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Worauf man sich im Leben garantiert verlassen kann, sind Veränderungen. Das müssen auch die Wichtel Kalle und Magnus erfahren, ob es ihnen nun gefällt oder nicht. Beide lebten schon recht lange sehr gemütlich in den Bäumen einer beschaulichen Siedlung. Da verlor erst Wichtel Kalle sein Zuhause und dann Wichtel Magnus. Käme ihnen nicht Herr Hansen zur Hilfe, ein rüstiger Rentner mit großer Weisheit und einem ebenso großen Herzen, wer weiß, wie die Geschichte enden würde. Wo eine Wichteltür, da auch ein Wichtel ist eine Weihnachtsgeschichte für ganz Jung bis ganz Alt.
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Seitenzahl: 39
Veröffentlichungsjahr: 2024
Kapitel 1 – Baum fällt
Kapitel 2 – Ein Wichtel zieht ein
Kapitel 3 – Aufgeflogen in der Wichtelwelt
Kapitel 4 – Leben mit einem Wichtel
Kapitel 5 – Wo eine Wichteltür, da auch ein Wichtel
Kapitel 6 – Erklärungen gesucht
Kapital 7 – Duell der Wichtel
Kapitel 8 – Weihnachten
Kapitel 9 – Wieder allein
An einem sonnigen Morgen im Spätsommer parkte der Pritschenwagen einer Gärtnerei vor dem Laubengang zum Holunderweg. Mit großem Geschepper stiegen drei Männer aus dem Wagen. Rockmusik der krachenden Art dröhnte nach draußen. Der Chef der Truppe freute sich über den geräumigen Parkplatz gleich in der Nähe ihres Auftrags.
„Männer, macht die Musik leiser, wir sind hier nicht in der Rock’n’Roll-Straße. Das hier ist eine anständige Gegend“, lachte er.
Dann wies der Chef seine beiden jüngeren Kollegen an, alles Werkzeug und die Leiter aus dem Pritschenwagen zu räumen. Er selbst schlenderte zu dem unbelaubten Baum, den es heute zu fällen galt.
Der Holunderweg führte zu einer Siedlung mit Mehrfamilienhäusern. Gleich im ersten Haus wohnte im Untergeschoss mit Terrasse, Herr Hansen. Er war ein rüstiger Rentner von 80 Jahren und lebte seit mehr als 50 Jahren dort. Seinerzeit, als er noch jung war, hatte er den Laubengang selbst mit angelegt. Auch den Spitzahorn, der in einer Heckennische stand und seit einem Jahr keine Blätter mehr trug, hatte er selbst gepflanzt. Der war ihm ein guter Freund geworden. Im Frühjahr begrüßte Herr Hansen den Baum und lobte seine zarten Blätter, im Sommer bewunderte er seine üppige Baumkrone, im Herbst freute er sich über die schöne Laubfärbung, und zum Winter wünschte er einen angenehmen Schlaf. Jahrein, jahraus.
In seinen Pantoffeln schlurfend ging Herr Hansen mit einem Sack Müll in der Hand zur Mülltonne, um sich dann den Gärtnern zu nähern. Er lebte allein und freute sich über jeden Schwatz, den er halten konnte. Er wusste, dass die Gärtner heute kommen würden, und war neugierig, wie sie es wohl anstellten, seinen alten Freund zu fällen.
„Der war mal eine echte Schönheit!“, sprach er den Chef der Gruppe an.
„Das glaube ich gern. Ein Spitzahorn“, gab der Gärtner sein Wissen preis.
„Nun ist er hinüber“, bedauerte Herr Hansen und fügte mit dem Wissen eines alten Weisen hinzu: „Steht uns allen mal bevor!“
„Die Straßenarbeiter haben im letzten Jahr versehentlich seine Wurzeln gekappt“, erklärte der Gärtner verdrießlich.
„Versehentlich?“, sagte Herr Hansen verächtlich. „Die sahen allesamt nicht besonders schlau aus! … Und wie ich hörte, kommen die noch mal wieder. Haben was vergessen, erklärten sie“, ergänzte er unheilverkündend.
„Man sollte uns zukünftig dazu holen, wenn Erdarbeiten anstehen. Wir könnten das Schlimmste verhindern“, sagte der Gärtner. Er hatte, ohne das Gespräch zu unterbrechen, mittels Zeichensprache seine beiden Gesellen angewiesen, die Leiter aufzustellen, um zunächst die oberen Äste zu kappen.
Lieselotte, ein siebenjähriges Mädchen, das mit seinen Eltern ebenfalls im ersten Haus wohnte, hüpfte den Männern entgegen. Sie war auf dem Weg zur Schule. Heute war für sie ein großer Tag, denn nach den Ferien sollte sie den Weg zum ersten Mal allein dorthin gehen. Ihre Mutter schaute noch so lange aus dem Fenster, bis Lieselotte in dem undurchsichtigen Laubengang verschwand.
Herr Hansen bat gerade darum, dass die Gärtner doch einen Stumpf stehen lassen sollten, damit er sich immer an den Baum erinnern könnte, da platzte sie in das Gespräch.
„Aber sie können den Stumpf doch auch ausgraben und einen neuen Baum hineinpflanzen!“, schlug Lieselotte mit der Vernunft einer Siebenjährigen vor.
Herr Hansen zuckte zusammen: „Nein, Kind, das geht nicht. Denn dort wohnt jemand!“
„Wer wohnt denn da?“, wollte Lieselotte wissen.
„Das weiß ich auch nicht genau. Aber es gibt Zeichen“, behauptete Herr Hansen geheimnisvoll. Er wollte einen Teil seines Lieblingsbaums unbedingt retten.
„Vielleicht eine Hexe?“, fragte Lieselotte.
„Das glaube ich nicht. Hexen sind unordentlich“, behauptete Herr Hansen.
„Außerirdische. Es sind sicher Außerirdische. Deren Ufos brennen doch immer unterwärts, und das hat der Baum einfach nicht vertragen. Das Raumschiff auch nicht. Jetzt sitzen die Außerirdischen dort fest“, erklärte Lieselotte fest.
Herr Hansen stutze und musste Lieselottes Worte erst einmal sortieren: „Woher nimmst du dein Wissen?“
„Es gibt so eine Serie im Fernsehen. Da habe ich gesehen, wie die Ufos der Außerirdischen alles vernichten, auf dem sie parken“, klärte Lieselotte ihn auf.
„Außerdem bin ich mir sicher, dass auch ich von Außerirdischen abstamme!“, behauptete sie weiter.
„Ach so“, staunten Herr Hansen und der Gärtner gleichermaßen. „Dann wäre es hier aber auch nicht so ordentlich, sondern rundherum verbrannt. Ich tippe auf eine Fee, eine Elfe oder einen Wichtel“, erklärte Herr Hansen standhaft.