4,99 €
Scharfe Spannung – knisterndes Verlangen – eine ungewöhnliche, heißkalte Liebe … Aufgewachsen auf einer kleinen Farm im Nirgendwo von Texas ist das Leben der kühlen, in sich gekehrten Prudence Winter von klein auf von harter Arbeit, den Hänseleien der Kleinstadtbewohner und dem Spott ihrer zahlreichen Brüder geprägt. Als ihr Vater sie auch noch zur Heirat mit einem despotischen und bösartigen, aber vermögenden Nachbarn zwingen will, verweigert sie sich zum ersten Mal. Von ihrer Familie daraufhin verstoßen, versucht sie ihr Glück in El Paso und findet auch schnell einen guten Job. Doch plötzlich wird ihr bescheidenes und ruhiges Leben auf den Kopf gestellt. Eines Abends wird auf Pru geschossen und sie ist sich sicher: Die Schüsse gelten nicht ihr, sondern dem großen, gutaussehenden Rocker, dem sie zufällig über den Weg läuft! Schnell muss Pru allerdings erkennen, dass sie wirklich das Ziel eines Killers ist. Doch warum? In ihrer Not wendet sie sich an ihren Retter. Rhys Callahan ist ein brutaler Mistkerl, seine eine Gesichtshälfte von schweren Brandnarben entstellt. Aber Scar, wie Callahan wegen seines Aussehens genannt wird, ist auch ein ziemlich heißer Mistkerl und es steckt mehr in ihm, als er nach außen hin zeigt. Und dann ist da noch der altersschwache Kakadu Mr. Bumple, der mit seinen Sprüchen Pru das ein und andere Mal in die Bredouille bringt und mehr weiß, als jeder denkt. Langsam taut sie auf. Langsam fühlt sie mehr als nur kühle Logik. Langsam fängt sie an zu leben und langsam aber sicher verliert sie ihr Herz an den eiskalten Rhys Callahan. Doch Cale, der President und auch Demon, der Secretary der Sons of Rebels, bringen sie plötzlich gehörig durcheinander. Ehe sie sich versieht steht sie zwischen mehreren Männern. Bis der Killer sie kidnappt, weil er Rache will. Und nur einer kann sie retten! Sinner nannte man ihn früher. Ein Mann, schön wie die Sünde und gefährlich wie der Teufel. Scar nennt man ihn jetzt. Vernarbt, unberechenbar, eiskalt. Rhys Callahan, der Sergeant of Arms der Sons of Rebels, ist mehr als angepisst, als er zufällig dabei ist, wie auf eine junge Frau geschossen wird. Damn! Die Frau, mit den längsten Beinen, die er je gesehen hat, ist ein schlagfertiger Eisklotz, die bei ihm nur eine Reaktion hervorruft: Mit den Zähnen knirschen. Und dann bittet ausgerechnet sie ihn, denjenigen ausfindig zu machen, der es auf sie abgesehen hat? Um sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden, schlägt Rhys der jungfräulichen Prudence einen Deal vor, den sie unmöglich erfüllen kann. Doch was sie sich einfallen lässt – damit hat er nicht gerechnet. Noch weniger damit, dass er nach und nach Facetten an ihr entdeckt, die ihn mehr und mehr ansprechen. Denn Pru ist zäh, nicht zimperlich und hat es nicht nur faustdick hinter den Ohren, sondern auch das Herz am rechten Fleck. Und in ihr schlummert eine Leidenschaft, die in Rhys zu Asche verbrannte Gefühle zum Auflodern bringt. Auf einmal jedoch zieht der Grund, weshalb der Killer hinter ihr her ist, weitere Kreise, als die Sons of Rebels für möglich gehalten haben. Rasend schnell spitzt sich die Lage zu. Und seine eigene Vergangenheit holt ihn schneller ein, als er seine Glock ziehen kann... In sich geschlossene Biker Romance ohne Cliffhange, dafür mit Happy End. Jeder Roman der Sons of Rebels steht für sich und kann unabhängig von den anderen gelesen werden.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Biker Ice - Sons of Rebels MC
Biker Romance - Prudence & Rhys
Lara King
Moonlight Books
Cover
Titelblatt
DEEP LOVE - DARK PASSION - HOT ROMANCE
Zum Inhalt
Kapitel 1
*Prudence*
Kapitel 2
*Rhys*
Kapitel 3
*Prudence*
Kapitel 4
*Rhys*
Kapitel 5
*Prudence*
Kapitel 6
*Rhys*
*Prudence*
*Rhys*
Kapitel 7
*Rhys*
Kapitel 8
*Prudence*
Kapitel 9
*Rhys*
Kapitel 10
*Prudence*
*Rhys*
Kapitel 11
*Rhys*
Kapitel 12
*Prudence*
Kapitel 13
*Prudence*
Kapitel 14
*Rhys*
Kapitel 15
*Prudence*
Kapitel 16
*Rhys*
Kapitel 17
*Prudence*
Kapitel 18
*Rhys*
Kapitel 19
*Prudence*
Kapitel 20
*Rhys*
Kapitel 21
*Prudence*
Kapitel 22
*Rhys*
Kapitel 23
*Prudence*
Kapitel 24
*Rhys*
Kapitel 25
*Rhys*
Kapitel 26
*Prudence*
Kapitel 27
*Rhys*
Kapitel 28
*Prudence*
Kapitel 29
*Rhys*
Kapitel 30
Kapitel 31
*Rhys*
Kapitel 32
*Prudence*
Kapitel 33
*Rhys*
Kapitel 34
*Prudence*
Kapitel 35
*Rhys*
Kapitel 36
*Prudence*
Kapitel 37
*Rhys*
Kapitel 38
*Prudence*
Kapitel 39
*Rhys*
Kapitel 40
*Prudence*
Kapitel 41
*Rhys*
Kapitel 42
*Prudence*
Kapitel 43
*Rhys*
Kapitel 44
*Prudence*
Kapitel 45
*Rhys*
Kapitel 46
*Prudence*
Kapitel 47
*Rhys*
Kapitel 48
*Prudence*
Kapitel 49
*Rhys*
Kapitel 50
*Prudence*
*Rhys*
Kapitel 51
*Prudence*
Kapitel 52
*Rhys*
Kapitel 53
*Prudence*
Kapitel 54
*Prudence*
Kapitel 55
*Rhys*
Kapitel 56
*Rhys*
Von den Sons of Rebels bereits erschienen
Urheberrechte
Cover
Titelblatt
DEEP LOVE - DARK PASSION - HOT ROMANCE
Von den Sons of Rebels bereits erschienen
Urheberrechte
Cover
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
DEEP LOVE - DARK PASSION - HOT ROMANCE
Jeder trägt Narben.
Wir alle haben alte Wunden.
Manche sichtbar. Manche so tief, so versteckt, dass sie sich nicht sofort offenbaren.
Narben erzählen eine Geschichte. Einige Narben verhärten.
Andere brennen sich so tief hinein, dass es irgendwann an der Zeit ist, sich ihnen zu stellen. Oder der Schmerz wird nie vergehen und die wahre Liebe bleibt eine vage Sehnsucht …
Wir alle suchen nach dem Einen.
Dem einen Menschen, der unser Herz zum Stolpern bringt, unseren Atem raubt, unsere geheime Lust befeuert und uns auffängt, wenn wir dabei sind zu zersplittern.
Wir suchen nach dem Einen, der uns ansieht und uns erkennt. Und wirklich sieht. Und uns trotz all unserer Makel annimmt. Und liebt …
Eigentlich ganz einfach oder?
Wenn das Leben uns nur nicht immer einen Strich durch die Rechnung machen würde …
Meine Geschichten sollen eine kleine Flucht aus dem Alltag sein.
Eine kurze Zeit werden wir zusammen Hand in Hand auf eine verträumte Reise gehen und ich freue mich über jeden Einzelnen, der mich dabei begleitet. Über Jemanden, der sich entführen lässt, um sich nach dieser Auszeit wieder gestärkt ins Leben zu stürzen.
Ohne all die Geschichten über die große Liebe wäre unser Leben öde. Und hinter jeder Ecker könnte DER oder DIE Eine auf uns warten.
Ich jedenfalls glaube fest daran!
Love,
Lara
Zum Inhalt
Scharfe Spannung – knisterndes Verlangen – eine ungewöhnliche, heißkalte Liebe …
Aufgewachsen auf einer kleinen Farm im Nirgendwo von Texas ist das Leben der kühlen, in sich gekehrten Prudence Winter von klein auf von harter Arbeit, den Hänseleien der Kleinstadtbewohner und dem Spott ihrer zahlreichen Brüder geprägt.
Als ihr Vater sie auch noch zur Heirat mit einem despotischen und bösartigen, aber vermögenden Nachbarn zwingen will, verweigert sie sich zum ersten Mal. Von ihrer Familie daraufhin verstoßen, versucht sie ihr Glück in El Paso und findet auch schnell einen guten Job.
Doch plötzlich wird ihr bescheidenes und ruhiges Leben auf den Kopf gestellt. Eines Abends wird auf Pru geschossen und sie ist sich sicher:
Die Schüsse gelten nicht ihr, sondern dem großen, gutaussehenden Rocker, dem sie zufällig über den Weg läuft!
Schnell muss Pru allerdings erkennen, dass sie wirklich das Ziel eines Killers ist.
Doch warum?
In ihrer Not wendet sie sich an ihren Retter. Rhys Callahan ist ein brutaler Mistkerl, seine eine Gesichtshälfte von schweren Brandnarben entstellt.
Aber Scar, wie Callahan wegen seines Aussehens genannt wird, ist auch ein ziemlich heißer Mistkerl und es steckt mehr in ihm, als er nach außen hin zeigt.
Und dann ist da noch der altersschwache Kakadu Mr. Bumple, der mit seinen Sprüchen Pru das ein und andere Mal in die Bredouille bringt und mehr weiß, als jeder denkt. Langsam taut sie auf.
Langsam fühlt sie mehr als nur kühle Logik.
Langsam fängt sie an zu leben und langsam aber sicher verliert sie ihr Herz an den eiskalten Rhys Callahan.
Doch Cale, der President und auch Demon, der Secretary der Sons of Rebels, bringen sie plötzlich gehörig durcheinander. Ehe sie sich versieht steht sie zwischen mehreren Männern.
Bis der Killer sie kidnappt, weil er Rache will. Und nur einer kann sie retten!
Sinner nannte man ihn früher. Ein Mann, schön wie die Sünde und gefährlich wie der Teufel.
Scar nennt man ihn jetzt. Vernarbt, unberechenbar, eiskalt.
Rhys Callahan, der Sergeant of Arms der Sons of Rebels, ist mehr als angepisst, als er zufällig dabei ist, wie auf eine junge Frau geschossen wird.
Damn! Die Frau, mit den längsten Beinen, die er je gesehen hat, ist ein schlagfertiger Eisklotz, die bei ihm nur eine Reaktion hervorruft: Mit den Zähnen knirschen.
Und dann bittet ausgerechnet sie ihn, denjenigen ausfindig zu machen, der es auf sie abgesehen hat?
Um sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden, schlägt Rhys der jungfräulichen Prudence einen Deal vor, den sie unmöglich erfüllen kann. Doch was sie sich einfallen lässt – damit hat er nicht gerechnet.
Noch weniger damit, dass er nach und nach Facetten an ihr entdeckt, die ihn mehr und mehr ansprechen. Denn Pru ist zäh, nicht zimperlich und hat es nicht nur faustdick hinter den Ohren, sondern auch das Herz am rechten Fleck. Und in ihr schlummert eine Leidenschaft, die in Rhys zu Asche verbrannte Gefühle zum Auflodern bringt.
Auf einmal jedoch zieht der Grund, weshalb der Killer hinter ihr her ist, weitere Kreise, als die Sons of Rebels für möglich gehalten haben.
Rasend schnell spitzt sich die Lage zu.
Und seine eigene Vergangenheit holt ihn schneller ein, als er seine Glock ziehen kann…
In sich geschlossene Biker Romance ohne Cliffhange, dafür mit Happy End.
Jeder Roman der Sons of Rebels steht für sich und kann unabhängig von den anderen gelesen werden.
Kapitel 1
*Prudence*
„Prudence? Tochter! Komm ins Wohnzimmer!“ Pru runzelte die Stirn.
Ihr Pa hörte sich selten so wohlwollend an. Beinahe freundlich hatte sein Ruf geklungen und Pru stellte die vollen, schweren Milchkannen am Eingang zur Küche ab, streifte das Tuch, das sie zum Melken immer um ihr Haar band, herunter und wischte ihre Hände an der Kittelschürze ab, bevor sie diese auszog, um sie sorgsam an den dafür vorgesehenen Platz zu hängen. Kurz befühlte sie den Brief in der Tasche ihres einfachen Kleids, dann rieb sie über die Narbe an ihrem linken Unterarm.
Hat Pa irgendwie erfahren, dass ich den Sekretärinnenkurs mit Auszeichnung bestanden habe? Wäre er stolz auf mich?
Sie selbst fühlt sich unbändig stolz. Würde am liebsten jedem davon erzählen, aber Pru wusste, dass kaum einer ihre Freude und ihren Stolz teilen würde. Noch nicht einmal verstehen würde ihre Familie sie, aber das war sie von jeher gewohnt.
Würdest du dich für mich freuen, Ma?
Resolut schob sie den Gedanken weg. Ihre Mutter war schon vor langer Zeit gestorben. Zeit zum Trauern war nie möglich gewesen. Die Arbeit auf dem Hof ruhte schließlich nicht, wie ihr Vater zu sagen pflegte.
Pru wusste, dass sie auf absolute Verständnislosigkeit von Seiten ihrer Familie stoßen würde. Sie kümmerte sich schließlich mehr oder weniger allein um Haus und Hof, wozu brauchte sie also diesen Abschluss?
Eigentlich wusste sie es selber nicht. Doch ab und zu gestattete sie sich, von einem Leben zu träumen, in dem sie nur für sich allein verantwortlich war. Ausnahmslos für sich allein und nicht für elf gehässige Brüder, einem betrunkenen Vater, fünf Milchkühen, 13 Hühnern, drei Hofhunden, sechs Katzen, 27 Longhorns, zwei Arbeitspferden und ein paar Acres Feldern.
Heimlich hatte sie den Kurs absolviert, der von der Kirchengemeinde in Silver Creek angeboten worden war. Neben all der Arbeit auf der Farm und im Haushalt, noch spätnachts auf der alten Schreibmaschine ihrer Mutter hatte sie geübt.
Ich könnte einen bezahlten Job annehmen. Eine gesicherte Einnahme würde der Farm guttun. Wir brauchen das Geld so dringend!
Keiner ihrer Brüder hatte je Anstalten gemacht, Geld zu verdienen. Hatte je Anstalten gemacht, sich um mehr als das Nötigste auf dem Hof zu kümmern. Wozu auch? Dafür war Pru ja da.
Nein!, rief sie sich energisch zur Ordnung. Peter ist der Älteste. Es wird Zeit, dass er die Verantwortung übernimmt und nicht jede verkaufte Ernte, jeden verkauften Liter Milch für unnützes Zeug ausgibt!
Allein, wenn sie daran dachte, wie viele Playstations und XBoxes in all den Zimmern ihrer Brüder verteilt waren, wurde ihr schlecht.
Es wird Zeit, dass jeder meiner Brüder endlich Verantwortung übernimmt und erwachsen wird! Was ist falsch daran? Ich musst schon mit 5 Jahren erwachsen werden!
Trotzdem überwog das mulmige Gefühl, als sie jetzt durch den dunklen Gang eilte, um dem Ruf ihres Vaters endlich Folge zu leisten.
„Was ist -?“
Sie verstummte, als sie das kleine Wohnzimmer betrat und ihre Familie komplett versammelt vorfand. All ihre Brüder waren da. Ihr Pa stand am Fenster.
Doch Prus erschrockener Blick galt Mr. Bannister, bevor sie rasch den Blick senkte und die Hände fest verschränkte.
Sie mochte Clive Bannister nicht. Der Nachbar, fast so alt wie ihr Vater, besaß zwar die größte Farm weit und breit, doch sein lauernder Blick hatte ihr seit jeher Gänsehaut verursacht. Die Tatsache, dass er bereits sechs Ehefrauen unter die Erde gebracht hatte, ebenso. Als Kind hatte sie ihn gefürchtet. In ihm den schwarzen Mann gesehen, der sich in ihre Albträume schlich.
Jetzt, mit fast 25, wusste sie es besser.
Dennoch war Clive Bannister kein Mann, dem sie in dem kleinen Ort Silver Creek gerne begegnete.
„Guten Tag, Mr. Bannister“, murmelte sie und machte einen ungelenken Knicks. Es widerstrebte ihr, einem Menschen Respekt zu zollen, dessen ganzes Wesen eine bösartige Hinterhältigkeit ausstrahlte. Dominant hatte er in Pas gutem Sessel Platz genommen, als gehöre ihm die kleine Farm.
„Mr. Bannister ist hier, um dir seine Aufwartung zu machen, Prudence.“
Es dauerte einen Augenblick, bis sie die Bedeutung der Worte ihres Vaters verstand.
„Wie bitte?“
Ihr Blick huschte zu Jacob, einem ihrer Brüder. Er stand ihr am nächsten, sofern man von nahestehen reden konnte. In der Familie Winter wurde Herzlichkeit und Liebe nicht gerade groß geschrieben. Ihr Bruder senkte betreten die Augen.
„Scheiße, du bist ja noch blöder, als ich geglaubt hab, Prudence“, ätzte Peter, der Älteste. „Er will dich heiraten! Kapiert?“
Wie immer versetzten ihr Peters hämische Worte einen Stich, doch sie war so daran gewöhnt, dass sie das Gefühl sofort beiseiteschob. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Sah kurz zu Mr. Bannister und schauderte innerlich. So gut der Mann auch aussah, sie konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen, als mit ihm verheiratet zu sein. War ihr Leben hier auf der Farm schon kein Zuckerschlecken, würde Mr. Bannister ihr das Leben zur Hölle machen. Seine letzte Frau, gerade mal 21 Jahre jung, war erst vor einem halben Jahr verstorben und Pru hatte mitverfolgt, wie diese immer schwächer, blasser und dünner wurde, bis Gott sich ihrer Seele annahm.
Bannister hatte noch kein Wort gesagt. Nur sein berechnender Blick lag auf Prus großgewachsener Gestalt, als würde er bereits in Gedanken abwägen, wie viele bezahlte Farmarbeiter er durch sie einsparen konnte.
Da sie immer noch still blieb, räusperte sich jetzt ihr Vater.
„Er ist bereit eine Mitgift von 10.000 Dollar zu bezahlen, Prudence und das obwohl du schon fast 25 Jahre alt bist. Das ist mehr, als ich je für dich erwartet habe. Gott sei Dank bist du noch Jungfrau!“
Ihr Pa platzte fast vor Stolz, als wäre es sein Verdienst, während Pru sich straffte. All ihren Mut zusammennahm.
„Nein.“
Ihre Stimme zitterte leicht.
„Wie bitte?“, schnarrte Bannisters Stimme durch den Raum.
„Nein“, wiederholte Pru fester. „Tut mir leid, Mr. Bannister, aber ich heirate Sie nicht.“
„Prudence!“, donnerte ihr Vater durch den Raum, doch Pru reckte störrisch das Kinn. „Du bist meine Tochter. Du gehörst mir und ich entscheide, was du tust! Entschuldige dich sofort bei Mr. Bannister!“
„Ihr kommt niemals ohne mich hier zurecht, Pa!“, startete Pru den verzweifelten Versuch, ihren Vater umzustimmen.
„Du schätzt dich selber ganz schön hoch ein, was Schwesterchen?“, johlte John, der Jüngste. „Klar kommen wir ohne dich zurecht! Was machst du denn schon den ganzen Tag?“
Hart riss sie sich zusammen. Vernarbte Stellen schmerzten nicht mehr und sie hatte solche und auch andere Worte von klein auf zu hören bekommen.
„Ich wusste, dass die kleine Hexe sich mal wieder querstellt“, zischte Amy Rose, die sich gerade an Pru vorbeidrängte, um sich an Peters Arm zu hängen. Die zwei waren kurzzeitig verheiratet gewesen und obwohl sie mittlerweile geschieden waren, fand Amy Rose es bequemer weiterhin auf der Winterfarm zu wohnen. Und zu versuchen, sich von Pru bedienen zu lassen.
„Wenn du mich ablehnst, sorge ich dafür, dass kein Mann in Silver Creek, dich auch nur mehr anschauen wird, Prudence Winter“, drohte Mr. Bannister kalt.
Pru wusste, dass er die Macht dazu hatte. Andererseits wusste sie auch nur zu gut, dass diese Drohung Blödsinn war. Niemand in Silver Creek traute sich, mehr als zwei Sätze mit ihr zu sprechen. Rote Haare, grüne Augen, Sommersprossen und Brüder, die den Ruf verbreitete hatten, sie wäre eine Hexe.
Ach ja, Amy Rose nicht zu vergessen. Wie oft hat sie etwas angestellt und es mir in die Schuhe geschoben?
„Ich heirate Sie nicht, Mr. Bannister“, stellte Pru jetzt so kühl wie möglich klar. Frühzeitig hatte sie gelernt, ihr aufbrausendes Temperament zu zügeln und so rational und gefühllos wie möglich zu reagieren. Den ständigen Hänseleien ausgesetzt, war ihr nichts anderes übrig geblieben.
„Tut mir leid, dass Sie den Weg hierher umsonst angetreten haben.“ Mr. Bannister warf ihrem Vater einen zornigen Blick zu. „Eine angemessene Tracht Prügel hätte ihrer Tochter ab und zu ganz gut getan, Mr. Winter.“
„Mein Vater hat mich gut erzogen, Mr.Bannister“, rief Pru schnell und verschränkte ihre Hände fester. Ihr Pa war oft überfordert mit all den Kindern gewesen. Und nicht gerade der intelligenteste und fleißigste aller Männer. Oder der verständnisvollste Vater. Oder der nüchternste. Aber er hatte seine Kinder nie geschlagen.
„Er hat mir beigebracht, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Und zwischen Gut und Böse“, konnte sie sich jetzt doch nicht verkneifen, denn das, was in ihr brodelte, weigerte sich vehement, sich wegschließen zu lassen.
„Wie gesagt. Es tut mir leid, dass Sie den Weg umsonst gemacht haben.“
Mr. Bannister schoss aus dem Sessel. Dann marschierte er direkt auf Prudence zu, die zwar innerlich zitterte, aber dennoch seinem wütenden Blick standhielt.
„Das wirst du noch bereuen, du Hexe!“, zischte er, bevor er sie hart zur Seite stieß und hinaus stampfte.
„Du hast sie echt nicht mehr alle, Prudence!“, schimpfte Peter.
„10.000 Dollar!“
„Genau“, maulte Amy Rose. „Peter hätte sich endlich den Mustang kaufen können, von dem er schon so lange träumt.“
„Selbst wenn sie es getan hätte, hätte Prudence darauf geachtet, dass das Geld für die Farm ist und nicht für deinen blöden Mustang!“, wagte Jacob, Pru zu verteidigen.
„Halts Maul, Schwachkopf! Die Hexe hat sie nicht mehr alle!“ Tommy gab Jacob eine feste Kopfnuss. Und schon war eine kleine Schlägerei im Gange.
Pru ignorierte ihre Brüder. Sah stattdessen zu ihrem Vater.
Der schüttelte zutiefst enttäuscht den Kopf. „Wenn du Mr. Bannister nicht in aller Form um Verzeihung bittest und sein Angebot annimmst, bist du nicht mehr meine Tochter.“
In ihr zog sich alles zusammen. Kalt, so kalt war das, was sich in ihr ausbreitete. So kalt, dass sie das Gefühl hatte zu verbrennen. Heftig rieb sie über die Narbe.
Schluckte schwer, weil sie nicht wollte, dass ihre Familie die Tränen hörte, die sich in ihrer Kehle sammelten.
„Ist das dein Ernst, Pa?“
„Mein voller Ernst, Tochter. Entschuldige dich oder verschwinde. Wenn du Mr. Bannisters Antrag nicht annimmst, hast du hier nichts mehr zu suchen und ich will nie mehr etwas mit dir zu tun haben!“ Müde fuhr sich ihr Vater übers Gesicht, doch seine Stimme klang fest.
Und endgültig.
Kapitel 2
*Rhys*
„FEUER! Feuer! Oh Gott, Rhys! Hilf mir!!!“
Rhys Callahan, der Sergeant of Arms der Sons of Rebels zog angewidert die Oberlippe hoch. Zumindest die rechte Hälfte seiner Lippe, denn die andere blieb weitgehend starr. Mit der Hand fuhr er sich übers Gesicht, versuchte den Geruch nach Rauch, Asche und brennendem Fleisch zu vertreiben und starrte in die verglühenden Flammen vor seinen Füßen.
„Halt die Klappe, Rita!“
Seine Stimme nicht mehr als ein Knurren, um der Stimme in seinem Kopf, der Stimme seiner verstorbenen Frau, Einhalt zu gebieten.
Als sein Handy vibrierte, schüttelte er sich kurz, dann kramte er es heraus, während er die Glut mit seinen schweren Stiefeln austrat. Wie immer hatte das Feuer die Erinnerung ausgelöst. Angewidert stampfte er fester auf die letzten Funken.
„Rhys? Wo bist du, verdammt!“
Cale, der President des MC, kam wie immer schnell auf den Punkt.
„Abfall beseitigen.“
„Abfall? Rhys! Fuck! Du hast jetzt nicht den Schnüffler gekillt, der hinter Jack und Laney her war?“
„Genau den.“
„Hast du sie nicht mehr alle?“
„Ich hab ihn hier oben bei der abgebrannten Hütte erwischt, als er mir gefolgt ist. Auch wenn ich alle Spuren von Laneys Ex und diesem Big Al beseitigt habe – so windige Wichser finden doch immer was.“
„Es ist sechs Wochen her, Rhys. Du hast selbst gesagt, dass die Kojoten und der eine oder andere Puma dort oben ihr Revier haben und nichts mehr von den Leichen übrig ist!“
„Er ist gestürzt, Mann, als ich ihn hier ertappt habe. Ich hab ihm praktisch nur den Gnadenstoß gesetzt. Der war echt schwer verletzt. Was hätte ich tun sollen? Mein Bike mit dem Arschloch besudeln?“ Der Pres blieb einen Moment lang still.
Damn, bei Cale muss aber auch immer alles nach Absprache laufen.
„Sonst noch was, Boss?“, hakte Rhys nach. „Die Verbindung hier oben in den Bergen ist scheiße, also sag schon, was du willst.“
„Ich will, dass du aufhörst einfach Leute umzubringen! Die angehende Bürgermeisterin hat uns sowieso schon im Visier.“
Rhys grinste. Die linke Seite seines Gesichts spannte, die Narben verschoben sich.
„Schade. Die Whitehouse hätte ich gern vor meiner Glock.“
Sein Pres ging nicht darauf ein. „Ich hab was anderes für dich. Der Deal für die Waffen steht. Dank Laney kannst du dein Lager wieder etwas aufstocken.“
„Wurde auch Zeit“, murmelte Rhys.
Das letzte Jahr war für die Sons of Rebels nicht einfach gewesen.
Erst hatte ein Überfall die alten Elite Member getötet und sie hatten sich komplett neu formieren müssen. Dann setzte sich die Russenmafia nach El Paso ab und machte dem MC das Revier streitig.
Verkaufte neuartige Drogen vor Schulen.
Schickte Nutten auf den Strich, die so eingeschüchtert waren, dass sie wirklich alles taten, um die hochgesetzten Zielumsätze ihrer Zuhälter zu erreichen.
Fing Schmugglerware ab, die für die Rebels bestimmt war.
Nach etlichen Fights waren die Waffenbestände, die Rhys als Sergeant of Arms verwaltete, auf ein Minimum geschrumpft. Und der Club beinahe pleite.
Und jetzt stand auch noch die neue Bürgermeisterwahl von El Paso an und Claire Whitehouse, eine Republikanerin, die nichts davon hielt, dass die Rocker alles daran setzten ihr Revier sauber zu halten, hatte nichts anderes im Sinn, als den MC platt zu machen.
Eine neue Waffenlieferung verschaffte Zeit. Verschaffte die Sicherheit reagieren zu können, wenn es nötig war. Zwar war jeder Member des Clubs mehr oder weniger eine gnadenlose, tödliche Waffe, doch mit einer Knarre in der Hand, war die Überlebenschance deutlich höher.
Überlebenschance ist ein verfickt gutes Stichwort!
Rhys blickte sich noch einmal konzentriert um, ob außer schwarzer Asche hier oben auf dem Plateau wirklich keine Spur mehr zu finden war von dem, was sich abgespielt hatte. Die verkohlte Leiche des Privatdetektivs, der nach Richard Cunningham gesucht hatte, kokelte immer noch vor sich hin. Widerlich. Und verdammt ärgerlich, wie lange es dauerte, bis ein Körper komplett verbrannte. Er würde die Überreste später zerteilen müssen und an verschiedenen Orten in den Felsklüften verstecken. Pumafutter.
„Hätte nicht gedacht, dass Jacks Engelchen sich mal als nützlich erweisen würde“, meinte Rhys jetzt und bezog sich auf die Ex-Freundin dieses Arschlochs Richard Cunningham.
Jack, der Vice der Rebels, war zuerst nur der Babysitter des Hills-Püppchens gewesen. Und hatte sich schneller in den furchtsamen Engel verliebt, als Rhys jemals erlebt hatte. Jack the Ripper und Liebe.
Rhys hätte als ehemaliger Spieler niemals darauf gewettet. Die Chancen standen gleich null und doch war es passiert. Und mit Laney, der Lady, die bei jeder Bewegung anfangs aus Furcht zusammengezuckt war, hatte der Vice sein perfektes Gegenstück gefunden.
Cale unterbrach Rhys Gedanken, indem er spottete:
„Das sagst du nur, weil du dich darauf freust, die ganzen Knarren zu sortieren. Es ist sogar eine Kiste MGs rausgesprungen, also schwing deinen Arsch hierher, mach deinen Job als Sergeant of Arms der Rebels und kill nicht ständig jeden, der dir nicht passt. Manche Probleme müssen anders gelöst werden.“
Meine Fresse! Meine Glock löst jedes Problem schneller, effektiver und nachhaltiger. Wozu Aufwand betreiben, Bro?
Seine Gedanken sprach Rhys nicht aus. Cale war ein durchtriebener Dreckskerl. Auf eine andere Weise genauso kaltblütig, todbringend und gefährlich wie Rhys. Allerdings geduldiger, aber deshalb war auch Cale der Pres und nicht Rhys.
„Jack hat Laneys Pisser und Big Al kaltgemacht. Schieb das nicht mir in die Schuhe, Gun!“ Er schlenderte zu seinem Bike und lehnte sich locker dagegen. „Schick Grinch und noch einen der Jungs hier rauf. Die Karre dieses Schnüfflers steht noch hier rum.“
„Passt. Und du kommst straight hierher.“
„Ja, Boss. Sobald ich mich hier losreißen kann. Noch ist nicht alles erledigt“, antwortete er kühl.
Fick dich. Du kannst mich mal!
Er hatte nicht vor, das Plateau so schnell wieder zu verlassen. Dafür trieben zu viele schwarze Gedanken in seinem Kopf herum und nur die Ruhe und Kühle der Berge, brachten ihn in diesen Augenblicken zur Besinnung.
„Wie lange ist das mit Rita her?“, durchbrach Cale jetzt die Stille am Phone, als hätte er gespürt, was Rhys beschäftigte. Was eine weitere, verdammt nervige Eigenschaft von ihm war.
Damn, warum musst du ausgerechnet jetzt von Rita anfangen?
Er warf erneut einen Blick auf die noch warme Asche.
„Hilf mir, Rhys, ich brenne!“
Zum Teufel, er hatte auch gebrannt bei dem Versuch, sie aus dem in Flammen aufgehenden Auto zu ziehen.
Er verspürte das Verlangen nach einer Zigarette. Kramte in seiner Kutte und zog einen Zahnstocher heraus, den er sich stattdessen in den Mund steckte. Hart biss er darauf.
„Zwei Jahre. Das weißt du genau, Gun. Was soll das?“
„Du bist nicht mehr derselbe seit dem Unfall, Rhys. So eiskalt wie du seitdem geworden bist, frage ich mich manchmal, ob du nicht zu einem unberechenbaren Risiko geworden bist.“
Was willst du? Natürlich bin ich nicht mehr der Alte. Hast du gebrannt wegen dieser Schlampe oder ich? Siehst du jetzt aus wie ein Dämon aus der Hölle?
„Hell, Cale! Hast du sie nicht mehr alle? Ich würde für jeden einzelnen von euch sterben.“
„Genau das ist das Problem. Erinnerst du dich, wie Old Crank, unser alter Vice, das immer genannt hat? Biker Ice. Du legst es mit aller Macht darauf an. Dabei bist du vor zwei Jahren gestorben und weißt es nur nicht.“
„Bist du jetzt ein Seelenklempner oder was? So, wie Jack zum Poeten mutiert ist, nur weil ihm das Engelchen den Kopf verdreht hat? Wie nennt er sie? Bampu? Lächerlich! Kotz mich nicht an, Cale“, knurrte Rhys.
„Vergiss es, Bro.“ Cale seufzte. „Vergiss einfach, was ich gesagt habe. Ich weiß, ich kann dir vertrauen. Die Frage ist wohl eher: Wem vertraust DU noch?“
„Nur weil ich keiner Schlampe mehr über den Weg traue, unterstellst du mir, ich würde die Rebels hintergehn?“
Zornig zog Rhys die Augenbrauen zusammen. Die Narben spannten.
„Du warst ein geiles Arschloch, Rhys. Ein Spieler, der keine Gelegenheit für Spaß ausließ, als man dich noch Sinner genannt hat. Jetzt, als Scar, existiert für dich nur noch der Tod. Aber Stig ist unser Vollstrecker. Nicht du. In Zukunft sprichst du deine Killer-Aktionen mit mir ab, weil es nur eine Frage der Zeit ist, bis du Fehler machst, die uns allen den Kopf kosten könnten“, wütete Cale.
Verdammtes Arschloch!
„Aye, Pres“, grollte Rhys und bleckte die Zähne.
Er hob den Kopf, blickte in den strahlend blauen Texashimmel und sah einem Adler zu, der majestätisch seine weiten Kreise zog.
Rhys! Hilf mir! Ich verbrenne! Dann brenn, Schlampe!
Egal wie wütend es ihn machte – er wusste, Cale hatte Recht. Nichts schien mehr wichtig, seit dem Tag als Ritas Auto in Flammen aufging. Sein eigener Körper verbrannte, sein halbes Gesicht wegschmolz und alles in ihm zu Eis erstarrte, weil er versucht hatte, seine Frau rauszuziehen. Dabei hatte die Schlampe ihn hintergangen. Seinen Tod geplant.
Rhys schüttelte den Kopf, um seine Gedanken zu klären.
Das Einzige, was jetzt half, war den Druck abzubauen. Auf die Clubschlampen hatte er allerdings keinen Bock. Jede von denen würde alles tun für die Chance, zur persönlichen Betthure auserkoren zu werden. Um vielleicht dann mit Genuss in eine Kutte zu schlüpfen, die sie als Old Lady auszeichnete.
No way, Bitches! Rita war eine verdammt gute Lehrmeisterin.
Was ihm bei jedem Blick in den Spiegel in Erinnerung gerufen wurde.
Es gab eine bessere, unkompliziertere Alternative. Mit dem halben Gesicht, das aussah, als würde er direkt der Hölle kommen, zog er Professionalität sowieso vor.
„Ich mach noch einen Abstecher ins Dungeon, Boss. Ich komme später“, informierte er Cale sarkastisch. Dann drückte er den Anruf weg, verstaute das Handy in seiner Kutte, schwang sich auf seine V-Rod und startete den fetten Motor, der mit einem satten Brummen ansprang.
Geschickt steuerte er sein Bike dann über den holprigen Weg nach unten, schlitterte um die Kurve auf den Asphalt des Freeway Richtung El Paso und gab mit einer festen Drehung Vollgas.
Kapitel 3
*Prudence*
„Miss Winter!“
Prudence straffte sich, als sie die Stimme ihres Chefs vernahm und beeilte sich, von ihrem Stuhl hochzuschnellen. Doch schon wurde die Tür zum Büro ihres Bosses von ihm selbst aufgerissen.
„Wo ist die Liste?“
Prudence stand auf, hob das Kinn und verschränkte die Hände.
„Welche Liste, Mr. Brewster?“
„Die Liste, die gestern Abend noch auf meinem Schreibtisch gelegen hat. Haben Sie sie heute Morgen einfach an sich genommen?“
Prudence schüttelte entschieden den Kopf. „Sie wissen, dass ich so etwas nie tun würde, Mr. Brewster. Ich erledige meine Aufgaben sehr gewissenhaft.“
„Ein bisschen zu gewissenhaft vielleicht, Miss Winter. So, wie Sie jeden Tag bereits eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn hier sind.“
Prudence musterte ihren sonst so ruhigen Chef und verschränkte die Finger fester. Die Narbe an ihrem Arm juckte, doch sie zwang sich, das Jucken zu ignorieren.
Vielleicht denkt er, er müsse mir diese halbe Stunde bezahlen?
„Keine Sorge, Mr. Brewster! Es gehört für mich als Ihre Sekretärin dazu, bereits vor Ihnen einzutreffen, um mich um die Post zu kümmern und Ihnen einen Kaffee zu bereiten“, stellte sie kühl richtig.
„Ja ja und das ehrt Sie auch, Miss Winter“, lenkte Mr. Brewster überraschend schnell ein und fuhr sich durch das dichte, dunkle Haar.
Er sah gut aus und sie musste zugeben, dass sie ihn gerne ansah. Abel Brewster war ein wirklich attraktiver, gepflegter Mann in den Dreißigern. Sportlich und immer tadellos gekleidet mit maßgefertigtem Anzug und Krawatte. Sehr elegant. Was er auch sein musste, da sowohl das Maklerbüro Brewster & Sons in El Paso, das er zusammen mit seinem Bruder Isaac von seinem verstorbenen Vater übernommen hatte, als auch das neue Büro in Dallas, Brewster & Brewster, das er zusammen mit seinem Bruder aufgebaut hatte, eine mehr als wohlhabende Klientel betreute. Er verkörperte all das, was sie sich von einem perfekten Leben erträumte.
Ansehen, Geld, ein schönes Haus. Freunde.
Seit einem halben Jahr war sie jetzt bereits seine persönliche Assistentin.
Mädchen für alles, korrigierte sie sich in Gedanken.
Aber das war egal. Hier bekam sie für das, was sie ihr Leben lang für ihre Familie geleistet hatte, wenigstens ein Gehalt.
„Die Liste, Miss Winter“, erinnerte Mr. Brewster sie jetzt und wenn er so charmant lächelte, dann klopfte Prus Herz einen Tick schneller.
Sofort riss sie sich zusammen. Wandte sich zu ihrem Schreibtisch und durchsuchte den Stapel Dokumente, die sie wie jeden Morgen aus Mr. Brewsters Büro geholt hatte.
„Oh, meinen Sie diese hier? Über diesen Posten wollte ich sowieso noch mit Ihnen sprechen, Mr. Brewster. Vesta Verde. Ich wusste gar nicht, dass die Brewster Büros jetzt auch Objekte und Grundstücke so nahe an der Grenze zu Mexico in ihr Angebot aufgenommen haben. All die Investoren hören sich allerdings vielversprechend an. Unter welcher Rubrik soll ich das verbuchen?“
Konzentriert flogen ihre Augen noch einmal über die Liste, während sie zu ihrem Chef trat.
„Sie haben die Liste gelesen?“ Mr. Brewster hörte sich verblüfft an.
Pru runzelte die Stirn. „Natürlich, Mr. Brewster. Wenn ich etwas in den Computer eingebe, muss ich es auch lesen.“
So geduldig, wie sie ihrem zehnjährigen Bruder die einfachsten Rechengrundregeln erklärt hatte, antwortete sie ihrem Chef. Wobei die Ruhe und Geduld in ihr hart an etwas schrammte, das sie kurz mit den Zähnen knirschen ließ. Aber wirklich nur einen Wimpernschlag lang, dann hatte sie sich wieder fest im Griff.
„Natürlich, Miss Winter. Sie haben Recht. Geben Sie her, ich kümmere mich selbst darum“, griff ihr Chef nach dem Blatt. Seine Stimme hatte einen leicht tadelnden Unterton.
„Wie Sie wünschen.“
Pru presste die Lippen zusammen, denn es fühlte sich an, als hätte sie etwas falsch gemacht.
„Wenn ich gewusst hätte, wie wichtig Ihnen diese Liste ist, hätte ich Sie sofort darauf angesprochen, dass sie zwischen die anderen Unterlagen geraten ist“, verteidigte sie sich steif.
„Schon gut, Miss Winter.“ Mit einem fast treuherzigen Blick, der sie besänftigte, blickte er sie an. „Es ist nur – dieses Projekt existiert bis jetzt nur als Idee in meinem Kopf. Eine Schnapsidee, das weiß ich. Nennen Sie es einen Kindheitstraum. Sie verraten doch niemandem meine Spinnereien, oder Miss Winter? Ich vertraue Ihnen vollkommen!“
„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen, Mr. Brewster!“, antwortete sie verschwörerisch und ihr Herz machte einen verräterischen Sprung.
„Klug und schön“, sagte Mr. Brewster leise. „Ich wusste, es war ein Glückstag, als Sie in mein Büro geschneit sind!“
Wieder ließen seine Worte ihren Puls hochschnellen, auch wenn sie wusste, dass er log. Schön war an ihr gar nichts. Angefangen von den vielen Sommersprossen über ihr hexenrotes Haar, als auch ihre große, schlaksige Figur. Im besten Fall sah Prudence sich als unterer Durchschnitt an. Ein Arbeitspferd. Ein Quarterhorse. Mr. Brewster bevorzugte Vollblutstuten, wie sie zu ihrem großen Bedauern wusste.
„Es freut mich, dass Sie mit mir zufrieden sind, Mr Brewster!“
Soll ich ihn jetzt darauf ansprechen? Soll ich ihm sagen, dass ich online meinen Maklerschein mache, um zukünftig auch Besichtigungen und Abschlüsse durchführen zu können? Ich will nicht für immer nur eine einfache Sekretärin sein!
„Mr. Brewster, da wäre noch etwas“, fasste sie sich ein Herz.
„Gut, dass Sie es erwähnen, Miss Winter.“ Ihr Chef war schon wieder an der Tür zu seinem Büro. „Machen Sie bitte eine Reservierung im Chez Antoine. Für zwei Personen. Montag morgen fliege ich nach Dallas und bin die ganze Woche nicht da. Sie haben also frei und wissen ja, was das bedeutet. Da heute Freitag ist, müssen allerdings meine Anzüge aus der Reinigung abgeholt werden, sie sind gegen acht heute Abend fertig. Denken Sie daran?“
„Ja, Mr. Brewster“, murmelte Pru, unterdrückte den Anflug von Enttäuschung und sah zu, wie er in seinem Büro verschwand.
Mit einem Seufzen bückte sie sich dann nach dem vollen Papierkorb. Sie brauchte sowieso eine kurze Pause. Und etwas frische Luft. Da konnte sie genauso gut gleich den Abfall entsorgen. Seit über fünf Stunden hatte sie jetzt hochkonzentriert am Computer gearbeitet. Sich über die Präsentation der neuesten Objekte Gedanken gemacht. Mr. Brewster schätzte ihr Händchen, selbst die minderwertigeren Immobilien so anzupreisen, dass das Kundeninteresse geweckt wurde.
Gerade als sie vor die Tür des Büros auf die Straße trat, hörte sie es.
Wie ein unheilvoller Schwarm Hornissen. Ein Röhren und Fauchen und sie reckte den Hals, obwohl sie sich mittlerweile denken konnte, was das zu bedeuten hatte. Die Sons of Rebels, El Pasos berühmt berüchtigte Motorcycle Gang bog in einem kleinen Konvoi um die Kurve. Die Straße, in der das kleine, aber gutgehende Maklerbüro lag, führte raus aus El Paso. Dorthin, wo das weitläufige Gelände der Rocker lag. Wie eine kleine Stadt für sich, eingezäunt wie ein Hochsicherheitstrakt. Sin City nannten die Einwohner von El Paso das Gelände, und der Name schien Pru mehr als angemessen.
Wenn Pru nach Ciudad Juarez fuhr, dem kleinen Ort direkt hinter der mexikanischen Grenze, um Mr. Brewsters Anzüge aus der Reinigung zu holen, fuhr sie immer mit gemischten Gefühlen daran vorbei.
Die brutalen Outlaws verkörperten für Pru all das, was sie niemals in ihrem Leben wollte. Eine ganze Truppe ungehobelter Männer, die mit ihren Waffen Angst und Schrecken verbreiteten. Drogen schmuggelten. Unschuldige Frauen in die Prostitution zwangen.