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Doktorfische sind Fisch-Persönlichkeiten, die eine Fülle interessanter Verhaltensweisen zeigen, lernfähig sind, wunderschön aussehen und sehr alt werden können. Im guten Fachhandel finden wir mit Sicherheit die eine oder andere Art, die sich in unserem Aquarium wohlfühlen kann. Schwierige oder selten gehaltene Pfleglinge sollte man meiden, auch wenn sie immer wieder im Handel erscheinen und gelegentlich auch in einem Riffbecken in guter Verfassung leben: Es entspricht nicht einer verantwortungsvollen Einstellung gegenüber einem Wildtier – und ein solches ist jeder Korallenfisch. Art für Art stellen Ihnen die Bücher dieser Reihe die beliebtesten Meerwasser-Aquarientiere vor. Jeder Band bietet leicht verständliche Informationen über eine bestimmte Tiergruppe, erläutert Körperbau sowie Lebensweise und beschreibt die Aquarienhaltung. Experten mit langjähriger Erfahrung geben detaillierte, praxisnahe Pflegeanleitungen, und Sie finden alle Informationen, die Sie brauchen, um Ihre Tiere erfolgreich zu halten und oft auch zu vermehren. Das alles durchgängig farbig, großzügig bebildert und attraktiv gestaltet - Art für Art.
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Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2016
Ellen Thaler
Bildnachweis
Titelbild: Zebrasoma flavescens
Bild Seite 1: Diverse Doktorfische im Aquarium
Alle nicht anders gekennzeichneten Fotos von der Autorin
Die in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse, Dosierungsanleitungen etc. wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und sorgfältig überprüft. Da inhaltliche Fehler trotzdem nicht völlig auszuschließen sind, erfolgen diese Angaben ohne jegliche Verpflichtung des Verlages oder des Autors. Beide übernehmen daher keine Haftung für etwaige inhaltliche Unrichtigkeiten. Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, gespeichert oder vervielfältigt werden.
2. Auflage 2012
eISBN: 978-3-86659-353-4
© 2008 Natur und Tier - Verlag GmbH
An der Kleimannbrücke 39/41
48157 Münster
www.ms-verlag.de
Geschäftsführung: Matthias Schmidt
Lektorat: Daniel Knop & Kriton Kunz
Layout: Nick Nadolny
Vorwort
Doktorfische
Familie Doktorfische (Acanthuridae)
Aquarienhaltung von Doktorfischen
Futter und Fütterung
Futterzusammensetzung
Die Größe des Aquariums
Die Einrichtung: Struktur ist alles!
Vergesellschaftung
Tricks zur Vergesellschaftung von Doktorfischen
Wie erkennen wir Paar-Partner?
Kranke Doktorfische?
Der gesunde Fisch – und wie erkenne ich ihn?
Im Handel erhältliche Arten
Gattungen Acanthurus und Paracanthurus, Skalpell-Doktorfische
Pazifik-Mimikrydoktor (Acanthurus pyroferus)
Indik-Mimikrydoktor (Acanthurus tristis)
Gitter-Doktorfisch (Acanthurus triostegus)
Brandungs-Doktor (Acanthurus guttatus)
Orangefleck-Doktor (Acanthurus olivaceus)
Spätblauer Doktor (Acanthurus coeruleus)
Streifendoktor (Acanthurus lineatus) und Arabischer Doktor (Acanthurus sohal)
Indischer Weißkehldoktor (Acanthurus leucosternon)
Philippinen-Doktor (Acanthurus japonicus) und Samtdoktor (Acanthurus nigricans)
Achilles-Doktor (Acanthurus achilles)
Paletten-Doktor (Paracanthurus hepatus)
Brauner Doktorfisch (Acanthurus nigrofuscus)
Gattung Zebrasoma, Segelflossen-Doktorfische
Gelber Segelflosser (Zebrasoma flavescens)
Brauner oder Weißdorn-Segelflosser (Zebrasoma scopas)
Blauer Segelflosser (Zebrasoma xanthurum)
Mauritius-Segelflosser (Zebrasoma gemmatum)
Langschnauzen-Segelflosser (Zebrasoma rostratum)
Pazifischer Fledermaus-Segelflosser (Zebrasoma veliferum)
Gattung Ctenochaetus, Borstenzahn-Doktorfische
Tominis Borstenzahn-Doktor (Ctenochaetus tominiensis)
Goldring-Borstenzahn-Doktor (Ctenochaetus strigosus)
Orangestreifen-Borstenzahndoktor (Ctenochaetus striatus)
Hawaii-Borstenzahndoktor (Ctenochaetus hawaiiensis)
Gattung Naso, Nasendoktoren
Gelbklingen-Nasendoktor (Naso lituratus)
Langnasen-Doktor (Naso brevirostris)
Literatur
Körperpflege ist wichtig – Zebrasoma gemmatum wird von Lysmata amboinensis geputzt
Doktorfische sind Fisch-Persönlichkeiten, die eine Fülle interessanter Verhaltensweisen zeigen, lernfähig sind, wunderschön aussehen und sehr alt werden können. Im guten Fachhandel finden wir mit Sicherheit die eine oder andere Art, die sich in unserem Aquarium wohlfühlen kann. Schwierige oder selten gehaltene Pfleglinge sollte man meiden, auch wenn sie immer wieder im Handel erscheinen und gelegentlich auch in einem Riffbecken in guter Verfassung leben: Es entspricht nicht einer verantwortungsvollen Einstellung gegenüber einem Wildtier – und ein solches ist jeder Korallenfisch – wenn man Haltungsverluste aus Prestigegründen in Kauf nimmt. Das wird – in jeder Hinsicht – zu teuer.
Das vorliegende Bändchen ist kein Bestimmungsbuch. Taxonomische Detailinformationen finden Sie überreichlich in guter Bestimmungsliteratur – allerdings ohne die Vorbehalte und Kritikpunkte, die ich hier im Sinne des Arten- und Tierschutzes anzubringen versucht habe. Vielfältiger Erfahrungsaustausch und lange Diskussionen mit Kollegen und Freunden haben zu diesem Bändchen beigetragen, und entscheidende Hilfe in jeder Hinsicht habe ich von meinem Freund und Redakteur Daniel Knop erhalten!
Prof. Dr. Ellen Thaler,Innsbruck, im Herbst 2008
Paarhaltung – Schlüssel zu natürlichem Verhalten (hier je zwei Zebrasoma flavescens und Z. rostratum)
Ihre Populärbezeichnungen („Doktorfisch“ und „Seebader“, auf Englisch surgeonfish, Italienisch Pesce chirurgo, Französisch Poisson chirourge usw.) verdanken die Fische, um die es in diesem Buch geht, einem im ursprünglichsten Wortsinn hervorstechenden Merkmal: dem messerscharfen, skalpellähnlichen Dorn an der Schwanzwurzel, der eine gefährliche, sehr wirkungsvolle Waffe darstellt und bei Bedrohung eingesetzt wird. Sie sind auch sonst in jeder Hinsicht besondere Fische: farbenprächtig, selbstbewusst-draufgängerisch, intelligent, lebhaft. Und sie stellen ganz bestimmte Ansprüche, die wir nach besten Kräften erfüllen sollten – kurz gesagt, Doktorfische sind sehr interessante Pfleglinge!
Zunächst ist ein kurzer Blick auf die große Gruppe der Doktorfische nötig, um sie in einen übersichtlichen wissenschaftlichen Rahmen zu stellen und gleichzeitig jene Eigenschaften aufzuzeigen, die alle Vertreter dieser Gruppe einen.
Die Unterordnung Doktorfisch-Verwandte (Acanthuroidei) umfasst in der Familie Acanthuridae folgende Unterfamilien: Skalpell-Doktorfische (Acanthurinae), Sägedoktorfische (Prionurinae), Nasendoktorfische (Nasinae) und Halfterfische (Zanclinae). Von manchen Autoren (z. B. VELTE 2005) werden auch die Hahnenfische (Familie Luvaridae), Fledermausfische (Familie Ephippidae) und Argusfische (Scatophagidae) in diese Unterordnung gestellt.
Acanthurus- und Zebrasoma-Arten besitzen ein in die Haut in der Schwanzwurzel eingebettetes „Messer“.
Foto: D. Knop
Doktorfische leben in tropischen bis subtropischen Meeren, mit dem Verbreitungsschwerpunkt Indopazifik. Es handelt sich um vorwiegend scheibenförmige bis lang gestreckte Fische mit hoher, steiler Stirnpartie. Der Körperquerschnitt ist flach spindelförmig. Die Augen liegen relativ hoch, das Maul ist endständig. Der hart- und der weichstrahlige Anteil der Rückenflosse bilden einen geschlossenen Saum. Die Schwanzflosse kann tief gegabelt sein oder nahezu gerade verlaufen, diese Unterschiede können auch alters- oder geschlechtsbedingt sein.
Acanthurus- und Zebrasoma-Arten haben je ein Paar beweglicher, in die Haut eingebetteter „Messer“, die durch eine Schwanzbewegung vorn ausklappbar sind. Bei Naso-Arten können es mehrere Paare sein, die aber unbeweglich festsitzen. Sie werden in der Wissenschaft unter anderem zur Unterscheidung der Unterfamilien herangezogen.
Soweit bekannt, tritt bei Doktorfischen eine Geschlechtsum-wandlung auf, die dann von Veränderungen der Morphologie und/oder einem Farbwechsel begleitet sein kann. In ihren Ursprungsländern werden Doktorfische als Speisefische genutzt. Sie erreichen Größen zwischen 12 und 100 cm.
Doktorfische sind tagaktive, schwimmfreudige Riffbewohner, die paarweise, in Haremsverbänden oder größeren Gruppen leben, kleinräumige Nahrungsreviere verteidigen oder weitläufige Nahrungsgründe regelmäßig patrouillieren. Jugendstadien mancher Arten leben einzeln in sehr kleinen Revieren. Alle Vertreter sind Freilaicher. Die Geschlechtsprodukte werden ins offene Wasser abgegeben, abgelaicht wird sowohl paarweise als auch in großen Schwärmen, Eier und Larvenstadien sind also pelagisch (im freien Wasser schwimmend) und verdriften als Plankton. Viele Arten zeigen besonders im Jugendstadium komplexes Mimikry-Verhalten: Sie ahmen detailgenau jene Arten von Zwergkaisern der Gattung Centropyge Arten nach, die im selben Lebensraum vorkommen. Da Zwergkaiser kleine, flinke Höhlenbewohner sind, die für Beutegreifer durch dieses Verhalten schwer erreichbar und deshalb uninteressant sind, verschaffen sich die jungen Doktorfische durch diese Nachahmung einen größeren Aktionsradius und mehr Sicherheit bei der Nahrungssuche. Sobald sie größer und wehrhafter geworden sind, wechseln sie in die Adultfärbung.
Zebrasoma gemmatum und Z. flavescens
Neben verschiedenen anderen Doktoren fressen je ein Paar Zebrasoma xanthurum und Z. scopas friedlich nebeneinander Grünfutter (Löwenzahn).
Doktorfische gehören zweifelsohne zu den am häufigsten gepflegten und beliebtesten Aquarienfischen. Viele Vertreter dieser Fischfamilie sind prächtig gefärbt, ihre eindrucksvolle Körperform, aber auch ihr „niedliches“, rundlich kurzschnäuziges Kopfprofil, das genau dem sogenannten „Lorenzschen Kindchenschema“ entspricht, macht sie oft zu regelrechten Familienlieblingen! Vor allem in der modernen Riffaquaristik werden sie unter dem Gesichtspunkt ihrer „Nützlichkeit“ zur Algenbekämpfung eingesetzt.