Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten - Hermann Bote - E-Book

Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten E-Book

Hermann Bote

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Beschreibung

Hermann Bote, ein bedeutender deutscher Autor des 16. Jahrhunderts, präsentiert in seinem Werk 'Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten' eine Sammlung humorvoller und lehrreicher Geschichten über den berühmten Schalk Till Eulenspiegel. Bote's literarischer Stil zeichnet sich durch seine klare und einfache Sprache aus, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Die Geschichten bieten nicht nur Unterhaltung, sondern vermitteln auch zeitlose moralische Lehren und kulturelle Einblicke in das mittelalterliche Leben in Deutschland. Boten nimmt den Leser mit auf eine Reise voller lustiger Abenteuer und unerwarteter Wendungen, die ein breites Spektrum an Emotionen und Reflexionen hervorruft. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Hermann Bote

Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten

Bereicherte Ausgabe. Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig.
Einführung, Studien und Kommentare von Isabella Heinrich

Books

- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung -
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017
ISBN 978-80-272-1569-0

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Till Eulenspiegel ist eine der bekanntesten Schelmenfiguren der deutschsprachigen Literatur. Das frühneuzeitliche Eulenspiegelbuch erschien anonym im 16. Jahrhundert und wird häufig Hermann Bote zugeschrieben. Diese Sammlung, Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten, führt junge und erwachsene Leserinnen und Leser an den Witz, die List und die verblüffende Logik des Narren heran. Sie zeigt, wie Eulenspiegel mit Worten und Erwartungen spielt, ohne auf Gelehrsamkeit zu pochen oder mit moralischem Zeigefinger zu belehren. Ziel ist ein zugänglicher Einstieg in einen literarischen Klassiker, dessen Anziehungskraft in klaren Situationen, starken Pointen und heiterem Nachdenken über Sprache und Welt liegt.

Im Umfang präsentiert der Band die klassische Folge von 96 Episoden – vom ersten Auftreten Tills bis zu seinem Ende. Die Reihenfolge folgt dem überlieferten Lebensbogen, der Stationen in Stadt und Land, bei Handwerkern, Kaufleuten, Geistlichen und Fürsten bündelt. Damit wird der ganze Horizont des Figurentyps sichtbar: Eulenspiegel wandert, probiert Rollen aus, testet Regeln und spiegelt seine Umwelt. Die Edition versteht sich als Werksammlung zentraler Stücke des Zyklus; sie lädt zum Vorlesen, zum selbstständigen Entdecken und zum Gespräch über Humor, Scharfsinn und die Tücken wörtlichen Verstehens ein.

Die textliche Gestalt gehört zur Schwank- und Volksbuchtradition: kurze Prosastücke, pointierte Erzählungen, die mit Anekdoten, Possen und gelegentlich parabelhaften Zügen arbeiten. Es handelt sich nicht um Romane oder Dramen, sondern um in sich geschlossene Kurzgeschichten, die lose durch die Lebensreise der Hauptfigur verbunden sind. Neben erzählender Prosa finden sich Elemente der Sprichwortdichtung und der mündlichen Erzählkultur. Briefe, Tagebücher oder Essays sind nicht vertreten. Die Stärke dieser Form liegt in der schnellen Einrichtung eines Konflikts, der überraschenden Wendung und einer Pointe, die ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken reizt.

Inhaltlich kreisen die Geschichten um das Spiel mit Bedeutung und Autorität. Eulenspiegel nimmt Redensarten wörtlich, legt Befehle streng aus, stellt vermeintliche Gewissheiten auf den Kopf und führt so die Regeln seiner Gegenüber ad absurdum. Frequentiert werden Werkstätten, Küchen, Märkte, Wirtshäuser, Kirchen und Höfe – Schauplätze, an denen soziale Rollen deutlich hervortreten. Der Trickster entlarvt Hochmut und Einbildung ebenso wie Leichtgläubigkeit und Geltungsdrang. Gerade in dieser Spiegelung alltäglicher Situationen liegt die anhaltende Frische: Aus kleinen Missverständnissen entstehen komische Kettenreaktionen, die unsere Aufmerksamkeit für Sprache, Konventionen und Selbstbilder schärfen.

Stilistisch zeichnet sich der Zyklus durch knappe, anschauliche Prosa, wiederkehrende Erzählformeln und prägnante Schlüsse aus. Typisch ist das konsequente Wörtlichnehmen von Anweisungen, das in komisch-groteske Effekte umschlägt. Zugleich sorgt die Reihung eigenständiger Stücke für Tempo und Vielfalt: Handwerksproben, Streiche, Wettstreite, Mahlzeiten und Reisen wechseln einander ab. Wortwitz und Körperkomik stehen nebeneinander; beides bleibt jedoch der klaren Pointe verpflichtet. Diese Mischung erklärt die Lesefreude über Generationen hinweg, weil sie gleichzeitig unmittelbares Gelächter und ein zweites, stilles Verstehen über die Fallstricke des Alltags ermöglicht.

Die Bedeutung des Eulenspiegel-Stoffes reicht weit über seine Entstehungszeit hinaus. Die Figur wurde in unterschiedlichen Zeiten und Medien immer wieder neu erzählt und gedeutet. Dass der Zyklus bis heute präsent ist, verdankt sich seiner offenen, episodischen Form und der doppelten Perspektive: Wer lacht, lernt etwas über Sprache; wer nachdenkt, entdeckt hinter der Neckerei eine kleine Gesellschaftskunde. Für die Kinder- und Jugendrezeption bietet der Band einen kanonischen Zugang zu einem Kernstück der Erzählliteratur, das leicht verständlich einsetzt, ohne an gedanklicher Schärfe zu verlieren.

Zur Lektüre empfiehlt sich, den historischen Kontext mitzudenken: Einige Episoden enthalten derbe Späße und direkte Körperkomik, die zur damaligen Schwanktradition gehören. Gerade deshalb sind gemeinsames Lesen und Gesprächsanlässe wertvoll – über Redensarten, über das Verhältnis von Regel und Ausnahme, über Mut, Einfälle und Verantwortung. Die klare Ordnung von Geburt bis Begräbnis erleichtert die Orientierung, während jede Geschichte für sich steht. So lässt sich die Sammlung nach und nach erschließen, ohne Vorwissen, aber mit Neugier auf den nächsten Einfall, den nächsten Spiegel und das nächste verblüffende Ende.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Die hier versammelten Eulenspiegel-Stücke gehen auf das frühneuzeitliche Volksbuch zurück, das um 1510/1515 im deutschen Sprachraum in den Druck gelangte und oft dem Braunschweiger Stadtschreiber Hermann Bote zugeschrieben wird, wobei die Autorschaft umstritten bleibt. Die Erzählwelt ist im 14. Jahrhundert situiert, doch die Themen spiegeln die Schwellenzeit um 1500: Urbanisierung, Mobilität, neue Medien und eine sich verändernde Moralkultur. Als Schwankliteratur formieren die Episoden eine lose Kette von Possen, die in Städten, Klöstern und Höfen spielen. Der Protagonist aus Kneitlingen bei Braunschweig reist durch das Heilige Römische Reich, wird Lehrling, Geselle, Diener oder Schelm und konterkariert Erwartungen, Regeln und Sprache.

Viele Szenen entstehen aus der Lebenswirklichkeit städtischer Handwerks- und Marktgesellschaften des Spätmittelalters. Zünfte regulierten Ausbildung, Löhne und Ehre; die Gesellenwanderung vernetzte Werkstätten zwischen Braunschweig, Erfurt, Leipzig und den Hansestädten. Eulenspiegels scheinbar wörtliche Befolgung von Anweisungen persifliert die pedantische Regelbindung der Zünfte und das Misstrauen zwischen Meister, Geselle und Kunde. Brot, Bier, Pelze, Leder und Tuch verweisen auf zentrale Gewerbe der norddeutschen Städte. Indem er Wörter beim buchstäblichen Sinn nimmt, entlarvt Eulenspiegel Sprachhierarchien und macht soziale Reibungen sichtbar, die aus wachsender Arbeitsteilung, Konkurrenz und mobiler Arbeitskraft resultierten. Stadtrechte und Marktordnungen legten Gewichte, Maße und Preise fest, was Konflikte um Betrug, Qualität und Haftung befeuerte.

Die Episoden spielen mit der ständischen Ordnung aus Adel, Klerus und Bürgertum, deren Ansprüche auf Ehre, Bildung und göttliche Legitimation satirisch gebrochen werden. In der urbanen Festkultur, besonders der Fastnacht, waren Umkehrungen von Rang und Rolle üblich; der Narr fungierte als gesellschaftlich sanktionierter Störenfried. Literarisch knüpfen die Schwänke an zeitnahe Werke wie Sebastian Brants Narrenschiff (1494) und die Nürnberger Fastnachtspiele an, doch Eulenspiegel ist weniger moralisierend und stärker performativ. Seine Streiche stellen Autorität auf die Probe, ohne ein alternatives Programm anzubieten, und spiegeln so die Ambivalenz einer Gesellschaft zwischen starrer Hierarchie und experimenteller Öffentlichkeit.

Antiklerikale Motive – vom derben Spott über Küster und Pfarrer bis zu gelehrten Ärzten und Bischöfen – waren im 15. und frühen 16. Jahrhundert weit verbreitet. Sie speisen sich aus Ablasspraxis, Klerikerprivilegien und dem Auseinanderklaffen von Predigtideal und Lebenswirklichkeit. Als das Buch kurz vor oder parallel zu Luthers Thesen (1517) kursierte, lasen Zeitgenossen die Streiche teils als Enthüllung kirchlicher Heuchelei, teils als bloße Spaßkultur. In konfessionell zugespitzten Jahrzehnten und sozialen Unruhen der 1520er Jahre wurden einzelne Episoden umgedeutet, gekürzt oder ausgeschmückt; dennoch blieb die Figur als überkonfessioneller Trickster attraktiv, der Autoritätsansprüche testet, ohne spezifische Glaubenspositionen zu exponieren.

Die geographische Spannweite – von Braunschweig über Rostock und Lübeck bis nach Polen und Rom – reflektiert die Verkehrsachsen der Hanse und der großen Pilger- und Messrouten. Mölln, der legendenhafte Sterbeort, lag an der Alten Salzstraße; Universitätsstädte wie Erfurt oder Rostock boten die Bühne für studentische Dispute. Handel und Mobilität machten Sprachmischungen, Währungswechsel und Normenkonflikte alltäglich, was die Geschichten in Missverständnissen, Doppelbödigkeit und Tauschgeschäften umsetzen. Der Besuch beim Papst und Auftritte an Fürstenhöfen zeigen zugleich den Blick aus der norddeutschen Stadtgesellschaft auf weltliche und geistliche Zentren, deren Distanz durch Reiseliteratur und Druck allmählich schrumpfte.

Sprachlich stehen die Texte an der Schwelle vom Niederdeutschen zum Frühneuhochdeutschen; Sprichwörter, derbe Redensarten und Mehrdeutigkeiten tragen die Komik. Die frühe Druckgeschichte – mit Straßburger und Erfurter Ausgaben, etwa bei Johannes Grüninger – formte das Eulenspiegel-Bild durch Holzschnitte, Kapitelordnung und Kürzungen. Als günstiges Volksbuch zirkulierten die Geschichten weit über regionale Grenzen und Milieus hinaus. Mit der Ausbreitung konfessioneller Zensur und städtischer Sittenregulierung wurden einzelne Obszönitäten abgeschliffen, ohne den Kern der Sprachkritik zu tilgen. Der mediale Wandel vom Manuskript zum Marktprodukt erklärt, wie ein lokaler Schelm zur gesamteuropäischen Figur werden konnte.

Manche Episoden reproduzieren diskriminierende Muster der Zeit, etwa antijüdische Stereotype, die auf spätmittelalterlichen Ausgrenzungen, Pogromen und rechtlichen Sonderstellungen fußen. Ebenso gehören Körperlichkeit, Fäkalhumor und derbe Sexualanspielungen zur damaligen Lachkultur, stießen aber in späteren Jahrhunderten auf bürgerliche Anstößigkeit. Seit Aufklärung und Biedermeier wurden viele Stoffe entschärft, moralisiert und für Schulen oder Kinderleser zugeschnitten; Illustrationen und Nacherzählungen prägten das Bild des schelmischen, aber harmlosen Till. Diese Verschiebung erklärt die Popularität moderner Kindersammlungen, während die frühneuzeitliche Vorlage als Spiegel sozialer Spannungen und Sprachkritik in der Wissenschaft neu gelesen wurde. Die Romantik und die nationale Sammlungsbewegung des 19. Jahrhunderts förderten zudem die Kanonisierung volksnaher Stoffe und verankerten Eulenspiegel im kulturellen Gedächtnis.

Die häufig genannte Autorschaft Hermann Botes (um 1467–1520), Braunschweiger Stadtschreiber und Chronist, erklärt manche stadtbürgerliche Perspektive: Nähe zu Ratskultur, Marktaufsicht, Stadtrecht und Schreibpragmatik. Auch wenn sie nicht zweifelsfrei belegt ist, passt der Blick auf Kleinkonflikte, Amtsroutine und Sprachjuristerei zu einem Schreiber des niedersächsischen Raums. Zeitgenössisch traf das Buch auf ein Publikum aus Handwerkern, Kaufleuten, Klerikern und Studenten, das zwischen Unterhaltung und Normenkritik oszillierte. Neuere, kinderorientierte Auswahlausgaben fokussieren eher handwerkliche List, Reise- und Hofepisoden und meiden Exzesse, bewahren aber den Kern: die komische Entzauberung von Autorität durch wörtliche Rede und soziale Beweglichkeit.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und frühe Kindheit (1–5)

Vom derben Wunderkind bis zum Aufbruch: Der junge Till reizt Nachbarn mit kecken Streichen, wird getadelt und zieht früh in die Welt, während die Mutter ihn zum Handwerk mahnt.

Der Ton ist bäuerlich-kräftig und spöttisch; im Zentrum stehen Wortwitz, Regeltests und die Geburt einer notorischen Schelmenfigur.

Bäckerei, Küche und Tafelpossen (6, 7, 11, 13, 18, 69, 75)

In Backstube und Küche dreht Eulenspiegel Aufträge so, dass Brote, Braten und Süßspeisen zu Anlässen für Übermut, Übermaß und Umdeutung werden.

Esslust, wörtliche Befehlsbefolgung und listige Verdrehungen kippen Alltagspflichten in komische Exzesse.

Erste Dienste an Hof und Haus (10, 12)

Als Hofjunge und bei einem Kaufmann beweist Till, wie leicht Pflichtbewusstsein in Unfug umschlägt, wenn er Anweisungen allzu direkt nimmt.

Komik entsteht aus der Reibung zwischen Ordnungssinn der Auftraggeber und der schelmischen Auslegung des Dieners.

Geistliche Streiche und religiöse Parodien (14, 15, 17, 35, 37, 38, 88, 89, 90)

Vom Küsteramt über liturgische Späße bis zu Wunderheilungen, Zählereien und Pfarrerspossen nimmt Eulenspiegel kirchliche Rituale und Autoritäten aufs Korn; auch eine städtische jüdische Gemeinschaft wird Ziel eines derben Streichs.

Der Ton ist respektlos-spielerisch und spiegelt zeittypische Vorurteile; Glaube, Gehorsam und Gelehrsamkeit werden durch Bauernschläue und Sprachwitz konterkariert.

Kunststücke, Gelehrsamkeit und höfische Begegnungen (16, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 31, 32, 33, 34)

Zwischen angekündigten Wundern, Turmblasen, Brillenmachen, goldenen Hufeisen, Hofnarren-Duellen, Malerei, Studentenstreit und einem gelehrigen Esel liefert Till Schaunummern, die Erwartungen unterlaufen – bis hin zum Blick auf Rom.

Die Episoden verspotten Pracht, Ansehen und Wissensdünkel mit praktischer List, Wortspielen und öffentlichkeitswirksamen Kunststücken.

Pferde, Wege und Abreisen (19, 63, 80)

Ein stets falbes Pferd, eine derbe Episode um einen Pferdeschwanz und der Abschied von einer Stadt zeigen Eulenspiegel als rastlosen Wanderer.

Reiseroutine, Tierpossen und Ortswechsel strukturieren den Schelmenlauf zwischen Haltungslosigkeit und Selbstinszenierung.

Lehrjahre und Handwerksstreiche I: Schmied, Schuster, Brauer (40, 41, 43, 44, 45)

Als Lehrling bei Schmieden und Schustern nimmt Till Befehle wörtlich, schmiedet Werkzeug unbrauchbar zusammen oder verkauft fragwürdiges Material; auch im Brauhaus verdreht er die Ordnung.

Werkstattalltag dient als Bühne für Handwerkssatire, in der List über Regelkunde triumphiert.

Lehrjahre und Handwerksstreiche II: Schneider und Zunft (46, 47, 48, 49)

Bei den Schneidern eskalieren Routine und Rangdünkel zu kollektiven Missgeschicken bis hin zum großspurigen Zunftaufruf.

Zünftige Ehre, Feiertagsregeln und Arbeitsteilung werden durch Übertreibung und Buchstabentreue ad absurdum geführt.

Lehrjahre und Handwerksstreiche III: Kürschner, Gerber, Schreiner, Barbier (30, 50, 51, 52, 54, 60, 73)

Vom Pelzwäscher über nasse und trockene Pelze bis zu wolfigen Missverständnissen, zähem Leder, Holzarbeit und Barbierdiensten erprobt Till die Grenzen des Materials.

Groteske Praxisproben und buchstäbliche Logik brechen Gewerberegeln und Kundenansprüche auf.

Markt-, Geld- und Handelstricks (55, 58, 59, 64, 68, 71)

Weinzapfer, Metzger, ein Pfeifendreher, Landfrauen und ein Stiefelmacher werden mit Tauschlisten, Zahlspielereien und schlitzohrigen Abmachungen überrumpelt.

Die Szenen entlarven Habgier und Routine des Marktes, indem Till scheinbar korrekte, tatsächlich einseitige Deals arrangiert.

Tier- und Bauernpossen (8, 9, 20, 36, 53, 65, 66, 74, 81)

Zwischen Hühnergezänk, Bienenkorb, Hühnerkauf, einer Katze als vermeintlichem Hasen und Bauernstreichen zeigt sich das Dorf als Bühne für listige Übervorteilung.

Der Ton ist derb und praxistauglich; Tiertrieb, Gutgläubigkeit und Alltagsklugheit werden gegeneinander ausgespielt.

Wörtlichkeit, Wortspiele und Hausregeln (42, 61, 62, 70, 72)

Eine Wahrheit wird streng ‚vor der Tür‘ verortet, Eulen und Meerkatzen gehen in den Ofen, Mehl landet im Hof, Schalkheit wird buchstäblich gesät und Hausgerät zerschlagen.

Sprachspiele und doppeldeutige Anweisungen treiben harmlose Arbeiten in absurde, doch folgerichtige Eskalationen.

Wirtshaus- und Herbergsstreiche (77, 78, 79, 82, 83, 84, 85, 86, 87)

In Herbergen schockt, narrt und provoziert Till mit makabren Requisiten, groben Grenzüberschreitungen und klingenden Bezahltricks.

Gastrecht, Ehre und Etikette werden zur Bühne für Karneval, bei dem Schreck und Gelächter dicht beieinanderliegen.

Körper- und Geruchskomik (39, 67, 76)

Zwischen drastischer Hilfe bei Krankheit, Badestubenfrevel und durch Wände getriebenem Gestank stehen Körperfunktionen ungeschönt im Mittelpunkt.

Derbe Physiologie dient als Mittel zur Blamage, zur Normkritik und zur Lachprovokation.

Strafe, List und Entkommen (56, 57)

Drohende Ahndung und ein übergroßes Behältnis rahmen Episoden, in denen Witz schneller sein muss als Strafe.

Die Spannung liegt im Katz-und-Maus-Spiel zwischen Obrigkeit und Unverbesserlichem.

Krankheit, Reue, Testament und Ende (91, 92, 93, 94, 95, 96)

Eulenspiegel wird krank, blickt zurück, ordnet sein Vermögen und nimmt Abschied; die Bestattung schließt den Reigen.

Der Ton wird leiser und bilanzierend, doch bleibt die Figur eigensinnig und spruchhaft bis zuletzt.

Wiederkehrende Motive und Stil

Die Sammlung setzt auf wörtliche Befehlsauslegung, Rollentausch und die Verkehrung sozialer Hierarchien; Bühne sind Handwerk, Markt, Kirche, Hof und Wirtshaus.

Episodenhaftes Erzählen, derbe Körperkomik, Tier- und Essmotive sowie spöttische Gelehrsamkeitssatire prägen einen fortwährenden Wechsel von List, Blamage und Lakonie.

Till Eulenspiegel: Die beliebtesten Kindergeschichten

Hauptinhaltsverzeichnis
1. Wie Till Eulenspiegel geboren wurde
2. Wie alle über den jungen Eulenspiegel klagten
3. Wie Claus Eulenspiegel von Kneitlingen hinweg zog
4. Wie Eulenspiegel den Jungen Schuhe von den Füßen abschwatzte
5. Wie Eulenspiegels Mutter ihn ermahnte, ein Handwerk zu lernen
6. Wie Eulenspiegel einen Brotbäcker um einen Sack voll Brot betrog
7. Wie Eulenspiegel das Weckbrot mit anderen Jungen im Übermaß essen mußte
8. Wie Eulenspiegel es machte, daß sich die Hühner um die Lockspeise zerrten
9. Wie Eulenspiegel in einen Bienenkorb kroch
10. Wie Eulenspiegel ein Hofjunge wurde
11. Wie Eulenspiegel sich als Koch und Stubenheizer verdingte
12. Wie Eulenspiegel dem Kaufmann das Haus räumte
13. Wie Eulenspiegel die gebratenen Hühner vom Spieß aß
14. Wie Eulenspiegel Küster wurde
15. Wie Eulenspiegel in der Ostermesse ein Spiel machte
16. Wie Eulenspiegel verkündete, fliegen zu wollen
17. Wie Eulenspiegel des Bischofs Doktor behandelte
18. Wie Eulenspiegel Brot kaufte
19. Wie Eulenspiegel immer ein falbes Pferd ritt
20. Wie ein Bauer Pflaumen zum Markt fahren wollte
21. Wie Eulenspiegel sich als Turmbläser verdingte
22. Wie Eulenspiegel ein Brillenmacher wurde
23. Wie Eulenspiegel seinem Pferd goldene Hufeisen aufschlagen ließ
24. Wie Eulenspiegel den Schalksnarren des Königs von Polen überwand
25. Wie Eulenspiegel sich in sein Pferd stellte
26. Wie Eulenspiegel in einem Sturzkarren saß
27. Wie Eulenspiegel für den Landgrafen von Hessen malte
28. Wie Eulenspiegel mit den Studenten disputierte
29. Wie Eulenspiegel einen Esel lesen lehrte
30. Wie Eulenspiegel den Frauen die Pelze wusch
31. Wie Eulenspiegel mit einem Totenkopf umherzog
32. Wie Eulenspiegel die Stadtwächter munter machte
33. Wie Eulenspiegel um Geld aß
34. Wie Eulenspiegel nach Rom zog und den Papst sah
35. Wie Eulenspiegel die Juden betrog
36. Wie Eulenspiegel Hühner kaufte
37. Wie der Pfarrer Eulenspiegel eine Wurst wegfraß
38. Wie Eulenspiegel dem Pfarrer sein Pferd abschwatzte
39. Wie Eulenspiegel einem kranken Kinde zum Scheißen verhalf
40. Wie Eulenspiegel sich bei einem Schmied verdingte
41. Wie Eulenspiegel einem Schmied Hämmer und Zangen zusammenschmiedete
42. Wie Eulenspiegel eine Wahrheit draußen vor dem Haus sagte
43. Wie Eulenspiegel einem Schuhmacher diente
44. Wie Eulenspiegel einem Schuhmacher Dreck als Talg verkaufte
45. Wie Eulenspiegel ein Brauergeselle wurde
46. Wie Eulenspiegel sich bei einem Schneider verdingte
47. Wie Eulenspiegel drei Schneiderknechte von einem Fensterladen fallen ließ
48. Wie Eulenspiegel die Schneider im ganzen Sachsenlande zusammenrief
49. Wie Eulenspiegel an einem Feiertag Wolle schlug
50. Wie Eulenspiegel sich bei einem Kürschner verdingte
51. Wie Eulenspiegel in trocknen und nassen Pelzen schlief
52. Wie Eulenspiegel einem Kürschner Wölfe statt Wolfspelze machte
53. Wie Eulenspiegel eine Katze als lebendigen Hasen verkaufte
54. Wie Eulenspiegel einem Ledergerber Leder sott
55. Wie Eulenspiegel den Weinzäpfer betrog
56. Wie man Eulenspiegel henken wollte
57. Wie Eulenspiegel eine große Tasche machen ließ
58. Wie Eulenspiegel einen Metzger um einen Braten betrog
59. Wie Eulenspiegel einen Metzger noch einmal um einen Braten betrog
60. Wie Eulenspiegel ein Schreinerknecht wurde
61. Wie Eulenspiegel Eulen und Meerkatzen backte
62. Wie Eulenspiegel das Mehl in den Hof beutelte
63. Wie ein Kaufmann Eulenspiegels Pferd den Schwanz auszog
64. Wie Eulenspiegel einem Pfeifendreher eine große Schalkheit antat
65. Wie Eulenspiegel von einer alten Bäuerin verspottet wurde
66. Wie Eulenspiegel einen Bauern um ein grünes Londoner Tuch betrog
67. Wie Eulenspiegel in eine Badestube schiß
68. Wie Eulenspiegel von den Landfrauen Milch kaufte
69. Wie Eulenspiegel seinen Gästen den Braten beträufelte
70. Wie Eulenspiegel Schälke säte
71. Wie ein Stiefelmacher Eulenspiegels Stiefel spickte
72. Wie Eulenspiegel eine Frau alle ihre Töpfe entzweischlagen ließ
73. Wie sich Eulenspiegel bei einem Barbier verdingte
74. Wie Eulenspiegel einem Bauern die Suppe begoß
75. Wie Eulenspiegel ein Weißmus allein ausaß
76. Wie Eulenspiegel den Gestank durch die Wand blies
77. Wie Eulenspiegel einen Wirt erschreckte mit einem toten Wolf
78. Wie Eulenspiegel dem Wirt auf den Tisch schiß
79. Wie Eulenspiegel den Wirt mit dem Klange des Geldes bezahlte
80. Wie Eulenspiegel von Rostock schied
81. Wie Eulenspiegel einen Hund schund
82. Wie Eulenspiegel derselben Wirtin einredete, Eulenspiegel liege auf dem Rad
83. Wie Eulenspiegel eine Wirtin in die heiße Asche setzte
84. Wie Eulenspiegel einer Wirtin in das Bett schiß
85. Wie ein Holländer aus einer Schüssel einen gebratenen Apfel aß
86. Wie Eulenspiegel von einer Frau zu Gast geladen wurde
87. Wie Eulenspiegel von einer Frau zu Gast geladen wurde
88. Wie Eulenspiegel für die Blinden einen Bürgen stellte
89. Wie Eulenspiegel an einem Tage alle Kranken ohne Arznei gesund machte
90. Wie Eulenspiegel die Mönche in der Messe zählte
91. Wie Eulenspiegel in Mölln krank wurde
92. Wie Eulenspiegel seine Sünden bereuen sollte
93. Wie Eulenspiegel sein Testament machte
94. Wie Eulenspiegel sein Gut in drei Teilen vergab
95. Wie Eulenspiegel starb
96. Wie Eulenspiegel von Beginen begraben wurde

Wie er sein Leben vollbracht hat.

Die 1. Historie sagt, wie Till Eulenspiegel geboren, dreimal an einem Tage getauft wurde und wer seine Taufpaten waren.

Inhaltsverzeichnis

Bei dem Wald, Elm genannt, im Dorf Kneitlingen im Sachsenland, wurde Eulenspiegel geboren. Sein Vater hieß Claus Eulenspiegel, seine Mutter Ann Wibcken. Als sie des Kindes genas, schickten sie es in das Dorf Ampleben zur Taufe und ließen es nennen Till Eulenspiegel. Till von Uetzen, der Burgherr von Ampleben, war sein Taufpate. Ampleben ist das Schloß, das die Magdeburger vor etwa 50 Jahren mit Hilfe anderer Städte als ein böses Raubschloß zerstörten. Die Kirche und das Dorf dabei ist nunmehr im Besitze des würdigen Abtes von Sankt Ägidien, Arnolf Pfaffenmeier.

Als nun Eulenspiegel getauft war und sie das Kind wieder nach Kneidingen tragen wollten, da wollte die Taufpatin, die das Kind trug, eilig über einen Steg gehen, der zwischen Kneidingen und Ampleben über einen Bach führt. Und sie hatten nach der Kindtaufe zu viel Bier getrunken (denn dort herrscht die Gewohnheit, daß man die Kinder nach der Taufe in das Bierhaus trägt, sie vertrinkt und fröhlich ist; das mag dann der Vater des Kindes bezahlen). Also fiel die Patin des Kindes von dem Steg in die Lache und besudelte sich und das Kind so jämmerlich, daß das Kind fast erstickt wäre. Da halfen die anderen Frauen der Badmuhme mit dem Kind wieder heraus, gingen heim in ihr Dorf, wuschen das Kind in einem Kessel und machten es wieder sauber und schön.

So wurde Eulenspiegel an einem Tage dreimal getauft: einmal in der Taufe, einmal in der schmutzigen Lache und einmal im Kessel mit warmem Wasser.

Die 2. Historie sagt, wie alle Bauern und Bäuerinnen über den jungen Eulenspiegel klagten und sprachen, er sei ein Nichtsnutz und Schalk; und wie er auf einem Pferd hinter seinem Vater ritt und stillschweigend die Leute hinten in seinen Arsch sehen ließ.

Inhaltsverzeichnis

Als nun Eulenspiegel so alt war, daß er stehen und gehen konnte, da spielte er viel mit den jungen Kindern. Denn er war munteren Sinnes. Wie ein Affe tummelte er sich auf den Kissen und im Gras so lange, bis er drei Jahre alt war. Dann befleißigte er sich aller Art Schalkheit so sehr, daß sich alle Nachbarn miteinander beim Vater beklagten, sein Sohn Till sei ein Schalk. Da nahm der Vater sich den Sohn vor und sprach zu ihm: »Wie geht das doch immr zu, daß alle unsere Nachbarn sagen, du seist ein Schalk?« Eulenspiegel sagte: »Lieber Vater, ich tue doch niemandem etwas, das will ich dir eindeutig beweisen. Geh hin, setz dich auf dein eigenes Pferd, und ich will mich hinter dich setzen und stillschweigend mit dir durch die Gassen reiten. Dennoch werden sie über mich lügen und sagen, was sie wollen. Gib darauf acht!« Das tat der Vater und nahm ihn hinter sich aufs Pferd. Da hob sich Eulenspiegel hinten auf mit seinem Loch, ließ die Leute in den Arsch sehen und setzte sich dann wieder. Die Nachbarn und Nachbarinnen zeigten auf ihn und sprachen: »Schäme dich! Wahrlich, ein Schalk ist das!« Da sagte Eulenspiegel: »Hör, Vater, du siehest wohl, daß ich stillschweige und niemandem etwas tue. Dennoch sagen die Leute, ich sei ein Schalk.«

Nun tat der Vater dies: er setzte Eulenspiegel, seinen lieben Sohn, vor sich auf das Pferd. Eulenspiegel saß ganz still, aber er sperrte das Maul auf, grinste die Bauern an und streckte ihnen die Zunge heraus. Die Leute liefen hinzu und sprachen: »Seht an, welch ein junger Schalk ist das!« Da sagte der Vater: »Du bist freilich in einer unglückseligen Stunde geboren. Du sitzest still und schweigst und tust niemandem etwas, und doch sagen die Leute, du seist ein Schalk.«

Die 3. Historie sagt, wie Claus Eulenspiegel von Kneitlingen hinweg zog an den Fluß Saale, woher Tills Mutter gebürtig war, dort starb, und wie sein Sohn auf dem Seil gehen lernte.

Inhaltsverzeichnis

Danach zog sein Vater mit ihm und seiner Familie von dannen in das magdeburgische Land an den Fluß Saale. Von dorther stammte Eulenspiegels Mutter. Und bald darauf starb der alte Claus Eulenspiegel. Die Mutter blieb bei dem Sohn in ihrem Dorf, und sie verzehrten, was sie hatten. So wurde die Mutter arm. Eulenspiegel wollte kein Handwerk lernen und war doch schon etwa 16 Jahre alt. Aber er tummelte sich und lernte mancherlei Gauklerei.

Eulenspiegels Mutter wohnte in einem Haus, dessen Hof an die Saale ging. Und Eulenspiegel begann, auf dem Seile zu gehen. Das trieb er zuerst auf dem Dachboden des Hauses, weil er es vor der Mutter nicht tun wollte. Denn sie konnte seine Torheit nicht leiden, daß er sich so auf dem Seil tummelte, und drohte, ihn deshalb zu schlagen. Einmal erwischte sie ihn auf dem Seil, nahm einen großen Knüppel und wollte ihn herunterschlagen. Da entrann er ihr zu einem Fenster hinaus, lief oben auf das Dach und setzte sich dort hin, so daß sie ihn nicht erreichen konnte.

Das währte so lange mit ihm, bis er ein wenig älter wurde. Dann fing er wieder an, auf dem Seil zu gehen, und zog das Seil oben von seiner Mutter Hinterhaus über die Saale in ein Haus gegenüber. Viele junge und alte Leute bemerkten das Seil, darauf Eulenspiegel laufen wollte. Sie kamen herbei und wollten ihn darauf gehen sehen; und sie waren neugierig, was er doch für ein seltsames Spiel beginnen oder was er Wunderliches treiben wollte.

Als nun Eulenspiegel auf dem Seil im besten Tummeln war, bemerkte es seine Mutter; und sie konnte ihm nicht viel darum tun. Doch schlich sie heimlich hinten in das Haus auf den Boden, wo das Seil angebunden war, und schnitt es entzwei. Da fiel ihr Sohn Eulenspiegel unter großem Spott ins Wasser und badete tüchtig in der Saale. Die Bauern lachten sehr, und die Jungen riefen ihm laut nach: »Hehe, bade nur wohl aus! Du hast lange nach dem Bade verlangt!«

Das verdroß Eulenspiegel sehr. Das Bad machte ihm nichts aus, wohl aber das Spotten und Rufen der Buben. Er überlegte, wie er ihnen das wieder vergelten und heimzahlen wollte. Und also badete er aus, so gut er es vermochte.

Die 4. Historie sagt, wie Eulenspiegel den Jungen etwa zweihundert Paar Schuhe von den Füßen abschwatzte und machte, daß sich alt und jung darum in die Haare gerieten.

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Kurze Zeit danach wollte Eulenspiegel seinen Schaden und den Spott wegen des Bades rächen, zog das Seil aus einem anderen Haus über die Saale und zeigte den Leuten an, daß er abermals auf dem Seil gehen wolle. Das Volk sammelte sich bald dazu, jung und alt. Und Eulenspiegel sprach zu den Jungen: jeder solle ihm seinen linken Schuh geben, er wolle ihnen mit den Schuhen ein hübsches Stück auf dem Seil zeigen. Die Jungen glaubten das, und alle meinten, es sei wahr, auch die Alten. Und die Jungen huben an, die Schuhe auszuziehen, und gaben sie Eulenspiegel. Es waren der Jungen beinahe zwei Schock, das sind zweimal sechzig. Die Hälfte der Schuhe wurde Eulenspiegel gegeben. Da zog er sie auf eine Schnur und stieg damit auf das Seil. Als er nun auf dem Seil war und hatte die Schuhe mit oben, sahen die Alten und die Jungen zu ihm hinauf und meinten, er wolle ein lustig Ding damit tun. Aber ein Teil der Jungen war betrübt, denn sie hätten ihre Schuhe gern wiedergehabt.

Als nun Eulenspiegel auf dem Seil saß und seine Kunststücke machte, rief er auf einmal: »jeder gebe acht und suche seinen Schuh wieder!« Und damit schnitt er die Schnur entzwei und warf die Schuhe alle von dem Seil auf die Erde, so daß ein Schuh über den anderen purzelte. Da stürzten die Jungen und Alten herzu, einer erwischte hier einen Schuh, der andere dort. Der eine sprach: »Dieser Schuh ist mein!« Der andere sprach: »Du lügst, er ist mein!« Und sie fielen sich in die Haare und begannen sich zu prügeln. Der eine lag unten, der andere oben; der eine schrie, der andere weinte, der dritte lachte. Das währte so lange, bis auch die Alten Backenstreiche austeilten und sich bei den Haaren zogen.

Derweil saß Eulenspiegel auf dem Seil, lachte und rief: »Hehe, sucht nun die Schuhe, wie ich kürzlich ausbaden mußte!« Und er lief von dem Seil, und ließ die Jungen und Alten sich um die Schuhe zanken.

Danach durfte er sich vier Wochen lang vor den Jungen oder Alten nicht sehen lassen. Er saß deshalb im Hause bei seiner Mutter und flickte Helmstedter Schuhe. Da freute sich seine Mutter sehr und meinte, es würde mit ihm noch alles gut werden. Aber sie kannte nicht die Geschichte mit den Schuhen und wußte nicht, daß er wegen dieses Streichs nicht wagte, vors Haus zu gehen.

Die 5. Historie sagt, wie Till Eulenspiegels Mutter ihn ermahnte, ein Handwerk zu lernen, wobei sie ihm helfen wollte.

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Eulenspiegels Mutter war froh, daß ihr Sohn so friedlich war, schalt ihn jedoch, daß er kein Handwerk lernen wollte. Er schwieg dazu, aber die Mutter ließ nicht nach, ihn. zu schelten. Schließlich sagte Eulenspiegel: »Liebe Mutter, womit sich einer abgibt, davon wird ihm sein Lebtag genug.« Da sagte die Mutter: »Wenn ich über dein Wort nachdenke: seit vier Wochen habe ich kein Brot in meinem Haus gehabt.« Doch Eulenspiegel sprach: »Das paßt nicht als Antwort auf meine Worte. Ein armer Mann, der nichts zu essen hat, der fastet am Sankt-Nikolaus-Tag, und wenn er etwas hat, so ißt er mit Sankt Martin zu Abend. Also essen wir auch.«

Die 6. Historie sagt, wie Eulenspiegel in der Stadt Staßfurt einen Brotbäcker um einen Sack voll Brot betrog und es seiner Mutter heimbrachte.

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Lieber Gott, hilf«, dachte Eulenspiegel, »wie soll ich die Mutter beruhigen? Wo soll ich Brot herbekommen für ihr Haus?« Und er ging aus dem Flecken, in dem seine Mutter wohnte, in die Stadt Staßfurt. Dort fand er eines reichen Brotbäckers Laden, ging hinein und fragte, ob der Bäcker seinem Herrn für zehn Schillinge Roggen-und Weißbrot schicken wolle. Er nannte den Namen eines Herren aus der Gegend und sagte, sein Herr sei hier zu Staßfurt, und benannte auch die Herberge, in der er sei. Der Bäcker solle einen Knaben mit in die Herberge zu seinem Herren schicken, dort wolle er ihm das Geld geben. Der Bäcker sagte: »ja.« Nun hatte Eulenspiegel einen Sack mit einem verborgenen Loch. In diesen Sack ließ er sich das Brot zählen. Und der Bäcker sandte einen Jungen mit Eulenspiegel, um das Geld zu empfangen. Als Eulenspiegel einen Armbrustschuß weit von des Brotbäckers Haus war, ließ er ein Weißbrot aus dem Loch in den Dreck der Straße fallen. Da setzte Eulenspiegel den Sack nieder und sprach zu dem Jungen: »Ach, das besudelte Brot darf ich nicht vor meinen Herrn bringen. Lauf rasch damit wieder nach Haus und bring mir ein anderes Brot dafür! Ich will hier auf dich warten.« Der Junge lief hin und holte ein anderes Brot. Inzwischen ging Eulenspiegel weiter in ein Haus in der Vorstadt. Dort stand ein Pferdekarren aus seinem Flecken. Darauf legte er seinen Sack und ging neben dem Kärrner her. So kam er heim ans Haus seiner Mutter.

Als der Bäckerjunge mit dem Brot wiederkam, war Eulenspiegel mit den Broten verschwunden. Da rannte der Junge zurück und sagte das dem Bäcker. Der Brotbäcker lief sogleich zu der Herberge, die ihm Eulenspiegel genannt hatte. Doch dort fand er niemanden, sondern sah, daß er betrogen war.

Eulenspiegel brachte seiner Mutter das Brot nach Hause und sagte: »Schau her und iß, dieweil du etwas hast, und faste mit Sankt Nikolaus, wenn du nichts hast.«

Die 7. Historie sagt, wie Eulenspiegel das Weck-oder Semmelbrot mit anderen Jungen im Übermaß essen mußte und noch dazu geschlagen wurde.

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In dem Flecken, worin Eulenspiegel mit seiner Mutter wohnte, herrschte eine Sitte: wenn ein Hauswirt ein Schwein geschlachtet hatte, gingen die Nachbarskinder in das Haus und aßen dort eine Suppe oder einen Brei. Das nannte man das Weckbrot.

Nun wohnte in demselben Flecken ein Gutspächter, der war geizig mit dem Essen und durfte doch den Kindern das Weckbrot nicht versagen. Da erdachte er eine List, mit der er ihnen das Weckbrot verleiden wollte. Er schnitt in eine große Milchschüssel harte Brotrinden. Als die Kinder kamen, Knaben und Mädchen – darunter auch Eulenspiegel -, ließ er sie ein, schloß die Tür zu und begoß das Brot mit Suppe. Der Brotbrocken waren aber viel mehr, als die Kinder essen konnten. Wenn nun eins satt war und davongehen wollte, kam der Hauswirt und schlug es mit einer Rute um die Lenden, so daß ein jedes im Übermaß essen mußte. Und der Hauswirt wußte wohl von Eulenspiegels Streichen, so daß er auf ihn besonders achtgab. Wenn er einen anderen um die Lenden hieb, so traf er Eulenspiegel noch besser. Das trieb er so lange, bis die Kinder alle Brocken des Weckbrotes aufgegessen hatten. Das bekam ihnen ebenso gut wie dem Hund das Gras.

Danach wollte kein Kind mehr in des geizigen Mannes Haus gehen, um Weckbrot oder Metzelsuppe zu essen.

Die 8. Historie sagt, wie Eulenspiegel es machte, daß sich die Hühner des geizigen Bauern um die Lockspeise zerrten.

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Als der Hauswirt am nächsten Tage ausging, begegnete er Eulenspiegel und fragte: »Lieber Eulenspiegel, wann willst du wieder zum Weckbrot zu mir kommen?« Eulenspiegel sagte: »Wenn sich deine Hühner um den Köder reißen, je vier um einen Bissen Brot.« Da sprach der Mann: »Dann willst du also lange nicht zu meinem Weckbrot kommen?« Eulenspiegel entgegnete: »Wenn ich aber doch eher käme, als die nächste Zeit für fette Metzelsuppe ist?« Und damit ging er seines Weges.