Parker schleift den "Eisenfresser" - Günter Dönges - E-Book

Parker schleift den "Eisenfresser" E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Lady Agatha war mehr als angenehm berührt. Als sie das Lederwarengeschäft verließ, standen plötzlich zwei ausgesprochene Muskelmänner vor ihr und forderten sie auf, keinen Ärger zu machen. Die ältere Dame, die das sechzigste Lebensjahr mit Sicherheit überschritten hatte, groß, füllig und sehr energisch wirkend, blickte fast freundlich auf die untersetzten Männer. »Was soll denn das?« erkundigte sie sich und schüttelte unmerklich den Kopf in Richtung ihres Butlers, der seitlich neben der Eingangstür stand und gerade klärend eingreifen wollte. »Wir machen jetzt 'ne kleine Ausfahrt, Mädchen«, sagte einer der beiden Männer, der Jeans und eine Lederweste trug. »Wenn du keine Zicken machst, kommst du mit zwei blauen Augen davon.« »Und dann kannst du noch von Glück sagen«, fügte der zweite Muskelmann hinzu. »Sollten Sie sich möglicherweise in der Person geirrt haben?« schaltete Josuah Parker sich ein. Er lüftete dazu überaus höflich die schwarze Melone und bot das einmalige Bild eines hochherrschaftlichen Butlers. »Wen haben wir den da?« staunte der erste Mann ironisch. »Verzieh dich, Mann«, verlangte der zweite Muskeltyp, um sich dann wieder Lady Agatha zuzuwenden. »Nun mach schon, Mädchen, bevor wir die Geduld verlieren.« »Und die ist gleich beim Teufel«, drohte der andere Mann.

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Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Butler Parker – 207 –Parker schleift den "Eisenfresser"

Günter Dönges

Lady Agatha war mehr als angenehm berührt.

Als sie das Lederwarengeschäft verließ, standen plötzlich zwei ausgesprochene Muskelmänner vor ihr und forderten sie auf, keinen Ärger zu machen. Die ältere Dame, die das sechzigste Lebensjahr mit Sicherheit überschritten hatte, groß, füllig und sehr energisch wirkend, blickte fast freundlich auf die untersetzten Männer.

»Was soll denn das?« erkundigte sie sich und schüttelte unmerklich den Kopf in Richtung ihres Butlers, der seitlich neben der Eingangstür stand und gerade klärend eingreifen wollte.

»Wir machen jetzt ’ne kleine Ausfahrt, Mädchen«, sagte einer der beiden Männer, der Jeans und eine Lederweste trug. »Wenn du keine Zicken machst, kommst du mit zwei blauen Augen davon.«

»Und dann kannst du noch von Glück sagen«, fügte der zweite Muskelmann hinzu.

»Sollten Sie sich möglicherweise in der Person geirrt haben?« schaltete Josuah Parker sich ein. Er lüftete dazu überaus höflich die schwarze Melone und bot das einmalige Bild eines hochherrschaftlichen Butlers.

»Wen haben wir den da?« staunte der erste Mann ironisch. »Verzieh dich, Mann«, verlangte der zweite Muskeltyp, um sich dann wieder Lady Agatha zuzuwenden. »Nun mach schon, Mädchen, bevor wir die Geduld verlieren.«

»Und die ist gleich beim Teufel«, drohte der andere Mann. Er hielt ohne erkennbaren Übergang ein dolchartiges Messer in der rechten Hand und setzte die Spitze auf Myladys Hüfte.

Wenige Augenblicke später bereute er dies ungemein.

Lady Agatha war eine sehr wehrhafte Frau, die man kaum ins Bockshorn jagen konnte. Darüber hinaus war ihr das Gefühl für Angst und Gefahr völlig unbekannt. Sie blickte stirnrunzelnd auf die Schneidware und ... trat dann mit ihrem linken Schuh gegen das rechte Schienbein des Messerträgers. Da Agatha Simpsons Schuhgröße beachtlich war, fiel dieser Fußtritt geradezu verheerend aus. Der Mann grunzte wie ein Eber, verbeugte sich tief vor der älteren Dame und geriet dadurch in die Reichweite des Pompadours, der am linken Handgelenk der Lady baumelte. In diesem Handbeutel, wie ihn die Damen um die Jahrhundertwende trugen, befand sich Myladys sogenannter Glücksbringer. Dabei handelte es sich schlicht und einfach um ein Hufeisen, das von einem mächtigen Brauereipferd stammte.

Diesen Pompadour samt Glücksbringer setzte die passionierte Detektivin geschickt und nachdrücklich auf den Kopf des Grunzenden, der daraufhin schwieg und auf die Knie fiel.

»Wagen Sie es nicht noch mal, eine wehrlose Dame zu belästigen«, drohte Agatha Simpson. Dann trat sie zur Seite, um den anderen Mann zu beobachten, mit dem Josuah Parker sich bereits befaßt hatte. Dieser Muskelträger war so leichtsinnig gewesen, Parker zu übersehen. Der Butler hatte mit dem Bambusgriff seines Universal-Regenschirmes zugelangt und bei dem Störenfried angeklopft. Da dieser Schirmgriff mit Blei ausgegossen war, hatte dieses fast höfliche Anklopfen für klare Verhältnisse gesorgt. Der Mann schraubte sich förmlich zu Boden und lagerte sich zu Myladys Füßen.

»Was halte ich denn von solcher Frechheit?« erkundigte sich die ältere Dame bei ihrem Butler. »Arbeite ich zur Zeit an einem Kriminalfall, Mister Parker?«

»Es gibt keinen akuten Fall, Mylady«, beantwortete Parker die Frage. »Möglicherweise hat man aber die Absicht, Mylady eine sogenannte alte Rechnung zu präsentieren.«

»Mit Myladys Erlaubnis.« Parker lüftete kurz seine schwarze Melone und durchsuchte dann schnell und geschickt den Tascheninhalt der beiden Männer. Für einen Außenstehenden sah es so aus, als kümmerte er sich um den Zustand der beiden Männer, die ihr Bewußtsein verloren hatten.

Es gab inzwischen natürlich Außenstehende, die sich eingefunden hatten und die Szene beobachteten. Als Parker sich aufrichtete, hatte er eine Art Brieftasche geborgen, die er mit der Geschicklichkeit eines versierten Taschendiebes in einer Innentasche seines schwarzen Covercoats verschwinden ließ.

Parker ging zum nahe parkenden hochbeinigen Monstrum hinüber und öffnete den hinteren Wagenschlag, damit seine Herrin einsteigen konnte.

»Falls Sie etwas Wasser besorgen könnten, wäre den beiden Herren mit Sicherheit gedient«, sagte der Butler zu einigen Neugierigen. Dann setzte er sich ans Steuer des Wagens und fuhr davon. Aus Gründen der Sicherheit wollte er den Schauplatz des Ereignisses so schnell wie möglich hinter sich lassen. Parker wußte sich diesen kleinen Zwischenfall nicht zu erklären. Zudem konnte es sein, daß sich noch weitere Schläger in der Nähe aufhielten.

»Hoffentlich legt man mir diese schnelle Abfahrt nicht als Flucht aus, Mister Parker«, sorgte sich Lady Agatha inzwischen.

»Man wird mit Sicherheit eine taktische Maßnahme unterstellen, Mylady«, gab der Butler zurück.

»Haben Sie etwas in den Taschen der beiden Lümmel gefunden, Mister Parker?« fragte sie. Der Butler deutete ein Kopfnicken an, brachte seinen Privatwagen an den Straßenrand und hielt kurz. Er zog seine Beute hervor und blätterte einige Papiere durch, die er in einer Art Papphülle fand. Nach wenigen Augenblicken konnte er bereits mit einer Auskunft dienen.

»Einer der beiden Männer heißt offensichtlich Hale Barber und arbeitet in Pimlico als Hausmeister, Mylady. Eine genaue Adresse ist vorhanden.«

»Worauf warte ich dann noch?« gab sie unternehmungslustig zurück. »Fahren Sie nach Pimlico! Ich will dort sein, bevor dieser Lümmel erscheint. Er soll mich mal richtig kennenlernen.«

*

Das Haus in Pimlico machte einen einladenden und teuren Eindruck.

Es handelte sich zwar um einen bereits recht alten Bau, doch man hatte die Etagen in viele kleine Apartments umgewandelt und das Äußere des Wohnhauses frisch hergerichtet. Von der breiten Haustür führte ein tonnenförmiger Baldachin bis zum Straßenrand.

Rechts vom Eingang stand ein Portier, der sich seines Wertes bewußt war. Er trug einen fußlangen Mantel und eine Art Helm. Voller Hochachtung blickte er auf Lady Agatha, die das ehemalige Taxi verließ, das Josuah Parker als Privatwagen diente.

Mit schnellem Blick hatte der Portier klar erkannt, daß er es mit einer Dame zu tun hatte. Erstaunlicherweise schien er diese Dame dazu noch recht gut zu kennen. Er lächelte andeutungsweise.

»Sie sind schon lange nicht mehr hier gewesen, Madam«, sagte er und riß die Tür weit auf. Lady Agatha nickte huldvoll, blieb dann stehen und musterte den Portier kritisch.

»Tatsächlich?« gab Agatha Simpson zurück.

»Ich meinte ja nur, Madam«, entschuldigte sich der Portier. »Ich will nichts gesagt haben.«

»Das möchte ich mir aber auch ausgebeten haben, junger Mann«, raunzte Agatha Simpson zurück. »Wo finde ich diesen ... Wie heißt er noch, Mister Parker?«

»Mister Hale Barber«, antwortete der Butler, der nun neben seiner Herrin auftauchte.

»Barber ist unterwegs, Madam«, meinte der Portier, der plötzlich nachdenklich-irritiert wirkte, wie Parker deutlich feststellte. »Vielleicht wenden Sie sich lieber an Mister Plongers, Madam.«

»Und wo findet man Mister Plongers?« fragte der Butler umgehend.

»Plongers? Ach so, der wohnt doch im Anbau und ... Moment, ich werde Sie sofort anmelden.«

Der Portier hatte es jetzt eilig, durchmaß mit langen Schritten die Vorhalle des Hauses und strebte einer Pförtnerloge zu. Als er durch das Bedienungsfenster langte und nach dem Telefonapparat griff, stand Parker neben ihm »Beschränken Sie sich nur auf die nackte Tatsache an sich«, forderte Josuah Parker ihn auf.

»Hören Sie, was wird hier eigentlich gespielt?« fragte der Portier und wurde vertraulich.

»Könnten Sie sich unter Umständen etwas deutlicher ausdrücken?« wollte der Butler wissen.

»Ist das nun Ruth Wennamore oder nicht? Ich möchte schwören, daß sie’s ist, aber dann auch wieder nicht.«

»Sie sind irritiert, wie meine Wenigkeit unterstellen möchte«, gab Parker zurück, ohne auf die Frage einzugehen.

»Irgendwie ist sie aber dicker geworden«, redete der Portier vertraulich weiter, »und auch irgendwie größer.«

»Nur der Wandel ist beständig, wie es so treffend heißt.«

»Wer ist beständig?« Der Portier war völlig desorientiert.

»Sie sollten das Thema nicht weiter vertiefen«, schlug der Butler vor. »Sie könnten damit Ungeduld auslösen.«

»Verdammt, mir ist es doch egal, was da läuft«, sagte der Portier dann und wählte eine hausinterne Nummer, die der Butler sich merkte. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis auf der Gegenseite abgehoben wurde.

»Mister Plongers? Hier ist der Portier. Hören Sie, Mistreß Wennamore ist hier gerade angekommen und will Sie sprechen. Hören Sie, ich glaube aber...«

Parker beendete abrupt den Anruf. Mit der Spitze seines Universal-Regenschirmes drückte er auf die Gabel des Apparates und nickte dem Portier dann zu.

»Vielen Dank für Ihre wertvolle und freundliche Hilfe«, sagte er. »Nun braucht man nur noch zu erfahren, wo genau Mister Plongers wohnt.«

»Antworten Sie gefälligst, junger Mann«, raunzte die ältere Dame den Portier an. Lady Agatha tauchte hinter dem Butler auf. Der Pompadour an ihrem linken Handgelenk war bereits in leichte Schwingungen geraten, ein sicheres Zeichen dafür, daß sich Aktivitäten ankündigten.

»Nein, nein, Sie sind nicht Ruth Wennamore«, sagte der Portier jetzt nachdrücklich und schüttelte den Kopf. »Schon allein Ihre Stimme und ...«

Er redete nicht weiter und blickte an Parker vorüber zur hinteren Halle. Dort erschien jetzt ein etwa vierzigjähriger Mann in elegantem grauem Anzug. Und hinter ihm watschelte förmlich eine riesige, unförmige Gestalt, die an einen leicht verfetteten japanischen Ringer erinnerte.

*

»Mister Plongers, wie zu vermuten ist?« fragte Parker und lüftete höflich die schwarze Melone.

»Ben Plongers«, gab der Elegante fast automatisch zurück und musterte Lady Agatha. Dann schüttelte er den Kopf, trat einen halben Schritt zurück und schüttelte erneut den Kopf. Danach lächelte er irritiert, kam wieder auf Lady Simpson zu und schürzte die Lippen.

»Ich habe große Lust, Sie zu ohrfeigen, junger Mann«, sagte Lady Agatha mit ihrer tiefen, sonoren und weittragenden Stimme.

»Sie sind nicht Ruth Wennamore«, stellte Ben Plongers fest, »aber die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ruth trägt auch so verrückte Hüte wie Sie.«

Josuah Parker bereitete sich auf einen baldigen Zwischenfall vor. Lady Agatha liebte nämlich ihre Hutschöpfungen, und auf ihrem Kopf saß momentan eine Kreuzung aus einem Südwester und einem Napfkuchen. Dieses nicht gerade zart wirkende Gebilde wurde von zwei Hutnadeln gehalten, die ihrer Größe nach an zwei nicht gerade kleine Bratspieße erinnerten.

»Mister Parker, wurde ich gerade beleidigt?« wollte Agatha Simpson dann auch prompt von ihrem Butler wissen.

»Nicht unbedingt, Mylady«, erwiderte Parker und konzentrierte sich auf den massigen, leicht verfetteten Ringer hinter Ben Plongers.

»Mylady?« Plongers spitzte die Ohren. »Wollten Sie wirklich zu mir? Darf man fragen, wer Sie sind?«

»Sie haben die Ehre und den Vorzug, Lady Simpsons Fragen beantworten zu dürfen«, erwiderte der Butler. »Was meine Wenigkeit betrifft, so sprechen Sie mit Myladys Butler.«

»Und was wollen Sie hier?« Plongers wirkte jetzt ungeduldig und nervös.

»Sie haben mich überfallen lassen, junger Mann«, stellte die ältere Dame fest. »Wie hieß dieses Subjekt noch, Mister Parker?«

»Es handelte sich um einen gewissen Mister Hale Barber«, gab der Butler zurück. »Er befand sich in Begleitung eines Partners, der ebenfalls versuchte, Mylady zu entführen.«

»Hale Barber?« Ben Plongers runzelte die Stirn. »Und wo soll das passiert sein?«

»Vor einem Lederwarengeschäft in Mayfair«, beantwortete Parker die Frage. »Nach ersten Ermittlungen ist Mister Hale Barber hier in diesem Haus als eine Art Hausmeister beschäftigt.«

»Kann schon sein«, räumte Plongers ein. »Aber Sie sollten diesen kleinen Zwischenfall vergessen. Dabei muß es sich um ’ne Verwechslung gehandelt haben.«

»Demnach wollten Sie also eine Mistreß Ruth Wennamore entführen lassen?« fragte der Butler höflich. »Ein anderer Gedankenschluß bietet sich sonst nicht an.«

»Kein Kommentar«, sagte Plongers ungeduldig. »Noch mal: vergessen Sie den Zwischenfall, das ist gesünder für Sie.«

»Aber das war doch jetzt eine Drohung«, hoffte die ältere Dame umgehend. Sie blickte ihren Butler leicht gereizt an.

»Solch ein Unterton war in der Tat nicht zu überhören«, meinte Josuah Parker.

»Schmeiß’ sie ’raus.« Plongers wandte sich an den verfetteten Ringer und wollte gehen. Für ihn war die Sache bereits erledigt. Die beiden Besucher stellten für ihn keine Gefahr dar, wie er glaubte.

Der Ringer, der eine Art Jogging-Anzug trug, watschelte vor und wollte sich mit Josuah Parker befassen. Dabei wandte er Mylady seinen überaus breiten Rücken zu. Die ältere Dame schien er plötzlich vergessen zu haben.

»Haben Sie möglicherweise die Absicht, meiner bescheidenen Wenigkeit Harm zuzufügen?« erkundigte sich der Butler, während der fette Ringer die Arme ausstreckte.

»Was hab’ ich?« Der Mann war verblüfft.

»Schmeiß’ sie endlich ’raus«, verlangte Ben Plongers ungeduldig und blieb stehen. Dann aber blickte er verblüfft auf die energische Dame, die eine ihrer Hutnadeln aus dem Putzmachergebilde zog und die Spitze gnadenlos in die linke Gesäßhälfte des Ringers rammte.

Der Getroffene blieb stehen, als sei er zu einer Salzsäule erstarrt. Dann aber ließ er die ausgestreckten Arme sinken und stieß einen heiseren Schrei aus, der Plongers gequält zusammenzucken ließ. Danach griff der Ringer nach seiner mißhandelten Kehrseite und produzierte schnelle, hechelnde Laute.

Ben Plongers glaubte inzwischen das, was er da gerade gesehen hatte. Er führte eine Armbewegung aus, die eindeutig auszulegen war. Er wollte nach seiner Schulterhalfter greifen, doch der Butler ließ dem Mann keine Chance.

Er stieß mit der Spitze seines Universal-Regenschirmes gezielt zu und traf den Solarplexus des Mannes. Plongers vergaß darüber seine Absicht, schnappte nach Luft und krümmte sich. Parker war bereits neben ihm und bot ihm seine hilfreiche Hand.

Plongers nahm keine Stellung zu diesem großherzigen Angebot und merkte nicht, daß der Butler inzwischen zulangte und eine Schußwaffe in seinen Besitz brachte. Dabei handelte es sich um einen kurzläufigen Revolver, der geradezu tödlich aussah.

Der fette Ringer hüpfte inzwischen herum und kam dabei noch mal ungewollt in die Nähe der älteren Dame, die ihre Hutnadel einsatzbereit in der Hand hielt. Als die Gelegenheit günstig war, konnte Lady Agatha einfach nicht widerstehen.

Sie stach noch mal genußvoll zu ...

*

»Und das reichte dem Burschen dann, Mylady?« fragte Mike Rander. Der vierzigjährige, große und lässig an einen bekannten James-Bond-Darsteller erinnernde Anwalt lächelte ein wenig schadenfroh.

»Es kam zu einer allgemeinen Irritation, Sir«, antwortete der Butler, nachdem Mylady ihm huldvoll zugenickt hatte. »Der Mann, der an einen japanischen Ringer erinnert, verließ beeindruckt und beleidigt zugleich die Stätte des Geschehens.«

»Und Ben Plongers?« wollte Kathy Porter wissen. Sie war die Gesellschafterin und Sekretärin der älteren Dame, groß, schlank und von pikanter Schönheit. Sie umgab ein Hauch von Exotik, was eindeutig mit ihren mandelförmig geschnittenen Augen und den betonten Wangenknochen zu tun hatte.

Kathy Porter, knapp dreißig, arbeitete seit geraumer Zeit sehr eng mit Mike Rander zusammen, der das immense Vermögen der Agatha Simpson verwaltete und darüber kaum Zeit fand, als Anwalt zu arbeiten.

»Mister Plongers nahm übel, Miß Porter, was den leichten Stich mit dem Schirm meiner Wenigkeit betraf», beantwortete Parker die Frage. »Er zog sich wie ein gebrochener Mann zurück.«

»Ich hätte diesen beiden Subjekten ja nachgesetzt«, schaltete die Detektivin sich grollend ein und bedachte ihren Butler mit vorwurfsvollem Blick. »Mister Parker aber hielt es für richtiger, sich mit dem Portier zu unterhalten.«

»Was möglicherweise eine erste Erklärung brachte, Mylady«, fuhr der Butler fort. »Mylady müssen einer gewissen Ruth Wennamore ungemein ähnlich sehen.«

»Und wer ist diese Mistreß Wennamore?« erkundigte sich Kathy Porter.

»Eine Person weiblichen Geschlechts, Miß Porter, die laut Auskunft des Portiers sich mit Call-Girls befaßt.«

»Sie haben bestimmt die Adresse dieser Wennamore erfahren«, tippte der Anwalt an.

»Mistreß Ruth Wennamore wohnt in Mayfair, Sir«, konnte der Butler Auskunft geben. »Man erfuhr die genaue Adresse und auch die Telefonnummer. In Myladys Auftrag rief meine Wenigkeit dort an, doch auf der Gegenseite wurde nicht abgehoben.«

»Worauf Sie die Adresse aufsuchten, nicht wahr?« fragte Kathy Porter lächelnd. Sie kannte die Hartnäckigkeit ihrer Lady und auch die des Butlers.

»Mylady wurde nicht aufgetan«, berichtete Parker, nachdem er zustimmend genickt hatte. »Mistreß Wennamore hat laut Auskunft eines Hausbewohners wohl eine Reise angetreten, Gewißheit darüber gibt es allerdings nicht, wie meine Wenigkeit betonen möchte.«

»Da haben Sie sich aber eine tolle Doppelgängerin ausgesucht«, frotzelte Mike Rander.

»Ich werde darüber nachdenken, ob ich mich beleidigt zu fühlen habe, mein Junge«, erwiderte die ältere Dame.

»Eine Doppelgängerin, Sir, der man offensichtlich körperliches Ungemach bereiten will«, warf Josuah Parker ein. »Man sollte vielleicht noch mal daran erinnern, daß man die richtige Mistreß Ruth Wennamore zu einer wenig erfreulichen Ausfahrt einzuladen gedachte.«

»Man müßte wissen, wer diese Wennamore ist«, erwiderte der Anwalt. »Unwichtig kann sie ja wohl kaum sein, sonst würde man sich bestimmt nicht so nachdrücklich um sie bemühen.«

»Mister Parker wird herausfinden, wer diese Frau ist«, ließ die Hausherrin sich vernehmen. »Und selbstverständlich werde ich diesen Fall weiter verfolgen. Ich fühle mich wieder mal in die Pflicht genommen.«

*

Horace Pickett war in früheren Jahren mal Taschendieb gewesen, bis er sich eines Tages im wahrsten Sinn des Wortes völlig vergriffen hatte. Seine flinken und geschickten Finger hatten die Brieftasche eines Gangsterbosses gezogen, in der sich belastende Notizen befanden. Pickett wäre damals um ein Haar ermordet worden, wenn Butler Parker nicht seine schützende Hand über ihn gehalten hätte.

Seit dieser Zeit stand der ehemalige Eigentumsumverteiler, wie er sich gesehen hatte, auf der richtigen Seite des Gesetzes und machte sich eine Ehre daraus, Mylady und Parker behilflich zu sein.

Horace Pickett hatte damals nur Mitmenschen erleichtert, die einen finanziellen Verlust auch hinnehmen konnten. Er war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann von schätzungsweise sechzig Jahren, weißhaarig und militärisch straff.