Dax (Arizona Vengeance Team Teil 4) - Sawyer Bennett - E-Book

Dax (Arizona Vengeance Team Teil 4) E-Book

Sawyer Bennett

5,0

Beschreibung

Die Arizona Vengeance sind auf dem Eis ein echter Hit. Aber ein Spieler scheint den Puck nicht im Auge behalten zu können - dank der Frau, die er gerade geheiratet hat, um ihr Leben zu retten. Ich heiße Dax Monahan und Eishockey ist meine Leidenschaft. Wenn man in diesem Sport erfolgreich sein will, muss man sich rund um die Uhr den Arsch aufreißen. Es ist mir nie schwergefallen, mich auf meine Karriere zu konzentrieren, aber wenn meine Vergangenheit anklopft, kann mich kein noch so gutes Training auf das vorbereiten, was auf der anderen Seite der Tür wartet. Regan Miles war immer wie eine Schwester für mich. Als wir uns nach mehreren Jahren durch eine gemeinsame Tragödie wiedersehen, bin ich schockiert, wie sehr sie sich verändert hat. Das schüchterne, unbeholfene kleine Mädchen, das immer hinter mir und ihrem Bruder hergelaufen ist, ist verschwunden. Stattdessen habe ich es mit einer hinreißenden Frau zu tun, die es mir verdammt schwer macht, mich auf etwas anderes als sie zu konzentrieren. Es stellt sich heraus, dass sie in Schwierigkeiten steckt und der einzige Ausweg darin besteht, zu heiraten. Zu meiner eigenen Überraschung biete ich Regan an, mich zu heiraten. Nein, ich befehle es ihr sogar! Und das Verblüffendste von allem ist, dass sie nicht einmal zögert, bevor sie zustimmt. Es ist also beschlossene Sache. Wir werden heiraten und sie zieht mit mir nach Arizona. Alles platonisch, natürlich. Der Haken an der Sache? Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so sehr in die kleine Schwester meines besten Freundes verlieben werde.

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Sawyer Bennett

Arizona Vengeance Teil 4: Dax

Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen von Julia Weisenberger

© 2019 by Sawyer Bennett unter dem Originaltitel „Dax (Arizona Vengeance, Book #4)“

© 2022 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg

(www.art-for-your-book.de)

© Coverfoto: Shutterstock.com

ISBN Print: 978-3-86495-544-0

ISBN eBook: 978-3-86495-545-7

Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Dieser Roman darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Vorwort und Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Autorin

Vorwort und Widmung

Liebe Leserinnen und Leser,

nur ein kurzer Hinweis, dass der Beginn von Dax’ Buch zeitgleich mit dem Ende von Legends Geschichte verläuft, sodass ihr einige Ereignisse wiedererleben werdet, aber aus einer anderen Perspektive. Ich hoffe, ihr genießt Dax und Regans Weg in die Liebe. Wenn ihr „Legend“ noch nicht gelesen habt, macht euch keine Sorgen. Ihr werdet der Handlung, auch ohne das vorherige Buch gelesen zu haben, gut folgen können.

Ich möchte dieses Buch zwei ganz besonderen Freunden widmen.

Erstens: Kristen Carsone, einer coolen Lady, engagierten Mutter, super Krankenschwester und mutigen Frau, die gegen paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) kämpft. Kristen hat viel Zeit damit verbracht, mich über diese tödliche, seltene Krankheit aufzuklären, sodass ich auf den Seiten dieses Buches darauf aufmerksam machen konnte. Jede Abweichung von den Tatsachen in Bezug auf PNH ist künstlerische Freiheit, obwohl ich versucht habe, so genau wie möglich zu bleiben. Ich habe den Namen des lebensrettenden Medikaments, das sie derzeit einnimmt, geändert. Eigentlich heißt es Soliris. Es klingt unglaublich, aber es kostet wirklich über vierhunderttausend Dollar pro Jahr. Danke, Kristen, dass du dein Leben mit mir geteilt hast, damit ich meine Heldin Regan so wunderbar machen konnte wie dich.

Zweitens: meinem Freund Dr. Mark Yoffe. Dies ist nicht das erste Buch, bei dem er mir geholfen hat, und es wird auch nicht das letzte sein. Vielen Dank für alles, was du für mich tust. Ich kann mich glücklich schätzen, dich in meinem Leben zu haben.

Kapitel 1

Dax

Ich klingle an der Tür von Lance’ Wohnung in Midtown Manhattan und warte darauf, dass seine Schwester aufmacht.

Regan Miles ist sechs Jahre jünger als ich, also zweiundzwanzig, und ich kenne sie schon ihr ganzes Leben. Ihr Bruder, Lance, war mein bester Freund, so lange ich denken kann. Wir wohnten im selben Viertel und unsere Eltern schickten uns in dieselbe Freizeiteishockeygruppe. Wir wuchsen gemeinsam in diesem Sport auf, machten den ganzen Weg durch die Major Juniors zusammen. Als wir sechzehn waren, wurden wir bei den Detroit Bears aufgenommen, einem von nur acht amerikanischen Teams, die in der kanadischen Eishockeyliga für Jugendliche spielen.

Wir waren immer zusammen, bis wir beide in die NHL kamen. Lance landete bei den Vipers, wo er seine gesamte Karriere verbrachte. Ich dagegen kam zu den Toronto Blazers und wechselte später zu den Vipers, für die ich drei Jahre lang spielte. Danach wurde ich zu meinem jetzigen Team, der Arizona Vengeance, getradet.

Unsere Freundschaft hat nie darunter gelitten. Wir redeten, schrieben uns SMS und besuchten einander, wann immer wir konnten. In den Sommerferien waren wir gemeinsam unterwegs. Erst im letzten Sommer verbrachten Lance und ich fast einen Monat in Rio, um die herrlichen Strände und die noch schöneren brasilianischen Ladys zu genießen.

Ich denke an die Frau, die Regan im Laufe der Jahre geworden ist. Lance hatte sich überhaupt nicht verändert, aber ich habe seine Schwester kaum wiedererkannt, als ich nach seinem Tod nach New York flog.

Das Rasseln der Kette auf der anderen Seite der Tür lässt mich zusammenzucken. Als Regan mit einem sanften Lächeln öffnet, muss ich fast die Augen wegen ihrer Schönheit zusammenkneifen. Irgendwann in den letzten Jahren, während sie in Kalifornien ihr Studium absolvierte, ist sie erwachsen geworden.

Sie hat sich regelrecht verwandelt.

Die Sexbombe, die vor mir steht, sieht ganz anders aus als der schlaksige, vierzehnjährige Teenager, den Lance allein aufziehen musste, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Meine letzte klare Erinnerung an Regan ist, dass sie eine Zahnspange, Akne und ein paar Pfund Übergewicht hatte. Sie war schüchtern und süß und bewunderte ihren Bruder wegen all der Opfer, die er brachte, um sie bei sich zu haben, während er sich in der Welt des professionellen Eishockeysports einen Namen machte.

Die Frau vor mir ist nicht die Regan Miles, an die ich mich erinnere.

Diese Frau ist eine Zwanzig auf einer Skala von eins bis zehn. Karamellfarbenes, an den Spitzen helleres und in Wellen gestyltes Haar, das ihr über die Schultern und den Rücken fällt. Sie ist um einige Zentimeter gewachsen und hat sich an den richtigen Stellen entwickelt. Der Babyspeck in ihrem Gesicht wurde von wohlgeformten Wangenknochen und Augenbrauen ersetzt, die die schönsten grünen Augen einrahmen, die ich je gesehen habe.

Sie ist wie eine verdammte Fremde für mich, und doch habe ich ihr unterschwellig immer geschwisterliche Gefühle entgegengebracht.

Sie ist meine einzige Verbindung zu Lance.

Deshalb bin ich jetzt hier. Weil Lance bei einem gewöhnlichen Raubüberfall getötet wurde und mit Regan etwas nicht stimmt. Ich will herausfinden, was los ist, also habe ich sie auf einen Drink eingeladen. Wir hatten heute Abend ein Spiel gegen die New York Phantoms, das wir gewonnen haben, und das Flugzeug fliegt erst am frühen Morgen. Ich wollte nachsehen, wie es Regan geht, denn bei den wenigen Malen, die wir seit der Beerdigung miteinander gesprochen haben, habe ich gemerkt, dass sie mit etwas zu kämpfen hat. Ich habe versucht, es aus ihr herauszukitzeln, aber sie war stur und hat darauf bestanden, dass alles in Ordnung ist.

„Ich bin gleich fertig“, sagt sie, dreht mir den Rücken zu und geht ins Wohnzimmer. Es ist ein Schlag in die Magengrube, zu sehen, dass es leer ist bis auf eine Handvoll gepackter Kisten. Ich nehme an, dass sie den Inhalt von Lance’ Leben enthalten, den er seiner Schwester hinterlassen hat. Sie hat sich in den letzten Wochen in New York aufgehalten, um sich um Nachlassangelegenheiten und dergleichen zu kümmern.

„Hast du alle seine Möbel verkauft?“, frage ich, als sie an der Küchentheke stehen bleibt und ein Paar Ohrringe in die Hand nimmt.

Sie neigt den Kopf, um einen anzulegen. „Die meisten davon. Den Rest und seine gesamte Kleidung habe ich einem Obdachlosenheim gespendet.“

Ich zucke zusammen. „Das war bestimmt hart.“

Sie nickt und blinzelt Tränen zurück, während sie den anderen Ohrring ansteckt. „Rational gesehen weiß ich, dass es dumm wäre, die Sachen zu behalten. Ich meine … was soll ich denn mit der Unterwäsche oder den T-Shirts meines Bruders anfangen?“

„Aber innerlich willst du diese Verbindung zu deinem Bruder nicht aufgeben“, vermute ich.

Mit einem weiteren sanften Lächeln nickt sie. „Das fasst in etwa zusammen, wie die letzten paar Wochen waren. Ich habe das Gefühl, dass ich ihn immer wieder verliere, während ich sein Leben hier ausmiste.“

Wir starren uns an, und ich versuche, den Kloß in meinem Hals hinunterzuschlucken. Mein Kummer über den Verlust von Lance ist immer noch rau und schmerzhaft. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es für sie ist.

Regans Unterlippe bebt, sie holt tief Luft und lacht nervös. „Lass uns über etwas anderes reden. Ich will mein Make-up nicht ruinieren.“

Ich lache nicht.

Stattdessen eile ich durch das leere Wohnzimmer und ziehe sie in meine Arme. Sie erlaubt es ohne Widerstand und drückt ihr Gesicht an meinen Hals. Ich festige meine Umarmung mit einer Hand auf ihrem unteren Rücken und der anderen in ihrem Nacken.

Es ist zu viel für sie, und sie schluchzt ein wenig, bevor sie loslässt. Bei der Beerdigung hat sie geweint, aber bei allen übrigen Gelegenheiten hat sie sich stets zusammengerissen, während sie mit den Menschen sprach, die kamen, um Lance die letzte Ehre zu erweisen. Sie hat nie die Fassung verloren, und das war meiner Meinung nach falsch.

Nicht, dass sie etwas falsch gemacht hätte, aber ich glaube nicht, dass sie jemals die Chance hatte, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sie musste sich mit den Bestattungsvorbereitungen, der Beerdigung ihres Bruders und all den losen Enden beschäftigen, die nach dem Tod eines Menschen zurückbleiben.

Regan neigt den Kopf, sodass ihr Gesicht nun an meine Brust gedrückt wird. Ich spüre, wie die Wärme ihrer Tränen in den Stoff meines Hemdes eindringt. Ich drücke sie fester an mich und wiege sie hin und her, ohne ein Wort zu sagen, um die Katharsis ihres Kummers nicht zu unterbrechen.

Als sie sich zu beruhigen beginnt, ziehe ich mich ein wenig zurück, um sie anzusehen. Die schwarzen Spuren ihrer Mascara unter ihren Augen und auf ihren Wangen lassen sie noch zerbrechlicher und verletzlicher erscheinen.

Ich schenke ihr ein Lächeln und hoffe, dass sie es erwidert. Ich will, dass sie anerkennt, dass Weinen gut und in gewisser Weise befreiend ist.

Stattdessen kaut sie auf ihrer Unterlippe herum, während sie versucht, die Schwärze unter ihren Augen wegzuwischen. Es ist nur ein kurzer Moment, aber ich sehe, dass sie wegen irgendetwas unglaublich beunruhigt ist. Es ist genauso schnell wieder verschwunden, als sie mir ein übermäßig strahlendes Lächeln schenkt, das gezwungen und schmerzerfüllt wirkt.

„Was ist los, Regan?“, frage ich und lege meine Finger unter ihr Kinn, damit sie mich ansieht. „Etwas stimmt nicht, und ich will wissen …“

„Es ist nichts“, sagt sie in einem Tonfall, der so automatisch und roboterhaft klingt, dass offensichtlich ist, dass das genaue Gegenteil die Wahrheit ist.

„Regan … ich bin es. Du kennst mich schon dein ganzes Leben. Du weißt, was Lance mir bedeutet hat. Ich schwöre bei Gott, was auch immer falsch läuft, ich werde dir helfen, es in Ordnung zu bringen. Es ist nicht schlimm, um Hilfe zu bitten.“

„Wirklich“, betont sie und versucht, ihr Lächeln noch breiter zu machen, um mich abzulenken. „Es ist alles in Ordnung. Ich bin nur müde und will nach Hause.“

Regans Heimat ist Südkalifornien, wo sie nach ihrem Collegeabschluss als Krankenschwester geblieben ist. Lance fand es nicht gut, dass sie quer durch das Land zog, da er sie in den wenigen Stunden, die er während der regulären Saison zur Verfügung hatte, nicht besuchen konnte.

Aber Regan hat sich in den Jahren, seit ich sie zuletzt gesehen habe, offenbar von schüchtern zu unglaublich unabhängig entwickelt. Nach Lance’ Aussage liebt sie ihr Leben dort.

„Du musst nicht immer so stark sein“, sage ich und hoffe, dass ich damit ihre hartnäckige Weigerung durchbrechen kann, mir mitzuteilen, was ihr Sorgen bereitet.

Ihre Unterlippe zittert leicht, aber sie erhält ihr Lächeln aufrecht. „Es geht mir gut, Dax.“

„Nein“, erwidere ich und bin absolut sicher, dass sie lügt.

Regan presst die Lippen zu einer flachen Linie zusammen, ihr Blick verhärtet sich. Sie hat sich verschlossen und eine Mauer errichtet, und ich überlege, welchen neuen Weg ich einschlagen soll, um diese zu durchbrechen.

Eine irrsinnig irrationale Idee schießt mir in lebhaften Farben durch die Gedanken: Ich packe sie an den Schultern, ziehe sie an mich heran und küsse sie wie wild.

Ich schüttle den Kopf, blinzle und konzentriere mich wieder. Wir liefern uns einen Krieg der Blicke, aber da ich sturer bin, als Regan es je sein könnte, halte ich an meiner Entschlossenheit fest.

Ob sie es spürt oder nicht, werde ich wohl nie erfahren, doch zu meiner Überraschung fällt ihr Gesichtsausdruck in sich zusammen und sie heult praktisch: „Oh Gott … Dax. Nichts stimmt! Lance hat eine Menge Schulden angehäuft, und ich habe mit Gläubigern zu tun, die aus dem Nichts auftauchen und Zahlungen verlangen. Lance’ Konten sind leer und er hatte keine Lebensversicherung. Ich habe keine Ahnung …“

„Was soll das heißen, er hatte keine Lebensversicherung?“, werfe ich ein.

„Ich habe angerufen“, sagt sie, während ihr eine Träne die Wange hinunterläuft. Sie wischt sie weg. „Sie ist aufgelöst worden.“

Ich sehe mich hilflos nach einer Antwort auf ihre Probleme um. In den gepackten Kisten, die alles sind, was von Lance übrig ist, ist sie nicht zu finden. Ich drehe mich zu ihr um. „Das ist aber nicht deine Schuld, Regan. Du bist nicht für seine Schulden verantwortlich.“

„Ich weiß“, stimmt sie ohne Umschweife zu. „Es ist nur … Natürlich weiß ich das.“

Ich beobachte sie kritisch und überdenke ihre letzten Worte. Ihr ist klar, dass die Probleme von Lance nicht die ihren sind. Dennoch … irgendetwas belastet sie zusätzlich. Ich kann spüren, wie sie es ausstrahlt.

„Was ist sonst noch los?“, frage ich und verschränke meine Arme vor der Brust. Damit zeige ich ihr, dass ich nicht eher nachgebe, bis sie mir alles gesagt hat.

Sie öffnet den Mund, und ich spüre, dass sie es leugnen will. Ich schüttle den Kopf. „Denk nicht daran, mich zu belügen. Spuck es aus.“

Einen Moment lang starrt Regan mich mit leeren Augen an, bevor sie die Schultern hängen lässt. Sie stößt einen frustrierten Atemzug aus und streicht sich die Haare aus dem Gesicht.

„Einer der Gründe, warum er sich verschuldet hat, bin ich“, gibt sie leise zu und klingt weniger beschämt als resigniert.

„Du?“ Ich ziehe verwirrt die Brauen zusammen.

Sie nickt und lächelt traurig. „Ich war krank und er hat mir bei den Ausgaben geholfen.“

„Wie bitte?“, frage ich, denn wie krank muss ein Mensch sein, um einen anderen in die Schulden zu treiben? Besonders jemanden, der so viel Geld verdient wie Lance. Und außerdem … „Hast du keine Krankenversicherung?“

„Ich war noch über Lance versichert“, antwortet sie. „Wegen meines Alters galt ich als Familienangehörige, zumal ich gerade mein Masterstudium begonnen habe. Aber jetzt, wo er tot ist …“

Ich blinzle überrascht. Ich habe nicht gewusst, dass sie wieder zur Schule geht, und auch nicht, dass sie krank war.

Wie zum Teufel konnte ich das nicht wissen?

„Lance hat nie etwas gesagt“, murmle ich.

Ihr Lächeln wird verständnisvoll. „Das war auf meine Bitte hin. Ich wollte nicht, dass es jemand erfährt.“

„Was genau?“ Ich spüre ein Gefühl des drohenden Unheils. „Was genau ist los mit dir?“

Ihr Blick schweift durch die leere Wohnung, bevor sie mich ansieht. „Vor ein paar Jahren fühlte ich mich nicht gut. Müde, kurzatmig. Nichts Weltbewegendes, aber es dauerte so lange, dass ich zum Arzt ging. Nach vielen Tests wurde bei mir eine Krankheit namens paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie diagnostiziert.“

„Was?“ Ich fühle mich nicht nur von diesem Wortschwall überfordert, sondern aus irgendeinem Grund plötzlich auch hilflos ihr gegenüber.

Ihre Mundwinkel heben sich. „Die Abkürzung PNH sagt sich leichter. Es ist eine Krankheit, die meine roten Blutkörperchen zerstört.“

„Ist sie ernst?“ Für einen kurzen Moment möchte ich Lance noch einmal umbringen, weil er mir das nicht erzählt hat.

Regan hebt das Kinn, ihre Augen schimmern mutig. „Kann sie sein. Aber es gibt ein Medikament, das hilft.“

„Und lass mich raten“, unterbreche ich sie trocken. „Es ist unglaublich teuer.“

„Die Kosten belaufen sich für einen durchschnittlichen PNH-Patienten auf über vierhunderttausend Dollar pro Jahr“, sagt sie schlicht.

„Heilige Scheiße“, rufe ich. „Wer kann sich das leisten?“

„Die Versicherung deckt einen Teil der Kosten, aber die Ausgaben, die ich selbst tragen muss, sind ziemlich hoch.“

Und es ist klar, warum sie so verzweifelt ist. „Und jetzt ist Lance tot, deine Versicherung ist weg, und du hast nicht die Mittel, um dafür zu bezahlen.“

Anstatt zu bestätigen, was ich gerade gesagt habe, macht sie einen Rückzieher und schenkt mir ein weiteres übertrieben strahlendes falsches Lächeln. „Aber das ist nicht dein Problem. Ich bin mir sicher, dass ich eine Lösung finden werde. Deshalb wollte ich auch nicht, dass es jemand erfährt, also …“

„Sind deine Koffer gepackt?“, frage ich und schneide ihr damit das Wort ab.

Sie runzelt die Stirn. „Wie bitte?“

„Du hast gesagt, du fliegst morgen zurück nach Kalifornien, richtig?“

„Richtig“, stimmt sie langsam zu.

„Planänderung. Du kommst mit mir zurück nach Phoenix.“

„Was?“, ruft sie schockiert aus. „Bist du verrückt?“

„Keineswegs. Du kommst mit mir und wir werden heiraten. Du bist über mich versichert und ich übernehme die Kosten für dich.“

„Du bist verrückt“, stottert sie.

„Und du wirst meine Frau.“

„Nein“, zischt sie.

„Doch“, sage ich selbstbewusst. „Merk dir meine Worte.“

Kapitel 2

Dax

Regan ist krank.

Ich kann nicht einmal aussprechen, was sie hat, aber als ich PNH gegoogelt habe, bekam ich alle Informationen, die ich brauchte, um mich noch mehr zu ärgern.

Ja … als ich aus dem Uber-Fahrzeug aussteige und die Betontreppe zu ihrer Wohnung hinaufgehe, bin ich sauer.

Wütend, dass sie eine Krankheit hat, die unglaublich gefährlich ist, und dass Lance nicht einmal daran gedacht hat, mir davon zu erzählen. Mehr als zornig auf meinen besten Freund, weil er gestorben ist und seine kleine Schwester im Stich gelassen hat. Auch eine gewisse Wut auf Regan ist im Spiel, da sie sich geweigert hat, mit mir nach Phoenix zu fliegen. Stattdessen hat sie einen früheren Flug nach Encinitas genommen, der Stadt nördlich von San Diego, in der sie lebt, und mir eine SMS geschickt, als sie gerade an Bord ging.

Es blieb mir keine Zeit, sie aufzuhalten, aber ich konnte das Teamflugzeug, das nach Phoenix fliegen sollte, rechtzeitig verlassen, um den nächsten Flug an die Westküste zu buchen.

Glücklicherweise ist es das All-Stars-Wochenende, sodass wir fünf Tage lang kein Spiel haben. In den kommenden drei Tagen haben wir nicht einmal ein Pflichttraining, da Legend und Bishop sowohl am All-Stars-Geschicklichkeitswettbewerb als auch am Spiel teilnehmen. Ich denke, das ist genug Zeit, um meine zukünftige Frau abzuholen und sie von Kalifornien nach Arizona umzusiedeln.

Ich habe ebenfalls eine Einladung zu den All Stars erhalten, aber nach dem Tod von Lance war ich nicht in Stimmung und habe bedauernd abgelehnt. Tacker war auch eingeladen, doch ich bin mir sicher, dass er es gar nicht bereut hat, als er abgesagt hat. Es ist einfach nicht sein Ding. Allerdings hat er heutzutage bei so gut wie allem keinen Elan mehr.

Als ich den Treppenabsatz erreiche, gibt es einen Moment, in dem mir klar wird, wie töricht und kontrollierend ich mich gerade verhalte, aber ich werde von der absoluten Angst um Regans Leben angespornt. Vieles von dem, was ich im Flugzeug über PNH gelesen habe, war mir zu hoch, doch manches habe ich in verständliche Begriffe fassen können.

Regan leidet an einer unglaublich seltenen Knochenmarkskrankheit, bei der ihre roten Blutkörperchen zerstört werden. Sie tritt auf, weil das Proteinschild um ihre roten Blutkörperchen fehlt, sodass es die Zellen nicht vor dem Angriff des körpereigenen Immunsystems schützen kann. Ich verstehe nicht viel mehr von den Mechanismen, aber ich habe genug gelernt, um nun eine Heidenangst zu haben. PNH betrifft nur einen von einer Million Menschen und ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Als ich gelesen habe, dass die durchschnittliche Überlebenszeit nach der Diagnose nur zehn Jahre beträgt, wurden meine Beine zu Gummi. Das hat mir im Flugzeug auf dem Weg nach San Diego den Atem geraubt und ich habe lange nachgedacht. Ich bin nicht bereit, Regan so kurz nach dem Tod von Lance zu verlieren.

Aber dann habe ich weitergelesen und Mut geschöpft, weil ich mich mit dem teuren Medikament vertraut machte, das sie benötigte.

Es kostet über vierhunderttausend Dollar pro Jahr, um Salvistis zu erhalten, das sich an die Proteine bindet, die die roten Blutkörperchen zerstören. Es rettet Leben, und sie muss es bekommen.

So einfach ist das.

Deshalb gehe ich zu ihrer Wohnungstür mit der einzigen Absicht, Regan abzuholen und sie mit mir nach Phoenix zu nehmen. Dort werde ich sie am Montagmorgen heiraten und ab dem Nachmittag wird sie bei mir mitversichert sein.

Ohne zu zögern, hämmere ich mit der Faust gegen die dünne Holztür. Wenige Augenblicke später höre ich ein Grummeln auf der anderen Seite, bevor sich die Tür öffnet und ein kleiner asiatischer Mann in zerknittertem Kittel und mit überall abstehenden Haaren zum Vorschein kommt.

„Ja?“, krächzt er und reibt sich mit der Hand über das Gesicht. Ich habe ihn eindeutig geweckt.

„Ist Regan hier?“, frage ich in der Annahme, dass es sich um einen Mitbewohner handelt. Oder, verdammt, vielleicht ist er ihr Freund? Er ist ungefähr in Regans Alter, wenn auch ein paar Zentimeter kleiner als sie, aber das ist möglicherweise nicht so wichtig.

Für mich ja, Regan allerdings kümmert sich nicht um so etwas.

Der Mann hustet, blinzelt und sieht mich an. „Ähm … ja, ich glaube schon. Ich bin gestern Abend nach der Arbeit auf der Couch eingeschlafen, also bin ich mir nicht ganz sicher.“

Er tritt einen Schritt zurück und heißt mich in dem kleinen Wohnzimmer willkommen. Die Wohnung ist karg und billig eingerichtet, aber die Lebenshaltungskosten in dieser südkalifornischen Küstenstadt sind hoch, daher bin ich nicht überrascht.

Ich schließe die Tür hinter mir, und der Mann geht in einen kurzen Flur. Ich sehe, wie er an eine geschlossene Tür pocht. „Reggie … bist du da?“

Reggie? Das klingt wirklich nach einem Spitznamen, den ihr ihr Freund geben würde. Aber andererseits … warum klopft er an und geht nicht einfach rein?

Mein Herzschlag beschleunigt sich, als sich die Tür öffnet und Regan in den Flur tritt. Sie schenkt dem Mann, von dem ich nun wieder annehme, dass er nur ihr Mitbewohner ist, ein schwaches Lächeln. „Was gibt’s?“

Ein Arm wird erhoben und ein Finger ausgestreckt, um durch das Wohnzimmer auf mich an der Eingangstür zu zeigen. Regan verdreht den Hals und ihre Augen werden vor Überraschung groß.

„Das soll wohl ein Witz sein“, murmelt sie.

„Kennst du ihn?“, fragt der Mann und kratzt sich am Kopf, bevor er gähnt.

„Er ist ein Freund der Familie“, antwortet sie und wirft ihm einen kurzen Blick zu, bevor sie die Stirn runzelt. „Geh ins Bett, John. Du siehst furchtbar aus.“

Ihre Stimme ist liebevoll und warm. Der Mann, John, schenkt ihr ein verlegenes Lächeln. „Schon dabei. Wir sehen uns später.“

Er dreht sich um und geht zur Schlafzimmertür direkt gegenüber von Regans Zimmer.

Definitiv ein Mitbewohner.

Regan kommt auf mich zu, schnappt sich die Decke von der Couch, die John wohl benutzt hat, und faltet sie schnell und präzise zusammen. Sie nickt in Richtung der Spielekonsole auf dem Couchtisch. „Er zockt nach seiner Schicht die ganze Nacht Videospiele und bekommt nicht genug Schlaf. Er ist eine Gefahr für sich selbst.“

„Ist er ein Krankenpfleger, wie du?“, frage ich ohne echte Neugier, aber sie scheint ihn zu mögen.

Sie nickt und legt die gefaltete Decke auf die Rückenlehne der Couch. „Arbeitet in der Anästhesie. Wir sind jetzt schon seit ein paar Monaten Zimmergenossen.“

„Scheint nett zu sein“, murmle ich.

„Das ist er“, antwortet sie und verengt die Augen.

Gott, sie ist so schön. Ich kann immer noch nicht begreifen, warum mir das vorher nie so richtig aufgefallen ist.

„Wieso bist du hier, Dax?“

„Du weißt, wieso“, antworte ich und schlendere zum Sofa hinüber, um mich hinzusetzen. Ich winke sie zu mir und klopfe auf das Kissen neben mir. „Mir ist klar, dass ich in New York vielleicht ein wenig anmaßend dir gegenüber war, und ich bin gekommen, damit wir noch ein bisschen reden können.“

„Oh“, macht sie sarkastisch, während sie sich ans andere Ende der Couch setzt. „Du meinst, du bist nicht hier, um mich über deine Schulter zu werfen und in deine Höhle zu schleppen?“

„Wenn ich glauben würde, dass ich auf diese Weise durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen käme, würde ich es tun“, entgegne ich unwirsch, woraufhin sie schnaubend lacht.

Mit einem resignierten Seufzer lässt sie sich auf das Sofa fallen und streicht sich mit den Fingern durch das Haar an der Schläfe, bevor sie ihren Arm über die Lehne legt. Als sie eins ihrer langen Beine unter sich zieht, kann ich nicht anders, als die geschmeidige Haut in den Jeansshorts zu bewundern.

„Typisch Monahan“, murmelt sie und ihre Mundwinkel ziehen sich nach oben. „Er weiß nicht, wie man ein ‚Nein‘ als Antwort akzeptiert.“

„Willow ist viel schlimmer als ich!“

Regan lacht schallend bei der Erwähnung meiner nur anderthalb Jahre jüngeren Schwester. „Das ist wahr. Aber es ist deine Schuld. Du hattest einen schlechten Einfluss auf sie.“

„Ich übernehme nicht die Verantwortung dafür, wie Willow sich entwickelt hat.“ Ich hebe abwehrend die Hände. „Sie ist ein unerklärliches Geschöpf.“

Was auch wahr ist. Willow ist wild, herrisch, unabhängig und eine Besserwisserin. Ich fürchte, sie wird nie sesshaft werden, denn ich kann mir keinen Mann vorstellen, der mit ihr zurechtkommen könnte.

„Sie sagt, sie kommt bald zurück in die Staaten.“

Ich nicke. Meine Schwester arbeitet derzeit als Fotojournalistin und reist durch die ganze Welt. „Ende nächster Woche. Sie kommt sogar nach Phoenix, um etwas Zeit mit mir zu verbringen, also kannst du sie wiedersehen.“

Eine weitere Alphamethode – Subtilität ist nicht gerade meine Stärke. Regan reagiert, indem sie eine Augenbraue hochzieht und ihre Lippen abwehrend zusammenpresst.

Ich presche vor, bevor sie ein Wort sagen kann. „Regan … es ist eine kurzfristige Sache. Nur eine Ehe auf dem Papier. Du bist versichert, kannst dich behandeln lassen und dein Studium beenden. Wenn du damit fertig bist und einen Job mit Versicherung hast, können wir uns scheiden lassen. Es ist die einfachste Lösung.“

Sie starrt mich lange an, und ich merke, dass sie über das nachdenkt, was ich sage, aber sie ist nicht überzeugt.

„Ich bin das, was einer Familie für dich am nächsten kommt, Regan. Und Lance würde das gutheißen. Du weißt, dass er es wollen würde.“

Ihre Augen verengen sich leicht und sie legt den Kopf schief. „Dass ich wegen des Geldes heirate und nicht aus Liebe?“

Ich sehe sie kühl und rügend an. „Du weißt, dass er das nicht tun würde, aber er würde erkennen, dass ich dieses Angebot aus Liebe mache. Es ist unkonventionell, klar, doch an dem, was du gerade durchmachst, ist nichts konventionell. Es ist ein guter Vorschlag, Regan. Es gibt keinen Grund, warum du sie nicht annehmen solltest.“

Regan sieht an mir vorbei und dorthin, wo sich die Eingangstür befindet. Sie knabbert an ihrer Unterlippe, während sie überlegt. „Ich nehme an, es ist nur ein Stück Papier“, sagt sie langsam und richtet ihren Blick wieder auf mich. „Ich habe hier eine Teilzeitstelle als Krankenschwester. Ich könnte dir das Geld auf jeden Fall nach und nach zurückzahlen. Wenn ich im Herbst den Masterstudiengang beginne, führen wir einfach Buch, und ich kann es dir geben, wenn ich eine feste Stelle gefunden habe. Oder ich lasse das mit dem Masterstudiengang. Ich könnte mir jetzt schon eine feste Stelle suchen …“

„Auf keinen Fall! Du bleibst an der Uni und arbeitest nicht, während du studierst. Du zahlst mir auch nichts zurück.“

Wieder richtet sie sich auf und starrt mich scharf an. „Ich nehme keine Almosen an.“

„Regan … ich verdiene eine Menge Geld. Lass mich …“

„Entweder ich zahle es dir zurück oder es gibt keinen Deal“, sagt sie verschnupft.

„Gut. Zahl mir das Geld zurück, wenn du willst. Aber während du an der Uni bist, lernst du und arbeitest nicht.“

„Ja, Daddy“, schnauzt sie und grinst spöttisch.

Meine Handfläche juckt. Was würde ich jetzt nicht alles dafür geben, sie auf ihren Hintern zu schlagen. Ich schiebe den Gedanken beiseite und stehe auf. „Dann ist es abgemacht. Ich kann noch einen Tag hierbleiben, um dir beim Packen zu helfen, aber danach müssen wir nach Phoenix. Ich muss am Montag zum Training zurück sein.“

Regan blinzelt mich überrascht an. „Ich werde nicht mit dir nach Phoenix gehen, Dax. Ich werde dich heiraten, aber ich bleibe hier.“

„Warum?“

„Warum?“, wiederholt sie ungläubig, während sie von der Couch aufspringt und sich vor mir aufbaut. „Weil ich hier lebe. Mein Leben ist hier. Ich habe eine Wohnung und einen Job. Hier fange ich im Herbst mit dem Studium an.“

„Diese Sachen sind leicht zu ersetzen und du kannst in Phoenix auf die Universität gehen. Hast du einen Freund oder so?“

Okay, das kam aus dem Blauen und klang gleichzeitig unglaublich defensiv. Ich spüre, wie mir die Hitze in den Nacken steigt, aber Regan schüttelt den Kopf. „Nein, ich habe keinen Freund, doch das tut nichts zur Sache. Ich liebe Kalifornien und ich bin hier an der Uni eingeschrieben.“

„Du kannst dich in Phoenix an der Uni anmelden. Das habe ich bereits überprüft. Die Arizona State University hat ein hervorragendes Programm für Pflegekräfte. Und du kannst zurück nach Kalifornien kommen, sobald du wieder auf eigenen Füßen stehst“, versichere ich ihr und ignoriere das unangenehme Gefühl in meinem Bauch bei dem Gedanken. „Aber wenn ich dich unter einem Vorwand heiraten soll, machen wir es richtig. Du musst in Phoenix in meiner Wohnung bleiben. Ich werde nicht wegen Versicherungsbetrugs ins Gefängnis gehen.“

Regan wird blass, sinkt auf die Couch und schüttelt langsam den Kopf. „Siehst du … das ist eine dermaßen dumme Idee!“

„Lance hat mich zu deinem Vormund bestimmt, falls er stirbt“, murmle ich und ziehe mein letztes Ass. Das wird für sie nichts Neues sein, denn sie musste seinen Nachlass verwalten. Ich bin sicher, sie hat es in seinem Testament gesehen. Er hat mir davon erzählt, als er es vor Jahren aufsetzen ließ. „Zugegeben … das war für den Fall, dass er stirbt, während du noch minderjährig bist, aber seine Absicht war klar. Er wollte, dass ich mich um dich kümmere, wenn er es nicht mehr kann, und genau das werde ich tun, Regan. Bitte sorge dafür, dass ich sein Andenken nicht entehren muss.“

Das sind die Worte, die nötig waren. Ich kann ihre Kapitulation daran sehen, wie ihre Schultern sinken, und ich hasse es, dass sie so abgeneigt ist, mit mir nach Phoenix zu kommen. Aber ich weiß tief in meinem Inneren, dass ich das Richtige tue. Wo auch immer Lance gerade sein mag, er nickt sicher zustimmend.

„Gut“, sagt sie schließlich mit einem Hauch von Resignation. Sie steht auf, ist zwar nicht Auge in Auge mit mir, aber nah genug, dass ich die Entschlossenheit in ihrem Blick nicht übersehen kann. „Ich werde nach Phoenix kommen. Ich werde dich heiraten, damit ich meine Behandlung bekommen kann. Ich werde in deinem Haus leben.“

„Du wirst Phoenix lieben …“

„Egal“, unterbricht sie mich abweisend und lässt mich nicht vergessen, dass sie nicht glücklich darüber ist, dass das hier notwendig ist. „Aber ich will, dass das geheim bleibt. Es ist mir zuwider, dass wir das System betrügen.“

„Wir retten dein Leben, Regan.“ Das klingt wie in ein tiefes, wütendes Knurren und lässt sie überrascht blinzeln. „Scheiß auf das System. Sie sollten kein Medikament herstellen, das fast eine halbe Million Dollar pro Jahr kostet, nur damit du leben kannst.“

Sie neigt den Kopf, sodass ein Teil ihres glänzenden Haares über ihre Schulter fällt. Es sieht so weich aus. Es juckt mich in den Fingern, es zu berühren, und mir wird mit einem Mal klar, dass es schwierig für mich sein wird, sie in meinem Haus zu haben.

Das wird ein absolutes Monster von einem Problem sein.

„Gut“, stimmt sie leise zu, und meine Aufmerksamkeit wandert von ihrem Haar zu den atemberaubend weichen Lippen, die sie auf meine Wange presst, nachdem sie sich auf die Zehenspitzen gestellt hat. Ihre Hände ruhen leicht auf meinen Schultern, und ich weiß nicht, ob ich dieses Gefühl jetzt jemals wieder vergessen werde. Sie zieht sich zurück und fängt meinen Blick ein. „Wir retten mein Leben, aber ich möchte es trotzdem geheim halten. Sag den Leuten, dass ich mir nach Lance’ Tod eine Auszeit nehme und nur eine Zeit lang mit dir abhänge.“

„Das kann ich machen.“

Und es scheint, romantischer wird es nicht. Schuldgefühle treffen mich in der Brust, aber ich verdränge sie.

Wie wir uns gerade geeinigt haben:

Wir retten ihr das Leben.

Kapitel 3

Regan

Ich stelle das Foto von Lance und mir auf die Kommode und fahre mit dem Finger über den silbernen Rand des Rahmens, während ich es anstarre. Es ist erst vor einem Jahr gemacht worden, als er für ein Spiel nach Kalifornien kam und wir danach zum Essen gingen. Unser Kellner hat es aufgenommen. Lance und ich lächeln breit, denn es sah so aus, als würde sich mein Leben nach der PNH-Diagnose ganz anders entwickeln, als wir zunächst gedacht hatten.

Nur wenige Tage bevor Lance nach Kalifornien kam, hatte Salvistis die Zulassung als Arznei erhalten und meine Versicherung hatte mir einen Fallmanager zugeteilt, um einen Behandlungsplan zu erstellen. Lance lächelt auf dem Bild, weil seine kleine Schwester nicht sterben wird, und seien wir ehrlich … ich lächelte damals hauptsächlich aus demselben Grund.

Aber auch, weil ich einfach glücklich war, mit meinem Bruder zusammen zu sein. Er und ich standen uns richtig nahe, da er mich nach dem Tod unserer Eltern aufgezogen hat. Ich war erst vierzehn und er war mit seinen neunzehn Jahren noch nicht wirklich ein erfahrener Erwachsener, doch er gab mir das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Mein Leben hatte sich so drastisch verändert. Ich habe meine Mutter und meinen Vater verloren und musste dann fast sofort nach New York ziehen, wo Lance für die Vipers spielte. Ich wechselte von einem bürgerlichen Vorstadthaus in eine Wohnung in Manhattan, von vernarrten und etwas erdrückenden Eltern zu einem Bruder, der viel reiste.

Während dieser Zeit hatte ich ein Kindermädchen, das dafür sorgte, dass ich zur Schule ging und gesund aß. Als ich älter wurde, fiel die Nanny weg und ich wohnte oft bei Freunden, die Lance guthieß und die richtige Elternteile hatten. Wir haben das vernünftig hinbekommen. Obwohl ich die meiste Zeit allein war, hatte ich nie das Gefühl, einsam zu sein. Lance und ich sprachen mindestens einmal am Tag miteinander oder unterhielten uns per FaceTime und wir schrieben uns gefühlt eine Million Nachrichten. Selbst nachdem ich nach Kalifornien gezogen war, um dort zu studieren, wurde unser Kontakt nie weniger. Er war für mich Bruder, Mutter, Vater und bester Freund. Manchmal schmerzt die Trauer über seinen Verlust so sehr, dass ich nicht atmen kann.

So wie jetzt.

Ich gehe vier Schritte zurück, setze mich auf die Bettkante und reibe meine Fingerknöchel über meine Brust, während ich mich in dem geräumigen Gästezimmer umsehe, in das Dax mich gesteckt hat. Ich werde es ihm gegenüber nie zugeben, doch ich bin dankbar, hier zu sein. Seit Lance gestorben ist, fühle ich eine solche Leere. Ich habe wirklich niemanden.

Das Schlafzimmer ist hübsch und mit schweren Eichenmöbeln eingerichtet, die Wände allerdings sind völlig kahl. Dax hat mir erzählt, er sei erst vor ein paar Monaten eingezogen. Als er hierher kam, teilte er sich mit Bishop ein großes Vorstadthaus, aber dann zog dieser mit seiner Freundin und jetzigen Verlobten zusammen, und Dax beschloss, sich etwas Kleineres zu suchen. Er hat dieses Reihenhaus mit drei Zimmern in Scottsdale vor allem deshalb gekauft, weil er keinen Rasen mehr haben wollte, den er mähen musste.

Das hat er gesagt.

Ich habe ihn schon ein paar Stunden nicht mehr gesehen. Seit wir angekommen sind.

Es waren nur sechs Stunden Fahrt von Encinitas nach Phoenix. Ich habe allein meine Kleidung, Toilettenartikel und einige Erinnerungsstücke wie das Foto von Lance und mir mitgenommen. Den Rest haben wir eingepackt und in ein Langzeitlager gebracht, das wir mit Dax’ Kreditkarte bezahlt haben. Außerdem hinterließ er John einen Scheck für sechs Monatsmieten und entschuldigte sich dafür, dass er seine Mitbewohnerin entführt hatte. John war traurig, mich gehen zu sehen, aber das Geld machte es mehr als wett. Ich rief meinen Vorgesetzten an und teilte ihm bedauernd mit, dass ich meinen Teilzeitjob mit sofortiger Wirkung kündigen müsse. Das fühlte sich nicht gut an, und ich hoffe, ich habe sie nicht zu sehr hängen lassen.

Nachdem wir in Phoenix angekommen waren, trug Dax alle meine Sachen hinein und fuhr gleich wieder weg, da er noch einige Besorgungen erledigen musste. Und jetzt sitze ich hier in einem Zimmer, in dem ich … die nächsten zwei Jahre leben soll, während ich einen Hochschulabschluss mache? Und was passiert mit meinem Privatleben? Wenn ich mit Dax verheiratet bin, ist es dann überhaupt möglich, eine Bindung mit jemand anderem zu haben?

Nicht, dass das sehr wahrscheinlich wäre. Meine einzige echte Beziehung ist im Sand verlaufen, nachdem ich meine Diagnose erhalten hatte. Als Gesamtpaket bin ich nicht besonders attraktiv. Ich meine, wer will sich schon mit jemandem zusammentun, der meine Probleme hat?

Eine Welle der Unsicherheit überwältigt mich.

Es ist nicht die erste in den vergangenen zwei Tagen, aber die stärkste. Das war eine dumme Idee.

„Regan“, ruft Dax aus dem Wohnzimmer unten. „Ich bin zurück und ich habe Abendessen mitgebracht.“

Ich erhebe mich vom Bett und werfe einen letzten sehnsüchtigen Blick auf meinen Bruder, der mich aus dem Bilderrahmen heraus anschaut. „Ich hoffe, ich tue das Richtige, Lance. Wenn nicht, musst du mir ein Zeichen geben, und zwar bald.“

***

Dax ist in der Küche und packt Lebensmittel aus und ich entdecke eine Pizza auf der Kücheninsel in der Mitte.

„Ich habe ein paar deiner Lieblingssachen besorgt“, sagt Dax und greift in eine braune Papiertüte. Er holt eine Packung Oreos heraus und schwenkt sie grinsend über seiner Schulter. Die Kekse landen auf dem Tresen und er fördert Cheetos, Dosenravioli und Pop Tarts zutage. Meine Augen weiten sich, als er das Zeug neben einer Zwölferpackung Dr. Pepper und einer Schachtel Lucky Charms abstellt.

Dax dreht sich zu mir um, streckt seine Hände schwungvoll nach den Lebensmitteln aus und fragt: „Was meinst du? Gutes Gedächtnis, hm?“

Zögernd antworte ich: „Ähm … sehr gutes Gedächtnis. Die zehnjährige Regan würde jetzt bestimmt vor Freude quietschen.“

Dax’ Lächeln wird schwächer, er runzelt die Stirn. Er wirft einen Blick auf den Haufen Junkfood und sieht dann ärgerlich zu mir. „Ich vermute, da du nicht quiekst, isst du in letzter Zeit etwas gesünder?“

Ich lache, gehe um den Tresen herum und stöbere in all den Sachen. Es gibt eine Tüte Doritos, Schokoladenpudding im Becher und Starbursts. All die Dinge, die ich als Kind geliebt habe und die mir meine Eltern gegönnt haben, was vielleicht auch der Grund für mein leichtes Gewichtsproblem und meine schlechte Haut war. Aber, bei Gott, ist das Zeug lecker gewesen.

Ich wende mich an Dax und hebe entschuldigend die Hände. „Ich weiß die Mühe zu schätzen, allerdings ernähre ich mich wirklich viel gesünder in letzter Zeit. Das PNH hat mich ein wenig wachgerüttelt, meine Ernährung etwas ernster zu nehmen.“

Dax’ Gesicht färbt sich rot und er stöhnt und schlägt sich mit der Hand auf die Stirn. „Verdammt. Daran habe ich gar nicht gedacht, und das hätte ich tun sollen. Es tut mir leid, Regan.“

Ich drücke ihm mitfühlend die Schulter. „Keine Sorge. Vertrau mir … meine Krankheit ist gewöhnungsbedürftig. Aber wie wäre es, wenn du mich einkaufen und kochen lässt? Ich verspreche dir, dich nicht mit zu viel Gemüse zu überhäufen, aber ich habe die Zubereitung ausgewogener Mahlzeiten inzwischen zu einer Wissenschaft gemacht.“

„Abgemacht“, sagt Dax und wendet sich wieder den Lebensmitteln zu. Als ich ihm helfe, die Tüten erneut zu packen, verspricht er, sie an eine Lebensmittelbank oder ein Heim zu spenden. „Ist Pizza zum Abendessen okay oder soll ich noch mal zum Supermarkt?“

„Pizza ist großartig“, versichere ich und bin erstaunt, wie wohl ich mich gerade in seiner Küche fühle.

Während Dax ein paar Pappteller holt und ich mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank schnappe, schreibe ich im Kopf eine Einkaufsliste für den morgigen Einkauf.

Dax serviert uns klebrige Pizzastücke nach New Yorker Art und wir setzen uns nebeneinander an die Kücheninsel. Er nickt in Richtung mehrerer unterschiedlich großer Plastiktüten. „In den Tüten sind ein paar Geschenkgutscheine für dich. Target, Bed Bath & Beyond. So was in der Art. Ich möchte, dass du losziehst und alles besorgst, was du brauchst, um dein Zimmer zu deinem eigenen zu machen. Dekoriere es, kaufe eine flauschige Bettdecke … was auch immer. Ich möchte, dass dies ein richtiges Zuhause für dich ist.“

Ich erstarre mit einem Pizzastück auf halbem Weg zum Mund. Ein plötzliches Kribbeln lässt meine Lider flattern, um das aufzuhalten, was ich für eine riesige Welle von Tränen halte. Als ich nicht reagiere, dreht Dax sich zu mir. Sein Blick ist erwartungsvoll, bevor er sich mit Sorge füllt.

„Was ist los?“, fragt er auf einmal.

Ich schüttele den Kopf, bin immer noch wie erstarrt und starre ihn über die Pizza in meiner Hand hinweg an. Ich bin mir vage bewusst, dass ein Klecks geschmolzener Käse auf meinen Teller fällt. Tränen beginnen meine Sicht zu trüben. Bevor Dax völlig verschwimmt, entnehme ich seiner Miene, dass er es merkt, und er schüttelt unwillig den Kopf.

„Nicht“, befiehlt er fest und legt seine Pizza ab. Ich fange an, die Nässe wegzublinzeln, und er knurrt: „Verdammt noch mal! Wehe du heulst, Regan. Ich kann damit nicht umgehen.“

„Das werde ich nicht“, murmle ich heiser und senke meinen Blick und mein Stück auf den Teller. Eine Träne tropft auf meinen Handrücken.

„Scheiße“, grummelt Dax. Dann legt er seinen Arm um mich und zieht mich von meinem Hocker in eine enge Umarmung. Er rutscht von seinem Stuhl herunter und drückt mich fest an sich. Ich spüre seinen Mund an meinem Scheitel, während er murmelt: „Ich weiß, dass du es im Moment wirklich schwer hast, und ich habe es noch schlimmer gemacht, indem ich dich hierher geschleppt habe. Es tut mir leid, aber es ist das Richtige.“

„Darüber bin ich nicht verärgert“, sage ich an seine Brust gepresst und hebe den Kopf, damit ich zu ihm aufschauen kann. „Ehrlich gesagt … ist das für mich in Ordnung. Es ist nur … Dass du mir gesagt hast, du möchtest, dass sich das hier wie ein Zuhause anfühlt, hat mich berührt. Ich dachte nicht, dass ein ‚Zuhause‘ im Moment für mich existiert. Nicht, wenn Lance tot ist.“

„Du hast ein Zuhause hier bei mir“, versichert er. „Du bist sicher und nicht allein.“

Das ist eine starke Aussage. In Verbindung mit der Tatsache, dass wir offenbar morgen zum Standesamt gehen, um zu heiraten, trifft es mich ein wenig direkter, als es sollte.

Glücklicherweise mildert er das ab, indem er sagt: „Meine Eltern würden das Gleiche tun. Willow auch, wenn sie jemals lange genug an einem Ort wäre, um ein Zuhause zu haben, und Meredith wäre natürlich überglücklich, wenn du bei ihr bleiben würdest. Die ganze Familie Monahan ist für dich da, Regan, wenn du uns lässt.“

Und ich weiß, dass das stimmt. Mir ist klar, dass es keinen einzigen Monahan gibt, der nicht tief in die Tasche greifen würde, um mir beim Bezahlen meiner Behandlung zu helfen. Sie alle würden mich in der Familie willkommen heißen, als gehörte ich dazu. Dax’ Mutter und Vater, Linda und Calvin, sind zu Lance’ Beerdigung gekommen, und obwohl sie mein Geheimnis nicht kannten, boten sie mir an, sie zu besuchen, wenn ich eine Zeit lang einfach nur abschalten wollte. Linda sagte: „Komm mit uns heim. Lass mich dich für eine Weile betüddeln.“

Ich atme scharf ein, will, dass die Tränen verschwinden, und verflucht … warum muss Dax so gut riechen?

Ich löse mich aus seiner Umarmung und fahre mit den Händen über mein Gesicht. „Tut mir leid. Hör einfach auf, so verdammt nett zu sein, und ich werde nicht weinen. Okay?“

Dax lacht leise und akzeptiert meine Ermahnung als eine Möglichkeit, meine Verlegenheit darüber zu überspielen, dass ich vor ihm wie ein Baby heule. Ich zeige auf seinen Teller. „Jetzt setz dich. Iss.“

Er zwinkert mir zu, während er tut, was ich sage. „Du wirst eine dieser herrischen, fordernden Ehefrauen sein, nicht wahr?“

„Im Gegenteil, ich bin so dankbar für das, was du tust, dass ich sozusagen deine Sklavin bin, mit der du machen kannst, was du willst.“