Summa Summarum - Sandy Jud - E-Book

Summa Summarum E-Book

Sandy Jud

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Beschreibung

Summa Summarum, also alles zusammen, unter dem Strich, die Summe aller Dinge - genau das ist dieses Buch. Geschichten von früher, Geschichten von heute, Geschichten für morgen über den Alltag, das uns allen Bekannte und doch auch über das stets Sonderbare, welches uns alle begleitet. Dieses Buch ist die Summe aus sieben Jahren Schreiblust. Es ist eine Zwischenbilanz, eine Zusammenfassung der vier kleinen "Spitze Feder"-Bücher... und noch ein paar Geschichten obendrauf.

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Seitenzahl: 299

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Hui, wiä doch diä Ziit vergaht!

Zur Autorin

Sandy Jud wurde 1982 am Zürichsee geboren, wo sie auch heute noch lebt. Sie hat schon viel ausprobiert in ihrem Leben. Gestartet als Drogistin, war sie u.a. als Koordinatorin für Telefonbücher zuständig, plante Photovoltaikanlagen, verkaufte Backwaren und Gemüse und arbeitete auf verschiedenen Baustellen in der Deutsch- und Westschweiz.

Heute malt sie nebst Wimmelbildern auch grosse Acrylgemälde, illustriert Kinderbücher und schreibt leidenschaftlich gerne Kolumnen und Kurzgeschichten über alltäglich Sonderbares.

„Summa Summarum“ ist das Ergebnis aus sieben Jahren purer Schreiblust.

Mehr zu Sandy findest du unter:www.sanjustar.com

Wo isch was?

Air-to-Fakie, Backflip Doublecrab oder doch McTwist?

Wegwerfgesellschaft oder welchen Wert hat die Welt?

Emanzipation ist, um etwas zu kämpfen, das man auch umsonst haben könnte

Leserbrief

Ungeschriebene Gesetze

Der Ursprung allen Übels

Vieles kann ich ganz schlecht sogar ziemlich gut

Das Leben ist kein Böllelibad…

Bikinifigur vs. Badehosenschreck

Old man my ass

Zauberwort

Spiäntzlä

De Gschiider git naa…

Piepts bei dir?

Jetzt häts mer grad abglöscht…

Jugendschutz olé!

Vom Loslassen und Behalten

Who the F**** is Abdul?

Sirenen in der Nacht

Sexis… hä??? Sexismus! Aha…

Von A wie Arithmetik bis Z wie Zündkerze

Im guten Glauben

Sommer17

Pelz macht eure hässlichen Visagen auch nicht hübscher im Fall…

Der Kissen-Mann

Sag mal, hast du ne Macke?

Ab ins nächste Level

Ein Freund, ein guter Freund

Superman

Trends, Trends, Trends

Von Ouwärniiiiiis und laaangen Snakes

Alli Billet bitte!

Peinlich Peinlich!

Von alternativen Methoden und Stimmen im Kopf

Von rosa Mützen und Protestm-ärschen

Isch da no frei?

Strohballen, Swiss Quality

Safety first

Immer gschmeidig bliibe min Schatz…

Keine Zeit für Sandy

Täsche welle?

Augen auf!

Es war einmal…

Oh, hallo Sommer, du bist da…

So eine Sauerei!

Von A wie Annekäthi zu Z wie Zaccharia

Hör doch mal zu!

Nervnervnervnerv

Kleine Frage am Rande…

Danke für die Orga Leute!

Wer bist du?

Von Bitches und anderem coolen Stuff

Etienne & Marie

Digital Detox

Wer hat an der Uhr gedreht?

The Bucket List

Echt nicht mein Tag heute!

Sag, sprichst du Deutsch?

Brüderchen komm tanz’ mit mir…

Faszinierend, nicht?

Von Jodlerradios und Sunneski

Nenn das Kind beim Namen

Das Zauberwort heisst Toleranz Leute!

Boah, bruche fett Bruntzis du Bitch

Wie chlilililili isch doch diä Wält

Wenn Funken fliegen

Kleine Wunder überall

Das Etiekettengirl

Black Friday

Sammelst du auch?

Gerade mal eben schief gewickelt

Von guten Vorsätzen & anderen leeren Versprechungen

Es ist dann mal weg…

Ein Herz für Tiere

Im Gleichgewicht

Wänni denn mal gross bin…

Daddy cool

Frau Untermtisch

The incredible Hulk i mir

Luzern und 3 sind beide grün – tschäggsch?

Sag, kennst du das Gefühl?

Kleiderwechsel

Von roter Unterwäsche, Austern und Ruten klopfen

Von WTF, LOL und OMG

Wechsel der Blickrichtung

Free Hugs

Irgendetwas bleibt

Es gibt immer was zu tun…

We Blätter gheie

Es liegt was in der Luft…

1000 Küsse

Sie haben Ihr Ziel erreicht

Der Wägeli-Krampf-Kampf

Das erste halbe Jahr hätten wir hinter uns

Inside empty, sorry gäh

Von Ursache und Wirkung

Mehr Gummibänder braucht die Welt!

Hyggst du schon?

Reset

Die 7 Phasen des Strandlebens

Ich bin zwar kein Star, aber holt mich trotzdem hier raus!

Die Krims-Krams-Schublade

Sandy wird die Gruppe verlassen

Schau mir in die Augen Kleiner

Sommer, Sonne, Strampizeit!

Die Gegenwart hat angerufen…

Luxusleben

Mödeli und so…

Diese verfluchte ominöse Lampe

Die Eier legende Wollmilchsau

Der, die, das…

Ich wünsch Dir noch ein schönes Leben

Tschäse Bäse und herzlich willkommen!

Hallo und schön, dich zu sehen. Ja, hui, wie doch die Zeit vergeht! 2016 habe ich mich entschieden, meinen schnöden Vollzeit-Bürojob an den Nagel zu hängen, um meine Tage mit Dingen zu füllen, die mir Spass bereiten. Mein knackiges Ziel war es, vom Schreiben, Malen und (damals noch) Schminken leben zu können. Nicht fürstlich, aber immerhin.

Und so habe ich die Sanju Star GmbH gegründet. Damals noch unter dem eingängigen Motto „Make-up, Kunst und Spitze Feder“, habe ich voller Elan einen Packen Visitenkarten drucken lassen und mich bei allen möglichen (und unmöglichen) zukünftigen Geschäftspartnern vorgestellt. Ich kann dir sagen - die ersten zehn Monate waren wirklich hart, denn keiner hat auf eine Tante gewartet, die ein bisschen Schminken, Schreiben und hübsch malen kann.

Ich habe also versucht, mich mittels Schminkaufträgen an Modeschauen, Misswahlen und Fotoshootings über Wasser zu halten, habe Bräute, Brautjungfern und gar Blumenmädchen geschminkt, habe mich bei Kinderbuch- und Geschenkkartenverlagen vorgestellt (und bin jedes Mal abgeblitzt), habe alte Herrschaften durch die Gegend kutschiert, nur um irgendwie an Geld zu kommen, habe im stillen Kämmerlein Kurzgeschichten geschrieben und oftmals hatte ich schlaflose Nächte.

Wie es aber im Leben so ist, geht immer mal wieder ein Türchen auf und eine Hand wäscht die andere. Dank offenen Augen und Ohren, bin ich dann ab und zu wieder auf einer Baustelle gelandet, habe u.a. an einem Empfang gearbeitet, der Geschäftsleitung Kaffee serviert, in einem Laden Beauty-Produkte an den Mann oder wohl eher an die Frau gebracht, habe Schminkunterricht, zuerst in einem angesagten Modeshop und Dekoladen, später dann an einem anerkannten Bildungszentrum geben können und mich journalistisch betätigt. Ich hatte nach hunderten von Absagen von Kinderbuchverlagen auch endlich mal eine Zusage erhalten und auf diese folgten weitere Angebote und Aufträge. Kurzum, die Miete und das Futter waren wieder gesichert.

Und nun sitze ich hier und kann es kaum glauben. Sieben Jahre sind seit der Gründung meiner Firma ins Land gezogen. Sieben Jahre voller Hoffnung, Geduld, en Siech voll Arbeit und Durchhaltewillen. Voller Fragen und auch voller Antworten.

Vieles hat sich seitdem gefügt, hat sich in seine ganz natürlichen Bahnen gelenkt und Form angenommen.

Vor sieben Jahren habe ich mir gewünscht, an meinem 40. Geburtstag vom Schreiben und Malen leben zu können und oftmals, dass weisst du selbst auch, schenkt einem das Leben Möglichkeiten, auch wenn diese ganz anders daherkommen, als man sie sich erträumt hat. Nun bin ich vierzig und kann tatsächlich vom Schreiben und Malen meinen Lebensunterhalt bestreiten. Nicht so, wie ich es mir damals vorgestellt habe, sondern ganz anders und irgendwie, man glaubt es kaum, viel, viel besser.

Dieses Buch soll ein kleiner Zwischenstopp sein auf meiner Reise, die vergangenen Jahre Revue passieren lassen und auch ein bisschen Abschluss einer bewegten Zeit darstellen.

Und so wünsche ich auch dir offene Augen, offene Ohren und ein offenes Herz. Ich wünsche dir viele tolle Geschichten und Ideen und den Mut, diese umzusetzen, den Durchhaltewillen, sollte es steinig werden und die Geduld, auf den Erfolg zu warten. Geniesse was du tust und verliere niemals das Ziel vor Augen.

Bis bald!

Deine Sandy

Air-to-Fakie, Backflip Doublecrab oder doch McTwist?

Hallo und schön, dass du hier bist Ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr geschlittert und hast genauso viele Ideen, Wünsche und Pläne wie ich im Gepäck.

Nun möchte ich dich gar nicht lange langweilen mit meinen vielen guten Vorsätzen, aber einer davon ist wieder mit dabei und den möchte ich dir nicht vorenthalten - mehr Sport! Nebst Nordic Walking, Velofahren, Boxen und Trampolin (und nein, keine Sorge, ich mache das also auch nicht alles regelmässig), habe ich mir vor kurzen einen Hoola Hopp Reifen zugelegt. Kennst du bestimmt noch aus deiner Kindheit, oder? Diesen grossen Reifen, den man mittels kreisenden Hüftbewegungen oben halten muss. Und allen bösen Stimmen zum Trotz, von wegen ich sei ein Körperklaus - ich kann es! An die vielen blauen Flecken auf meinen Bauch muss ich mich zwar erst noch gewöhnen (Inserat: Dieser spezielle Hoola Hopp Reifen massiert zusätzlich die Bauchmuskulatur mit seiner wellenartig geformten Innenseite), tut er, mein Freund, und ich sehe momentan aus, als hätte mich ein Velo überfahren, aber sei’s drum, ist ja nicht Badi-Zeit. Und so versuche ich, Woche für Woche meinen «Sport-Anforderungen» an mich selbst irgendwie gerecht zu werden…

Nun war ja der Vorsatz: mehr Sport (in welcher Form auch immer) und so setze nun auch ich mich vor die Glotze, wenn es heisst: Adelboden, Wengen, Hundschopf, Canadian Corner und Schlag-mich-tot-Abfahrt. Mit einem Ski-begeisterten Partner an deiner Seite wirst du ganz automatisch in diesen Sog mit hineingezogen und auch ich fiebere nun mit, wenn Kugelblitz und Odi am Start stehen.

Und dabei musst du wissen, dass ich bis vor fünf Jahren nicht mal deren Namen gekannt habe. Sport im TV war mir gänzlich zuwider. Ob nun Fussball, Leichtathletik, Skirennen oder was auch immer, der Finger flog nur so über die Fernbedienung und schaltete im Automatik-Modus auf einen anderen Kanal um.

Aber, sag niemals nie und es kann ja nicht schaden, wenn man seinen Horizont und seine Allgemeinbildung auch in diesem Themenbereich ein wenig erweitert.

Mittlerweile schaue ich Hockey, Fussball, Leichtathletik, jegliche Art von Skisport (ja, sogar Biathlon und Langlauf) und auch beim Sportpanorama bleibe ich stoisch sitzen. Bloss Tennis, das finde ich (sorry lieber Leser und Roger Federer-Fan da draussen) nach wie vor das Letzte und sowas von todlangweilig und ich nerve mich, wenn die nachfolgende Sendung verschoben wird und nochmals verschoben wird und schlussendlich dann ganz ausfällt, bloss weil die Kerlis so lange spielen… wenn Tennis im TV kommt, schnappe ich mir doch lieber ein Buch oder gehe Boxen. Also alles, was Recht ist, gäll.

Ski-Cross finde ich zum Beispiel noch ganz amüsant, besonders wenn sie aufeinander drauffahren und sich gegenseitig abschiessen. Ich bin auch voll dabei, wenn sie sich beim Hockey mal so richtig auf die Mütze geben. Schlegi, Schlegi! – haben wir früher in der Schule freudig gerufen, wenn zwei sich verkloppt haben. Bobfahren ist schon eher schwere Kost für mich (die fahren ja bloss diese Röhre runter), Skispringen ist ja irgendwie auch immer das Gleiche und beim Autorennen kann ich innert Minuten sanft einschlummern. Golf und Dart im Fernsehen finde ich irgendwie seltsam, liegt sicher daran, dass ich die Regeln nicht kenne, Billard spiele ich lieber selbst und Velorennen, oh jemine…

Den Snowboardern beim Halfpipe springen kann ich bloss eine Weile zusehen, denn dann beginnen mich diese merkwürdigen Ausdrücke zu nerven.

Ob Backflip, 180°C Tripple-was-auch-immer, oder einen Hangloose-Indy Nosebone, Corkscrew-Freakie-Loop – egal, sie nerven mich alle und ich muss dann ganz schnell auf Shopping Queen umschalten, sorry by the way.

Und auch wenn es schön anzusehen ist, wenn ein Schweizer auf dem Podest steht, und auch wenn es toll zu wissen ist, dass keiner neben der Piste gelandet ist und sich das Genick gebrochen hat und auch wenn es spannend ist, unsere «Jungs» und «Mädels» anzufeuern – irgendwann ist dann doch der Punkt erreicht, bei dem ich mich verabschieden muss und die Sportwelt, Sportwelt sein lasse.

Denn wie alles im Leben, macht das richtige Mass die Mischung aus und eine Überdosis liegt mir dann schwer im Magen.

Und so freue ich mich auf die Skiferien, darauf, selbst auf den Brettern zu stehen und den Hang hinunterzusausen, ich freue mich, wieder Velo zu fahren im Frühling und im Sommer mal wieder im See schwimmen zu gehen. Denn eigentlich ist es bei mir mit dem Sport wie bei allem im Leben. Es muss mir Spass machen und mich begeistern, ansonsten heisst es schnell einmal – Sandy Jud – DNF (Did not finish).

Wegwerfgesellschaft oder welchen Wert hat die Welt?

Spatz, ich war vor ein paar Tagen auf dem Nachhauseweg an einem RobiDog vorbeigekommen, kennst du? Den grünen Kasten für die Hunde-Häufchen, den es seit Menschengedenken zu geben scheint. Aber das bloss am Rande. Viel mehr hat mich das interessiert, was achtlos daneben lag. Ein Kickboard! Ist das denn die Möglichkeit?!!!

Und glaub jetzt nicht, das hat ein Kind da hingelegt und holt es dann auch wieder ab, nee, nee, mein Schatz, das liegt noch immer da. Das wurde weggeschmissen, fortgepfeffert, auf den Müll und tschüss und weg. Weil es keiner mehr braucht, kein Schwein es mehr haben will.

Und ich denke so bei mir: In was für einer dekadenten Gesellschaft wir doch leben. Wir haben alles und noch viel mehr. Wir nehmen es uns, benutzen es und schmeissen es wieder weg. So einfach ist das Leben. Als ich noch klein war, hatten die Dinge irgendwie mehr Wert. Das Velöli mussten wir abends im Rümli versorgen, damit es nicht abhandenkommt. War man rausgewachsen, hat man es Freunden mit kleineren Kindern geschenkt, die Freude daran hatten. War der Fernseher kaputt, haben wir ihn zum TV-Mech gebracht. Der hat ihn aufgeschraubt, geflickt und wieder heile gemacht. Und dann lief der wieder wie eine 1. Wenn der Kassettenrecorder flöten ging, hatte man vielleicht noch einen zweiten Alten, der nicht mehr lief. Man machte also aus zwei Kaputten immerhin wieder einen Ganzen. Veloreifen haben wir selbst geflickt mit dem kleinen coolen Flickset, das in allen Satteltaschen war. Ja, wir haben noch Sorge getragen zu unseren Dingen.

Und heute? Ich sehe Überschuss an allen Ecken und Enden. Ich sehe aber auch den Wunsch nach immer besseren, immer neueren Dingen. Teurerem und Schönerem.

Und dann muss auch ich mich wieder an der Nase nehmen. Noch eine Tasche? Schon wieder neue Schuhe? Echt jetzt? Die, die ich habe, sind doch noch ganz gut. Wir sollten wieder lernen, den Dingen ihren Wert anzuerkennen. Irgendjemand hat die gemacht (meist ja irgendwo im asiatischen Raum), wir sollten mehr Freude daran haben, sie mehr wertschätzen und wenn wir sie wirklich nicht mehr benötigen, weitergeben. An andere, die wiederum Freude haben werden.

Ich gehe seit geraumer Zeit einmal im Jahr an einen Flohmarkt. Alles, was ich nicht mehr haben möchte, zu klein, zu gross oder zu unbequem wurde, kommt mit. Viel Geld machst du damit nicht, aber die Freude der Menschen, die für sich etwas entdecken, ist eigentlich so viel schöner als jeder Franken im Sack. Wir sollten auch wieder lernen, Dinge zu teilen. Wir leben in einer Welt voll Überfluss und glauben dennoch, von allem noch mehr zu benötigen. Irrsinn, nicht?

Und so hat mich ein nicht mehr geliebtes Kickboard philosophieren lassen, darüber was ich habe, darüber was ich wirklich brauche und darüber, was ich mehr schätzen sollte.

Sag, welchen Wert hat denn die Welt, wenn wir so achtlos mit ihr und ihren Dingen umgehen?

Emanzipation ist, um etwas zu kämpfen, das man auch umsonst haben könnte

Hallo, schön, dass du da bist. Heute will ich mich mal ein bisschen kritischer äussern. Auf die Gefahr hin, dass mich alle Feministinnen nun verteufeln und mir wieder böse Mail schreiben, aber dieses ständige Gleichstellungsding hängt mir echt langsam zum Hals raus. Ganz ehrlich, ich möchte nicht Mann sein. Als Mann weiss man ja heute gar nicht mehr, wie man sich zu verhalten hat. Hält der Mann die Türe nicht auf, ist er ein Macho-Schnösel ohne Manieren, hält er sie auf, gelangt er sicherlich an eine Emanze, die ihm unterstellt, er glaube, sie sei zu schwach, dies selbst zu tun… Leute, egal wie‘s die Herren heute machen, es ist verkehrt. Ich wage mich hier mal in die Höhle des Löwen und schreibe ganz ehrlich: Ich freue mich über jeden Gentleman, der mir über den Weg läuft! Ich freue mich, wenn mir jemand die Türe aufhält, mich zum Kaffee einlädt, mir die schweren Tüten trägt und mir in den Mantel hilft! Das freut mich! Aber aufgepasst - alles freiwillig! Ich habe auch kein Problem damit, mein Essen selbst zu bezahlen oder dem Mann die Türe aufzuhalten. Sagen wir‘s mal so - ich bin da flexibel…

Und ehrlich liebe Frauen. Wenn wir ein bisschen nett zum anderen Geschlecht sind (bitte nicht falsch verstehen), vielleicht einmal mehr Danke sagen und mal nett lächeln (statt immer e sonen huere suure Stei z’zieh), geht vieles einfach von selbst. Auch die Männer freuen sich über Höflichkeit und Anstand. Ich sag’s ja: Emanzipation ist, um etwas zu kämpfen, das man (mit ein bisschen Nettigkeit) auch umsonst haben könnte.

Und wenn wir schon dabei sind, liebe Frauen in der Arbeitswelt da draussen. Ich habe auf Baustellen gearbeitet und weiss was es heisst, in einer Männer-Domäne als Frau zurecht zu kommen. Man muss sich weder als Mannsweib aufspielen noch die zerbrechliche Tussi spielen. Seid einfach Frau. Seid einfach NORMAL! Es funktioniert! Klar, leisten wir Frauen dasselbe wie die Männer, aber wir kosten den Arbeitgeber auch mehr. Ist so, sorry gäh. Und bei einer Schwangerschaftsübelkeit könnt ihr nach Hause gehen. Hat das ein Mann jemals gekonnt? Und bei Menstruationsbeschwerden soll FRAU ja in gewissen Ländern sogar der Arbeit fernbleiben dürfen. Und wo bleiben da die Rechte der Männer? Wo muss es bei denen denn bluten, damit die ausschlafen dürfen? Und wenn ihr schon unbedingt alle Rechte haben wollt, dann übernehmt bitte aber auch alle Pflichten. Dann schleppt die sauschweren Kästen Bier selbst nach Hause, montiert die neue Garderobe allein und hört endlich auf, euch ständig zu beklagen! Wer A sagt, muss auch B machen…

Geniesst euer Leben, eure Freiheit, geniesst die Vorzüge Frau zu sein, anstatt sich genau darüber zu beklagen! In unserem Land haben wir Frauen ja wohl alle Rechte, die man sich nur wünschen kann (dafür wurde damals hart gekämpft und ich finde das wirklich bewundernswert). Und nun kommt ihr, sprecht von fehlender Gleichberechtigung. Das hat schon eine Nase, gebe ich gerne zu, denn ins Militär müssen wir Frauen ja auch nicht (ich bin ja soooo froh darüber) und ein Jahr früher in Rente konnten wir lange Zeit auch (warum auch immer) und Männer können nun mal halt noch immer keine Kinder kriegen. Da könnt ihr Kopf stehen. Also hört auf, jedes Wort mit -/Innen abzuschliessen, bloss damit die Hardcorde-FeministINNEN nicht wieder ins TV sprinten, um Rabatz zu machen. Lasst die Ampel-Männchen, Ampel-MÄNNCHEN sein und macht nicht wieder Griitibänz-FRAUELI, denn die sehen einfach nur bescheuert aus und kosten 80 Rappen mehr. Es ist einfach bloss lächerlich, als ob wir sonst keine Sorgen hätten. Also seht es endlich ein. Wir werden niemals gleich sein. Und ganz ehrlich, wer will das schon!?! Als emanzipierte Frau von heute stehe ich ganz einfach drüber.

Und zum Schluss ihr lieben Leute, lasst uns endlich wieder Männer und Frauen sein. Mit allen Rechten und Pflichten, Vor- und Nachteilen. War schon immer so. Da kann ich nichts Verkehrtes daran erkennen. Seid ein wenig toleranter miteinander. Konnte ja schliesslich keiner wählen bei seiner Geburt, was er sein will. Vielleicht freut MANN sich über diesen Text, vielleicht regt FRAU sich darüber auf – sorry gäh. Mir egal. Macht was ihr wollt. Mich freut es auf alle Fälle, wenn mir das nächste Mal ein Mann die Türe aufhält.

Danke übrigens, sehr nett von Ihnen mein Herr!

Leserbrief

Hallo, schön, dass du da bist.

Ich habe mich neulich mit einer gängigen online-Tageszeitung auseinandergesetzt und dabei ist mir aufgefallen, dass ganz viele Leserbriefe mit Fantasienamen versehen sind. Kaum einer benutzt mehr seinen richtigen Namen. Da sind Kommentare von «Irgendwer» und «Unbekannt», dicht gefolgt von «Big K.» und «Der liebe Leser». Wenn das Niveau ganz tief ist, stehen da zum Beispiel solch lustige Mailadressen wie [email protected] oder [email protected] ja, alles schon mal gelesen, nette Menschen, nicht wahr?

Woran das wohl liegen mag? Vermutlich daran, dass man anonym ganz einfach öfters den Mut aufbringt, seine Meinung öffentlich kundzutun, seinen Ärger hinauszuschreien (oder alternativ einfach niederzuschreiben), als wenn man dies mit vollem Namen tun müsste? Ja mein Lieber, soweit sind wir bereits. Da liest man ja mitunter die dümmsten Statements und Kommentare, bei denen man sich ganz einfach an den Kopf fassen muss. Ob Beleidigungen oder einfach sinnloses Zeugs, der Tastatur (und der menschlichen Abgründe) sind keine Grenzen gesetzt und da ja alles anonym ist im Netz, kann man dafür auch nicht (oder nur ganz schwer) belangt, belächelt oder gar verurteilt werden, prima! Und weisst du was? Die schlimmsten Kommentare werden ja vor Veröffentlichung noch von der Redaktion ausgemistet, also sind gar nicht ersichtlich für die Allgemeinheit… bedenklich.

Aber man sieht dieses Phänomen ja auch auf den Strassen. Wenn mal wieder der Pöbel zum Randalieren (oder sie nennen es demonstrieren) um die Häuser zieht, seine Cocktails in die Runde schmeisst und Hassparolen schmettert, dann ist dieser auch vermummt, steht also nicht öffentlich zu seiner Meinung, seiner Wut und seinem Hass. Und auch hier wie immer im Kollektiv, denn gemeinsam sind wir stark.

Ist es nicht traurig zu wissen, dass unsere Mitmenschen zwar eine eigene Meinung vertreten (und das ist gut so!), sich aber nicht trauen, zu dieser zu stehen und dies mit einer gemässigten Wortwahl (und Anstand Leute, ANSTAND) zu tun? Eine Aussage bekommt nicht mehr Gewicht, wenn man sie mit Beschimpfungen spickt oder seinem Gegenüber ins Gesicht schreit.

Ist der gesellschaftliche Druck einer Demokratie (also einer Diktatur der Mehrheit) denn dermassen gross geworden, dass man diesem nicht standhalten kann und seine kleine Rebellion lieber unter falschem Namen vorantreibt? Ist das denn befriedigend?

Und so sehe ich am TV (meist am 1. Mai) diverse schwarz vermummte, von blinder Wut getriebene Vollpfosten, die kein Ventil haben und nicht wissen, wohin mit all ihrem Hass auf die Welt und sich selbst. Ich wundere mich und hoffe auf Besserung. Und so lese ich Tag für Tag Kommentare von «Aaaargauer» oder «Zürcher», «Frau Schweizer» oder «Dumby», «Alleswisser» oder «Mr. Cool», lächle still in mich hinein und stelle mir die Spastis hinter den Fantasienamen vor.

Also mein Freund. Ich kann verstehen, dass dich Themen dermassen bewegen, dass du dir mittels Leserbrief Luft machen willst, ich tue es ja auch hier und jetzt. Aber ich hoffe doch, dass du dä Couri und den Anstand hast, dies auch mit deinem vollen Namen zu tun und du zu deiner ganz persönlichen Meinung stehst. Ganz egal, ob der Nachbar oder gar die beste Freundin anderer Meinung sind. Du hast ein Recht darauf, und auch die Pflicht dazu…

Ciao und machs guet! Deine Sandy

Ungeschriebene Gesetze

Hallo und guten Morgen! Wie du weisst, arbeite ich ab und zu als Dozentin an einer Schule. Um da hinzugelangen, muss ich jeweils mit dem Auto durch die Stadt fahren. Gestern war‘s wieder mal ganz extrem. Ich hätte da nämlich mal eine Frage…

Gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass Verkehrsregeln für Fahrradfahrer nicht gelten? Also Vortritt, Handzeichen, rote Ampeln etc.? Weiss ich da was nicht? Ich habe gestern fünf (ja fünf!!!) Velofahrer mit Vollschnuuz über rote Ampeln blochen sehen. Ich bin ja nicht von Haus aus böse, aber wenn‘s mal einen solchen Velöler tüpft, mir wär‘s ziemlich egal, sorry gäh. Also tausend Mal lieber als Nachbars Katze…

Und weisst du was? Die kann man ja nicht mal schubladisieren! Das sind Alternative, Konservative, Familienväter, Businessweiber, Bürohengste, Velokuriere, Mamis mit Anhängern und Zwergen drin, um es hier mal nicht unnötig in die Länge zu ziehen – einfach quer durchs Beet.

Am liebsten habe ich ja die vollmotivierten Sonntagsfahrer mit ihren schnittigen Hörhilfe-Shirts, den grünen Radlerhosen und den roten Köpfen, die ganz vergiftet vor der nächsten Herzschwäche davonradeln (auf der Strasse, nicht auf dem dafür vorgesehenen Veloweg, versteht sich) und am allerbesten noch nebeneinander. Ehrlich Mensch! Ich würde ja auch gerne, aber ich kann doch auch nicht mit dem Auto neben meinen Kollegen herfahren, um ein bisschen zu quatschen. Also das geht schon, genau einmal…

Wo also steht geschrieben, dass man als Zweiradler das alles darf? Wieso kriegen die niemals eine Busse? Auch sie gefährden Leben (und nicht bloss ihr eigenes!), indem sie einfach so auf den Bürgersteig wechseln, wenn‘s mal wieder Rot wird oder quer über die Kreuzung flitzen! Als Autofahrer ist man immer der Stärkere, das ist schon richtig, aber auch als schwächere Partei kann man sich doch an Regeln halten, oder bin ich da spiessig? Die Polizei würde wohl ihre Einnahmen drastisch erhöhen, bekäme jeder mal eine saftige Busse, der sich so rücksichtslos im Verkehr verhält.

Aber weisst du was? Sie nehmen‘s lieber von den Autofahrern, stellen überall (also wirklich an jeder bescheidenen Ecke) einen Blitzkasten auf und bei 1km/h zu viel, musst du 40 Stutz blechen. Ja, mir passiert, ärgerlich…

Als Autofahrer bist du ohnehin gestresst, wenn du in der Rushhour durch die Stadt fahren musst (also mir geht das so und nein, ich kann die Zeiten nicht beliebig wählen, ich muss arbeiten gehen). Wenn mir dann noch alle um die Ohren sausen, geht bei mir der Laden runter, ehrlich. Also liebe Fahrradfahrer (und Innen – haha). Ich bin nach wie vor der Meinung, dass auch für euch die allgemein gültigen Verkehrsregeln gelten. Also bitte, haltet euch auch daran. Aber es muss ja zuerst wieder einer platt am Boden kleben, damit die Köpfe zur Besinnung kommen.

Und by the way. Auch ich bin in meiner Freizeit gelegentlich Radfahrer. Aber ich halte mich an Regeln – zu meinem eigenen Schutz! So du, denen hab‘ ich‘s jetzt aber gründlich gegeben. Du bist mit dem Auto da, sagst du? Also Obacht gäll, nicht dass du noch einen unter die Räder nimmst…

Der Ursprung allen Übels

Hallo, schön dass du da bist. Es ist ein trauriger Tag heute. Du hast es bestimmt auch in den Nachrichten gehört oder im Netz gelesen. Wieder ein Anschlag auf Unschuldige, auf Kinder. Sinnlos und vollkommen unverständlich. Wir leben in einer Welt voller Hass, Gewalt und Terror. Wir sind nicht mehr bloss dabei, wir sind mittendrin. Wir haben uns den Krieg in die eigenen Reihen geholt. Voller Zuversicht, die Welt ein wenig zu heilen, haben wir uns selbst vergiftet. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Ich kann mich an Zeiten meiner Kindheit erinnern, als solche Anschläge (ja, die gab es damals auch schon) in Teilen dieser Erde stattgefunden haben, die uns nicht wirklich betroffen haben. Wir haben‘s im Fernsehen gesehen, die Achseln gezuckt und den Kanal gewechselt, sorry gäh, aber was will man denn machen? Und heute? Heute sind wir vernetzt. Die Welt ist zum Dorf geworden und die Anschläge finden nun vor unserer Haustüre statt. Bist du eben noch frohen Mutes im Kaffee gesessen, liegst du womöglich im nächsten Moment schon tot auf dem Boden. Aber eben, was will man machen? Wir bauen alle auf Glas. Es handle sich ja gottlob um Einzelfälle, hören wir Politiker sagen, mit bitteren Mienen, verschränkten Armen und trüben Augen. Viele Einzelfälle, wenn du mich fragst, zu viele Fälle, um Einzelne zu sein.

Und ich sehe die Bilder, sehe blutende, schreiende, rennende Menschen, Junge, Alte, Kinder. Und ich denke so bei mir: Was ist der Ursprung allen Übels? Ist es die Religion an und für sich (egal welche)? Sind es Fanatiker? Kranke Seelen? Irre? Ist es Intoleranz oder einfach bloss der Wunsch nach purer Macht, der diese Leute solche Taten verüben lässt? War der Mensch nicht jeher schon davon besessen, im Namen eines stummen Allmächtigen in Eigenregie zu handeln? Zu vergewaltigen, zu foltern, zu verstümmeln und zu morden? Denk bloss mal an die Geschichte, an all die Bekehrungen, das Aufdrängen fremden Glaubens… Und was wäre denn, würde man Religion auf der Strasse gänzlich verbieten? Egal welche? Jeder darf das glauben, was er will, aber bitte in den eigenen vier Wänden. Draussen sind wir neutral. Und darüber geredet wird nicht. Nix da, ihr werdet wohl ein anderes Thema am Stammtisch finden. Redet halt über Fussball, über Autos, eure Weiber oder das Wetter… wäre das die Lösung? Oder sind Verbote bloss wieder da, um gebrochen zu werden? Wie flösst man denn seinen Mitmenschen TOLERANZ ein? Mit Nächstenliebe? Halte die andere Wange hin…? Mit stummer Rebellion? Mit Resignation? Mit Gegengewalt?

Wie bekämpft man etwas, dass tief in einem drinsitzt?

Ein trauriger Morgen, der wieder einmal Fragen aufwirft und so vieles in unserem durchorganisierten Alltag relativiert.

Das Leben ist kurz, mach was draus. Es könnte vielleicht kein Morgen mehr geben…

Vieles kann ich ganz schlecht sogar ziemlich gut

Hallo, schön, dass du da bist. Ich höre immer mal wieder von meinen Mitmenschen, dass man dies nicht könne und jenes nicht tun wolle, weil man sich nicht blamieren will, da man es ja nicht gut genug könne etc. pp. Und so habe ich mir mal Gedanken gemacht, was ich eigentlich alles nicht tun sollte (gemäss dem Diktat unserer nach Perfektion strebender Gesellschaft), und es dennoch immer wieder mache, also, Obacht wir starten…

Ich fahre Ski. Nicht wirklich hübsch anzusehen, aber es macht mir grossen Spass. Meine Bögli sind etwas schief, manchmal auch gar etwas neben der Spur, der Oberkörper etwas steif, dafür die Beinchen wie Gummi, aber ich komme immer und überall runter, so. Ich fahre Velo. Ich beachte die gängigen Strassenverkehrs-, und auch die zwischenmenschlichen Anstandsregeln, aber schön sieht wohl anders aus. Ich spiele Querflöte, ab und zu und dann meist schief und spontan, aber dafür mit viel Herzblut. Auch Gitarre und Didgeridoo sind vor mir nicht sicher. Was noch? Ich singe. Aus voller Kehle und chrüzfalsch und ich sage stets: ich kann singen – es klingt bloss komisch. Und während ich hier so schreibe, kommen mir immer mehr Dinge in den Sinn, die ich nicht wirklich beherrsche, aber eben ganz schlecht doch ziemlich gut hinbekomme.

Wie bereits erwähnt, sind wir eine muntere Gesellschaft, die stets nach Perfektion strebt. Wenn man etwas macht, sollte man es schon auch ganz gut beherrschen. Für sich selbst? Wohl eher, um nicht negativ aus der Masse hervorzustechen. Ich habe mich stets für viele verschiedene Dinge interessiert und Perfektion zu erlangen war nie mein Wunsch. Der Spass an der Sache und die Freude, etwas Neues zu erlernen, waren stets Grund genug, denn Perfektion kann mitunter auch langweilen und einschränken und wir müssen nicht perfekt sein, um die Gunst unserer Mitmenschen zu erlangen.

Ich koche auch sehr gerne, aber mache keine kulinarischen Höhenflüge. Ich kann nähen, stricken und häkeln, kann Waschen und Bügeln, aber die Resultate benötigen meist eine gesunde Portion Humor. Ich kann Rechnen und mich auf Englisch verständigen und auch auf Französisch bekomme ich meist das, was ich will und metzge mich so durch. Ich schreibe und male aus Leidenschaft und während die einen es ganz toll finden, finden es andere wiederum grässlich. Und nun stellt sich mir die Frage: Was ist denn gut genug und wofür denn auch? Weshalb verwehren wir uns so vielen Möglichkeiten, bloss weil wir denken, wir würden es nicht können und uns deshalb womöglich zum Affen machen? Schade um die verpassten Gelegenheiten! Denn hätte ich mich von Vorurteilen und Fremdmeinungen bestimmen lassen, wäre ich wohl nie in einen Steppkurs gegangen (denn uiuiui, was, wenn ich es nicht kann?), wäre nie an der Hochschule Luzern gelandet, hätte niemals wieder die Ski angeschnallt und dürfte fortan wohl keine Küche mehr betreten.

Aber hey, was solls, wenn wir unsere Mitmenschen ein wenig erheitern? Dann sehen wir eben witzig aus beim Skifahren, dann gibt es die Erbsli und Rüebli halt aus der Dose, dann hört man halt beim Französisch sprechen, dass ich Schweizerin bin, und dann quietscht es halt ab und zu beim Musizieren – was solls? Sollen wir uns von diesen Kleinigkeiten etwa den Spass verderben lassen?

Vieles kann ich ganz schlecht sogar ziemlich gut – denn eben: Perfektion war nie mein Ziel.

Und so wünsche ich dir Mut und Selbstvertrauen das zu machen, wonach dir der Sinn steht, ganz ohne Hintergedanken, versagen zu können. Denn ich bin überzeugt, dass viele umgenutzte Talente tief in uns schlummern, und bloss die Angst, etwas nicht gut genug zu können, uns daran hindert, uns hemmungslos zu entfalten.

Was also wolltest du schon immer mal machen, und hast dich bisher nie getraut? Leg alte Phrasen wie „das chan ich nöd“ oder „da blamier i mi nu“ ganz einfach ab und geniess die unzähligen Möglichkeiten, die uns das Leben schenkt. Denn dieses ist ja wohl alles andere als perfekt – und wir lieben es dennoch, ja vielleicht gerade deswegen so sehr.

Das Leben ist kein Böllelibad…

Hallo, schön dich zu sehen! Ich war neulich im grossen schwedischen Einkaufshaus (ja, genau dem), und weisst du, was ich das Allercoolste gefunden habe? Das Böllelibad im Kinderwunderland Småland. Ja ganz ehrlich, all die schönen Deko-Artikel sind ja schon gut und recht, aber dieses saudoofe Böllelibad hat‘s mir echt angetan, tschäggsch dä Pögg? Leider bin ich keine fünf mehr und man würde mich wohl ganz blöde anstarren, wenn ich da um Zutritt betteln würde… lasst mich rein! Bitte, bitte lasst mich rein!!!

Kannst du dich noch an das Gefühl erinnern, wenn man in all diese Bölleli eintaucht, man in dieser Farbenpracht versinkt? Welchen Spass das gemacht hat, volle Pulle in diese bunten Dinger zu springen? Sich gegenseitig damit zu beschiessen? Versteh mich nicht falsch. Erwachsen sein, ist ja schon toll, man kann selbst bestimmen, was man anzieht, wann man ins Bett gehen möchte, was man essen oder kaufen will. Aber Kind sein, hatte eben schon auch seine Vorzüge. Man kann sich in seinem Wägeli ganz bequem durch die Gegend schieben lassen, bekommt alles frei Haus geliefert und kann sich, während sich die Grossen durch die Massen im Möbelhaus quetschen, in bunten Bällen tummeln und spielen, die Zeit komplett vergessen. Stellt euch das mal vor. Böllelibäder für alle! Stressabbau pur. Salto, Köpfler, Arschbombe, Ränzler… gut für den Blutdruck, gut für die Kondition, gut fürs Gemüt!

Bloss habe ich das für Erwachsene in der Schweiz noch nirgends entdeckt. Im Netz lese ich: Rekord-Bällchenbad im Kerry Hotel Shanghai: Eine Million bunter Kugeln: Die Mutter aller Bällchenbäder! Cool! Aber leider nicht gerade um die Ecke…

Weshalb gibt es das hierzulande bloss für die Kurzen? Bin ich denn die einzige halbwegs Erwachsene, die Freude daran hätte, mit Freunden und Kollegen abzutauchen und den Alltag mal zu vergessen? Noch einmal Kind sein zu dürfen, toben, lachen, ausgelassen sein? Also die in Shanghai scheinen nämlich ganz schön viel Spass dabei gehabt zu haben! Bitte gib mir Bescheid, wenn du das mal irgendwo bei uns für Grosse entdeckst. Dann kaufe ich mir ein Jahresabo und lasse es richtig krachen! Ja, vieles geht im Laufe eines Lebens einfach verloren.

Das Leben an und für sich ist ja kein Böllelibad, dafür ist es (meist) viel zu ernst. Aber ich glaube fest daran, dass man daraus auch ab und zu mal ausbrechen soll und kann, das würde uns allen guttun!

Bikinifigur vs. Badehosenschreck

Hi, schön, dass du da bist. Der Frühling ist da, und wenn ich mich auf den Strassen so umsehe, könnte man doch glatt meinen, er hätte auch gleich den Sommer mitgebracht. Ich sehe nackte Beine, bunte Flipflops, Trägershirts und spüre Sommerfeeling.

Und so habe ich beschlossen wie jedes Jahr, heute den mir zugeschickten Katalog zu öffnen und mich voller Elan der neusten Bademode zu widmen. Wunderschöne Teile leuchten mir in den buntesten Farben verlockend entgegen. Mit Träger, ohne, mit Rüschen, mit Streifen, mit fast gar nichts. Am liebsten würde ich sie gleich alle bestellen, sehe ich doch dann auch so unwiderstehlich gut darin aus…

Doch weisst du was? Ich weiss eigentlich ganz genau, wie jedes Jahr, werde ich masslos enttäuscht sein, wenn eines dieser Wunder-Teile dann an mir dran ist. Warum? Na zum einen, weil ich keine 1.80m gross bin, sondern mir das Wachsen bei 1.64m begonnen hat zu stinken, und ich’s hab‘ gut sein lassen. Zum anderen, weil auch ich nicht gegen den viel gefürchteten Hagelschaden an den Beinen immun bin und ich hie und da doch noch eine Delle zu viel im Fleischanzug habe.

Und was mich jedes Jahr wieder aufs Neue erstaunt (und ja, ich sollte es wissen mittlerweile) ist, dass die Hautfarbe eben doch entscheidend ist. Also nicht im Beruf oder in der Liebe, aber bei der Bademode ganz bestimmt. Sehen meine kalkweissen Stelzen doch irgendwie jämmerlich gegen die braungebrannten Endlos-Beine bis an Bode abe des Models im Katalog aus. Eigentlich fies, so denke ich mir, immer solche gephotoshopten Wunder-Frauen zu nehmen, die einem den letzten Rest Selbstvertrauen weglächeln.

Tja, mein Freund, Luxusprobleme ich weiss, bin ja auch ein Mädchen von der Goldküste. Und wie gesagt weiss ich ja auch, dass da mehr vorgeschwindelt wird, als das wirklich echt ist. Aber ebe… du verstehst mein Dilemma.