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»Ich hatte dich gewarnt, Alex. Auf dem Weg zur Erkenntnis gibt es kein Zurück.«
Alex’ Leben sieht von außen vollkommen aus. Als jüngster Sohn der reichen Sturm-Familie hat er Credits im Überfluss und lebt ein Leben im Rausch. Dazu ist er einer der besten Materie-Magi von ganz Bakkai City.
Aber warum nagt fortwährend Unzufriedenheit an seinen Gedanken? Er hofft, diese Zweifel endlich hinter sich lassen zu können, als er für das prestigeträchtige Mentorenprogramm von Bakkai City ausgewählt wird.
Doch sein Mentor Milan und dessen Methoden sind so ganz anders, als er erwartet hatte. Und da ist noch diese unerwartete Anziehung, die Milan auf ihn ausübt ...
Bald findet Alex sich auf einem Pfad wieder, der sein gesamtes Leben in Frage stellt. Die Geheimnisse, auf die er stößt, bedrohen nicht nur ihn selbst, sondern alle Magi von Bakkai City.
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Seitenzahl: 362
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Fanny Remus
Copyright © 2025 by
WunderZeilen Verlag GbR (Vinachia Burke & Sebastian Hauer) Kanadaweg 10 22145 Hamburghttps://[email protected]
MOVITAEText © Fanny Remus, 2025 Story Edit: Vinachia Burke (www.vinachiaburke.com) Lektorat: Mary Stormhouse (www.instagram.com/mary.stormhouse) Korrektorat: Monika Schulze (www.suechtignachbuechern.de) Cover: Vinachia Burke Satz & Layout: Vinachia Burkewww.vinachiaburke.com ISBN: 978-3-98867-042-7 Alle Rechte vorbehalten.
Für alle, die Ketten sprengen. Trau dich, es gibt Menschen, die außerhalb der Höhle auf dich warten.
Wissenschaftlich erklärte Magie
Found Family
Philosophie
Intrigen und Ränke
casual Queerness
keine explizite Erotik
In dieser Geschichte gibt es außerdem Szenen mit:
• Zwang, Flucht und Verfolgung
• Experimente an Menschen
• Blut
• Tod
• Verlust von geliebten Menschen
• Trauer
• Emotionale Kälte von Eltern und Bezugspersonen
• Suizidgedanken
»Alex, lauf!«
»Ich komm ja.« »Spam! Warum muss deine hübsche Visage so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen?«
Alex lachte. »Wenn du noch meckern kannst, Mo, kann es nicht so schlimm sein.«
Aus der Ferne hörten sie die Paparazzi rufen. »Das war der Sturm-Junge, ich sag’s euch.«
»Hier lang!«
Mo keuchte. »Wir müssen raus aus der Innenstadt.«
»Gut, dass wir das eh vorhatten«, feixte Alex.
»Ich verfluche deinen Fame und die Sturm-Familie«, stieß Mo zwischen schweren Atemzügen aus. »Unter Beobachtung können wir nicht aufdrehen. Lästig.«
Ja, sie mussten diese Holo-Blutsauger, die danach gierten, ihn als den jüngsten Sohn der Sturms bei einem Skandal zu erwischen, schnellstmöglich loswerden. »Für mich sind die nicht nur lästig, Mo. Mein Ruf steht hier auf dem Spiel. Meine Mutter killt mich, wenn die uns in zweifelhaften Quartieren ablichten.« »Alex, ich hab voll Bock. Aber als dein Braca bin ich immer auf deiner Seite. Wenn du lieber abblasen willst, versteh ich das.«
Alex straffte die Schultern. »Auf keinen Fall! Ich werde nur ein Mal zwanzig und unsere legendären Nächte bedeuten mir alles, mein Freund. Wir müssen nur schlauer sein als die. Sie erwarten bestimmt, dass wir ins Pleasure-Quartier gehen.«
»Das tun wir ja auch«, sagte Mo mit zuckenden Schultern.
»Mo, lass mal deinen BioLink checken, ich glaub der glitcht. Ich sagte doch gerade, dass meine Mutter uns beide umbringt, wenn ich da gesehen werde. Wir müssen woanders hin.«
Eine flimmernde Holo-Anzeige neben ihnen färbte Mos enttäuschte Miene blau.
Freundschaftlich boxte Alex ihm auf die Schulter. »Wir lassen uns unseren Abend nicht versauen. Wir finden was anderes irgendwo im Westviertel. Die glauben nie, dass wir da absteigen.« »Nicht mal ich glaube, dass wir das tun. Die Quartiere im Westviertel sind öde.«
»Chano hatte da mal was erwähnt, warte.« Alex tippte sich an die Schläfe und scannte die nähere Umgebung. »Ja, hier! Ein paar Blocks weiter gibt es eine Barmeile. Mit Stripclubs und hey, sogar einen Schuppen mit Livemusik.«
Der Schein der Anzeige leuchtete jetzt in Mos braunen Augen auf. »Braca, nichts wie hin.«
Umsichtig darauf bedacht, unerkannt zu bleiben, schlichen sie durch die Straßen Bakkais. Ihre Route lag fast ausgestorben da, niemand würde hier in der Nähe einen Vergnügungsspot erwarten. An jeder Häuserecke ging Mo voraus, um sicherzugehen, dass niemand ihnen auflauerte.
Alex hockte im Schatten und wartete auf Mos Signal. Ein riesiger Monitor auf der anderen Straßenseite flackerte und änderte sein Motiv. Alex zuckte zusammen, als er in die Augen seiner Mutter blickte. Atme, du Bugbrain! Das ist nur ein Holo. Adea Sturm war als Eigentümerin der besten Hotels in ganz Bakkai eine bekannte Persönlichkeit in der Innenstadt. Natürlich begegnete ihr Gesicht ihm überall in den Holos. Irgendjemand hatte immer was über sie zu sagen.
Genug. Mit aller Gewalt ignorierte er die Gänsehaut, die er wie immer unter dem strengen Blick seiner Mutter bekam und schaute sich um. Warum brauchte Mo so lange?
Im flackernden Halbdunkel zeichneten sich kleine Müllberge ab und die Gebäude wirkten schmutzig. So anders als am Plaza. Schliefen da drüben Menschen an einer Hausecke? Nein, unmöglich. Doch nicht in Bakkai. Hier fehlte es niemandem an etwas. Vielleicht hatten sie zu viel Tregg geschmissen …
Alex schüttelte den Kopf und schob die Gedanken energisch beiseite. Selbst die langweiligen Viertel gehörten immer noch zu Bakkai, der besten Stadt der Welt. Er war von Tregg und Alkohol benebelt. Wahrscheinlich spielte ihm seine Anspannung einen Streich. Auch wenn er vor Mo den Chiller spielte: Falls er seinen Ruf beschädigte, verschlang die Innenstadt, was seine Mutter von ihm übrigließ. Nun, Adea würde ihn vielleicht nicht tatsächlich umbringen, aber nach Blamage und Demütigung durch die Medien machte das wohl auch keinen Unterschied mehr. Alex lauschte in die Nacht. Von den Paparazzi war nichts mehr zu hören.
Da tauchte auch Mos Kopf hinter der Ecke auf. »Alles frei. Wir sind gleich da.«
Nach einem weiteren Block standen sie in der Seitengasse einer großen Meile mit flackernden Leuchtreklamen und düsteren Spelunken. Genau was sie gesucht hatten.
»Das ist anders als das Shanty.« Mos Stimme klang ehrfürchtig.
Alex atmete einmal tief durch. »Und deswegen sind wir hier.«
»Bist du dir sicher?«
Noch konnte er umdrehen und das Risiko nicht eingehen. Doch alles in ihm zog ihn hin zu diesem vielleicht letzten Abenteuer. Den Blick fest auf die leuchtenden Lokale gerichtet, nickte Alex. »Ja. Egal was für Konsequenzen ab hier warten, ich muss es tun. Ab morgen gehört mein Leben nicht mehr mir.« Nur mit Mühe sog er Luft in die Lunge. Wie immer, wenn er an Adeas Pläne für ihn dachte. Energisch klatschte er sich die Hände an die Wangen, um die Grübeleien zu vertreiben. »Mo, hast du noch eine?«
»Klar, Braca. Hab für heute vorgesorgt, ist deine besondere Nacht.« Er zog eine kleine Dose aus der Tasche und reichte sie herüber.
Ohne Zögern legte sich Alex eine Pille auf die Zunge und schluckte. Damit sollten seine Gedanken endlich Ruhe geben.
Ein dunkles Fenster neben ihm zeigte, dass seine Frisur etwas matt aussah. Gleichmäßig fuhr er mit der Hand darüber und frischte die blaue Farbe des gewollt struppigen Iros auf. Die kurzen Seiten stachen mit ihrem natürlichen hellblond kontrastreich hervor. Er wechselte seine Haarfarben ständig, aber am liebsten mochte er dieses kräftige Blau, das seine Augen in derselben Farbe so hervorragend betonte. Wegen des kalten Blaus in Haar und Augen, des Hellblonds und seiner blassen Haut nannte Mo ihn gerne mal Ghost. Er wollte ihn damit ärgern. Doch genau diese Kühle wirkte auf viele ziemlich unwiderstehlich, hatte Alex festgestellt.
Er zwinkerte sein Spiegelbild an. So viel Mo ihn auch aufzog, Alex Sturm konnte niemand widerstehen. »Wo zuerst hin?«
Mos Antwort kam prompt: »Livemusik!« Alex checkte mit dem Finger an der Schläfe seinen BioLink. »Dann müssen wir zum ›Glänzenden Gerald‹.«
Auf der Türschwelle zum Lokal schlug ihnen eine betäubende Welle aus abgestandener Luft und grässlichen Geräuschen entgegen. Das Stimmengewirr lieferte sich einen verbissenen Kampf mit den schrägen Tönen, die die Band auf der kleinen Bühne erzeugte. Die Musiker bewegten sich so schnell, dass Alex nur Schemen von ihnen wahrnahm. Hier konnte er keinen klaren Gedanken fassen. Sehr gut. Alex grinste Mo mit hochgestrecktem Daumen an. Mo rieb sich die Hände und sie drängelten sich zwischen den vollbesetzten Tischen hindurch bis zu zwei leeren Hockern an der Bar.
Die Barkeeperin lehnte sich lässig an den Tresen. »Was darf Dynamite euch bringen, ihr Hübschen?«
»Alles, was du hast!«, brüllte Mo übermütig.
Dynamite schaute Alex mit hochgezogener Augenbraue an.
Lässig winkte er ab. »Mach, was er sagt, Lady. Und lass uns nicht auf dem Trockenen sitzen.« Er tippte sich auf die Schläfe und autorisierte den Laden zum automatisierten Abbuchen bis Ladenschluss.
Dynamite hatte bei seinen Worten eine irritierte Miene aufgesetzt, aber als Alex’ Autorisierung bei ihr ankam, blitzten ihre Augen auf. »Alles, was die Herren wünschen.«
Und sie lieferte. Die Nacht verschwamm in einem Strudel aus Genuss und Gelächter. Alex fühlte sich herrlich leicht, als hätte er Wolken im Kopf. Wenn er sich nur ewig so im Strom der Zeit treiben lassen könnte …
Etwas Schweres kippte gegen ihn und rutschte zu Boden. Alex musste mehrfach blinzeln, um Mo zu erkennen, der jetzt zwischen ihren Hockern im Dreck lag und schnarchte. Oha, er sollte wohl langsamer machen, damit der Abend nicht im ersten Schuppen schon vorbei war. Er bestellte ein Wasser und sah sich nippend um. Der ›Glänzende Gerald‹ hatte sich inzwischen merklich geleert.
Sein letzter Abend … Ob er wohl je so ausgehen würde? Er kehrte dem Raum den Rücken zu und seufzte.
Dynamite tätschelte ihm den Kopf. »Was ist los, Hübscher?«
»Ab übermorgen is’ mein Leben vorbei.«
»Na na, so schlimm wird es schon nicht sein.«
Alex zuckte mit den Schultern. »Ich werd morgen swansig. Ich bin Materie-Magi, weiß’ du? Eigentlich sollde ich noch Jahre Zeit haben. Aber ich bin ein verspamtes Genie.« Er stützte die Stirn auf seine Faust. »Mein Hirn ist ein Wunder. Ich brauch ’was nur einmal sehen und kann es nachmachen. Die Schule kann mir nich’s mehr beibringen. Spam.«
»Also ein Wunderkind mit dem Konto voll Credits?« Eine Augenbraue der Barkeeperin wanderte auf ihre Stirn. »Entschuldige, dass ich gerade nicht so viel Mitleid empfinden kann.«
»Nein, nein. Ich weiß, wie das klingt. Aber ich bin ein Sturm, Braca. Meine Mutter hat alles für mich geplant. Ab übermorgen is alles vorbei. Meine Leine ist verspamd kurs. Ich will das nich’. So gar nich’. Und noch vor meiner Party morgen kommt eine Freundin vorbei – auf offisielle Einladung meiner Eltern …«
»Und das ist schlimm, weil …?«
Warum verstand sie nicht? Alex presste die Hände auf den Tresen und beugte sich vor. »Na, weil das heiß’, dass ich sie heiratn soll. HEI-RA-TN! So’n Quatsch. Als würd heutzutage noch irnjemand heiratn.«
Die Barkeeperin riss die Augen auf. »Ooh, das ist wie in den Holo-Shows. Ein reicher Erbe muss für das Wohl seiner Familie heiraten. Ein Wirtschaftskrimi, wie spannend!«
Alex’ Kopf sank auf den Tresen und Speichel tropfte ihm von den Lippen. »Mein Leb’n is’ keine verspammde Holo-Show.«
Dynamite tätschelte ihn wieder. »Mhh, Schätzchen, tut mir leid. Ist sie so furchtbar?«
Alex’ Kopf schnellte hoch, was die Bar Runden um ihn ziehen ließ. »Nein, ganz und gar nich’. Wir sin’ schon ewig Freunde. Und seit ein’ger Zeit hat sie ’nen Hüftschwung drauf, der mich fast waaahnsinnig macht! Sie is’ die perfekte Partie und wir schleichen schon eine Weile um’nander rum.«
»Was ist dann das Problem? Sie klingt nach einem Herzchen.«
»Es geht nich’ um Sianna, es geht um meine Mutter. Sie kontrolliert mein ganzes Leben und sobald ich ihr einmal nachgebe, gibt es kein Zurück mehr zu …« Er machte eine Geste, die die ganze Bar einschloss. »… dem hier.«
Die Barkeeperin lachte. »Dann müssen wir heute besonders gut feiern!« Sie beugte sich vor, zog Alex zu sich heran und küsste ihn.
Als sie sich voneinander lösten, grinste er breit. »Das brauchs’ du mir nicht zweimal sagen.«
Elegant schwang er sich über den Tresen. So zumindest der Plan. Doch er blieb mit dem Fuß hängen und knallte kopfüber auf den Boden. Während Dynamite rau lachte, richtete er sich vorsichtig auf und klopfte sich räuspernd die Kleidung sauber. »War vielleicht’n bisschen doll.«
Die Barkeeperin schaute ihn mit schweren Lidern an. »Ich krieg dich schon auf Touren, keine Sorge.«
Überraschend kraftvoll zog Dynamite ihn zu sich heran und küsste ihn. Lippen lagen heiß auf seinen und ihre Zunge forderte ihn zu einem Tänzchen auf. Geil. Alex tastete gierig über ihre Seiten, den Rücken, den Knackarsch. In Dynamites Schritt stockte er. Dort lauerte ein vertrautes, aber unerwartetes Körperteil. »Hu? Wie viel hab ich heute geschmissen?«
Dynamite grinste schelmisch. »Überrascht? Ich bin ein Mann, keine Lady. Ist das ein Problem?«
All das Tregg und der Alkohol im System hatten Alex wegen Dynamites schmaler Statur und hoher Stimme vorschnell urteilen lassen. Was solls? Geil ist geil.
Er erwiderte das Grinsen des Barkeepers. »Ich hab noch nie verstanden, warum andere solche körperlichen Details so wichtig nehmen.«
Dynamite lachte nur wieder, küsste ihn wild und zog ihn tiefer hinter den Tresen.
Alex schlug die Lider auf und schloss sie gleich wieder. Die Sonne stach, als ob sie ihm die Augen aus dem Schädel brennen wollte. Er stöhnte. Neben ihm ertönte Mos Schnarchen. Sie lebten also beide noch. Gut, das Minimum an Erfolg hatte sie erreicht.
Er probierte es erneut mit den Augen, diesmal schirmte er sie aber mit einer Hand ab. Mo lag neben ihm in einem Bett – in seinem Bett. Die Sonne linste durch die vertrauten Dachfenster des Sturm Palace herein. Das SP – das beste Hotel der Welt und sein Zuhause. Ein Teil der obersten Etage beherbergte die Sturm-Familienresidenz.
Okay, aufwachen, am Leben sein. Check. Bleibt nur die Lücke zwischen gestern Abend und heute Morgen zu schließen. Das Letzte, woran Alex sich erinnerte, waren Dynamite und seine Zungenfertigkeit. Danach nur Leere.
Spam! Was noch? Sofort tippte er sich an den BioLink, um die Holos zu checken. Eine fieberhafte Suche nach seinem Namen später, atmete er erleichtert aus. Er und Mo tauchten nicht auf. Wenn sie bei irgendwas erwischt worden wären, stünde das in allen Schlagzeilen.
Vorsichtig setzte er sich auf und rieb sich die Schläfen. Einen Blackout hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Ausgerechnet jetzt, wo seine Mutter ihn so genau im Auge behielt. Die anstehende Volljährigkeit hatte seine Narrenfreiheit als jüngster und begabtester Sturm-Spross fast vollständig gelöscht.
Aber wie es aussah, war er nochmal davongekommen. Die Nacht war ein würdiger Auftakt für seinen zwanzigsten Geburtstag gewesen. Warum fühlte er sich dann trotzdem, als würde ein Gewitter aufziehen?
Mo regte sich. Laut stöhnend wuchtete er seinen kolossalen Oberkörper in die Senkrechte und blinzelte müde in den Sonnenschein.
Alex musste bei diesem Anblick unwillkürlich lachen. Wie oft waren sie nach ihren legendären Nächten schon so nebeneinander aufgewacht?
»Du wirst nie erwachsen, oder?«
»Nicht, wenn ich’s verhindern kann«, antwortete Mo verschlafen.
Alex bewarf Mo lachend mit einem Kissen. »Okay, du lebst. Welch Erleichterung. Kannst du dich erinnern, wie wir hierhergekommen sind?«
Bevor er sich zu einer Antwort bequemte, streckte sich Mo, was die Muskeln unter seiner tiefbraunen Haut spielen ließ. Massiv! Dieser Mann hatte nichts mehr mit dem dünnen Zwölfjährigen mit den großen Ohren gemein, den Alex kennengelernt hatte. Inzwischen überragte er Alex um einen halben Kopf und war fast doppelt so breit. Immerhin konnte Alex mit seinem schönen Gesicht punkten, sonst hätte Mo ihm alle Frauen weggeschnappt und Alex’ Auswahl wäre auf die restlichen Geschlechter zusammengeschrumpft.
War es wirklich schon acht Jahre her, dass der schlaksige Mo auf ihrer Türschwelle aufgetaucht war? Mos Eltern kamen aus einem anderen Quartier, aber seine Fähigkeiten und ein Austauschprogramm unter den Quartieren hatten ihm zu einem Platz an der Magi-Schule der Innenstadt verholfen. Die Zentralregierung wollte, dass sich Verbindungen zwischen den Quartieren bildeten. Alex’ Eltern fanden das vulgär, hatten Mo jedoch trotzdem aufgenommen, als die Regierung sie darum gebeten hatte. Sobald Mo aber alt genug gewesen war, allein zu wohnen, hatten sie ihn in eine eigene kleine Wohnung ausquartiert. Aber nach durchzechten Nächten wachten sie oft wie früher nebeneinander auf.
Mo gähnte ausgiebig. »Keine Ahnung, was nach den nackten Ladys kam, Braca. Aber dann muss es ein guter Abend gewesen sein.«
Alex lachte. »Bis zum ›Glänzenden Gerald‹ ist noch alles klar.«
»Dann hast du den Stripclub verpasst!« Mo jaulte theatralisch auf. »Wie wir da rausgekommen sind, weiß ich allerdings auch nicht mehr.«
Alex rümpfte die Nase. Sein Kontostand, den er über seinen BioLink abrief, verriet ihm, dass er nicht wenige Credits in dem Club gelassen hatte. Im Grunde kein Problem, die Angestellten dort brauchten es bestimmt dringender als er. Aber er wollte sich schon an die Party erinnern. Nächstes Mal weniger Tregg …
Dieser Gedanke versetzte ihm einen Stich. Würde es überhaupt ein nächstes Mal geben? Sobald die Verlobung mit Sianna feststand, zog sich die Schlinge um seinen Hals zu. Er konnte das Halsband schon förmlich an seiner Kehle spüren.
Brüderlich legte Mo ihm die Hand auf die Schulter. »Das war eine super Nacht, Braca.«
Traurig lächelte Alex ihn an. »Ich kann nicht glauben, dass es vorbei sein soll. Du bist doch mein Braca, mein Bruder. Mehr als alle meine drei echten Brüder zusammen.«
»Wir werden schon eine Möglichkeit finden, wieder um die Häuser zu ziehen.«
Alex ließ die Schultern hängen. Wenn er da nur auch so optimistisch sein könnte. Ein kleines Pling erinnerte ihn daran, dass seine Verabredung mit Sianna kurz bevorstand. »Danke für gestern Abend, Mo. Es war großartig und mehr als würdig für einen Auftakt zum Zwanzigsten. Aber jetzt musst du verschwinden.«
Auch wenn sie Mo damals aufgenommen hatten – gezwungenermaßen – heute würden Alex’ Eltern ihn garantiert nicht mehr zum Frühstück einladen. In ihren Augen hatten sie die Aufgabe der Regierung erfüllt, sobald er fähig war, allein zu wohnen.
»Kann ich nicht einfach bis zur Party hierbleiben?«, fragte Mo mit dem Kopf in den Händen.
»Ich wünschte, das ginge. Aber Sianna kommt nachher und ich kann keine Zuschauer gebrauchen.«
Mo grinste und boxte ihn in die Seite. »Braca! Machst du den Sack endlich zu? Selbst ich hab schon ne dicke Hose davon bekommen, euch dauernd nur beim Rumtänzeln zuzugucken.«
Alex schlug mit einem T-Shirt nach ihm. »Es hat genau so lange gedauert, wie es musste. Ich erwarte nicht, dass du diese Kunst verstehst.«
Mo lachte rau. »Ja ja, Alex, der Künstler.«
Alex biss die Zähne zusammen. »Und außerdem kommt sie auf Einladung meiner Mutter.«
Mit einem Schlag wurde Mos Miene ernst. »Spam. Jetzt schon?«
Alex zuckte nur mit den Schultern.
»Haaa, du bist einfach zu vertrasht talentiert. Ich schätze, das bedeutet, dass das wirklich unser letzter Abend war.«
Obwohl Alex gerade noch denselben Gedanken gehabt hatte, war er nicht bereit, ihn laut auszusprechen. »Nein! Es ist nur eine Einladung. Ich lass mich bestimmt nicht kontrollieren. Mir muss nur ein anderer Plan einfallen, der Adea genauso zufriedenstellt.«
Mo grunzte. »Dann solltest du dich damit beeilen. Und lass es nicht an Sianna aus, sie ist viel zu gut für dich.«
»Das weiß ich«, schimpfte Alex gereizt zurück.
Sianna war die Letzte, die etwas für seine Situation konnte. Und unter anderen Umständen wäre er wohl froh, sie an seiner Seite zu haben. Und das würde er am Ende auch sein. Er musste nur einen Weg finden, die lauernden Augen seiner Mutter loszuwerden.
Mo zog sich seine Hose über. »Ich hol mir noch was zu beißen, bevor ich abhaue.«
Alex schnaubte. »Wenn Abby hier irgendwo ist, bekommst du wahrscheinlich ein ganzes Mittagessen.«
»Auf dein Schwesterchen ist Verlass.« Er schlug sich auf die Brust. »Sie hat nen Narren an mir gefressen. Bald bin ich dein Schwager, wirste sehen. Bis nachher.« Und damit verschwand er.
Die Nachrichten von Nicole, seiner Eventplanerin, bestätigten Alex, dass er für seine offizielle Geburtstagsparty heute absolut nichts mehr zu tun hatte. Sie machte ihren Job verspamt gut. Das Gerücht ging um, dass die Regierung ein Auge auf sie geworfen hatte, obwohl sie noch studierte. Wer die Massen begeistern konnte, hatte Macht in Bakkai.
Aber heute musste Alex zuallererst seine Mutter begeistern. Je zufriedener sie mit ihm war, desto höher standen die Chancen, dass er Adea ihre Pläne vielleicht doch noch ausreden konnte. Er und Hotelkettenchef, so ein Spam.
Sein Bauch gurgelte zustimmend. Adea mit leerem Magen gegenüberzutreten, war keine gute Idee, deshalb machte er sich wie Mo erstmal auf die Suche nach etwas Essbarem.
»Alex, ich erwarte, dass du dich heute benimmst.« Mit erhobenem Zeigefinger stand seine Mutter im Esszimmer vor ihm. Obwohl sie einen Kopf kleiner war, schaffte es ihre bloße Erscheinung mit den streng nach hinten gebundenen Haaren und der aufrechten Haltung, ihn einzuschüchtern.
»Ja, ich weiß, was du von mir erwartest.«
»Das heißt nicht, dass du es auch umsetzen wirst. Diese Verbindung zwischen unseren Familien wird sehr wertvoll für uns sein. Sie haben einen tadellosen Ruf und Siannas Gene sind perfekt kompatibel mit deinen.«
Alles in Alex verkrampfte sich. »Das bin ich für dich: ein Zuchthengst?«
»Alexander! Ich verbiete mir diesen Ton. Du weißt, was unsere Gene für Bakkai bedeuten. Fünf Kinder und alle Magi. Das ist …«
» … einzigartig und stellt eine große Verantwortung dar, diese Gene weiterzugeben. Ich weiß, Mutter«, sagte er ergeben.
Die Worte brannten in seiner Kehle. Doch Widerspruch war zwecklos. Bei diesem Thema ging Adea keinerlei Kompromisse ein. Um ihrem prüfenden Blick zu entkommen, ging er zum Wohnzimmer.
Sianna saß bereits auf einem der Sofas. Sie schien Alex’ Eintreten nicht bemerkt zu haben und schaute sich etwas verlegen um. Strähnen ihrer dunklen, seidigen Haare waren ihr aus dem Zopf gerutscht und umspielten das weiche Gesicht. Streifen einer hellgrünen Hautmod schimmerten auf ihren Armen im Kontrast zur sonst dunkelbraunen Haut. Ihr Ärmel knitterte leicht und sie biss sich abwesend auf den vollen Lippen herum. Sie war perfekt unperfekt; außerdem klug, umsichtig und nicht auf den Mund gefallen. Vielleicht würde es mit ihr an seiner Seite leichter werden, Adeas Erwartungen zu erfüllen.
Er trat neben das Sofa. »Hey Sianna.«
»Irgendwie merkwürdig, oder?«, fragte sie grinsend. »Können wir diesen komischen Rahmen einfach vergessen und alles wie immer machen?«
Ein kleines Lachen blubberte aus Alex’ Kehle. »Wegen mir gern.«
Hinter ihm räusperte sich seine Mutter. »Sianna, schön, dass du hier bist, Liebes. Wie geht es Tsisia?«
Alex rollte die Augen, penibel darauf bedacht, Adea den Rücken zuzukehren. Sie hatte wohl nicht vor, ein weniger förmliches Treffen zuzulassen.
»Oh, danke für die Einladung. Meiner Mutter geht es wunderbar und sie lässt Grüße ausrichten.«
Adea setzte sich huldvoll Sianna gegenüber. »Vielen Dank. Alex sei nicht unhöflich und setz dich.«
Er ließ sich neben Sianna sinken, die gleich ein Stück an ihn heranrückte. Ihr Oberschenkel drückte warm gegen Alex’ Bein und die zarte Berührung ihres Arms schickte ihm Gänsehaut über den Rücken.
Seine Mutter schien nichts davon zu bemerken. »Tsisia und ich sind der Meinung, dass ihr beide jetzt alt genug seid, um ebenfalls Verantwortung für die Familien zu übernehmen. Dass ihr bereits Freunde seid, ist eine gute Voraussetzung dafür, dass eine Ehe zwischen euch funktionieren kann. Wir möchten, dass ihr gut darüber nachdenkt, wie die Zukunft für euch beide aussieht.«
Alex rollte wieder mit den Augen, diesmal aber nur innerlich. Bei ihr klang das so, als ob Sianna und er eine Wahl hätten. Weitere Gedanken in diese Richtung wurden allerdings schwer, weil Sianna sich vorbeugte, um die Tasse abzustellen, wobei sie seinen Arm streifte. Er zog sich unwillkürlich am Kragen. War es plötzlich wärmer hier drin? »Das werden wir tun, Mutter.«
»Wir wissen um unsere Verantwortung, Adea«, stimmte Sianna zu.
»Gut.« Adea nickte anmutig.
Die nächste halbe Stunde rauschten ihre Worte nur so an Alex vorbei. Obwohl sie nur neben ihm saß – und das unter den Augen seiner Mutter – schaffte Sianna es, ihn ständig unauffällig, aber äußerst verheißungsvoll zu berühren. Ein Druck von ihrem Oberschenkel hier, ein unschuldiges Rüberbeugen da. Alex’ Gesicht glühte. Siannas Verführung und Adeas Strenge – diese heißkalte Kombination schnürte ihm die Kehle zu.
»Sianna, es freut mich, dass du unser Gast bist. Bitte fühle dich hier ganz wie zuhause. Ich muss zurück an die Arbeit. Aber wir sehen uns heute Abend.« Mit diesen Worten ließ Adea sie endlich allein.
»Puuuh, das war ernst.« Sianna ließ sich nach hinten sinken und warf die Arme locker über die Sofalehne.
Alex musste sich stark zusammenreißen, nicht offen auf ihr vorgestrecktes Dekolletee zu starren. »So ist sie doch immer. Unser Ruf da, die Zukunft hier … Was hältst du davon?«
»Ich glaube, wir sollten das alles einfach ignorieren. Alex, ich mag dich. Und sei ehrlich: Du kannst dich doch im Moment gerade so davon abhalten, auf der Stelle über mich herzufallen.«
Alex hustete in seinen Kaffee. »Was?«
Ihr Lachen drang glockenhell an sein Ohr. Sie beugte sich vor und nahm ihm die Tasse ab. Ihre Hand legte sich warm in seinen Schritt. »Alex, dein Körper ist ehrlicher als du.«
Mit den Fingern drückte er ihr Kinn hoch, damit sie ihn ansah. »Wenn du sowas sagst, solltest du bereit sein, mit den Konsequenzen zu leben«, warnte er sie grinsend.
Unter einem langsamen Augenaufschlag schaute sie zu ihm auf. »Teste mich doch.«
Das war zu viel. Keine Minute länger würde er sich zurückhalten können. Er sprang auf, zog sie mit sich und schleifte sie in sein Zimmer.
Alex beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie. Ihre Lippen sendeten Elektroschocks in sein Hirn. Oh, wie süß dieser erste Kuss schmeckte. Die aufgestaute Energie von Wochen unschuldigen Flirtens schwappte in Wellen durch seine Lenden. Ihre Finger streiften ihm heiß über den Rücken.
So wunderschön und verwegen! Alex’ Herz schlug heftig in seiner Brust, was gut zu dem lustvollen Pochen in seiner Hose passte. Ja, vielleicht war sie genau der Mensch, den er an seiner Seite brauchte, um ein gutes Leben zu führen.
Doch bevor er sich ganz in ihre Präsenz versenken konnte, drückte Sianna ihn von sich weg auf das Bett. Knopf für Knopf öffnete sie ihre Bluse. »Alex, alles Liebe zum Geburtstag.« Sie bescherte ihm sein erstes Geburtstagsgeschenk an diesem Tag.
Mit dem Finger fuhr Alex die grünen Linien auf Siannas weichem, runden Oberschenkel entlang. Die hellen Bahnen lenkten den Blick über ihren gesamten Körper, bis sie sich hie und da zu schnörkeligen Blumen in allen Farben auffaserten.
Sianna streichelte ihm langsam über die Brust. »Du hast gar keine Hautmod.« Ihr Kopf lag perfekt in der Beuge zwischen Alex’ Hals und Schulter. Ihre Lippen kitzelten ihm beim Sprechen das Schlüsselbein. »Da du deine Haare ständig anders trägst, dachte ich, dass du auch damit experimentierst.«
»Nein. Ich mag das nicht. Also bei dir ist es schön«, beeilte er sich zu sagen. »Aber für mich ist das nichts.«
»Warum nicht? Das wäre bestimmt heiß.«
»Mhh, weiß nicht. Mich hat nie etwas so berührt, dass ich ein Bild davon auf der Haut tragen wollte. Das greift mir zu tief in meinen Körper ein.«
»Eine Gesichtskorrektur ist doch viel tiefer als das.«
»Ja, darum habe ich bisher auch nur meine Haare gemoddet.«
Sie setzte sich abrupt auf. »Was? Du willst mir doch nicht erzählen, dass du mit diesem Gesicht geboren wurdest?!«
Er zuckte mit den Schultern. »Doch. Ich mag den Gedanken nicht, etwas an mir unumkehrbar zu verändern. Selbst meine Augenfarbe ist natürlich.«
»Ach, du lügst doch.«
Alex wischte ihren Einwand mit der Hand beiseite. Niemand außerhalb seiner Familie glaubte ihm das mit der Augenfarbe.
Sianna lachte. »Wenigstens vor mir kannst du doch ein Mal dein Image vergessen und die Wahrheit sagen. Du bist selbst Materie-Magi und stehst in der Öffentlichkeit. Wie solltest du der Versuchung widerstehen können, dich zu modden? Tut mir leid, aber bei deinem Aussehen nehm ich dir das einfach nicht ab.«
Hielt sie ihn für einen Lügner? »Glaub, was du willst. Es ist die Wahrheit. Ich kann es mir selbst nicht richtig erklären.«
Siannas Augenbrauen zogen sich misstrauisch zusammen, aber dann entspannte sie sich wieder und floss zurück in seine Arme. »Okay, bleiben wir bei dieser Version. Soll mir recht sein.«
Alex’ Kiefer verkrampften sich.
»Was ist los?« Sie pikste ihn in den Oberschenkel.
»Ach nichts. Es ist nur: Wer ich wirklich bin, ist ganz egal. Im Grunde zählt für andere das Bild, das sie von mir haben.«
»Wow, als Nächstes sagst du noch, dass der Himmel blau ist. Was ist los mit dir? Sonst bist du nicht so tiefschürfend.«
»Vielleicht kommt das von Adeas dauernder Nörgelei in letzter Zeit.« Er löste sich von ihr, richtete sich auf und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. »Sianna, sollten wir nicht doch darüber reden, was wir wegen der Pläne unserer Eltern unternehmen?«
»Ach Alex, warum denn? Müssen wir gleich ein Label drauf packen, wenn wir uns einfach gut verstehen? Sei nicht so verkrampft.«
»Was? Ich bin nicht verkrampft, aber meine Mutter erwartet von mir –«
Sianna schloss seine Lippen mit einem Kuss. »Ich will ganz bestimmt nicht, dass du an deine Mutter denkst, wenn du mit mir im Bett liegst. Komm, es ist Zeit, dass wir uns für die Party fertig machen.«
Er beobachtete, wie sie in seinem Bad verschwand. Warum wollte sie so gar nicht auf das Thema eingehen? Konnte sie wirklich so einfach verdrängen, dass sie nur Figuren in den Plänen ihrer Eltern waren? Alex seufzte und stand ebenfalls auf. Er würde sie morgen danach fragen.
Als sie kurze Zeit später zusammen vor dem Spiegel standen, klatschte Sianna erfreut in die Hände. »Perfekt! Es ist super slick, Ton in Ton zu gehen. Wenn wir zwei in derselben Farbe auftauchen, wissen alle gleich Bescheid. Kannst du das Grün deiner Haare noch ein bisschen dunkler machen? Dann passt es besser zu unseren Klamotten.«
Während er ihrem Wunsch entsprach, konnte Alex nur daran denken, dass seine Mutter einen Auftritt mit dieser Botschaft gutheißen würde. Aber Sianna zuliebe grinste er und gab sich ebenso begeistert wie sie.
Im Wohnzimmer trafen sie nicht wie vermutet auf Alex’ Eltern, dafür stand Andy, sein ältester Bruder, am Fenster und blickte auf die Stadt. Er war genauso klein wie ihre Mutter, nur sehr viel stämmiger. Bis auf die Haarfarbe hatten sie nichts miteinander gemeinsam. Alex wollte direkt wieder umdrehen, aber Andy bemerkte ihr Eintreten.
»Ah, Brüderchen.« In dieses eine Wort legte Andy all die Verachtung, die er für Alex empfand. »Na? Schon aufgeregt? Heute ist dein großer Tag.«
»Was hast du vor?« Alex hatte schon sein ganzes Leben lang unter der Schikane seiner Brüder leiden müssen und spürte genau, wenn Andy etwas im Schilde führte.
»Wirst du frech, wo du plötzlich in Mutters Gunst stehst? Oder macht dich dein Pleasure Girl da mutiger?«, ätzte er mit einem Nicken in Siannas Richtung.
»Lass Sianna da raus. Das Problem hast du mit mir.«
Andy schnaubte. »Problem? Warum sollte ich einen Glitch wie dich als Problem betrachten? So wichtig bist du nicht.«
Sianna trat an Alex’ Seite und funkelte Andy an. »Halt deinen Mund, Bugbrain. Jeder weiß, dass Alex besser ist als du. Du kannst es nur nicht ertragen, dass selbst Adea das inzwischen erkannt hat.«
Andys Gesicht färbte sich tiefrot. Sianna traf genau den Punkt, der seinen ältesten Bruder am meisten stach. Ihre Eltern hatten lange an der veralteten Tradition festgehalten, dass der Erstgeborene das Familienerbe antritt. Eine Position auf die sich Andy sein Leben lang vorbereitet hatte, zumindest, bis sich herausgestellt hatte, dass Alex über viel beeindruckendere Fähigkeiten verfügte. Momentan war nicht mehr sicher, ob Andy oder Alex ihre Nachfolge antreten sollte. Dabei spielte keine Rolle, dass Alex das gar nicht wollte.
Sie hatten schon immer um die Liebe ihrer Eltern buhlen müssen. Lange unterlag Alex dabei. Seit sich das geändert hatte, hielten seine Brüder sich noch weniger in ihrem Spott zurück.
Andys aufgerissener Mund klappte ohne eine Erwiderung zu, als sich sein Blick auf einen Punkt hinter Alex und Sianna richtete.
Ihre Eltern traten ins Wohnzimmer.
»Oh Alex, mein großer Sohn«, sagte sein Vater Lyas wehmütig und trat auf ihn zu. Blass sah er aus, dünne Adern zeichneten sich auf dem Gesicht ab. Als würde er neben Adea einfach verschwinden. Er zupfte ein bisschen an Alex ’ Kleidung herum. »Jetzt ist unser Jüngster auch schon zwanzig Jahre alt. Alles Gute, mein Sohn.«
Er umarmte ihn und küsste ihn auf die Wange. Auch Sianna bekam von ihm Komplimente und eine Umarmung. Adea begnügte sich damit, ihm die Hand auf die Schulter zu legen. Fast schon gefühlsduselig für ihre Verhältnisse. Und der Blick, den sie ihm und Sianna zuwarf, wirkte durchaus zufrieden. Sie nickte ihm anerkennend zu. Offensichtlich hatte er endlich mal etwas richtig gemacht. Gut, wenn er sie mit kleinen Dingen zufriedenstellte, kam sie ihm bei anderen Sachen vielleicht entgegen.
Manchmal wunderte sich Alex, wie sein sanfter Vater und seine kaltherzige Mutter zusammengefunden hatten. Wahrscheinlich ergänzten sie sich in ihrer Verschiedenheit perfekt.
»Dein Geschenk bekommst du nachher auf der Party«, sagte sein Vater noch, bevor sie mit Andy ins Penthouse hinübergingen.
Alex runzelte die Stirn.
»Was ist?«, fragte Sianna.
»Wenn sie mir das Geschenk auf der Party geben, dann muss es etwas Prestigeträchtiges sein. Ansonsten würden sie es nicht vor den Augen der Reporter tun.« Er seufzte. Hatte er seit dem Aufwachen noch was anderes getan? Nun, im Bett mit Sianna waren es immerhin Lustseufzer gewesen.
»Das ist doch gut! Warum ärgerst du dich?«
Er zuckte mit den Schultern. »Was soll ich mit Geschenken? Ich kann mir ohnehin alles herstellen, was sie mir geben könnten.«
Zwar durften die Magi ihre Fähigkeiten nur im Auftrag der Regierung anwenden. Aber Kleinigkeiten wurden kaum geahndet und sein Status als Sturm-Sohn verschaffte ihm auch in diesem Punkt einen viel größeren Handlungsspielraum als gewöhnlichen Magi. Also schuf er sich alles Materielle, was er sich hätte wünschen können, selbst.
Was er sich wirklich wünschte – nämlich die Freiheit, über sein eigenes Leben zu bestimmen – konnte ihm niemand außer seiner Mutter schenken.
»Hör auf, Trübsal zu blasen, das steht dir nicht.« Sie hakte sich bei ihm unter. »Komm, wir gehen jetzt auf deine Party und genießen das Leben!«
Ihm blieb nichts weiter, als ihr zum Penthouse zu folgen. Konnte er mit ihr an seiner Seite glücklich werden? Durchatmen. Er durfte sich jetzt nicht in Gedanken verlieren. Egal, wie sein weiteres Leben aussehen würde, dieser Abend heute war wichtig für ihn. Wenn alles gut lief, markierte diese Party den Auftakt zu mehr Unabhängigkeit. Er musste seinen Ruf stärken und hilfreiche Verbindungen knüpfen. Jede Beziehung bedeutete einen potenziellen Ausweg aus den Fängen des Sturm-Imperiums. Doch dafür musste er seine Rolle gut spielen und die Leute überzeugen, dass er mehr war als ein charmanter Teenager.
Noch konnte er sich entspannen. Die ersten Gäste wimmelten um seine Eltern herum und gehörten zu ihrem üblichen Gefolge. Da war nichts für ihn zu holen.
Mo und Abby winkten sie zu sich an einen Stehtisch hinüber. Vermutlich war Mo zwischendurch überhaupt nicht zuhause gewesen. So wie er grinste, hatte Alex’ Schwester sich gut um ihn gekümmert.
Abby fiel Alex um den Hals. »Alles Gute, kleines Brüderchen.« An Sianna gewandt fuhr sie fort: »Sianna Schätzchen, schön dich zu sehen. Aber hast du dir das auch gut überlegt mit unserem Bettenchecker hier?« Sie kniff Alex in die Wange. »Er mag gut aussehen, aber er kann unausstehlich sein.«
Alex schlug ihre Hand lachend weg. Abby meinte es im Gegensatz zu seinen Brüdern nie wirklich böse.
Sianna legte den Kopf schief und warf Alex einen schmachtenden Blick zu. »Ich kann mich nicht beschweren. Zu mir ist er immer äußerst charmant.«
Alex grinste. Als Jüngster von fünf waren ihm seine Geschwister automatisch immer voraus gewesen. Alles, was er erreichte, hatte einer von ihnen schon vorher geschafft. Zumindest so lange bis er mit knapp neunzehn Jahren zum ersten Mal eine Kreation vollbrachte. Seitdem war er aus dem Schatten seiner Brüder und seiner Schwester herausgetreten. Das bescherte ihm zwar die zweischneidige Aufmerksamkeit seiner Mutter, aber ließ ihn auch erleben, wie gut es sich anfühlte, andere zu beeindrucken. Er konnte gar nicht genug davon bekommen. Siannas anhimmelnder Blick löste genau diesen wohligen Schauer der Genugtuung in seiner Brust aus, den er so liebte. Warum hatten ihre Worte vorhin ihn so irritiert? Sie hatte doch recht. Sie sollten seine Mutter ignorieren und den Augenblick genießen.
Abby lachte. »Na, ihr seid schon zwei Lovebots.« Sie strich den Kragen seines Anzugs glatt. »Genießt den Abend. Ich hab ein Auge auf Andy, ja?«
Alex biss sich auf die Lippen. Sie meinte es gut, konnte Andy aber nichts entgegensetzen. Seine drei Brüder würden die Aufmerksamkeit, die er heute bekam, nicht einfach auf sich sitzen lassen. Andys Stimmung vorhin hatte das nur allzu deutlich gemacht. Alex konnte sie zwischen den Gästen, die das Penthouse nach und nach füllten, aber nirgends entdecken.
Seine Sorgen rückten in den Hintergrund, als sich immer mehr Gäste um sie scharrten, ausschweifend gratulierten und mit ihm anstießen. Alex schwamm selig im Interesse der Menge. Der Druck von seiner Brust verschwand und sein Kopf füllte sich mit prickelndem Alkohol.
»Alles klar?« Nicole trat neben ihn.
»Ja, die Party ist slick. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht in einer halben Stunde schon unter dem Tisch liege. Alle wollen mit mir anstoßen.«
Nicole kicherte. »Kein Problem. Ich sorge dafür, dass mindestens jedes zweite deiner Gläser alkoholfrei ist. Okay?«
Alex nickte dankbar. Den einflussreichen Gästen und den Reportern in der Menge musste er sich unbedingt von seiner besten Seite zeigen.
Andere Partygäste teilten dieses Vorhaben offensichtlich nicht. Im Sturm Palace gab es immer nur das Beste von allem und die Gäste genossen das in vollen Zügen. Bald schon lockerte sich die Stimmung merklich, die Tänze wurden ausgelassener und die Gespräche lauter. Nur die Journalisten verrieten sich dadurch, dass sie immer stiller wurden. Je weniger sie auffielen, desto weniger achteten die Anwesenden auf ihre Worte und Taten. Alex sollte es recht sein. Ein Skandal an diesem Abend würde ihn nur umso mehr zum Stadtgespräch machen und für Andrang bei seiner nächsten Party sorgen.
Alex plauderte, prostete wichtigen Leuten zu und tanzte mit Sianna und seinen Freunden. Er fühlte sich rundum wohl.
Zumindest so lange, bis auf der Treppe zum zweiten Stock des Penthouses plötzlich ein kleiner Tumult entstand. Alex stöhnte unterdrückt, als er seine drei Brüder erblickte. Der Magen rutschte ihm in die Hose. Jetzt musste es so weit sein.
Obwohl sich Adrian und Aaron eine Treppenstufe unter Andy platzierten, waren sie genauso groß wie er auf der höchsten Stufe. Auch mit ihnen teilte Alex nicht viele Gemeinsamkeiten. Sie folgten immer schon Andys Anweisungen und hatten kein gutes Haar an Alex gelassen.
Etwas berührte ihn am Arm. Mo schob sich neben ihn und blickte finster zu den dreien hinauf. Er hatte jahrelang mitbekommen, wie Alex von ihnen drangsaliert worden war. Sein Einzug hatte alles viel erträglicher für Alex gemacht. Auch jetzt stand er Alex wieder bei. Mit Mo an der einen und Sianna an der anderen Seite würde er aushalten, was sie vorhatten.
Dennoch presste Alex die Zähne zusammen, als Andy sein Glas erhob und das Wort ergriff.
»Meine lieben Freunde, wir haben uns hier zusammengefunden, um den zwanzigsten Geburtstag unseres kleinen Bruders Alex zu feiern.« Die Menge jubelte ausgelassen, während Alex den Kopf etwas einzog. Das würde mindestens peinlich für ihn werden. Aber es ging immer am schnellsten vorbei, wenn er es einfach über sich ergehen ließ.
Dass Sianna seinen Arm ergriff und sich anschmiegte, beruhigte seinen Magen und er konnte etwas entspannen. Er war nicht allein.
Andy sprach über den Jubel der Menge hinweg weiter. »Und wir alle wissen, dass unser Alex der Stolz der Familie ist. Ein Kreationsmagi in so jungen Jahren. Sein Gehirn muss wirklich einzigartig sein.« Allen, die ihn weniger gut kannten als Alex, entging der subtile Zorn, der in seinen Worten mitschwang.
»Wirklich einzigartig dämlich«, fiel ihm Aaron ins Wort. »Und das können wir auch beweisen.«
Adrian stand jetzt auf der Galerie im zweiten Stock und ließ einen Screen herausfahren, der den unteren Saal zum Kino machte. »Liebe Anwesende, werdet Zeugen des Lebens von Alex Sturm, dem Bugbrain.«
Der Saal verdunkelte sich und der Screen zeigte Videos aus Alex’ Kindheit und Jugend. Aber natürlich nur die schlimmsten Momente, in denen er sich blamiert hatte bis auf die Knochen,meistens eingefädelt von seinen Brüdern selbst.
»Was?«, fragte Sianna scharf. »Wo haben sie diese Videos her?«
Alex verzog den Mund. »Unsere Eltern haben uns ständig videoüberwachen lassen, weil unsere Gene so wertvoll sind. Aber eigentlich sollten diese Videos ausschließlich von einer KI ausgewertet werden. Irgendwie müssen sie die aus dem System geholt haben.« Stöhnend beobachtete Alex sein jüngeres Ich dabei, wie er stolperte und mit dem Gesicht zwischen den Brüsten einer Hotelangestellten landete. Aaron hatte ihm ein Bein gestellt. Er rieb sich die Stirn, als könnte er sich hinter seiner Hand verstecken.
»Wenigstens sind keine wirklich demütigenden oder intimen Sachen dabei«, versuchte Sianna ihn zu beruhigen.
Er schnaubte. »Aber nicht aus Rücksicht auf mich, sondern weil mein beschädigter Ruf auf sie selbst zurückfallen würde.« Was sie zeigten, schmerzte noch genug.
Natürlich schaute Adea nicht seine Brüder, sondern ihn warnend an. Mach ja keine Szene, schien ihr Blick zu sagen.
Schön. Was wäre er für ein Sturm, wenn er es nicht perfektioniert hätte, gute Miene zu bösem Spiel zu machen? Das beherrschte er wie kein Zweiter. Also lachte er und grämte sich angemessen, damit alle den Scherz für gelungen erachten konnten.
Die Menschen um ihn herum lachten ebenfalls. Ihre wohlwollenden Blicke und ihr Zuprosten verrieten, dass sie es mit ihm und nicht auf seine Kosten taten.
»Siehst du, sie sind auf deiner Seite.« Mo erhob gleichfalls das Glas auf ihn.
»Wahrscheinlich nur, um sich bei mir und meiner Familie einzuschmeicheln.«
»Ihre Motive sind völlig irrelevant«, zischte Sianna unter einem Lächeln für die Menge. »Für Bakkai und deine – unsere – Zukunft zählt nur, was sie offen zur Schau stellen. Und das ist gerade ausschließlich Sympathie für dich.«
Sie hatte recht. Alex interessierte nur, was Sianna und Mo über ihn dachten. Mo stieß ihn grinsend mit dem Ellenbogen an und Sianna schaute gar nicht auf den Screen, sondern nur auf ihn.
»Du bist immer noch der beste Magi und der hübscheste Mann hier. Und das ertragen deine Brüder nicht«, flüsterte sie ihm zu, als die Menge nach Ende des Films johlte und applaudierte.
Mit diesen Worten hatte sie den Kern des Problems erfasst. Aber diese Überlegungen durfte er sich hier natürlich nicht anmerken lassen. Die Sturms mussten nach außen wie eine geschlossene Front auftreten, damit niemand ihren Ruf und ihre Macht gefährden konnte. Deswegen sprintete Alex jetzt mit breitem Grinsen auf die Treppe und umarmte seine Brüder stürmisch.
Andys Lächeln wurde bei der erzwungenen Umarmung zu einem Zähnefletschen. »Lass dir den Trubel heute bloß nicht zu Kopf steigen. Bugbrain bleibt Bugbrain«, zischte er Alex ins Ohr.
Alex löste sich mit verkrampftem Kiefer von Andy und umarmte Aaron und Adrian. Die Öffentlichkeit würde nur ihre Herzlichkeit zu sehen bekommen, nicht die Rivalität, die zwischen ihnen herrschte. So lief das in einer Familie nun mal.
Dann endete das Schauspiel und Alex tauchte, gerade so ein Augenrollen unterdrückend, in der Menge unter. Jetzt sollten alle Überraschungen überstanden sein und er konnte den Abend endlich genießen.
Zumindest dachte er das, bis Adea heranrauschte. »Alexander, folge mir. Es gibt einen weiteren Gast zu begrüßen.«
Sianna zuckte zusammen, als Alex ihre Hand ergriff. Er muss etwas fester zugepackt haben, als beabsichtigt.
»Kommst du mit?«
Sie nickte und gemeinsam folgten sie seiner Mutter die Treppe hinauf bis zur Galerie, von der sie in den Partysaal hinunterschauten. Einige Augenblicke passierte gar nichts.
»Was meinst du, wer es ist?«, fragte Sianna in die angespannte Stille.
»Jemand Wichtiges. Hier oben befinden sich außer uns nur Soldaten der Security«, flüsterte Alex mit Blick auf die Gestalten in schwarzer Kleidung.
»Was? Ich sehe keine Uniformen.«
»Sieh genau hin. Sie sind zwar in Zivil gekleidet, aber so auffällig unauffällig, dass ich sie selbst unten in der Menschenmenge sofort erkannt hätte.«
»Woran denn?«
Alex grinste freudlos. »Ich bin schon mein ganzes Leben von Security umgeben. Und das sind keine von unseren. Also müssen sie zu dem Neuankömmling gehören.«
Als wäre das ein Stichwort gewesen, trat eine Gestalt neben sie. Ein Raunen schwappte durch die Menge und direkt in Alex’ Herz. Er war der Gast, den er begrüßen sollte?
Präsident Karn musterte Alex von Kopf bis Fuß. Der verspamte Präsident von Bakkai City tauchte auf seiner Geburtstagsparty auf! Das musste das Geschenk sein, von dem sein Vater vorhin gesprochen hatte. Und was für eines! Die bloße Anwesenheit Karns öffnete ihm alle Türen in Bakkai. Morgen kannte jeder in der Stadt den Namen Alexander Sturm. Wie betäubt stand Alex vor seinem unverhofften Gast und konnte keinen Muskel rühren.
»Junger Sturm«, verkündete Karn volltönend und lächelte. Er schüttelte väterlich Alex’ Hand. »Ich freue mich, dir zu deinem Geburtstag gratulieren zu können. Aber natürlich komme ich nicht mit leeren Händen.«
Im gesamten Saal herrschte Totenstille und keiner der Gäste rührte sich, keiner, außer Karn. Alex’ Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Es ging um nichts Geringeres als den wichtigsten Moment seines bisherigen Lebens. Es musste jetzt alles gelingen.
»Dein Kommen ist Geschenk genug, Präsident. Es ist eine Ehre für mich und meine Familie, den Begründer unserer wunderbaren Heimat hier willkommen heißen zu dürfen.« Sein Unterbewusstsein hatte diese Worte ausgespuckt, bevor er aktiv darüber nachdenken konnte. Er schickte einen stummen Dank an seine Mutter und ihre endlosen Lektionen zum angemessenen gesellschaftlichen Umgang.