Parker treibt die Ratten raus - Günter Dönges - E-Book

Parker treibt die Ratten raus E-Book

Günter Dönges

0,0

Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker war erleichtert, als er dem japanischen Geländewagen entstieg, den seine Herrin, Lady Agatha Simpson, gesteuert hatte. Autofahrer hatten erbost hinter ihnen gebrüllt, und an der Southwark-Bridge hatte ein total entnervter Radfahrer sich nur mit einem verzweifelten Sprung in die Themse retten können. Seine derben Flüche klangen Josuah Parker immer noch in den Ohren. »Diese Leute«, klagte Lady Agatha, während Parker ihr aus dem Wagen half, »benehmen sich wie üble Rowdys. Aber das erlebe ich ja nicht zum ersten Mal. Was sagen Sie dazu, Mister Parker?« »In der Tat, Mylady«, erwiderte der Butler diplomatisch. »Es ist wahrhaftig nicht das erste Mal.« Die passionierte Detektivin setzte ihre beachtliche Leibesfülle in Bewegung und ging zielstrebig auf eine Passage zu. Parker folgte gemessen seiner Herrin, die den heutigen Tag mit einem Einkaufsbummel zu verbringen gedachte. Einige Leute drehten sich neugierig nach ihm um. Parker war ein mehr als mittelgroßer, alterslos wirkender Mann: das Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers mit schwarzem Zweireiher, Eckkragen und schwarzem Binder. Unverwechselbare Zeichen an ihm waren die schwarze Melone, der Covercoat und der Regenschirm, der allerdings von ganz besonderer Art war. Dazu war der Butler die Würde in Person. Agatha Simpson hingegen strahlte unbändige Energie aus. Sie war seit Jahren verwitwet und eine immens reiche Frau, die sich dafür entschieden hatte, als Amateur-Detektivin zu arbeiten. Sie hielt sich in ihrem Beruf für unübertrefflich und einmalig und verbuchte auch viele Erfolge, weil Josuah Parker geschickt im Hintergrund agierte und die jeweiligen Fälle diskret zu lösen pflegte. In der Passage blieb Lady Agatha abrupt stehen und sah sich erstaunt nach allen Seiten um.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 115

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Butler Parker – 194 –

Butler Parker treibt die Ratten raus

Günter Dönges

Josuah Parker war erleichtert, als er dem japanischen Geländewagen entstieg, den seine Herrin, Lady Agatha Simpson, gesteuert hatte.

Autofahrer hatten erbost hinter ihnen gebrüllt, und an der Southwark-Bridge hatte ein total entnervter Radfahrer sich nur mit einem verzweifelten Sprung in die Themse retten können. Seine derben Flüche klangen Josuah Parker immer noch in den Ohren.

»Diese Leute«, klagte Lady Agatha, während Parker ihr aus dem Wagen half, »benehmen sich wie üble Rowdys. Aber das erlebe ich ja nicht zum ersten Mal. Was sagen Sie dazu, Mister Parker?«

»In der Tat, Mylady«, erwiderte der Butler diplomatisch. »Es ist wahrhaftig nicht das erste Mal.«

Die passionierte Detektivin setzte ihre beachtliche Leibesfülle in Bewegung und ging zielstrebig auf eine Passage zu.

Parker folgte gemessen seiner Herrin, die den heutigen Tag mit einem Einkaufsbummel zu verbringen gedachte.

Einige Leute drehten sich neugierig nach ihm um. Parker war ein mehr als mittelgroßer, alterslos wirkender Mann: das Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers mit schwarzem Zweireiher, Eckkragen und schwarzem Binder. Unverwechselbare Zeichen an ihm waren die schwarze Melone, der Covercoat und der Regenschirm, der allerdings von ganz besonderer Art war. Dazu war der Butler die Würde in Person.

Agatha Simpson hingegen strahlte unbändige Energie aus. Sie war seit Jahren verwitwet und eine immens reiche Frau, die sich dafür entschieden hatte, als Amateur-Detektivin zu arbeiten. Sie hielt sich in ihrem Beruf für unübertrefflich und einmalig und verbuchte auch viele Erfolge, weil Josuah Parker geschickt im Hintergrund agierte und die jeweiligen Fälle diskret zu lösen pflegte.

In der Passage blieb Lady Agatha abrupt stehen und sah sich erstaunt nach allen Seiten um.

»Was höre ich da, Mister Parker?« fragte sie stirnrunzelnd.

»Mylady dürften Ohrenzeugin einer erregt geführten Diskussion sein«, antwortete der Butler gemessen.

»Genau das wollte ich sagen«, behauptete die ältere Dame. »Kann es sein, daß diese Diskussion in der Wäscherei da drüben stattfindet?«

»Mylady verfügen über ein unübertreffliches Gehör.«

Agatha Simpson wandte sich um und blickte auf ein Schild in der Passage.

»Tom Peacock – Reinigung und Wäscherei«, stand da in schmalen Lettern.

Die Tür bestand aus Milchglas. Weder die neugierige Agatha Simpson noch Butler Parker konnten hindurchsehen.

Dafür aber waren die Geräusche aus dem Innern eindeutig zu identifizieren.

In der Wäscherei brüllten ein paar Kerle durcheinander. Die angeregte Diskussion setzte sich offenbar auf höherer Ebene fort – mit Faustschlägen und Ohrfeigen.

Für die kampflustige ältere Dame bedeutete das die ernstgemeinte Aufforderung zum Eintreten. Sie schlitterte sozusagen wieder mal in einen Fall hinein.

Entschlossen öffnete sie die Tür und trat ein – und fand sich übergangslos in einer anderen Welt wieder.

Dichter Nebel hing in dem Raum wie in einem Inhalatorium. Die Luft war schwer und feucht.

»Wo bleiben Sie denn, Mister Parker?« fragte Agatha Simpson ungehalten. »Man sieht hier ja kaum die Hand vor Augen.«

»Stets an Ihrer Seite, Mylady«, versicherte der Butler, der eingetreten war und die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Die vier Kerle ignorierten ihre Besucher. Sie waren so mit sich selbst beschäftigt, daß sie alles um sich her vergessen hatten.

Sie waren in dem zähen Nebel nur als vage Schatten zu erkennen. Aber diese Schatten hieben brüllend um sich, verteilten Ohrfeigen, schlugen mit den Fäusten und begleiteten alles mit saftigen Flüchen.

Aus einer Waschmaschine strömte Dampf. Aus einem Rohr tropfte Wasser auf den Boden. Ein Karton mit Seifenpulver flog quer durch den Raum und zerplatzte dicht neben der Tür.

»Habe ich das etwa als Angriff aufzufassen, Mister Parker?« verlangte Lady Agatha empört zu wissen. »Diese tobsüchtigen Lümmel ahnen wohl nicht, wen sie vor sich haben.«

»Meine Wenigkeit möchte behaupten, es schiene sich eher um ein Versehen gehandelt zu haben. Gezielte Angriffe dürften bei diesem Smog keinen großen Erfolg versprechen.«

In dem großen Raum roch es nach Seifenpulver, Chemikalien aller Art, ätzenden Dämpfen, kochendem Wasser und Knochenöl, dessen talgartige Konsistenz sich in diversen Flaschen auf den Regalen befand. Das entsetzlich stinkende Zeug wurde als Schmiermittel, zur Seifen- und Schuhcremeherstellung benutzt.

Parker wußte immer noch nicht, was hier los war. Er sah nur undeutlich vier Kerle, die sich wie wild prügelten. Aber der Grund dafür blieb vorerst unerfindlich.

Einer der Kerle sauste jetzt gerade mit einem Affenzahn quer durch die Wäscherei. Ein kräftiger Fußtritt hatte ihm den erforderlichen Schub verliehen, und das Waschpulver tat ein übriges, um ihn schneller flitzen zu lassen.

Er knallte mit dem Schädel an eine Wäschetrommel und heulte auf. Völlig verschmiert versuchte er auf die Beine zu kommen, doch der Untergrund war zu glatt, und so landete er zum zweiten Mal knallhart an der Wäschetrommel.

Josuah Parker hielt es für angemessen, den Schauplatz der Schlägerei diskret zu verlassen, doch seine kriegerische Herrin war damit keineswegs einverstanden. Sie hielt das Schauspiel für ergötzlich.

»Sehen Sie nur, wie die sich balgen, Mister Parker«, rief sie erfreut.

Der Butler hüstelte dezent und bot seiner Herrin den Arm.

»Wenn Mylady gestatten, wird meine Wenigkeit Mylady vom Schauplatz des Geschehens begleiten«, bot er an, aber damit stieß er auf taube Ohren. Agatha Simpson dachte nicht im Traum daran, den Schauplatz des Geschehens zu verlassen.

Sie suchte nach einer Möglichkeit, hilfreich in den Kampf einzugreifen, konnte sich aber noch nicht für eine Seite entscheiden, weil alles im wahrsten Sinn des Wortes noch undurchsichtig war.

Der Rattengesichtige ließ immer noch den Revolverlauf kreisen.

Agatha Simpson hatte inzwischen ihren perlenbestickten Pompadour in leichte Schwingung versetzt und bewies jetzt ihre Gefährlichkeit.

Sie holte einmal kurz aus und setzte den Pompadour zielsicher auf den Schädel des Mannes.

Die Wirkung war erstaunlich. Der Rattengesichtige zuckte zusammen, stöhnte dann, verdrehte die Augen und sackte schwerfällig in die Knie. Der leise Nachhall eines hohlen, dumpfen Geräuschs war noch zu hören, außerdem das Poltern, mit dem der Revolver auf den Boden fiel.

Der Glücksbringer im Handbeutel hatte voll sein Ziel erreicht. Bei diesem sogenannten Glücksbringer handelte es sich um ein einfaches Pferdehufeisen, das einst ein Brauereigaul getragen hatte. Dementsprechend Stark war auch die Wirkung. Der Glücksbringer war nur oberflächlich in dünnen Schaumstoff verpackt. Agatha Simpson handhabte den perlenbestickten Pompadour mit außerordentlicher Kraft und Geschicklichkeit, und da sie dem Hobby des Golfs und des Sportbogenschießens huldigte, war ihre Muskulatur auch entsprechend gut ausgebildet.

Einen Augenblick war die Schlägerei unterbrochen. Der zweite Kerl zog ebenfalls einen Revolver und kam näher. Er kniff die Augen zusammen, um in dem Dunst besser sehen zu können. Noch während er näherkam, bediente sich Parker aus dem reichhaltigen Angebot in den Regalen.

Er nahm eine Flasche Knochenöl und warf sie auf den Boden. Das schmierige Zeug lief aus und vermischte sich mit dem feuchten Seifenpulver zu einem aalglatten Bodenbelag. Parker warf noch eine zweite Flasche zu Boden und schickte einen Karton himmelblauen Waschpulvers hinterher, der detonationsartig barst.

Agatha Simpson stand mit höchst zufriedenem Gesichtsausdruck nahe der Tür und sah erstaunt auf den Effekt, den ihr Butler mit den Wurfgeschossen ausgelöst hatte.

Der Mann mit dem Revolver lief rückwärts, konnte sich aber nicht auf den Beinen halten und fiel der Länge nach hin. Der Rattengesichtige erhob sich, allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde, dann schlitterte er wie besessen durch die Schmiere, griff haltlos in der Luft herum und beendete seine Reise vor einer Waschmaschine, die er heftig umarmte.

Auch die drei anderen blieben nicht verschont. Einer ging zu Boden, der andere klammerte sich an ihn und folgte ihm. Der dritte flitzte wie vom Affen gebissen durch den Raum, flog an die Wand, fiel hin und versuchte aufzustehen. Vergeblich – in der Schmiere kriegte er kein Bein mehr auf den Boden.

Heulen und Zähneklappern war zu hören. Immer wieder versuchten die Männer, sich auf den Beinen zu halten, doch jeder Ansatz wurde im Keim erstickt.

Agatha Simpson war von diesem Effekt so begeistert, daß sie nun ihrerseits in die Regale griff und die brüllenden Kerle mit allem bombardierte, was ihr in die Hände fiel.

Der eine grapschte nach seinem Revolver und fiel prompt und schmerzhaft auf die Nase. Zu aller Pein knallte ihm ein weiterer Karton Waschpulver auf den Schädel. Eine zartblaue Wolke breitete sich aus, und der Kerl gab einen erstickten Schrei von sich.

Die anderen gerieten inzwischen in Panik, niesten, husteten und fluchten um die Wette. Sobald einer auch nur die Hände aufstützte, endete der Versuch mit einem kläglichen Fall.

»Herrlich ist das«, rief Lady Agatha und klatschte in die Hände. »Die Subjekte kommen überhaupt nicht mehr hoch. Wie finde ich das, Mister Parker?«

»Mylady dürften das höchst ergötzlich finden. Wie Mylady sicher wissen, handelt es sich hierbei um den sogenannten Reibungskoeffizienten. Mylady wissen ferner, daß es sich dabei um jene Kraft handelt, die aufgewendet werden muß, um die Geschwindigkeit eines reibenden Körpers konstant zu halten, im Verhältnis zum Körpergewicht. Mylady dürfen versichert sein, daß der. Reibungskoeffizient in diesem Fall gleich Null ist.«

»Selbstverständlich ist mir das bekannt«, schwindelte die Lady bedenkenlos, die vom Reibungskoeffizienten noch nie etwas gehört hatte. Sie sah nur den Erfolg, und der war mehr als erstaunlich, als die brüllenden Männer immer wieder vergeblich versuchten, auf die Beine zu kommen.

In wilder Wut, Beklemmung und Angst hieben sie nach allen Seiten um sich. Doch jede Bewegung setzte sich in der Schmiere sofort um und ließ sie hilflos von einer Seite zur anderen rutschen.

Selbst als einer versuchte, sich an der Waschmaschine hochzuziehen, gelang ihm das nicht. Er strampelte mit den Beinen, hielt das Gerät umklammert und kam nicht mehr davon los.

Ein anderer kroch mit einem Gesicht wie ein kranker Hund auf Agatha Simpson zu und versuchte ihre Beine zu fassen.

Für die streitbare ältere Dame war das einwandfrei ein tätlicher Angriff, oder zumindest der Versuch dazu.

Wieder trat ihr perlenbestickter Pompadour in Aktion, den sie an einer langen Lederschlaufe trug.

Der Glücksbringer traf wie gewohnt sein Ziel. Diesmal landete er auf einem mit Waschpulver und Knochenöl zweckentfremdeten Hinterkopf.

Da auch hier der Reibungskoeffizient aufgehoben war, hatte Agatha Simpson alle Mühe, den Glücksbringer rechtzeitig abzufangen, weil er wie ein Bumerang zurückkehrte.

Der kräftig geführte Hieb aber versetzte den Mann in rotierende Bewegung. Er drehte sich wie ein Kreisel auf dem glitschigen Boden und kam erst nach einer Weile unter einem Regal zum Stillstand. Der Aufprall war so gewaltig, daß dieses Regal umfiel. Knallend barsten Kartons und Flaschen. Himmelblaue und weiße Wolken wurden durch den Raum geblasen, weiteres Knochenöl lief aus. Der Geruch wurde schließlich so penetrant, daß selbst Parker leicht angewidert die Nase rümpfte.

»Was gedenke ich nun zu tun, Mister Parker?« fragte die Lady, die mißbilligend auf die rudernden Kerle sah.

»Mylady gedachten den Nachmittag mit einem Einkaufsbummel zu verbringen.«

»Richtig, das hatte ich vor. Hier gibt es für mich nichts mehr zu tun. Den Rüpeln habe ich es gründlich besorgt. Finden Sie nicht auch, Mister Parker?«

Josuah Parker verneigte sich leicht.

»Mylady verstehen es ausgezeichnet, immer die rechten Umgangsformen zu wahren«, sagte er höflich.

»Dann gehen wir jetzt«, entschied die resolute Dame bestimmt.

Aus dem himmelblauen Nebel ertönte wildes Zetern. Die Kerle brüllten immer noch ihre hilflose Wut hinaus.

»Das wird Folgen haben«, keifte eine bitterböse Stimme. »Das wird euch noch verdammt leid tun.«

»Tut es mir wirklich leid, Mister Parker?« fragte die Lady lächelnd.

»Meine Wenigkeit möchte sich dem Glauben hingeben, daß Mylady nicht unbedingt von dieser Gefühlsregung betroffen sind.«

Butler Parker lüftete höflich seine Melone in Richtung der undefinierbaren Nebelwolke und geleitete seine Herrin dann zur Tür hinaus.

Hinter ihnen blieb das totale Chaos zurück. Fünf restlos entnervte Männer schrien sich die Kehlen heiser.

*

Lady Agatha bewohnte in Shepherd’s Market, in der Nähe des Hyde Park, ein Fachwerkhaus, das auf den Grundmauern und Gewölben einer alten Abtei stand. Das Haus lag an der Stirnseite eines kleinen Platzes, der von weiteren Fachwerkhäusern eingerahmt wurde. Diese Häuser gehörten Lady Agatha ebenfalls.

An diesen Abend hatte es sich Lady Agatha gemütlich gemacht. Sie saß in dem großen Sessel vor dem Kamin, blätterte in einer Zeitschrift und trank abwechselnd Tee und Kognak. Immer wieder griff ihre Hand nach der Kristallschale mit den diversen Leckereien.

Josuah Parker legte gerade ein Scheit in den knisternden Kamin.

»Schrecklich, diese Süßigkeiten, Mister Parker«, meinte sie, »aber ich habe gerade in dieser Zeitschrift gelesen, daß der menschliche Körper unbedingt hin und wieder Zucker zu sich nehmen muß, damit er gesund und kräftig bleibt.«

Das klang fast wie eine Entschuldigung, denn in der Zeitschrift stand nichts davon, daß man diesen Zucker in Form von Keksen und Leckereien gleich pfundweise vertilgen mußte.

»Da kann ich Mylady nur beipflichten«, sagte Parker höflich. Sein Gesicht war glatt und ausdruckslos auf die jetzt leere Kristallschale gerichtet. »Mylady dürfen ihren Körper keineswegs vernachlässigen.«

»Dann bringen Sie mir noch ein paar kandierte Früchte, Mister Parker.«

Als der Butler das Gewünschte in einer weiteren Schale hereinbrachte, läutete die Türglocke.

Agatha Simpson sah unwillig hoch. Sie liebte es nicht sonderlich, in ihren Musestunden gestört zu werden.

»Sehen Sie bitte mal nach, wer mich jetzt noch belästigt, Mister Parker.«

Der Butler verbeugte sich knapp und ging zum verglasten Vorflur. Auf der rechten Seite öffnete er einen in die Wand eingebauten Schrank und schaltete die Fernsehkamera ein, die sich draußen unauffällig unter dem Vordach der Tür befand.

»Chief-Superintendent McWarden«, meldete Parker.

»Was will der Mensch denn nun schon wieder?« fragte sie seufzend. »Braucht er mich, um wieder einen Fall aufzuklären? Wie hat er es nur jemals zu seinem Posten gebracht? Lassen Sie ihn eintreten«, entschied sie dann.

McWarden, etwa fünfundfünfzig Jahre alt, untersetzt und mit einem deutlichen Bauchansatz ausgestattet, ähnelte einer leicht gereizten Bulldogge, was sein Aussehen betraf. Der Blick aus seinen Basedowaugen trug noch ein übriges dazu bei.

McWarden leitete im Yard ein Sonderdezernat, das dem Innenministerium unterstellt war und sich hauptsächlich mit dem organisierten Bandenwesen befaßte.