Parker heizt dem "Bäcker" ein - Günter Dönges - E-Book

Parker heizt dem "Bäcker" ein E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker schob sich unauffällig zwischen die Halbwüchsigen und sah, daß der schlaksige junge Mann Gebäck verteilte, das sich großer Beliebtheit zu erfreuen schien. Die Zehn- bis Vierzehnjährigen rissen sich darum. Der Butler zog sich diskret zurück und informierte seine Herrin. »Gebäck, Mister Parker?« überlegte sie. »Wenn ich es recht bedenke, könnte ich vor dem Lunch durchaus noch eine Kleinigkeit vertragen. Besorgen Sie mir etwas.« Der Butler tat wie geheißen. »Könnte man möglicherweise ein Stück Gebäck käuflich erwerben?« erkundigte er sich bei einem jungen Mädchen, das gleich mehrere erbeutet hatte und sich gerade aus der Menschenmenge zurückziehen wollte. Die junge Dame verfügte bereits über ausgeprägte weibliche Formen und betonte diese noch durch aufreizende Kleidung. Sie musterte den Butler spöttisch und schüttelte den Kopf. »Nichts da, Opa, bin froh, daß ich meine Wochenration gekriegt habe. Guy kommt nämlich nur einmal die Woche. Du mußt schon selbst zusehen, wie du an das Zeug kommst.« Sie drehte sich um, bestieg ihr Fahrrad und verschwand um die nächste Straßenecke. Die Wortwahl der jungen Dame gab Josuah Parker zu denken. Er schob sich unauffällig nach vorn zu dem freigebigen jungen Mann und schaffte es schließlich, etwas von dem Gebäck zu bekommen. Einen Moment später jedoch bemerkte der edle Spender seinen Irrtum und forderte das Gebäck lautstark zurück. »He, Mann, das ist nichts für Erwachsene, gib' mir die Kekse sofort wieder zurück«

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Der exzellente Butler Parker – 36 –Parker heizt dem "Bäcker" ein

Günter Dönges

Josuah Parker schob sich unauffällig zwischen die Halbwüchsigen und sah, daß der schlaksige junge Mann Gebäck verteilte, das sich großer Beliebtheit zu erfreuen schien. Die Zehn- bis Vierzehnjährigen rissen sich darum.

Der Butler zog sich diskret zurück und informierte seine Herrin.

»Gebäck, Mister Parker?« überlegte sie. »Wenn ich es recht bedenke, könnte ich vor dem Lunch durchaus noch eine Kleinigkeit vertragen. Besorgen Sie mir etwas.«

Der Butler tat wie geheißen. »Könnte man möglicherweise ein Stück Gebäck käuflich erwerben?« erkundigte er sich bei einem jungen Mädchen, das gleich mehrere erbeutet hatte und sich gerade aus der Menschenmenge zurückziehen wollte. Die junge Dame verfügte bereits über ausgeprägte weibliche Formen und betonte diese noch durch aufreizende Kleidung. Sie musterte den Butler spöttisch und schüttelte den Kopf.

»Nichts da, Opa, bin froh, daß ich meine Wochenration gekriegt habe. Guy kommt nämlich nur einmal die Woche. Du mußt schon selbst zusehen, wie du an das Zeug kommst.« Sie drehte sich um, bestieg ihr Fahrrad und verschwand um die nächste Straßenecke.

Die Wortwahl der jungen Dame gab Josuah Parker zu denken.

Er schob sich unauffällig nach vorn zu dem freigebigen jungen Mann und schaffte es schließlich, etwas von dem Gebäck zu bekommen. Einen Moment später jedoch bemerkte der edle Spender seinen Irrtum und forderte das Gebäck lautstark zurück.

»He, Mann, das ist nichts für Erwachsene, gib’ mir die Kekse sofort wieder zurück«, forderte er und streckte die Hand aus.

»Man ist durchaus bereit, dafür einen gewissen Obulus zu entrichten«, bemerkte Parker. »Jede Ware hat schließlich ihren Preis, wie man sehr wohl weiß.«

»Sitzt nicht drin, Mann, wirklich nicht«, beteuerte der Schlaksige und schüttelte bedauernd den Kopf. »Das hier is’ ’ne Werbeaktion, die sich ausschließlich an Kinder wendet. Wenn ich das Zeug nicht samt und sonders an die Gören verteile, krieg’ ich mächtigen Ärger mit dem Boß, klar?«

»Durchaus, Sir«, zeigte Parker Einsicht in die Lage des Mannes. »Dennoch dürften zwei anderweitig vergebene Exemplare nicht weiter auffallen. Man geht davon aus, daß ein Pfund der angemessene Gegenwert darstellt.« Der Butler ließ eine Pfundnote in den Korb des jungen Mannes fallen, lüftete grüßend die Melone und begab sich zurück zu Agatha Simpson, die bereits ungeduldig wartete.

»Das hat aber lange gedauert, Mister Parker«, grollte sie und musterte begehrlich das Gebäck. »Ich dachte schon, Sie kämen heute nicht mehr.«

»Meine bescheidene Wenigkeit mußte erst ein klärendes Gespräch mit dem Verteiler der Backwaren führen, Mylady«, entschuldigte sich Parker. »Er zeigte sich zunächst nicht sonderlich geneigt, etwas von seiner Ware abzugeben.«

»Sehr seltsam«, überlegte sie und runzelte nachdenklich die Stirn. »Wo er sie doch sowieso anscheinend verschenkt, nicht wahr?«

»Dem ist in der Tat so, Mylady. Aber aus bisher noch ungeklärten Gründen legt er Wert darauf, daß sein Backwerk ausschließlich in die Hände jener Kinder dort gelangt und nicht in die von Erwachsenen.«

»Das verstehe ich nicht, Mister Parker.«

»Hinzu kommt, daß man Gelegenheit hatte, ein recht interessantes Gespräch mit einer jungen Dame zu führen«, berichtete Parker weiter. »Die Ausdrucksweise stimmte meine bescheidene Wenigkeit außerordentlich nachdenklich.«

»Darüber können wir uns unterwegs unterhalten«, meinte die Lady und streckte ihre Hand aus. »Zunächst werde ich das Gebäck probieren, Mister Parker, ich möchte herausfinden, warum sich die Kinder dort förmlich darum prügeln.«

»Mylady sollten auf den Genuß verzichten«, riet Josuah Parker höflich. »Dieses Backwerk enthält möglicherweise Bestandteile, die man als irregulär und gesundheitsschädigend bezeichnen muß«, wurde er deutlicher.

»Was wollen Sie damit sagen, Mister Parker?« Lady Agatha blieb stehen und blickte ihn gereizt an. »Kommen Sie bitte zur Sache, oder geben Sie mir die Kekse«, forderte sie und streckte erneut eine Hand aus.

»Man sollte das Gebäck in einem Lebensmittellabor untersuchen lassen«, schlug der Butler vor. »Myladys Verdacht dürfte sich dann mit Sicherheit bestätigen.«

»Ich habe einen Verdacht?« wunderte sie sich, um anschließend heftig zu nicken. »Gleich als ich die Kinderversammlung sah, wußte ich, daß da etwas nicht stimmt«, behauptete sie ungeniert. »Intuition, Mister Parker, das ist es, worauf es im Leben ankommt. Und was habe ich nun für einen Verdacht?«

»Mylady vermuten in diesem Backwerk möglicherweise rauschfördernde Mittel«, riet Parker.

»Aber Mister Parker, das glauben Sie doch wohl selbst nicht.« Agatha Simpson sah den Butler empört an und blickte in Richtung der sich inzwischen auflösenden Versammlung. »Ihre Phantasie geht mit Ihnen durch, Mister Parker. Sie vergessen, daß das dort Halbwüchsige sind und die Kekse vor einer Schule verteilt werden.«

»Gerade deshalb ist der Verdacht so naheliegend, wie Mylady bereits andeuteten«, gab Parker gemessen zurück. »Man scheint durch Gratisproben einen zukünftigen Kundenkreis für härtere und vor allem kostspieligere Drogen aufbauen zu wollen.«

»Wenn das zutreffen sollte, werden mich diese Gangster kennenlernen«, versprach die Lady und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Wo kommen wir denn hin, wenn die Drogenstrolche aber auch vor nichts haltmachen.«

*

Bevor sie das hochbeinige Monstrum erreichten, passierte es. Die beiden jungen Männer erreichten Lady Agatha und Josuah Parker und stellten sich ihnen in den Weg. Sie hielten Stahlruten in den Händen und hatten ganz offensichtlich die Absicht, diese auch zu gebrauchen.

»Sie haben die erklärte Absicht, uns mit diesen Instrumenten körperliche Pein zuzufügen?« vergewisserte sich Parker höflich.

Der kleinere der beiden Schläger blinzelte seinen Partner verwirrt an und dachte angestrengt über den Sinn von Parkers Satz nach. Dann ging der ihm plötzlich auf, und er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Mann, du hast aber ’ne Art, dich auszudrücken«, sagte er fast bewundernd und schüttelte den Kopf. »Wenn wir mit euch fertig sind, wirst du allerdings die nächste Zeit verdammt schlecht sprechen.«

»Es ist möglicherweise kein Zufall, daß Sie uns als Opfer ausersehen haben?« vermutete Parker.

»Ihr gefallt uns nicht«, stellte der größere Mann klar. »Außerdem habt ihr da was, was wir gern zurück hätten.«

»Sie sprechen sicher von jenem Gebäck, das zu erhalten man in der erfreulichen Lage war?«

»Das war mit Sicherheit nicht erfreulich, und schon gar nicht für euch«, stellte der kleinere Mann richtig. »Und das werden wir euch jetzt mal deutlich zeigen.« Er hob den Arm, ließ die Stahlrute durch die Luft zischen und sprang gleichzeitig vor.

Parker hatte den Angriff vorausgesehen und war blitzschnell zu Seite getreten.

Die Stahlrute sauste vorbei. Ihr Besitzer wurde durch den eigenen Schwung nach vorn gerissen. Dann senkte sich der bleigefüllte Bambusgriff von Parkers Universal-Regenschirm auf seinen Hinterkopf. Der Getroffene stöhnte laut, ließ sein Schlaginstrument fallen und legte sich einen Moment später auf den Boden.

Sein Partner hatte sich inzwischen auf Lady Agatha konzentriert und ging davon aus, daß er einer alten Frau gegenüberstand, von der mit Sicherheit keine Schwierigkeiten zu erwarten waren. Doch er hatte sich verkalkuliert.

Lady Agatha hob ihren rechten Fuß vor, holte kurz Schwung und trat kräftig gegen das Schienbein des Mannes. Aus Gründen der Symmetrie wiederholte sie das Manöver einen Augenblick später und widmete sich diesmal dem anderen Bein.

Der solcherart Attraktierte zeigte sich äußerst beeindruckt und ließ seine Stahlrute fallen. Er umspannte mit beiden Händen die lädierten Schienbeine und massierte sie heftig.

Die ältere Dame löste den Handbeutel von ihrem Unterarm, hob ihn ein wenig an und ließ ihn dann auf den üppig behaarten Kopf des jungen Mannes fallen. Der stöhnte nahezu wohlig, knickte in den Knien ein und folgte dem Beispiel seines Partners, der bereits leise vor sich hin schnarchte.

»Der Vormittag fängt ja recht gut an«, freute sich die passionierte Detektivin und rieb sich zufrieden die Hände. »Sehen Sie mal nach, wer die beiden Lümmel sind, Mister Parker.«

Der Butler hatte sich bereits gebückt und war dabei, die Taschen der Schläger mit der Geschicklichkeit eines Profis zu durchsuchen.

Er nahm zwei Pistolen, Schlagringe und Messer sowie zwei Brieftaschen an sich und richtete sich dann wieder auf.

»Man sollte die beiden Herren vielleicht besser anderweitig unterbringen, Mylady«, schlug er vor. »Einige Passanten werden bereits aufmerksam.«

Tatsächlich hatten sich Fußgänger genähert und sahen zu ihnen herüber. Ein älterer Mann löste sich aus dieser Gruppe und kam auf kurzen Beinen herangestapft.

»Was’n hier los?« wollte er mit unangenehm klingender Fistelstimme wissen. »Wohl ’n Überfall oder so, was?«

»In der Tat, Sir.« Parker lüftete die Melone und bückte sich erneut, um die beiden Bewußtlosen unter den Achseln zu fassen und vor einem Gebüsch am Bürgersteigrand abzulegen. »Sie machen einen soliden Eindruck, Sir«, fuhr Parker an den Mann mit der Fistelstimme gewandt fort. »Wenn Sie freundlicherweise ein Auge auf die beiden Herren haben würden, würde meine Wenigkeit die Polizei verständigen.«

»Klar doch, Mann, auf mich können Sie sich verlassen.« Der Kleine nickte eifrig und baute sich neben den zweiten Siegern auf. Er blickte grimmig um sich und erweckte den Eindruck eines Mannes, der eine verantwortungsvolle Aufgabe übernommen hat und sich von nichts und niemand daran hindern läßt, sie gewissenhaft zu erfüllen.

Josuah Parker öffnete seiner Herrin den Schlag des in der Nähe stehenden ehemaligen Londoner Taxis und ließ sie einsteigen.

»He, Moment mal, ich denke, Sie wollen die Polizei rufen?« schrie der kleine Mann und gestikulierte wild mit den Armen.

»Man verfügt über Autotelefon«, teilte Parker ihm höflich mit und ließ das hochbeinige Monstrum anrollen.

*

»Aber das ist doch wohl nicht möglich, Mister Parker«, ereiferte sich Kathy Porter, die mit Mike Rander aus der nahegelegenen Kanzlei in der Curzon Street herübergekommen war, nachdem der Butler seinen Bericht beendet hatte.

»Und dennoch ist es so, Kindchen«, nickte Mylady und sah Kathy Porter, die offiziell als ihre Gesellschafterin und Sekretärin fungierte, traurig an. »Zum Glück habe ich sofort erkannt, um was es da ging, als ich die Verteilung der Kekse beobachtete.«

Sie verwechselte wieder souverän den Ablauf der Geschehnisse und war es wieder mal selbst, die dem kriminellen Treiben vor der Schule auf die Spur gekommen war.

»Ich finde es einen Skandal, daß die Strolche jetzt schon Drogen vor Schulen verteilen«, zeigte sich Kathy Porter erschüttert. »Wie kann man nur so skrupellos sein?«

»Manche Individuen schrecken leider vor nichts zurück, Miß Porter«, bedauerte Parker.

»Dem muß umgehend ein Riegel vorgeschoben werden«, bemerkte Mike Rander grimmig. »Solche Leute verdienen keine Rücksicht, ich bestehe darauf, diesen Fall sofort anzugehen.«

»Das trifft natürlich auch auf mich zu«, schloß sich Kathy Porter an. »Die Strolche müssen schnell hinter Schloß und Riegel.«

»Genauso ist es, Miß Porter«, stimmte Parker zu. »Hier heißt es in der Tat, den üblen Anfängen zu wehren.«

»Zum Glück bin ich gerade noch rechtzeitig gekommen«, ließ sich Lady Agatha vernehmen. »Ich werde die Drogenlümmel aufstöbern und den Behörden übergeben.«

»Ganz schön raffiniert eigentlich«, meinte Mike Rander nachdenklich. »Die Kekse sehen relativ harmlos aus. Niemand würde darin etwas so Gefährliches wie Rauschgift vermuten.«

»Ein neuer Trend, der sich hier ankündigt, Sir«, bemerkte Parker. »Es handelt sich hierbei um das sogenannte Crack, dessen Vertrieb in den Vereinigten Staaten bereits seit Monaten im Gange ist und bereits verheerende Folgen zeigt.«

»Davon habe ich einen Bericht im Fernsehen verfolgt«, erinnerte sich die Hausherrin. »Es ist eine Mischung aus Heroin und Gips, nicht wahr?«

»In etwa, Mylady«, stimmte Parker höflich zu. »Man vermischt Backpulver und Kokain zur Grundsubstanz eines neuartigen Teiges und fertigt daraus dieses Gebäck.«

»Einfach scheußlich«, schüttelte sich Mike Rander. »Wer kommt nur auf eine derartige Idee?«

»Diese neue Droge soll doch außerdem recht preiswert sein, oder?« fiel Kathy Porter ein. »Ich meine, ich hätte irgendwo Derartiges gehört.«

»Das macht Crack so besonders gefährlich«, bestätigte Parker. »Der relativ niedere Preis macht es auch für Taschengeldbezieher erschwinglich, so daß hier ein ganz neuer, lukrativer Markt für die Verteiler entstehen dürfte.«

»Den ich aber schnellstens schließen werde.« Lady Agatha nickte heftig und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. »Ich werde nicht dulden, daß man Kinder und Halbwüchsige zu Süchtigen macht. Mister Parker, ich erwarte Ihre Vorschläge, was ich zu tun gedenke.«

*

Butler Parker saß am Steuer seines Privatwagens, eines ehemaligen Londoner Taxis älterer Bauart, dessen äußere Erscheinung den Betrachter nicht zu Beifallsstürmen hinriß. Eher forderte es Spott und Mitleid heraus, obwohl es sich bei dem hochbeinigen Monstrum, wie der Wagen von Freund und Feind genannt wurde, im Grund um eine sogenannte Trickkiste auf Rädern handelte. Die technische Ausstattung war nach den sehr speziellen Plänen des Butlers vorgenommen worden.

Es war kurz nach dem Lunch, als Parker sich in Richtung Innenstadt bewegte. Horace Pickett hatte vor einer halben Stunde angerufen und ihn mit einer Adresse versorgt, die er aufzusuchen gedachte. Es handelte sich dabei um eine kleine Pizzeria, in der der schlaksige junge Mann untergetaucht war, der am frühen Morgen Lady Agathas Mißfallen erregt hatte.

Nachdem die Auseinandersetzung mit den beiden Männern beendet war, hatte Parker von einer nahegelegenen Telefonzelle aus Horace Pickett angerufen und ihn gebeten, sich um den Gebäckverteiler zu kümmern.

»Dort habe ich es also mit der Keksefabrik zu tun, nicht wahr, Mister Parker?« fragte Agatha Simpson im Fond des hochbeinigen Monstrums.

»Möglicherweise, Mylady«, gab Parker vorsichtig zurück. »Zumindest scheint die jetzt aufzusuchende Adresse der Ausgangspunkt zu sein. Möglicherweise wird er aber dort nur mit Ware versorgt, während die eigentliche Fabrikation an anderer Stelle erfolgt.«

»Das sind doch Haarspaltereien, Mister Parker«, reagierte sie ein wenig gereizt. »Jedenfalls hält sich der Lümmel jetzt dort auf, und das reicht mir. Ich werde ein ernstes Wort mit ihm reden, zumal er mir Kekse nicht gegönnt hat.«

»Was in der Tat schon Grund für eine Rüge wäre«, bestätigte Parker gemessen.

»Wie Mister Pickett weiter mitzuteilen geruhte, sind kurze Zeit nach dem Kekseverteiler zwei weitere junge Männer an besagter Adresse aufgetaucht, die zweifellos mit jenen Schlägern identisch sind, die Mylady frevelhafterweise überfielen.«

»Das ist den Lümmeln aber schlecht bekommen, Mister Parker«, freute sich Agatha Simpson und lächelte versonnen. »Aber ich denke, auch mit diesen Subjekten werde ich mich noch mal eindringlich unterhalten.«

»Mister Pickett ist übrigens gerade dabei, nähere Informationen über die Eigentumsverhältnisse der besagten Pizzeria einzuholen«, fuhr Parker fort. »Möglicherweise kann er Mylady bei Myladys Eintreffen zu diesem Punkt bereits mit näheren Informationen dienen.«

»Ach ja, der gute Pickett.« Die ältere Dame lehnte sich zurück und verschränkte lächelnd die Arme vor dem üppigen Busen. »Erinnern Sie mich daran, Mister Parker, daß ich ihn endlich mal zum Tee einlade, er hat es wirklich verdient, denke ich.«

»Mister Pickett leistet in der Tat wertvolle Dienste in Sachen Hintergrund-Aufklärung«, entgegnete Parker, der natürlich Myladys Wertschätzung für den ehemaligen Eigentumsumverteiler kannte.

Der Butler war mit Horace Pickett seit einigen Jahren gut bekannt. Er hatte ihn vor langer Zeit aus einer heiklen Situation gerettet. Seitdem stand er auf der richtigen Seite des Gesetzes und stellte seine nach wie vor bemerkenswerten Verbindungen zur Unterwelt sowie seine Kenntnisse über sie Lady Agatha und dem Butler zur Verfügung, um bei der Aufklärung diverser Fälle zu helfen. Pickett hatte schon manchmal entscheidend zum Abschluß eines Falles beigetragen.

Inzwischen hatte man die Straße erreicht, in der die Pizzeria lag. Etwas weiter vor ihnen an einer kleinen Kreuzung trat ein Mann in Trenchcoat und Travellerhut auf die Fahrbahn und winkte dem vermeintlichen Taxi.

Parker hielt kurz, und Horace Pickett, dessen äußerliche Erscheinung und aufrechte Haltung an einen pensionierten Offizier erinnerten, besetzte den Beifahrersitz neben dem Butler.

Er drehte sich zu Lady Agatha um, lüftete höflich den Hut und begrüßte sie respektvoll. Die Lady reagierte erstaunlich freundlich und nickte lächelnd.

»Ich hoffe, Sie hatten Erfolg bei Ihren Recherchen, mein lieber Pickett«, bemerkte sie. »Ich bin wieder mal einem neuen, brandheißen Fall auf die Spur gekommen, auch wenn ich Mister Parker erst davon überzeugen mußte.«

»Inzwischen ist meine bescheidene Wenigkeit voll und ganz Myladys Meinung«, ließ sich der Butler höflich vernehmen, ohne daß sich ein Muskel in seinem glatten, unbewegten Gesicht rührte. Parker war es gewohnt, daß Agatha Simpson die Dinge entsprechend ihrer ganz persönlichen Sicht darstellte und abweichende Äußerungen souverän überging.

»Die Pizzeria gehört einem gewissen Sandro Puccini«, berichtete Horace Pickett. »Er hat den Laden vor gut drei Jahren von seinem Vater übernommen, der sich damit schlecht und recht durchgeschlagen hat.«

»Was jetzt jedoch anders sein dürfte?« vermutete Parker.