlassungen an, um offizielle Gehaltsschecks ausstellen zu können. Wie oft und über welchen Zeitraum ich dich haben will, entscheide ich später. Wofür ich dich haben will, ist ausschließlich Sex. Wir treffen uns, ich ficke dich, und dann gehen wir getrennte Wege, bis ich dich wieder in ein Hotelzimmer bestelle.«
Meine Brust zieht sich krampfhaft zusammen, da er darüber spricht, als wäre es absolut nichts Besonderes, dass ich ihm meinen Körper zur Verfügung stellen soll. Als wäre ich eine Ware, die er bestellt und kauft, und dann nach Bedarf benutzt, bevor er sie irgendwann wegschmeißt. So schön er auch ist, so hässlich ist das, was aus seinem Mund kommt – oder eher wie.
Gefühllos.
»Von wie viel Geld sprechen wir hier?«, will ich trotzdem wissen.
Er sieht mich ausdruckslos an. »Wie viel Geld brauchst du denn?«
Die Frage überrumpelt mich etwas, daher zögere ich erst, bevor ich beschämt sage: »Mehr als Sie mir geben würden.« Als er die Augenbrauen zusammenzieht, füge ich leise hinzu: »Ich glaube nicht, dass wir uns in diesem Bereich bewegen, aber jeder Dollar hilft mir, von dem her …«
»Lass das meine Entscheidung sein, wie viel du mir wert bist«, meint er tonlos, als wäre ich ein verdammter Gebrauchsgegenstand, und lehnt sich mit dem Glas an seinen Lippen zurück. Er dreht es zwischen seinen Finger und mustert mich erneut flüchtig, bevor er beschließt: »Ich will dich erst einmal sehen, dann vereinbaren wir einen Preis.«
»Sehen?«, frage ich verwirrt. Sieht er mich denn gerade nicht?
Er nickt entschieden. »Nackt.«
Ich blinzele überrumpelt und spüre, wie meine Wangen erröten. »Also beurteilen Sie nach meinem Körper, wie viel ich Ihnen wert bin?«
Seine bernsteinfarbenen Augen verhärten sich. »Wonach sonst? Ich bezahle schließlich nur dafür.«
1:0 für ihn, trotzdem finde ich die Aussage unverschämt und erniedrigend. All das hier ist erniedrigend.
»Wir bewegen uns im vierstelligen Bereich«, lässt er mich wissen, als er meine Abneigung sieht, woraufhin ich unwillkürlich aufhorche und ihn freundlicher ansehe.
Er lächelt, als wüsste er genau, dass jeder käuflich ist, ganz gleich wie sehr man sich dagegen wehrt. Ihm ist scheißegal, wie er sich mir gegenüber verhält, weil er genau weiß, dass ich darüber hinwegsehe, dass er ein unfreundliches Arschloch ist, weil ich etwas von ihm brauche.
Sein Money.
»Pro …?«
»Treffen.«
Ich weite meine Augen, mein Herzschlag verdoppelt sich. »Das bedeutet, wenn wir uns einmal wöchentlich treffen und -«
»Es wäre öfter«, unterbricht er mich unhöflich und klingt dabei fest entschlossen. »Ich erwarte, dass du flexibel bist – in jeglicher Hinsicht.«
Okay … Diese Aussage ist ziemlich unmissverständlich. Sofort frage ich mich, was er wohl mit mir anstellen wollen könnte und ob er auf perversen Scheiß wie Auspeitschen steht. Wenn das der Fall ist, bin ich definitiv raus. Alles hat Grenzen und auch, wenn meine scheinbar fragwürdig sind, wäre das ein absolutes No-Go für mich.
Trotzdem reizt mich die Vorstellung, für jedes einzelne Treffen mit einer vierstelligen Summe entschädigt zu werden. Ich nenne es lieber so, da der Begriff passender ist. Sollten wir uns also zweimal wöchentlich treffen – wobei es auch öfter sein könnte – und er mich mit eintausend Dollar pro Treffen entschädigen würde – wobei es auch mehr sein könnte –, hätte ich davon allein schon achttausend Dollar im Monat.
Achtfuckingtausend Dollar!
Ich könnte demnach Geld für den Zeitraum nach Beendigung unseres Arrangements beiseitelegen, um die Raten weiterhin zu begleichen.
Ich könnte den Preis auch nach oben treiben, wenn ich mit guten Argumenten verhandle. Scheinbar ist er ebenfalls flexibel.
»Okay«, willige ich schließlich ein und nicke, während ich ihm fest in die Augen sehe. »Dann sprechen wir später über den genauen Preis.«
»In Ordnung.« Er wirkt zufrieden. »Bräuchtest du eine Scheinanstellung in meiner Firma?«
Ich presse die Lippen aufeinander und nicke. »Ich muss das Geld offiziell verdienen, zumindest einen Teil davon, weil ich es nicht behalte. Ich will mir ersparen, dass jemand der Herkunft nachgeht.«
Er nickt gelassen, woraufhin ich innerlich erleichtert aufatme. »Das ist kein Problem. Ich kümmere mich darum.«
»Könnte ich das Geld wöchentlich auf mein Konto bekommen?«
»Wenn es das ist, was du willst.«
»Das wäre toll«, murmele ich und spiele mit dem Glas in meiner Hand. Mich räuspernd sehe ich zu ihm auf und zögere, doch dann frage ich unverhohlen: »Stehen Sie auf perversen Scheiß?«
Als er anfängt zu lachen, fange ich automatisch ebenfalls an zu kichern. Er wirkt mit einem Mal viel weniger einschüchternd und arrogant. Kleine Fältchen bilden sich um seine strahlenden Augen und seine Lippen verziehen sich sinnlich, während diese tiefen Laute seine Kehle emporsteigen. Er lacht sehr leise, trotzdem spüre ich es bis in mein Inneres.
»Das kommt darauf an, was du unter perversem Scheiß verstehst«, meint er und wirkt ziemlich amüsiert, aber auch neugierig. »Normalerweise bespreche ich die Tabus erst, wenn ich eine Entscheidung getroffen habe.«
»Oh«, mache ich stirnrunzelnd. »Also könnte ich gleich zu Beginn sagen, wenn ich etwas Bestimmtes nicht möchte?«
»Natürlich.« Seine Augen sind weicher als vorhin, als er mich mustert. »Ich habe unterschiedliche Vorlieben, die dir vielleicht nicht alle zusagen werden. Ich passe mich dir an.«
»Was wäre denn zum Beispiel eine dieser Vorlieben?«, will ich nervös wissen.
Er lächelt. »Anal.«
Mir bleibt meine Spucke im Hals stecken und ich huste, während mein Kopf vor Hitze zu glühen beginnt.
»Keine deiner Vorlieben?«, fragt er wissend, und wirkt aufgrund meiner Reaktion amüsiert. Ich schüttele den Kopf, da ich das noch nie gemacht habe und auch nicht vorhabe, zu machen. »Ich bin mir sicher, es würde dir gefallen.«
»Tja … da wäre ich mir nicht so sicher«, halte ich entschieden dagegen und lächele peinlich berührt. »Ich stehe nicht sonderlich auf … extravagante Sachen.«
»Analsex ist für mich dasselbe wie Vaginalverkehr, daran ist nichts extravagant.« Seine Augen werden wieder etwas härter. »Wenn du nur auf Blümchensex stehst, brauchen wir diese Unterhaltung nicht weiter zu führen. Ich habe gerne und oft Sex, manchmal grenzwertig hart, und mag es nicht, wenn ich bei allem Rücksicht auf meine Partnerin nehmen muss. Auf perversen Scheiß, wie du es nanntest, stehe ich nicht, sofern du darunter extreme BDSM-Praktiken verstehst, aber gefesselt und gewürgt zu werden hat noch keiner Frau geschadet.«
Bei seinen Worten schlucke ich so trocken, dass es wehtut. Er ist ziemlich … direkt.
Dann nehme ich mich zusammen, da ich bemerke, ihn von mir abzuschrecken, indem ich so negativ auf seine Wünsche reagiere, und nicke einfach nur zustimmend. Ich werde es schon überleben, schließlich habe ich einen guten Anreiz dafür.
»Wie soll ich dieses Nicken deuten, Allison?«
»Dass ich einverstanden bin«, erkläre ich möglichst selbstsicher. »Es muss kein Blümchensex sein. Ich habe nichts dagegen, wenn es auch mal härter zugeht, solange alles in Grenzen geschieht.«
Seine Augen fixieren meine prüfend, als würde er abwägen, ob ich die Wahrheit sage, dann nickt er zufrieden und nimmt einen Schluck vom Whisky. Seine Lippen glänzen feucht und sein Duft steigt mir in die Nase, als er meinen eigenen in den Hintergrund drängt. Er riecht frisch, nach Seife und einem dezenten Eau de Cologne. Sehr männlich.
»Bevor wir nach oben in das Zimmer gehen, das ich reserviert habe, solltest du mir endlich etwas über dich erzählen«, presst er schließlich etwas ungeduldig hervor und wirkt mit einem Mal wieder so verdammt unfreundlich und arrogant.
Ich exe den Whisky und seufze leise. Als ich meinen Mund öffne, um zu antworten, lässt mich seine harte Stimme zusammenzucken.
»Wenn es dich jetzt schon nervt, meine Wünsche zu erfüllen, solltest du aufstehen und gehen, da du meine Zeit verschwendest. Mir etwas über dich zu erzählen, ist das Harmloseste, das ich von dir verlangen werde. Außerdem willst du etwas von mir, nicht ich von dir. Ich finde auch eine andere Frau, die ich gegen Bezahlung ficken kann.«
»Wow«, murmele ich fassungslos und schnaube. »Sind Sie immer so ein Arschloch oder nur bei Frauen in einer Notlage?«
»Beantworte einfach meine Fragen«, verlangt er verärgert. Er verschränkt die kräftigen Arme vor der Brust und starrt mich hart an. »Wie alt bist du?«
Seine Art geht mir mächtig gegen den Strich. Was denkt er eigentlich, wer er ist, dass er so mit mir umgehen kann? Nur weil ich pleite bin, muss er mich nicht minderwertig behandeln.
»Zweiundzwanzig«, erwidere ich kühl.
Er verengt seine Augen, wirkt unzufrieden. »Zu jung für meinen Geschmack.«
Ich sehe ihn unberührt an, schnappe mir meine Tasche und mache Anstalten, zu gehen. »Na dann, alles Gute noch.«
»Eigentlich zu jung für meinen Geschmack«, verbessert er sich ruhig.
Ich halte inne und sehe ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
»Bleib.« Er deutet auf meinen Stuhl, von dem ich aufgestanden bin. »Ich habe nicht behauptet, dass mich dein Alter stört, nur dass ich grundsätzlich ältere Frauen bevorzuge.«
Widerwillig lasse ich mich zurück auf den Stuhl sinken und lege meine Tasche auf meinen Schoß. »Wie alt sind die Frauen, die Sie gegen Bezahlung vögeln, denn sonst so?«
»Ende Zwanzig«, meint er ohne nachzudenken. »Jung bedeutet unerfahren und unerfahren passt nicht zu mir.«
»Das Alter sagt nichts über Reife und Erfahrenheit aus«, kontere ich entschlossen. »Wie alt sind Sie denn?«
»Fünfunddreißig.«
Ich blinzele überrascht. Er wirkt jünger, obwohl er so autoritär und unnahbar ist, aber sein Alter gefällt mir. Er ist in seinen besten Jahren und noch nicht so alt, dass es ekelhaft wäre, als Zweiundzwanzigjährige mit ihm ins Bett zu steigen.
Mit ihm könnte es so oder so nie ekelhaft sein. Er ist gepflegt, attraktiv und wortgewandt. An den Blicken der Frauen in der Bar bemerke ich, wie gerne sie mit mir tauschen würden. Aber nur, weil sie es nicht besser wissen. Mit mir will bestimmt niemand freiwillig tauschen.
»Nenn mir den Grund, warum du das hier tust«, verlangt er erneut. Seine breiten Schultern verspannen sich merklich, als ich den Kopf schüttele. »Allison.« Mein Name klingt wie eine Drohung aus seinem Mund. Er beugt sich über die Tischplatte und sieht mit seinen leuchtenden Augen direkt in meine Seele, als er leise, aber bestimmt, sagt: »Wir spielen hier keine Spielchen. Wenn ich etwas von dir verlange, tust du es, so einfach ist das. Du bekommst im Gegenzug auch etwas dafür.«
»Ach, das steht schon fest?«, reize ich ihn falsch lächelnd. »Dachte, Sie würden sich erst später entscheiden, ob ich ein passendes Fickobjekt für Sie bin.«
Seine Augen verdunkeln sich. Es ärgert ihn scheinbar, dass ich frech bin und nicht sofort tue, was er will, demnach muss er es gewohnt sein, zu dominieren. Vermutlich in seinem Job sowie Privatleben. »Nenn mir den Grund«, verlangt er wieder, seine Stimme klingt unnachgiebig und rau.
»Das geht Sie nichts an«, sage ich entschlossen und zucke entschuldigend mit den Schultern. »Ich denke, es wäre das Beste, wenn wir private Dinge für uns behalten, da dies so etwas wie eine Geschäftsbeziehung ist. Mehr als unsere Namen und Nummern müssen wir demnach nicht austauschen.