Sweet Summer Nights - Rebecca Rivoire - E-Book
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Sweet Summer Nights E-Book

Rebecca Rivoire

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Beschreibung

Dunkle Geheimnisse, verbotene Liebe und Intrigen – ein gefährliches Spiel geht weiter. Katharina hat Adrians Leben wie ein Wirbelsturm erfasst – und vier Wochen haben gereicht, um alles zu verändern. Doch als sie erneut spurlos verschwindet, bleibt Adrian keine Wahl: Er kehrt nach London zurück, nur um sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Was er dort entdeckt, übertrifft seine schlimmsten Befürchtungen. Die illegalen Machenschaften seiner Familie reichen tiefer, als er je vermutet hätte, und Intrigen in den eigenen Reihen machen die Situation lebensgefährlich. Mitten in diesem Netz aus Macht und Verrat ist es ausgerechnet Katharina, die er nicht vergessen kann – die Frau, die niemals die Wahrheit über seine Familie erfahren darf. Denn Adrians düstere Welt erinnert Katharina nur allzu sehr an ihre eigene, tragische Vergangenheit. Doch was passiert, wenn zwei Menschen, die nicht zueinander passen dürfen, alles riskieren?

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Seitenzahl: 541

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Contentwarnung

Dieses Buch enthält Inhalte, die für manche Lesenden belastend sein können. Detaillierte Informationen sind auf der vorletzten Seite (S. →) zu finden. Diese enthalten Spoiler zum Inhalt dieses Buches.

Für die Möglichkeiten,

die wir haben,

die Freiheiten,

die wir genießen

& die Entscheidungen,

die wir treffen.

Inhaltsverzeichnis

1. This is me trying – the long pond studio sessions

2. Little Lion Man

3. Viva La Vida – Acoustic Version

4. One of Us

5. My Immortal

6. Don’t You Remember

7. Way Down We Go – Stripped

8. I miss you, I’m sorry

9. Rocking Chair

10. Leave a Light On

11. Need You Now

12. Like I’m Gonna Lose You

13. Never Let Me Go

14. Rescue

15. The Archer – Live from Paris

16. Poker Face – Piano Version

17. Leaving on a Jet Plane

18. Epiphany

19. Slipping Through My Fingers – From ›Mamma Mia!‹ Original Motion Picture Soundtrack

20. Go Get Her

21. No Time To Die (Instrumental)

22. Africa – Acoustic

23. Betty

24. History Of Man

25. Peter

26. Bad Liar

27. Skinny Love – Instrumental Version

28. Ronan (Taylor’s Version)

29. Evermore

1

this is me trying – the long pond studio sessions

– Taylor Swift

KATHARINA

Netterweise weiß das Navi in Emmetts Auto genau, wo sein Besitzer wohnt, und so finde ich die Wohnung in Cambridge problemlos. Der Scanner am Eingang der Tiefgarage erkennt Emmetts Kennzeichen sofort, die Schranke hebt sich, und ich parke das Auto auf dem Stellplatz, der sein Kennzeichen hat. Ich kenne weder die Apartmentnummer noch die Etage, doch als ich im zweiten Stock aussteige, habe ich Glück. Schon das Klingelschild des ersten Apartments verkündet Emmetts Nachnamen.

Nach zwei falschen Versuchen finde ich den richtigen Wohnungsschlüssel am Schlüsselbund. Warum hat Emmett überhaupt so viele Schlüssel? Der verschachtelte Flur, von dem mehrere Türen abgehen, öffnet sich zu einem Wohnzimmer mit Backsteinwand, Flatscreen und Bücherregal. Abgesehen von dem herrlichen Chaos ist es erstaunlich geschmackvoll eingerichtet, und ich bin mir sehr sicher, dass Samantha ihre Finger im Spiel hatte. So geschmackvoll ist kein Neunzehnjähriger. Und erst recht nicht Emmett Douglas-Stirling.

Trotz der Tatsache, dass die untergehende Sonne den Raum in warmes, goldenes Licht taucht, fröstele ich, also vergrabe ich mich auf einem der dunkelblauen Sessel in der unordentlich gefalteten Kuscheldecke.

Ob sie noch immer alle in Colchester um den Tisch sitzen? Hat Thea mir Zeit verschafft, um zu verschwinden? Unter anderen Umständen hätte ich sie vermutlich nicht allein gelassen, aber das hier ist alles andere als normal. Bestimmt haben sie inzwischen bemerkt, dass ich weg bin. Ob sie wissen, wo ich hin bin? Sicher haben alle von James’ Autos GPS-Tracker installiert. Und selbst wenn nicht: Ich habe mein Handy bei mir, Samantha kann mich orten.

Die Aussicht darauf, nach meiner Ankunft sofort einen der zahlreichen Parks aufsuchen und mir Gras besorgen zu können, war das Einzige, was mich den Weg hierhin ruhig gehalten hat, aber jetzt, da ich sitze, verlässt mich die Stärke. Ich bin ausgelaugt, so erschöpft, dass selbst der Weg zur Küche, um etwas zu trinken zu holen, ein unüberwindbares Hindernis ist. Ich habe nicht einmal mehr die Kraft, mich dafür schlecht zu fühlen, dass ich Thea zurückgelassen habe. Da ist nichts. Die Tage der Nüchternheit in Colchester haben mich leergesaugt. Ich sehne mich nach traumloser Dunkelheit. Oder Gras. Stille in meinem Kopf. Ruhe. Die letzten Tage haben mir deutlich mehr entzogen als nur das Gras. Ich kann nicht mehr.

Meine müden Augen finden die Uhr an der Wand neben dem Fernseher. Der Sekundenzeiger wandert langsam, aber beständig über das Ziffernblatt, passiert die Zwölf und bewegt sich weiter. Ein weiteres Mal landet er auf der Zwölf. Und immer wieder, während ich davon drifte.

Ein Schlüssel dreht sich im Schloss, reißt mich aus meiner Trance. Jemand kommt. Angesichts der polternden Schritte und der Routine, mit der die Tür verriegelt, der Schlüssel ans Brett gehangen und Schuhe von den Füßen getreten werden, bin ich mir sicher, dass es Emmett ist.

»Katharina«, grollt es durch den Flur. »Wo bist du?«

Ich fühle mich wie ein Schulkind, das zum Direktor zitiert wird. »Hier«, antworte ich leise, und Emmett kommt durch den Flur auf mich zu. Mordlust glitzert in seinen Augen, aus seiner verkrampften Haltung spricht Wut.

»Kannst du dir eigentlich vorstellen, was wir dachten, als du auf einmal verschwunden bist? Bist du wahnsinnig, ohne ein Wort abzuhauen? Meinen Wagen zu nehmen, ohne zu fragen?« Es klingelt in meinen Ohren, so laut ist er.

»Ist okay.«

»Es hätte weiß Gott was passieren können! Du hast seit Tagen nicht vernünftig geschlafen und bist verdammt nochmal nicht in der Verfassung, irgendwo hinzufahren, geschweige denn mit einem fremden Wagen, der verdammte 510 PS hat!«

Emmett brüllt den ganzen Apartmentkomplex zusammen, doch jetzt werde auch ich wütend. Er hat kein Recht, mir Vorhaltungen zu machen. Sein Moment für eine Stellungnahme wäre gewesen, als Samantha mein Zimmer durchwühlt, mein Gras gefunden und mich auf Entzug gesetzt hat.

Doch da hat er geschwiegen.

»Zur Hölle, es ist okay, Emmett!«

»Gar nichts ist okay! Du kannst nicht einfach hier sitzen und mir erzählen – Ich werde halb wahnsinnig und –« Er tritt mit voller Wucht gegen den zweiten Sessel, der ein Stück über das Parkett rutscht. »Nichts ist okay, Katharina!«

»Ja, schön, ich habe deinen ach so heiligen Wagen genommen, ohne zu fragen. Was willst du machen? Mich hassen? Ich sag dir was, Emmett: Du kannst mich gar nicht so sehr hassen, wie ich mich selbst hasse.« Jetzt ist es raus. Die Wahrheit, die mir seit einem halben Jahr auf der Zunge liegt. Die widerliche Wahrheit, die ich bisher nicht einmal gedacht habe.

Emmett scheint nicht zu wissen, was er sagen soll, also fahre ich fort: »Spar dir die Mühe, dir irgendetwas auszudenken, wie du es mir heimzahlen kannst. Ich bin hier in meinem beschissenen, wertlosen Leben. Etwas Schlimmeres kannst du dir gar nicht überlegen.«

Der Schock, der gerade noch in seinem Gesicht stand, wird von etwas anderem ersetzt. Seine Augen werden ein Stück dunkler, und um seinen Mund bildet sich ein hässlicher Zug. »Wag es ja nicht, dein beschissenes Leben als wertlos zu bezeichnen! Du hast eine Krankheit, Katharina. Eine widerliche, furchtbare Krankheit, gegen die man Unmengen an Energie aufwenden muss, um sie zu besiegen. Und wenn du das momentan nicht sehen kannst, sag ich es dir eben: Du bist hier. Du bist am Leben und du solltest Gott jeden verdammten Tag auf Knien dafür danken, dass er dich hier sein lässt. Du hast kein Recht, dich und andere so leichtsinnig in Gefahr zu bringen wie gerade eben, nur weil du glaubst, dein Leben wäre eine Verschwendung!«

Ich höre, was er sagt, aber noch viel bedeutender ist, was er nicht sagt. Seine Eltern, Alexander und Rose, sind bei einem Autounfall gestorben, und ich bin gerade völlig übermüdet mit 110 km /h über die Autobahn gebrettert. Es geht ihm nicht um den Wagen.

Mir wird kotzübel. Was zur Hölle habe ich mir dabei nur gedacht? »Es tut mir leid«, hauche ich.

»Es sollte dir leidtun«, gibt Emmett unnachgiebig zurück.

»Und jetzt wirst du mir versprechen, dass du dich niemals wieder ans Steuer von irgendeinem Fahrzeug setzen wirst, wenn du psychisch oder physisch erschöpft bist.«

Ich nicke und kann seinem Blick nicht standhalten.

»Versprich es mir!«, zischt er.

»Ich verspreche es.«

Emmett kommt zu mir und sinkt vor dem Sessel auf den Boden. Trotzdem sind wir fast gleichgroß. Er greift nach meinen Händen und lässt widerstandslos zu, dass ich den Pulli hochschiebe und seine Handgelenke umfasse. Ein erleichtertes Geräusch löst sich von meinen Lippen, als ich seinen Puls finde.

»Sieh mich an«, fordert er, und wie unter Zwang gehorche ich. Noch immer tobt ein Sturm in seinem Gesicht. »Ich will niemals wieder hören, dass dein oder irgendein Leben wertlos ist. Du wirst anfangen, dich in den Griff zu kriegen. Mir ist egal, ob du dafür Jahre brauchst, aber du schuldest es jedem, der die Chance dazu nicht mehr hat.«

Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll, aber nicke trotzdem. Weil er recht hat. Weil ich hier bin und andere nicht. Weil andere, so viel bessere, diese Chance verdienen würden, sie aber niemals mehr haben werden. Weil es unzählige Leute gibt, die alles dafür geben würden, nur einen einzigen Augenblick gesund und lebendig sein zu dürfen.

»Schön.« Emmetts Blick huscht aufmerksam über mein Gesicht. »Was brauchst du? Gras?«

Ich nicke erneut. Egal was er mir in diesem Moment hinstellen würde, ich würde es nehmen. Nur eine einzige Minute Leichtigkeit. Nur eine einzige Sekunde. Jetzt gerade würde ich alles dafür geben. Vielleicht ist es doch gut, dass ich es nicht mehr aus Emmetts Wohnung geschafft habe.

»Na schön. Du bekommst einen Joint von mir. Ausnahmsweise.« Er löst die Hände aus meinem Griff und geht zum Bücherregal. Sein Rücken verdeckt, was er tut, aber als er sich wieder umdreht, hält er einen Joint in der Hand. Die andere streckt er mir auffordernd hin.

Ich stehe so schnell auf und eile zu ihm, dass er zusammenzuckt. Doch er sagt nichts, greift lediglich meine Hand und führt mich in die Küche, von wo es auf einen Balkon geht, über dessen Brüstung man die Bäume des Parks sehen kann. Emmett zieht mich auf die Loungemöbel, die an der Wand stehen, und meine Augen verlassen keine Sekunde die Tüte in seiner Hand. Gierig sehe ich zu, wie er ein Feuerzeug aus der Tasche fischt, den Joint zwischen die Lippen steckt und ihn anzündet. Er nimmt einen tiefen Zug, und mich überkommt der Drang, ihm das Ding zu entreißen. Doch Emmett kommt mir zuvor und hält mir den Joint vor die Lippen.

Der erste Zug ist wie das Luftholen nach einem viel zu langen Tauchgang. Ich konzentriere mich auf den Druck, der sich auf meine Lunge legt, den vertrauten Geschmack auf meiner Zunge und das Gefühl des Papes an den Fingern.

Mit dem Ausstoßen des Rauches entspannt sich mein ganzer Körper. Ich sinke in mich zusammen.

Reflexartig packt Emmett mich. »Ganz ruhig. Du hast alle Zeit der Welt. Niemand nimmt dir das Ding weg.«

Und das könnte auch niemand, denke ich, und ziehe erneut an der Tüte.

Emmett greift hinter sich und wickelt mir eine Decke um die Schultern, bevor er eine Kippe aus der Tasche fummelt und anzündet. Wir rauchen schweigend, und mit jedem Zug werde ich ruhiger. Mehr ich selbst. Das Gedankenkarussell wird langsamer, friedlicher, obwohl die Wirkung noch gar nicht eingesetzt hat.

»Wann hast du das letzte Mal etwas gegessen?«

Ich zucke mit den Schultern. Eine vernünftige Mahlzeit war vermutlich der Nudelsalat bei Theas Ankunft.

Emmett zwingt mich nicht, es ihm zu sagen, stattdessen zückt er sein Handy. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass er Unmengen an ungelesenen Nachrichten hat. Samantha, James und Adrian.

Er tippt eine Antwort, die aus maximal einem Satz bestehen kann, dann verlässt er die App. »Ich will nicht mehr raus, wir bestellen. Pizza oder Sushi?«

»Pizza. Funghi. Und eine Cola.«

Emmett nickt und bestellt. Dann steckt er das Handy weg, lehnt sich zurück und mustert mich.

»Lass das. Sofort.« Ich bin kein Zootier.

Abwehrend hebt er die Hände. »Kein Stress. Ich habe Bescheid gesagt, dass alles in Ordnung ist. Wir bleiben hier, und ich halte dir die anderen vom Hals. Du kriegst das Gästezimmer, und ich besorge dir Gras.«

Klingt perfekt. Also gibt es einen riesigen Haken. »Unter der Bedingung, dass …?«

»Ich versorge dich mit Gras. Niemand wird dich hier wegholen oder belästigen. Aber das passiert nur, wenn du dich an die Regeln hältst. Kein Alkohol. Nichts außer dem Zeug, das ich dir gebe. Du haust nicht ab und wenn du rausgehst, sagst du mir wohin. Außerdem kümmerst du dich um das Essen.«

»Ich kenne wirklich niemanden, der so dermaßen nicht überlebensfähig ist wie du. Wovon ernährst du dich denn normalerweise?«

»Ich esse in der Mensa, lasse mir etwas liefern, oder backe irgendetwas auf. Manchmal gibt Loretta mir etwas Vorgekochtes mit. Oder ich habe Besuch, der kochen kann. Tatsächlich ist meine Küche komplett ausgestattet. Ich habe sogar einen Pürierstab. Was auch immer man damit macht.«

»Pürieren«, gebe ich zurück. »Mit einem Pürierstab kann man Essen pürieren – aua!« Emmett kneift mich schmerzhaft in den Oberschenkel, und es klatscht, als ich seine Hand wegschlage.

»So weit war ich auch. Aber warum sollte ich etwas pürieren?«

»Wenn du Suppe kochst, zum Beispiel. Oder Saucen machst«, maule ich und reibe mir das Bein.

»Wird nie im Leben passieren. Egal. Haben wir einen Deal oder nicht?«

»Haben wir«, grummele ich und ziehe unter der Decke die Beine an.

»Schön.«

Wir beide lehnen uns vor, um zu aschen, bevor wir einige Momente einfach still vor uns hin rauchen. Ich merke deutlich, wie mein Gehirn wieder die Arbeit aufnimmt, mehr als nur das Allernötigste. Ich kann wieder denken. Ich kann wieder fühlen. Vor allem den Hunger, der sich jetzt bemerkbar macht. Aber auch die Erschöpfung. Wenn ich wegdämmere, wache ich vermutlich einen ganzen Tag nicht auf.

Das Beunruhigende ist, dass ich vermutlich überall wegdämmern würde. Ob hier auf der Lounge, bei Samantha auf der Terrasse oder … oder am Steuer von Emmetts Wagen auf der Autobahn. Der Körper nimmt sich irgendwann, was er braucht.

Emmett räuspert sich. »Ich hasse dich nicht, Kate.«

Meine Worte von vorhin sind offensichtlich hängen geblieben und haben Spuren hinterlassen. Obwohl Emmett der lauteste, dickköpfigste Schreihals von allen ist, ist er im Grunde harmoniebedürftig.

Mit einem leisen Seufzen lege ich den Kopf an seine Schulter. »Ich hasse dich auch nicht. Nur so ein bisschen. Wie wir uns eben hassen müssen.«

»Wir müssen uns nicht hassen.«

Die Traurigkeit in seiner Stimme lässt schlechtes Gewissen in mir aufflackern. »Alle Geschwister hassen sich ein bisschen.«

Ich kann spüren, wie er den Kopf dreht, und bin mir ziemlich sicher, dass er mich ungläubig anschaut, doch ich sehe nicht auf, um diese Theorie zu bestätigen.

»Solltest du jemals auf die Idee kommen, einen meiner Fußbälle anzurühren, haben wir Krieg. Nur damit dus weißt.«

»Finger weg von meiner Schminke, meiner Schokolade und meinen Klamotten, sonst breche ich dir wirklich die Nase«, sage ich und wehre mich nicht gegen das Lächeln, das an meinen Mundwinkeln zupft.

»Keine Sorge, ich bevorzuge für mich eher den Natural Look.« Er richtet die Decke ein Stück und legt den Arm um mich. »Aber dieses Gekuschel und Geknuddel, das mache ich nicht mit.«

Ich drücke den Joint aus und lehne mich dann vollständig gegen Emmetts Wärme. Die Müdigkeit bricht über mich herein. »Ich bin doch kein Teddybär«, grummelt er, bevor er mich näher an sich zieht, und ich wegdämmere.

2

Little Lion Man

– Mumford & Sons

ADRIAN

Ich mache mir nicht mehr die Mühe, das Bild von Höflichkeit aufrechtzuerhalten, und so versuche ich gar nicht erst, Samantha morgens abzufangen, bevor sie im Stall verschwindet, um ihr mitzuteilen, dass ich Colchester verlassen werde. Früher oder später wird ihr auffallen, dass ich weg bin. Oder eben nicht, ist mir egal.

Von der Entspannung und Herzlichkeit, die ich mir am Anfang des Sommers erhofft habe, ist nicht viel übriggeblieben. Emmett ist nicht hier, und somit gibt es nichts, das mich in Colchester hält. Dass Kate zurückkommt, ist illusorisch. Der aufgezwungene Entzug wird sie wohl kaum dazu gebracht haben, Colchester mehr zu mögen.

Dieser Ort war für mich immer mit Sommer und Freiheit verbunden. Mit Kindheit. Als ich Anfang des Sommers herkam, war er eine Zuflucht vor meiner Familie und allem, was zu Hause auf mich wartet. Durch Kate hat es sich wie der Ort angefühlt, an dem ich sein sollte. Nur ist es das nicht, wie Enzo mir in einer scharf formulierten Nachricht mitgeteilt hat.

Mein Fokus sollte nicht auf Kate liegen. Mein Fokus sollte auf dem Wohl meiner Familie liegen. Und das ist in Gefahr. In Gefahr, die aus den eigenen Reihen droht, seit wir wissen, dass mein Cousin Federico den Diebstahl des Heroins, das wir in Wien gelagert haben, zu verantworten hat. Enzo hat recht. Ich muss nach Hause. Die Familie steht über allem. Sich um sie zu kümmern, auch wenn einzelne Mitglieder Scheiße gebaut haben, ist meine Pflicht. Eines Tages werde ich die Rolle meines Onkels als Familienoberhaupt übernehmen. Und je früher ich diese Verantwortung annehme, desto besser.

Das Einzige, was mich gestern noch zurückgehalten hat, ist die Tatsache, dass Emmett mein Auto genommen hat, um Kate nach Cambridge hinterherzufahren, aber auch dieses Hindernis kann mich nicht mehr aufhalten.

Ein Gespräch mit einer Kommilitonin später, die nett genug war, ihren Spott über meine Unwissenheit in Grenzen zu halten, und ich habe ein Ticket für eine Zugfahrt nach London.

Die ganze Welt fährt täglich mit Zügen. Schwierig kann das nicht sein. Manche Leute haben sogar Spaß daran. Kate zum Beispiel. Kate, die mich um Abstand gebeten hat, nur um ihrer sogenannten Schwester direkt darauf die Zunge in den Hals zu stecken und mal wieder zu verschwinden. Kate, die Heroin geschmuggelt und das Mädchen, das sie geliebt hat, tot aufgefunden hat. Kate, die niemals wissen darf, dass auch nur die geringste Chance besteht, dass meine Familie und ich der Grund für Josies Tod sein könnten.

Wer weiß schon, welche Wege das Heroin nimmt, für dessen Handel wir verantwortlich sind? Wer weiß, ob ein wenig davon es in die Hände eines hoffnungslosen, kranken Mädchens geschafft hat?

Es sind genau diese Gedanken, die mich nachts wachhalten, quälen und meine Ängste nähren. Diese Frage wird sich wohl nie beantworten lassen, aber es gibt andere, deren Antworten in London darauf warten, entdeckt zu werden.

Meine Tasche ist bereits fertig gepackt, und das Taxi, das mich zum Bahnhof bringt, sollte gleich da sein, also mache ich mich auf den Weg nach unten. Pflichtschuldig trage ich das dreckige Geschirr in die Küche, denn nur weil Samanthas und mein Verhältnis arktische Umstände erreicht hat, werde ich nicht zu einem schlechten Gast. Ich bin vermutlich genetisch so gepolt, dass ich das gar nicht kann.

Noch ein Grund zu fahren: Sie hat mir das Gastrecht entzogen. Nur wegen Kate hat sie mich hier noch geduldet, doch die ist fort. Und meine Abreise damit überfällig.

Zwar ist die Küche leer, doch leider ist der Wintergarten besetzt. Thea und James haben ein Faible dafür entwickelt, sich stundenlang über ein Schachbrett hinweg anzuschweigen, so auch jetzt.

»Richte bitte schöne Grüße aus, wenn du ankommst«, sagt James, ohne aufzusehen. »Die Wohnung sieht wahrscheinlich aus, als müsste man sie renovieren.«

»Welche Wohnung?«

Ich stelle das Geschirr in die Spülmaschine und werfe einen prüfenden Blick aus dem Fenster, doch das Taxi ist noch nicht da. Jetzt sieht James mich doch an.

»Emmetts Wohnung. Ich gebe ihm und Katharina noch zwei Tage, dann muss vermutlich das ganze Haus kernsaniert werden.«

»Das mag sein, ist aber nicht mein Problem«, gebe ich kühl zurück. »Ich fahre nach London.« Ich weiß schon, warum er denkt, ich würde nach Cambridge fahren, aber wieso sollte ich das tun? Ein bisschen Stolz habe ich noch.

»Nach London?«, echot James. Er legt den Kopf schief, und ich wende den Blick ab.

Thea sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Du fährst nicht nach Cambridge?«, vergewissert sie sich. »Aber das solltest du tun.«

Ich lehne mich gegen die Anrichte und verschränke die Arme. »Erleuchte mich.« Ich verabscheue sie und ich verabscheue mich selbst, dass ich sie verabscheue.

Unabhängig davon, dass Kate sie mir vorzieht, ist Doroteya nur eine Vierzehnjährige mit überdurchschnittlichem IQ und beschissener Kindheit, die einem leidtun sollte.

»Sie will, dass du hinfährst. Sie erwartet dich längst«, behauptet sie mit einer Sicherheit, die mich wütend macht. Es bedeutet, dass Kate mich zwar ignoriert, mit Thea aber offenbar Kontakt hat.

»Das ist mir vollkommen egal.«

Thea sieht schockiert aus, als könne sie nicht fassen, dass ich mich nicht nach Kates Willen richte. »Aber sie will, dass du hinfährst«, wiederholt sie.

»Es gibt tausend Leute, die jede Sekunde jeden Tag irgendetwas wollen. Das heißt nicht, dass sie ihren Willen bekommen.« Es macht mich wütend, dass Thea hier sitzt und so tut, als würde ich mich falsch verhalten. Ich bin nicht derjenige, der dauernd davonläuft. Ich bin nicht derjenige, der eine Dreistigkeit an den Tag legt, die selbst an guten Tagen die Grenzen zur Frechheit um mehrere Meter überschreitet.

»Du bist wütend«, analysiert Thea. Sie schiebt eine Figur über das Schachbrett. »Aber sie ist –«

»Sie ist ein verwöhntes Gör, das als Kind zu selten das Wort nein gehört hat, wie du es so nett ausgedrückt hast. Meinetwegen könnt ihr alle dieses Verhalten ermöglichen, indem ihr euch danach richtet, aber mir reicht es. Wenn du mit ihr sprichst, kannst du ihr das sehr gerne ausrichten. Ihre Klappe ist groß genug, dass sie fragen kann, wenn sie etwas von mir möchte. Sie hat meine Nummer.« Ja, verdammt. Unabhängig von der Unsicherheit, die aus der Ungewissheit über die Bedeutung meiner Familie in der Tragödie von Kates Leben resultiert, oder vielleicht auch gerade deswegen, bin ich wütend. Und zwar richtig. Soll Thea ihr das doch sofort brühwarm weitererzählen.

Bevor sie oder James etwas sagen können, hole ich erneut Luft. »Ich fahre jetzt und es ist mir vollkommen egal, was ihr davon haltet. Hab einen guten Flug nach Monaco, wann auch immer du endlich fliegst, genieß es und nimm meinetwegen die ganzen Statistikbücher, die du mir abgezogen hast, mit, solange du nicht so schnell wiederkommst.«

Ich verlasse das Haus, obwohl mein Taxi noch immer nicht da ist, aber ich habe das Gefühl, dass frische Luft ganz gut täte. Normalerweise bin ich kein auf brausender Typ, aber irgendwann habe auch ich die Schnauze voll.

Leider sind mir nur zwei ruhige Atemzüge vergönnt, dann geht hinter mir die Küchentür auf.

»Versuch gar nicht erst, mich umzustimmen«, knurre ich James an, der die Tür schließt und sich dagegen lehnt, die Hände in den Hosentaschen.

Er mustert mich, und ich hasse, hasse, hasse die blauen Augen in diesem Moment.

»Wieso sollte ich das tun? Du bist erwachsen und Katharina … Früher oder später wird sie lernen müssen, dass man nur in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielt. Was interessiert es mich, dass du dich entschieden hast, dir ein Rückgrat zuzulegen?«

»Was soll das heißen?«

»Sie ist wie ein junges Pferd. Tritt dir dauernd auf den Füßen rum und wird sicher nicht aufhören, weil du ihm die ganze Zeit Zucker zusteckst.«

»Was zur Hölle weißt du über junge Pferde?«

»Unabhängig davon, dass ich selbst welche besitze, kannst du nicht so einfältig sein zu glauben, dass Samantha mich in den Jahren unserer Beziehung über ihre Pferde gestellt hat. Du hast ja keine Ahnung, wie viele gottlos kalte Wintertage ich in irgendwelchen Stallungen zugebracht habe.«

Jetzt, wo er das sagt, fällt mir wieder ein, dass Katharina nicht das Ergebnis einer durchzechten Nacht, sondern einer jahrelangen Beziehung ist, und Samantha und James wohl deutlich mehr Zeit miteinander verbracht haben, als sie es inzwischen tun.

»Was soll ich deiner Meinung nach tun?«, frage ich, bevor ich mich aufhalten kann. Himmel, so weit ist es schon gekommen. Aber lieber frage ich ihn nach Beziehungsratschlägen als nach seiner Meinung zu Josie und den tragischen Umständen ihres Todes. Ich weiß nicht, ob ich mich dann kontrollieren könnte. Ich weiß nicht, ob ich ihn nicht anflehen würde, mir zu sagen, dass wir unschuldig sind. Ich weiß kaum noch etwas. Die Wahrheiten, die Säulen, die mein Leben stützen, haben Risse bekommen, und langsam beginnen sie zu schwanken. Ob sie brechen werden?

James legt den Kopf zur Seite. »Wieso fragst du gerade mich nach Beziehungsratschlägen?«

»Überlegen wir mal: Mein Vater hat meine Mutter ersteigert wie ein Zuchtpferd, mein Onkel kann nicht mal an seine tote Frau denken, ohne in Tränen auszubrechen, und meine Großmutter hat ihren Mann umgelegt. Glaub es oder lass es, aber in meiner näheren Familie bist du die einzige Person, die wenigstens eine halbwegs adäquate Antwort geben kann.«

James mustert mich einen Moment, als würde er sich zurechtlegen, was er sagt. »Zuerst einmal: Ja, die Ehe deiner Eltern ist arrangiert, aber sie haben sich ineinander verliebt, bevor auch nur über irgendeine Art von Vertrag diskutiert worden ist.«

»Du musst es wissen.«

»Richtig, denn gemeinsam mit deinem Onkel war ich derjenige, der alles vorbereitet hat, um deine Mutter im Zweifelsfall aus der Reichweite deiner nonna zu schaffen. Und zweitens: Du kannst einen Menschen nicht ändern. Überleg dir vorher, ob du mit ihm leben kannst, und wenn du das nicht kannst, dann geh, bevor du etwas – im schlimmsten Fall euch beide – kaputt machst.«

»Ich will Kate nicht ändern!«

»Wirklich?« Lauernd sieht er mich an, und ich fühle mich unwohl unter diesem Blick, der so geübt darin ist, Menschen zu durchschauen.

Will ich Kate ändern? Sollte ich Kate ändern wollen?

Würde ich nicht mögen, wer sie ist, würde ich sie nicht mögen. Und ich mag sie. Momentan nicht mehr ganz so sehr, aber sie ist mir unbestreitbar wichtig. Es gibt so einiges, das ich für sie und keinen anderen tun würde. Was nichts daran ändert, dass sie mich zur Weißglut treibt.

»Sollte ich sie ändern wollen?«

»Willst du, dass sie sich ändert?«

»Es würde mich nicht stören, wenn sie nicht immer abhauen würde.« Schon wieder rede ich schneller als gewollt. Aber diese impulsartigen Antworten sind nichts als die Wahrheit.

»Also soll sie sich ändern.«

»Ich dachte, man kann einen Menschen nicht ändern.«

»Nein, aber ein Mensch kann sich selbst ändern. Wenn ihm etwas wichtig genug ist, tut er es. Weil er es selbst will, nicht weil man ihm Druck macht.«

Ich sehe ihn abwartend an.

»Mein Gott, dir muss man alles erklären. Ich sage das nicht oft, denn wenn die Menschen sich daran hielten, würde mein Job bald nicht mehr gebraucht werden, aber Kommunikation ist der Schlüssel. Ihr müsst es ausdiskutieren. Wie wollt ihr vernünftig aufeinander zugehen, wenn ihr gar nicht wisst, wo der andere steht? «

»Ich soll ihr also an den Kopf werfen, was mich stört?«

»Auf konstruktive Art und Weise.«

»Und dann?«

James zuckt die Schultern und sieht zu, wie mein Taxi die Auffahrt hochrollt. »Du kannst einen Esel zum Wasser führen. Aber saufen, das muss er immer noch selbst.«

Erstaunlicherweise ist die zweite Zugfahrt meines Lebens recht angenehm, auch wenn ich fast eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof war und warten musste. Ich habe mir ein ganzes Abteil gebucht, um ungestört zu sein, besuche zwischendurch den Speisewagen, dessen Essensqualität zu wünschen übriglässt, und schaue sehr viel aus dem Fenster.

Eigentlich wollte ich arbeiten, denn im Zug wird mir dabei nicht schlecht, doch die vorbeiziehende Landschaft fasziniert mich wie ein spannender Spielfilm, und ich verstehe langsam, was Kate so besonders an Zugreisen findet. Das Gefühl von Freiheit, das einen überkommt. Das Alte und Vergangene hinter sich zu lassen, wortwörtlich. Man kann in jeden Zug steigen, egal wohin, und wegfahren.

Die Fahrt dauert nicht mal eine Stunde, und als die ersten Häuser und Siedlungen meiner Heimatstadt die endlosen Grünflächen und Wälder ersetzen, werde ich melancholisch. Vielleicht, weil nach Hause kommen mich nicht mehr mit Freude erfüllt. Vielleicht, weil die Welt sich hier wieder dreht und mit ihr alle meine Probleme wieder anfallen.

Wir rollen in die Liverpool Station ein, und ich gehöre zu den letzten, die den Zug verlassen. Weil ich noch nicht in meiner Realität ankommen will, entscheide ich mich, die U-Bahn zu nehmen. Selbst ich weiß, dass die Central Line von hier direkt bis zum Holland Park fährt und dass man U-Bahnen im Untergrund antrifft, doch bevor ich mich auch nur auf die Suche nach den Treppen machen kann, fällt mein Blick auf eine Person, die an einer der Säulen lehnt, nur wenige Meter von mir entfernt.

Selbst auf die Entfernung sehe ich den Glanz in ihren Augen, und trotz der Tatsache, dass sie ungeschminkt ist, hat ihre Haut wieder einen gesunden Ton angenommen, der unsere letzten gemeinsamen Tage in Colchester beinahe in Vergessenheit geraten lässt. Kate sieht mich unverwandt an, sie muss mich längst entdeckt haben, und ich weiß genau, dass das hier kein Zufall ist. James, überlege ich kurz, aber die viel wahrscheinlichere Theorie ist Doroteya. Man kann sagen, was man will, aber loyal ist sie.

Ich gehe auf das Mädchen zu, das mein Leben innerhalb der letzten vier Wochen einmal durch den Schleudergang geschickt hat. Sie hat die Arme verschränkt, und es macht mich wütend. Ich will nicht wütend auf sie sein, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Mit welchem Recht steht sie da, die Arme abwartend verschränkt? Als wäre ich zu spät, als hätte ich mich an eine Abmachung nicht gehalten, als hätte ich ein Versprechen gebrochen. Dabei hat sie mich gebeten zu warten, sie hat Thea geküsst und sie ist davongelaufen.

Mal wieder.

»Kate«, begrüße ich sie und bleibe stehen.

Ich kann alle Sommersprossen erkennen, aber das muss ich gar nicht. Ich weiß auch mit geschlossenen Augen, wo sich jede einzelne befindet.

»Adrian.« Sie hebt die Hände, darauf bedacht, dass ihre Tasche nicht verrutscht.

Fast zucke ich zurück, als ein Gefühl wie ein Stromschlag mich durchfährt, kaum dass ihre Finger auf meiner Brust zum Liegen kommen. Es ist nicht zu leugnen, was sie in mir auslöst, aber es reicht mir nicht. Oder, vielleicht ist genau das auch das Problem. Die Gefühle, die sie in mir auslöst und die mich bisher in eine rosarote Welt versetzt haben.

»Was tust du hier?«

Sie verzieht die Augenbrauen. »Nein, was tust du hier? Wieso bist du hergekommen?«

»Was soll ich noch in Colchester?«

Angesichts meines Tonfalles, der im besten Fall als distanziert durchgeht, zieht sie die Hände weg und macht einen Schritt zurück.

»Du hättest nach Cambridge kommen können.«

Der versteckte Vorwurf lässt mich schnauben. »Wieso sollte ich?«

»Meinetwegen. Ich hatte gedacht, dass du nachkommst.« Sie geht in die Defensive, verschränkt wieder die Arme und nimmt eine Haltung ein, die ich vom Training kenne, die Beine leicht versetzt, um stabiler zu stehen.

»Und wieso hätte ich das tun sollen? Du hast mich gebeten zu warten, nur um Thea zu küssen, du –«

»Du hast keinerlei Anspruch auf mich!«

»Wieso zur Hölle sollte ich warten, wenn du dich bei der erstbesten Gelegenheit jemand anderem zuwendest?« Wir werden beide laut, doch es ist mir egal. »Hast du gedacht, dass mich zu verletzten der einfachste Weg ist, damit ich Abstand halte? Damit ich Thea nicht zu nahe komme, die wie ein gut dressierter Hund immer bei dir ist? Glaubst du nicht, du hättest Emmett und mich um Distanz bitten können? Und vor allem hättest du nicht schon wieder weglaufen müssen! Das funktioniert auf Dauer nicht, wieso begreifst du das nicht?«

»Sag mir nicht, was ich hätte tun können!«

Natürlich nicht. Man sagt Kate nicht, was sie tun kann, soll oder wird. Kate macht, was Kate will. Aber ich auch. Und ich will nicht mehr. So einfach ist das.

»Ich hab die Schnauze voll! Begreifst du nicht, dass wir uns im Kreis drehen? Es kann nicht immer alles so laufen, wie du willst. Du kannst nicht von allen erwarten, dass sie sich nach dir richten, aber nie auch nur einen Zentimeter nachgeben. Weißt du was? Ich wäre sogar zu dir nach Cambridge gekommen, wenn du mich darum gebeten hättest. Wenn du nicht in stummer Erwartung ausgeharrt hättest, zu verdammt stolz, um zum Telefon zu greifen.«

»Ich –«

»Jetzt rede ich und du hörst zu!« Wir brüllen uns an, ein paar der Passanten bleiben sogar stehen, und ich wechsele ins Französische, denn meine Probleme müssen nicht vor der Weltgeschichte ausgebreitet werden.

»Du bist selbstsüchtig und hast einen Tunnelblick entwickelt. Mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, bringt dir nichts, wenn die Trümmer Leute unter sich zerquetschen!« Ich weiß nicht, ob es meine Aufforderung oder meine Sprachkenntnisse sind, die sie verblüffen, aber tatsächlich hält Kate den Mund, auch wenn es in ihren Augen blitzt.

»So mache ich nicht weiter.« Ich schüttele den Kopf und trete zurück. »Ich will so nicht weiter machen. Ich will mich nicht mit dir im Kreis drehen und ich will nicht, dass du dich im Kreis drehst. Was du jetzt tust, das reicht nicht.«

»Ich muss mich nicht nach deinen Ansprüchen richten«, zischt sie, ebenfalls auf Französisch.

»Doch«, sage ich. »Wenn du mich bei dir haben willst, musst du das. Hör auf, davon zu rennen, und stell dich deinen Problemen, wie du dich fliegenden Fäusten stellen würdest.«

»Erzähl mir nichts von meinen Problemen!« Sie wird wieder laut und ich weiß, dass ihre Unruhe daher rührt, dass die Dinge außer Kontrolle geraten. Sie hat mein Verhalten irgendwann einzuschätzen gelernt, und dass ich es jetzt ändere, bringt sie durcheinander.

»Mache ich nicht, Prinzessin. Wenn dir meine Meinung nichts wert ist, werde ich sie dir nicht aufdrängen. Aber wenn du meine Meinung nicht willst, musst du auch ohne meine Gesellschaft leben.« Es macht mir Angst, diese Worte auszusprechen, aber es stimmt alles. Wir landen früher oder später immer wieder beim gleichen Szenario, und darauf habe ich keine Lust.

Und irgendwann habe ich dafür auch keine Energie mehr.

Kate kippt den Kopf, eine steile Falte zwischen den Augenbrauen. »Was heißt das jetzt?«

Ich zucke die Schultern.

»Das liegt an dir. Und jetzt entschuldige mich bitte, ich muss eine U-Bahn erwischen.«

Das Erste, was mich begrüßt, ist der Geruch. Der Geruch meines Elternhauses, meiner Familie, meiner Geschwister.

Morpheus und Somnia kommen in die Eingangshalle getappt, vermutlich aus der Küche, wo sie die sonnigen Nachmittage auf den kühlen Fliesen verbringen, und begrüßen mich träge. Ich tätschele den beiden die Dickschädel, und es hat etwas merkwürdig Tröstliches.

Die ungewohnte Stille hält nicht lange, schon nach wenigen Momenten ertönen Schritte.

Meine Mutter hat einen übernatürlichen Sinn dafür, zu wissen, wenn eines ihrer Kinder nach Hause kommt.

»Adrian?«, fragt sie. Ich sehe zur Galerie auf, auf der sie steht, wie immer strahlend, wie immer wundervoll, doch heute mit einem Fragezeichen im Gesicht. »Ich dachte, du wärst in Cambridge.«

»Wie kommst du drauf?«

Weitere Schritte ertönen und auch mein Vater erscheint, weniger verwirrt, eher misstrauisch.

»Fällt dir wirklich kein Grund ein, mein Sohn?« Fuck. Das ist eine Falle und ich kann nichts anderes tun, als in vollem Bewusstsein hineinzutreten, während ich den Kopf schüttele.

»Habe ich es dir doch gesagt. Die ganze Sache erschien mir komisch. Sie ist nicht bei ihm«, wendet Dad sich an mamma und zückt sein Handy.

Mich überkommt ein böser Verdacht. »Was ist überhaupt los? Wer ist nicht bei mir?« Bitte nicht …

»Leandra«, erklärt mamma und kommt mir auf halber Treppe entgegen, um mich zu küssen und an meinem Haar herumzufummeln. »Sie ist nach Cambridge verschwunden. Wir haben keine weiteren Informationen. Lola ist auf Gran Canaria, sie besuchen also nicht ihre Großmutter, und du bist hier. Was bitte sollte deine Schwester in Cambridge wollen? Allein?«

»Sicher, dass sie nicht mit Freundinnen unterwegs ist? Oder das mit Enzo abgesprochen hat? Vielleicht –«

Oben von der Galerie knurrt mein Vater meinen Namen, das Handy am Ohr, mich fest im Blick. »Hör auf mit den Lügen.« Wen immer er anruft, nimmt ab.

»Hol sie her, und zwar sofort! Und es ist mir egal, ob sie sich weigert.«

»Matteo«, hakt mamma sanft ein und geht wieder zu ihm hoch.

Ich ziehe mein Handy und schreibe eine schnelle Nachricht an Emmett, um ihn vorzuwarnen. Jetzt geht es sowieso nur noch um Schadensbegrenzung.

»Was immer du da tust«, sagt Dad in meine Richtung, »versuch es gar nicht. Sie hat uns angelogen, sie wird die Konsequenzen tragen müssen. Das ist inakzeptabel.« Er lässt das Handy sinken und legt mamma die Hand an die Taille.

»Was machst du überhaupt hier?«, frage ich, ein Auge auf dem Display. »Musst du nicht arbeiten?«

»Es ist Sonntag.«

»Du arbeitest immer.«

Mamma hakt ein, wie immer, wenn Spannungen entstehen könnten. »Wo ist das Mädchen, Adrian? Ich habe erwartet, dass du sie mitbringst. Catarina.« Sie lässt den Namen weich klingen, so anders als die harte Variante, die richtig und so viel passender ist. »Wegen ihr bist du schließlich abgereist. Ohne auch nur einmal mit uns am Tisch gesessen zu haben!«

Ich zucke mit den Schultern und übergehe den ersten Teil. »Wo auch immer sie sich gerade rumtreiben will.«

»Aber hat sie dich nicht herbegleitet?«

»Siehst du sie hier irgendwo?«

»Adrian!« Dad durchbohrt mich mit Blicken. »Pass auf, wie du mit deiner Mutter sprichst.«

»Entschuldige, mamma«, kommt es mir automatisch über die Lippen. »Ich gehe auspacken und drehe dann eine Runde mit den Hunden. Bis Leandra hier ist und uns die Wahrheit erzählt, können wir ja nicht viel anderes tun.«

Stunden später sind zwei weitere Familienmitglieder eingetroffen, der goldene Prinz und die unglückliche Prinzessin. Enzo zieht seine übliche uninteressierte Miene, Leandra ist still und sieht aus, als führe man sie zu ihrer Hinrichtung.

Wir versammeln uns im Wohnzimmer. Emmett habe ich tausendmal angerufen und kein Mal erreicht. Mein Vater hat seine Wut sorgfältig am Leben gehalten und nur darauf gewartet, sie auf Leandra niederregnen zu lassen. Der einzige, wenn auch schwache, Lichtblick ist, dass Leo und Cara heute den ganzen Tag bei Dads Eltern sind, und Leo somit nichts ausplaudern kann. Ich würde gerne hoffen, dass auch Enzo den Mund hält, aber garantieren kann man bei ihm für nichts, außer schlechte Laune.

»Also, Leandra«, beginnt Dad, als wir alle sitzen. »Wie ist das Wetter in Cambridge?«

»Sonnig«, antwortet Lea ihren Schuhen. Sie sitzt allein auf dem großen Sofa, mamma und Dad ihr gegenüber, ich auf der Sesselkante, Enzo bei der Fensterbank.

»Schön.« Dad nimmt einen Schluck Tee. »Und was –«

Ein Klopfen an der Tür unterbricht ihn. Kurz sieht er aus, als würde ihm gleich eine Ader platzen.

»Ja bitte?«

Die Tür schwingt auf und Mrs. Cook, die treue Seele des Hauses, lächelt entschuldigend in die Runde. »Entschuldigen Sie, Sir, aber es ist Besuch eingetroffen.«

»Wer?«

»Miss Katharine Blackwell.«

Dad verzieht das Gesicht. »Wir befinden uns in einer Familienangelegenheit, Adrian. Wieso lädst du deine Freundin gerade jetzt ein?«

»Sehe ich aus, als hätte ich davon gewusst, dass sie herkommt?«, halte ich dagegen und setze hinzu: »Außerdem ist sie nicht meine Freundin.« Was tut sie hier? Und dann auch noch zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt?

»Das ist mir scheißegal!«, explodiert Dad.

Lea zuckt zusammen, und meine Mutter räuspert sich. »Bitte beruhige dich, Matteo. Wir haben einen Gast. Bringen Sie sie her, Mrs. Cook, bitte.«

»Sehr wohl, Ma’am.« Sie geht und schließt die Tür.

»Das passt mir jetzt überhaupt nicht!«

»Du kannst James’ Tochter nicht an der Tür abweisen. Du kannst überhaupt keinen Gast an der Tür abweisen. Das gehört sich nicht.«

»Fünf Minuten, dann geht sie wieder. Mit dir oder ohne dich, Adrian, aber sie geht! Haben wir uns verstanden?«

»Du sprichst laut genug«, rutscht es mir heraus, und ich beobachte fasziniert die Ader an Dads Hals, die immer hervortritt, wenn sein Temperament zum Vorschein kommt.

Bevor er antworten kann, führt Mrs. Cook Kate herein. Sie hat sich umgezogen, trägt jetzt einen Tennisrock mit hohen Söckchen und über dem hellen Shirt einen Kaschmirpullover kunstvoll über die Schultern drapiert. Das Ensemble passt genauso wenig zu ihr wie das schüchterne Lächeln.

»Entschuldigung, dass ich ohne Ankündigung reinplatze«, wendet sie sich an meine Eltern.

Meine mamma erhebt sich und breitet die Arme aus. »Das macht doch nichts. Nicht wahr, Matteo? Wir freuen uns, dass du hier bist! Komm her, lass dich ansehen, wir sind uns ja noch gar nicht begegnet.« Sie tauscht Wangenküsse mit Kate und hebt die Hände an ihr Gesicht. »Du siehst aus wie deine Mutter. Nur die Augen, die hast du von deinem Vater.«

Kate verkneift sich die Korrektur des Begriffes Vater, gegen den sie sich noch immer vehement wehrt. Stattdessen sagt sie: »Wie Harry Potter, nur andersherum.« Sie stellt ihre Tasche neben mir auf die Armlehne und gibt mir einen Kuss auf die Wange, ohne mich richtig zu berühren, dann wendet sie sich Lea zu. »Ich habe jetzt erst gesehen, dass du mich die ganze Zeit angerufen hast. Mir ist das Handy auf dem Weg ausgegangen und erst bei Victoria habe ich einen Anruf von Emmett gekriegt, dass wir anscheinend die ganze Zeit aneinander vorbeigeredet haben.«

»Inwiefern?«, springt mein Vater sofort darauf an und fragt gleich darauf versöhnlicher: »Möchtest du etwas trinken?«

Kate bombardiert ihn mit 3.000-Watt Strahlkraft.

»Nein, vielen Dank.«

Sie nimmt neben Lea Platz und verschränkt die Hände ineinander, bevor sie nervös kichert. »Es ist eine ziemlich dumme Geschichte. Wir wollten shoppen gehen, aber Lea dachte, ich meine in Cambridge, weil ich ja noch da war, und ich meinte in London.«

Lea hebt den Kopf und sieht sie fassungslos an. »Du –«

»Ich weiß«, unterbricht Kate sie, »ich habe gesagt, für James ist das in Ordnung. Aber ich meinte nicht, dass du nach Cambridge kommst, sondern dass ich mir eine Uhr kaufe. Das geht doch in Cambridge gar nicht.«

Meine Schwester schaltet, und zwar schnell. »Ich dachte, du wolltest zu Tag Heuer!«

»Nein, ich wollte die Lady-Datejust mit Diamanten. Die haben sie extra aus dem Rüschenbeck-Store in Köln hergeholt. Nur für heute.« Riesige blaue Augen richten sich auf mich. »Meinst du, die schicken sie wieder weg, weil ich sie nicht geholt habe?«

»Prinzessin, die Umsätze, die Rolex in London generiert, sind prozentual vermutlich zweistellig James zuzuordnen. Mit Sicherheit machen die für dich eine Ausnahme.«

»Wirklich?«

»Wirklich.«

Alle anderen sehen eine weinerliche, schuldbewusste Kate. Ich dagegen sehe Kate, die eine weinerliche und schuldbewusste Kate spielt und sich dabei köstlich amüsiert.

Meine Eltern tauschen einen Blick, dann räuspert Dad sich. »Ihr wolltet zusammen shoppen gehen und dabei ist es euch nicht gelungen, vernünftig zu kommunizieren?«

Lea nickt bloß, Kate kratzt sich peinlich berührt an der Nase. »Na ja, also schon, aber halt aneinander vorbei.«

»Du dachtest, James hätte dir erlaubt, nach Cambridge zu fahren und shoppen zu gehen?«

»Ja.«

»Mal ehrlich«, unterbricht Kate meinen Dad, bevor er seine nächste Frage stellen kann. »Da gibt es nicht mal Louis V oder Prada. Wie kommst du denn bitte darauf?«

»Wieso hast du Kommunikationsprobleme?«, feuert Lea zurück.

In einer dramatischen Geste legt Kate sich die Hand auf die Brust, doch ihre Augen huschen eine kurze Sekunde zu mir. »Gar nicht wahr.« Sie wendet sich wieder meinen Eltern zu. »Na ja, auf jeden Fall bin ich vorbeigekommen, um das aufzuklären.«

»Das ist sehr höflich von dir«, lobt mamma. »Nicht wahr, Matteo?«

»Unbedingt.« Meine Schwester schrumpft unter seinem strengen Blick. »Das nächste Mal wünsche ich mir, vorher über deine Ausflüge informiert zu werden.«

Kate greift nach ihrer Hand und drückt sie, als Lea eine leise Bestätigung hervorbringt, bevor sie sich wieder erhebt. »Ich muss jetzt leider auch schon wieder los.« Aus ihrer Tasche ertönt ein Maunzen und gleich darauf streckt Cali O seinen haarigen Kopf an die Luft.

»Genau deswegen. Er hat Hunger.«

»Du hast deine Katze mitgebracht?«, frage ich ungläubig und werde sofort böse beäugt.

»Er ist ein Baby, ich kann ihn doch nicht allein lassen.«

»Er ist eine Katze.«

»Ein Katzenwelpe. Und er hat Angst allein.«

»Bei Vittoria ist er doch gar nicht allein.«

»Casanova ärgert ihn aber.«

Die Diskussion bringt mich durcheinander. Es ist so vertraut, so normal, mit Kate diese Streitereien zu führen, die keiner von uns ernst meint, und gleichzeitig fühlt es sich furchtbar an, denn wir befinden uns in einem echten Streit, von dem ich nicht weiß, wie er ausgeht, weil der Ball in ihrem Feld liegt.

»Schön«, unterbricht mein Vater uns und erhebt sich. »Vielen Dank, dass du dieses Missverständnis aufgeklärt hast. Wie kommst du nach Knightsbridge?«

»Ach, das ist doch selbstverständlich.« Ein weiteres Lächeln in die Runde. »Ich laufe, das tut mir gut.«

»Aber das ist fast eine Stunde Fußmarsch, das ist doch nicht notwendig«, protestiert meine Mutter, doch Kate schüttelt vehement den Kopf.

»Natürlich nicht, vermutlich mache ich es genau deswegen so gerne.«

Mamma wirft Dad einen hilflosen Blick zu. »Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.«

Kate winkt ab. »Ich glaube kaum, dass mein Taxi gewartet hat, und bis das nächste hier ist, bin ich schon halb da.«

»Klingt toll«, sagt Enzo, der vermutlich nur hier rausmöchte. »Und arbeite in der Zwischenzeit an deinen Kommunikationsproblemen, dann muss ich beim nächsten Mal nicht zwei Stunden nach Cambridge fahren, um Leandra abzuholen.«

Kate ignoriert ihn, nimmt ihre Tasche, krault den Katzenwelpen und deutet auf meine Schwester. »Ich schreib dir, wann wir meine Uhr abholen können, ja? Und ich wollte noch zu Cartier, mir eine Panthère holen. Victoria will mir ihren nicht geben.«

»Warum nur?«, murrt Enzo.

»Danke für deinen Besuch«, übertönt mamma ihn und umarmt Kate gleich ein zweites Mal. »Adrian bringt dich noch zur Tür.«

Ich erhebe mich und halte Kate die Tür auf, ohne sie anzusehen. Meine Familie verschwindet hinter der polierten Holzplatte und wir beide, beziehungsweise drei, wenn der Katzenwelpe mitzählt, machen uns schweigend auf den Weg zur Haustür. Kate geht vor, hat sich vermutlich den Weg eingeprägt, wie alles, das ihr vor die Linse kommt.

Ungefragt folge ich ihr nach draußen auf den Kies, denn Mrs. Cook ist die treue Spionin meiner Mutter, und wie auch immer wir uns verabschieden, das ist nicht für meine Familie gedacht.

Der Springbrunnen plätschert munter vor sich hin, und wir stehen uns gegenüber. Stur, wie sie ist, weigert Kate sich, das Schweigen zu brechen, und so bin es ein weiteres Mal ich, der nachgibt.

»Danke, dass du das gemacht hast.«

Sie zuckt mit den Schultern und greift in die Tasche, um eine Zigarettenpackung und daraus eine Kippe herauszuholen. Wie ein Drache stößt sie den ersten Zug durch die Nase aus. »Kein Problem. Lea und ich sind uns heute Morgen im Flur bei Emmett begegnet, bevor ich gefahren bin. Ich habe mich beeilt, um meinen Zug zu kriegen, und hab weder Emmett noch ihr gesagt, wo ich hinfahre. Hätten sie gewusst, dass du nicht mehr in Colchester bist, wären sie bestimmt vorsichtiger gewesen. Nachdem Enzo sie abgeholt hat, weil du hier aufgetaucht bist, hat Emmett mich angerufen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich darum kümmere.«

Was erklärt, warum ich ihn nicht erreicht habe. Erst war er mit meiner Schwester beschäftigt und später mit Kate.

»Okay. Willst du wirklich laufen?«

Sie nickt. »Das macht mich müde. Vielleicht schlafe ich dann besser. Oder wenigstens überhaupt.« Ein selbstironisches Lächeln spielt um ihre Lippen.

»Dann komm gut nach Hause. Und … gib Bescheid, wenn was ist.«

Wir wissen beide, dass sie dafür zu stolz ist. Sich überhaupt zu melden, würde ihr ein unglaubliches Maß an Überwindung abverlangen. Dass sie um Hilfe bittet, liegt nicht im Bereich des Möglichen.

Kate nickt nichtsdestotrotz. »Pass auf dich auf«, sagt sie und meidet immer noch meinen Blick.

»Du auch.«

»Machst du mir die Kindersicherung auf?«

»Natürlich.« Ich hole mein Handy heraus und beende damit dieses unangenehm steife Gespräch.

Kate wendet sich ab und als sie nah genug ist, öffne ich das Tor, nur um gleich darauf zuzusehen, wie sie hinter den schmiedeeisernen Flügeln verschwindet. Das Tor schwingt zu und einen Moment kommt es mir vor, als würde es mich in meiner Welt einschließen. Oder vielleicht schließt es sie aus? Wie auch immer man es deuten will, vielleicht ist es nicht das schlechteste. Ohne Kate können die wichtigen Sachen wieder in den Vordergrund rücken. Bellini und die Schattengeschäfte meiner Familie.

Ich passe Enzo in seiner Wohnung ab, während er seinen Laptop einpackt, vermutlich um zur Arbeit zu fahren. Heute Nacht wird er wohl nicht nach Hause kommen, aber das ist nichts Ungewöhnliches. Mein Bruder arbeitet gern zu merkwürdigen Zeiten.

Er schaut nicht mal auf, einzig Somnia begrüßt mich mit viel Sabber. Sorgfältig schließe ich die Tür und verbinde mein Handy mit den Boxen in den Wänden. Die Musik ist laut, so laut, dass man sich kaum noch unterhalten kann. Viel wichtiger ist aber, dass man uns von außen nicht hören wird.

Enzo richtet sich auf, ein Stirnrunzeln im Gesicht. »Ich nehme nicht an, dass du wegen Beziehungstipps hier bist.«

»Welche Beziehung?«

Er zieht einen Mundwinkel hoch. »Sprichst du von dir oder von mir?«

Ich bin mir sehr sicher, dass er nicht enthaltsam lebt, er schätzt bloß seine Privatsphäre. Aber das ist mir jetzt gerade und auch sonst nicht wichtig. Ungeduldig rutsche ich auf den Sessel vor seinem Schreibtisch, sodass wir nah genug sind, um nicht brüllen zu müssen.

»Also?«, frage ich. »Was gibt es Neues?« Es sind ganze sieben Tage vergangen, seit wir in Federicos heimlichem Hotelzimmer das Heroin gefunden haben, das der Rest unserer Familie noch immer unter Hochdruck sucht. In Colchester ist währenddessen so viel passiert, dass es sich viel länger anfühlt.

Enzo setzt sich nicht, sondern packt weiter in Seelenruhe seinen Kram. »Jetzt, wo unsere Prinzessin deine Aufmerksamkeit nicht mehr für sich fordert, fällt dir deine Familie wieder ein, ja?«

Auch wenn sein Vorwurf deutlich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit enthält, gehe ich nicht darauf ein. Stattdessen hebe ich auffordernd die Brauen. Genau wie er gesagt hat: Wegen Beziehungstipps bin ich nicht hier. »Was ist der Plan?«

Mein großer Bruder zieht eine Grimasse. »Glaubst du, ich kann zaubern? Ich arbeite, ich darf deine kleine Schwester einfangen, ich habe die Hunde und bis ich mir überlegt habe, wie es weitergeht, tue ich immer noch so, als wüsste ich nicht, dass dein Cousin der Schlüssel ist, was bedeutet, ich muss so tun, als würde ich nach der verschwundenen Ware suchen. Und zusätzlich muss ich nach Lukas Herzog suchen, von dem ich wirklich nicht weiß, wo er ist.«

Der Vorwurf über meine erneute Fahrt nach Colchester schwingt so deutlich mit, als hätte er ihn ausgesprochen. Aber ich will nicht über Colchester und meine Gründe, dort wieder hinzufahren, sprechen. Es geht jetzt nicht um Kate. Es geht um die Familie und die Gefahr, in der sie schwebt. Diskutieren bringt uns nicht weiter. Außerdem habe ich heute genug diskutiert.

»Kann ich dir irgendwie helfen?« Enzos Denkleistung werde ich wohl nie erreichen, aber viele der Dinge, die er bei seiner regulären Arbeit erledigen muss, kann ich ihm abnehmen. Ich arbeite lange genug für ihn, dass ich die Prozesse und Anforderungen kenne.

»Mein Gott, Adrian! Was hat sie dir an den Kopf geworfen, dass du dich jetzt so zwanghaft beschäftigen willst?«

Ich zwinge mich, seinen Spott an mir abperlen zu lassen. Er ist die zweite Person, die mich heute provozieren möchte. Er ist die zweite Person, bei der ich nicht darauf eingehen werde.

»Wo hast du das Zeug hingebracht?« Er wird das Heroin wohl kaum bei Federico gelassen haben, hoffe ich zumindest. Wir haben es nach der Entdeckung wieder weggeschlossen, beide praktisch in einem Schockzustand, aber im Nachhinein war das nicht das Klügste.

Kurz überlegt er, vermutlich, ob er dieses Gespräch wirklich mit mir führen möchte. Und als er sich durchs Haar fährt und dabei einen tiefen Atemzug nimmt, sehe ich die Erschöpfung.

Seit Lukas Herzog Mitte Mai die vier Kilo Heroin aus dem Lager in unserem Haus in Wien gestohlen hat und danach abgetaucht ist, hat er keine ruhige Minute gehabt. Seit zwei Monaten beschäftigt er sich damit, neben allem anderen. Reue überkommt mich. Davor wegzulaufen hat nicht nur nicht richtig funktioniert, es hat Enzo zusätzliche Arbeit aufgehalst. Und obwohl er seine Arbeit liebt, hat auch er keine unerschöpflichen Ressourcen. Lukas Herzog zu finden ist praktisch eine AAA-Priorität. Denn das Wissen, dass er über die Drogengeschäfte meiner Familie hat, könnte uns nicht nur alle in den Knast bringen. Wenn die … Geschäftspartner in Kroatien herausfinden, dass wir eine Sicherheitslücke haben, für die ein Mitglied unserer Familie auch noch selbst verantwortlich ist, werden sie wohl kaum freudestrahlend reagieren.

Gegen das, was global agierende Drogenbarone mit der Familie tun würden, sieht eine Zukunft im Knast vermutlich sogar ganz rosig aus.

»Das Zeug ist sicher«, sagt Enzo schließlich. »Ich habs weggeschafft. Der Safe ist wieder zu, vermutlich wird deinem Cousin gar nicht auffallen, dass jemand dran war und der Stoff weg ist. Es liegt ein exakt gleicher Koffer darin, aber mit GPS-Tracker, falls er ihn umlagert.«

Vermutlich fällt es wirklich nicht auf. Laut den Sicherheitsprotokollen ist Federico sowieso kaum in dem unbenutzten Zimmer. Wenn er nachschaut, wird er vielleicht nicht mal den Safe öffnen, sondern nur prüfen, ob dieser noch verschlossen ist.

»Wahrscheinlich«, stimme ich zu. »Und jetzt?«

Enzo zuckt mit den Schultern. »Ich weiß es nicht. Ich überlege, was das Klügste wäre, aber …« Er bringt den Satz nicht zu Ende.

Ratlos ist kein Wort, mit dem ich meinen großen Bruder beschreiben würde. Aber er ist nicht allwissend und auch seine Kapazitäten sind begrenzt.

Ich erhebe mich. »Ich gehe mich umziehen und komme mit ins Büro. Gib mir zehn Minuten.« Ob er will oder nicht, ich kann ihm helfen. Werde ich. Denn wir brauchen sein Gehirn jetzt für wichtigere Dinge als das Bellini-Finanzgeschäft. Dafür muss meins ausreichen.

3

Viva La Vida – Acoustic Version

– Sofia Karlberg

KATHARINA

Der uralte Aufzug braucht deutlich länger ins Erdgeschoss von Victorias Haus, als ich es zu Fuß bräuchte, doch das nehme ich gerne in Kauf; Cali O auf der Schulter wie einen Papagei. Ich würde das Kätzchen nicht mal loswerden, wenn ich es versuchte, denn entgegen allgemeinen Glaubens packt es sich selbst in meine Tasche und wehrt sich vehement dagegen, zurückgelassen zu werden.

In der Küche erwarten mich Emmett, der mit dem Gesicht fast in der Kaffeetasse hängt und eine wie immer putzmuntere Victoria.

»Guten Morgen«, begrüßt meine Großmutter mich von der Küchenzeile aus. »Hast du gut geschlafen?«

»Ja«, lüge ich, denn mir kriecht schon wieder die Unruhe in die Knochen und das hat sich auch in der Nacht bemerkbar gemacht. Ganz allein zu schlafen ist zu einer unangenehmen Erfahrung geworden, immerhin hatte ich in Colchester erst Adrian und dann Thea, während in Cambridge Emmett herhalten musste, der das ganze »Gekuschel« nur mit viel Gemeckere hat über sich ergehen lassen.

»Tee?«

»Nein danke.«

»Ich denke doch.« Victoria stellt mir eine dampfende Tasse hin, in der ein Teesieb schwimmt.

»Was ist das für Tee?«

»Kräutertee.«

Emmetts wachsamer Blick und Victorias Vehemenz sagen mir alles, was ich wissen muss. Ab jetzt also keine Joints mehr, sondern »Kräutertee«.

Ich stütze die Arme auf den Tisch und funkele Emmett an. »Hast du mir etwas zu rauchen mitgebracht?«

»Jetzt trink den Scheiß, sonst sorge ich dafür.«

»Ich will keinen scheiß Tee, ich will meine Joints.«

»Du nimmst, was du bekommst, sonst wird es ungemütlich. Das hat dein Dad gestern Abend entschieden. Die einzige Alternative sind die Tabletten.«

Er hat mit Jakob geredet? Wieso geht alles nur noch mehr den Bach herunter, seit ich Cambridge verlassen habe, um Adrian abzufangen? Erst seine unglaublich demütigende Abfuhr und jetzt das hier. »Das ist doch alles beschissen!«

»Jetzt fauch mich nicht an, ich bin auf deiner Seite!«

»Niemand faucht hier irgendwen an«, geht Victoria dazwischen und setzt sich. »Du nimmst die Alternative, die man dir anbietet, Katharina. Doroteya fliegt morgen Mittag um elf. Sie kommt kurz vorher her und wird um halb zehn hier abgeholt. Dein Freund Chester schickt Personal, um sie abzuholen. Er war so nett, sich um alles zu kümmern, und wird am Flughafen warten. Aufgrund der Presse?«

Natürlich bleibt er lieber in seinem Flugzeug. Sobald Chester auch nur einen Schritt in die Öffentlichkeit macht, ist ihm die Presse auf den Fersen. Sein Vater gewinnt für seine Filme einen Oscar nach dem anderen, seine Mutter ist Teil der kanadischen Regierung und sein Bruder Carter spielt Eishockey in der NHL.

»Werden Samantha und James hier sein?« Ich kenne die Antwort längst.

»Beeinflusst das deinen Entscheidungsprozess?«

Nein. Thea geht nicht, ohne dass ich sie ein letztes Mal gesehen habe. Vielleicht holt Chester sie auch deswegen nicht persönlich ab, denn unsere Freundschaft ist zu eng mit … mit Josie verbunden, als dass wir uns einfach in die Arme fallen könnten. Das ist zu schmerzhaft, für ihn wie für mich.

Victoria streckt die Hand aus und tätschelt mir die Wange. »Natürlich freue ich mich, dass du hier bist, und du kannst bleiben, solange du magst, aber früher oder später wirst du sowohl James als auch Samantha wieder begegnen müssen.«

»Was, wenn sie wollen, dass ich nicht hierbleibe?«

»Jakob will, dass du hierbleibst«, meldet Emmett sich und stößt mir zwischen die Rippen, sodass Cali O beinah das Gleichgewicht verliert und sich mit spitzen Krallen an meiner Schulter festhält. Unbeeindruckt vom Gefauche des Katers deutet Emmett auf meinen Tee. »Und jetzt trink das Zeug.«

Das Rentnerhobby Spazierengehen und ich werden Freunde, allerdings beunruhigt mich das nicht annähernd so sehr wie Theas nahende Abreise.

Einmal noch kann ich sie in den Arm nehmen, einmal noch in die tiefgründigen Augen sehen, dann ist sie fort und wird eine ganze Weile nicht wiederkommen.

Lucas öffnet mir die Tür, noch bevor ich klingeln kann, und ich bilde mir ein, dass er einen prüfenden Blick irgendwo hinter mich wirft, kann das aber nicht genauer hinterfragen, denn schon landen seine Augen bei mir und das faltige Gesicht verzieht sich zu einem Lächeln. »Eine Eisschokolade, Miss Blackwell? Im Salon erwartet man Sie bereits sehnsüchtig.«

»Sehr gerne, vielen Dank.« Ich trete die Schuhe von den Füßen, weil ich dem See im Hyde Park etwas zu nah gekommen bin und die Böden wie üblich so poliert sind, dass sie reflektieren. »Wer ist alles da?«

»Ihre Großmutter, der junge Mr. Blackwell, Lady Samantha, Mr. Douglas-Stirling und Miss Schestakow. Sie hat sich Ihren Kater angeeignet.«

»Natürlich hat sie. Ich gehe mich umziehen und bin in zehn Minuten da, bitte geben Sie Bescheid.«

Noch bevor ich eintrete, höre ich Theas tiefe Stimme, die zu der Melodie singt, die jemand leise auf dem Flügel spielt. Im Salon stolpere ich in eine abartig beschauliche Szenerie. Meine Mutter, James und Emmett sitzen auf der Sitzgruppe verteilt, wobei James den tauben Chopin auf dem Schoß hat und ihn streichelt wie ein perfekter Bond-Gegner. Sie alle haben ihre Aufmerksamkeit dem Steinway zugewandt, vor dem Victoria und Thea sitzen.

Die schwer beringte Hand meiner Großmutter tanzt über die Klaviatur, Theas tiefe Stimme wabert eindringlich durch den Raum und obwohl sie, im Gegensatz zu den anderen Anwesenden, längst bemerkt hat, dass ich da bin, verstummt sie nicht, sondern singt weiter, die Hand um Cali O gelegt.

Ich mache mich nicht bemerkbar, genieße lieber die letzten ruhigen Momente, denn aufgewühlte Emotionen sind unvermeidbar.

Obwohl da dieses stechende Gefühl in der Brust ist, während ich Thea bei etwas zuhöre, das früher der Sinn und die höchste Freude meines Lebens war, komme ich gar nicht erst auf die Idee, das alles zu unterbinden.

Auch Thea scheint damit zufrieden, denn sie bringt das Lied zu Ende, wobei sie bei jeder Note brilliert. Erst als der letzte Ton vollständig verklungen ist, dreht sie sich um und starrt mich an.

»Wo warst du?«

»Hyde Park.«

Sie hört gar nicht hin, ist längst aufgestanden und eilt durchs Zimmer, wobei sie den Umweg hinter dem Flügel wählt, der es ihr erlaubt, Abstand zu Emmett und James zu wahren. Ich schlinge die Arme um sie, sorgsam auf Cali O bedacht, und sie vergräbt das Gesicht an meinem Hals.

»Da bist du ja«, begrüßt James mich weniger enthusiastisch und deutlich strenger.

»Du hast nicht gefrühstückt«, stellt Victoria mit einem Stirnrunzeln fest.

»Ja und? Es gibt Millionen Menschen, die das nicht tun.«

»Ein ausgewogenes Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.«

»Schwachsinn. Der Körper benötigt lediglich genug Energie über den Tag, nicht notwendigerweise durch ein Frühstück.«

»Ich denke, diese Diskussion ist momentan eher zweitrangig«, mischt Samantha sich ein und kassiert sofort einen giftigen Blick von Victoria.

In diesem Moment klingelt die Türglocke. Gleichzeitig betritt Lucas den Raum und überreicht mir meine Eisschokolade, nur um gleich wieder davonzuhuschen. Ich stelle das Glas achtlos neben mir ab und ziehe Thea noch ein Stück näher. Sie trägt ihre Sonnenbrille nicht, und ihr warmer Atem kitzelt meinen Hals. Die Wärme, die von ihr ausgeht, das weißblonde Haar, das sich über meine Finger ergießt und der penetrante Geruch nach Zigaretten sind so vertraut, so Thea. Der Gedanke, sie gehen zu lassen, ist um Welten schlimmer, als ihr beim Singen zuzuhören.

Obwohl ich sie nicht hier haben wollte, will ich sie jetzt nicht gehen lassen. Aber Thea ist trotz allem, was ihr geschehen ist, in so viel besserer Verfassung als ich. Sie hierzubehalten, das würde mir, anders als sie denkt, vielleicht wirklich helfen, aber was würde es mit ihr tun? Würde sie daran kaputtgehen? Sich an den Scherben schneiden, die von mir geblieben sind? Ich will es nicht wissen.

Sie soll gehen und glücklich sein, unbeschwert und frei. Ihr steht ein Neuanfang zu und diesmal mit deutlich besseren Karten auf der Hand. Wir klammern uns aneinander, aber in der Strömung des Lebens haben wir keine Chance, als uns irgendwann loszulassen.