Gespenster-Krimi 64 - Katharina Hadinger - E-Book

Gespenster-Krimi 64 E-Book

Katharina Hadinger

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Beschreibung

Eva überlegte, ob sie umkehren sollte. Die Hitze des Lagerfeuers strahlte bis hier her aus. Wie bizarre Pflanzen im Wind tanzten die Schatten der Flammen an den Felswänden.
Der Eingang der Höhle war breit und hoch. Aber dort, wo baumstammdicke Stalaktiten mit dem Steinboden verwachsen waren, verengte sie sich zu einem schmalen Gang, durch den ein normal gebauter Mensch gerade durchpasste.
Es war Eva als krieche die Dunkelheit aus diesem Teil der Höhle um einen Kampf gegen das spärliche Licht des Feuers auszufechten ...


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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Mondmilch

Vorschau

Impressum

Mondmilch

von Katharina Hadinger

Eva überlegte, ob sie umkehren sollte. Die Hitze des Lagerfeuers strahlte bis hier her aus. Wie bizarre Pflanzen im Wind tanzten die Schatten der Flammen an den Felswänden.

Der Eingang der Höhle war breit und hoch. Aber dort, wo baumstammdicke Stalaktiten mit dem Steinboden verwachsen waren, verengte sie sich zu einem schmalen Gang, durch den ein normal gebauter Mensch gerade durchpasste.

Es war Eva, als krieche die Dunkelheit aus diesem Teil der Höhle um einen Kampf gegen das spärliche Licht des Feuers auszufechten ...

Einen Kampf, den sie gewinnen würde, sobald die Menschen, die es angezündet hatten, schliefen.

Ein mulmiges Gefühl machte sich in Evas Magengrube breit. Warum hatte sie sich darauf eingelassen? Schon am Nachmittag hatte sie keine Lust gehabt, in diese Höhle zu gehen.

Musste sie sich derart beweisen vor den Jungs? Kaum merklich schüttelte sie den Kopf und ballte die Hände in ihren Jackentaschen zu Fäusten.

Doch gerade als sie sich umdrehen wollte, hörte sie Elias' Stimme vom Lagerfeuer – »Ich hab dir doch gesagt, dass sie da nicht allein hineingeht« – und spürte wieder diesen Drang. Es war dasselbe Gefühl, das sie vom Lagerfeuer hatte aufspringen lassen. Alles in ihr schrie danach, zu gehen. Weg vom Licht, in die Dunkelheit.

Eva warf den Pferdeschwanz zurück in den Nacken und schritt beherzt in den Eingangsbereich der Höhle. Ein lauer Wind trieb Lachen vom Lagerfeuer herüber.

Sie zögerte. Aber dann knipste sie ihre Taschenlampe an und ging bis zum Ende der ersten Höhle. Sie würden ihr hinterhergehen. Nun ja, Bernd würde ihr hinterhergehen. Sie war mehr als eine gute Freundin für ihn. Sie wusste es. Und sie hasste ihn dafür. Freunde? Eva schnaubte. Wohl kaum! So funktionierte Freundschaft nicht.

Im Lichtkegel ihrer Taschenlampe sah sie den Felsblock, bei dem ihr heute Nachmittag irgendetwas ekeliges auf den Kopf getropft war, dahinter die mächtigen Tropfsteine, welche einen Durchlass bildeten, der wie von Menschenhand geschaffen anmutete. Es hätte sie nicht verwundert, Fresken darüber zu sehen.

Eva zwängte sich hindurch, so wie sie es am Nachmittag bereits getan hatte. Eigentlich waren sie wegen des Klettersteiges hier. Aber Bernd hatte sich mit alten Sagen über das Nixloch und Wikipediawissen bewaffnet und damit auf die anderen gefeuert, bis sie es mit eigenen Augen sehen mussten.

Eva hatte dem nicht viel abgewinnen können. Zum einen, weil sie Bernd für einen Angeber hielt, zum anderen, weil ihr Geschichten über Mondmilch und höllentiefe Abgründe genauso auf die Nerven gingen wie solche über kosmische Heilung und Naturgeister.

Trotzdem hatte sie sich der eigentümlichen Atmosphäre der Höhle nicht entziehen können. Auch jetzt spürte sie die Dunkelheit körperhaft um sich.

Immer wieder strich sie mit fahrigen Bewegungen über ihre Schulter, weil sie glaubte, etwas berührte sie. Vielleicht Spinnen ...

Sie hatte bei ihrer Erkundungstour welche gesehen, bleiche, langbeinige Spinnen, deren Körper beinahe durchsichtig war. Ihr grauste. Aber als sie daran dachte, wie Bernd eine gefangen hatte, damit sie sie sich näher ansehen konnte, wurde sie wieder wütend. Warum Bernd? Warum nicht Elias?

Der Durchlass zur zweiten Höhle stieg etwas an. Bevor sie sie erreichte, musste sie zwei Felsblöcke hochklettern. Daraufhin hielt sie inne und ließ den Lichtschein ihrer Lampe an den Felswänden entlangwandern. Auf dem Boden lagen die Reste abgebrannter Fackeln.

Eva lauschte auf die Schritte von Bernd und Elias, sicher, dass sie jeden Moment irgendwo hervorsprangen. Aber außer ihrem Atem herrschte Stille. Unschlüssig ging sie in die Hocke und lauschte wieder.

Nichts ließ darauf schließen, dass außer ihr noch jemand in der Höhle war. Und doch ... Mit einer raschen Bewegung fasste sie sich in den Nacken. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte sie geisterhafte Kälte unter ihrer Handfläche, die sich ihr entzog, ehe sie es mit dem Verstand erfassen konnte.

»Bernd du Idiot«, stieß sie hervor und erschrak über das mannigfache Echo ihrer geflüsterten Worte. »Diot, diot, diot, diototot tot tot ...« Sie sprang auf. »Bernd? Elias?« Das Licht ihrer Taschenlampe flackerte ein paarmal und erlosch. »Glaubt ihr, dass ich auf eure blöden Scherze reinfalle?«

»Ich, ich... reinfalle, falle, falle, ich falle, falle ...«

Das Wispern kam von überall her. Die Dunkelheit war ein Dickicht ihres geflüsterten Echos.

»Ihr habt gewonnen! Das ist kein Spaß! Macht Licht!« Eva schüttelte ihre Taschenlampe.

»Kein, kein, ... Licht, Licht, fallen, fallen, fallen ... Du wirst fallen«, wisperte es zwischen den Felswänden.

Von wilder Panik erfasst drehte sie sich um und tastete sich hastig in jene Richtung vor, aus der sie wusste, gekommen zu sein. Aber der Boden war glatt. Nirgendwo war Fels zu spüren, keine Erhebung. Obwohl sie doch längst die zwei Felsblöcke hätte ertasten müssen.

»Komm, komm, komm ...«, tönte das Flüstern um sie herum, »Komm fallen, fallen, fallen ...«

Evas Herz hämmerte hart gegen ihren Brustkorb. Ihr Atem ging schnell. »Elias!«, schrie sie, »Bernd!«

»Komm, komm, komm ... fallen, fallen, fallen ...«

»Lass mich in Ruhe!« Eva schlug mit der Taschenlampe wild um sich.

Ein Kichern wuchs in den Wänden der Höhle und hüllte sie ein. Mit weichen Knieen tastete sie sich weiter vorwärts. Gerade noch spürte sie einen eiskalten Luftzug vor ihren Füßen, aber im nächsten Augenblick verlor sie das Gleichgewicht und fiel.

»Ruhe, ruhe, ruhe ...«

Joachim Moor legte sich das Geschirrtuch über die Schulter, tauchte seine Hände ins Abwaschwasser und zog den Stöpsel. Hinter seinem Rücken hörte er in unregelmäßigen Zügen den Pinsel über die Leinwand fahren. Der Abfluss schlürfte den letzten Rest Wasser geräuschvoll aus der Abwasch.

»Kommst du voran?«, fragte Joachim und drehte sich zu seiner Frau um.

Statt einer Antwort verzog sie unwirsch den Mund. Joachim verstand nicht viel von Kunst, aber er verstand, dass das, was Marlene malte, nicht dazu gehörte, genauso wie er verstand, dass er sie trotzdem unterstützen musste.

»Ich bin fertig hier«, sagte er. »Jetzt gehe ich raus und mähe den Rasen. Die Wäsche kann ja noch ein wenig in der Maschine bleiben. Nicht dass sie nachher voller Grashalme ist und ...«

»Schatzi, das ist gerade völlig uninteressant für mich«, unterbrach ihn Marlene.

Er hängte das Geschirrtuch über den Griff des Backrohrs und drückte seiner Frau im Vorbeigehen einen Kuss auf die Wange. »Du machst das super! Bleib dran!«

»Wie lange hast du noch Urlaub?«, erkundigte sie sich abwesend.

»Bis morgen, Maus.«

Marlene stöhnte. Mit gequältem Gesichtsausdruck starrte sie auf die Leinwand.

»Mach dir keinen Stress«, beruhigte Joachim sie. »Das bisschen Hausarbeit schaffe ich auch neben der Arbeit. Konzentriere du dich auf deine Kunst, ja?«

Wortlos tunkte sie den Pinsel in den rosa Farbklecks und rührte darin. Ein schreiendes Rosa, dass ihn jedes Mal ansprang wie ein ausgehungerter Floh.

Joachim verstand, dass er überflüssig war. Leise lächelnd schlich er aus dem Zimmer, drückte geistesgegenwärtig die Stummtaste an seinem Handy, als dieses klingelte, und nahm das Gespräch erst an, nachdem er die Haustür hinter sich geschlossen hatte.

»Moor?«

»Hey, Sonnenschein«, begrüßte ihn sein Kollege Walter schlecht gelaunt. »Tu mir einen Gefallen und komm heute nach Ternberg rauf. Es gibt eine Vermisstenanzeige mit Verdacht auf ein Gewaltverbrechen.«

»Ich habe eigentlich noch Urlaub«, erwiderte Joachim zögerlich.

»Ich schick dir die Wegbeschreibung als SMS«, kam es von Walter zurück. »Der eine Tag auf oder ab ist doch auch schon wurscht, oder?« Damit legte er auf.

Joachim schüttelte lächelnd den Kopf. Er mochte die ruppige Art seines Kollegen genauso wie er es mochte, gebraucht zu werden. Interessiert öffnete er keine Sekunde später die SMS mit der Wegbeschreibung, wurde aber im nächsten Moment grob zur Seite gedrängt.

»Mach mal Platz, Alter«, schnauzte Mario.

Ein intensiver Geruch nach Zigaretten und Sandelholz ging von ihm aus. Er hatte seine schwarzgefärbten Dreadlocks zu einem Turm gedreht und funkelte ihn aus seinen dunkel geschminkten Augen böse an.

Seine neue Freundin trippelte in einem hautengen Kleid mit Schlangenprint hinter ihm her.

»Hoppla«, machte Joachim und sprang einen Schritt zur Seite, sodass die beiden an ihm vorbei zur Haustür konnten. »Schön, dass du wieder da bist. Du auch, äh – Karin, oder? Essen ist im ...«

»Ach, halt die Schnauze.« Mario knallte die Tür hinter sich zu.

Bekümmert schüttelte Joachim den Kopf. Er hatte sich so gefreut, dass sein Stiefsohn und er sich nähergekommen waren. Aber seit Mario seine Freundin hatte, hatte er sich verändert. Nervös hörte Joachim das Rumpeln, mit dem Mario seine Schnallenstiefel von den Füßen und quer durch das Vorzimmer schleuderte. Vielleicht hätte er doch erst am Abend den Fußboden wischen sollen.

Der Aufstieg trieb Joachim den Schweiß aus allen Poren. Dabei meinte er, sich zu erinnern, das Wörtchen Anspruchslos auf der Tafel am Parkplatz gelesen zu haben.

Inzwischen waren seine Kollegen ihm weit voraus. Er hörte ihre Stimmen aus dem lichten Buchenwald, der auf dem Riedel erkennbar war. Die Sonne brannte unbarmherzig auf die Lichtung. Der käsige Geruch von Baldrian schwebte über der Magerwiese. Johanniskraut säumte mit dicken Samenständen den Trampelpfad. Überall um ihn herum schwirrte und flirrte es.

Obwohl sich der September bereits dem Ende neigte, spürte Joachim, dass er einen Sonnenbrand im Genick hatte. Als das Handy in seiner Hosentasche Take Five spielte, war er froh, einen Grund für eine kleine Pause zu haben.

»Hallo, Maus«, begrüßte er seine Frau. Dann stand er da, schüttelte den Kopf und nickte abwesend, während Marlene sprach. »Lass dir einfach Zeit«, sagte er schließlich, »Ich glaube an dich und deine Kunst.« Über Marlenes Antwort musste er genauso lächeln wie über die akkurate Art, mit der sie ein Telefongespräch mit ihm zu beenden pflegte. »Ich liebe dich auch«, gestand er dem Freizeichen im Telefon. Dann steckte er das Handy zurück in die Hosentasche, schlug nach einer Bremse, die sich auf seinem Oberarm niederließ und setzte seinen Weg fort.

Als er den Buchenwald erreichte, atmete er auf. Hier war der Herbst spürbar. Die Luft war geschwängert vom Duft des bitteren Buchenlaubs. Sofort fror Joachim in seinem schweißnassen Shirt. Er zog es aus und schlüpfte stattdessen in die leichte Jacke, die er um die Hüfte gebunden hatte. Das T-Shirt versenkte er in seiner Umhängetasche.

Kaum aber war ein paar Schritte gegangen, holte er es wieder heraus aus der Tasche, um es über einen niederen Busch zu breiten, der am Wegrand stand. Nach kurzer Überlegung angelte er nach seinem Notizblock, kritzelte etwas hinein und ging weiter.

Obwohl der Weg durch das Wäldchen noch mal anstieg, war er weniger anstrengend. Das letzte Stück legte Joachim betont leichtfüßig zurück. Seine Kollegen erwarteten ihn auf einem breiten Felsplateau und klatschten gutmütig in die Hände, als er zu ihnen aufschloss.

Joachim lag so einiges auf der Zunge, aber als er die zwei jungen Männer sah, die in Sportkleidung und mit dunklen Ringen unter den Augen etwas abseits der Polizisten standen, unterließ er es, zu scherzen.

Einer von ihnen, Joachim schätzte ihn auf Anfang zwanzig, wischte sich immer wieder über die Augen. »Ist das der Herr ... äh ...«

»Reisinger«, half ihm eine uniformierte Polizistin, die er nicht mit Namen kannte, »Bernd Reisinger. Er hat angerufen. Der andere heißt Elias Trusnik. Sie hatten hier gezeltet. Kletterer. Sie verstehen?«

Joachim ließ seinen Blick an dem Felsmassiv neben der Höhle hinaufwandern und nickte. »Ich verstehe.« Dann zog er seinen Block aus der Tasche. »Eva Nagl, zwanzig Jahre«, las er halblaut davon ab, »zuletzt gesehen am Freitag, achtundzwanzigster September, nulluhrdreißig. T-Shirt nicht im Wald vergessen!!«

Die Polizistin warf ihm einen irritierten Blick zu. »Wie bitte?«

Schmunzelnd steckte Joachim seinen Block zurück in die Tasche. »Ich unterhalte mich mit den Herrschaften, ja?«

Seine unerschütterliche Höflichkeit sowie das seltene Talent, in jedem und allem etwas Gutes zu sehen, hatte Joachim im Laufe seiner Karriere bei der Polizei zu einer Koryphäe auf dem Gebiet der Zeugenbefragung gemacht. Mit Engelsgeduld und Nerven wie Drahtseile kitzelte er auch dem aufgeregtesten, schockiertesten und traumatisiertesten Zeugen jedes Detail heraus.

Seiner Empathie war es zu verdanken, dass sich so mancher an Dinge erinnert hatte, die vergessen schienen. Dass seine Kollegen ihm den Spitznamen Sonnenschein verpasst hatten, nahm er mit nämlichem Lächeln hin.

Die Hand des jungen Bernd Reisinger zitterte in Joachims Hand wie ein verletzter Vogel. Er legte ihm die andere auf die Schulter, tätschelte sie kurz und freundschaftlich, entließ ihn dann aus dem Händedruck und wandte sich Bernds Freund zu.

Elias Trusnik schien gefasster. Eine Aura der Ungeduld umgab ihn. Ein Umstand, der Joachim dazu veranlasste, sich Bernd als Gesprächspartner auszusuchen.

»Kannst du mir erzählen, was passiert ist?« Es hatte nur einen Blick bedurft, um zu wissen, dass das förmliche Sie ihm unangenehm sein würde.

Bernd strich sich nervös eine seiner wilden Locken aus der Stirn, während Joachim mit einem Seitenblick auf Elias registrierte, dass dieser in sein Smartphone sah.

»Ich kann nicht – ich hab am Telefon doch schon alles gesagt«, stammelte Bernd.

»Entschuldige. Ich hatte noch keine Zeit, mich von meinen Kollegen auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Aber wahrscheinlich ist es besser, es von dir zu hören, als von irgendwem, der nicht beteiligt war.«

Natürlich war Joachim längst auf dem neuesten Stand. Er wusste alles über Eva Nagl. Sogar den Namen ihrer Katze. Aber er hielt es für wichtiger, dem jungen Mann das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden, als sich selbst in ein gutes Licht zu rücken. Der uninformierte Ermittler war hierzu ein schönes Bild.

Bernd nickte nachdenklich.

»Es war ein dämliche Aktion«, sagte da Elias, ehe er den Mund aufmachen konnte. »Wir haben die Evi ein bissl aufgezogen. Und sie wollte sich halt beweisen. Da is sie in die Höhle rein. Als Mutprobe sozusagen.«

»Seid ihr nicht ein bisschen zu alt für solche Dinge?«, warf Joachim lächelnd ein.

Elias zuckte mit den Schultern Achseln und schwieg. »Ganz so war es eh nicht«, begann Bernd zaghaft. Elias legte ihm beschwichtigend die Hand auf dem Arm.

»Lass doch die Blödheiten. Das ist doch jetzt nicht wichtig.«

»Alles ist wichtig«, korrigierte ihn Joachim freundlich und wandte sich an Bernd.

»Bitte rede weiter. Es gibt keine Blödheiten.«

»Sie war so ... angespannt, aggressiv, meinte, dass wir sie als Mensch eh nicht wahrnehmen«, fuhr Bernd fort, »sondern nur mit ihr befreundet sind, um mit ihr zu ...«

Joachim nickte verständnisvoll.

»Und wir haben versucht, ihr klarzumachen, dass wir sie eben nicht wie einen unserer männlichen Freunde behandeln können, weil sie eben eine Frau ist. Elias glaubt, sie ist in die Höhle rein, um sich zu beweisen. Aber ich ... Ich hab sie noch nie so erlebt. Sie war ein völlig anderer Mensch.«

»Sie war schon immer zickig«, mischte sich Elias ein. Die Bissigkeit seines Kommentars entging Joachim nicht.

»Was schaust du dir da an?«, erkundigte er sich, als Elias sich wieder seinem Handy zuwandte. »Du hast doch sicher ein Foto von der Eva, oder? Wie sieht sie aus?«

Betont lässig wischte Elias über den Bildschirm und reichte Joachim das Handy. Eine junge Frau mit blondem, sehr glattem Haar und auffallend blauen Augen sah ihn belustigt an. Ihre linke Augenbraue war gepierct. Ansonsten wirkte sie eher brav als wild. Joachim gab ihm das Handy zurück und wandte sich an Bernd.

»Warum ist sie in die Höhle rein?«

Bernds Blicke huschten zu Elias. Joachim entging nicht, wie dieser leicht den Kopf schüttelte.

»Sie wollte es einfach«, sagte Bernd.

Joachim fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen, zog seinen Block aus der Tasche und blätterte darin. »Wann ist sie in die Höhle reingegangen?«

»Es war so halb eins«, antwortete Bernd mit einem Seitenblick auf Elias. »Wir haben direkt vor dem Eingang am Lagerfeuer gesessen. Sie ist nicht wieder raus! Ich schwöre es! Sie ist nicht wieder raus!«

»Ich glaube dir ja«, beschwichtigte in Joachim.

»Da sind Sie aber der Erste. Man behandelt uns wie ... Verrückte.«