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'Wie ein kostbarer Schlüssel war 1981 für mich die Entdeckung des Buddhismus. Dieser Schlüssel ermöglichte es mir, weder in den rein äußerlichen Werten wie - mein Drittwohnsitz, meine Autos, meine Yacht - hängen zu bleiben, noch war ein Ausstieg aus der Gesellschaft notwendig.' Was ist überhaupt ein Gebet oder eine Meditation? Aus eigenem Erleben, Erforschen - davon 30 Jahre in einem buddhistischen Umfeld, dann zehn Jahre wieder freie christliche Orientierung - gibt die Autorin Impulse weiter. Impulse für ein neues Verständnis, die gerade in unruhiger werdenden Zeiten, hilfreich sein können. Dabei ist für viele kaum vorstellbar: Es macht 'fast' keinen Unterschied, ob ich mich buddhistisch oder christlich anbinde. Die Hauptsache ist, ich tue es.
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Seitenzahl: 140
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Sophie Scholl gewidmet - wie auch all ihren Mitstreitern der Weißen Rose.
Weitere Informationen zu „Sophie Scholl“ in meinem „14. Blog on Paper“ und einen persönlichen Bezug notiere ich ab Seite 165.
Im Alter von 22 Jahren fand ich zum Buddhismus. Früh entwickelte sich das, was mich noch heute prägt: Philosophie und Schönheit in Verbindung mit ökologisch Gesundem.
Durch meine Gründung von ART PARFUM im Jahr 2011 arbeite ich inzwischen freiberuflich als Parfümeurin (mit reinen Pflanzenessenzen), Künstlerin und Autorin.
Widmung
Worte zuvor
Spürbarer Segen
Kunststudium?
Besuchen Sie Europa, solange es noch steht
Haben oder Sein
Buddhismus
Christliches wird für mich wieder präsent
Wer ist Gott... für mich?
Lebens-Neuausrichtung
Beten – was heißt das?
Sind wir etwas Besonderes, weil wir meditieren oder beten?
Blog on Paper
Worte
Malen
BLOG 1vom 3. Oktober
Worte: „Vater“: Der Urgrund allen Seins, Ur-Licht
BLOG 2vom 25. Oktober
Worte: „Unser“: Wir sind Geschwister, Sonnengesang
BLOG 3vom 9. November
Worte: „Im Himmel“: Wo, was ist der Himmel? Malen: Schwarz-Rot-Gold
BLOG 4vom 24. November
Worte: „Geheiligt werde“: Heilig und Heilendes, auch das Kleine beachten / Wir sind Mitschöpfer
BLOG 5vom 6. Dezember
Worte: „Dein Name“: Und Gott hat niemand jemals gesehen. Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
BLOG 6vom 20. Dezember
Worte: „Dein Reich komme“: ein Leben von innen nach außen / Advent
Malen: Schneekristall
BLOG 7vom Heilig Abend 24. Dezember
Worte: „Dein Wille geschehe“, Was will ich überhaupt? Was will ich leisten?
Malen: Duftrosenfarben
BLOG 8vom 1. Januar
Worte: „Wie im Himmel so auf Erden“: Macht euch die Erde untertan, was heißt das?
Malen: Himmelszeichen
BLOG 9vom 6. Januar
Worte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ / Die drei Weisen aus dem Morgenland und heute, die drei Grundkräfte des Menschen: Denken, Fühlen, Wollen / Myrrhe - Räuchern, ein uraltes Ritual
BLOG 10vom 16. Januar
Worte: „Und vergib uns unsere Schuld“: Der Ehrliche ist wirklich der Dumme? Buddhistisches Paramita (Verhaltensweise) der Geduld / Dran bleiben! / Wie Ziele umsetzen? Ideen im Kopf, Malen: Sann versetzt Berge
BLOG 11vom 2. Februar
Worte: „Und wir vergeben unseren Schuldigern“: Karma
BLOG 12vom 13. Februar
Worte: „Und führe uns durch die Versuchung und erlöse uns von dem Bösen“: Gut und Böse, Malen: Es grünt so grün
BLOG 13von Karfreitag
Worte: „Denn dein ist das Reich“: Was oder wer ist der Heilige Geist? Was ist Materie?
Karfreitag, Gedenkstätte Deutscher Widerstand 20. Juli 1944
Malen: Hinschmelzende Mahn-Figuren
BLOG 14von Karsamstag
Worte: „Und die Kraft und die Herrlichkeit“: Das weiblich Göttliche, Ewigkeit, Zeitloch,
Karma – falsch verstanden / Sophie Scholl, Sophies Hoffnung für die Zukunft: Das wird
Wellen schlagen, Malen: Blauer Schutzmantel
BLOG 15von Ostern
Worte: „Amen“: Es geht um Wahrhaftigkeit, Ostern / Eine Reise nach Innen
Unio mystica
Dein Reich komme…
Dein Name… Der physische Leib 124 /
Schuld... Versuchung 125 /
Die Vertreibung aus dem Paradies
Zusammenfassung
Siebener Rhythmus
(1) Atem-Meditation
(2) Meditation „Farblicht“
(3) Meditation „In den Himmel“
Vatergott – der Urgrund allen Seins - Mutter-Vaterunser
Himmlische Mutter, Muttergottes, Heilige Maria … Mutter Erde
Heiliger Geist – Heilige Ruach - Inspiration
Erzengel Michael – lichtvolles Schutzgebet
Friedensgebet
Jesus Christus – Christus Gebet
Tischgebete
Schubkraft für ein sinnvolles Leben
Meine Familie, die väterliche Seite
Meine frühe Wahrnehmung der Sophie Scholl
Quellen, Hinweise, Bildnachweise
Dank / Zur Autorin
Wie ein kostbarer Schlüssel war 1981 für mich die Entdeckung des Buddhismus. Dieser Schlüssel ermöglichte es mir, weder in den rein äußerlichen Werten wie - mein Drittwohnsitz, meine Autos, meine Yacht - hängen zu bleiben, noch war ein Ausstieg aus der Gesellschaft notwendig.
Gebete, Meditation helfen. Aus 40 Jahren Erfahrung - davon 30 Jahre buddhistisches Umfeld, dann zehn Jahre wieder freie christliche Orientierung - gebe ich Impulse weiter. Impulse für ein neues Verständnis, die gerade in unruhigeren Zeiten hilfreich sein können. Über regelmäßige Gebete und Meditation vermögen wir eine Art Ring zu bilden, in den die lichten geistigen Kräfte leichter einhaken können. Leichter jedenfalls, als wenn wir „keine Beziehung“ mit ihnen gepflegt hätten. So salopp will ich das in diesem Bild einmal ausdrücken.
Wenig Kenntnisse gibt es in unserer westlichen Gesellschaft bei „geistigen Dingen“, da noch immer ein materialistisches Weltbild vorherrscht. Und die „Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los“… auch das kann passieren. Denn einfach so „ins Universum hineinrufen“… der Schuss kann auch nach hinten losgehen.
Der Trend nach fantastischer Literatur, der Griff zu halluzinogenen Stoffen ist heute mehr denn je gefragt. Jedoch wurden Rituale mit diesen auch rauschhaften Substanzen in früheren Zeiten nicht einfach nur so zum Spaß oder aus oberflächlicher Neugierde heraus praktiziert, denn sie können durchaus in schwierige Geisteszustände ausarten. Es gilt bei diesen Dingen aufzupassen, um nicht einer Begierde nach „Spirituellem“ zu verfallen, einer Art seelischer Hungersnot. Denn Menschen sind so begierig nach seelisch-geistiger Nahrung, wie es eben Hungernde sind.
Aber wer vermittelt – vor allem jungen Menschen – worauf sie zu achten haben, wenn sie sich auf die Suche begeben. Auch ich hatte als junfe Frau tiefe Fragen, die mir keine Religionslehrerin oder christlicher Priester befriedigend beantworten konnten. Es geht uns heute eben nicht mehr um ein „glauben können“. Wir wollen die Dinge prüfen, ausprobieren und selbst erfahren. Erkenntnisse gewinnen.
Dass man infolge von Meditation auch so einige Wunder zu erleben vermag, dass sich Zeit und Raum auflösen können, auch darüber schreibe ich. In buddhistischen Kreisen wird dem jedoch keine allzu große Aufmerksamkeit geschenkt. Denn als wirklich außergewöhnlich wird angesehen, wenn echtes Mitgefühl entsteht und daraus tatkräftiges kluges Handeln. Mitgefühl und Weisheit gehören dabei zusammen.
Um die Mitte der 1990 Jahre, gab es eine Zeit, in der ich nicht an einen geistigen Raum angebunden war. Rückblickend erscheint mir diese Zeit seltsam leer, oberflächlich. Dabei ist für viele kaum vorstellbar: Es macht „fast“ keinen Unterschied, ob ich mich buddhistisch oder christlich anbinde. Die Hauptsache ist, ich tue es. Denn wir Menschen sind Mittler zwischen Himmel und Erde. Dieses Potential gilt es zu sehen, zu leben...
Mutter Teresa wurde einmal von einem Journalisten gefragt:
„Was muss sich als Erstes in der Welt verändern?“
Ihre Antwort lautete: „Sie und ich!“
Mit einem herzlichen Gruß aus Schwarzenberg im Allgäu Beate Nagel
Parfümeurin + Künstlerin, Gründerin von ART PARFUM
Aktualisierte Texte vom 28. Februar 2022, nach zwei Jahren Corona-Pandemie und vier Tage nach dem russischen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine.
Handle, als hinge alles von dir ab. Durch Gebet, Meditation kommen hilfreiche Impulse, lichte Kräfte hinzu, wenn wir darum bitten, uns damit verbinden.
SPÜRBARER SEGEN
1981 fing ich an zu meditieren. Übte während eines 4-wöchigen buddhistischen Kurses den halben Lotussitz, der anders als ein „Schneidersitz“ es einem erleichtert mit dem Rücken gerade und aufrecht zu sitzen. Als gerade erst Beginnende erlebte ich während dieses Kurses einmal einen segensvollen Moment, in dem alles in mir zu Licht wurde. Alles Unterscheidende, Trennende war aufgelöst in einem durchflutenden inneren Licht. Dabei war ich währenddessen voll bewusst. Das war ein Segen, ein dicker Segen, der mir hier durch die Meditation auf Chenresig (Sanskrit Avalokiteshvara) geschenkt wurde. Chenresig – einer der Haupt-Buddhaaspekte im tibetischen Buddhismus - gilt als Ausdruck von Liebe und Mitgefühl.
Dieser Moment ist durchaus vergleichbar mit dem Beginn eines Nahtod-Erlebnisses, von denen Menschen berichten. Etwas, was wohl jeder von uns im Sterbensprozess erleben wird. Ich habe es als das „Normalste in der Welt“ empfunden, dass wir alle miteinander verbunden sind. Dabei war ich voll präsent, es handelte sich somit um keinen Trance-Zustand. Dieses Lichterlebnis war mit der Erfahrung einer universellen Liebe verbunden. Ich fühlte mich vollkommen angenommen, zuhause darin. Meine Reaktion darauf, ein Gefühl tiefster Demut und Dankbarkeit. Das war überaus berührend, Tränen liefen mir nur so das Gesicht herunter…
Sommer 1978. Auf einer 7-wöchigen Reise direkt nach dem Abitur war ich zusammen mit zwei Freundinnen 8000 km getrampt - durch Süd-Europa und Nord-Afrika. In Rom lernte ich an den Spanischen Treppen einen irakischen Kunststudenten kennen. Er unterrichtet mich im Zeichnen. Eine Eifersuchtsszene ließ mich jedoch begreifen: Unsere Kulturen, unsere
Vorstellungswelten sind zu verschieden, um darauf eine gute Verbindung aufzubauen. Es folgte ein Abschied, der nicht leicht fiel. Die Zeichenstifte blieben nun tief unten im Rucksack verborgen; die Lust am Zeichnen war mir vergangen. Beim Trampen zurück nach Deutschland standen wir lange in Nordspanien am Straßenrand des kleinen Ortes Ripoll. Aus schierer Langweile griff ich wieder zu meinen Stiften und staunte: Mein Strich hatte sich geändert, es war mehr Tiefe darin.
Ich habe im Laufe meiner nun bald 40-jährigen Meditationszeit so einige „Wunder“ erlebt, darüber aber nie gesprochen. Auch gegenüber einem Partner nicht. Das ist nicht etwas, worüber man einfach so redet. Es sind Erfahrungen auf dem Weg; nicht mehr, nicht weniger.
Noch ein Wort zu „Wundern“: In der Zukunft werden wohl Phänomene, bei denen wir uns derzeit noch „wundern“ verständlicher werden, wenn Wissenschaftler und Menschen mit Meditationserfahrungen mehr zusammenarbeiten.
Dass ich jetzt anfange, ein wenig von meinen Erfahrungen zu sprechen, hat mit einer einfachen Tatsache zu tun: Mit meinen 60 Jahren spüre ich deutlich die Endlichkeit meines Lebens und eine Verantwortung, die wir Älteren gegenüber Jüngeren haben. Es gibt in unserer westlichen Gesellschaft eine Sprachlosigkeit bezüglich geistig - religiöser Dinge, die ich haarsträubend finde. Religiöses sollte nicht langweilig vorgelebt bzw. vermittelt werden. Ab und zu ein guter Schuss Humor tut gut - allerdings ohne in ein falsches „Dauer-Glücklichsein-müssen“ abzugleiten.
Dazu muss es freibleibend sein! Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen.
Vielleicht kann mein Beitrag dem Ein oder Anderen Mut machen, Vertrauen vermitteln. Denn: Es gibt eine weiße, durchaus kraftvolle Hilfe aus dem Nicht-Raum und aus der Nicht-Zeit, so will ich den „Himmel“ mal allgemein bezeichnen. Ich erlebe es so aus dem buddhistischen und – neuerdings – wieder christlichen Raum. Das Verbinden beider Kulturräume ist alles andere als einfach. Ich habe mir das nicht ausgesucht, es ist „zu mir gekommen“ und somit habe ich mich damit auseinander zu setzen. Dabei gilt es dennoch die Unterschiede zu erkennen und nicht alles wahllos „in einen Topf zu werfen“. Ich sehe es als einen Erkenntnis-und Erfahrungsweg, der auch ab und zu mit Vertrauen, mit Vorschuss arbeitet, etwas, was wir allgemein als „Glauben“ bezeichnen.
Ich will etwas weiter ausholen, „vorne“ anfangen, damit ich den ganzen Bogen gut vermitteln kann.
KUNSTSTUDIUM?
Schon lange vor dem Abitur stand für mich fest: Ich werde Kunst studieren. Aber zuerst wollte ich nach dem Abitur ein Handwerk erlernen. Dieses Handwerk Hand-, Bild- und Maschinenweben schloss ich 1981 mit einer IHK Gesellenprüfung ab. Nun stand also die Bewerbung zur Kunstakademie Karlsruhe an. Freunde von mir studierten bereits dort und halfen mir bei der Mappenvorbereitung zur Aufnahmeprüfung. Waren die Schicksalsfäden spinnenden Nornen am Werk? Die Schicksalswürfel fallen jedenfalls so ganz anders als geplant. Ende der 1970er Jahren waren meine Freundesgruppe und ich von einer realen Angst vor der Zerstörung großer Teile der Erde durch Atomwaffen, exakt dort, wo wir lebten geprägt. Wir demonstrierten dagegen, die Bedrohung empfand ich als immer realer werdend. Und ich fragte mich: „Was soll ich noch lang studieren, wenn die Welt sowieso in ein paar Jahren zusammenkracht?“ Das mag manchen wundern, aber genauso empfand ich unsere Lage.
BESUCHEN SIE EUROPA, SOLANGE ES NOCH STEHT
Beate Nagel, 1978
Atomwaffen, Atomkraft und deren hoch gefährliche Abfallprodukte. Noch nie in unserer Jahrmillionen dauernden Erdgeschichte hat eine darauf lebende Spezie derart vernichtende Waffen entwickelt. Ein Flugzeug könnte absichtlich auf einen Atommeiler abstürzen. Würde der Betonmantel wirklich standhalten? Nicht erst durch die Terrorangriffe am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York, sondern schon Ende der 1970er Jahren hielt ich einen solchen gezielten Flugzeugabsturz mit seinen tragischen Folgen für denkbar. Dass unsere damaligen Ängste nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, wird hierüber deutlich: Anfang der 1980er Jahre hingen in US-Reisebüros Plakate mit der Aufschrift: „Besuchen Sie Europa, solange es noch steht“.
„Diese Politik“, schreibt der Journalist Franz Alt (1), „war nicht nur absurd, sie war obszön und verbrecherisch.“ Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt Pläne gesehen, in der große Teile Deutschlands im Fall des Falles als atomare No-go Aera eingeplant waren - als ein atomar verseuchtes Bollwerk vor Frankreich im Westen.
Der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow gehört zu den bedeutendsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, sein Einfluss war Frieden stiftend. In Abrüstungsverhandlungen mit den USA leitete er das Ende des Kalten Krieges ein und erhielt für seine Bemühungen 1990 den Friedensnobelpreis. Deutschlands Einheit war ein Wunder. Zu einem Wunder braucht es aber auch Menschen und so ist dies wohl auch der politischen Vorarbeit, Klugheit, dem persönlichen Mut eines Ehepaares zu verdanken: Michail und Raissa Gorbatschow. Sie haben im Kampf gegen Funktionäre und Günstlinge des alten Sowjetsystems ihr Leben riskiert. Franz Alt (2): „Die Gorbatschows waren das erfolgreichste und vielleicht innigste politische Liebespaar des 20. Jahrhunderts. Ihre Liebe strahlte auf seine Politik aus.“
Gespräch u.a. mit Elfriede Begrich (Pfarrerin in Berlin und Pröpstin in Erfurt) Ausschnitt aus „DIE ZEIT“ Nr. 45 vom 30. Oktober 2019, S. 66 „Glauben & Zweifel“ (3)
HABEN ODER SEIN
Zu dieser Atomangst kam auch noch eine persönliche Krise, ausgelöst durch die Trennung von meiner ersten großen Liebe, eines charismatischen Musikers, der leider krankheitsbedingt seinem Leben ein Ende setzte… das Leben schmerzt. Der Zugang zur Kunst, der Sinn für dieses Studium, ging mir in all dem Chaos gänzlich verloren. Ich suchte nach den Fäden, meinem Lebensfaden, der mir ein Weiterleben auf diesem Trümmerhaufen überhaupt ermöglichte. In mir bildete sich eine Überzeugung:
Ich las „Haben oder Sein“, ein Buch des Sozialpsychologen, Philosophen Erich Fromm (4). Dieses Buch wurde für mich zu einem Schlüsselerlebnis. Danach fasste ich den eindeutigen Entschluss: Es würde mir in meinem Leben nicht um ein „Haben“, also nicht um ein Anhäufen von Besitz gehen, sondern um die Entwicklung des „Sein“.
Nur wie mache ich das? Wie entwickelt man das „Sein“? Mir fiel ein Buch eines indischen Gurus in die Hände, der eine Verwirklichung dieses Seins versprach. Man dürfe jedoch keine Eier, nichts Tierisches, essen. Okay, wenn das dazu gehört. Bei einer Freundin sah ich kurz darauf einen kleinen Altar mit einem Buddhabild, davor eine Schale mit Reis, worin ein vor sich hin dampfendes Räucherstäbchen steckte. Mit Gudrun ging ich mit zu einem buddhistischen Vortrag Anfang 1981 ins schwäbische Neckartenzlingen bei Tübingen. Der tibetisch-buddhistische Lama sprach von Samsara, bestehend aus sechs Welten, erläuterte die Qualen von heißen und kalten Höllen. Das war ja nicht gerade das, wonach ich gesucht hatte. Ich war erst seit kurzem der katholischen Kirche entronnen, der ich die Geschichte einer „ewigen Hölle“ nicht abnahm. Aber die Meditationsphase – die war gut. Da kam etwas rüber, etwas Tiefes, grundlegend Gutes. Das spürte ich. Das wollte ich vertiefen.
BUDDHISMUS
Nach der IHK Abschlussprüfung verkaufte ich all meine kleinen Besitztümer: Das geliebte rote afghanische Kleid mit dem weiten Rock, in dem kleine Spiegelchen eingenäht waren und daher so herrlich funkelte, ein tragbares Fernsehgerät, Schmuck. Mit dem Erlös finanzierte ich mir einen vierwöchigen buddhistischen Kurs, der in dem kleinen Weiler Tegernbach genau an der Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben gelegen im Sommer 1981 stattfand.
Der alte buddhistische Lehrer, ein sogenannter „Rinpoche“ (tibetisch für „der Kostbare“), war mit seinem jungen Begleiter aus dem weit entfernten Nordindien angereist, aus einem Domizil von Exiltibetern. Mit der Angst einer atomaren Katastrophe im Nacken hatte ich das Gefühl, all meine Energie in die buddhistische Praxis geben zu wollen. Ich beobachtete die Szene dort genau. Wie verhalten sich die Leute? Es gab die erfahrenen Indienreisenden, die man daran erkannte, dass sie anders gekleidet waren als der Rest der Teilnehmer und sich mit ihren typischen tiefen Schalen in die Essensschlangen einreihten. Über das Essen wurde häufig gemäkelt. Es kochte in diesem von Alternativen vermieteten Gebäude eine Frau, die gerade eine ausgiebige Fastenkur hinter sich hatte und so war das Essen überaus fad, wenig gewürzt. Heute weiß man aus Erfahrung, dass bei solch intensiven Kursen auf ein gutes ausgewogenes Essen Wert gelegt wird.