Die Relevanz kultureller Unterschiede zwischen Belarus und Deutschland. Fallbeispiel Schienenfahrzeugbau - Silke Katharina Brell - E-Book

Die Relevanz kultureller Unterschiede zwischen Belarus und Deutschland. Fallbeispiel Schienenfahrzeugbau E-Book

Silke Katharina Brell

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Kulturwissenschaften - Sonstiges, Note: 1,0, Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung (Zentrum für Management im Gesundheitswesen), Sprache: Deutsch, Abstract: Ein moderner Nahverkehrsbetrieb in Deutschland wird vor die interkulturelle Herausforderung gestellt, dass der Hersteller neuer Stadtbahnwagen die Produktion nach Belarus verlagert hat. Die Mitarbeiter der Produktionsüberwachung treffen in Belarus auf eine gänzlich fremde Arbeitsweise und interkulturelle Herausforderungen. Diese Arbeit porträtiert das Verhalten der deutschen Ingeniure in Belarus, die Situation aus Sicht der belarussischen Arbeitnehmer und erarbeitet Perspektiven und Lösungsvorschläge mithilfe von interkultureller Kompetenz. Die Ingenieure haben sich in Belarus so verhalten, wie es im Heimatland üblich ist. Erfahrungen mit interkulturellem Austausch im beruflichen Kontext haben beide Bauüberwacher bisher nicht gesammelt. Die bislang notwendigen Dienstreisen erfolgten lediglich innerdeutsch oder ins nähere europäische Ausland. Auch eine Sensibilisierung hinsichtlich kultureller Unterschiede und Hintergründe fremdkultureller Verhaltensgewohnheiten in Belarus erfolgte im Vorfeld der Entsendung nicht. Vielmehr agierten die Ingenieure, mithilfe eines Dolmetschers, wie in der Heimat üblich. Sachorientiert und direkt zeigen sie den belarussischen Angestellten die Mängel auf, welche nach deutschen Qualitätsansprüchen noch beseitigt werden müssen, um eine termingerechte Überführung der Wagen nach Deutschland zu ermöglichen.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

 

1 Einleitung

2 Die Herausforderung

2.1 Das Verhalten der deutschen Ingenieure in Belarus

2.2 Die Situation aus Sicht der belarussischen Arbeitnehmer

2.3 Darstellung der Gesamtsituation

3 Interkulturelle Kompetenz – eine Begriffsannäherung

4 Perspektiven und Lösungsvorschläge

LITERATURVERZEICHNIS

 

1 Einleitung

Die Straßenbahn AG (Name geändert) ist einer der größten und modernsten Nahverkehrsbetriebe in Deutschland. In Fachkreisen wird besonders das technische Know-how der Ingenieure hinsichtlich der technischen Entwicklung von Schienenfahrzeugen geschätzt. Regelmäßig werden die Ingenieure für Fachtagungen als Redner gebucht. Eine Stiftungsprofessur an der ortsansässigen Universität wird ebenfalls durch zwei der Maschinenbauingenieure betreut.

Das umfangreiche technische Wissen der Fachleute und die allumfänglich ausgestattete Hauptwerkstatt mit ihren acht Meistereien führten sogar dazu, dass seit zehn Jahren in Eigenregie die Generalsanierung der ersten Serien der eingesetzten Stadtbahnwagen durchgeführt wird. Dieses Vorgehen war bisher von keinem Nahverkehrsbetrieb in Erwägung gezogen worden. Gängige Praxis ist, die Wagen von den Herstellern generalüberholen zu lassen. Oftmals werden die Wagen, wenn sie technisch veraltet sind, auch in Schwellen- oder Drittweltländer verkauft.

Bei der Straßenbahn AG ist man auf dieses große Fachwissen sehr stolz. Der Unternehmensbereichsleiter nimmt die Personalauswahl für Ingenieure und Techniker selbst vor. Die regelmäßig sehr hohen Bewerberzahlen bei Stellenausschreibungen weisen auch in Zeiten von Fach- und Führungskräftemangel auf die gute Reputation der Straßenbahn AG in Fachkreisen hin.

Im Jahr 2010 wurden bei einem in der Schweiz ansässigen Hersteller für Schienenfahrzeuge zwanzig neue Stadtbahnwagen geordert, mit der Option auf vierzig weitere Fahrzeuge. Die Wagen wurden von der deutschen Niederlassung des Herstellers in Berlin gebaut. Die Wagenkästen bei einem der führenden Hersteller für Waggonbau, ebenfalls in Deutschland, geschweißt.

Der öffentliche Personennahverkehr erfreut sich wachsender Beliebtheit und das Schienennetz wird, sinkender staatlicher Subventionen zum Trotz, stetig ausgebaut. Konsequenterweise zieht dieser Ausbau auch zusätzlich benötigte Fahrzeuge nach sich und so hat sich die Straßenbahn AG schon im Jahr 2014 entschlossen, die erste Option für weitere zwanzig Fahrzeuge einzulösen. Die Stadtbahnwagen werden analog der ersten Serie ausgeführt. Kleinere technische Änderungen, teilweise auch neuen Normen geschuldet, werden verbaut, sonst sind keine Modifikationen vorgesehen.

Zu Beginn der Feinabstimmung mit dem Hersteller eröffnet dieser, dass die Wagenkästen der neuen Serie im Werk Minsk hergestellt werden. Das Werk hat bisher für den russischen Markt produziert und die Mitarbeiter verfügen, nach Aussage des Herstellers, über hervorragende schweißtechnische Kenntnisse. Diese Information sorgte für Unruhe bei der Straßenbahn AG. Besonders die Schweißfachingenieure, welche die Bauüberwachung der Wagenkästen in Minsk übernehmen sollten, melden bezüglich Sprachbarrieren, politischer Lage und Besorgnisse um die allgemeine Sicherheit vor Ort Bedenken über eine Entsendung an.

Nach Rückkehr von der ersten Reise nach Belarus berichten die Schweißfachingenieure von den gut ausgeführten schweißtechnischen Arbeiten. Auf die kleineren Mängel wurde seitens der Bauüberwacher, wie im Unternehmen gängige Praxis, mittels Aufklebern hingewiesen, um den Schweißern die ausstehende Mängelbeseitigung zu verdeutlichen.

Als die Bauüberwacher einen Monat später den nächsten Wagen inspizieren wollen, steht der erste Wagen noch im gleichen Zustand, mitsamt den Aufklebern, in der Werkhalle. Auf diesen Umstand angesprochen, reagiert der belarussische Meister ausweichend und geht nicht näher auf den Umstand ein. Die deutschen Bauüberwacher weisen auf den nahenden Termin zur Überführung des Wagens nach Deutschland hin. Als der Termin in greifbare Nähe rückt, wird seitens der deutschen Projektleitung des Herstellers eine Terminverschiebung um ca. vier Wochen, ohne näher auf die Gründe einzugehen, mitgeteilt.

Die Ingenieure der Straßenbahn AG sind ratlos – das Fahrzeug ist doch so gut wie fertig? Lediglich die markierten kleinen Mängel waren bei der Überprüfung vor Ort noch nicht ausgebessert. Diese Mängelbeseitigung kann nach dem Dafürhalten der deutschen Ingenieure innerhalb eines Tages erfolgen. Auf Nachfragen bei der deutschen Projektleitung des Herstellers kann auch dieser keine weiteren Auskünfte erteilen. Dies ist der erste Auftrag des belarussischen Werks für Europa, man hat noch keine Vergleichszeiten und ist von den in Deutschland üblichen Durchlaufzeiten im Schweißbetrieb ausgegangen.

Da sich der gesamte Zeitplan nun verschiebt, steht die Straßenbahn AG vor terminlichen Schwierigkeiten. Die dringend benötigten Stadtbahnwagen (eine neue Strecke steht kurz vor der Fertigstellung und die Wagen sind hierfür eingeplant) können nun voraussichtlich nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden, da vor dem Einsatz im Personenverkehr noch umfangreiche Prüfungen der Technischen Aufsichtsbehörde vorgenommen werden müssen.

2 Die Herausforderung

 

2.1 Das Verhalten der deutschen Ingenieure in Belarus

 

Die Ingenieure haben sich in Belarus so verhalten, wie es im Heimatland üblich ist. Erfahrungen mit interkulturellem Austausch im beruflichen Kontext haben beide Bauüberwacher bisher nicht gesammelt. Die bislang notwendigen Dienstreisen erfolgten lediglich innerdeutsch oder ins nähere europäische Ausland. Auch eine Sensibilisierung hinsichtlich kultureller Unterschiede und Hintergründe fremdkultureller Verhaltensgewohnheiten in Belarus erfolgte im Vorfeld der Entsendung nicht(vgl. Bolten & Schröter 2001:100 f.). Vielmehr agierten die Ingenieure, mithilfe eines Dolmetschers, wie in der Heimat üblich. Sachorientiert und direkt zeigen sie den belarussischen Angestellten die Mängel auf, welche nach deutschen Qualitätsansprüchen noch beseitigt werden müssen, um eine termingerechte Überführung der Wagen nach Deutschland zu ermöglichen.

 

Die Haltung, welche die Entsandten den Werksangehörigen in Minsk entgegenbringen, ist dem deutschen Arbeitskontext angepasst. Sie spiegelt jedoch nicht die interkulturellen Unterschiede wieder, die in Belarus prägend sind. So agieren die Deutschen auf der Mikroebene. Kulturelle Verhaltensmuster, die in Belarus gelten, sind ihnen nicht geläufig. Hierbei handelt es sich sowohl um moralische Werte, wie interpersonelles Verhalten, Zuständigkeiten und Befugnisse der Mitarbeiter vor Ort, als auch um persönliche Grundsätze und gesellschaftliche Werte(vgl. Rothlauf 2014:94).

 

Die Sachorientierung der Deutschen, welche im heimatlichen Arbeitskontext angebracht und stimmig ist, scheint in Belarus nicht den gewünschten Effekt (die Fertigstellung der Wagen nach der Qualitätsprüfung) zu zeigen. Eine Reflexion des eigenen Verhaltens findet auf der Mikroebene des Handelns nicht, oder nicht ausreichend, statt. Das Agieren in einem fremden kulturellen Umfeld erfolgte unvorbereitet und so erfüllen sie die gestellten Aufgaben wie aus der Heimat gewohnt (vgl. Rothlauf 2014:24).

 

2.2 Die Situation aus Sicht der belarussischen Arbeitnehmer

 

Die Belegschaft vor Ort in Minsk besteht aus sehr gut ausgebildeten Fachkräften. Die Qualität der Arbeit ist hochwertig und die Mitarbeiter sind stolz auf die neue Arbeitsstätte mit neuesten Maschinen. Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Werk des Herstellers verlief bisher reibungsarm, die hergestellten Wagenkästen für den russischen Markt verließen jeweils termingerecht das Werk und waren handwerklich gut hergestellt.