Vergeltung - Günter Dönges - E-Book

Vergeltung E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker ließ den mittelgroßen dicklichen Mann nicht aus den Augen. Dieser etwa 40jährige Mann, gut gekleidet und recht selbstsicher, stand vor der langen Theke der Fotoabteilung und blätterte Prospekte durch. Rechts und links von ihm standen andere Käufer. Sie ließen sich Fotoapparate, Vorsatzlinsen und Ferngläser zeigen. Drei höfliche, aber bereits etwas nervös gewordene Verkäufer hatten alle Hände voll zu tun, um die Fragen der Kunden zu beantworten. Es ging auf Mittag zu. Im ›Jackson‹, einem großen, vierstöckigen Warenhaus in San Francisco, herrschte starker Käuferandrang. Die Gänge zwischen den Verkaufstheken und Rundtischen waren dicht gefüllt. Die vielen Fahrstühle fuhren Sonderschichten, um die Kunden von einer Etage in die andere zu befördern. Die vielen Rolltreppen im ›Jackson‹ waren dicht besetzt. Es herrschte genau jenes Gedränge, das Taschendiebe und trickreiche Gauner besonders schätzten. Sie konnten ungehindert und erfolgreich arbeiten. Und sich blitzschnell in der Menge verlieren, falls Gefahr drohte. Es drohte ihnen Gefahr. Einmal von den fest angestellten Warenhausdetektiven. Vier an der Zahl waren es, die pro Vierstundenschicht durch das riesige Warenhaus schlenderten. Gefahr drohte den Gaunern aber auch vor allen Dingen von einem seltsam gekleideten Kunden, der an der Brüstung der zweiten Lichthofgalerie stand. Dieser Mann trug einen schwarzen, altertümlich geschnittenen Covercoat, unter dem sich ein ebenfalls pechschwarzer Anzug befand. Dieser Mann hielt einen altväterlich gebundenen Regenschirm in der Hand und schmückte seinen Kopf mit einer schwarzen runden Melone. Es handelte sich um den Butler Josuah Parker, der sich in die Überwachung des Warenhauses eingeschaltet hatte.

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Der exzellente Butler Parker – 90 –Vergeltung

Günter Dönges

Josuah Parker ließ den mittelgroßen dicklichen Mann nicht aus den Augen.

Dieser etwa 40jährige Mann, gut gekleidet und recht selbstsicher, stand vor der langen Theke der Fotoabteilung und blätterte Prospekte durch. Rechts und links von ihm standen andere Käufer. Sie ließen sich Fotoapparate, Vorsatzlinsen und Ferngläser zeigen. Drei höfliche, aber bereits etwas nervös gewordene Verkäufer hatten alle Hände voll zu tun, um die Fragen der Kunden zu beantworten.

Es ging auf Mittag zu. Im ›Jackson‹, einem großen, vierstöckigen Warenhaus in San Francisco, herrschte starker Käuferandrang. Die Gänge zwischen den Verkaufstheken und Rundtischen waren dicht gefüllt. Die vielen Fahrstühle fuhren Sonderschichten, um die Kunden von einer Etage in die andere zu befördern. Die vielen Rolltreppen im ›Jackson‹ waren dicht besetzt.

Es herrschte genau jenes Gedränge, das Taschendiebe und trickreiche Gauner besonders schätzten. Sie konnten ungehindert und erfolgreich arbeiten. Und sich blitzschnell in der Menge verlieren, falls Gefahr drohte.

Es drohte ihnen Gefahr. Einmal von den fest angestellten Warenhausdetektiven. Vier an der Zahl waren es, die pro Vierstundenschicht durch das riesige Warenhaus schlenderten. Gefahr drohte den Gaunern aber auch vor allen Dingen von einem seltsam gekleideten Kunden, der an der Brüstung der zweiten Lichthofgalerie stand.

Dieser Mann trug einen schwarzen, altertümlich geschnittenen Covercoat, unter dem sich ein ebenfalls pechschwarzer Anzug befand. Dieser Mann hielt einen altväterlich gebundenen Regenschirm in der Hand und schmückte seinen Kopf mit einer schwarzen runden Melone.

Es handelte sich um den Butler Josuah Parker, der sich in die Überwachung des Warenhauses eingeschaltet hatte. Seit einigen Wochen machte eine gut und wahrscheinlich auch straff organisierte Bande von Ladendieben die Stadt unsicher. Alle Warenhäuser in Frisco, ob groß oder klein, wurden auf raffinierte Art und Weise heimgesucht und bestohlen.

Trotz der größten Wachsamkeit der Warenhaus-Detektive hatte man diesen Dieben bisher nicht beikommen können. Was in den Netzen der verstärkten Überwachung hängengeblieben war, waren nur kleine Fische, wie es im Fachjargon hieß.

Das ›Jackson‹ war von den Ladendieben besonders böse heimgesucht worden. Einmal, weil dieses Warenhaus besonders groß war, zum anderen, weil der Publikumsverkehr hier immer sehr stark war.

Um weiteren Verlusten vorzubeugen, war die Direktion des Warenhauses auf den Gedanken gekommen, einen Spezialisten zusätzlich zu engagieren. Man war auf den Butler Josuah Parker verfallen. Mundpropaganda und Tips der Polizei hatten auf Parker aufmerksam gemacht. In einschlägigen Fachkreisen galt Josuah Parker als zwar skurriler, aber auch sehr erfolgreicher Amateur-Kriminalist.

All das waren die Gründe, warum Parker an der Brüstung der Lichthofgalerie stand und den dicklichen Mann vor der Theke der Fotoabteilung beobachtete.

Parker war aufgefallen, daß dieser etwas 40jährige Mann trotz des großen Betriebs vor der Theke die Zeit und Nerven hatte, die Prospekte durchzublättern. Normaler wäre es doch wohl gewesen, er hätte sich die bewußten Prospekte eingesteckt und irgendwo abseits vom Getriebe in aller Ruhe durchgelesen.

Parker glaubte sicher zu sein, daß er einem raffinierten Ladendieb auf der Spur war. Wegen der Entfernung konnte Parker es nicht riskieren, seinen Platz an der Galerie zu verlassen. Der Mann vor der Theke hätte sich ja inzwischen entfernen können. Um diesen möglichen Ladendieb aber in jedem Fall bremsen zu können, griff der Butler in die linke Tasche seines Covercoats und holte ein seltsam geformtes Drahtgebilde hervor, an dem zwei daumendicke Gummistränge baumelten. Schnell und geschickt steckte Parker die beiden Drahtgebilde zusammen und besaß im gleichen Moment eine starke Gabelschleuder. Es handelte sich um eine kleine Gelatinekapsel, die mit roter Leuchtfarbe gefüllt war. Zerplatzte diese Gelatinekapsel im oder auf dem Ziel, trat die Flüssigkeit hervor und färbte alles rot ein.

Noch konnte und durfte der Butler nicht schießen. Noch blätterte der hartnäckige Kunde in den Prospekten herum. Er schob sich dabei allerdings langsam, kaum merklich, an die Fotoapparate heran, die links von ihm auf der Theke aufgebaut waren.

Nun sah Parker auch, daß dieser Kunde einen Regenschirm mit sich führte. Sollten darin die gestohlenen Apparate verschwinden?

Josuah Parkers Gesicht blieb unbeweglich. Nur in seinen eisgrauen Augen war Leben. Sie ließen den seltsamen Kunden nicht aus den Augen. Parker glaubte, auf der richtigen Spur zu sein. Er konnte zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht wissen, daß dieser Mittag der Beginn haarsträubender Abenteuer sein würde …

*

Der dickliche, etwa 40jährige Mann war sich seiner Sache vollkommen sicher.

Nicht umsonst stand er vor der Theke. Sein Regenschirm wartete darauf, einige Fotoapparate aufzunehmen. Er wartete nur noch auf die günstigste Gelegenheit. Er hatte erst vor einer Stunde den Auftrag erhalten, einige Leicas zu besorgen. Prompt machte er sich an die Arbeit. In seinen Augen war dieser Diebstahl nur eine Kleinigkeit.

Die günstige Gelegenheit bot sich recht bald.

Zwei jüngere Leute, wahrscheinlich gerade verheiratet, denn sie turtelten noch recht intensiv miteinander, ließen sich von einem der drei Verkäufer Fotoapparate zeigen. Sie waren sehr wählerisch und interessierten sich für immer neue Modelle.

Auf der Theke stapelten sich die Apparate.

Der dickliche, korrekt gekleidete Mann mit dem Aussehen eines seriösen Geschäftsmannes, schob sich an das Pärchen heran. Ein schneller Blick in die Runde. Weit und breit kein Detektiv zu sehen. Für solche Personen besaß er nämlich einen sicheren Instinkt. Er war kein Anfänger in der Branche.

Sein Blick glitt an den Galerien des Lichthofes hoch.

Erfahrungsgemäß konnten sich dort an den Brüstungen Hausdetektive aufgebaut haben. War die Luft rein?

Sie war sauber wie nach einer chemischen Behandlung. Das scharfe Auge des Trickdiebes konnte keinen Detektiv erspähen.

Blitzschnell machte er sich an die Arbeit.

Der scheinbar seriöse Geschäftsmann rempelte die junge, verliebte Frau ungeschickt an, entschuldigte sich wortreich und hob ihre zu Boden gefallene Tasche auf. Gleichzeitig ließ seine linke Hand einige Fotoapparate im Regenschirm verschwinden.

Das alles geschah mit solch einer Schnelligkeit, die glatt Bewunderung verdiente, hätte sie nur einem besseren Zweck gedient. Weder die Kunden vor der Verkaufstheke noch die Verkäufer dahinter merkten etwas von diesem raffinierten Diebstahl, zumal der Trickdieb die Prospekte durcheinander geworfen und über die Apparate verstreut hatte.

Der Trickdieb entschuldigte sich noch einmal und schickte sich an, in der Menge zwischen den Verkaufsständen zu verschwinden. Ihm kam es darauf an, den nun gefährlich gewordenen Regenschirm verschwinden zu lassen.

Zu diesem Zweck wartete neben einem runden Verkaufstisch ein junger Mann. Auch er trug einen Regenschirm. Doch dieser Schirm enthielt keine Beuteware. Er hätte von jedem noch so mißtrauischen Detektiv untersucht werden können.

Der Trickdieb steuerte auf diesen jungen Mann zu. Er wollte die Regenschirme austauschen. Alles schien vollkommen glattzugehen. Geduld und Vorsicht hatten sich wieder einmal gelohnt.

Dachte er …!

Plötzlich zuckte er unter dem Anprall eines kleinen Geschosses zusammen. Er spürte einen an sich harmlosen Schmerz auf der Stirn. Und erschrak. Steif, wie erstarrt, blieb er stehen. Seine Finger hatten sich rot gefärbt.

Blut …?!

Er spürte die warme Flüssigkeit auf der Nasenwurzel, auf den Wangen. Er sah erschreckte Gesichter, entsetzt aufgerissene Augen, die ihn anstarrten. Einige Kunden um ihn herum deuteten auf sein Gesicht. Eine bereits bejahrte Frau stieß einen ersten, gellenden Schrei aus.

Parkers Geschoß hatte getroffen. Der Trickdieb war gezeichnet worden. Der so seriös aussehende Geschäftsmann spürte eine bleierne Schwäche in den Beinen. Er fühlte sich tödlich getroffen und verwundet. Er taumelte gegen den Verkaufstisch und merkte gar nicht, daß sein Regenschirm schnell und geschickt ausgetauscht wurde.

»Hilfe … Hilfe …«, murmelte der Trickdieb mit versagender Stimme. »Hilfe, ich verblute.«

»Aber nicht doch«, sagte in diesem Augenblick eine beruhigende Stimme neben ihm. »Ich werde Sie in den Rettungsraum bringen. Kommen Sie …!«

Der Trickdieb spürte sofort, daß diese beruhigende Stimme Gefahr bedeutete. Ein Hausdetektiv mußte ihn angesprochen haben. Für solche Sprachschwingungen besaß er ein feines Gehör.

Und er dachte an den wohl gefüllten Regenschirm. Wurden die gerade gestohlenen Apparate gefunden, war er geliefert. Zwei einschlägige Vorstrafen hatte er bereits auf dem Buckel. Wurde er nun zum dritten Mal überführt, konnte er sich auf einen langjährigen Aufenthalt hinter stählernen Gittern gefaßt machen.

In seiner Panik beging er den Fehler, flüchten zu wollen. Er stieß die erschreckt aufschreienden, eben noch mitfühlenden Kunden zur Seite und rannte los.

Er kam nicht weit.

Er verfing sich in der Kompakt zusammengedrängten Menschenmenge. Dann spürte er eine harte Hand auf seiner Schulter.

»Stecken Sie’s auf«, sagte die Stimme, die ihm äußerst unangenehm war. »Kommen Sie mit ins Büro! Ich glaube, Sie haben mir etwas zu sagen.«

Der Trickdieb ließ resigniert den Kopf sinken. Er dachte an die Fotoapparate in seinem Schirm. Er wußte noch nicht, daß die beiden Schirme ausgewechselt worden waren. Sonst hätte er vielleicht eine Lippe riskiert, wie es in seiner Branche so treffend hieß …

*

Der junge Mann mit dem wohlgefüllten Regenschirm strebte langsam dem Ausgang zu. Er verhielt sich vollkommen normal und ging keinen Deut schneller, als es angebracht war. Er war sich seiner Sache vollkommen sicher. Der Trick mit den vertauschten Regenschirmen war schon oft praktiziert worden. Warum sollte ausgerechnet heute eine Panne passieren?

Natürlich dachte er über seinen Mitarbeiter nach. Er konnte sich nicht erklären, was seinem älteren Partner passiert war. Auch der junge Mann hielt die rote Flüssigkeit auf dem Gesicht seines Partners für Blut. Wie es zu dieser Verwundung gekommen war, konnte er sich nicht erklären. Hauptsache aber war und blieb, daß er die Beute aus dem Warenhaus bringen konnte. Alles andere würde sich schon von allein ergeben.

Der junge Mann stand dicht vor dem Ausgang. Er hielt einen Moment inne und sah zurück. Von seinem Partner war nichts zu sehen. Das Geschiebe und Gedränge zwischen den Theken war zu stark. Die Sicht war ihm versperrt.

»Können wir Sie einen Moment sprechen?«

Der junge Mann blieb wie festgenagelt stehen. Langsam nahm er den Kopf zur Seite. Neben ihm stand ein unauffällig gekleideter Mann von etwa 45 Jahren. Er lächelte den jungen Mann an, doch seine Augen waren an diesem Lächeln nicht beteiligt.

Der junge Trickdieb wußte sofort Bescheid.

»Versuchen Sie nicht zu verschwinden«, redete der Mann mit den kalten Augen weiter. »Ich bin nicht allein hier.«

»Was wollen Sie?« regte sich der junge Trickdieb auf. Hinter seinen Worten stand keine Überzeugungskraft.

»Darüber unterhalten wir uns im Büro«, meinte der Mann mit den kalten Augen. »Kommen Sie!«

»Na schön. Aber das werden Sie bereuen.« Der Trickdieb blitzte den Hausdetektiv gereizt an, fügte sich aber in sein Schicksal. Er ließ sich in den Fahrstuhl dirigieren. Unterwegs versuchte er, seinen Regenschirm mit den Fotoapparaten loszuwerden. Er erledigte das mit großer Geschicklichkeit.

Als er und der Hausdetektiv an einer Stofftheke vorbeikamen, hängte der junge Trickdieb den Griff des Regenschirms in ein Krawattengestell. Es klappte wunderbar. Der Hausdetektiv hatte nichts gesehen und blieb ahnungslos.

»Was wollen Sie eigentlich von mir?« schnauzte der junge Trickdieb, als er zusammen mit seinem Bewacher im sonst leeren Fahrstuhl stand. »Ich werde mich beschweren, darauf können Sie Gift nehmen. Und Ihr Verein wird eine Schadenersatzklage an den Hals bekommen, die sich gewaschen hat.«

»Kein Mensch hindert Sie daran, das zu versuchen«, erwiderte der Hausdetektiv. »Fest steht, daß Sie gestohlen haben. Und zwar Fotoapparate. Warum wollen Sie das abstreiten?«

»Ich soll gestohlen haben? Sind Sie verrückt? Wo sollen diese verdammten Apparate denn sein? In meiner Rocktasche?«

»In Ihrem Regenschirm.«

»Regenschirm? Sind Sie blind? Wo habe ich einen Regenschirm?«

Der Hausdetektiv deutete mit dem Kinn hinunter auf die linke Hand des Trickdiebes. Und im gleichen Moment merkte der Hausdetektiv, daß der bewußte Regenschirm nicht mehr vorhanden war.

»Sehen Sie Gespenster?« höhnte der junge Mann. »Wo habe ich einen Regenschirm, he? Sie haben mich wahrscheinlich verwechselt. Aber dieser Irrtum wird Sie Geld, viel Geld kosten.«

»Das ist doch … Sie hatten doch …!« Der Hausdetektiv stotterte herum. Sein Gesicht färbte sich rot. Er preßte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.

»Einen Dreck hatte und habe ich«, antwortete der junge Mann mit scharfer, empörter Stimme. »Sie haben den falschen Mann erwischt. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie lassen mich laufen, und ich werde diesen Zwischenfall vergessen.«

»Ausgeschlossen …!«

»Mann, sind Sie stur. Sie sitzen doch in der Tinte. Begreifen Sie denn nicht, welche Chance ich Ihnen biete?«

»Sie kommen mit ins Büro.«

»Aber Sie suchen doch einen Mann mit Regenschirm, oder?«

»Wenn schon … Sie kommen mit!«

»Schön, ich komme mit. Sie sind am Drücker. Aber jetzt werde ich aufdrehen. Sie wollen ja nicht begreifen.«

Der Hausdetektiv verzichtete darauf, eine Antwort zu geben. Er schob den jungen Mann aus dem haltenden Fahrstuhl und dirigierte ihn auf eine Tür zu, hinter der sich ein langer Korridor befand. Von hier aus zweigten die einzelnen Büros der Kaufhausverwaltung ab. Sie landeten in einem sehr unpersönlich und sachlich eingerichteten Büro, dessen Mobiliar aus Aktenschränken, Karteikästen, Schreibmaschinen und einer Fotoatelier-Ecke bestand.

»Packen Sie Ihre Taschen aus«, forderte der Hausdetektiv den jungen Mann auf.

»Mit dem größten Vergnügen.« Der junge Trickdieb grinste unverhohlen. Was konnte ihm schon passieren? Er hatte den Hausdetektiv gründlich hereingelegt. Man konnte ihm nichts beweisen. Die Fotoapparate lagen schließlich in dem Regenschirm. Und dieser Regenschirm hing irgendwo an einem Gestell im Erdgeschoß des Warenhauses.

»Zufrieden?« fragte der junge Mann, als er seine Taschen geleert hatte.

»Sie arbeiten für die Wäscherei Huntington?« fragte der Detektiv, der den Inhalt der Brieftasche durchblätterte.

»Mann, Sie können ja sogar lesen«, spottete der junge Mann.

»Sie heißen Jerry Mulligan?«

»Sie werden immer besser«, meinte der junge Mann und grinste.

»Wie heißt Ihr Partner, der Ihnen den Regenschirm in die Hand gedrückt hat?« Der Hausdetektiv ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

»Wovon reden Sie eigentlich?«

»Von diesem Regenschirm hier«, antwortete der Detektiv. Er beugte sich über einen Tisch und hob einen Regenschirm vom Stuhl hoch. Er legte ihn betont langsam auf den Tisch und öffnete ihn. Dann holte er nacheinander drei Fotoapparate aus den Falten der Schirmseide.

Der junge Trickdieb schluckte. Seine Augen verengten sich. Er spürte, daß ihm das Blut aus dem Gesicht wich. Er faßte sich jedoch schnell.

»Wollen Sie mir was anhängen?« fragte er heiser.

»Wieso, Sie sitzen doch bereits in der Tinte«, meinte der Hausdetektiv gelassen. »Wir werden jetzt Ihre Fingerabdrücke aufnehmen und sie mit denen auf dem Schirmgriff vergleichen. Wetten, daß sie identisch sind?«

»Verdammt …!«

»Sie sind nicht gerade wortreich«, spottete nun der Hausdetektiv. »Haben Sie uns für Anfänger gehalten, Mulligan?«

»Meine Fingerabdrücke werden Sie nicht bekommen«, sagte der junge Mann heftig.

»Muß ich unbedingt die Polizei verständigen?«

»Bleibt die aus dem Spiel, wenn ich mitspiele?«

»Natürlich. Sie werden selbstverständlich Hausverbot für das ›Jackson‹ bekommen. Aber das läßt sich ja wohl verschmerzen, oder?«

»Gut, ich mache mit. Ich begreife nicht, wie Sie diesen Zauber hinbekommen haben.«

»Ihr Partner Arthur Stone ebenfalls nicht.«

»Sie haben Stone?« wunderte sich der junge Trickdieb.

»Natürlich. Was dachten denn Sie, Mulligan?«

»Ich begreife das einfach nicht. Bisher ist doch immer alles gutgegangen; ich meine, also, Sie müssen nicht glauben, daß ich schon öfter hier …«

Der junge Mann verhaspelte sich gründlich. Er hatte bereits viel zuviel gesagt. Er wußte das und ärgerte sich darüber.

»Ich kann Ihnen alles erklären, Mulligan«, gab der Hausdetektiv ernst zurück »Wir sind schon ausgekochte Fachleute. Aber unser neuer Kollege stellt uns alle in den Schatten. Sagenhaft, welche Tricks er aus seinen Taschen zaubert …«

*

Gemessen und würdevoll schlenderte Butler Parker durch das Warenhaus. Er war außerordentlich zufrieden. Schon am ersten Tag seines Wirkens hier im ›Jackson‹ war es ihm gelungen, zwei raffinierte Trickdiebe zu erwischen.

Nach seinem Schuß mit der Gabelschleuder hatte er die beiden Hausdetektive schnell und geschickt eingesetzt. Parker hatte den Trick der beiden äußerlich so ungleichen Ladendiebe sofort durchschaut und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Nun saßen die beiden Diebe im Büro und wurden verhört.

Um diese technischen Dinge kümmerte Parker sich nicht weiter. Er konnte sich voll und ganz auf Chefdetektiv Hassler verlassen, der den Einsatz der Warenhausdetektive leitete. Hassler war ein ehemaliger Kriminalsergeant, der freiwillig aus dem Behördendienst ausgeschieden war. Er wußte, wie man Verhöre leitete.

Josuah Parker glich einem pensionierten, leicht verschrobenen Collegelehrer, als er durch das Warenhaus schlenderte. Kein Mensch hätte hinter ihm einen sehr trickreichen und erfolgreichen Amateurdetektiv vermutet.