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Abstürze, Pleiten und Verderben: von der kurzen Karriere Sebastian Deislers bis hin zum Elfmeter von Beckham & Co. Die 100 größten Fußball-Dramen aus der ganzen Welt!
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Veröffentlichungsjahr: 2011
Die
100
größten
Fußball-Dramen
Abstürze, Pleiten und Verderben
01 - STURM UND ZWANG
Gerd Müllers Sturz ins Glas
02 - FAST
Die kurze Karriere des Sebastian Deisler
03 - MUCKI
Das tragische Ende von Maurice Banach
04 - AUFWACHEN
Markus Babbels geheimnisvolle Krankheit
05 - TOD IM HUBSCHRAUBER
Axel Jüptners letzte Minuten
06 - DAS KLEINE STADION
Tod in Uerdingen: Michael Klein
07 - AUF EIGENE GEFAHR
Gerald Asamoah und sein Begleiter am Spielfeldrand
08 - DER ROTE TURBAN
Dieter Hoeness spielt mit „blutigem Hut”
09 - ENDE EINER AUTOFAHRT
Wie die Stasi Lutz Eigendorf verfolgte
10 - GELIEBTER FEIND
Das Schicksal des englischen Helden Bernd Trautmann
11 - EINE WEISSE ENTSCHEIDUNG
Die klare Linie des Christoph Daum
12 - DER BESTE DEUTSCHE FUSSBALLER ALLER ZEITEN
In den USA ein Held: Karl-Heinz Granitza
13 - VERBAUT
Die Immobilienpleite von Norbert Nachhtweih
14 - KOBRA, ÜBERNEHMEN SIE
Jürgen Wegmanns steiniger Weg
15 - SPIELBERGS KULTUR
Sascha Nikolajewicz sucht die Ferne
16 - NIEMAND KOMMT AN GOTT VORBEI
... außer Stan Libuda
17 - EIN NORMALES LEBEN
Olaf Bodden und seine Krankheit
18 - LÄUFT
Die seltsame zweite Karriere des Lothar Matthäus
19 - EIN IM STREICHT DAS I
Torsten Gütschow auf nasser Straße
20 - DER FIXER
Nach dem Spiel: Dimo Wache
21 - EINE SPÄTE KANONE
Wie Lothar Kobluhn verprellt wird
22 - ABENTEUER UND RISIKO
Für Uwe Reinders ist das Spiel aus
23 - AUF SPITZ UND KNOPF
Die Rettung des Guido Buchwald
24 - TOTE HOSE IN DÜSSELDORF
Warum Fortuna den Verein verließ
25 - SIEGELS ONKEL
Der legendäre Bayern-Präsident Kurt Landauer
26 - EINE SOSSE
Der Niedergang einiger DDR-Vereine
27 - UWES OPAS ENKEL
Uwe Rösler erhält eine Diagnose
28 - OH MEIN GOTT
Beten hilft dem HSV
29 - AM ...
Die Karten der Schiedsrichter
30 - ZUM 1., ZUM 2. UND ZUM 3.
Hans-Jörg Butt plant seine Karriere
31 - DUELL DER KESSELFLICKER
Norbert Siegmann trifft Ewald Lienen
32 - MEIN VEREIN
Klubs und ihre Namen
33 - FLACH OBEN REIN
Mehmet Scholl sucht eine WM
34 - KAPUTTER FUSSBALL-CLUB
In Uerdingen stimmt die Chemie nicht
35 - LITTIS WELT
Eine schrecklich nette Familie
36 - STEIN DES ANSTOSSES
Uli Stein fährt schon mal vor
37 - DER FUSSBALL-KLUB DER DICHTER
Wenn Fußballer Autoren werden
38 - ABSTIEG OHNE VEREIN
Reiner Calmund macht reinen Tisch
39 - ENDE IN MANNHEIM
Holger Hieronymus bekommt die Kurve
40 - DELL’HAYE IM HAIFISCHBECKEN
Das Schicksal der Edelreservisten
41 - VOM KASTEN IN DIE FLIMMERKISTE
Eike Immel geht steil
42 - 1. FC HEIDNISCHE SIEDLUNG
Köln: Vom Meister zum Karneval
43 - WIR WISSEN, WO DEIN AUTO STEHT
Muss schieben: Maurizio Gaudino
44 - TEUFEL ALKOHOL
Ein Profi in der Trockenzeit: Uli Borowka
45 - NUR, WENN DIE CHEMIE STIMMT
Bayer Leverkusen, der Cliff Barnes der Liga
46 - AUA
Michael Blättel schläft gefährlich
47 - KNAPPEN DANEBEN IST AUCH VORBEI
Schalke ist der „Meister der Schmerzen“
48 - MEIN NAME IST HASE
Die Spitznamen der Liga
49 - SCHALKES GASZÄHLER
Wann stellt Putin auf?
50 - DER TOR DES MONATS
Helmut Winklhofes Hammer ins Tor
Trainer stellen zur Not auch mal zwei oder drei Bewacher zu seiner Manndeckung ab, so sehr fürchten sie seine gefährlichen Drehungen auf engstem Raum, die er mit überraschendem Torschuss selbst aus ungünstigsten Positionen erfolgreich abzuschließen pflegt. Gerd Müller hätte solche Aufpasser auch nach seiner Aktivenkarriere gut gebrauchen können. Nachdem er seine Laufbahn bei den Fort Lauderdale Strikers im sonnigen Florida beendet hat, weiß er schnell nicht mehr wohin mit seiner Zeit. Die Angewohnheit, auf Flügen zum Alkohol zu greifen - schon in frühen Tagen einer immensen Flugangst geschuldet - baut er nun zu einer soliden Alkoholsucht aus. Auch das eröffnete Steakhaus mit der dazugehörigen Arbeit kann ihn nicht davon abhalten. „Die ewige Sonne ging mir auf den Geist” berichtet er in Retrospektive. Zur Alkoholabhängigkeit kommt eine Ehekrise, schon bald findet sich „Kleines dickes Müller“ (Trainer Tschik Cajkovski) im sonnigen Florida auf der Schattenseite wieder. Das geht so, bis einige seiner alten Weggefährten das Elend nicht mehr mit ansehen können. Besonders Uli Hoeneß ist es zu verdanken, dass Müller wieder in die Spur kommt und dem Hochprozentigen abschwört. Nach erfolgreicher Entziehungskur sagt der Genesene: „Ich habe gelitten, sehr gelitten. Und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft. Ich hab fast mein Leben durch Alkohol zerstört.” Heute ist Gerd Müller wieder beim FC Bayern München aktiv: Im Trainerstab des Rekordmeisters.
Im Sommer 1997 wird Sebastian Deisler Weltmeister - fast zumindest. Bei der Junioren-WM in Ägypten scheitert er mit der deutschen Elf erst im Halbfinale an Brasilien. Deisler ist das fußballerische Riesentalent, das die später folgende messianische Hochstilisierung zum kickenden Erlöser schwerlich erträgt. Doch der Jahrhundertkicker scheitert an dem Besitzanspruch, den die fußballbegeisterte Nation auf ihn erhebt. Immer wiederkehrende Verletzungen verwehren es dem so sensiblen wie introvertierten Deisler, es als Fußballer zu ganz großen Titeln und Ehren zu schaffen. In der Saison 2003/2004, Deisler ist längst beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München angestellt, dann der Schock: Wegen einer psychischen Erkrankung lässt er sich - auch auf Zuraten des schnell reagierenden Managers Uli Hoeneß - längere Zeit stationär gegen seine Depression behandeln. Alle rechnen mit dem Comeback, gerade auch in der Nationalmannschaft, die ihn dringend braucht. Die WM im eigenen Land ist noch in weiter Ferne, ebenso ansprechend agierende Nationalspieler. Auch hier scheint alle Hoffnung auf den Schultern Deislers zu liegen. Am 16. Januar 2007 zieht der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler dann jedoch die Konsequenzen aus seinen zahllosen Verletzungen und zermürbenden psychischen Erkrankungen und erklärt das Ende seiner Karriere. Im September 2007 spricht Sebastian Deisler, der sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, in einem Interview erstmals über den wahren Grund seines bitteren Rücktritts: „Ich war nicht geschaffen für dieses Geschäft!“ Im Jahre 2008 verkündet der Ex-Profi einen neuen Berufswunsch: Er will Physiotherapeut werden. Ebenso schreibt er an einem Buch, wissen Freunde zu berichten. Ein neues, kleines großes Ziel für den Bürger Deisler.
Es ist ein trüber ungemütlicher Herbstmorgen um kurz nach elf. Das Sonntagstraining beim 1. FC Köln ist nahezu beendet, lediglich das obligatorische Auslaufen steht noch aus. Trainer Berger befindet sich bereits abseits des Trainingsplatzes am Geißbockheim, als plötzlich ein Polizeibeamter auftaucht. Der kommt direkt auf den Coach zu und fragt, ob sein Stürmer Maurice Banach zum Training erschienen sei. Als Berger dies verneint, eröffnete ihm der Polizist, dass der 24-Jährige auf der Fahrt zum Training wahrscheinlich tödlich verunglückt sei. Nicht nur Berger ist geschockt, ganz Fußballdeutschland trauert um den sympathischen, außerhalb des Platzes stets gut gelaunten Mann. Dem Trainer läuft es noch heute eiskalt den Rücken runter, kommt die Sprache auf einen der besten deutschen Nachwuchsangreifer jener Tage: Maurice „Mucki“ Banach. Der Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer Deutschen erlernt in Dortmund bei der Borussia das Fußballspielen, und kommt über den Umweg 2. Liga, wo er Torschützenkönig wird, zum 1. FC Köln. Seine letzten beiden Tore schießt Maurice Banach am 9. November 1991 beim 4:1-Derbysieg gegen Fortuna Düsseldorf, eine Woche später bestreitet er sein letztes Spiel gegen den FC Schalke 04. Am Morgen des 17. November 1991 verunglückt er auf dem Weg zum Training auf der Autobahn A1 nahe Remscheid: Ein Brückenpfeiler zertrümmert sein Auto, Banach ist sofort tot und verbrennt in seinem Fahrzeug. Er wird 24.
Ja, er werde wieder gesund, versichern ihm die Ärzte. Nur wann, das wissen sie nicht. Schritt für Schritt soll Markus Babbel zurückkehren. Erst ins Alltagsleben, dann auf den Fußballplatz. Herbst 2001: Markus Babbel, mit 29 Jahren im besten Fußballeralter und dem hochkarätigen Kader des englischen Erstligisten FC Liverpool angehörend, laboriert seit einiger Zeit an Pfeifferschem Drüsenfieber. Doch damit nicht genug, eine Nervenkrankheit mit dem Namen GuillainBarré-Syndrom lähmt plötzlich seine Beine und Arme sowie Teile des Gesichts. Ein Alptraum für den Europameister von 1996. Was vor wenigen Wochen noch Alltag war, ist plötzlich unerreichbare Zukunftsmusik: Treppensteigen, Tacklings, Torerfolge feiern. Doch der gebürtige Münchner denkt nicht daran aufzugeben. In diesen seinen schwärzesten Stunden hilft ihm seine - neben dem Fußball - zweite Liebe über die Misere hinweg: Heavy-Metal-Musik. So träumt sich der zur Untätigkeit Verdammte als Frontsänger seiner Lieblingsband Metallica auf die Bühne, und tausende in Leder und Jeans gehüllte Fans jubeln ihm zu. „Aber die Crux von uns Träumern? Irgendwann wachen wir auf, irgendwann kommt immer der Punkt, an dem wir zu uns selbst sagen: Mensch, Markus, hör auf zu träumen, und sei vernünftig!“ Nach seiner erfolgreichen Genesung von der Nervenkrankheit reüssiert er mit Beginn der Bundesliga-Saison 2004 beim VfB Stuttgart.
Es ist der 23. April 1998. Der Fußballer Axel Jüptner verlässt das Trainingsgelände des FC Carl-Zeiss Jena, wo seine Frau Ines vor dem Stadion bereits im Auto auf ihn wartet. Kurz nach dem Einsteigen bricht der 28-Jährige zusammen. Herzstillstand. Ein Notarzt kann den Bundesliga-Profi wiederbeleben, er wird ins Klinikum von Lobeda gebracht und zur Stabilisierung an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Einen Tag später fliegt man den Spieler mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik. Doch die erreicht er nicht mehr lebend. Während des Fluges fallen mehrere Organe aus und der bewusstlose Jüptner erleidet einen zweiten, tödlichen Herzinfarkt. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass eine unerkannte Herzmuskelentzündung für das überraschende Lebensende verantwortlich war. Die Witwe des Fußballers verklagt daraufhin den Mannschaftsarzt des FC Carl-Zeiss Jena auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Dieser habe den Mittelfeldspieler trotz diverser Erkrankungen als spieltauglich eingestuft. Die Klage wird im April 2007 in erster Instanz abgewiesen. Axel Jüptner hat es insgesamt auf 113 Erst- und 100 Zweitligaspiele gebracht. Seine Profikarriere beginnt 1988 beim VfB Stuttgart. Der gebürtige Baden Württemberger wechselt 1991 zu Bayer 05 Uerdingen und 1997 zum FC Carl-Zeiss Jena - seiner letzten Station als Spieler. Für die Thüringer kann er nur noch 13 Spiele absolvieren. Zwei Tage vor seinem 29. Geburtstag stirbt Axel Jüptner. Er hinterlässt seine Frau und 2 Kinder. Für Ines Jüptner kommt es im Juli 1998 noch ärger, als Unbekannte das Grab ihres Mannes schänden und die Urne stehlen. Erst Monate später erhält die Familie sie per Post zurück.