Alltagsattraktionen - Jan Lipowski - E-Book

Alltagsattraktionen E-Book

Jan Lipowski

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Beschreibung

Mit feiner Beobachtungsgabe und hoher Pointendichte verarbeitet Jan Lipowski den vermeintlich langweiligen Alltag zu hochgradig unterhaltsamen Kurzgeschichten, die beste Laune und viel Freude versprechen. Mit aufmerksamem und humorvollem Blick destilliert er amüsante Begebenheiten und kleine Missgeschicke zu temporeichen Geschichten, die für Vergnügen sorgen: Männer in der Küche, Sinnsuche bei skurrilen Heckscheibenaufklebern, fatale Taktikfehler an der Supermarktkasse, Hilflosigkeit im Fitnesscenter, Strategien bei Fußballwetten, Erlebnisse beim Joggen und Wintercampen, Nervenverluste bei einer Fast-Food-Bestellung, bahntastische Abenteuer u.v.a.m. Auswahl der humorvollsten Texte aus 10 Jahren! Erfrischende Texte, jederzeit stimulierend und perfekt geeignet für Sofastunden, Wartezimmer, Haltestellen, Fahrten in Bus oder Bahn und alle Pausen, die nach feinem Humor und guter Unterhaltung verlangen. "Ich hatte zwar schon ein Buch, folgte aber dem Trend zum Zweitbuch. Guter Kauf!" (unbekannter Käufer) "Jetzt gibt es keine Ausreden mehr – von wegen keine Zeit zum Lesen... Klasse Kurztexte!" (amüsierte Leserin)

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Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Jan Lipowski

Alltagsattraktionen

Kurzgeschichten - "Best of"

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

– Über dieses Buch –

Pressestimmen

– Frauen –

Taktikfehler

»Rigatoni mit Soße Ihrer Wahl« – oder: Wann und warum ich Trinkgeld gebe

Kino-Dialoge

Doppelnull

Frauentag

Lust auf Figur

Eiland

Die wilde Geschichte von Garik

Kastrationsrituale

Wie ich einmal beinahe rausgeflogen wäre

Rehbraun

– Männer –

Dreißig plus vier

42

Warum mein Bruder 2 cm größer ist

Zeitmaschine

Beobachtung und Irrtum

„Beziehungsweise“

Zum Weinen

– Verkehr –

Fahrt zur Arbeit

Stockender Verkehr

Das Warndreieck

Ich habe keine Lust mehr

Bahntastisch

Anhalter

Heckscheibenaufkleber

Heckscheibenaufkleber 2.0

– Sport –

Mittelfeld

„Tipp, Tipp – Hurra?“

Wintercampen

Wintercampen II

Feinkostgewölbe

Jogging

Selbstläufer

Zum Autor

Impressum neobooks

– Über dieses Buch –

  Vorliegendes E-Book ist eine Auswahl der „besten Texte“ – in Hinblick auf Humor, Reaktion der Leser sowie insbesondere der Hörer bei Lesungen – des Autors aus seinen Büchern: „Lust auf Figur“ (2. Auflage 2011), „Montagslaune (3. Auflage 2011) sowie „Rotweinlaune auf Weißweinbasis“ (1. Auflage 2013).

30.000 Wörter mit über 203.000 Zeichen entsprechen etwa 135 Normseiten bzw. im Format der genannten Hard- und Softcoverausgaben 160 Buchseiten. – Der Autor Jan Lipowski wünscht viel Vergnügen!

    „Klappentext“

  Auswahl der humorvollsten Texte aus 15 Jahren! Mit feiner Beobachtungsgabe und hoher Pointendichte verarbeitet Jan Lipowski den vermeintlich langweiligen Alltag zu hochgradig unterhaltsamen Kurzgeschichten, die, augenzwinkernd in die Kapitel „Frauen“, „Männer“, „Verkehr“ und „Sport“ einsortiert, beste Laune und viel Freude versprechen.

Mit aufmerksamem und humorvollem Blick destilliert er amüsante Begebenheiten und kleine Missgeschicke zu temporeichen Geschichten, die für Vergnügen sorgen: Männer in der Küche, Sinnsuche bei skurrilen Heckscheibenaufklebern, fatale Taktikfehler an der Supermarktkasse, Hilflosigkeit im Fitnesscenter, Strategien bei Fußballwetten, Erlebnisse beim Joggen und Wintercampen, Nervenverluste bei einer Fast-Food-Bestellung, bahntastische Abenteuer u.v.a.m.

Erfrischende Texte, jederzeit stimulierend und perfekt geeignet für Sofastunden, Wartezimmer, Haltestellen, Fahrten in Bus oder Bahn und alle Pausen, die nach feinem Humor und guter Unterhaltung verlangen.

„Ich hatte zwar schon ein Buch, folgte aber dem Trend zum Zweitbuch. Guter Kauf!“ (unbekannter Käufer)

„Jetzt gibt es keine Ausreden mehr – von wegen keine Zeit zum Lesen... Klasse Kurztexte!“ (amüsierte Leserin)

Pressestimmen

... zu „Lust auf Figur“

„Du sollst nicht langweilen...“ (Rheinische Post)

„Literarische Oase im Einerlei“ (Freie Presse)

„... mit viel Humor und Selbstironie“ (TU Spektrum)

„Jan Lipowski unterhält Leser mit Alltagsbewältigungsprosa...“ (Uni aktuell)

... zu „Montagslaune“

„...das beste Rezept gegen Montagslaunen“ (Freie Presse)

„Stimmungsaufheller“ (Stadtstreicher)

„Montagslaunen und viele skurrile Geschichten von Jan Lipowski“ (blitzpunkt)

„Gute Laune für den Montag“ (VS aktuell)

„Lachen ist das beste Rezept – auch gegen Montagslaunen“ (TU Spektrum)

„Endlich wieder Montag!?“ (team:)

... zu „Rotweinlaune auf Weißweinbasis“

„Jan Lipowski sorgt mit Humor für gute (Rotwein)Laune“(WochenSpiegel Sachsen)

„... amüsante Kurzgeschichten“ (Uni aktuell)

„... feine literarische Form“ (Stadtmagazin BLITZ!)

„Hochprozentig gute Laune“ (Freie Presse)

– Frauen –

    „Eine Erzählung ohne Frau

ist eine Maschine ohne Dampf.“

(Anton Pawlowitsch Tschechow)

  * * *

„Gut zurechtgemacht fürs Ausgehen

ist eine Frau dann, wenn ihr Begleiter

lieber mit ihr Zuhause bliebe.“

(Olga Tschechowa) 

Taktikfehler

  Da ich im Supermarkt scheinbar immer genau diejenige Kasse erwische an der die Schlange am langsamsten voran rückt, änderte ich meine Taktik: Ich stelle mich ab sofort an die Kasse mit der hübschesten Kassiererin, dann sind Wartezeit und Zahlung wenigstens etwas angenehmer. Doch heute ging es wirklich extrem langsam: ein Mütterchen suchte ewig nach fünf Cent, Obst war nicht abgewogen, diverse Strichcodes wollten nicht eingescannt werden, dann war natürlich – der Klassiker – die Bon-Rolle alle! Schließlich fiel eine Flasche Rotwein vom Band … und als ich dann endlich an der Reihe war, wechselten die Kassiererinnen!

Wobei dies zu harmlos ausgedrückt ist, denn meine Kassen-Grazie wurde durch eine derart unappetitliche Erscheinung mit Tendenz zur optischen Umweltverschmutzung abgelöst, dass folgender Gedanke in mir spontanen Ekel hervorrief: „Die fasst gleich alle meine Artikel, die auf dem Band liegen, an!“ – Für einen Wechsel war es jedenfalls zu spät. Aber nein, nein, von der mochte ich nicht einmal Wechselgeld annehmen. Daher nahm ich zum Bezahlen meine EC-Karte und steckte sie schnell und korrekt ins Lesegerät. Das Gerät piepst hektisch. Flugs schnappt sich die Kassenqualle meine EC-Karte, leckt ihren Daumen an, wischt feucht über den Magnetstreifen und grunzt: „So, jetze geht’se!“

»Rigatoni mit Soße Ihrer Wahl« – oder: Wann und warum ich Trinkgeld gebe

Siebzehn Uhr dreißig. Endlich Feierabend. Ich verlasse eilig das Büro. Der Arbeitstag war wie im Fluge vergangen und nun standen einige Einkäufe im Chemnitz-Center an, was man eigentlich Röhrsdorf-Center nennen müsste, denn es befindet sich vor den Toren der Stadt, die einer meiner Freunde einst als befestigten Campingplatz ohne Zentrum verspottet hatte.

Trotz »optimaler Rundreise« durch besagtes Einkaufszentrum wurde ich schnell pflastermüde und hungrig. Wahrscheinlich war ich bereits als hochgradig unterzuckert zu bezeichnen, als ich vorm »Nudelmacher« gegen ein Schild lief: »Rigatoni mit Soße Ihrer Wahl: 3,50 Euro!«, das klang nach Rettung und ich ging hinein.

Drinnen lehnte eine junge Frau lasziv hinter der Theke, die ob ihrer Erscheinung und ihres hübschen aber überaus gelangweilten Gesichtsausdruckes glatt als »Miss Servicewüste Sachsen« durchgegangen wäre. Sie hatte wunderschöne Locken – aber letztlich sind dies ja auch nur verkrüppelte Haare, die nicht gleichmäßig gewachsen sind. Ich dachte mir »Wer schön sein will, muss leiden!« und löste folgenden Bestellvorgang aus:

Ich: „Einmal »Rigatoni mit Soße Ihrer Wahl« bitte.“

Miss Servicewüste: „Große Portion?“

Ich: „Ja, wie im Angebot auf der Tafel, die dort steht … ähem liegt.“

Sie: „Welche Soße?“

Ich: „Ja, ähm, »Soße Ihrer Wahl« – siehe Tafel.“

Sie: „Aha.“

Ich: „Ja.“

Sie: „Äh – und welche denn?“

Ich: „Na wie im Angebot: »Mit Soße Ihrer Wahl«.“

Sie: „Nein…“

Ich: „Doch!“

Sie: „Nein, das steht doch dort nur so…“

Ich: „Wie? Sie haben gar keine?“

Sie: „… Soße IHRER Wahl!“

Ich: „Ja…, genau…“

Sie: „Und welche konkret?“

Ich: „Ja, ich verlasse mich da voll und ganz auf Sie.“

Sie: „Ich habe Rahm-Schinken-Soße, Tomatensoße, Käsesoße jeweils mit oder ohne Knoblauch und Pilzsoße.“

Ich: „Ja, das klingt gut!“

Sie: „Ich weiß nun aber immer noch nicht, was Sie genau haben wollen.“

Ich (lese vor): „Heute im Angebot! Tagesgericht – 3 Euro fünfzig – »Rigatoni mit Soße Ihrer Wahl«, das möchte ich bitte.“

Sie: „Aber welche Soße denn nun? – Ich tue sonst von allen was drauf!“

Ich: „Wie? Das wird hier also unter »Wahl« verstanden?“

Sie: „Also Sie treiben mich noch in den Wahnsinn! Welche Soße – also welche der Soßen, die ich eben aufgezählt hab’?“

Ich: „Ich möchte doch einfach nur bekommen, was bei Ihnen heute im Angebot ist. Woher soll ich denn wissen, was davon die »Soße I-h-r-e-r Wahl« ist.“

Sie: „Na, das will ich doch von Ihnen wissen!! Also es geht nicht um meine, sondern um I-H-R-E Wahl! Also sozusagen um … um … Deine Wahl. Ja?“

Ich: „Ähm, seit wann duzen wir uns?“

Sie: „Also bitte!“

Ich: „Gut…, geben Sie mir eine, die gut schmeckt.“

Sie: „Die schmecken alle gut, aber die Geschmäcker sind halt verschieden! Deshalb steht da ja auch »Soße I-h-r-e-r Wahl«!!“

Ich: „Ja, klar.“

Okay, der Hunger ist nun stärker als mein Spiel- beziehungsweise Demütigungstrieb und ich möchte die junge Frau nicht weiter in kritische Blutdruckbereiche hineintreiben. Und wer weiß, was sie mir jetzt für eine Pilzsoße kredenzen würde…

Abgebrüht wie ein Beutel Grüntee nach dem vierten Aufguss lächle ich Sie an. „Verstanden“, sage ich, „also ich nehme die Tomatensoße ohne Knoblauch und Sie… – selbstredend ernst!“ und würze das Ganze mit einem netten Lächeln und einem versöhnlichen Trinkgeld meiner Wahl. Denn ich weiß, Frauen sind extrem sensibel und werden in ihrer Feinfühligkeit letztlich wohl nur noch von uns Männern übertroffen.

Kino-Dialoge

Manchmal fahre ich gleich nach der Arbeit mit etwas Hunger und viel Vorfreude zur 19-Uhr-Vorstellung ins Clubkino. Hinter den vertraut knarrenden Clubsesselreihen des großen Saales befindet sich eine Bar, wo man Süßigkeiten, Knabberzeug, Bier, Weiß- und Rotwein aber auch Wiener Würstchen bekommt. Da Erwärmung und Toast ein Weilchen dauern, sucht man nach der Bestellung gewöhnlich seinen Platz auf, muss allerdings darauf gefasst sein, dass nach wenigen Minuten der Ruf: „Abendbrot is fertsch!“ oder „Das Wiener Würstchen bitte … zu mir!“ durch den Saal schallt und man selbst einen Moment im Rampenlicht steht.

Doch heute bin ich nicht hungrig, eher durstig. Vor mir steht eine Frau an der Kasse, vielleicht Anfang vierzig. Sie verlangt: „Einmal »Liebesleben« bitte.“ – „Ja, hamm‘se denn kein eigenes…?“ – „Waaas? Bitte?!“ – „Macht 4 Euro.“ – „Na, das nenn ich günstig dafür!“

Also ich finde dies auch in jeder Beziehung günstig und den Dialog amüsant. In der Schlange hinter mir stehen etliche Frauen (ohne Liebesleben?) und lächeln. Hoppla, ich stehe hier falsch. »Liebesleben« habe ich schon gesehen und möchte in den großen Saal, wo »Sie sind ein schöner Mann« auf dem Programm steht. Und ich müsste überhaupt nicht anstehen, denn »wer hängt, muss nicht zahlen« und da ich eine Fotoausstellung im Foyer des Kinos hängen habe, komme ich ja umsonst rein. So passiere ich lächelnd die Kasse und höre noch: „Sonst sieht man den monatelang nicht – und jetzt, wo er so rein kann, kommt der jeeede Woche!“

Ich gehe gleich zur Bar, bestelle ein Landbier und nicht wie traditionell »einen trockenen Dornfelder und ’ne Cola«, was den Barmann sichtlich verunsichert: „Was denn? Macht’s der Magen nicht mehr mit?“ – Also ich finde die Kombination überhaupt nicht schlimm, zuerst die Cola gegen Durst und Müdigkeit dann den Rotwein zum Genuss.

Ich sitze mit dem Bier entspannt an meinem Tisch, stöbere im Programmheft und bekomme unfreiwillig das hochinteressante Gespräch zweier Frauen vor mir mit: „Also wenn man sich auf die Waage stellt und bissel zurückbeugt, dann zeigt die 500 Gramm weniger an.“ – „Na, ich weeß ni.“ – „Doch, doch und hier, die Dingsda hat nach der Heirat ja och ganz schön zugelegt!“ – „Schwanger?“ – „Ach!“ – „Nu aber aus Liebe hat die ni geheiratet! Bestimmt … weil se keen annern kriegt.“ – „Nee, weil sie ihn keiner anderen gönnt!“ – „Oder weil sie ihm keene annere gönnt!“ – „Ha-ha-haha…“ – „Hi-hihi…“

Ich versuche mich vergeblich auf das Programmheft zu konzentrieren. „… nu globstes, Nasendrobben sollen nu och noch süchtsch machen.“ – „Was? Niemals!! Das müsst’sch wissen, die nehmsch nämlich täglich!“ – Ich kann mir das Lachen nicht mehr verkneifen und pruste los.

Die Damen drehen sich um, doch sie werden zum Glück abgelenkt, denn von der Bar tönt vernehmlich die Frage: „Ist eine Claudia Stäntzel im Saal!?“ Schlagartig verebbt das Murmeln. Mit einem Mal vollkommene Ruhe im großen Kinosaal, auch keinerlei Hintergrundgeräusche mehr, nicht einmal ein Sessel knarrt… – „Ja“, piepst zögernd eine dünne Stimme.

„Schön!“, dröhnt der Bass aus dem Hintergrund. Dann wieder Schweigen. Es folgt nichts, keine Erklärung, weder Kontext noch überhaupt irgendein Text. Weiterhin gespannte Stille. Jeder wartet darauf, dass der Dialog endlich weitergeht – und auf die Erklärung, warum es so schön ist, dass Claudia Stäntzel im Saal ist. Es knistert förmlich, doch weder Bonbonpapiere noch Chipstüten sind dafür verantwortlich. Hochspannung. Dann ertönt der Gong und verhallt. Das Licht wird gedimmt. Im Schutze der Dunkelheit beginnt jemand zu lachen und alle stimmen befreit ein. Die Spannung löst sich, das Lachen steigert sich. Was für eine Einstimmung auf den Film! Vergnügen, Heiterkeit sowie die ungelöste Frage bleiben für die nächsten 99 Minuten zu Gast im großen Saal des Clubkinos Siegmar.

Epilog

Kurz nach der sehenswerten und von feiner Melancholie durchwehten Komödie, es war noch dunkel, der Abspann lief, sah ich – mich halb umwendend – aus den Augenwinkeln und nur schemenhaft wie eine Frau, vermutlich jene Claudia Stäntzel, an der Theke … ein Portemonnaie entgegennimmt.

Doppelnull

Komischerweise werde ich beim Besuch von Programmkinos sehr häufig mit dem unangenehmen Phänomen des dringend-auf-Toilette-Müssens im letzten Filmdrittel konfrontiert, obwohl ich meist nur ein Glas Rotwein oder eine Flasche Bier trinke.

So auch kürzlich. Und obgleich das Doppelte von null immer noch null ergibt, sind dem Eiligen zwei Nullen erfahrungsgemäß viel lieber als eine. Ich hatte es wirklich eilig und hoffte, nach Verlassen des Hauptgebäudes über eine schmale, schier endlos lange Treppe endlich den Weg zur Toilette gefunden zu haben. Ein halb zu gewucherter Trampelpfad führte mich in ein recht finsteres Randareal des SOXXX, an dessen Ende ich einen wenig vertrauenerweckenden Bau erblickte, welcher aber vermutlich die sanitäre Einrichtung darstellte. Zum Eingang führte eine verwitterte Betontreppe hinauf, auf welcher ein Typ mit unförmig-voluminösen Turnschuhen stand, der sich verzweifelt sein nasses Hosenbein abwischte und in mir den spontanen Gedanken: »Na prima, erst zu viel trinken und dann nicht mehr richtig zielen können!« aufblitzen ließ.

Mit dem ahnungsvollen Gefühl einer unbestimmten Vorwarnung öffnete ich die verzogene Tür und hastete Bedürfnis beladen hindurch. Eine gewisse Verzögerung resultierte allein daraus, dass meine Schuhsohlen nun bei jedem Schritt an den dunkelschmutzgrauen Fliesen kleben blieben. Mein flüchtiger Orientierungsblick bestätigte: Ja, hier ist für Männer – es waren Becken an der Wand. Aber das eine war bis zum Rand gefüllt (sattgelb), dass nächste von einem transparenten Müllsack verhüllt (Christo was here?) und alle anderen besetzt. Also ging ich in eine graffitiverkleisterte Toilettenbox. Drinnen stellte ich sogleich fest, dass a) ich mich da nicht hinsetzen werde und b) sich die Klotür nicht verriegeln lässt. Okay, da sie ja nach innen öffnet, bleibe ich eben so stehen, dass ich sie mit einem leichten Ausfallschritt blockieren kann.

Gut erzogen wie ich bin, klappte ich die Klobrille hoch, wobei sich herausstellte, dass selbige so blöd ausbalanciert war, dass sie stets wieder zuzuklappen drohte. Nun, dann beuge ich mich eben etwas weiter vor und halte sie mit der einen Hand – also eigentlich mit der anderen Hand – auf. Gleichzeitig versuchte ich, wie erwähnt, die Klotür mit der rechten Ferse zu blockieren, damit niemand hereinkommen kann, was auch sinnvoll war, da bereits jemand an der Klinke rüttelte. Von wegen leichter Ausfallschritt! Überdies war der Spalt unter der Tür so breit, dass ich schon Sorge hatte, ein Limbotänzer könnte unter der Tür hindurch tanzen.

Leise fluchend setzte ich meine Geschäftstätigkeit fort und hatte quasi alle Hände voll zu tun, um das zu vermeiden, was zu verhindern meinem Vorgänger, der vermutlich noch mit peinlich durchnässtem Beinkleid auf der Außentreppe im Luftzug stand, augenscheinlich nicht gelungen war – und konnte es glücklicherweise auch vermeiden!

Geschafft! Händewaschen war nun mehr als Pflicht, doch auch alle Waschbecken waren besetzt. Warten? – Nein, bei der schlechten Luft wollte ich keine Sekunde länger als unbedingt notwendig bleiben. Im Gehen streifte mein Blick flüchtig die Reihe der Gestalten, die mir alle mit sich selbst beschäftigt ihre Rücken zukehrten. Das Licht im Raum wurde durch Schichten toter Motten und Fliegen in den trüben Lampenschalen gedämpft, doch in der Ecke entdeckte ich am Ende eines rostigen Rohres einen einzelnen Wasserhahn, vor dem ein zerbeulter Emailletrog stand. Schnell noch die Hände waschen! Ich eilte hin und da der Boden hier ziemlich feucht wurde, klebten meine Schuhsohlen auch nicht mehr an den Fliesen. Stolz auf mein eben bewiesenes und mit vortrefflicher Feinmotorik gepaartes Balancevermögen trat ich überlegen lächelnd an den Waschbeckenersatz. Ich drehte den Wasserhahn auf – und … Mist!!

Das nahezu waagerecht herausspritzende Wasser traf meine Hose zentral unterhalb der Gürtelschnalle! – Ich fluchte kräftig und rehabilitierte auf der Stelle den Typen auf der Treppe.

Frauentag

Ja, wer kennt es nicht, das unangenehme Gefühl, wenn einem plötzlich einfällt, dass man seine Liebste/seinen Liebsten eigentlich phantasievoll überraschen wollte, die Vorbereitungen aber vollkommen vergessen hat und nun improvisieren muss. Kennenlerntag, Erster-Kuss-Tag, Valentinstag, Frauentag, Verlobungs- oder Hochzeitstag – Anlässe gibt es genug.

Jedenfalls war ich eines schönen Abends einer Flasche Rotwein auf den Grund gegangen als mir siedendheiß einfiel, dass ein besonderer Tag vor der Tür stand! Der Tag des so genannten schwachen Geschlechts, das in Wirklichkeit das Stärkere ist. Morgen ist der 8. März, an dem ich meine Liebste doch beeindrucken wollte. Bekanntermaßen ist es stetes Ziel der Männer (möglichst viele) Frauen zu beeindrucken, aber ich beabsichtigte dies sogar in einem mir weitgehend fremden Terrain zu wagen. Ja, ich hatte mir vorgenommen, mich einer Herausforderung am Herd zu stellen!

Ich bin wahrlich kein Küchenprofi, denke aber belustigt an eine Studentenparty zurück, bei der die weit unkundigere Gastgeberin ein Glas Gurken nicht aufbekam und dazu meinte: „Ich hasse Kochen!“

Doch fremdes Elend hilft nicht weiter. Ich wollte eine lecker-süße Überraschung zaubern, zudem meine (ebensolche) Liebste tatsächlich etwas Nervennahrung brauchte und damit zur eigentlichen Geschichte.

Meine Liebste kämpft mit Ihrer Diplomarbeit und wird sich in den nächsten Wochen wohl nicht dem Krimi widmen können, den ich ihr am Morgen zum Frauentag geschenkt habe. Sie sitzt hinter einem Bollwerk aus Fachliteratur am PC, ich höre Serien von Mausklicks, vereinzelte Unmutsäußerungen und nur selten die Tastatur. Wahrscheinlich recherchiert sie im Internet und kommt nicht recht voran.

Wettermäßig gibt sich der Internationale Frauentag keinerlei Mühe, Niesel hängt in der Luft, alles grau in grau, also ist es an mir, einen kleinen Farbtupfer zu setzen. Wegen der Kommerzialisierung von Valentinstag & Co. schenke oder überrasche ich lieber antizyklisch, doch heute tut eine Stimmungsaufhellung wirklich Not.

Bereits letztes Wochenende wollte ich ihr das Zentralgestirn des k.u.k.-Mehlspeisenhimmels kredenzen, was jedoch am fehlenden Mehl gescheitert war. Ehrlich gesagt hatte ich seit meinem Einzug eine Tüte im Küchenschrank, doch da waren mittlerweile kleine, braune Pünktchen drin, die sich langsam bewegten. Kein gutes Mehl! Und dass gerade diese zentrale Zutat in meinem Singlehaushalt jahrelang keine zentrale Rolle spielte, unterstreicht das Wagnis meines Vorhabens! – Aber laut meiner Arbeitskollegin soll ja so ein Kaiserschmarrn kinderleicht sein. Sie hatte mir auch gleich eine Internetadresse mit dem Rezept geschickt und sich amüsiert, als ich mich nach dem Stand der Technik des Trennens von Eiweiß und -gelb erkundigte. – Es wäre noch wie zu Großmutters Zeiten.

Nachdem ich mir bei meiner Nachbarin eine Tüte Mehl geborgt habe, rufe ich selbstbewusst über den Bücherberg, dass es in 20 Minuten eine leckere Überraschung gibt, verziehe mich mit meinen Notizen in die Küche und beginne mit dem Teig. 125 Gramm Mehl, 500 ml Milch… – ich mustere die abgemessenen Mengen, also das kann nicht sein! Ich hab’ vom Backen keine Ahnung, aber das wird viel zu dünn. Warum hatte ich bloß das Rezept nicht ausgedruckt!?