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14 Männer in 14 Tagen.
Vic war noch nie ein Kind von Traurigkeit, aber – oh boy – 14 Typen hintereinander?
Schuld daran ist Fabian, ihr bester Freund. Wieso drückt er eigentlich immer die richtigen Knöpfe? Mistkerl.
Hübscher, liebevoller Mistkerl.
Aber geil ist der Gedanke an eine Sex-Wette schon.
Und ganz vielleicht ist bei den 14 Typen einer dabei, der Vic diese so gar nicht freundschaftlichen Gefühle für Fabian aus dem Hirn vögeln kann …
Exklusive E-Book-Gesamtausgabe
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Fanny G. Remus
THAT
fucking
BET
IMPRESSUM: Fanny Remus, Berlinerschienen im To|Be|Read SchreibkollektivLektorat: Monica Becker (A Novel Unique, anovelunique.com)Korrektorat: Katrin Weißenböck, (Lektorat Heimathafen, lektorat‑heimathafen.at)Cover und Umschlag: Katharina Hoppe (Limes Design, limes‑design.com)E-Book-Formatierung: Stefanie Scheurich (stefaniescheurich.de)www.fannyremus.de, [email protected] + Twitch: @fannyremus, TT: @fannyremus_autorin
Fanny Remus wurde 1988 in Berlin geboren. Seitdem ist sie ihrer Heimat in allen Lebenslagen treu geblieben. Sie liebt es, Geschichten zu erleben, egal ob in Büchern, Filmen, Comics oder Videospielen. Erst mit 32 Jahren begann sie, selbst Romane zu schreiben, hat aber ihre Liebe zum wohlplatzierten Wort bereits mit einem Marketing-Studium zum Beruf gemacht: Sie arbeitet als Marketing Lead in einem Start-Up der HR-Tech-Branche.
Sie veröffentlicht in den Genres Romance und SciFi.
Bereits erschienene Titel:
Die Farbe der Vernunft – eine dystopische Liebesgeschichte, ISBN 978-3754661277
Ein gutes Buch ist kein Zufall und veröffentlichen kann man es nicht allein. Deswegen haben sich im TBR-Kollektiv fünf Autor*innen zusammengeschlossen, um gute Geschichten zu veröffentlichen.
Viele Augen sehen mehr als zwei, fünf Hirne denken besser als eins, fünf Herzen fühlen stärker als eins – dafür steht To|Be|Read.
Auf die Freundschaft und die Liebe. Und guten Sex!
In diesem Buch findest du:
Best Friends to Lovers
Sex‑Wette
Explizite Erotik
Queerer Love Interest
Großstadtleben
Miscommunication
Aber auch:
Diskriminierung aufgrund der Sexualität
Sexuelle Belästigung
Untreue
Bodyshaming
Kinky Play mit männlicher Dominanz und Demütigung
Bitte sei vorsichtig, wenn du dich unwohl damit fühlst.
Diese Augen. Diese gottverdammten braunen, wunderschönen Scheißaugen.
»Cheers!«, sage ich.
Wir sitzen uns in einem schicken Lokal gegenüber. Wie immer hat er darauf bestanden, die Location auszusuchen. Wie jeden Mittwoch. Mittwoch ist Fabian‑Tag.
»Prost, Vic!« Seine starke Hand umfasst leicht das Glas, das er mir entgegenstreckt.
Wenn er meinen Hals mal so …
Solange ich die Nase in mein Weinglas stecke, kann ich wenigstens woanders hingucken als in sein makelloses Gesicht. Es ist, als wäre ich auf ihn geprägt wie ein unerfahrenes Entenküken.
Er lächelt. »Kannst du dir vorstellen, dass wir uns heute auf den Tag genau zwanzig Jahre kennen? Der elfjährige kleine Fabian mit zu großer Jacke wäre begeistert, wenn er das damals gewusst hätte.«
»Ha! Du bist alt.«
Fabian prustet amüsiert. »Ich hasse es, dich zu enttäuschen, aber du bist genauso alt wie ich.«
»Nghn.«
Er lacht nur wieder.
»Aber ich finde, wir sind beide bloß schöner und schöner geworden«, sage ich grinsend.
»Da kann ich dir uneingeschränkt zustimmen.« Er prostet mir wieder zu.
»Hm, die Kellnerin stimmt da auch schon die ganze Zeit zu. In deinem Fall zumindest.« Die Frau ist auffallend touchy, wenn sie um ihn herumwuselt. Und das liegt ganz bestimmt nicht daran, dass sie mehr Trinkgeld will.
»Das mag sein, aber heute ist unser Abend, Vic.«
Wie ihm mein Name über die Lippen gleitet …
Ich räuspere mich. »Zwanzig Jahre. Wer hätte gedacht, dass es so kommt. Am Anfang konnte ich dich gar nicht leiden.«
»Ich war auch ein ganz schöner Nervsack – verknallt und ahnungslos.« Er lacht das Kribbeln in meinem Bauch aus. »Aber ich bin froh, dass wir Freunde geworden und vor allem, geblieben sind. Beste Freunde!«
Juhu. Ich seufze innerlich und hebe das Glas erneut. »Beste Freunde. Du bist der Mensch, der mich am besten kennt.« Ich bin dankbar für die Freundschaft zu dieser wunderschönen Knalltüte. Aber ›Freunde‹ – zu klein, zu eng für all die Gefühle in meinem Inneren. Ich hole die Kellnerin heran. So viel Nostalgie ertrage ich nicht nüchtern.
Fabian hebt eine Augenbraue. »Du bist ja gut dabei heute.«
»Warum auch nicht?«
»Es ist Mittwoch.«
Ich winke ab. »Aaaach, das bisschen Arbeit. Wir haben nur einmal Zwanzigsten.« Ich mache eine Geste, die das ganze Restaurant mit all den piekfeinen Menschen darin einschließt. »Und wenn du mich schon so schick ausführst, dann will ich das voll auskosten.«
Er fährt sich durch die dunklen Haare. Anders als jetzt, stehen sie nach dem Aufwachen immer ein bisschen ab. Das habe ich schon viel zu lang nicht mehr gesehen.
Er mustert mich. »Hast du deswegen das kleine Schwarze an? Ich dachte, das nimmst du nur, um Männer zu verführen.«
Meine Hand verkrampft sich kurz um das Glas. Zu nah an der Wahrheit. »Ha! Ich kann selbst in einem Kartoffelsack jeden rumkriegen. Und du hast doch auch deine Lieblingsjacke an. Die, ich zitiere, ›so gut zu deinen Augen passt, dass alle schwach werden, egal ob Lady oder Gentleman‹.«
Sein Adamsapfel hüpft beim Lachen auf und ab. »Oder alle dazwischen. Und? Hab ich nicht recht damit?«
Hast du! »Vielleicht.« Ich nehme noch einen Schluck. Die zunehmende Taubheit in meinem Hirn ist mir mehr als willkommen.
Er beugt sich über den Tisch näher zu mir. »Was ist heute los mit dir?«
»Nichts. Was soll sein?«
»Du bist so distanziert.«
Ja, zum Teufel. Das ist der Plan. »Ach, das bildest du dir ein.«
»Bist du sauer, weil ich dir unterstelle, dass du jemanden aufreißen willst, obwohl du mit mir unterwegs bist?«
Ja. »Nein.«
»Dein nervöses Knibbeln sagt mir, dass du es doch bist.« Sein Blick wird ganz weich. »Tut mir leid, so habe ich es nicht gemeint.«
Ugh, ich brauche eine Ablenkung! »Ich hab das Gefühl, dass du auf diesem Thema rumreitest, weil du eigentlich lieber jemanden aufreißen würdest. Wie lange ist dein letzter Fling her? Drei Tage?«
»Hast du mich gerade eine Schlampe genannt?«
Mein Blick schießt zu ihm. »Nein! So … Tut mir leid.«
Er winkt ab. »Schon gut. Du hast ja recht, ich bin kein Kind von Traurigkeit.« Warm legt er seine Hand über meine. »Aber wenn ich mit dir unterwegs bin, dann bin ich mit dir unterwegs.«
Alarm! Gänsehaut. Ich ziehe die Hand weg, als hätte mich ein Elektroschock getroffen. »Ach ja? Da kann ich mich aber an einige gegenteilige Abende erinnern.« Ich bin unfair. Ich weiß. »Hula‑Girl auf der Beach‑Party? Italian Boy auf dem Weihnachtsmarkt? Wallehaar‑Walle bei –«
Ärger blitzt in seinen Augen auf. Und selbst das steht ihm. Gemeiner Mistvogel. »Egal, wie viele du noch aufzählst, das waren alles Gelegenheiten, bei denen du deine Liebhaber schon dabeihattest.«
»Das waren meine Partner, nicht meine Liebhaber.«
»Was auch immer. Langweiler waren sie alle.«
»Ach, ich bin also langweilig? Weil ich nicht durch die Betten hüpfe wie du? Weil ich nicht abhaue, sobald jemand auch nur an das L‑Wort denkt?« Dass sich alles um mich dreht, hilft meiner Fähigkeit zur differenzierten Konversation nicht gerade.
Seine Kiefer mahlen. »Vielleicht?«, spuckt er mir entgegen.
Ich knalle das Glas auf den Tisch. »Schön! Such mir einen Typen aus und ich zeig dir, dass ich auch durch die Betten hüpfen kann.«
»Ein einziger Typ würde das nicht beweisen. Wenn du zwei Wochen lang jeden Tag einen hast, das würde mich beeindrucken.«
Er hätte mir auch gleich ein Messer ins Herz rammen können. »Okay.«
»Okay! Warte … was?«
»Vierzehn Tage, vierzehn Typen. Deal! Danach musst du zurücknehmen, dass ich eine Langweilerin bin.«
»Vic, du kannst nicht –«
»Was kann ich nicht? Glaubst du nicht, dass ich das schaffe? Willst du mich für dich haben, oder was?« Willst du?
»Nein!«
Autsch.
Er reibt sich über das Gesicht. »Boah, bei deinem Sturkopf habe ich eh schon verloren. Nur vierzehn Tage, vierzehn Männer reicht nicht.«
»Soll ich dreißig draus machen?«
Sein Grinsen wirkt böse. So heiß. »Nein. Das würde es nur verlängern, es nicht schwieriger machen. Vierzehn Tage, vierzehn Männer und«, er hebt die Faust und faltet einen Finger nach dem anderen zu seinen Worten auf, »nie zweimal derselbe, nie zweimal auf dieselbe Art aufreißen und du musst immer ein Beweisfoto an mich schicken. Mitternacht bis 23 Uhr 59.«
Das alles macht ihm gar nichts aus! »Deal!«
Eine Sekunde flackert sein Blick. Dann streckt er die Hand aus. »Deal!«
Vielleicht war es mein Blick, der geflackert hat. Ich greife beherzt seine Hand. Zumindest ist das der Plan. Alles, was ich hinbekomme, ist seine Fingerspitzen zu streifen. Beim zweiten Mal gelingt es. »Ab morgen.«
Steifer Schwanz unter Handtuch. Links. Hund im Arm. Links. Kind im Arm. Links. Herrje. Ja, ich will nur jemanden für eine Nacht, aber ich hab ja trotzdem meine Vorlieben.
Aus dem Augenwinkel checke ich, ob ich noch unbeobachtet bin. Kara tippt hinter den Monitoren, Bernards Platz schräg neben mir ist noch leer. Vor der Glasfront unseres Büros ist es ruhig. Dating‑App checken am Arbeitsplatz … Diese Wette macht mich jetzt schon fertig.
Ziehe ich das wirklich durch? 14 Männer, 14 Tage. Zu so was kann mich auch nur Fabian treiben. Ich reibe mir die Stirn. Aber vielleicht ist das genau der Weg, wie ich über ihn hinwegkomme. Und abgesehen davon: Allein der Gedanke an die nächsten zwei Wochen schickt mir eine kribbelige Welle nach der anderen aus dem Unterleib bis in die Fingerspitzen. Ist es dieser Thrill, der ihn dazu treibt, durch die Betten der Stadt zu hüpfen? Das kann ich auch. Vic, welcher Typ soll dein Fuckboy sein?
Wie zur Antwort blitzt sein lächelndes Gesicht vor meinem inneren Auge auf. Gehirn, du oller Verräter. Seufzend schiebe ich das Handy weg.
»Was ist los?« Karas Augen blitzen neugierig über die Monitore.
»Nichts. Viel zu tun.«
»Deine Haare. Irgendwas ist.«
Ich schüttle den Kopf. »Nur ein bisschen zu viel Alkohol gestern. Bin nicht aus dem Bett gekommen und musste mich dann beeilen.«
Kara rollt augenblicklich mit dem Stuhl zur Seite, um mich eindringlich zu mustern. »Ah ja, gestern war Mittwoch. Fabian‑Time. Hat er immer noch keine Freundin?«
»Kara, wie oft noch? Fabian steht nicht auf Beziehungen. Gibs auf.« So wie auch ich das muss.
»Ihn würde ich auch für eine Nacht nehmen.«
Vor meinem inneren Auge schnappe ich mir die Schere und ramme sie ihr in den Fuß. Sei keine Bitch, Vic. Kara ist deine Freundin. »Du bist nicht sein Typ«, sage ich etwas verschnupft.
»Wie? Ich dachte, er hat keinen Typ. Er ist doch – wie heißt das? Pan?«
»Ja, und? Das bedeutet nicht, dass er keine Präferenzen hat.« Ich reibe mir die Schläfen. Meine Kopfschmerzen interessiert das nicht. »Können wir jetzt bitte aufhören, über Fabians Sexleben zu reden? Ich hab zu tun.«
Kara zieht eine Schnute, rollt aber kommentarlos hinter ihren Monitor zurück.
Ich muss arbeiten! Vergiss Fabian, vergiss diese blöde Wette. Zumindest für den Augenblick. Konzentration. Meine Aufmerksamkeit schweift wie von allein durch das Büro mit den drei Schreibtischen und aus dem Fenster über die grauen Hochglanz‑Fassaden der anderen Bürogebäude. Der Mann, der gerade aus dem Café kommt – Anzug, schwarze Haare … Aber dann müsste ich jetzt rennen. Lieber noch mal auf Spark gucken. Mit einem verstohlenen Blick auf Karas Monitorrückseite entsperre ich das Handy.
Geraldo, 29. Schöne Zähne. Er könnte sich vielleicht mal rasieren. Ugh, auf jedem Bild ist eine andere Frau zu sehen. Will er damit harmlos wirken? Verdächtig. Links.
Ali, 33. ›Ob du es glaubst oder nicht, ich bin hier für die Liebe.‹ Möp, ich nicht. Viel Glück, Ali. Links.
Patrick, 29. ›Ich möchte auf deinem Gesicht sitzen.‹ Not my cup of tea. Links. Kann ich Geraldo noch mal sehen?
»Einen wunderschönen guten Morgen!« Bernard schneit überfröhlich ins Büro, rauscht hinter mir entlang und wirft die Tasche auf seinen Schreibtisch.
Schnell drehe ich mein Handy um. Er hat nichts gesehen, oder?
Kara grinst ihn an. »Du bist spät dran. Und gut gelaunt. Laaange Nacht gehaaabt?«
Bernard lacht. »Das geht dich gar nichts an, du biestiges Klatschweib.«
Begeistert reibt Kara sich die Hände. »Uuhh, ich hatte recht. Erzähl mir alles!«
Statt darauf einzugehen, mustert Bernard mich. »Messy Bun, grauer Blazer zu blauer Bluse …« Er beugt sich ein Stück rüber. »Coffee to go und Kaffeetasse? Sieht aus, als ob Vic die interessantere Geschichte hat.«
»Ich wollte es schon aus ihr rausquetschen. Aber allein hab ich es nicht geschafft.«
Im Augenwinkel nehme ich eine Bewegung hinter der Glasfassade unseres Büros wahr. Kara und Bernard recken die Hälse. Das kann nur eines bedeuten.
»El Cheffe im Anmarsch«, bestätigt Bernard meine Vermutung.
Ein Hoch auf Glaswände! Unser Abteilungsleiter Javed hängt sein Sakko über den Stuhl. Sein weißes Hemd spannt an den Oberarmen und eine dunkle Strähne fällt ihm aus dem Zopf in die Stirn. Kara und ich seufzen gleichzeitig.
»Mann, Javed lässt mich meine Sexualität in Frage stellen.« Bernard kratzt sich den Hinterkopf. »Schöner Drecksack.«
Javed streicht sich die Strähne hinter das Ohr.
»Was meint ihr, ist er ein Playboy?«, frage ich.
Bernard schnaubt. »Bei dem Aussehen wäre es eine Verschwendung, wenn nicht.«
»Eines Tages werde ich ihn knacken«, wirft Kara verträumt ein.
Bernard verschränkt die Finger und lässt die Knöchel knirschen. »Aber erst mal haben wir ein anderes Nüsschen zu knacken! Vic, warum hast du deinen Handy‑Screen vor mir versteckt, als ich reinkam?«
Mist. »Hab ich nicht.«
»Äh, genau. Ich verwette meinen Schwanz darauf, dass … Was? Du hast gezuckt!«
Doppel‑Mist. Warum muss er ausgerechnet ›wette‹ sagen? Ich kneife die Lippen zusammen. Jetzt hilft nur noch die Mauer des Schweigens.
»Ah, ah, ah.« Kara steht auf und kommt um unsere Schreibtische herum. »Bernard hat einen Punkt getroffen. Es geht also um einen Schwanz? Wessen?«
Hitze schießt mir ins Gesicht und die Mauer des Schweigens gerät bedrohlich ins Wanken. Ich verliere jede Glaubwürdigkeit, wenn ich ihnen von einer verdammten Sex‑Wette erzähle, die ich wie ein Teenager eingegangen bin. »Ich kann es euch einfach nicht sagen. Habt Gnade!«, flehe ich.
Bernard rückt näher mit seinem Stuhl heran. »Es kann doch kaum schlimmer sein als unsere üblichen Geschichten. Ein peinlicher Sex‑Unfall?«
Kara atmet schneidend ein. »Hast du etwa mit Fabian …«
»Nein!« Leider nicht. »Also ich bin nicht mit ihm im Bett gelandet. Aber irgendwie haben wir uns angezickt, ich war betrunken. Und na ja«, die Wahrheit quillt aus meinem Mund heraus, bevor ich etwas dagegen tun kann, »ich hab vielleicht mit ihm gewettet, dass ich vierzehn Männer in vierzehn Tagen flachlegen kann.«
Schweigen.
Dann prustet Bernard auf einmal los. »Das ist selbst für dich neu. Vierzehn?«
Kara kichert zu seinen Worten.
Ich funkele ihn an. »Denkst du auch, dass ich nicht sexy genug dafür bin?«
Er hebt abwehrend die Hände. »Wenn du nicht meine Kollegin wärst, hätte ich dich schon zehnmal flachgelegt, das weißt du. Ich mach mir nur ein bisschen Sorgen um …«, sein Blick huscht zu meinem Schritt, »deinen Körper.«
Mir brennen die Ohren. Ich verberge das Gesicht hinter den Fingern. »Es ist alles so peinlich.«
Kara streichelt mir die Schulter. »Wie betrunken warst du?«
Ich fahre hoch. »Er hat mich provoziert!«
»Aber kannst du das nicht einfach alles abblasen?«
Ich schnaube. »Und ihm die Genugtuung geben, dass er der geile Stecher ist und ich nur Langweiler aufreiße?«
Bernard zieht eine Augenbraue hoch. »Also quälst du dich durch?«
»Ich hab schon Lust …«
Das Gelächter der beiden schallt durchs Büro direkt in meine Brust hinein, wo es den Knoten auflöst, der sich seit gestern Nacht dort eingenistet hatte.
»Nee, links. Der sieht creepy aus.« Kara hängt mir über der Schulter.
Kurz schiele ich zu den Frauen am Nebentisch. Aber das Café ist voll genug, dass unsere Stimmen im allgemeinen Raunen untergehen. Gut. Muss ja nicht jeder gleich mitbekommen, dass meine Kollegen in der Mittagspause ein Fuck‑Date für mich aussuchen.
»Ladys, lasst mal den Fachmann ran.« Bernard quetscht sich zu uns auf die Sitzbank und wischt sich den Mund mit einer Serviette ab. »Nein. Nein. Nein. Auf keinen Fall!«
»Hey, der sah doch nett aus!«, protestiere ich.
»Eben. Viel zu nett, um wahr zu sein. Glaub mir, es braucht einen Fuckboy, um einen Fuckboy zu erkennen. Aha! Davide, 34. Bingo, ein Match!« Er wischt nach rechts.
»Hey, du …« Weiter komme ich nicht, weil das Handy direkt vibriert. Eine Nachricht von Davide.
Bernard grinst selbstgefällig. »Na los, mach ihn klar!«
Grummelnd öffne ich die Inbox. Blondes, strubbeliges Haar, Dreitagebart, nettes Lächeln. Na gut, könnte sein, dass Bernard eine gute Auswahl getroffen hat.
Hey VicSchön dich zu matchen.Lust auf einen Drink heute Abend?
»Wow.« Ich lese die Nachricht vor. »Er weiß sich zu benehmen und kommt gleich zur Sache.«
»Ich sag doch, dass ich ein Fachmann bin.« Bernard streckt zufrieden die Beine aus.
Ich mache mit Davide ein Treffen in der Sky Bar des Carve Hotels aus.
»Ui, das Carve«, sagt Kara. »Ein Mann mit Geschmack.«
Bernard lacht. »Na klar, er hat sich ja auch Vic ausgesucht. Na, dann such dir mal ein neckisches Höschen aus für Mann Nummer eins.«
Kara wird plötzlich ernst. »Und nicht nur Höschen, Vic. Wenn du wirklich vorhast, in so kurzer Zeit mit vierzehn Männern zu schlafen, ist Verhütung noch wichtiger als eh schon.«
Ich schnaube. »Natürlich. Ohne Kondom geht nichts.«
»Auch für Blow Jobs.« Sie erhebt mahnend den Zeigefinger. »Und für den Fall, dass der Typ mit dem Mund ran will, solltest du auch Lecktücher besorgen.«
»Kara!« Bernard starrt sie grinsend an. »Heißt du zufällig Sommer mit Nachnamen? Ich wusste ja gar nicht, dass du so ein Profi bist.«
Karas Wangen färben sich rot. »Ich hab auch so meine Erfahrungen mit Frauen.«
Bernard stöhnt unterdrückt. »Gosh, Frau. Wir sind hier beim Mittag! Reib mich doch nicht so auf.«
Ich lache und scheuche ihn von der Bank. »Behalt deine Fantasien für dich. Kara hat recht – bei so einer Wette bin ich besser safe than sorry.«
Sie nickt bestimmt. Täusche ich mich oder weicht sie Bernards Blick dabei aus?
»Ja, schon klar«, lenkt Bernard lachend ein. »Dann such ein Höschen und ein Tüchlein aus für Mann Nummer eins.«
Mit klopfendem Herzen male ich meine Lippen rot an. Seufzend betrachte ich mich im Badezimmerspiegel. Was ist los? Wie ein Teenager vor dem ersten Date. Reiß dich zusammen, Vic.
Das scheppernde Vibrieren des Handys auf dem Waschbeckenrand lässt mich so sehr zusammenzucken, dass ich den Lippenstift übers Kinn schmiere. Der Screen leuchtet auf – Fabians Profilbild.
Cookie, du musst das echt nicht machen, weißt du? Ich war irgendwie schlecht drauf gestern Abend.
Ha, den Schwanz einziehen? Niemals. Außerdem wartet Davide schon auf mich.
Davide … Ist der auch kein Arsch?
Das werde ich herausfinden. Bernard hat ihn ausgesucht. Und für heute Abend ist erst mal wichtiger, dass er einen Arsch hat. Hoffentlich einen knackigen.
Ich grinse in mich hinein. Den hat er verdient. Meine Hände zittern nicht mehr und ich trage den Lippenstift erfolgreich auf.
Wieder ein Aufleuchten.
Wenn irgendwas ist, zieh unsere Notfallnummer durch. Ich bin sofort da. Wo trefft ihr euch?
In der Carve Sky Bar. Vermutlich bleiben wir gleich im Hotel.
Ok. Tu nichts, was ich nicht auch tun würde.
Er würde alles genauso machen wie ich heute Abend. Das ist ja das Problem.
Ich schicke ihm einen Screenshot von Davides Profilbild.
Okay, ja. Da hätte ich auch angebissen.
Finger weg. Ich muss jetzt los.
Ja ja. Sag mir Bescheid, wenn du zu Hause bist.
Ich seufze leise. Du bist doch sowieso der Letzte, dem ich abends schreibe, du Gurke.
Die Hoteltür drückt mir kalt in den Rücken. Im Gegensatz dazu schmiegt sich Davides Körper heiß an mich. Er nimmt mein Gesicht in die Hände und sein Mund spielt sanft mit meiner Unterlippe. Versuchsweise schiebe ich den Kopf nach vorn. Er weicht zurück und streichelt mich nur wieder.
Okay, so dauert das ewig. Ich ziehe ihn weiter ins Zimmer. Langsam knöpfe ich mir die Bluse auf. Auf dem Bett sitzend spreize ich die Beine, damit der enge Rock hochrutscht und den Blick auf mein Höschen freigibt.
Endlich flackert das Feuer in Davides Augen auf. Seine Hose verrät deutlich, dass er angeturnt ist. Am Gürtel ziehe ich ihn zu mir. Zeit, Geschenke auszupacken.
Er bedeckt meine Hände mit Küssen. »No no. Du lehnst dich zurück.« Seine Lippen wandern über meinen Hals auf das Brustbein. Federzart fasst er mich an.
Mit der Unterlippe zwischen den Zähnen werfe ich ihm einen verruchten Blick zu. »Du brauchst nicht so vorsichtig zu sein.«
Versteh es bitte!
»Ich will dich feiern und respektieren.«
Gnaah! »Vergiss darüber nicht, mich zu ficken.«
Davide prustet los. »Du bist so witzig.«
Das war kein Witz!
Ziellos wandert er mit den Lippen weiter über meinen Oberkörper. Ich verdrehe die Augen, aber nicht vor Lust. Okay, dann muss ich den Ofen selbst anschmeißen. Lasziv räkele ich mich auf dem Bett. Mit durchgedrücktem Rücken öffne ich meinen BH und werfe ihn von mir. Davide zieht sein Hemd aus und folgt mir auf die Laken.
Hab ich dich da, wo ich dich haben will.
Ich führe sein Gesicht an den Busen. Wie ein Fisch vorm Köder beißt er an. Seine Zähne spielen mit meinem Nippel, schicken mir ein heißes Zucken in den Unterleib.
»Genau so«, stöhne ich.
Endlich hat er sich seiner Hose entledigt. Auch mein Rock und das Höschen fliegen durch den Raum. Gerade als ich die Hände auf seinen Kopf legen will, um ihn zu meinem Schritt zu führen, richtet er sich auf. Wann hat er sich das Kondom übergezogen? Er hockt zwischen meinen Beinen, mit den Fingern reibt er mir warm über die Klit. Die Überraschung, dass er sie gefunden hat, wird von Wellen der Lust weggespült, die mich endlich feucht machen.
Ich kralle die Hände ins Kissen, als er eindringt und in einen stoßenden Rhythmus verfällt. Erwartungsvoll zieht sich mein Schoß zusammen.
»Härter!«, flehe ich ins Kissen. Ich brauche mehr!
Er folgt meinem Verlangen mit heftigeren Stößen. Funken kribbeln mir die Nervenbahnen entlang. Gezielt spanne ich den Beckenboden an, um ihn weiter zu reizen. Mehr, härter! Mit den Füßen drücke ich seine Lenden an mich heran.
»Vic …«, stöhnt er. »Ich … Ooh.« Sein Gesicht wird leer und er krümmt sich über mir. Dann erschlafft er und rollt von mir herunter.
Äh, was? Schnaufend liegt er neben mir und zieht das Kondom ab.
»Wow, du bist so … fordernd, Vic. Ich bin einfach explodiert. Beim nächsten Mal halte ich länger durch, versprochen.«
Beim nächsten Mal? Was ist mit jetzt? »Aber es muss doch nicht vorbei sein. Ich bin ja gar nicht auf meine Kosten gekommen.«
Er tätschelt mir die Hand. »Sei mir nicht böse, Babe. Aber ich hatte einen anstrengenden Tag.«
Ein Schlag mit dem Kissen in mein Gesicht hätte dieselbe Wirkung gehabt. »Und was ist damit, dass du mich feiern willst?«
»Nicht sauer sein. Ich mach’s wieder gut.« Er drückt mir einen Schmatzer auf den Handrücken.
Nicht dass du jemals die Chance dazu bekommst, Dude. Das Handy zeigt, dass es erst zehn ist. Ich könnte also locker nach Hause fahren. Aber zuerst muss ich ein Foto für Fabian machen. Mit dem Telefon in der Hand setze ich mich wieder aufs Bett. Kamera ausrichten … Sein Gesicht nicht drauf, der Arsch schon. Ich mache das Victory‑Zeichen und drücke ab. Fertig.
»War ich so gut, dass du ein Foto machen musstest?«
Träum weiter.
Davide legt das Kinn auf meine Schulter. »Wow, wer ist das denn?«, fragt er mit Blick auf den Screen.
»Das ist mein bester Freund.«
»Na dann hoff ich mal, dass er ’ne Schwuppe ist, sonst bekomm ich noch Komplexe.« Er lacht dreckig.
»Was?« Ich schieße hoch und bringe einen Schritt Abstand zwischen uns.
»Na, ’ne Tunte. Er steht auf Popo‑Sex.« Davide knickt demonstrativ ein Handgelenk ab und kichert.
»Wow. Wie viele diskriminierende Vorurteile kann man in zwei Sätze packen?! Seine Sexualität geht dich nichts an.« So schnell ich kann, klaube ich meine Klamotten vom Boden auf und ziehe mich an.
»Was ist denn los, Vic? Komm schon, sei nicht so.«
Ich halte inne. »Wie ›so‹?«
»Bist du etwa so ein woker Justice‑Warrior?« Er lacht. »Du warst den ganzen Abend so locker, da wirst du doch ein bisschen Spaß vertragen.«
»Diskriminierung ist also Spaß für dich?«
»Oah, nicht auch noch Politik. Bist du wirklich so eine?«
Ich massiere mir die Stirn. »Bitte sag einfach nichts mehr und lass es mich nicht bereuen, dass ich mit dir geschlafen habe. Schon ohne Worte wird das ein hartes Stück Arbeit.«
»Hä?«
»Nein, auch keine Laute. Ich zieh mich an, dann bin ich weg.«
Er greift nach meinem Arm. »Hey, Babe, hab dich nicht so. Vergiss das Thema einfach und lass uns noch ein bisschen kuscheln.«
Angeekelt entziehe ich ihm die Hand. »Nein danke, kein Bedarf. Gute Nacht.«
Ich bin schon an der Tür, da ruft er: »Ich hab deine Nummer nicht.«
»Genau!«
Knallend fällt die Tür hinter mir ins Schloss.
Ich seufze und der Taxifahrer betrachtet mich über den Rückspiegel.
»Harter Abend?«
Ich winke ab. »Hm. Ich frage mich nur, ob ich das Richtige tue.«
Der Fahrer lacht. »Das weiß man immer erst hinterher.«
»Das befürchte ich auch.«
Beleuchtete Schaufenster und flanierende Menschen huschen am Autofenster vorbei.
Bin im Taxi auf dem Weg nach Hause.
Alles gut? Soll ich irgendwo hinkommen?
Meine Brust glüht warm bei Fabians Antwort. Ich beiße mir auf die Lippe. Dann schicke ich ihm das Foto mit Davides Hintern.
Nein, alles gut. Er war sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll …
Mehr muss er nicht wissen. Fabian muss sich schon genug Scheiße anhören wegen seiner Sexualität.
Lol. Also Lame Guy? Aber bei dem Arsch hätte ich wohl auch mal zugepackt.
Ich muss lachen. Unsere Vertrautheit quillt aus diesen wenigen Zeilen direkt in mein Herz.
Ja, Lame Guy trifft es. Leider war sein Arsch seine einzige Qualität.
Fabian schreibt …
»Wir sind da.« Die Worte des Fahrers reißen mich vom Screen los.
In meiner Wohnung angekommen, ist keine neue Nachricht von Fabian da. Fabian schreibt … Was tippt er so lang?
Als ich aus der Dusche steige, erscheint sein Profilbild immer noch nicht auf dem Display. Ein kleiner Schmetterling in meinem Inneren streckt vorsichtig den Flügel aus. Braucht er so lang, weil …? Nein, solche Gedanken darf ich gar nicht erst zulassen. Rigoros tippe ich nun meinerseits.
Ich bin zuhause und gehe gleich ins Bett. Aber: 1 von 14 – check. Ich gewinne diese Wette!
Fabian schreibt …
Schlaf gut, Cookie.
Schlaf gut? Das wars? Die App zeigt, dass er offline ist.
Der lange Wohnungsflur liegt dunkel und kalt vor mir. Das Rauschen der Badlüftung erscheint mir wie ein Platzhalter für das Leben, das hier wohnen sollte. Ich flüchte ins Schlafzimmer und kuschle mich in mein Kingsizebett, das eigentlich viel zu groß für eine Person ist.
Ich werde diese Wette gewinnen.
»Ohh, dieses Shirt steht ihm gut.« Kara seufzt und schielt unauffällig in Javeds Büro.
Ich verfluche dich, Casual Friday. »Vielleicht sollte ich ihn zur Nummer zwei machen.« Mir wird heiß unter Karas und Bernards grinsenden Mienen. »Hab ich das laut gesagt?«
»Hast du«, sagt Bernard. »Laut und deutlich. Aber das solltest du lieber ihm sagen.«
Kara wiehert los. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das Angebot gern annehmen würde. Aber er hat doch einen Stock im Arsch.«
Bernards Gesicht leuchtet bei ihren Worten auf.
»Bernard, nein! Aus!«, rufe ich sofort, aber …
»Frag ihn doch, ob er dir seinen Stock in den Arsch steckt.«
»Ugh, ehrlich. Wie alt bist du?« Ich winke ab. »Vergiss die Frage. Selbst dein Teenager‑Ich würde sich jetzt für dich schämen.«
»Der kleine Wichser? Der wäre stolz auf mich!«
»Uhh, er kommt her«, warnt Kara.
Javed steckt den Kopf ins Büro. »Victoria, Donnerstag ist das Meeting mit Hollow Publishing. Wir pitchen die neue Kampagne. Ich will dich dabeihaben. Du bist up to date?«
»Ja, ich bin im Projekt‑Team.«
Er nickt. »Sehr gut. Dann stell uns Dienstag ein Meeting ein und wir gehen die Struktur durch.«
»Alles klar.«
Als die Tür hinter ihm zufällt, prusten Kara und Bernard synchron los.
Ich stöhne auf. »Sagt einfach nichts.«
»Ich bin sicher, dass er dich nicht – wie war das?« Bernard legt die Stirn in Falten. »… ›feiern und respektieren‹ will. Ich denke, er hat es echt drauf.«
Das Lachen platzt aus mir heraus, bevor ich es verhindern kann. Ja, ein zweiter Davide wäre Javed sicher nicht. Aber mein Chef …? Ich spähe vorsichtig in sein Büro. Und blicke direkt in seine Augen. Er zwinkert mir zu und wendet sich wieder dem Bildschirm zu. Mir wird plötzlich heiß und ich starre auf meinen eigenen Monitor, ohne wirklich etwas zu sehen. Hat er was gehört?
»Ich weiß nicht, ob diese Wette eine gute Idee ist.«
Kara macht große Augen. »Waaas? Du wolltest es Fabian doch beweisen!«
»Und mit Verlaub, Vic«, sagt Bernard. »Du gehst doch ab bei dem Gedanken an vierzehn Mal Sex in vierzehn Tagen.