Erik (Arizona Vengeance Team Teil 2) - Sawyer Bennett - E-Book

Erik (Arizona Vengeance Team Teil 2) E-Book

Sawyer Bennett

5,0

Beschreibung

Die Arizona Vengeance entwickeln auf dem Eis den Ruf als eines der besten Eishockeyteams. Aber der Ruf eines Spielers außerhalb der Halle könnte ihn davon abhalten, zu punkten … Ich habe unglaublichen Spaß mit meinen neuen Brüdern bei den Arizona Vengeance. Wir sind zwar ein neu gegründetes Team, aber nach einigen großen Siegen weiß die ganze Liga, dass sie sich vor Erik Dahlbeck in Acht nehmen muss. Erik Dahlbeck bin ich. Die einzige Person, die mich anscheinend nicht so toll findet, ist Blue Gardner, die verdammt heiße Flugbegleiterin in unserem Teamflugzeug. Ich würde ja gerne mit ihr in den Mile-High-Club eintreten, aber abgesehen davon, dass sie mir lauwarmen Kaffee bringt, lässt sie mich nicht mal ansatzweise an sich heran. Was auch immer ich getan habe, um Blue zu verärgern, meine Teamkollegen finden es urkomisch. Schließlich sind wir daran gewöhnt, dass die Frauen uns in Scharen zu Füßen liegen. #puckbunnies Als ich Blue auf dem Boden wiederbegegne, bin ich verblüfft, als ich erfahre, wie sie ihre freie Zeit verbringt: Sie kümmert sich um ihren behinderten Bruder. Diese Frau hat so viele Facetten, die ich mir nie hätte vorstellen können, und ich kann es kaum erwarten, sie zu enthüllen. Und das ist ein vollkommen neues Gefühl für mich. Aber zuerst muss ich einen Weg finden, diesen eiskalten Blick zum Schmelzen zu bringen. Denn so sehr ich auch versuche, so zu tun, als wäre es mir egal, was Blue von mir denkt, wie kann es einem egal sein, wenn man sich in jemanden verliebt? Teil 2 der Reihe rund um das Team der Arizona Vengeance von New York Times-Bestsellerautorin Sawyer Bennett.

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Seitenzahl: 360

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Sawyer Bennett

Arizona Vengeance Teil 2: Erik

Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen von Julia Weisenberger

© 2018 by Sawyer Bennett unter dem Originaltitel „Erik (Arizona Vengeance, Book #2)“

© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)

© Coverfoto: Shutterstock.com

ISBN Print: 978-3-86495-540-2

ISBN eBook: 978-3-86495-541-9

Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Dieser Roman darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Autorin

Kapitel 1

Erik

Man muss das Wetter hier in Phoenix einfach lieben. Blauer Himmel, sechsundzwanzig Grad und ein paar weiße, flauschige Wolken, die einen manchmal dank ihres kühlenden Schattens aufatmen lassen, wenn sie über den Himmel ziehen.

Dax und ich schlendern hinter Brooke und Bishop her, die ehrlich gesagt so ineinander verliebt sind, dass ich mich wundere, dass ihre Seelen nicht miteinander verschmolzen sind oder so. Seit er sie vor einer Woche aus New York zurückgebracht hat, hängen sie jeden verdammten Tag beieinander. Sie kehrten nach Phoenix zurück und genossen eine Woche mit nur zwei Heimspielen und viel Zeit dazwischen, um sich zu versöhnen – was sie offensichtlich nötig hatten.

Obwohl ich nicht weiß, ob sie sich jemals richtig getrennt haben. Es hat nicht so ausgesehen. Bishop hatte mir geschrieben, dass Brooke nach New York gegangen war, um ihren Kopf klar zu kriegen, und dass er ihr dabei helfen würde. Also ist er hingeflogen, hat ihn ihr anscheinend zurechtgerückt und jetzt sind sie wieder da.

Als sie mich heute gefragt haben, ob ich zum Erntedankfest rüber nach Scottsdale gehen möchte, dachte ich, warum zum Teufel nicht? Es ist ja nicht so, als hätte ich etwas Besseres mit mir anzufangen gewusst.

Das Festival findet entlang des Kanals statt; es sind verschiedene Stände aufgebaut, an denen Kunsthandwerk, würziges Essen und Krüge mit Margaritas verkauft werden. Es gibt Livemusik, Salsa und eine Vielzahl von Kinderaktivitäten. Nachdem die Sonne untergegangen ist und die Temperatur von sechsundzwanzig Grad auf angenehme achtzehn Grad gesunken ist, werden die Bars und Außenplätze der Restaurants voll sein. Die Bäume werden von blauen oder weißen Lichtern beleuchtet, und es ist ein beliebter Ort für Paare, die hierher kommen und Zeit miteinander verbringen.

Oder auch nicht.

Dax, Legend und ich sind schon ein paarmal hier gewesen und haben einige wirklich tolle Bars besucht.

Brooke und Bishop biegen nach rechts ab und gehen zu einem Stand mit handgemachten Kupferwindspielen. Dax und ich schlendern ebenfalls hinüber.

„Die sind so hübsch“, ruft Brooke und fährt mit den Fingern leicht über eines. Das Geräusch, das sie dadurch erzeugt, ist wirklich schön.

„Ich kaufe dir eines“, sagt Bishop und zückt seine Brieftasche.

„Nein“, erwidert sie lachend, legt ihre Hand auf seinen Arm und schiebt ihn zurück in Richtung seiner Tasche. „Ich brauche dich nicht, um alles zu kaufen, von dem ich sage, dass es nett aussieht. Nur weil ich sage, dass es nett ist, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch will.“

Bishop beugt sich vor, küsst ihren Hals und flüstert ihr etwas ins Ohr. Ihr Gesicht färbt sich in einem hübschen Rosa, und sie stößt ihn an und wirft einen verstohlenen Blick um ihn herum auf Dax und mich, um zu sehen, ob wir gehört haben, was er gerade gesagt hat.

Haben wir nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass es etwas sehr, sehr Schmutziges war.

„Ich hole mir noch eine Margarita“, murmelt Dax zu mir und deutet mit dem Daumen in Richtung Brooke und Bishop. „Die Kletten da drüben, die sich gegenseitig anschmachten, fangen an, mir auf die Nerven zu gehen.“

„Ich habe auch Hunger“, bemerke ich, während wir uns nach dem nächstgelegenen Essens- und Alkoholstand umsehen. Wir entdecken einen ein Stück weiter und ich rufe den Turteltauben zu: „Wenn ihr fertig seid – wir sind dort unten und trinken etwas.“

Bishop winkt zustimmend und wir marschieren los.

„Schön, dass die beiden das geklärt haben“, bemerkt Dax zu mir. „Aber sie wollen wahrscheinlich etwas Zeit für sich allein, meinst du nicht auch?“

„Ja. Und ich will mir diesen Kunsthandwerksscheiß nicht ansehen. Ich bin wegen des Essens und des Alkohols gekommen.“

„Ja.“ Dax nickt enthusiastisch. „Weil wir echte Männer sind.“

„Außer Bishop“, sage ich mit einem Schnauben. „Der hat sich in ein Weichei verwandelt.“

„Legend auch“, fügt Dax hinzu, was mich zum Schmunzeln bringt.

Legend hat es abgelehnt, heute mit uns zu kommen, weil er einige Arbeiten an dem Haus vornimmt, das er gekauft hat. Er nimmt seine Rolle als Eigenheimbesitzer sehr ernst und verbringt seine ganze Freizeit damit, zu streichen, zu beizen, zu reparieren und alles Mögliche um sein neues Haus herum zu renovieren.

Vor uns befindet sich eine Bühne, und es sieht so aus, als würde sich die nächste Band bereitmachen, anzufangen. Davor ist eine kleine Tanzfläche abgesperrt, auf der wir vorhin einige Salsa-Tänzer beobachtet haben. Die Musik beginnt, während wir unsere Bestellungen – mexikanische Spiegeleier mit würziger Chorizo auf Papptellern und Margaritas in großen Plastikbechern – aufgeben.

Wir gehen an die Seite, ergattern einen hohen Tisch und hören eine Weile zu, während wir essen. Die Band spielt gute alte klassische Countrymusik, was so gar nicht mein Ding ist, und ich erkenne bis jetzt keinen einzigen Song. Offenbar reicht die Musik aber aus, um die Leute auf die Tanzfläche zu locken, und schon bald bewegen sich Paare im Twostepp im Kreis gegen den Uhrzeigersinn.

„Was willst du heute Abend machen?“, fragt Dax.

Ich fühle ein bisschen mit ihm. Bishop ist sein bester Freund und Mitbewohner, aber Dax hängt mit mir ab, seit Brooke ins Spiel gekommen ist. Jetzt verbringt er an unseren freien Abenden regelmäßig Zeit mit Legend und mir.

„Das Sneaky Saguaro?“, schlage ich vor. Es ist unser Stammlokal geworden.

„Hört sich gut an“, sagt er und schaudert dann gespielt. „Auch wenn ich immer Angst habe, dass diese verrückte Schlampe auftaucht.“

Er spricht natürlich von Nanette. Sie ist vor Kurzem zu einer ziemlichen Bedrohung für unser Team geworden, und ich bin ewig dankbar, dass ich mich nie mit ihr eingelassen habe. Dax hat nicht viel vom Sex mit ihr erzählt, aber ich nehme an, das bedeutet, dass sie nicht so toll war. Normalerweise entpuppen sich Frauen, die sehr direkt sind, als heiße Luft und sind im Bett scheißlangweilig.

Trotzdem, egal ob ich sie gefickt habe oder nicht, dieses Miststück hat mich dennoch in einer falschen Klage wegen sexueller Belästigung erwähnt, also wäre es besser für sie, wenn sie nicht auftaucht. Keine Ahnung, was ich mit ihr machen würde.

„Hey, Erik“, sagt Dax und schaut auf etwas über meiner Schulter. „Ist das nicht Blue? Die Flugbegleiterin?“

Ich wirble so schnell herum, dass ich meine Margarita vom Tisch stoße und sie in ein paar niedrige Büsche fliegt. Mein Blick sucht die Menge nach ihrem goldblonden Haar und ihrem verdammt sexy Körper ab.

Dax lacht. „Gott, dich hat es echt übelst erwischt.“

Das stimmt, obwohl ich das noch niemandem gegenüber laut zugegeben habe. Die Tatsache, dass sie mich regelmäßig ignoriert, macht sie für mich aus irgendeinem Grund unendlich viel heißer.

Sie ist schlicht und ergreifend eine Herausforderung für mich geworden, denn ich habe noch keine Frau getroffen, die ich will und die nicht irgendwann nachgegeben hat. Sie ist schwer zu kriegen und ich genieße die Jagd sehr.

Endlich erblicke ich sie in der Menge. Sie geht ein wenig gebückt, vielleicht trägt sie etwas Schweres mit beiden Armen. Ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, was, doch schließlich teilt sich das Meer von Menschen und ich sehe sie deutlich.

Sie läuft leicht gekrümmt, weil sie einen Rollstuhl schiebt. Darin sitzt ein junger Mann, und obwohl ich sein Alter nicht einschätzen kann, ist er definitiv ein Erwachsener. Dann sehe ich noch ein paar andere Menschen in Rollstühlen, jeder mit jemandem, der ihn schiebt. Keine der Personen in den Stühlen ist ein Kind. Es gibt einige weitere Erwachsene, die mit Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Krücken unterwegs sind.

„Denkst du, sie arbeitet für ein Gruppenheim oder so?“, fragt Dax und beweist damit, dass er sieht, was ich sehe.

„Keine Ahnung. Vielleicht engagiert sie sich dort ehrenamtlich oder so. Ich schätze, sie muss ziemlich gut verdienen, wenn sie im Teamflugzeug arbeitet.“

„Stimmt vermutlich.“

Mein Essen ist vergessen, und ich denke nicht einmal daran, mir meine Margarita nachfüllen zu lassen. Glücklich stehe ich an meinem Tisch und beobachte einfach Blue. Sie schiebt den Rollstuhl an den Rand der Tanzfläche und beugt sich herunter, um dem Mann etwas ins Ohr zu sagen. Ich bemerke, dass seine Arme nach innen verschränkt sind, aber er verdreht den Hals, um sie anzusehen. Er lächelt sie strahlend an und sein Kopf zuckt irgendwie auf und ab, was ich als Zeichen dafür werte, dass ihm gefällt, was sie ihm gerade gesagt hat. Dann reckt er einen Arm in Richtung Tanzfläche. Er streckt ihn nicht ganz aus, macht jedoch eine stoßende Bewegung dorthin.

Blue grinst ihn an und nickt.

Sie arretiert die Bremsen des Stuhls und geht nach vorn und in die Hocke, um die Fußstützen anzuheben, bevor sie sie zur Seite schiebt. Blue setzt seine Füße sanft auf den Beton, steht dann auf, beugt sich vor und lässt den Mann seine Arme um ihren Hals legen. Sie wiederum legt ihre um seine Taille und zieht ihn mit einer gewaltigen Kraftanstrengung aus dem Rollstuhl hoch. Seine Beine strecken sich nicht ganz aus, sodass Blue einen guten Teil seines Gewichts trägt, aber sie stehen einfach nur da, Gesicht an Gesicht, schwankend.

Tanzend.

Sie tanzen.

Der Mann wollte tanzen und Blue hat ihm das geschenkt.

Sie lehnt ihren Kopf zurück, um ihn anzusehen, und er grinst sie mit leuchtenden Augen an. Blue wiegt die beiden etwas schneller im Takt, und ich kann tatsächlich das Lachen des Mannes über die Musik hinweg hören.

Fuck, das könnte das verdammt Süßeste sein, was ich je gesehen habe.

„Oh nein“, sagt Dax leise und warnend. „Ich kenne diesen Blick.“

Ich mache mir nicht die Mühe, ihm meine Aufmerksamkeit zu schenken, sondern fixiere weiter Blue. Aber ich frage ihn: „Welchen Blick?“

„Dein Blick wurde gerade räuberisch.“ Er lacht.

„Was soll’s“, knurre ich ihn an, doch dann gehe ich auf Blue zu.

Ohne nachzudenken.

Ohne Sinn und Verstand.

Die Frau kann es nicht ertragen, dass ich mich ihr bis auf einen Meter nähere, und doch muss ich sie begrüßen.

Aus reiner Höflichkeit natürlich.

Obwohl das Lied weiterläuft, senkt Blue den Mann zurück in den Rollstuhl, bevor ich sie erreiche. Ich vermute, dass es dabei nicht um Blues körperliche Ausdauer ging, sondern um die des anderen. Sie lächelt ihn an, während sie in die Hocke geht, um seine Füße in die Stützen zu setzen. Dann erhebt sie sich und entdeckt mich, wie ich näherkomme.

Das Lächeln, das sie für den Mann im Rollstuhl aufgesetzt hatte, entgleitet ihr, und sie sieht mich misstrauisch an, als ich neben ihr anhalte. Ich blicke auf ihren Begleiter hinunter, der mit einem glücklichen Lächeln zu mir aufschaut. Ich lächle ihn an und wende mich dann wieder an Blue. „Hey … ich war da drüben mit Dax, Bishop und Brooke, habe dich hier gesehen und dachte, ich sage mal Hallo.“

„Hallo“, erwidert sie knapp und schiebt sich an mir vorbei, um die Bremsen zu erreichen. Sie löst sie, ohne mich noch einmal anzuschauen.

Ich beuge mich hinunter, stelle mich in ihr Blickfeld. „Also … was machst du? Seid ihr auf einem Gruppenausflug?“

„Jepp“, sagt sie, während sie sich aufrichtet.

„Willst du mich deinem Freund vorstellen?“, frage ich mit einem charmanten Lächeln und werfe einen Blick auf den Mann im Rollstuhl, der immer noch zu mir zurückgrinst. Ich will ihr zeigen, dass ich ein durch und durch geselliger Mensch bin und sie aufhören kann, wegen ein paar dummer Worte sauer auf mich zu sein. Ich weiß nicht einmal mehr genau, was ich gesagt habe, das sie überhaupt verärgert hat.

„Sicher“, gibt sie mit einem zuckersüßen Lächeln zurück, aber ihr Tonfall macht mich nervös. Sie beugt sich zur Seite, um die Aufmerksamkeit des Mannes zu gewinnen, und sagt: „Billy, das ist Erik.“

Billy schaut zu mir auf. Er hat leuchtend blaue Augen, die vor Freude und Vitalität funkeln. Er lächelt noch breiter, und sein Kopf ruckt ein wenig, als er ein Wort herauspresst, das auszusprechen ihm scheinbar furchtbar schwerfällt. „Hi.“

Blue dreht sich zu mir um. Sie macht eine schwungvolle Bewegung zu Billy. „Erik, das ist mein Bruder Billy.“

Ich kann meinen fassungslosen Gesichtsausdruck nicht verbergen. In einer Million Jahren wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dass er ein Familienmitglied ist. Ich habe nicht daran gedacht, dass sie etwas anderes ist als eine verdammt heiße Flugbegleiterin, mit der ich gern dem Mile High Club beitreten würde.

Ich erhole mich aber schnell. Ich hocke mich an die Armlehne seines Rollstuhls. Da ich aufgrund meiner Beobachtung weiß, dass er seinen Arm nicht ganz ausstrecken kann, reiche ich ihm die Hand und nehme seine. Ich schüttle sie, was ihn zum Lachen bringt. „Schön, dich kennenzulernen, Billy“, sage ich.

Als ich zu Blue aufschaue, sehe ich, dass sie mich wie ein Falke beobachtet, völlig misstrauisch gegenüber jedem Wort oder jeder Bewegung, die ich machen könnte.

Ich blicke zurück zu Billy. „Du hast da ziemlich gut getanzt.“

Er grinst noch breiter und sein Kopf rollt hin und her, als ob ihn das, was ich gesagt habe, wirklich freuen würde.

Ich drücke Billy die Schulter. „War nett, dich kennenzulernen, Kumpel. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.“

Ich stehe auf, schenke Blue ein sanftes Lächeln und trete einen Schritt zurück. Mit einem Nicken sage ich zu ihr: „Genießt ihr beide euren Tag, okay? War schön, euch zu treffen.“

Jetzt ist sie diejenige mit dem fassungslosen Gesichtsausdruck. Ich sehe es in ihrem Gesicht, kurz bevor ich mich umdrehe und weggehe.

Ich bin allerdings froh, dass ich noch einige Schritte machen muss, ehe ich zurück bei Dax bin. Mein verdammtes Herz hämmert wie ein Presslufthammer, der von einem steroidgesteuerten Bauarbeiter bedient wird.

Mein Gott … Blue hat verborgene Seiten an sich, die ich mir nie hätte vorstellen können.

Das ist allerdings nicht das, was mich aufgewühlt hat.

Ich bin nervös, weil ich unbedingt diese Seiten entdecken und mehr über sie erfahren will.

Normalerweise geht es mir nur darum, herauszufinden, was unter der Kleidung liegt, aber bei Blue will ich so viel mehr als das.

Und das ist das erste Mal für mich.

Kapitel 2

Blue

Ich ziehe an dem silber-blau-grünen Seidenschal, der um meinen Hals gebunden ist, während ich über das Rollfeld laufe. Er ist Teil meiner Uniform, also muss ich ihn tragen, aber ich kann es nicht leiden, wenn irgendetwas meinen Hals berührt. Bei jedem Flug verbringe ich viel Zeit damit, an dem blöden Accessoire zu zerren. Ich konnte noch nie etwas Einschnürendes anhaben, was auch vierzig Zentimeter lange Halsketten, Choker oder Rollkragen einschließt. All das gibt mir das Gefühl, zu ersticken.

Mein Fuß stößt auf die unterste Stufe der Treppe, die zur Flugzeugtür hinaufführt, und ich sehe Sadie, die oben steht und zu mir herunter grinst.

„Du bist spät dran“, ruft sie und tippt mit einem Grinsen auf ihre Armbanduhr.

„Vielleicht fünf Minuten“, stoße ich hervor und jogge in meinen acht Zentimeter hohen Pumps im gleichen Navy-Farbton, der auch in meinem Schal vorkommt, die Treppe hinauf. Während ich mich bei jedem Flug mit der einschnürenden Seide um den Hals abmühe, habe ich keinerlei Probleme, stundenlang in High Heels zu stehen.

„Fünf Minuten, von wegen“, antwortet sie und stemmt eine Hand in die Hüfte. „Eher eine Viertelstunde. Das Team wird bald einsteigen.“

Die Uniform, die Sadie trägt, ist mit meiner identisch. Wir haben mehrere verschiedene Varianten, denn der Besitzer des Teams, Dominik Carlson, kann es sich leisten, seine Mitarbeiter gut einzukleiden. Beim heutigen Trip tragen alle vier weiblichen Flugbegleiterinnen des Hockeyteams Arizona Vengeance einen marineblauen Rock, der züchtig auf Kniehöhe endet, mit einer sehr gut sitzenden weißen Baumwollbluse. Einige meiner Kolleginnen haben ihr Oberteil skandalös weit aufgeknöpft, aber meine Brüste sind viel zu groß, um damit durchzukommen. Ich knöpfe nur die oberen zwei auf und Schluss. Komplettiert wird das Outfit mit einem marineblauen Blazer und dem bunten Schal, der zum Logo der Mannschaft passt.

„Was ist passiert?“, fragt Sadie, als ich an ihr vorbei und durch das riesige Luxusflugzeug in Richtung der hinteren Bordküche gehe, wo ich auf dem heutigen Flug arbeiten werde. „Du bist immer mindestens eine Viertelstunde zu früh.“

Mein Seufzer der Frustration gibt ihr einen Hinweis, aber ich steuere die zusätzlichen Details bei. „Billy hatte einen kleinen Nervenzusammenbruch und ich musste kurz raus zum Cresson.“

„Ist er okay?“

„Ja“, sage ich mit einem Lächeln, von dem ich weiß, dass es meine Augen nicht ganz erreicht. „Es geht ihm gut. Ich habe ihn beruhigt.“

Billy hat selten einen Nervenzusammenbruch, und dieser hat mich unvorbereitet erwischt, da ich mich gerade für die Arbeit anziehen wollte. Ich liebe meinen Bruder mehr als alles andere auf der Welt und würde ihm nie einen Besuch missgönnen, wenn es nötig ist. Hätte ich wählen müssen zwischen Billy und dem Flug, hätte ich mich eindeutig für Billy entschieden. Ich hatte aber die Möglichkeit, etwas Zeit mit meinem Bruder zu verbringen und trotzdem pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.

Na ja, fast pünktlich.

Spastische Tetraplegie – zerebrale Kinderlähmung.

Das ist die Diagnose, die unsere Familie vor etwas über zwanzig Jahren für immer veränderte, als Billy als Frühchen geboren wurde. Ich war damals sechs Jahre alt, und es gab nichts auf der Welt, was ich mir mehr wünschte als einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester – nicht den Weihnachtsmann, keine Geburtstagsgeschenke und auch nicht meine Lieblingskekse mit Schokoladenstückchen.

Die Unterschiede zwischen uns waren nicht sofort offensichtlich, aber selbst als ich herausfand, dass ich kein Geschwisterchen haben würde, mit dem ich rennen und spielen konnte, liebte ich ihn deshalb nicht weniger.

Ich trete in den hinteren Bereich des Raums, eine Edelstahlküche, fein säuberlich ausgestattet mit den teuersten Geräten, die es gibt. Von hier aus können wir ein ganzes Eishockeyteam plus Personal mit Gourmet-Mahlzeiten und Snacks sowie so ziemlich jeder Art von Getränken versorgen, die man sich vorstellen kann. Mein Blick schweift über den Bereich, und es scheint, als hätte Sadie alle notwendigen Vorbereitungen getroffen, bevor das Team an Bord kommen würde.

Ich drehe mich um und schenke ihr ein dankbares Lächeln. „Danke, dass du dich um alles gekümmert und alles vorbereitet hast.“

„Das ist es, was Freunde tun“, scherzt sie.

Der Klang von Männerstimmen erreicht uns, und ich lehne mich nach links, um an Sadie vorbeizuschauen. Die Spieler steigen ein, und es ist Zeit, an die Arbeit zu gehen.

„Los geht’s“, murmle ich ihr zu und ziehe ein letztes Mal an dem Schal, um ihn ein wenig zu lockern.

Sadie schaut zu ihrer Brust hinunter, wo sie vier Knöpfe ihrer Bluse geöffnet hat, sodass ein schönes Dekolleté frei legt. Zufrieden blickt sie wieder zu mir hoch und zwinkert. „Los geht’s.“

Wir treten mit einem freundlichen Lächeln aus der Bordküche, während das Team, die Betreuer, Trainer und andere Personen ihre Plätze einnehmen. Der hintere Teil des Flugzeugs, in dem ich auf diesem Flug arbeite, ist mit Gruppen von Drehstühlen um Mahagonitische herum sowie mit Sofas, die die Wände flankieren, ausgestattet. Es ist der beliebteste Bereich in der Maschine auf dem Hinflug, und man muss der Erste sein, der an Bord geht, wenn man einen der begehrten Plätze unter den dreißig Möglichkeiten haben will. Im vorderen Teil des Flugzeugs gibt es zwei Reihen mit Ledersitzen, die sich vollständig umklappen und in Betten umwandeln lassen, was sehr beliebt ist, wenn man spätabends nach einem Spiel fliegt. In solchen Situationen wird den Veteranen immer der Vorzug vor den Rookies gegeben.

Diese Reise wird eine lange sein. Wir sind auf dem Weg an die Ostküste und werden eine ganze Woche fort sein. Das Team wird Spiele in Florida, Georgia, North Carolina und Washington, D.C. haben, bevor wir zurückfahren. Ich bin kein Fan von diesen gehäuften Auswärtsspielen, da es mich nervös macht, länger als ein paar Tage so weit von Billy entfernt zu sein. Aber das ist etwas, worauf ich keinen Einfluss habe. Wo das Team hinfliegt, fliege auch ich hin, weil es mein Job ist.

Mehr Spieler kommen herein, und Sadie und ich beginnen mit dem Servieren, bieten an, Jacken aufzuhängen, und nehmen Getränkebestellungen auf. Sadie flirtet unverschämt, und ich weiß, dass es die anderen beiden Flugbegleiterinnen, Lyla und Valerie, vorn genauso machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich als die Niete von uns vieren gelte, aber Flirten und Anmachen sind nicht mehr mein Ding.

Nicht seit ich nach Phoenix zurückgekehrt bin, um mich um Billy zu kümmern.

Eine tiefe, ungestüme Stimme dringt an meine Ohren und ich verkrampfe mich, als ich Erik Dahlbeck sagen höre: „Schnapp dir den Tisch, Bishop.“

Ich drehe mich um und sehe, wie Erik Bishop Scott zu einem der Tische folgt, die in der Mitte der Kabine stehen. Sie halten Plätze für Legend Bay und Dax Monahan frei, da sie normalerweise zusammensitzen.

Sadie ist in der hinteren Kombüse und nimmt die Getränkebestellungen auf, also atme ich tief durch und ringe mir ein freundliches Lächeln ab, während ich zu ihrem Tisch gehe. Bishop schenkt mir ein Willkommenslächeln und ich würdige Erik keines Blickes.

„Was kann ich für euch besorgen?“, frage ich.

„Hey, Blue“, sagt Bishop warmherzig. „Ich nehm’ ein Heineken, kein Glas.“

Ich zwinge mich, nicht die Nase zu rümpfen, als ich zu Erik schaue. „Und du?“

„Das Gleiche“, antwortet er und ein breites Grinsen bricht auf seinem hübschen Gesicht aus. Er weiß, dass ich mich bei ihm unwohl fühle, und ich glaube, es macht ihm Freude.

Ich wünschte, er wäre nicht so gut aussehend, denn dann wäre es viel einfacher, ihn zu ignorieren. Sein Gesicht besteht jedoch leider aus geformten Wangenknochen und einer starken Kieferlinie, die immer von etwas mehr als einem Dreitagebart bedeckt ist, aber etwas weniger als einem Vollbart. Dunkle Haare und noch dunklere Augen vermitteln den unmittelbaren Eindruck von Gefahr und Sünde, doch sobald er den Mund zum Flirten öffnet, weiß man, dass er nicht mehr ist als ein lebenslustiger Playboy.

„Bin gleich wieder da“, murmle ich und mache mich auf den Weg in die Küche, froh, nicht länger in Eriks Gegenwart zu sein.

Ich hasse es, dass er mir nicht mehr aus dem Kopf geht, seit ich ihn vor drei Tagen auf dem Erntedankfest gesehen hatte. Das Cresson, das Gruppenheim, in dem Billy jetzt lebt, hat einen Ausflug für einige der Bewohner organisiert, und ich bin als Anstandsdame mitgegangen. Es war eine tolle Gelegenheit, mit Billy außerhalb des Heims Zeit zu verbringen, was für mich allein nur schwer möglich ist. Billy ist in der Lage, sich mithilfe seiner Bremsen und mit Unterstützung einer anderen Person kurze Strecken fortzubewegen. Das beinhaltet normalerweise so etwas, wie ihn von seinem Rollstuhl zum Waschbecken in seinem Zimmer zu bringen, um die morgendlichen Routinen wie Zähneputzen und Haarekämmen zu erledigen.

Aber für jede Unternehmung, die mehr als ein paar Schritte erfordert, braucht er einen Rollstuhl. Er besitzt im Cresson einen elektrischen, es ist allerdings nicht praktisch, ihn bei Gruppenausflügen zu transportieren, also muss es überall, wo wir hingehen, möglich sein, eine normale tragbare Version zu benutzen. Ich bin nach den meisten Maßstäben eine starke Frau, da ich sehr intensiv trainiere, aber es fällt mir trotzdem in vielen Situationen schwer, Billys Gewicht allein zu bewältigen.

Erik hat mich wirklich damit überrascht, wie er mit Billy auf dem Festival umgegangen ist.

Oder besser gesagt, nicht mit ihm umgegangenist.

Er hat Billy wegen seiner Behinderung nicht anders behandelt. Er sprach ihn direkt an, ohne zu wissen, ob Billy antworten konnte. Und er war aufrichtig und echt, und seien wir ehrlich … das ist der Teil, der mich irremacht, denn der Erik Dahlbeck, den ich kenne, ist ein egozentrischer, egoistischer Idiot. Das lässt sich einfach nicht miteinander vereinbaren.

Nachdem ich die Biere zusammen mit einer kleinen Schale mit warmen gemischten Nüssen auf einem Tablett arrangiert habe, kehre ich zu Erik und Bishop zurück. Ich bahne mir einen Weg durch die anderen Spieler, die herumwuseln und ihre Plätze suchen, und merke mir die, die ich bedienen muss.

„Vielen Dank“, sagt Bishop, als ich sein Bier vor ihm abstelle. Ich platziere die Schale mit den Nüssen in der Mitte, dann Eriks Bier, ohne ihn anzusehen.

„Gerne“, antworte ich. „Wo ist Brooke?“

Bishop grinst mich an. „Stimmt ja. Du hast es wahrscheinlich nicht gehört.“

„Du meinst, dass du eine Scheinbeziehung mit ihr hattest, die echt wurde?“, werfe ich lachend ein.

Denn diese Geschichte hat die Gerüchteküche ausflippen lassen, ganz zu schweigen von den nationalen Sportnachrichtenblättern. Der Starspieler in einer Fake-Beziehung mit der Tochter des Trainers war eine Zeit lang wirklich saftiges Futter.

„Ja, das auch“, antwortet Bishop ebenfalls mit einem Lachen. „Aber Brooke arbeitet nicht länger in der Teambetreuung. Sie ist drüben im Merchandising, das heißt, sie reist nicht mehr mit uns.“

„Schade“, bemitleide ich ihn.

„Wem sagst du das.“ Er zieht eine Grimasse.

Mein Lächeln wird wohlwollend. „Nun, grüße sie von mir, okay?“

„Wird gemacht“, antwortet Bishop mit einem Nicken, und das ist das perfekte Stichwort für mich, zu gehen, damit ich mich um die anderen Spieler kümmern kann.

Ich will mich wegdrehen, erstarre aber auf der Stelle, als Erik fragt: „Wie geht es Billy?“

Was ich wirklich tun möchte, ist, die Frage zu ignorieren und mich meinen Pflichten zu widmen, das wäre allerdings unausstehlich unhöflich. Ich habe keine Hemmungen, regelmäßig unhöflich zu Erik zu sein, doch ich kann es nicht übertreiben. Ich werde dafür bezahlt, für ihn da zu sein und ihm die Reise angenehm zu machen. Ich darf den Bogen nicht überspannen, sonst werde ich gefeuert.

Mein Lächeln ist gezwungen und ich scheine keine Wärme in meine Stimme legen zu können, aber es ist das Beste, was ich zustande bringe. „Es geht ihm gut.“

So. Der Höflichkeit ist Genüge getan, und ich beginne, mich wieder wegzudrehen.

„Er scheint ein toller Typ zu sein“, sagt Erik beiläufig, eine völlig nervige Methode, das Gespräch zu verlängern.

Wirklich ärgerlich, und mein Temperament flammt auf.

Meine Worte sind messerscharf, als ich mich erneut zu ihm umdrehe. „Was weißt du schon? Du hast insgesamt zehn Sekunden lang mit ihm gesprochen.“

Der Ton meiner Stimme ist ekelhaft genug, dass Bishop tatsächlich vor Überraschung zusammenzuckt. Erik jedoch setzt wieder ein träges Lächeln auf, während er mit den Schultern zuckt. „In diesen zehn Sekunden habe ich einen glücklichen, lächelnden Mann gesehen, der seine Schwester anbetet. Ich entschuldige mich, wenn ich falschliege, dass er ein toller Kerl ist.“

Erik schafft es, mich in meine Schranken zu weisen und mir gleichzeitig ein schlechtes Gewissen zu machen. Es verstärkt die Wut auf ihn, die sich aufgestaut hat, seit die Saison begonnen hat und er so arrogant dachte, er käme mit einem charmanten Lächeln und ein paar schönen Worten in mein Höschen.

Lange bevor die Zusammenstellung des Teams abgeschlossen war, habe ich diesen Job angenommen, und ich hatte keine Ahnung, dass Erik Dahlbeck und ich uns wieder über den Weg laufen würden. Als ich mitbekam, dass er zur Vengeance kommen würde, hat das eine ganze Menge negativer Gefühle in mir wachgerufen, die ich ihm gegenüber hege.

Gefühle, die ich in den letzten fünf Jahren seit meiner „Begegnung“ mit dem größten Player, den die Liga wahrscheinlich je gesehen hat, verdrängt habe, und ich spreche nicht von seinen Fähigkeiten auf dem Eis.

Meine Worte sind abgehackt. „Du kennst weder Billy noch mich, und ich will auch nicht, dass du uns kennst. Also lass uns einfach in Ruhe, okay?“

Bishops Gesichtsausdruck wird misstrauisch und Erik blinzelt mich nur an. Sein Gesicht ist frei von jeglicher Emotion. Ich weiß, dass ich eine Grenze überschritten habe, die ich nicht hätte überschreiten sollen, aber wegen Billys Zusammenbruch vorhin und der extremen Art und Weise, wie Erik mich aufregt, gibt es kein Zurück mehr für das, was gerade aus mir herausgeplatzt ist.

Es herrscht eine peinliche Stille, die in der Luft hängt, aber sie wird unterbrochen, als Erik sich von seinem Sitz erhebt. Seine Hand legt sich um meinen Ellbogen und er murmelt: „Wir müssen unter vier Augen reden.“

Ich will mich aus seinem Halt befreien, doch sein Griff wird fester. Er beugt sich vor und sagt mit tiefer Stimme: „Mach keine Szene, Blue.“

Erik führt mich dann direkt in die hintere Küche, wo Sadie gerade Getränke auf ein Tablett lädt. Ihre Augenbrauen schießen nach oben, als sie uns sieht, aber sie macht sich schnell auf den Weg nach draußen, um uns Privatsphäre zu geben.

Mein Ellbogen wird losgelassen und ich drehe mich zu Erik um. Seine Lippen sind zu einer schmalen Linie zusammengepresst und sein Blick ist hart. „Ich verstehe, dass ich dich irgendwann in der nahen Vergangenheit mit meinem schamlosen Flirten verärgert haben muss, aber ich habe eine nette Frage über deinen Bruder gestellt, ohne Hintergedanken. Ich denke, deine Reaktion war ein wenig übertrieben, findest du nicht auch?“

„Nicht, wenn es um Männer wie dich geht“, erwidere ich.

Eriks Kinn zuckt nach hinten und seine Augenbrauen heben sich. „Männer wie ich? Was soll das denn heißen?“

Ich winke ihm mit der Hand zu. „Männer wie dich. Du weißt schon … Solche, die den Wert einer Frau bloß daran festmachen, wie gut es zwischen ihren Beinen ist.“

Wenn ich dachte, das würde ihn beleidigen, habe ich mich geirrt. Er grinst mich nur an. „Das ist einfach nicht wahr.“

Ich verenge meine Augen und werfe ihm dann die Worte ins Gesicht, die er vor nicht allzu langer Zeit zu mir gesagt hat. Dabei ahme ich seinen leichten Minnesota-Akzent nach. „‚Du siehst aus wie ein Partygirl.‘ Das hast du zu mir gesagt, und das heißt übersetzt: Du siehst aus, als wärst du ein toller Fick.“

„Ich habe es nicht böse gemeint“, murmelt er und wirkt zumindest ein bisschen gezüchtigt. Sein Lächeln wird etwas verlegen. „Es ist nur … Du siehst aus, als wüsstest du, wie man Spaß hat, und ich dachte, wir könnten zusammen Spaß haben.“

„Ich weiß, von welcher Art von Spaß du sprichst“, zische ich ihn an.

„Du kennst mich überhaupt nicht“, antwortet er sanft und verschränkt die Arme vor der Brust.

Ich beuge mich vor und senke meine Stimme, um sicherzugehen, dass dieses Gespräch privat bleibt. „Ich weiß mehr über dich, als du denkst. Und nur um das klarzustellen, ich bin nicht daran interessiert, dein nächster Spielball zu sein. Also hör einfach auf zu flirten und alles wird gut. Verstanden?“

Erik wirft seine Hände in die Höhe, das universelle Zeichen der Kapitulation. Sein Lächeln ist schelmisch und charmant, als wollte er sich über jedes Wort hinwegsetzen, das ich gerade gesagt habe. Aber er überrascht mich. „Völlig verstanden. Kein Flirten mehr.“

Ich starre ihn nur an und weiß, dass mein Gesichtsausdruck so skeptisch ist, wie ich mich fühle.

„Obwohl ich nicht damit einverstanden bin, dass du glaubst, das Recht zu haben, meine Moral zu beurteilen, werde ich deine Bitte respektieren und mich zurückhalten. Hand aufs Herz.“ Und er zieht seine Fingerspitze in einem X-Muster über seine gut definierte Brust, die zu seinen breiten Schultern und kräftigen Beinen passt.

Erik dreht sich um und geht weg. Er hat auch einen tollen Arsch.

Ich stoße einen frustrierten Seufzer aus. Obwohl Erik mir gerade gegeben hat, worum ich ihn gebeten habe, bin ich immer noch nicht zufrieden.

Ich habe jedes Recht, über seine Moral zu urteilen, denn ich war das Opfer seines glühenden Charmes und seiner gottlosen Bewegungen in den Laken. Er ließ mich mit Sternen in den Augen zurück und mit dem Versprechen auf mehr und änderte dann schlagartig seine Meinung.

Das war vor etwas mehr als fünf Jahren und ich habe ihm nach wie vor nicht verziehen.

Die Tatsache, dass er sich nicht an mich erinnert, macht die Sache nur noch schlimmer. 

Kapitel 3

Erik

„Okay, ich bin bereit“, sagt Legend und kommt aus dem Bad.

Ich reagiere nicht, sondern starre von meinem Platz auf dem Bett weiter an die Decke. Die Hände hinter dem Kopf, einen Knöchel über dem anderen verschränkt.

Ich grüble über Blue nach.

Das Gespräch im Flugzeug gefiel mir nicht, und zwar wegen des spürbaren Spottes in ihrer Stimme, als sie mir mitteilte, dass sie genau wisse, was für ein Typ Mann ich sei.

Völlig herablassend und meiner Meinung nach völlig daneben, und doch tat sie so, als hätte sie Insiderinformationen.

„Kumpel“, sagt Legend, und ich drehe den Kopf, um ihn anzuschauen.

Ich habe fünfzehn Minuten hier gelegen, während er nach unserem langen Flug von Phoenix nach Miami geduscht und sich umgezogen hat, damit wir zum Abendessen ausgehen können. Ich durfte zuerst duschen und habe geduldig auf ihn gewartet.

„Was nagt an dir?“

Eine meiner Augenbrauen hebt sich. „Was meinst du?“

„Du hast diesen Ausdruck im Gesicht.“

„Welchen?“

Legend schnappt sich seine Brieftasche von der Kommode und schiebt sie in die Gesäßtasche seiner Shorts. Wir essen heute Abend leger und es ist verdammt heiß in Miami, also haben wir uns beide entsprechend angezogen. „Du weißt schon … dieser Blick. Perplex. Verblüfft. Erstaunt.“

Ich rolle mich vom Bett und schnappe mir mein eigenes Portemonnaie und Handy vom Nachttisch. „Es ist nichts.“

„Da ist doch etwas“, erwidert er. Obwohl wir uns erst seit knapp einem Monat kennen, nämlich, seit wir beide im Zuge der Liga-Erweiterung zu den Vengeance gekommen sind, sind wir uns schon recht eng miteinander. Wir haben bei allen Auswärtsfahrten zusammen gewohnt und in unserer Freizeit hängen wir oft gemeinsam ab.

Legend ist ein cooler Kerl und ziemlich entspannt. Es ist einfach leicht, bei ihm zu sein.

„Blue“, sage ich und brauche nur ein Wort, damit er mich versteht.

Alle meine Teamkollegen sind Zeugen der extrem kalten Schulter, die mir Blue zeigt, seit wir uns das erste Mal im Teamflugzeug getroffen haben. Nachdem ihre atemberaubende Schönheit mich für ein paar Minuten umgehauen hatte, erholte ich mich und machte mich sofort an sie ran, bevor ein anderer Teamkollege mir zuvorkam.

Aus irgendeinem Grund nahm sie großen Anstoß daran und war seitdem nur noch unhöflich zu mir.

Zuerst war ich amüsiert, weil ich es irgendwie mochte, ihr unter die Haut zu gehen. Aber jetzt bin ich einfach verärgert. Trotz meiner vielen Fehler denke ich nicht, dass ich die Art von Feindseligkeit verdient habe, die sie mir entgegenbringt.

Und ich bin frustriert, denn obwohl sie im Flugzeug extrem fies war, bin ich nicht im Geringsten abgeneigt oder abgestoßen. Ich will sie immer noch besser kennenlernen. Es ist wie ein Zwang, und wenn ich etwas will, bekomme ich es normalerweise auch. Ich habe keine Angst vor einer Herausforderung und ich kann manchmal übermäßig stur sein. Ich habe sie im Visier und werde nicht aufgeben, nur weil sie mich nicht mag.

„Mann, du solltest es einfach aufgeben“, sagt Legend, als wäre er gerade in meinem Kopf gewesen und hätte meine Gedanken gelesen.

Ich schüttle den Kopf. „Noch nicht.“

„Warum?“, fragt er, während er das Hotelzimmer verlässt. Ich folge ihm und ziehe die Tür hinter uns zu. „Ich meine, ja … sie ist verdammt heiß. Wer würde die nicht anbaggern wollen? Aber es gibt jede Menge superheiße Tussis, die man viel leichter ins Bett bekommt.“

Das weiß ich. Aber mein Fokus liegt so sehr auf Blue, dass ich mir selbst eingestehen müsste, dass ich mehr will als nur „mit ihr ins Bett“.

„Ich kann es nicht erklären“, sage ich auf dem Weg zum Aufzug. „Ich bin total fasziniert von ihr, besonders nachdem ich sie mit ihrem Bruder gesehen habe.“

Legend war vor drei Tagen nicht mit uns auf dem Erntedankfest, aber ich habe ihm am nächsten Tag beim Training erzählt, dass ich Blue dort mit ihrem Bruder Billy getroffen habe. Sie mit ihm tanzen zu sehen, hat mich tief im Inneren berührt.

Und so etwas macht sie für mich unendlich viel interessanter. Es ist fast so, als würde ich unter die Fassade der Schönheit schauen, um zu sehen, wie sie tickt. Ich kann mich nicht erinnern, für eine andere Frau jemals eine solche Neugierde empfunden zu haben, und das treibt mich an.

Nö. Ich werde jetzt nicht aufgeben.

Die Fahrstuhltür öffnet sich und Legend und ich steigen ein. Er tippt auf den Knopf für die Lobby, und als sich die Türenschließen, fragt er: „Also, wie sieht dein Plan aus? Weil sie im Flugzeug nicht mit dir reden wird.“

„Ich habe noch keine richtige Idee, aber ich weiß, was ich nicht tun werde“, sage ich mit einem Grinsen.

„Das da wäre?“

„Flirten“, antworte ich, als die Aufzugskabine zum Stehen kommt und sich die Türen öffnen, um den blau geäderten, marmorierten Boden der Lobby zu zeigen. „Sie meinte, ich solle damit aufhören, und ich habe ihr gesagt, das würde ich.“

Legend schlägt sich eine Hand vor die Brust und stößt ein übertriebenes, ungläubiges Schnaufen aus. „Du meinst, der große Frauenheld Erik Dahlbeck kann sich tatsächlich mit einer Frau unterhalten, ohne mit ihr zu flirten?“

„Halt die Klappe“, motze ich, während wir durch die Lobby zu den Ausgangstüren gehen. Wir sind auf dem Weg zu einem kubanischen Restaurant ein paar Blocks weiter, wo sich einige der anderen Jungs aus dem Team zum Abendessen treffen wollen. Unser Spiel ist erst morgen Nachmittag, also haben wir den Abend frei.

„Alles, was ich damit sagen will“, sagt Legend dramatisch, „ist, dass du nicht gerade dafür bekannt bist, dich mit Frauen nur angeregt zu unterhalten. Du bist eher der Typ, der sie bumst und dann stehen lässt.“

„Sehen mich die Leute echt so?“, frage ich ihn neugierig, ohne einen Hauch von Verteidigung in meiner Stimme. Es ist mir wirklich egal, was über mich gedacht wird, aber wenn es mir einen Einblick in Blue gibt, würde ich gern seine Meinung hören.

„Du bist ein Player, Kumpel“, sagt Legend lachend und klopft mir auf den Rücken. „Daran ist nichts auszusetzen. Du bist jung und in deiner Blütezeit. Du solltest dir die Hörner abstoßen.“

Da hat er recht. Außer, dass das einzige Ziel für meine Hörner Blue Gardner sein soll.

Ich schüttle den Kopf. Moment. Das klingt überhaupt nicht richtig.

Legend erreicht die Tür zur Lobby genau dann, als ich die anderen drei Flugbegleiterinnen aus dem Hotel gehen sehe. Legend öffnet die Tür und bedeutet ihnen, vor ihm nach draußen zu treten. Sie sind in kurze, sexy Kleider gekleidet und tragen hochhackige Sandalen. Sie lächeln uns kokett an, während wir alle in den feuchten Abend von Miami hinaustreten.

„Wo geht es denn hin, meine Damen?“, fragt Legend.

Valerie, eine große Rothaarige mit ausgeprägtem Südstaatenakzent, antwortet. „Wir dachten, wir laufen einfach herum, bis wir etwas entdecken.“

„Ihr könnt euch uns anschließen, wenn ihr wollt“, bietet Legend an. Mir entgeht das leicht raubtierhafte Zwinkern in seinen Augen nicht. Er ist vielleicht kein Serien-Schürzenjäger wie ich, aber ich weiß, dass er jede dieser Schönheiten auf jeden Fall nageln würde, wenn sie dafür offen wären.

„Gerne“, sagt die Brünette namens Lyla. Sie ist definitiv ein Partygirl, und ich weiß das, weil mehrere der anderen Spieler intimes Wissen darüber haben, was zwischen den Schenkeln der hübschen Lyla abgeht.

„Dann lasst uns gehen“, sagt Legend und bietet den Damen lässig einen Arm an, damit er sie den Bürgersteig hinunterbegleiten kann. Sie kichern und schlingen ihre Arme durch seine.

Ich wende mich schnell an Sadie. „Wo ist Blue?“

Ihr Blick folgt Legend, Lyla und Valerie, die von uns weggehen, bevor er zu mir zurückkehrt. „Schwimmen.“

„Schwimmen?“, wiederhole ich, denn das erscheint mir einfach … merkwürdig.

„Ja. Sie liebt es, zu schwimmen. Sie ist früher in der Highschool bei Wettkämpfen geschwommen oder so etwas in der Art. Sie ist im Pool, wann immer sie kann, wenn wir unterwegs sind.“

„Hm“, murmle ich und drehe den Kopf, um wieder zu den Türen der Lobby zu blicken.

„Wir gehen besser, sonst lassen sie uns hier“, bemerkt Sadie und zeigt in die Richtung der anderen.

Ich schaue dorthin, dann kurz zurück zu den Türen des Hotels, bevor ich Sadie erneut ansehe. „Also … Ich weiß, dass du mit Blue gut befreundet bist. Oder zumindest scheint es im Flugzeug so zu sein. Wie dumm wäre es, wenn ich jetzt zu ihr gehen und mit ihr reden würde?“

„Dummheit hoch zehn“, sagt sie, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Doch schließlich lächelt sie verständnisvoll und nickt zu den Türen. „Aber das heißt nicht, dass man es nicht versuchen sollte.“

Ein Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. „Mir gefallen deine aufmunternden Worte, Coach. Vielleicht schließe ich mich euch später noch an.“

„Viel Glück“, sagt sie.

„Danke“, sage ich mit einem Zwinkern, während ich mich von ihr abwende. „Ich werde es brauchen.“

Im Hotel gehe ich an die Rezeption und lasse mir den Weg zum Pool weisen. Es gibt tatsächlich einen Innenpool im Untergeschoss und einen Außenpool auf dem Dach. Ich vermute, wenn Blue zu Trainingszwecken schwimmt, wird sie im Innenpool sein. Wahrscheinlich ist der Pool auf dem Dach mit Partylöwinnen in Badeanzügen gefüllt, die fruchtige Cocktails trinken.

Der Geruch von Chlor schlägt mir entgegen, als ich in einen Flur einbiege und auf eine lange Glaswand treffe, die das Hallenbad umschließt. An einem Ende stehen eine Handvoll Leute mit ein paar Kindern, und dann ist da noch Blue. Sie schwimmt Freistil auf der anderen Seite. Ihr Badeanzug ist ein Einteiler, schwarz, und sie trägt eine Badekappe und eine Schwimmbrille.

Sie gleitet mit Leichtigkeit durch das Wasser, ihre Bewegungen sind stets gleichmäßig und gemessen. Sie neigt den Kopf etwa bei jedem vierten Zug zur Seite, um Luft zu holen.

Ich gehe langsam um den Pool herum, während ich ihr beim Schwimmen zusehe. Sie schafft es bis zum einen Ende, vollführt eine perfekte Drehung und setzt in die andere Richtung zurück. Ich habe nicht die Absicht, sie beim Training zu stören, also lasse ich mich an einem Tisch in der Ecke nieder, wo eine Sporttasche und ein Handtuch liegen – vermutlich ihre –, und warte, bis sie fertig ist.

Sie scheint völlig unermüdlich und ich höre nach fünfundzwanzig Runden auf zu zählen.

Schließlich schwimmt sie wieder auf mich zu, und anstatt zu wenden, als sie die Wand erreicht, legen sich ihre Hände auf den Rand und ihr Blick hebt sich, um mit meinem zu verschmelzen. Sie ist kaum aus der Puste und ich bin beeindruckt.

Blue nimmt die Brille von ihren Augen, sodass sie oben auf ihrem Kopf sitzt. Ihre Lippen sind zusammengepresst, als sie fragt: „Was machst du hier, Erik?“

„Ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen.“

Sie seufzt und zieht sich aus dem Pool hoch. Ich gebe mir verdammt viel Mühe, nicht zu bemerken, wie umwerfend ihr Körper im Badeanzug aussieht, und halte Augenkontakt mit ihr, während sie auf den Tisch zugeht. Ich greife hinüber, schnappe mir das Handtuch und reiche es ihr.

„Danke“, murmelt sie, wickelt es um ihren Körper und hält es an ihrer Brust fest.

„Sadie hat mir gesagt, dass du hier schwimmst“, erkläre ich. „Und ich möchte mich wirklich dafür entschuldigen, dass ich dich beleidigt habe. Ich weiß, dass ich das getan habe, und es war überhaupt nicht meine Absicht.“