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Die "Kräuterhexe" Gabriele Bickel teilt in diesem Buch ihr Wissen über die heimische Gartenapotheke. Von Artischocke bis Zwiebel erklärt sie, wie man mit Gemüse, Obst und Kräutern aus eigenem Anbau viele Beschwerden natürlich heilen kann. So erfährt man alles Wichtige über Pflege, Ernte, Zubereitung und die speziellen Heilkräfte der jeweiligen Pflanze und bekommt gleich 50 Rezepte mitgeliefert.
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Seitenzahl: 270
Veröffentlichungsjahr: 2023
Gabriele Bickel ist ausgebildete Apothekenhelferin sowie Pharmazeutisch-technische Assistentin. Ihre Leidenschaft und ihr Wissen für Kräuter, Gesundheit und Kunst vereinte sie schließlich in ihrer wunderbaren Tätigkeit als „Kräuterhexe von Maulbronn“. In ihrer Kräuterhexengalerie im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn bietet sie erlesene und handgemachte Kräuterprodukte wie Tees, Salze, Essige, Öle, Badezusätze, Deko etc. an. Dort beantwortet sie auch persönlich Fragen rund um das Thema Kräuter.
ISBN 978-3-641-29466-3V001
© 2023 by Bassermann Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München
© der Originalausgabe 2016 by Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
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Projektleitung dieser Ausgabe: Martha Sprenger
Covergestaltung dieser Ausgabe: Atelier Versen, Bad Aibling
Gestaltungskonzept: Peter Schmidt Group, Hamburg
Gestaltung und Satz: DOPPELPUNKT, Stuttgart
Herstellung dieser Ausgabe: Franziska Polenz
In diesem Buch werden Hinweise zur Naturheilkunde gegeben. Nur auf die beschriebenen Arten trifft die angegebene Verwendung zu, ihr Gebrauch setzt daher ihre sichere Kenntnis voraus. Heilpflanzentees sollten immer nur beschränkte Zeit und nicht länger als nötig eingenommen werden, auch Hausteemischungen sollte man öfter wechseln. Behandelt werden dürfen nur leichtere Gesundheitsstörungen, die keiner ärztlichen Behandlung bedürfen. Den Arztbesuch kann dieses Buch auf keinen Fall ersetzen. Auch dürfen verschiedene Kräuter, z. B. Rosmarin, nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden. Alle Angaben in diesem Buch sind sorgfältig geprüft und geben den neuesten Wissensstand bei der Veröffentlichung wieder. Da sich das Wissen aber laufend in rascher Folge weiterentwickelt und vergrößert, muss jede*r Anwender*in prüfen, ob die Angaben nicht durch neuere Erkenntnisse überholt sind. Dazu müssen zum Beispiel Beipackzettel zu Dünge-, Pflanzenschutzbzw. Pflanzenpflegemitteln gelesen und genau befolgt werden sowie Gebrauchsanweisungen und Gesetze beachten werden.
ANBAUPRAXIS – WICHTIGE GRUNDLAGEN
Der heilende Garten
Einen Gartenplan erstellen
Gartenpflege
Ernten und haltbar machen
ANWENDUNGEN – WIE PFLANZEN WIRKEN
Pflanzen wahrnehmen
Inhaltsstoffe der Pflanzen
Zubereitungsformen
GEMÜSEGARTEN – PFLANZEN UND IHRE HEILWIRKUNG
Gemüse pflegen
Knoblauch – Allium sativum
Zwiebel – Allium cepa
Rote Bete – Beta vulgaris var. vulgaris
Kohl – Brassica spec.
Paprika und Chili – Capsicum
Endivie, Chicorée, Radicchio – Cichorium
Gartenkürbis – Cucurbita pepo
Artischocke – Cynara scolymus
Gartenmöhre – Daucus carota ssp. sativus
Rauke – Eruca und Diplotaxis
Tomate – Solanum lycopersicum
Bohne – Phaseolus vulgaris, Vicia faba
Rettich – Raphanus sativus
Kartoffel – Solanum tuberosum
Spinat – Spinacia oleracea
OBSTGARTEN – PFLANZEN UND IHRE HEILWIRKUNG
Obst und Beeren pflegen
Gewöhnliche Berberitze – Berberis vulgaris
Eingriffeliger Weißdorn – C. monogyna
Walnuss – Juglans regia
Wacholder – Juniperus communis
Apfel – Malus domestica
Aprikose – Prunus armeniaca
Schlehe – Prunus spinosa
Schwarze Johannisbeere – Ribes nigrum
Hunds-Rose – Rosa canina
Brombeere – Rubus sect. Rubus
Himbeere – Rubus idaeus
Schwarzer Holunder – Sambucus nigra
Heidelbeere – Vaccinium myrtillus
KRÄUTERGARTEN – PFLANZEN UND IHRE HEILWIRKUNG
Kräuter pflegen
Schafgabe – Achillea millefolium
Frauenmantel – Alchemilla vulgaris
Echte Aloe – Aloe vera
Zitronenverbene – Alyosia triphylla
Echter Eibisch – Althaea officinalis
Dill – Anethum graveolens
Echte Engelwurz – Angelica archangelica
Garten-Kerbel – Anthriscus cerefolium
Meerrettich – Armoracia rusticana
Echter Wermut – Artemisia absinthium
Gänseblümchen – Bellis perennis
Ringelblume – Calendula officinalis
Echter Kümmel – Carum carvi
Römische Kamille – Chamaemelum nobile
Wegwarte – Cichorium intybus
Gewürz-Fenchel – Foeniculum
Gundermann – Glechoma hederacea
Ysop – Hyssopus officinalis
Echter Lavendel – Lavandula angustifolia
Liebstöckel – Levisticum officinale
Echte Kamille – Matricaria recutita
Melisse – Melissa officinalis
PfefferminzePfefferminze – Mentha × piperita
Basilikum – Ocimum basilicum
Petersilie – Petroselinum crispum
Anis – Pimpinella anisum
Spitzwegerich – Plantago lanceolata
Echte Schlüsselblume – Primula veris
Rosmarin – Rosmarinus officinalis
Echter Salbei – Salvia officinalis
Hauswurz – Sempervivum tectorum
Beinwell – Symphytum officinale
Mutterkraut – Tanacetum parthenium
Löwenzahn – Taraxacum officinale
Echter Thymian – Thymus vulgaris
Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus
Große Brennnessel – Urtica dioica
Echter Baldrian – Valeriana officinalis
Großblütige Königskerze – Verbascum
Eisenkraut – Verbena officinalis
Wildes Stiefmütterchen – Viola tricolor
SERVICE
Pflanzenfinder gegen Beschwerden
Register
— Wichtige Grundlagen
In den vergangenen Jahrhunderten war es besonders wichtig, den Garten auch als Apotheke zu nutzen. Heute haben wir im Bereich von denaturiertem Obst und Gemüse sowie quantitativem Fleischgenuss oft wieder ähnliche Probleme wertvolle Nahrungsmittel zu bekommen.
Einen eigenen Garten anzulegen und zu bewirtschaften bedeutet heutzutage für viele Menschen eine enge Verbindung mit der Natur sowie die Ernte von gesundem Obst und Gemüse. Bei der Zubereitung von Speisen werden die Früchte zu kostbaren Gartenschätzen, die mit Kräutern wohltuend verfeinert werden können.
Wir benötigen dazu lediglich ein Stückchen Land, einigermaßen fruchtbaren Boden, Wasser, viel Muskelkraft und ganz wichtig: Geduld! Mit Hilfe eines in diesem Sinne angelegten Heilgartens ist es möglich, vorbeugend seine Gesundheit zu erhalten oder eventuell sogar wiederherzustellen.
Die Standortfrage für einen Garten stellt sich häufig nicht mehr, da man ihn sich meistens nicht mehr aussuchen kann – die Welt ist verteilt. Daher suchen wir auf der uns zur Verfügung stehenden Fläche die bestmöglichen Bedingungen zum Anbau gesunder Früchte und Kräuter. Zu diesen Bedingungen gehören ein guter Boden (kann man auch nach und nach schaffen), möglichst wenig Schatten, Windschutz, z. B. durch eine Hecke, eine Wasserstelle sowie ausreichend Platz für eine heilwirksame Pflanzenvielfalt.
Im Garten sollte man immer ein Erntekörbchen dabeihaben.
Ein Gartenplan ist unerlässlich, da wir mit Sinn und Verstand unseren Garten bearbeiten, pflegen und beernten möchten. Hierbei müssen wir jedoch nicht strikt mit Zirkel, Maßstab und Flächenertragsberechnungen vorgehen.
Ein Garten hat stets seine eigenen Regeln, aber ein roter Faden macht es einfacher, mit diesem Naturgesetz umgehen zu können. Zur Planung gehören sowohl die Anzahl wie auch die Bepflanzung der Beete und der Verlauf der Wege. Diese Planung hat sehr viel mit den eigenen Vorstellungen, Vorlieben und dem persönlichen Lebensstil zu tun. Es ist durchaus wichtig, zu wissen, was an Gartenarbeit überhaupt möglich ist. Habe ich jeden Tag Zeit oder nur am Wochenende? Wie groß ist die Personenzahl/Familie, die in den Genuss der Gartenarznei kommen soll?
Für eine gute Übersicht im Gemüsebeet
Grundsätzlich sollte die Erschließung des Gartens so einfach wie möglich gehalten werden. Pflanzen für den täglichen Bedarf, wie z. B. Gemüse und Kräuter, werden daher nicht in der hintersten Gartenecke angebaut, sondern möglichst am Anfang des Gartens oder zumindest im Vordergrund gepflanzt. Beerensträucher und Obstbäume, deren Früchte gemächlich und nach und nach reifen, dürfen gerne in den Hintergrund treten. Mischbeete aus Blumen, Gemüse, Salat und Kräutern sehen nicht nur gut aus, sondern machen auch Sinn, was die Platzverteilung – und nicht zu vergessen – die Bestäubung betrifft. Auch so mancher Nützling fühlt sich hier wohler und hilft bei der Schädlingsbekämpfung. Man sollte daher bedenken: Ohne Schädlinge haben auch Nützlinge nichts zu fressen – wie sollen sie dann überleben? Manchmal muss man eben ein bisschen wegsehen, denn die Natur weiß sich normalerweise selbst zu helfen. Ein wichtiger Aspekt bei der Gartenplanung ist auch das eigene Zeitmanagement. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die einen Garten zwar schätzen, aber dessen tägliche Pflege – und dazu gehört übrigens auch die Ernte – sich einfach nicht leisten können, so würde ich Ihnen unbedingt einen Kräutergarten empfehlen. Ich sage immer, ein Kräutergarten ist etwas für Genießer und Faulenzer, denn Sie können ihn auch einfach mal sich selbst überlassen. Im Gegenteil, er freut sich darüber und belohnt Ihr Nichtstun mit intensivem Duft, Aroma und Geschmack, denn Kräuter sind magere Kost gewohnt. Dort, wo sie ursprünglich herkommen, von Feld, Wald und Wiese, wurden sie auch nicht gegossen, geschnitten und gedüngt – sie wurden höchstens von den Tieren abgefressen. Wir können daher unseren wohlverdienten Sommerurlaub antreten und nach unserer Rückkehr die Kräuter duftend und voll erblüht im eigenen Garten ernten.
Kräuterthemenbeet, u. a. mit Salbei und Thymian
Einen interessanten Ansatz bieten sogenannte Themenbeete zu verschiedenen möglichen Krankheitsbildern, die es zu verhindern gilt. In alten Apothekergärten waren es Kräuterbeete, die unter diesem Aspekt angelegt wurden. Wir können diese durchaus mit Obst und Gemüse erweitern, sodass z. B. eine bunte Mischung für ein Verdauungsbeet entsteht. Dazu gehören: Ringelblumen, Bohnenkraut, Wermut, Kümmel, Basilikum u. a., aber auch Kartoffeln, Kürbis, Sellerie, Karotten, Pastinaken und Salate, im Hintergrund steht ein Apfelbäumchen.
Eine weitere Idee für ein Themenbeet wäre eine Bepflanzung nach Inhaltsstoffen, wie z. B. Bitterstoffe, Senfölglykoside, Saponine, Schleimstoffe oder Flavonoide. Bei den jeweiligen Pflanzenmonografien ab hier sind die wichtigsten Inhaltsstoffe genau vermerkt. Dabei werden Sie feststellen, dass solch eine Anlage nicht kompliziert ist und viele Pflanzen mit den erwähnten Inhaltsstoffen zu den „alten Bekannten“ gehören.
Üppig bepflanzte Kräuter- und Gemüsebeete in ihrer ganzen Pracht, Farbe und Struktur
Dazu gehören die Bodenbearbeitung und die Bodenverbesserung durch Kompost sowie die Bewässerung und die Stärkung der Pflanzen, um Schädlingen und Krankheiten vorzubeugen.
Zunächst müssen wir in den meisten Fällen den Boden bepflanzbar machen, denn häufig finden wir lediglich ein von Gras und Unkräutern überwuchertes Stück Land vor. Man könnte natürlich alles umgraben, mühselig alle Wurzeln herausziehen (und doch nicht alle erwischen!), den Boden tiefgründig mit viel Rückenbeschwerden und Schweiß auflockern, vielleicht bereits vorhandenen Kompost einarbeiten, Beete einteilen und bepflanzen. Nur um dann einige Wochen später festzustellen, dass eben jenes Stück Land wieder von unzähligen Wildbegleitkräutern übersät ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Es ist unmöglich, bei der Urbarmachung die vielen bereits ausgefallenen Samen zu erkennen, da diese manchmal winzig klein sind. Diese Samen haben sich sehr über unser Tun gefreut, sind flugs gekeimt und erfreuen uns nun stolz mit einer reichen Pflanzenpracht. Ich muss natürlich einräumen, dass auch dieses Ärgernis durchaus eine positive Seite haben kann: Viele Wildkräuter sind auch als Heilkräuter zu verwenden und zu genießen, aber das war ja letztlich nicht Sinn und Zweck der Übung!
Daher einfach den Boden mindestens ein halbes Jahr mit schwarzen, wasserundurchlässigen Planen abdecken, das raubt so ziemlich allem die Keimund Wachstumslust. Der so entstandene Boden wird anschließend mit vorgetriebenen Kartoffeln bepflanzt, um den verdichteten Boden zu lockern und unseren ersten Ernteerfolg zu gewährleisten – auch die Kartoffel gehört bereits zu unseren Heilgartenpflanzen. Nach dieser Geduldsprobe ist unser Garten nun bereit, um als solcher behandelt zu werden. Mit dieser Methode kommen wir zwar etwas langsamer, aber wesentlich effektiver ans Ziel. Außerdem lernen wir dabei, dass der alte Spruch „Eile mit Weile“ nach wie vor Sinn macht.
Brennnessel-, Ackerschachtelhalm- und Beinwelljauche
Eigene Nahrung für die Pflanzen mit Kompost herstellen.
Tröpfchenbewässerungen sind ideal auch für Neuanlagen
Als Nächstes sollten wir uns Gedanken darüber machen, welche Bodenbeschaffenheit wir wo benötigen. Heilkräuter bevorzugen eine vollsonnige Lage und eher mageren Boden, Heilgemüse und -obst benötigen neben einem sonnigen Standort vor allen Dingen einen nahrhaften Boden und
Feuchtigkeit. Diese Anforderungen können wir mit Hilfe von Kompostgaben und einer ausreichenden Bewässerung erfüllen, ideal wäre eine Tröpfchenbewässerung. In einem Obst- und Gemüsegarten ist zudem das Ausbringen von Mulchmaterial (Rasenschnitt, Stroh, klein geschnittene pflanzliche Küchenabfälle) sinnvoll, weil wir dann weniger gießen müssen und der Boden durch das verrottende organische Material gleichzeitig gedüngt wird. Kräuterbeete sollten jedoch so gut wie nie gedüngt werden, damit sie nicht ins Kraut schießen und dadurch das Aroma sowie die Inhaltsstoffe darunter leiden. Eine einmalige Kompostgabe im Frühjahr reicht aus.
BRÜHEN & JAUCHEN
PFLANZENTEILE
ANSATZ
VERDÜNNUNG
ANWENDUNG
EINSATZBEREICH
Baldrianblüten; frisch
Blüten auspressen, Presssaft direkt verwenden
1 Tropfen/l Wasser
spritzen im Frühjahr
Frostschutz, fördert Blüten- und Fruchtbildung
Beinwellkraut
1 kg frisch oder 150 g getrocknet/ 10 l Wasser
100ml/l Wasser
spritzen oder gießen, alle zwei Wochen
Kaliumdüngung, allgemein pflanzenstärkend
Brennnesselkraut; frisch
1 kg/10 l Wasser, 12–14 Stunden ziehen lassen, nicht kochen!
unverdünnt
spritzen bei Befall
Blattläuse
Brennnesselkraut
1 kg frisch oder 200 g getrocknet/ 10 l Wasser
unverdünnt oder 1:10
gießen, alle zwei Wochen
Kompost, Wachstumsförderung, Saat, Setzlinge
Farnkraut (Wurmfarn, Adlerfarn)
1 kg frisch oder 100 g getrocknet; 10 l Wasser
unverdünnt 100 ml/ Wasser unverdünnt
spritzen im Spätwinter, ganzjährig bei Bedarf
Blattläuse, Schnecken, Kompost, Kaliumdüngung
Schachtelhalm; Kraut
1 kg frisch oder 150 g getrocknet/ 10 l Wasser
150 ml/l Wasser
spritzen, wöchentlich ab Austrieb
Pilzkrankheiten
Schwarzer Holunder; frische Blüten und Blätter
1 kg/10 l Wasser, 12–24 Stunden ziehen lassen, nicht kochen
150 ml/l Wasser
spritzen bei Befall
Erdraupen, Kohlweißling
Wermut; Kraut
300 g frisch oder 30 g getrocknet/ 10 l Wasser
unverdünnt
spritzen zur Flugzeit der Schädlinge
Apfelwickler, Kohlweißling
Dass wir in einem Heilgarten auf den Einsatz von Pestiziden verzichten ist selbstverständlich. Doch können auch hier Läuse, Raupen, Fraßkäfer, Schnecken und Pilzsporen ihre pflanzenschädigenden Spuren hinterlassen. Dem können wir mit Schmierseifenlösung, Jauchen zur Pflanzenstärkung, aber auch rein händischen Methoden wie Absammeln und Abspritzen mit einem scharfen Wasserstrahl entgegenwirken. Es gibt zudem eine Vielzahl von nützlichen Tieren, wie Marienkäfer, Flohfliegen, Schnecken, Igel usw., die uns dabei tatkräftig zur Seite stehen.
Nachdem wir unseren Garten angelegt und ihn gegen Unkräuter, Krankheiten und Schädlingsbefall bestmöglich geschützt haben, stehen wir eines Tages stolz zwischen den Beeten, um die Früchte unserer Arbeit, die Ernte, einzubringen.
Hier ist etwas Zeitmanagement gefragt. Was kommt zuerst und was zum Schluss dran, welches sind die schnell verderblichen Früchte oder Gemüsesorten? Wir überlegen uns also: Was kann ich am schnellsten verarbeiten, z. B. frisch verzehren oder für den Wintervorrat trocknen, einfrieren, einlegen sowie einkochen und wie viel Platz und Zeit sind dafür notwendig. Manche Salate und Gemüse können bis spät im Jahr draußen auf dem Beet bleiben, bei Kulturobst ist das bis auf wenige Ausnahmen nicht der Fall.
Eine weitere Überlegung wäre: Wie und was ernte ich? Zu einer richtigen Ernte gehören Utensilien wie Schere/Messer, Körbe usw., aber auch das Wissen, was zu ernten ist. Einfach ausgedrückt könnte man sagen, alles was reif ist. Da gehört jedoch auch etwas Erfahrung dazu. Aber keine Angst, das lernt man. Meistens durch Erfolge oder Misserfolge. Obst und Gemüse wird am besten in Körben oder Kisten transportiert und bis zur Verarbeitung darin gelagert, denn Plastiktüten können zu Fäulnis führen.
Dass man mit den geernteten Schätzen sorgsam umgeht und sie nicht herumwirft oder quetscht, ist selbstverständlich. Auch, dass das Erntegut so bald wie möglich verbraucht oder konserviert wird, denn längere Liegezeiten gehen zu Lasten einer guten Qualität. Das Trocknen ist übrigens eine der effektivsten und unkompliziertesten Methoden des Haltbarmachens.
HALTBAR MACHEN
Einkochen
Dabei werden Gemüse oder Obst in Gläser eingelegt, mit Saft oder Sud aufgefüllt und im Backofen eingekocht. Durch das anschließende Abkühlen entsteht im Glas ein Vakuum, sodass sich keine Bakterien vermehren können und das Einkochgut dadurch lange haltbar ist.
Entsaften
Überwiegend für Obst geeignet. Dazu benötigen wir einen speziellen Entsafter und sterile Flaschen (ausgekocht!), in die der entstehende Saft abgefüllt wird. Die Haltbarkeit beträgt ca. ein Jahr.
Einfrieren
Das Gefriergut, z. B. Obst, Gemüse, Kräuter, wird in Spezialbeuteln schockgefrostet. Diese Methode eignet sich besonders bei hohem „Ernteaufkommen“.
In Öl einlegen
Diese Methode eignet sich besonders für getrocknete Kräuter oder auch Tomaten, da diese sich besser mit Öl vollsaugen können und dadurch konserviert werden. Hier müssen wir darauf achten, dass alle Pflanzenteile mit Öl bedeckt sind. Nach Anbruch der Flasche bitte abfiltrieren.
In Essig einlegen
Die Pflanzen (Gemüse, Kräuter) werden in einer Flasche mit Essig (mindestens 5 % Säure) eingelegt und können auch nach Anbruch darin verbleiben, da keine Schimmelgefahr besteht (im Gegensatz zu Öl).
In Alkohol einlegen
Überwiegend für Obst oder Kräuter. Dafür gibt man in eine Flasche (ca. die Hälfte des Volumens) Kräuter oder Obststückchen und füllt mit Alkohol (38 % Vol.) auf. Nach ca. 14 Tagen bis vier Wochen ist der Auszug fertig und kann löffel- oder tropfenweise (Tinktur) verwendet werden. Diese Verarbeitung eignet sich besonders für bitterstoffhaltige Pflanzen.
Bei der Kräuterernte gibt es einiges, was wir im Vorfeld bedenken müssen. Hier stellt sich vor allem die Frage, was muss ich überhaupt ernten: Blätter, Blüten, Wurzeln, Samen oder gar das ganze Kraut? Diese Angaben sind bei den Pflanzenbeschreibungen ab hier genau vermerkt.
Wichtig ist zudem die Erntezeit bzw. Tageszeit, denn davon hängt auch ab, ob die Wirkstoffe ausreichend vorhanden sind und die Trocknungszeit so gering wie möglich gehalten werden kann. Je länger Kräuter zum Trocknen brauchen, desto größer ist die Gefahr, dass sie zwischenzeitlich schimmeln oder so gut wie keine Inhaltsstoffe mehr besitzen.
Kleine Obstbäume in den Heilgarten integrieren.
Optimal ist eine Ernte zwischen 10 und 12 Uhr, wenn die Sonne (möglichst) am höchsten steht und der Tau verschwunden ist. Der Ernte sollten mindestens drei trockene Tage vorausgegangen sein, damit das Erntegut bereits so trocken wie möglich nach Hause gebracht wird.
Für die Trocknung im Ofen eignen sich Aprikosen sehr gut.
Der Trockenraum für den Wintervorrat muss warm, schattig und zugfrei sein, denn nur unter solchen Bedingungen kann die Trocknung rasch vonstattengehen. Weitere Methoden der Haltbarmachung sind Einkochen, Entsaften, Einfrieren, in Öl oder Essig einlegen oder in besonderen Fällen das Ansetzen mit Alkohol in Form von Wein oder Schnaps.
Die geernteten, sortierten Kräuter werden flächig getrocknet.
— Wie Pflanzen wirken
Pflanzen sind sehr vielseitig anwendbar. Der Verzehr von Pflanzen ist ein Urinstinkt und auch die direkteste und einfachste Art, sich mit Kraft zu versorgen. Jedoch würde es dem Gesamtwerk der Pflanze nicht gerecht werden, sie lediglich aus Appetit zu verspeisen.
Pflanzen können weit mehr als nur gut schmecken! Schon wenn man eine Pflanze nur zu dem Zweck isst, um gesund zu werden oder zu bleiben, ist das bereits ein erweiterter Aspekt der Anwendung. Zum Beispiel kann man aus Kürbis eine leckere Suppe gegen Hunger zubereiten und das Kürbismus bei Magenbeschwerden als Arznei zu sich nehmen. Aber auch die Kerne besitzen ihre eigene Heilkraft, besonders für die Männerwelt.
Um eine Pflanze kennenzulernen, sollte man zuerst einmal ihren Namen wissen. In einer Zeit, in der sich so mancher unter einer Roten Bete gar nichts vorstellen kann, ist das schon eine ganze Menge wert. Um eine Pflanze überhaupt erst einmal zu erspüren, bereiten wir uns daraus einen wässrigen Auszug, d. h. 1 EL zerkleinerte Pflanze wird mit kochendem Wasser übergossen und nach fünf Minuten schluckweise probiert.
Als Nächstes, falls die Pflanze Ihnen schmeckt, können Sie sie als Suppe probieren, indem Sie die Pflanzenmasse kurz aufkochen und würzen. Ein weiteres Grundrezept wäre die Zubereitung als Gemüse oder Salat. Sie merken, die Rezepturen werden immer dichter und die Bekanntschaft mit der Pflanze auf diese Weise immer vertrauter. Die Bohne ist beispielsweise eine sehr vielseitige Frucht, es gibt die Möglichkeit, sie als Gemüse, Suppe oder Salat zu verspeisen. Das sind Grundrezepte, wie sie in jedem Basis-Kochbuch nachzulesen sind. Die Bohne hat jedoch auch Teequalität in Form von stoffwechselanregendem Bohnenschalentee. Und damit befinden wir uns schon auf einer ganz anderen Ebene der Anwendung. So viel zum Thema Gesamtkunstwerk.
Eine weitere Art der Wahrnehmung ist der äußerliche Zugang in Form von Duft und Aussehen. Die Aromatherapie basiert auf Düften und darauf, was diese in uns bewirken. Das Aussehen einer Pflanze kann im wahrsten Sinne des Wortes beglücken, wenn wir uns über wohlgedeihende Gewächse im Garten, über einen Blumenstrauß oder über die Stände auf dem Wochenmarkt mit ihren leckeren und farbenprächtigen Auslagen von Obst und Gemüse freuen.
Einige Gemüse und Kräuter wirken zudem als Umschlag oder in Form von Wickeln bei einer äußerlichen Anwendung. Ebenso Bäder, Cremes, Salben und die Inhalation gehören dazu. Egal, welche Anwendungsform wir auch wählen, wichtig ist das Wissen um die Inhaltsstoffe der Pflanzen, denn nur so können sie auch sinnvoll für die Gesundheit und zur Vorsorge verwendet werden.
Der erste Zugang zu Heilpflanzen in Form eines Teeaufgusses
Damit wir unsere Gartenschätze in Form von Obst, Gemüse und Kräutern sinnvoll in unseren Ernährungsplan und für Anwendungen einplanen können, müssen wir wissen, wie und warum Pflanzen wirken. Das bedeutet, dass wir die verschiedenen Inhaltsstoffe kennen sollten.
Zu den Inhaltsstoffen, man kann auch den Begriff Wirkstoffe verwenden, gehören: ätherische Öle, Alkaloide, Bitterstoffe, Glykoside, Flavonoide, Salicin, Saponine, Senfölglykoside, Gerbstoffe und Schleime.
Sie gehören zu denjenigen Inhaltsstoffen, die wir unmittelbar und meistens schon von Weitem wahrnehmen. Wir müssen einfach unserer Nase nachgehen. Dabei merken wir sehr schnell, ob wir durch den wahrgenommenen Duft angenehme oder unangenehme Empfindungen verspüren, denn Düfte werden zum Limbischen System im Gehirn weitergeleitet, um dort Reaktionen auszulösen. Das ist eine überlebenswichtige Funktion unseres Organismus, um uns vor Schaden zu bewahren. Denken Sie dabei z. B. an Brandgeruch, verdorbene Speisen, Gifte, Chemikalien und andere abstoßende Gerüche wie Gülle oder Autoabgase. Aber auch die positive Seite der Duftwahrnehmung ist wichtig. Wir erriechen unsere Lebenspartner, entspannen uns mit duftenden Blüten wie Rosen und Lavendel, bekommen Appetit, wenn wir ein gutes Essen riechen und machen es uns im Winter mit Orangen-, Mandarinen- und Zimtduft gemütlich.
Die Aromatherapie arbeitet mit unserem Duftempfinden, um uns zu harmonisieren und dadurch in gewisser Weise auch zu heilen. Durch das Einatmen bestimmter Düfte werden unbewusste Steuermechanismen beeinflusst. Auf diese Art und Weise ist es möglich, bei einem aus dem Gleichgewicht geratenen Inneren, das zu einer Erkrankung geführt hat, durch den Geist der Pflanzen, wie die ätherischen Öle auch genannt werden, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Wir können uns die Wirkung der ätherischen Öle auch durch den innerlichen Gebrauch zunutze machen.
Den Pflanzen selbst dient ihr ganz spezifischer Duftcocktail dazu, Insekten zur Bestäubung anzulocken, Schädlinge fernzuhalten (Fraßschutz!) oder gegen Krankheiten zu schützen (keimwidrig und desinfizierend); die desinfizierende und antiseptische Wirkung der Zwiebelgewächse beispielsweise war bereits im alten Ägypten bekannt.
Die wichtigsten Wirkungen der ätherischen Öle sind: auswurffördernd, beruhigend, entzündungshemmend, keimwidrig, antiviral, durchblutungsfördernd und wärmend durch Hautreizung, harntreibend, blähungswidrig sowie krampflösend. Diese Heilwirkungen können durch Mund, Nase ober über die Haut in unseren Organismus gelangen. Ich werde bei der Vorstellung der einzelnen Pflanzen ab hier spezifisch darauf eingehen.
VITAMINE
Vitamin A
gut für Haut, Haare und Schleimhäute; unterstützt den Knochenaufbau, das Wachstum und fördert die Widerstandskraft sowie das Sehvermögen; kommt sowohl in Tieren als auch in Pflanzen nur als Vorstufe vor, die im menschlichen Körper zu Vitamin A umgebaut werden, beispielsweise Beta-Carotin (Provitamin A)
Vitamin B
1
unterstützt die Nierenfunktion sowie die Freisetzung von Energie aus Kohlenhydraten und die Nervenfunktion
Vitamin B
2
wichtig für Haut und Augen; Freisetzung von Energie aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten
Vitamin B
3
unterstützt das Nervensystem; sorgt für die Energieproduktion in Gewebe und Zellen; kommt in Pflanzen nur äußerst selten vor, der menschliche Körper gewinnt es aus tierischen Lebensmitteln
Vitamin B
5
spendet Energie; sorgt für Wachstum und Bildung von Abwehrstoffen und Hormonen
Vitamin B
6
stärkt die Widerstandskraft des Nervensystems, der Haut, der Muskeln und des Blutes
Vitamin C
gegen Infektionen; wichtig für die Eisenaufnahme aus Nahrungsmitteln; Begünstigung der Wundheilung; sorgt für Wachstum von Blutgefäßen, Zellen, Zahnfleisch, Knochen und Zähnen
Vitamin E
schützendes Antioxidans; unterstützt die Funktion von Herz, Blutkreislauf, Nerven, Muskeln, roten Blutkörperchen; ein wichtiger Radikalfänger
Vitamin K
unterstützt die Blutgerinnung
Schon der Begriff Alkaloide klingt etwas giftig – und das sind sie meistens auch. Diese Stoffe kommen in Tollkirsche, Bilsenkraut, Schlaf-Mohn sowie Stechapfel vor und sind Zutaten für sehr wirksame Heilmittel bei vielen Erkrankungen. Die Dosierung spielt eine (über)lebenswichtige Rolle! Die meisten Alkaloide schmecken sehr bitter, denn auch sie dienen der Pflanze als Fraßschutz. Eine Ausnahme bilden die giftigen Tollkirschen, sie können auch scharf und brennend schmecken, ebenso wie das Capsaicin von Chilis oder das Nikotin des Tabaks.
Alle Nachtschattengewächse wie Kartoffel, Tomate, Paprika, Bohnen und der Teestrauch gehören zu diesen Giftpflanzen.
Tollkirschen beinhalten Alkaloide.
Giftige Stechapfelblüten (Alkaloide)
Samenstände vom Schlaf-Mohn (Alkaloide)
Bitterstoffe haben wir bitter nötig! Vielleicht erinnern Sie sich an das Gefühl im Bauch nach einem (hoffentlich!) bitteren Aperitif. Oder der Erleichterung nach einem Bittergetränk, wenn wir unserem Magen bzw. unserer Galle zu viel zugemutet haben. Dieser Erleichterung kann durchaus ein eiliger Gang auf die Toilette vorausgegangen sein. Bitterstoffe sind häufig Bestandteile sogenannter Lebenselixiere, man sagt auch Tonika oder Theriak dazu, die seit Jahrhunderten als Kräftigungsmittel oder geistige Bitterwässer im Einsatz sind. Nach einem Magenbitter verbreitet sich sehr schnell ein wohliges Gefühl im ganzen Körper, besonders im Winter spüren wir die wärmende Wirkung – und das liegt nicht nur am Alkohol, ein wässriger Auszug in Form eines Bittertees funktioniert genauso. Bitterstoffe werden noch in hoher Verdünnung wahrgenommen und lassen sich nicht durch süß oder salzig entschärfen, aber sie können zumindest mit anderen Aromen wie z. B. ätherischen Ölen und Alkohol süffiger gemacht werden.
Das Bitterste, was das Pflanzenreich bietet, sind Enzian, Wermut, Tausendgüldenkraut und Weinraute. Kinder reagieren schon auf niedrige Dosen Bitterstoff in den Speisen mit Ablehnung. Ein Verhalten, das respektiert werden sollte, denn ihre Geschmacksknospen sind noch wesentlich empfindlicher als die eines Erwachsenen.
Die Wirkung von Bitterstoffen ist von größter Bedeutung für unseren gesamten Verdauungstrakt. Magen und Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse, aber auch das Immunsystem und die Blutbildung profitieren von der Zufuhr von Bitterstoffen. Das Herz wird gestärkt und der Gesamtstoffwechsel angeregt, sodass auch Schwächezustände, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen im positiven Sinn beeinflusst werden können. Bitterstoffe sind Mutmacher und stärken die Willenskraft, die wir auch dringend brauchen, wenn die appetitanregende Wirkung allzu sehr Oberhand gewinnt.
Voller Bitterstoffe: das Tausendgüldenkraut
Hierbei handelt es sich um pflanzliche Zuckerspeicher für die Nacht. Aus chemischer Sicht gibt es verschiedene Glykosidegruppen, je nachdem, wie der Molekülaufbau angeordnet ist. Unter den Glykosiden gibt es, ähnlich wie bei den Alkaloiden, gute und böse. Wobei auch die bösen bei richtiger Dosierung gut sein können – und bei den guten es auch mal des Guten zu viel sein kann. Zu den guten Glykosiden gehören z. B. die Anthocyanglykoside. Hinter diesem Namen verbergen sich schlicht und ergreifend natürliche Farbstoffe, wie wir sie von der Heidelbeere, dem Holunder, der Roten Bete, der Schwarzen Johannisbeere, aber auch vom Rotwein kennen (besonders beim Wäschewaschen!). Sie gelten als Zell- und Leberschutzmittel und werden für die Krebsprophylaxe empfohlen.
Die Cumaringlykoside erfreuen uns durch einen angenehmen Duft nach Heu oder Waldmeister, sie geben sich aber erst nach dem Trocknen als solche zu erkennen. Cumarin wirkt blutgerinnungshemmend, es wird synthetisch hergestellt und zur Thrombose-, Embolie- und Herzinfarktprophylaxe angewendet. Man verwendet diesen Wirk-Aroma-Stoff gerne zum Verfeinern von Süßspeisen und Bowlen in Form von Tonkabohnen und Waldmeister. Honigklee (oder auch Steinklee) wirkt wie die anderen Cumarinpflanzen gefäßentkrampfend, ödemhemmend, entzündungshemmend und lymphabflussfördernd. Also ideal bei Venenproblemen und Durchblutungsstörungen. Das gelingt jedoch nicht mit Hilfe von Bowle oder Süßspeisen, sondern nur mit therapeutisch eingestellten Präparaten oder Umschlägen.
Bei der beliebten Waldmeisterbowle sollte bedacht werden, dass viel nicht immer gut ist! Eine Überdosierung kann zu Benommenheit, Übelkeit, Kopfschmerz, Erbrechen und im Extremfall zu Atemstillstand führen. Und das liegt dann nicht am Alkohol! Eine verträgliche Dosierung ist: 3 g Waldmeister auf 1 l Flüssigkeit pro Tag!
Das Hypericin des Johanniskrautes färbt rot.
In grünen Tomaten befindet sich Solanin.
Meine Lieblingsglykoside sind die Flavonoidglykoside! Das sind u. a. gelblich-orangefarbene Farbstoffe, die wir in vielen pflanzlichen Lebensmitteln finden. Insbesondere im Herbst auf den Bäumen in Form von gelben Blättern – der grüne Farbstoff Chlorophyll hat sich dann im wahrsten Sinne des Wortes zurückgezogen. Flavonoide haben die Aufgabe, Pflanzen vor UV-Licht zu schützen und ihre Gefäße (Kapillaren) abzudichten. In unserem Organismus übernehmen sie die gleiche Funktion und werden als Anti-Aging-Prophylaxe oder Detoxing bezeichnet.
Flavonoidhaltige Pflanzen werden auch zur Verschönerung von Teemischungen verwendet, da sie hitzestabil sind und nicht totgekocht werden können. Die antioxidative Wirkung schätzt man ebenso bei der Konservierung von Säften, Früchten und Fetten (z. B. Margarine). Obst und Gemüse aus unserem Freilandheilgarten enthält übrigens ein Vielfaches mehr an sekundären Pflanzenstoffen, den sogenannten Polyphenolen (zu ihnen gehören die Flavonoide), als Gewächshausware. Ich finde, das ist eine sehr gute Begründung und Belohnung für die Mühen des Selbstanbaus. Bekannte Vertreter aus dem Pflanzenreich sind: Brokkoli, Grünkohl, Zwiebeln, Tomaten (als Saft), Orangen, Äpfel, Kamille, Ringelblume, Artischocke, Stiefmütterchen, Johanniskraut, Sanddorn u. a. Die Flavoniode sollen gefäßabdichtend, herzbelebend, antioxidativ, entzündungshemmend, zellschützend, diuretisch, schweißtreibend und vor allem ernährungsphysiologisch zur Vorbeugung gegen koronare Herzerkrankungen sowie Krebs wirken.
Sanddornfrüchte beinhalten wertvolle Flavonoide.
Ganz angenehm, wenn auch scharf sind die Senfölglykoside. Sie können sich bestimmt denken, welche Pflanzen als unverkennbare Kandidaten zu nennen sind. Die harmlosesten Vertreter sind sämtliche Kohlarten, Kohlrabi, die Kressearten, zu denen auch Radieschen gehören, Steckrüben, Rettich u. a. Beißender wird es dann mit allen Zwiebelarten, Senf und vor allem Meerrettich! Doch ihre Heilwirkung sollte man nicht unterschätzen, selbst wenn es uns dabei „zum Heulen“ ist. Senfglykoside wirken antibiotisch, z. T. sogar als Breitspektrum-Antibiotikum, die Sekretion und Motorik im Verdauungssystem werden gesteigert (auch der Appetit!). Neueren Studien zufolge besteht auch eine stark antikarzinogene Wirkung. Eine Präventivmaßnahme wäre eine gesunde Ernährung mit regelmäßigem Verzehr von rohem Kohl- und Kressegemüse aus dem Garten. Bei Kohlumschlägen sollte die Anwendungsdauer von fünf bis zehn Minuten nicht überschritten werden, da es sonst zu Gewebeschädigungen kommen kann. Eine innerliche Überdosierung von senfölglykosidhaltigen Pflanzen führt zu heftigen Magen-Darm-Beschwerden.
Senfölglykoside befinden sich in Retticharten.
Wie bereits erwähnt, gibt es aber auch noch einige nicht ungefährliche Kandidaten aus der Familie der Glykoside. Dazu gehören die Digitalisglykoside, das Salicin und die Saponinglykoside. Der Rote Fingerhut heißt auf Lateinisch Digitalis purpurea und ist bekanntlich giftig! Ebenso das Adonisröschen und das Maiglöckchen.
Digitalisglykoside
Salicin ist ein natürliches Schmerzmittel. Erst im menschlichen Körper wird es umgewandelt und entwickelt dann seine ganze Wirkung als Mittel mit fiebersenkenden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden, antirheumatischen und antibakteriellen Eigenschaften. Pflanzliche Salicinpräparate wirken erst nach ein bis zwei Stunden, dann jedoch über 12 Stunden, sodass wir nur zweimal täglich z. B. einen Weidenrindentee oder Mädesüßtee trinken müssen, um eine Rundumversorgung in Sachen Schmerzlinderung zur Verfügung zu haben.
Bei einer Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder einer Schmerzmittelallergie ist allerdings größte Vorsicht geboten. Ansonsten wird das natürliche Schmerzmittel wesentlich besser vertragen als seine chemischen Nachbildungen.
Sie haben sich vielleicht schon einmal die Frage gestellt, ob Sie die Salat-Waschschüssel nicht gut genug gespült haben, denn immer wenn Sie Feldsalat darin waschen, schäumt es leicht. Nun, ich kann Sie beruhigen, die Schüssel war bestimmt nicht die Ursache, sondern es ist in diesem Fall tatsächlich der Feldsalat mit seinen Inhaltsstoffen, den Saponinen. Saponin kommt von dem lateinischen Wort Sapo und heißt übersetzt Seife. Mit Hilfe von Saponinen wird die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten herabgesetzt, Wassertropfen perlen so nicht mehr ab, sondern gleiten als Film an der Oberfläche entlang und nehmen auf diese Weise alles mit, was sich dort an Schmutz befindet. Jede Wäsche mit Wasser und Reinigungsmittel funktioniert genau so.
Frisch gewaschener Feldsalat
Saponine werden aus diesem Grund auch medizinisch genutzt. Sie sind wichtige Emulgatoren für Rezepturen mit Fetten und ätherischen Ölen. Ebenso wirken sie effektiv als Spritzmittel gegen Blattläuse (1 l Wasser mit 30 ml Brennspiritus und einem Spritzer Spülmittel), weil das WasserSpiritus-Gemisch nicht abperlt, sondern an den Läusen haftet und diese austrocknet.
Vertreter der Saponine: Efeu
Die Wirkung von saponinhaltigen Pflanzen ist sehr vielfältig. Sie lösen zähen Schleim in den Bronchien, sodass wir ihn besser abhusten können. Außerdem besitzen solche Pflanzen sekretionsanregende, stoffwechselanregende, entwässernde, bakteriostatische und antimykotische Eigenschaften. Auch eine antivirale und tonisierende Wirkung wird angenommen. Ein Wildkräutersalat im Frühjahr mit vielen saponinhaltigen Kräutern und Feldsalat gilt schon seit jeher als Blutreinigungskur. Wichtige Vertreter der Saponingruppe sind: Schlüsselblume, Efeu, Gänseblümchen, Birke, Stiefmütterchen, Spargel, Rüben, Süßholz, Veilchen, Seifenkraut, Vogelmiere und Feldsalat.
Vogelmiere wirkt mit Saponinen
Haben Sie auch schon einmal vergessen, eine Tasse Kräuter- oder Schwarztee rechtzeitig zu trinken, und wollten das anschließend schnell nachholen? Die Erfahrung, die Sie dabei gemacht haben, war bestimmt nicht angenehm, denn ein raues, zusammenziehendes, vielleicht sogar leicht betäubendes Gefühl im Mundraum war das Ergebnis. Sie sind hier in den Genuss von Gerbstoffen geraten, die sich erst sehr spät aus den Pflanzen lösen. Daher müssen wir bei einer beabsichtigten Heilwirkung durch die Anwendung von gerbstoffhaltigen Kräutern für die entsprechenden Pflanzenauszüge eine längere Einwirkzeit (10 bis 12 Minuten) berücksichtigen.
Gerbstoffe in Zaubernussblüten
Gerbstoffe festigen bei Häuten aller Art, auch Schleimhäuten, das Eiweiß der oberen Hautschicht zu unlöslichen Eiweißverbindungen (nur so halten ihre Lederhandtasche, die Lederhose oder der Gürtel lange Zeit, ohne zu zerfallen). Sogenannte Tanningerbstoffe finden wir in Zaubernuss und Blutwurzel. Leder wird pflanzlich mit Eichenrinde (Gerberlohe) gegerbt. Im übertragenen Sinn kann man auch sagen, dass Gerbstoffe dicht machen, z. B. bei Durchfall, Halsentzündungen, Keimbefall und sogar Schwermetallvergiftungen, Blutungen oder einer laufenden Nase. Die Wirkungen allgemein: zusammenziehend, austrocknend, konservierend (Leder), stopfend, als Lokalanästhetikum, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, antiviral, auch gegen Schimmelpilze, reizmildernd, entzündungswidrig, wundheilungsfördernd. Aber aufgepasst: Hohe Dosen von Gerbstoffen können zu Magenschleimhautreizungen und Brechreiz führen.
Himbeeren – gerbstoffhaltige Pflanzen
Gerbstoffhaltige Pflanzen sind u. a. Salbei, Melisse, Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Storchschnabel, Gundermann, Pfefferminze, Augentrost.
Storchschnabel