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Studienarbeit aus dem Jahr 2019 im Fachbereich Theaterwissenschaft, Tanz, Note: 1,3, Ludwig-Maximilians-Universität München (Theaterwissenschaft), Veranstaltung: Entwicklung angewandt? – Theater, Tanz, Künste und Design in Afrika seit den 1960er Jahren , Sprache: Deutsch, Abstract: Um die Entwicklung und die Ziele des Nationaltheaters Ghana und seines Vorläufers in ihrer Gänze erfassen zu können, muss zunächst das Konzept des Nationaltheaters in den Blick genommen werden. Es gilt zu untersuchen, welche Faktoren in die Gründung und Aufrechterhaltung eines Nationaltheaters hineinspielen. Auch mögliche Hindernisse und Probleme in der Definition eines Nationaltheaters dürfen nicht ausgeklammert werden. Das Nationaltheater kann dabei in dreifacher Weise beleuchtet werden: Einerseits als politisches und kulturelles Konzept, das im Zuge von wachsendem Nationalismus und der damit einhergehenden Suche nach kultureller Identität nach der Zeit der Unterdrückung entstanden ist. Andererseits handelt es sich um ein Gebäude, das als nationales Monument nationale Kunst beherbergt. Es ist aber auch ein Prestigegebäude und ein Ort für (inter)kulturelle Begegnungen. Zuletzt kann das Nationaltheater als Institution betrachtet werden, die eine Infrastruktur zum Forschen, Dokumentieren, Archivieren, Propagieren und Darstellen bietet und damit das kulturelle Erbe der Nation sichert. Kwame Nkrumah, erster Präsident des unabhängigen Ghana, war der tiefen Überzeugung, dass nach der politischen Unabhängigkeit die kulturell-ideologische folgen müsse. Außerdem schien für ihn die Unabhängigkeit Ghanas bedeutungslos, wenn sie nicht zugleich mit der von ganz Afrika verbunden ist. Seine panafrikanische Einstellung soll an späterer Stelle noch näher betrachtet werden. Ziel Nkrumahs war eine Nation, die sich von kolonialen Strukturen und Denkweisen ablöst und ihre eigene Geschichte schreibt. Eine Rückbesinnung zu den alten präkolonialen Traditionen und Ritualen sollte ein erster Schritt in ein politisch, ökonomisch und kulturell unabhängiges Ghana sein. Wie in vielen anderen afrikanischen Staaten entstand synchron zur Nationalbewegung die Idee eines Nationaltheaterbaus. Innerhalb dieser Institution sollte die Kunst von kolonialer Dominanz und Marginalisierung befreit werden und stattdessen afrikanische Werte und Lebensweisen vermitteln. Die Künstlerin und Dramatikerin Efua Sutherland, deren Arbeit im vierten Kapitel untersucht wird, gilt als Galionsfigur dieser Bestrebungen in Ghana. Mittels ihrer experimentellen Arbeit sollte eine nationale Theaterform und -praxis gefunden werden, die moderne und traditionelle Praktiken miteinschließt.
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Veröffentlichungsjahr: 2025