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Unken mit herzförmigen Augen, Kröten mit Fesselkünsten und Frösche, die ihre Farbe wechseln – all das hat unsere Amphibienwelt zu bieten. Ihre Paarungsgesänge sind aus Gärten und Landschaft nicht wegzudenken: Doch sie drohen zu verstummen. Längst hat das weltweite Amphibiensterben auch die heimischen Amphibien erreicht: Ihre Lebensräume schwinden, der Einsatz von Giften macht ihnen zu schaffen und der Klimawandel bedroht ihre Kinderstuben – die Gewässer. Doch es besteht Hoffnung: Der Schutz von Natur und Klima ist in aller Munde. Tausende Amphibienzäune werden Jahr für Jahr aufgebaut, um die Tiere auf der Wanderung zu schützen. Und durch Naturgärten entstehen vielerorts grüne Inseln der Artenvielfalt, in denen Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander ein Zuhause finden. Farina Graßmann porträtiert in diesem Buch alle 20 in Deutschland natürlicherweise heimischen Amphibienarten und gibt Anregungen für ihren Schutz, ob auf der Straße, im Garten oder in der Landschaft. Begeisternd regt sie zum Begegnen und Bewahren an. Denn wer den Amphibien zuhört, dem flüstern sie ihre Geheimnisse zu.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Wunderwelt heimische Amphibien
Alle 20 Arten im Porträt, Amphibienschutz, amphibienfreundlicher Garten
Entdeckt und fotografiert von Farina Graßmann
Literaturliste zu diesem Buch
Eine Liste der verwendeten Literatur zu diesem Buch, ergänzt um ausgewählte Bücher zum Weiterlesen, befindet sich als PDF zum Download auf der Internetseite zu diesem Buch unter: www.pala-verlag.de.
Meine Reise zu den Amphibien
Amphibien – wer sind sie?
Das Amphibienjahr beginnt
Amphibien – wie sehen wir sie?
Amphibien – was wissen wir über sie?
Die Erforschung der Amphibien – wo haben sie ihren Platz?
Amphibien – was macht sie aus?
Amphibien und Reptilien unterscheiden
Leben zwischen den Elementen – Haut
Leben zwischen den Elementen – Gehör und Geruch
Molch oder Frosch – wie unterscheiden sich die Amphibien?
Unsere heimischen Amphibien
Die Erdkröte
Die Kreuzkröte
Die Geburtshelferkröte
Die Knoblauchkröte
Die Wechselkröte
Die Gelbbauchunke
Die Rotbauchunke
Der Alpensalamander
Der Feuersalamander
Der Laubfrosch
Der Moorfrosch
Der Grasfrosch
Der Springfrosch
Der Seefrosch
Der Kleine Wasserfrosch
Der Teichfrosch
Der Kammmolch
Der Bergmolch
Der Teichmolch
Der Fadenmolch
Hybridisierung unter Amphibien
Unsere Amphibien schützen
Wie können wir Amphibien schützen?
Warum ist der Amphibienschutz wichtig?
Ihre Lebensräume schützen
Ihre Wanderungen schützen
Krankheiten
Lebensräume im Garten
Amphibien im Garten
Teich
Totholz und Laubhaufen
Steinhaufen
Wildnis wagen
Gefahren im Garten
Hoffnung und Handeln
Die Autorin
Dieses Buch hat mich in die verschiedensten Regionen Deutschlands geführt. Von den schroffen Gebirgszügen der Bayerischen Alpen über die sanften Ausläufer der Niedersächsischen Elbtalaue bis hin zu den unwirklichen Tagebaufolgelandschaften der Lausitz. Auf meinen zahlreichen Reisen habe ich mich auf die Suche nach den zwanzig in diesem Land natürlich heimischen Amphibienarten begeben. Mein Wunsch war es, ihnen allen in der Natur zu begegnen und ihre Besonderheiten kennenzulernen. Vorab sei verraten: Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Geschichten dieser oft im Verborgenen lebenden Tiere möchte ich hier erzählen.
Wer den Amphibien zuhört, dem flüstern sie ihre Geheimnisse zu, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unken mit herzförmigen Augen, Kröten mit Fesselkünsten und Frösche, die ihre Farbe wechseln – all das hat unsere heimische Amphibienwelt zu bieten. Noch dazu vollführen ihre Bewohner jedes Jahr aufs Neue ein beeindruckendes Schauspiel auf der Bühne Natur: Nachdem sie in Scharen zu den Gewässern gewandert sind, lassen sie dort ihr Konzert erklingen. Die Paarungsgesänge sind aus unserer Landschaft ebenso wenig wegzudenken wie das sommerliche Zirpen der Heuschrecken. Doch sie drohen zu verstummen. Das Amphibiensterben sorgt seit Jahrzehnten weltweit für Aufsehen. Und längst hat es auch unsere heimische Amphibienwelt eingeholt. Es sind gefährliche Zeiten für unsere kleinen Nachbarn: Ihre Lebensräume schwinden, der Einsatz von Giften und Dünger macht ihnen zu schaffen und der Klimawandel bedroht ihre Kinderstuben – die Gewässer. Noch dazu sind Krankheiten auf dem Vormarsch, die ganze Populationen vernichten. Auch vor meiner Haustüre schwindet die Zahl der Frösche, Kröten und Molche. Jedes Jahr ist sie am Amphibienzaun, der sie auf ihrer Wanderung schützt, ein kleines Stück kleiner. Eine Erfahrung, die die Freude über die geretteten Tiere trübt.
Um die Welt der Amphibien in ihrer Pracht und in ihrem Reichtum zu bewahren, braucht es mehr denn je Menschen, die sich für sie einsetzen. Und es besteht Hoffnung: Der Schutz von Natur und Klima ist in aller Munde. Tausende Amphibienzäune werden Jahr für Jahr aufgebaut, um unsere Amphibien auf ihrer Wanderung zu schützen. Und durch die Renaissance der Naturgärten entstehen vielerorts grüne Inseln der Artenvielfalt, in denen sie ein Zuhause finden.
Dieses Buch will auch Anregungen dafür geben, wie wir alle gemeinsam ein Teil des Amphibienschutzes werden können, ob auf der Straße, im Garten oder in der Landschaft.
Es ist eine ungemütliche Nacht. Zwar hat der Frühling bereits die frostigen Temperaturen vertrieben, doch seit Stunden regnet es ohne Unterlass. Während es sich die Menschen in ihren warmen Stuben gemütlich machen, beginnen sich im Boden Tausende kleine Wesen zu regen. Wie auf ein heimliches Zeichen hin verlassen Kröten den Ort, an dem sie die letzten Monate vor der Kälte verborgen verbracht haben.
Der Mond steht schon am Himmel. Doch die dichten Regenwolken lassen kaum Licht hindurch. Nur schemenhafte Bewegungen verraten den Beginn eines der faszinierendsten Ereignisse, die uns die Natur zu bieten hat: die Wanderung der Amphibien.
Auf dem Weg zum Laichgewässer legen die Erdkrötenmännchen einen Zwischenstopp ein. Auffällig aufgerichtet, halten sie im Schutz der Nacht nach einer Partnerin Ausschau.Die Erdkröten gehören zu den ersten Amphibien, die sich nach der Überwinterung auf ihren weiten Weg begeben. Er führt sie aus dem alten Wald hinaus, über die Wiese, auf der es in wenigen Wochen zu blühen beginnen wird, bis hin zum dahinter liegenden Weiher. Der Großteil der Kröten kennt diesen Ort bereits, denn dort befindet sich ihre Geburtsstätte. Damals waren es ihre Eltern, die die Reise dorthin unternommen haben. Nun treten die Kinder in dieser Frühlingsnacht in ihre Fußstapfen.
Bis die Erdkröten an ihren Geburtsweiher zurückkehren, können mehrere Jahre ins Land gehen. Dennoch scheinen sie den Weg dorthin genau zu kennen. Wie sich Amphibien auf ihrer Wanderung orientieren, beschäftigt Forschende bis heute. Lange Zeit herrschte die Vorstellung einer Prägung auf den Geburtsort, die sie wie ein innerer Kompass leiten würde. Heute sind verschiedene Fähigkeiten bekannt, die den Amphibien bei der Orientierung helfen. Neben dem Erdmagnetfeld, das auch Zugvögel auf ihrer Reise um den Erdball führt, nutzen Amphibien zum Beispiel die Gerüche ihres Geburtsgewässers und die Geräusche ihrer Artgenossen, um ihren Weg zu finden. Während Erdkröten nur mit einem leisen Piepsen auf sich aufmerksam machen, warten einige ihrer Verwandten mit einem lautstarken Konzert auf. Das Quaken, Blubbern und Glucksen hilft ihnen bei der Partnersuche.
In milden Jahren schwimmt bereits im Februar der erste Laich im Gewässer. Laich – diese Bezeichnung für die Eier der Amphibien ruft unweigerlich Gedanken an den Tod hervor. Tatsächlich bezeichnete »Laich« damals in der hochdeutschen Mundart eine Leiche. Möglicherweise sollte diese Doppeldeutigkeit fromme Christinnen und Christen an die Unreinheit der Sexualität erinnern, die jedes Jahr aufs Neue vor aller Augen in den Dorfweihern stattfand. Nicht schmeichelhafter klingt die Bezeichnung »Kloake«. Sie steht für den Körperausgang, über den der Laich gleichermaßen wie der Kot und Urin ausgeschieden wird. Die Kloake ist äußerlich von Art zu Art unterschiedlich deutlich sichtbar und kann bei der Beantwortung der Frage helfen, welche Amphibienart wir vor uns haben.
Die Geschichten von Menschen und Amphibien sind bereits seit Jahrtausenden miteinander verwoben. Die Menschen im alten Ägypten verehrten die froschköpfige Göttin Heket und sahen im Frosch das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Ihr Leben war gebunden an das Wasser des Nils, mit dem nicht nur die Fruchtbarkeit über das Land kam, sondern auch die Frösche. Ihre schiere Menge findet sich im ägyptischen Zahlensystem wieder: Wahlweise steht hier der Frosch oder die Kaulquappe für die Zahl 100 000.
Einen vollkommen anderen Blick auf den Froschregen hatten die Menschen im Christentum. Sie sahen darin die Bestrafung des Pharaos durch den Gott Israels. Im Alten Testament wird als Auslöser für die zehn biblischen Plagen die Weigerung des Pharaos beschrieben, das israelitische Volk aus der Sklaverei zu entlassen. Forschende halten es für möglich, dass es damals in Ägypten tatsächlich zu einem Froschregen kam, der die biblische Erzählung geprägt hat. Dieser Ausdruck ist übrigens wörtlich zu verstehen, denn bis ins 18. Jahrhundert hielt sich der Glauben, dass Frösche aus den Wolken fallen.
In den nachfolgenden Jahrtausenden standen die Aussichten auf eine glückliche Beziehung von Menschen und Amphibien denkbar schlecht: Von Alchemisten wurden sie gekocht, von Naturforschenden bei lebendigem Leibe seziert, von Ärzten zu Medizin verarbeitet, von Bauern als Schädlinge auf dem Feld getötet und als Schutz für Haus und Hof aufgespießt. Damals wusste man wenig über sie. Und das sollte sich erst im Laufe der Jahrhunderte ändern.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts veröffentlichte der Schweizer Arzt und Forscher Conrad Gessner die Historia animalium. Darin stellte er eine Reihe von Tieren und Fabeltieren vor – darunter auch Amphibien und Reptilien. Das Werk gilt als Kompendium des gesamten zoologischen Wissens, über das die europäischen Gelehrten zu damaligen Zeiten verfügten.
Die Historia animalium wurde wie die Werke zahlreicher Zeitgenossinnen und Zeitgenossen in lateinischer Sprache verfasst. Latein war damals die Wissenschaftssprache, die den Austausch zwischen Gelehrten aus unterschiedlichen Ländern ermöglichte. Gleichzeitig schloss diese Sprache das Gros der Bevölkerung lange Zeit von der Anteilnahme an Forschungsergebnissen aus. Denn Latein zu sprechen, zu lesen und zu schreiben, war nur einem kleinen Teil der Menschen möglich. Und auch die deutschen Übersetzungen der Werke fanden erst allmählich ihren Weg in die breite Bevölkerung. Deshalb verwundert es nicht, dass auch die Beziehung zu den Amphibien lange Zeit von religiösen und gesellschaftlichen Vorurteilen bestimmt wurde.
»Man begreift in der That nicht, wie es möglich gewesen, daß vernünftige Menschen solchen Unsinn erdacht haben können; […] denn das nächtliche Treiben der im Verhältnisse zu den Fröschen unschön gestalteten Kröten kann doch unmöglich der Grund sein, weshalb die harmlosen, unschuldigen und höchst nützlichen Thiere beständig verdächtigt und verleumdet werden! […] Keiner von denen, welche mit einem gewissen Selbstbewußtsein ihre Afterweisheit an den Mann zu bringen pflegen, hat sich jemals die Mühe gegeben, das zu untersuchen, von dem er faselt; keiner die Kröte und ihr Leben beobachtet, keiner eine gute Naturgeschichte gelesen oder mindestens verstanden«. (Alfred Brehm: Brehms Tierleben, 1883)
Der Schweizer Universalgelehrte Conrad Gessner (1516 – 1565) bildete in seinen Werken neben Amphibien auch Fabelwesen ab.Mit diesen Worten wandte sich der Naturforscher und Schriftsteller Alfred Brehm an seine Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Mit seinem Blick auf die Tierwelt war er seiner Zeit weit voraus. Von Kindheit an war er von Tieren umgeben. Allerdings interessierte sich sein Vater, der Pfarrer Christian Ludwig Brehm, mehr für die toten als die lebendigen Exemplare. In seinem Elternhaus in Thüringen war Alfred von Tausenden präparierten Vögeln umgeben – der Sammlung seines vogelkundlich interessierten Vaters, von der sich ein Teil heute im Museum Alexander König befindet.
Alfred Brehm zog es bereits im Alter von 18 Jahren in die Ferne. Die Eindrücke, die er in den unterschiedlichsten Ländern sammelte, ließ er in seine Enzyklopädie Brehms Thierleben einfließen, die weltweite Bekanntheit erlangte. Dass seine Bücher über das trockene Wissen hinausgingen und sich auch mit der Gedanken- und Gefühlswelt der Tiere beschäftigten, hat bei der zeitgenössischen Leserschaft für Verwunderung gesorgt. Wie der Ausschnitt über die Kröten zeigt, war ihm dabei die Vermittlung von Wissen ebenso wichtig wie der Schutz von »unschuldigen und höchst nützlichen Thieren«.
Leonhard Baldner (1612 – 1694) stammte aus dem Elsass. Seine Beobachtungen hielt der Naturforscher in detaillierten Malereien fest.Noch zu Brehms Lebzeiten hatten Amphibien kein gutes Ansehen, und das sollte sich erst nach seinem Tod allmählich ändern.
Das hielt Naturforscherinnen und Naturforscher allerdings nicht davon ab, sich dem Studium von Amphibien zu widmen. Mehr als 400 Jahre ist es her, dass sich Conrad Gessner der europäischen und nicht-europäischen Tierwelt widmete. Dadurch bekam seine Leserschaft des 16. Jahrhunderts einen Eindruck von Tieren, die sie in ihrem Leben sonst nie zu sehen bekommen hätten. Mit seinem monumentalen Werk Historiae Animalium half Gessner, die Grundlage für die wissenschaftliche Erforschung von Tieren zu legen. In vier Bänden, die zwischen 1551 und 1558 zunächst in lateinischer Sprache erschienen, finden wir detailreiche Beschreibungen und lebensechte Holzschnittillustrationen zu unzähligen Tiergruppen – darunter auch Amphibien. Über Jahrhunderte hinweg beeinflussten seine Werke die Naturwissenschaften und sprachen eine breite Öffentlichkeit an. Dank der Illustrationen erreichte sein Wissen auch jene, die des Lesens nicht mächtig waren.
Aus den darauffolgenden Jahrhunderten kennen wir weitere herausragende Illustrationen von Amphibien. Sie finden sich außer in Leonhard Baldners Vogel-, Fisch- und Thierbuch von 1666 auch in Maria Sibylla Merians Metamorphosis Insectorum Surinamensis von 1705. Von Merians kolorierten Kupferstichen ließ sich auch der deutsche Naturforscher, Maler und Kupferstecher August Johann Rösel von Rosenhof inspirieren. Er gilt heute als Begründer der Feldherpetologie. Diese befasst sich als Teildisziplin der Herpetologie – der Lurch- und Kriechtierkunde – mit der Erforschung von Amphibien und Reptilien im freien Feld. In seinem Werk Historia natu ralis ranarum nostratium – Oder Die Natürliche Historie der Frösche hiesigen Landes bildete Rösel von Rosenhof die Tiere in farbenfrohen Illustrationen naturgetreu ab und stellte ihre natürliche Lebensweise dar.
August Johann Rösel von Rosenhof (1705 – 1759) war ein Zeitgenosse des schwedischen Naturforschers Carl von Linné. Sein Werk »Die natürliche Historie der Frösche hiesigen Landes« enthält eine Fülle an Illustrationen und Beschreibungen, die durch ihre Exaktheit begeistern.Auf dem verzierten Buchtitelblatt verewigte August Johann Rösel von Rosenhof die Inschrift »Bewundere mit Staunen, was die kleinsten Geschöpfe zeigen«.Ein anderes Bild zeichnete ein Zeitgenosse Rösel von Rosenhofs: der schwedische Naturforscher Carl von Linné: »Diese ekelhaften und widerwärtigen Tiere sind aufgrund ihres kalten Körpers, der bleichen Farbe, ihres knorpeligen Skeletts, der schmutzigen Haut, ihrer ungestümen Erscheinung, des berechnenden Auges und widerlichen Gestankes, der abstoßenden Stimme und der schmutzigen Umgebung, in der sie leben, sowie des schrecklichen Giftes verhaßt; deshalb hat ihr Schöpfer kaum Kraft verschwendet, um viele von ihnen zu schaffen.« (Carl von Linné: Systema naturae, 1758)
Der Einfluss von Carl von Linné ist bis heute in der Wissenschaft zu finden. Als Begründer der binären Nomenklatur schuf er die Grundlage für die wissenschaftliche Benennung biologischer Arten: Der zweiteilige (binäre) Artname – aus dem Gattungsnamen und darauffolgendem Artzusatz – ermöglicht die Verständigung über sprachliche Grenzen hinweg. So wird etwa aus dem deutschen »Laubfrosch«, dem englischen »tree frog« und dem niederländischen »boomkikker« die biologische Art Hyla arborea (LINNAEUS, 1758). Im Anschluss an den wissenschaftlichen Artnamen findet sich die Information darüber, wem die Erstbeschreibung der Art zugesprochen wird – in diesem Fall Carl von Linné im Jahr 1758. Glücklicherweise ist das Bild, das wir heute von Amphibien haben, ein anderes als das von Carl von Linné.
Seit Carl von Linné in seinem Werk Systema Naturae Tausende Arten beschrieb, gab es in der Naturwissenschaft zahlreiche Veränderungen. Nicht zuletzt durch die Errungenschaften der Genetik konnte man den Verwandtschaftsverhältnissen in der Natur auf die Spur kommen. Dadurch änderten sich auch bei den Amphibien manche Zuordnungen zu Gattungen und damit die Benennungen der Arten. So kam es beispielsweise in der Gattung Triturus dazu, dass nach molekulargenetischen Untersuchungen mehrere Arten höflich hinauskomplementiert wurden: Von den in Deutschland vorkommenden Molchen blieb lediglich der Kammmolch (Triturus cristatus) zurück – der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) sowie der Fadenmolch (Lissotriton helveticus) und der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) fanden in anderen Gattungen ein neues Zuhause.
Diese Veränderungen konnte Carl von Linné nicht erahnen. Damals ordnete er in die Klasse Amphibia sowohl Amphibien als auch Reptilien im heutigen Sinne ein und anfänglich sogar mehrere Arten von Fischen. Noch in der 12. Auflage, der letzten, die Linné herausgab, vereinte er in dieser Klasse unter der Bezeichnung Lacerta sowohl Amphibien wie den Teichmolch und den Feuersalamander als auch Reptilien wie die Zauneidechse. Bis die Unterscheidung gelang, sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen. Erst in dem 1820 erschienenen Versuch eines Systems der Amphibien vom deutschen Zoologen Blasius Merrem wurden die Amphibien- und Reptilienarten in eigenständige Klassen eingeteilt. Darüber hinaus schuf Merrem eine Grundlage für die Bestimmung. Ein wichtiges Merkmal ist hierbei die Haut, die bei den Batrachiern, wie er die Amphibien nannte, glatt oder warzig und bei den Pholidoten, seine Bezeichnung für die Reptilien, horn- oder lederartig mit Schuppen oder Schildern besetzt ist. Darüber hinaus unterschied er sie auch am inneren Aufbau des Körpers, am Atem- und Blutkreislauf, an Geschlechtsorganen und am Aufbau der Eier.
Obwohl es nun eine begriffliche Trennung gab, wurden und werden Amphibien und Reptilien weiterhin unter dem Dach einer Disziplin – der Herpetologie – erforscht.
Der Salamander wird oft mit den Eidechsen verwechselt – doch er stammt aus einer anderen Klasse und hat mit dem geschuppten Reptil nicht viel gemeinsam.Wer in der Natur einem Tier begegnet und sich nicht sicher ist, ob es sich um eine Amphibie oder ein Reptil handelt, kann das Rätsel mit einem genauen Blick leicht lösen. Zum einen bietet sich für die Unterscheidung die Haut an. Sie ist bei den Amphibien nackt und wenig verhornt, bei den Reptilien hingegen stark verhornt, mit Schuppen oder Schildern bedeckt. Zum anderen lässt sich des Rätsels Lösung auch an den Fingern abzählen – allerdings nicht an den eigenen fünf Fingern, sondern an denen des Tieres. Während Eidechsen, die als einzige Angehörige der Reptilien Anlass zur Verwechslung bieten, an allen Gliedmaßen fünf Zehen haben, sind es bei Amphibien nur an den hinteren Gliedmaßen fünf, an den vorderen hingegen vier. Neben den Eidechsen gehören hierzulande auch die Schildkröten, die Schlangen und die Blindschleichen zu den Reptilien. Sie lassen sich leicht an dem vorhandenen Panzer oder den Schuppen beziehungsweise den fehlenden Gliedmaßen von den Amphibien unterscheiden.
Anders als Reptilien, die sich bei Temperaturen von 30 bis 33 Grad Celsius am wohlsten fühlen und sich beim ausgiebigen Sonnenbaden beobachten lassen, bevorzugen Amphibien ein schattiges und feuchtes Plätzchen. Hierbei sei vorweg gesagt: Auch unter den Amphibien gibt es Sonnenanbeter, die sich an Land von der Sonne wärmen lassen. Doch letztendlich sind sie wie ihre Verwandten an die Feuchtigkeit gebunden.
Amphibien leben zwischen den Welten – dem Wasser und dem Land. Ihr Leben beginnt im Wasser. Mit Ausnahme weniger Arten lassen die meisten Amphibieneltern ihre Eier dort zurück – einzeln oder in großen Gruppen. Im Gegensatz zu den Eiern der Reptilien sind die der Amphibien nicht von einer festen Schale, sondern lediglich von einer wasserhaltigen, elastischen Gallerte umgeben. Aus den Eiern schlüpfen die Larven – sie stellen ein Kindheitsstadium dar, das vollkommen anders aussieht als das erwachsene Tier. Auch viele Insekten haben Larven – bei den Schmetterlingen zum Beispiel als Raupen bekannt. Die Larven von Fröschen, Kröten und Unken werden Kaulquappen genannt. Sie ähneln in ihrem Aussehen zunächst kleinen Fischen und wechseln im Laufe ihrer Kindheit allmählich die Gestalt. Aus der im Wasser lebenden Larve, die mithilfe ihrer Kiemen atmet, entwickelt sich innerhalb von mehreren Wochen oder Monaten eine an Land lebende Amphibie, die Lungen besitzt, weite Strecken laufen und große Beutetiere verspeisen kann. Diese Metamorphose gehört zweifellos zu den faszinierendsten Schauspielen der Natur.
Ihren Namen haben sich die Amphibien damit redlich verdient – »doppellebig« bedeutet er, abgeleitet aus dem altgriechischen amphíbios, das sich aus den Wörtern άμφί amphí für »doppelt« und βίος | bíos für »Leben« zusammensetzt. Für ihr Leben zwischen den Elementen bringen sie eine breite Palette an Fähigkeiten mit.
Die leuchtend grüne Haut des Laubfrosches wirkt glatt und glänzend. Erst aus der Nähe wird die Struktur sichtbar, die dem Frosch das Leben zwischen den Elementen ermöglicht.Die Larven können nicht nur mithilfe ihrer Kiemen atmen, sondern auch über ihre Haut. Während sich die Kiemen am Ende des Larvenstadiums im Wasser zurückbilden und durch Lungen ersetzt werden, bleibt die Fähigkeit zur Hautatmung ein Leben lang erhalten. Dadurch können sich Amphibien lange Zeit unter Wasser aufhalten, um dort zum Beispiel den Winter zu verbringen oder sich fortzupflanzen. Je nach Art ist der Anteil der Hautatmung unterschiedlich hoch: Bei der Erdkröte, die den Großteil ihres Lebens an Land verbringt, liegt er bei nur etwa einem Viertel der Gesamtatmung. Beim Feuersalamander, der am liebsten bei Regen unterwegs ist, nimmt er etwa die Hälfte ein. Und beim über längere Zeiträume im Wasser lebenden Kammmolch liegt der Anteil der Hautatmung an der Gesamtatmung bei fast drei Viertel.
