Parker spritzt die Wunderdroge - Günter Dönges - E-Book

Parker spritzt die Wunderdroge E-Book

Günter Dönges

0,0

Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Sie verfügen über ein Benehmen und eine Ausstrahlung, die auf meine Wenigkeit ausgesprochen negativ wirken«, stellte Josuah Parker in seiner überaus höflichen Art fest und setzte die Spitze seines Universal-Regenschirmes auf den Fußrücken des Mannes. Der Angesprochene mochte zwanzig Jahre zählen. Er war mittelgroß, schlank, hatte ein hageres Gesicht, langes Haar und trug einen Jeansanzug, der zum größten Teil aus Flicken bestand. Die Spitze des Schirmes tat ihre Wirkung. Sie war durch das Obermaterial des leichten Joggingschuhs gedrungen und löste einen stechenden Schmerz aus. Der junge Mann brüllte überrascht auf, zog blitzschnell das ausgestreckte Bein an und musterte den Butler in einer Mischung aus Verblüffung und Wut. »Wahnsinnig, wie?« fragte er dann. »Dies sollten Sie beurteilen«, schlug der Butler vor, der eigentlich nicht unbedingt in einen Schnellimbiß paßte. Er war das Urbild eines hochherrschaftlichen englischen Butlers und zeichnete sich durch würdevolles Benehmen aus. Josuah Parker trug über seinem schwarzen Zweireiher einen ebenfalls schwarzen Covercoat, einen Eckkragen und einen schwarzen Binder. Auf dem freien Sitz neben sich lag die schwarze Melone. Parker wartete auf das Erscheinen einer gewissen Lady Simpson, die einen nahen Kinderhort in dieser östlichen Vorstadt von London besuchte. Schon seit zehn Minuten hatte der Butler das lümmelhafte Benehmen des jungen Mannes indigniert zur Kenntnis genommen. Sein Tischgenosse hatte ausgiebig gerülpst, ihm den Rauch einer Zigarette ungeniert ins Gesicht geblasen und dafür gesorgt, daß auch eine Portion Zigarettenasche auf Parkers Covercoat gelandet war. »Ich glaub', Mann, ich hau' dir gleich eine rein«, überlegte der Bursche ernsthaft und schien Parker erst jetzt richtig zu sehen. »Sie sollten es immerhin auf einen Versuch ankommen lassen«

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2020

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der exzellente Butler Parker – 39 –Parker spritzt die Wunderdroge

Günter Dönges

»Sie verfügen über ein Benehmen und eine Ausstrahlung, die auf meine Wenigkeit ausgesprochen negativ wirken«, stellte Josuah Parker in seiner überaus höflichen Art fest und setzte die Spitze seines Universal-Regenschirmes auf den Fußrücken des Mannes.

Der Angesprochene mochte zwanzig Jahre zählen. Er war mittelgroß, schlank, hatte ein hageres Gesicht, langes Haar und trug einen Jeansanzug, der zum größten Teil aus Flicken bestand.

Die Spitze des Schirmes tat ihre Wirkung. Sie war durch das Obermaterial des leichten Joggingschuhs gedrungen und löste einen stechenden Schmerz aus. Der junge Mann brüllte überrascht auf, zog blitzschnell das ausgestreckte Bein an und musterte den Butler in einer Mischung aus Verblüffung und Wut.

»Wahnsinnig, wie?« fragte er dann.

»Dies sollten Sie beurteilen«, schlug der Butler vor, der eigentlich nicht unbedingt in einen Schnellimbiß paßte.

Er war das Urbild eines hochherrschaftlichen englischen Butlers und zeichnete sich durch würdevolles Benehmen aus. Josuah Parker trug über seinem schwarzen Zweireiher einen ebenfalls schwarzen Covercoat, einen Eckkragen und einen schwarzen Binder. Auf dem freien Sitz neben sich lag die schwarze Melone.

Parker wartete auf das Erscheinen einer gewissen Lady Simpson, die einen nahen Kinderhort in dieser östlichen Vorstadt von London besuchte. Schon seit zehn Minuten hatte der Butler das lümmelhafte Benehmen des jungen Mannes indigniert zur Kenntnis genommen.

Sein Tischgenosse hatte ausgiebig gerülpst, ihm den Rauch einer Zigarette ungeniert ins Gesicht geblasen und dafür gesorgt, daß auch eine Portion Zigarettenasche auf Parkers Covercoat gelandet war.

»Ich glaub‘, Mann, ich hau’ dir gleich eine rein«, überlegte der Bursche ernsthaft und schien Parker erst jetzt richtig zu sehen.

»Sie sollten es immerhin auf einen Versuch ankommen lassen« empfahl Josuah Parker ihm. Sein glattes, ausdrucksloses Gesicht gab dem Rüpel ein Rätsel auf. Irgendwie schien er instinktiv zu spüren, daß für ihn Gefahr in der Luft lag. Er blickte sich hilfesuchend um und winkte dann drei jungen Männern, die am Tresen auf barhockerähnlichen Stühlen saßen und Milch tranken. Parker war übrigens nicht entgangen, daß sie die Milch ausgiebig mit Rum versetzten, der aus einer mitgebrachten Flasche stammte.

»Mann, du weißt gar nicht, wie gefährlich du lebst«, behauptete der Bursche in Richtung Parker.

»Das ganze Leben ist voller Gefahren«, erwiderte der Butler. »Würden Sie gütigst Ihren rechten Fuß vom Nebenstuhl nehmen?«

Der Flegel hatte sein schmerzendes Bein ausgestreckt und auf dem Nebensitz gelagert.

»Das fehlte noch«, höhnte der junge Mann, der seine instinktive Vorsicht bewußt überspielte. »Zieh’ doch Leine, wenn’s dir hier nicht gefällt.«

»Wie Sie zu meinen belieben.« Josuah Parker nahm die Ziernadel aus dem Krawattenknoten und stach sie gezielt in den Joggingschuh. Er traf die Kuppe des linken Zehs und sorgte für eine zweite Schmerzwelle bei dem jungen Mann.

Der sprang auf, verhedderte sich ein wenig und schlug nach Parker.

Er hätte besser darauf verzichtet.

Der Butler hielt bereits die schwarze Melone in der Hand und bremste mit ihrer Wölbung den Schlag. Da die Innenseite seiner Kopfbedeckung mit Stahlblech ausgefüttert war, verformten sie die Fingerknöchel der Faust ein wenig und sorgten auf diese Art für eine dritte Schmerzwelle.

»Meine Wenigkeit möchte nicht verhehlen, daß Sie ausgesprochen aufdringlich und lästig werden«, kommentierte der Butler dieses Abbremsmanöver. Der junge Mann schnappte verzweifelt nach Luft und betrachtete entgeistert seine Faust, die sich nicht mehr öffnen ließ. Dicke Tränen kollerten in Richtung Mundwinkel.

Die Gäste am Tresen waren natürlich aufmerksam geworden und schoben sich an den Tisch heran. Sie hatten einige Cola-Flaschen mitgenommen und wollten sie offensichtlich als Schlaginstrumente mißbrauchen.

»Macht ihn fertig«, rief der junge Mann wütend. »Nehmt das Wrack auseinander.«

Das Wrack namens Parker erhob sich ohne jede Hast, nickte den drei jungen Männern höflich zu, hob den Universal-Regenschirm und erteilte den Angreifern eine intensive Lektion in Sachen Kendo.

Nach etwa anderthalb Minuten räumte die ganze Korona humpelnd und stöhnend den Schnellimbiß. Parker bestellte sich bei dem Mann hinter dem Tresen einen frischen Tee und entdeckte bei dieser Gelegenheit, daß sein Tischgenosse eine Plastiktüte zurückgelassen hatte.

*

»Sie haben da wieder mal vorschnell gehandelt, Mister Parker«, tadelte Agatha Simpson und blickte ihren Butler mißbilligend an. »Hätten Sie nicht warten können, bis ich zurück war?«

»Die allgemeine Situation erforderte leider ein schnelles Handeln, Mylady«, erwiderte Josuah Parker. »Mylady können aber mit dem rechnen, was man als eine Neuauflage bezeichnen muß.«

»Tatsächlich?« Sie lächelte bereits wohlwollend. Lady Agatha stand neben Parkers hochbeinigem Gefährt, einem ehemaligen Londoner Taxi, das nicht mehr dem neuesten Stand der Technik zu entsprechen schien. Doch dieser Eindruck täuschte. Unter der eckigen Blechhaut befand sich die modernste Apparatur. Ein James Bond hätte sich mit Sicherheit glücklich geschätzt, solch eine Trickkiste auf Rädern bewegen zu dürfen.

»Die jungen Herren haben wohl die Absicht, Mylady und meine Wenigkeit zu verfolgen«, fuhr der Butler fort, während er Mylady behilflich war, in den Fond des Wagens zu steigen. Obwohl sie mit Sicherheit das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, bewegte sie ihre majestätische Fülle mit erstaunlicher Grazie.

Parker setzte sich ans Steuer und ignorierte die vier jungen Männer, die neben einem reichlich angerosteten Geländewagen der Marke Toyota standen und sich nun ein wenig linkisch in diesen Wagen schwangen. Sie litten noch unter den Nachwirkungen jener Lektion, die der Butler ihnen kostenlos erteilt hatte.

»Sind Sie auch wirklich sicher, Mister Parker, daß man mich verfolgen wird?« sorgte sich die ältere Dame. Sie hielt sich für eine einmalig begabte Amateur-Detektivin und konnte sich dank ihrer immensen Vermögenswerte jede Extravaganz leisten. Lady Agatha ging grundsätzlich keinem Streit aus dem Weg, trat in jedes erreichbare Fettnäpfchen und war für ihre Direktheit geradezu gefürchtet.

»Man wird den Versuch unternehmen, Mylady, sich wieder in den Besitz einer gewissen Plastiktüte zu bringen.«

Sie wollte mehr darüber wissen, und Josuah Parker informierte sie, während er in Richtung City fuhr. Dabei schaute er immer wieder in den Rückspiegel und behielt die Verfolger im Blick. Sie fuhren völlig ungeniert dem hochbeinigen Monstrum nach, wie Parkers Wagen von Eingeweihten freundlich-spöttisch genannt wurde.

»Und was ist in dieser Plastiktüte?« fragte die ältere Dame, als der Butler seinen Bericht beendet hatte.

»Es handelt sich um eine braune Paste, Mylady, die man nur als vorerst undefinierbar bezeichnen kann«, lautete die Antwort des Butlers. »Sie ist zudem ausgesprochen übelriechend.«

»Also wertloses Zeug«, entschied Agatha Simpson.

»Auch dies sollte man nicht ausschließen, Mylady.«

»Ich sage Ihnen bereits jetzt, Mister Parker, daß sich daraus niemals ein Fall für mich entwickeln wird.« Ihre tiefe, sonore und wirklich nicht leise Stimme klang abfällig.

»Myladys Sensibilität und Gespür werden sich wieder mal als richtig erweisen.«

»Natürlich«, sagte sie. »Zudem widerstrebt es mir, mich mit solchen Jünglingen herumzuschlagen. Sie haben ja nicht den Hauch einer Chance, gegen eine Lady Simpson anzukommen.«

»Wünschen Mylady ein Abhängen der Verfolger?«

»Aber nein, Mister Parker.« Sie schnaubt unwillig. »Ich werde immerhin von diesen Lümmeln belästigt und werde sie vielleicht zur Ordnung rufen. Ich überlege mir das noch.«

Josuah Parker sorgte dafür, daß die vier jungen Männer im Toyota nicht den Anschluß verloren. Besonders geschickt schien der Fahrer des Geländewagens nicht zu sein. Er ließ sich einige Male sogar von überholenden Wagen abdrängen.

Die Verfolger merkten nicht, daß sie wie an einer unsichtbaren Leine hingen. Nach gut dreißig Minuten, als man sich Shepherd’s Market näherte, schlossen sie endlich enger auf und hofften wohl, das hochbeinige Gefährt stellen zu können. Der Fahrer setzte zu einem Überholmanöver an, doch er schaffte es nicht, das ehemalige Taxi einzuholen.

Parker hatte mehr Gas gegeben. Der Rennmotor unter der eckigen Haube röhrte diskret auf und tat einen Satz nach vorn. Dann kam bereits das geschlossene Gittertor in Sicht, hinter dem sich der kleine rechteckige Vorplatz und das altehrwürdige Fachwerkhaus der Lady Simpson befanden.

Dieses zweistöckige Haus, das auf den labyrinthartigen Gewölben einer ehemaligen Abtei aus dem Mittelalter stand, gehörte zu einem Ensemble weiterer Fachwerkhäuser, die es flankierten. Hier in dieser Region zwischen Hyde Park und Green Park schien man plötzlich auf dem Land zu sein, so rustikal sah alles aus.

Durch Funk öffneten Parker die beiden Flügel des Tores und hielt auf den überdachten Eingang des Hauses zu. Ein Spitzgiebel wurde von einigen kleinen Säulen getragen, die ihrerseits auf Sandsteinmauern standen.

Der Toyota folgte zögernd, wurde dann aber schneller, als Mylady und Parker den Wagen verließen und das Haus betraten. Mit quietschenden Bremsen wurde der Geländewagen hinter Parkers Gefährt gestoppt.

Die jungen Männer stiegen aus und zeigten dabei immer noch eine gewisse Steifheit. Dann staksten sie zum überdachten Eingang und sahen sich wohl am Ziel ihrer Wünsche. Sie gingen davon aus, daß der Rest nur noch eine Kleinigkeit war.

*

Sie läuteten Sturm und hatten keine Ahnung, wie genau sie kontrolliert wurden. Unter dem Spitzgiebel war eine Fernsehkamera installiert, die jede Bewegung ablichtete. Ein Mikrofon sorgte für den sauberen Ton.

Josuah Parker und Lady Agatha standen vor einem geöffneten Wandschrank, in dem unter anderem ein Kontroll-Monitor untergebracht war. Die vier Männer hämmerten inzwischen wütend gegen das Türblatt. Sie glaubten mehr denn je, es mit leicht betagten Menschen zu tun zu haben, mit denen sie völlig nach Belieben umspringen konnten. Erstaunlicherweise schienen sie Parkers Solo im Schnellimbiß bereits wieder vergessen zu haben.

»Die Herrschaften wünschen?« erkundigte sich der Butler über die Wechselsprechanlage.

»Aufmachen«, verlangte der junge Mann, dem die Plastiktüte gehörte. »Mach’ sofort auf, oder wir stecken euch die Bude über dem Kopf an.«

»Sie legen ein ungebärdiges Benehmen an den Nachmittag«, antwortete Josuah Parker, »dennoch wird man Ihren Wünschen entsprechen.«

Parker hielt eine Fernbedienung in der Hand, wie man sie bei Fernsehgeräten kennt. Er sprach damit den elektrischen Türöffner an, worauf die Tür zurückschwang und den Weg in den verglasten Vorflur freigab.

Die vier jungen Männer stürmten in diesen quadratischen Raum und sahen sich am Ziel ihrer Verfolgung. Als der junge Mann, dem die Plastiktüte gehörte, die Glastür in Richtung Wohnhalle aufziehen wollte, erlebte er eine herbe Enttäuschung. Sie ließ sich nämlich nicht bewegen.

»Jetzt platzt uns aber gleich der Kragen«, brüllte er und hämmerte nun auch gegen diese Tür. Er sah sich Parker und Lady Simpson gegenüber, die keine Angst zeigten. Dies allein hätte ihn vorsichtig stimmen müssen.

»Vermissen Sie möglicherweise diesen Gegenstand hier?« erkundigte sich der Butler und deutete auf die Plastiktüte.

»Rück’ die Tüte raus, dann ziehen wir sofort wieder ab.«

»Ihr Inhalt ist ungemein klebrig und sehr übelriechend.«

»Na eben, darum reich’ uns das Zeug rüber, Mann. Oder wir dreschen die Glasfüllung hier ein.«

»Um welche Paste es sich handelt, möchten Sie Mylady vorenthalten?«

»Verdammt, das geht euch doch einen feuchten Dreck an«, brüllte der junge Mann weiter. Er nickte seinen Begleitern zu, die sich sofort daran machten, die Glasfüllung einzutreten. Zwei von ihnen trugen Springerstiefel mit soliden Schuhkappen.

»Sie werden Ihre Schuhe ruinieren«, warnte Parker über die Wechselsprechanlage. »Sie haben es mit Panzerglas zu tun, das sich davon kaum beeindrucken läßt.«

Die Burschen schauten sich verdutzt an und wirkten ratlos. Mit solchen Hindernissen hatten sie sicher nicht gerechnet.

»Okay, okay«, lenkte der junge Mann ein. »Wir rauschen wieder ab. Dafür schmeißen Sie mir die Plastiktüte raus, klar?«

»Die braune Paste scheint Ihnen sehr viel zu bedeuten.«

»Das is’... das is’n Schmiermittel für unsere Feuerstühle«, antwortete der junge Mann und grinste.

»Ihrem Vorschlag wird entsprochen werden«, gab Josuah Parker in seiner höflichen Art zurück. »Wenn Sie allerdings erlauben, wird meine Wenigkeit eine kleine Probe ziehen. Auch in einem Haushalt ist man auf besondere Gleitmittel immer wieder mal angewiesen.«

Der Butler veranstaltete eine kleine Show, begab sich gemessen in den angrenzenden Salon und holte dort einen Eßlöffel aus einer Servier-Anrichte. Er öffnete die Plastiktüte und zweigte eine Portion von der braunen Paste für sich ab.

»Was soll denn das, Mister Parker?« räsonierte Lady Agatha mißmutig. »Das bringt doch nichts. Müssen Sie wieder mal Ihren Kopf durchsetzen?«

»Meine Wenigkeit plant, die Paste einer Analyse zu unterziehen«, antwortete Josuah Parker. Er wartete bis die jungen Männer den Vorraum und dann das Haus verlassen hatten. Auf dem Monitor beobachtet er sie, als sie zu ihrem Geländewagen gingen.

Parker betrat den verglasten Vorflur und warf die Plastiktüte von der Tür aus in die geöffneten Hände des jungen Mannes. Wenige Augenblicke später jagte der Toyota zurück in Richtung Durchgangsstraße, passierte das Gittertor, das sich hinter ihnen schloß, und war dann im dichten Verkehr verschwunden.

»Ich werde den Tee in einer halben Stunde nehmen, Mister Parker«, kündigte Lady Agatha an. »Bis dahin werden Sie ja wohl sagen können, wie unwichtig dieses braune Geschmiere ist.«

*

Josuah Parker befand sich im Souterrain des Hauses, wo unter anderem auch seine privaten Räume lagen. Hier verfügte er über einen großen Wohnraum, ein Schlafzimmer und ein geräumiges Bad. Hinzu kam ein Raum, den er sein Labor zu nennen pflegte. In dieser Werkstatt ersann und konstruierte er die vielen kleinen Hilfsmittel, um seine Gegner möglichst unblutig überraschen zu können.

Der Butler, ein fast schon genialer Bastler und Erfinder, war gerade damit beschäftigt, eine Analyse der braunen Paste vorzunehmen, als sich plötzlich die hauseigene Warnanlage meldete. Er schritt gemessen hinüber in seinen Wohnraum und warf einen prüfenden Blick auf die Schalttafel, die neben der Tür installiert war. Er fand heraus, daß man Anstalten traf, die trennende Mauer hinter dem Grundstück zu übersteigen. Sofort dachte der Butler natürlich an die vier jungen Männer, die er eben erst freundlich entlassen hatte.

Auch hier gab es selbstverständlich einen Monitor, den Parker einschaltete. Er rief nacheinander die einzelnen Außen-Kameras ab und erblickte dann den ersten jungen Mann, der gerade dabei war, die hohe Mauer aus Sandsteinblöcken und Ziegelsteinen zu übersteigen.

Es handelte sich um den Besitzer der Plastiktüte, dem es sicher nicht paßte, daß Parker eine Probe der braunen Paste gezogen hatte. Der junge Mann schien auf der anderen Seite der Mauer auf den Schultern eines Begleiters zu stehen. Er hatte die Hände über die halbrunde Mauerkrone geschoben und zog sich hoch. Dabei schwang er ein Bein, um sich einen zusätzlichen Halt auf der Mauer zu verschaffen.

Die Mauer selbst schien völlig ungesichert zu sein.

Dies war allerdings eine fromme Täuschung. Sie hatte es nämlich in sich. Eingelassen im glatten Beton gab es einen durchgehenden Strich, der aus feinen Stahlborsten bestand. Diese Borsten konnten nach Belieben unter Strom gesetzt werden.

Parker besorgte dies in dem Augenblick, als der junge Gipfelstürmer bereits rittlings auf der Mauer saß und sich in Richtung angrenzenden Park hinunterbeugte. Er streckte die Arme aus und wollte einen seiner Begleiter hochziehen. Doch der Stromschlag ließ den jungen Mann hochhüpfen. Er stieg etwa fünf bis sechs Zentimeter steil an, verkrampfte sich dabei und ... rutschte auf der anderen Seite wieder zurück in den kleinen Park, der zu einem Institut gehörte, in dem um diese Zeit schon nicht mehr gearbeitet wurde.