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Als Misanthrop galt Thomas Bernhard, und er verstand es sehr gut, dieses Bild während seines ganzen Lebens zu vermitteln. Er gab in dieser Rolle zahlreiche Interviews, die inzwischen legendären Charakter besitzen. Das hier zum ersten Mal veröffentlichte Interview, das Peter Hamm 1977 führte, ist eine Sensation: Thomas Bernhard vertraute Peter Hamm, der den ersten (1957 erschienenen) Gedichtband des inzwischen berühmt gewordenen Autors hymnisch begrüßt hatte, in besonderem Maße. So antwortete er, ungespielt, ohne Zurückhaltung, offen, auf sämtliche Fragen des Lebens und Schreibens. In diesem großen Interview ist also zu erfahren, warum Bernhard schrieb, wie er schrieb, warum er so lebte, wie er lebte.
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Seitenzahl: 76
Veröffentlichungsjahr: 2011
Thomas Bernhard
Peter Hamm
»Sind Sie gern böse?«
Ein Nachtgespräch zwischenThomas Bernhard und Peter Hammim Hause Bernhard in Ohlsdorf 1977
eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2011
© Suhrkamp Verlag Berlin 2011
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Satz: Hümmer GmbH, Waldbüttelbrunn
Printed in Germany
Erste Auflage 2011
eISBN 978-3-518-74510-6
www.suhrkamp.de
Es war im Jahr 1957, als mich in der Tübinger Buchhandlung Gastl, die auch Siegfried Unseld nicht nur als Student gern frequentierte, der monumentale Titel eines Gedichtbands ansprang, der Auf der Erde und in der Hölle lautete und blutrot auf einem Umschlag aus abwaschbarem tiefstschwarzem Kunststoff prangte. Blutrot stand da auch der Name des Dichters: Thomas Bernhard. Fast übertrieben genau bezeichneten die Gedichte des jungen Thomas Bernhard das Lebensgefühl des Zwanzigjährigen, der ich damals war, und das mußte der Welt verkündet werden. Ausgerechnet in der vorsichtig kommunistischen Zeitschrift räumte mir eine barmherzige Redakteurin Platz für eine Rezension ein, die dann freilich mit einer Buchkritik im üblichen Sinn wenig zu tun hatte, sondern zur Dithyrambe geriet. »Seit Trakl hat Österreich, von Christine Lavant abgesehen, keinen so originalen Lyriker mehr erlebt wie Bernhard. Jeder neue Satz von ihm hat die Macht, einen buchstäblich umzuwerfen, so elementar und stets neu tritt er vor einen hin. Hier hat die Dichtung wieder einen wie Rimbaud vergewaltigt, hat einen vom Leben Besessenen gezwungen, um ihretwillen dem Leben zu entsagen.« Und so weiter und so weiter im überspanntesten Ton, der sich denken läßt, der aber nichts als ein Echo auf Thomas Bernhards lyrische Überspanntheiten war, auf die finster funkelnde Feierlichkeit, mit der dieser junge österreichische Dichter sein Unglück zelebrierte. Es versetzte meiner Bernhard-Begeisterung auch keinen Dämpfer, als Ingeborg Bachmann, der ich den Band geschickt hatte, um sie mit meiner Begeisterung anzustecken, kühl und klug zurückschrieb: »Er – Bernhard – ist schon da, – ganz in dem Trieb, die Gedichte zu schreiben, und noch nicht in den Gedichten selber.«