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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, Mister Parker!« stellte Agatha Simpson mit erhobenem Zeigefinger klar und sah unternehmungslustig auf die grüne Waldlichtung. »Wie Mylady wünschen«, entgegnete der Butler höflich und reichte seiner Herrin einen leeren Weidenkorb. »Ich werde mich auf Trüffeln und Steinpilze konzentrieren«, kündigte sie an und stapfte los. »Sind die nicht herrlich, Mister Parker?« ließ sie sich gleich darauf vernehmen und zeigte auf eine Gruppe Pilze mit weißen Pusteln auf den prachtvollen roten Hüten. »Falls man nicht gründlich irrt, dürfte es sich um Exemplare der Gattung Amanita muscaria handeln, die auch unter dem Namen Fliegenpilz bekannt ist, Mylady«, warnte der Butler. »Der Genuß ist nicht selten tödlich.« »Wie auch immer. Hübsch sind diese Bienenpilze auf jeden Fall«, reagierte Lady Agatha enttäuscht und setzte die Suche fort. Parkers Aufmerksamkeit wurde in diesem Moment von einem Gebilde gefesselt, das auf den ersten Blick wie der olivgrüne Hut eines großen Pilzes wirkte. Doch dieser »Pilz« bewegte sich... Entschlossen beseitigte der Butler letzte Zweifel am Wesen des merkwürdigen Gebildes, das sich langsam unter den tiefhängenden Zweigen einer jungen Fichte herausschob, indem er mit gewissem Nachdruck seinen schwarzen Lacklederschuh daraufsetzte. Der halb erstickte Jaulton, der postwendend unter der grünlichen Halbkugel aus dem Waldboden quoll, hörte sich eindeutig menschlich an. »Was ist denn da los, Mister Parker?«
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2020
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»Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, Mister Parker!« stellte Agatha Simpson mit erhobenem Zeigefinger klar und sah unternehmungslustig auf die grüne Waldlichtung.
»Wie Mylady wünschen«, entgegnete der Butler höflich und reichte seiner Herrin einen leeren Weidenkorb.
»Ich werde mich auf Trüffeln und Steinpilze konzentrieren«, kündigte sie an und stapfte los.
»Sind die nicht herrlich, Mister Parker?« ließ sie sich gleich darauf vernehmen und zeigte auf eine Gruppe Pilze mit weißen Pusteln auf den prachtvollen roten Hüten.
»Falls man nicht gründlich irrt, dürfte es sich um Exemplare der Gattung Amanita muscaria handeln, die auch unter dem Namen Fliegenpilz bekannt ist, Mylady«, warnte der Butler. »Der Genuß ist nicht selten tödlich.«
»Wie auch immer. Hübsch sind diese Bienenpilze auf jeden Fall«, reagierte Lady Agatha enttäuscht und setzte die Suche fort.
Parkers Aufmerksamkeit wurde in diesem Moment von einem Gebilde gefesselt, das auf den ersten Blick wie der olivgrüne Hut eines großen Pilzes wirkte. Doch dieser »Pilz« bewegte sich...
Entschlossen beseitigte der Butler letzte Zweifel am Wesen des merkwürdigen Gebildes, das sich langsam unter den tiefhängenden Zweigen einer jungen Fichte herausschob, indem er mit gewissem Nachdruck seinen schwarzen Lacklederschuh daraufsetzte. Der halb erstickte Jaulton, der postwendend unter der grünlichen Halbkugel aus dem Waldboden quoll, hörte sich eindeutig menschlich an.
»Was ist denn da los, Mister Parker?« wollte die ältere Dame wissen und kam erwartungsvoll näher. Argwöhnisch musterte sie den ungewöhnlichen Fund, der sich heftig zu schütteln begann, sobald Parker den Fuß zurückzog.
»Los, treten Sie raus aus dem Dickicht!« unterbrach die passionierte Detektivin das Schnauben zu ihren Füßen. »Sie sind umstellt. Gegenwehr ist zwecklos.«
Zögernd kam das unbekannte Wesen der Aufforderung nach. Unter dem olivgrünen, mit Zweigen besteckten Stahlhelm erschien ein lehmverschmiertes, mit Tannennadeln gespicktes Gesicht.
Nach und nach schob sich der athletisch gebaute Körper eines jungen Mannes aus dem Dickicht. Der Fremde steckte in einer Art Kampfanzug aus grünlichem Tuch und war mit einem Infanteriegewehr älterer Bauart ausgerüstet.
»Was sagen Sie dazu, Mister Parker?« verwunderte sich Agatha Simpson. »Durch Wachsamkeit und Taktik habe ich einen hinterhältigen Anschlag auf mein Leben vereitelt.«
»Quatsch!« knurrte der Mann und raffte sich mühsam auf, derweil Parker vorsorglich das Gewehr an sich nahm. »Ich wollte von Ihnen doch gar nichts. Aber Sie hätten mir fast das Genick gebrochen.«
»Spielen Sie nicht den Harmlosen, junger Mann!« entgegnete die resolute Dame, während der Unbekannte seinen Nacken massierte. »Gangster Ihrer Sorte erkenne ich immer.«
»Gangster?« wiederholte der Mann unter dem Stahlhelm. »Das ist eine Beleidigung, Madam.«
»Was eine Beleidigung ist, weiß ich besser«, sagte Mylady in einem Ton, der jeden Widerspruch als gefährlichen Leichtsinn erscheinen ließ. »Wenn Sie nicht unverzüglich mit der Wahrheit herausrücken, müßte ich mich beleidigt fühlen. Und das hätte unangenehme Folgen für Sie.«
»Was meine Wenigkeit aus reicher Erfahrung nur bestätigen kann«, fügte der Butler mit einer angedeuteten Verbeugung hinzu.
»Moment mal, was wird hier eigentlich gespielt?« erkundigte sich der Fremde irritiert.
»Gespielt wird überhaupt nicht, junger Mann«, fuhr Agatha Simpson ihm über den Mund. »Das Verhör ist bitterernst. Ich möchte sofort die Wahrheit ...«
»Was für eine Wahrheit wollen Sie denn eigentlich hören, Madam?« unterbrach der Mann im Kampfanzug gereizt.
»Daß Sie sich heimtückisch angepirscht haben, um mich durch einen Schuß aus Ihrem Gewehr ins Jenseits zu befördern!« grollte Mylady.
»Unsinn«, widersprach der Entwaffnete. »Das Gewehr ist ja nicht mal geladen.«
»Der dreiste Lümmel lügt wie gedruckt, Mister Parker«, ereiferte sich die ältere Dame. »Aber eine Kriminalistin führt man nicht hinters Licht.«
Mit grimmiger Miene stellte sie ihren Pilzkorb weg, um den perlenbestickten Pompadour besser handhaben zu können. Dabei handelte es sich um einen ledernen Beutel, der mit den zierlichen Damenhandtäschchen der Jahrhundertwende nicht viel mehr als den Namen gemein hatte.
Myladys Pompadour enthielt auch keine Toilettenartikel, sondern ein veritables Pferdehufeisen, das sie zärtlich ihren »Glücksbringer« nannte. Aus humanitären Gründen war es in eine dünne Lage Schaumstoff gewickelt.
»Nichts liegt meiner bescheidenen Wenigkeit ferner, als Mylady zu widersprechen«, meldete sich Parker in diesem Moment zu Wort. »Dennoch sieht man sich zu der Mitteilung genötigt, daß das Gewehr des Herrn tatsächlich nicht geladen ist.«
»Dann hat der Lümmel die Munition schnell in die Tasche gesteckt, als er sich entdeckt fühlte«, behauptete Lady Agatha unbeeindruckt. »Durchsuchen Sie ihn, Mister Parker.«
»Finger weg!« knurrte der Mann. »Das geht entschieden zu weit.«
Der Bedauernswerte ahnte nicht, daß er mit dieser widerborstigen Äußerung zu weit gegangen war – jedenfalls nach Agatha Simpsons Meinung. Als der Fehler ihm bewußt wurde, war es schon zu spät.
Die ledernen Halteriemen des Pompadours durchschnitten die Luft. Ein dumpfer Ton erschwoll, als Myladys sogenannter »Glücksbringer« sein Ziel erreichte.
Stöhnend verdrehte der Unbekannte die Augen und sackte zusammen wie eine Marionette.
Nach dieser »kleinen Belehrung«, wie Agatha Simpson den Vorgang lächelnd nannte, ließ der Mann es widerspruchslos geschehen, daß Parker seine Taschen durchsuchte. Patronen kamen zur Enttäuschung der Detektivin allerdings nicht zum Vorschein.
*
»Verdammt, mein Schädel«, brummte der Stahlhelmträger, als er wieder zu sich kam.
»Seien Sie nicht so wehleidig, junger Mann!« reagierte die resolute Dame ungerührt.
»Das werden Sie büßen«, schwor der Unbekannte. »Anzeigen werde ich Sie.«
»Wollen Sie sich etwa bei der Polizei darüber beklagen, daß Sie durch eine kleine Lektion daran erinnert wurden, wie man sich in Gesellschaft einer Dame benimmt?«
»Kleine Lektion?« wiederholte ihr Gegenüber vorwurfsvoll.
»Ich kann auch anders, junger Mann«, teilte Lady Agatha gelassen mit und ließ neckisch ihren Pompadour wippen.
»Was meine Wenigkeit nur mit allem Nachdruck bestätigen kann«, meldete Parker sich zu Wort. »Es dürfte in Ihrem wohlverstandenen Interesse liegen, wahrheitsgemäß auf Myladys Fragen zu antworten, Mister ...?«
»Walker. Patrick Walker«, nannte der Mann seinen Namen. »Aber was denn für Fragen, verdammt noch mal?«
»Auf der Stelle will ich wissen, wer Sie in Marsch gesetzt hat.« Mylady stampfte ungeduldig mit dem Fuß. »Welche Kreatur hat Sie beauftragt, mich heimtückisch zu ermorden?«
»Niemand«, gab Walker mit deutlichen Anzeichen von Irritation zurück. »Ich wollte ...«
»Der Lümmel will sich herausreden, Mister Parker«, wandte Agatha Simpson sich grollend an ihren Butler. »Ich denke, ich werde ihn einer verschärften Behandlung unterziehen.«
»Das sind doch alles Hirngespinste«, protestierte Walker. »Ich kenne Sie ja nicht mal.«
»Eine Kriminalistin führt man nicht aufs Glatteis, junger Mann«, beschied ihn die ältere Dame. »Die Situation war eindeutig. Sie können froh sein, daß ich keine Notwehr angenommen habe.«
Selbst die Lehmkruste in seinem Gesicht konnte nicht verbergen, daß Walker bei diesen Worten ausgesprochen blaß wurde.
»Öffnen Sie Ihren Mund«, verlangte die Detektivin. »Wie heißt Ihr Auftraggeber?«
»Den gibt’s nicht«, beteuerte der Mann mit hilfloser Geste. »Ich hatte überhaupt keine Absicht, Ihnen was zu tun, Madam.«
»Unter diesen Umständen darf man möglicherweise auf eine plausible Erklärung hoffen, was Ihre nicht alltägliche Art angeht, sich in der freien Natur zu bewegen, Mister Walker«, griff Parker in das festgefahrene Frage- und Antwort-Spiel ein.
»Ich bin Mitglied in einem Sportclub«, gab der Mann im Kampfanzug Auskunft. »Heute nachmittag stand eine Geländeübung auf dem Plan.«
»Das muß ja ein merkwürdiger Verein sein, der seine Mitglieder mit Stahlhelm und Gewehr durch den Wald schickt«, höhnte Agatha Simpson. »Habe ich so was schon mal gehört, Mister Parker?«
»Mylady dürften gelegentlich von sogenannten Wehrsportgruppen erfahren haben«, gab der Butler zur Antwort. »Vereinigungen der genannten Art dienen jedoch weniger der körperlichen Ertüchtigung als der Durchsetzung politischer Ziele, die man nur als radikal bezeichnen kann und muß.«
»Keine Belehrungen, Mister Parker«, winkte Mylady ab. »Natürlich weiß ich, was eine Lehrsportgruppe ist.«
»Verzeihung, Mylady«, korrigierte Parker mit höflicher Verbeugung. »Man war so frei, von Wehrsportgruppen zu sprechen, falls der Hinweis erlaubt ist.«
»Nichts anderes habe ich doch gesagt, Mister Parker«, behauptete Agatha Simpson umgehend und wandte sich wieder dem Mann im Stahlhelm zu: »Sie geben also zu, ein politischer Krimineller zu sein?«
»Ich ein Krimineller?« entrüstete sich Walker. »Ich sagte Ihnen doch, daß ich Mitglied in einem Sportclub bin.«
»... der illegale Ziele verfolgt«, ergänzte Mylady.
»Nicht die Spur, Madam«, versicherte Walker treuherzig. »Wenn Sie’s nicht glauben, kann ich Sie ja zum Commander führen.«
»Commander?« wiederholte die Detektivin.
»Eigentlich heißt er Eric Millstone und ist unser Übungsleiter«, erläuterte Walker. »Aber wir nennen ihn Commander.«
»Eine bemerkenswerte Gepflogenheit für Mitglieder eines Sportclubs«, ließ der Butler sich vernehmen. »Falls man nicht sehr irrt, dürfte Mylady durchaus interessiert sein, Mister Millstone näher kennenzulernen.«
»Selbstverständlich, Mister Parker«, nickte die ältere Dame. »Ich werde diesen Mister Killbone unter die Lupe nehmen.«
»Millstone, Madam«, meldete Walker sich schüchtern zu Wort. »Nicht Killbone.«
»Reden Sie, wenn Sie gefragt werden, junger Mann«, reagierte Agatha Simpson frostig.
Wenig später saß Parker am Steuer seines hochbeinigen Monstrums, Patrick Walker auf dem Beifahrersitz. Mylady teilte sich den Fond mit dem üppigen Picknickkorb, dessen Inhalt noch unberührt war.
»An der Waldarbeiterhütte rechts ab und dann immer geradeaus«, wies Walker den Weg, während Lady Simpson sich eingehend einer knusprig gebratenen Hühnerkeule widmete.
*
»Ich hoffe, Sie haben alle nötigen Vorkehrungen getroffen, damit ich einen eventuellen Hinterhalt erkenne, Mister Parker?« vernahm der Butler Agatha Simpsons Stimme.
»Mylady rechnen mit einer Falle?« erkundigte er sich.
»Sie nicht, Mister Parker?«
»Myladys Besuch dürfte für Mister Millstone ohne Zweifel überraschend kommen, falls die Anmerkung erlaubt ist.«
»Wie auch immer, Mister Parker. Ich traue dem Lümmel nicht über den Weg«, erwiderte die passionierte Detektivin, ohne von Walkers Anwesenheit Notiz zu nehmen.
»Mit einem begeisterten Empfang dürfte kaum zu rechnen sein«, bemerkte Parker, während er sein eckiges Gefährt über eine schmale Forststraße lenkte.
»Da ist es schon«, sagte Walker in diesem Moment und deutete nach vorn. »Das ist Oakhill Manor.«
Der Wald öffnete sich. In einer flachen Talmulde war ein burgähnlich befestigter Landsitz auszumachen, der nach Parkers Einschätzung aus dem 18. Jahrhundert stammte. Die Gebäude machten einen leicht heruntergekommenen, aber durchaus wehrhaften Eindruck. Umgeben war das Gemäuer von einem ringförmigen Wassergraben, der von einer offenbar noch intakten Zugbrücke überspannt wurde.
Mit Besuch schien Eric Millstone nicht zu rechnen. Der Wachposten, der es sich auf einem Mauervorsprung neben dem Tor in der Sonne bequem gemacht hatte, schreckte erst aus seinem Schlummer, als das hochbeinige Monstrum schon über die Brücke rollte.
»Was halte ich denn davon, Mister Parker?« fragte die ältere Dame irritiert, während der Butler sein altertümlich wirkendes Vehikel auf dem gepflasterten Innenhof zum Stehen brachte.
»Mylady dürften sich auf einer Art Exerzierplatz befinden, sofern der Augenschein nicht trügt«, gab Parker zur Antwort.
Schätzungsweise drei Dutzend junger Männer waren in Reih und Glied auf dem Burghof angetreten. Sie hatten ihre Gewehre geschultert und trugen Kampfanzüge und Stahlhelme wie Patrick Walker.
Wie elektrisiert fuhr der untersetzte Mittfünfziger, der das Kommando führte, auf dem Absatz herum und sah den Ankömmlingen mit unverhohlenem Mißtrauen entgegen.
»Das ist der Commander«, erklärte Walker, der sich nicht besonders wohl in seiner Haut zu fühlen schien.
»Mylady halten nach wie vor an der Absicht fest, Mister Millstone einer Befragung zu unterziehen?« erkundigte sich der Butler vorsichtshalber.
»Selbstverständlich, Mister Parker«, erwiderte die resolute Dame. »Ich werde diesem Killbone und seiner Privatarmee schon zeigen, was eine Harke ist. Oder zweifeln Sie daran?«
»Keineswegs und mitnichten, Mylady«, versicherte Parker und verließ in würdevoller Haltung das Fahrzeug.
In seinen dezent gestreiften Beinkleidern, mit schwarzem Covercoat und Melone, den altväterlich gebundenen Regenschirm am angewinkelten Unterarm, stellte Josuah Parker das Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers dar.
Makellose Umgangsformen korrespondierten mit seinem äußeren Erscheinungsbild. Das glatte, alterslos wirkende Gesicht spiegelte nur selten eine Gefühlsregung wider.
Steif, als hätte er einen Ladestock
verschluckt, schritt Parker zur Fondtür und half seiner Herrin diskret beim Aussteigen.
Lady Agatha, die die Sechzig längst überschritten hatte, war eine Erscheinung, die man nur als beeindruckend bezeichnen konnte. Zudem wußte sie sich mit dem Pathos einer Bühnenheroine in Szene zu setzen.
Mylady war mit einem derben Lodenkostüm bekleidet, das zwar nicht der neuesten Mode entsprach, dafür aber ihre ausufernde Leibesfülle einigermaßen bändigte. Ergänzt wurde der Aufzug der steinreichen Witwe durch rustikale Schnürschuhe und eine Hutschöpfung von zeitloser Form. Zwei Hutnadeln, deren Format an Grillspieße erinnerte, steckten in dem phantasievollen Filzgebilde.
Aus den Augenwinkeln registrierte Parker, daß Millstones Truppe sich ausgesprochen diszipliniert verhielt. Die Männer standen stramm und hatten die Blicke ins Leere gerichtet.
Sie rührten sich auch nicht, als Agatha Simpson erhobenen Hauptes an ihnen vorüberschritt. Mylady ihrerseits bedachte die Behelmten mit huldvollem Nicken, als handelte es sich um das Abschreiten einer Ehrenformation.
»Mister Patrick Walker war so freundlich, Mylady und meiner Wenigkeit den Weg zu Ihnen zu weisen, Mister Millstone«, sprach Parker den »Commander« an.
Obwohl Millstone sich intensiv bemühte, Haltung und Fassung zu bewahren, war der Ärger, der in seinem Innern brodelte, nicht zu übersehen. Sein Gesicht zeigte ungesunde Rotfärbung. Heftig zuckende Mundwinkel ließen auf eine gewisse Nervosität schließen.
