Africa Mon Amour - Peter Neuhaus - E-Book

Africa Mon Amour E-Book

Peter Neuhaus

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Beschreibung

Als der Autor als freier Berichterstatter nach Nordafrika ging, wurde er Zeuge einer sehr bewegenden Zeit, und begegnete Menschen, mit denen ihn gemeinsame Erlebnisse unvergesslich verbanden. Es folgten zahlreiche abenteuerliche Reisen und Aufenthalte in Südamerika, Asien, der Karibik und auch in Afrika. Nach beruflichen Veränderungen kehrte der Autor wiederholt nach Nordafrika zurück, zuletzt um im Süden von Tunesien ein Safari-Unternehmen zu führen. Zahlreiche Fahrten in die Sahara machten der Aruto zu einem Kenner der Wüste und hinterließen starke Eindrücke, die ihn nachhaltig prägten. Einen Teil seiner aufregenden Erlebnisse hat der Autor in diesem Buch niedergeschrieben. Africa mon amour und andere Geschichten wurden in ungewöhnlicher Klangfarbe erzählt, die den Leser in die faszinierende Welten entführt.

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Seitenzahl: 285

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Africa Mon Amour

Das große weiße Schiff brachte mich aus einem Dunst von Blau an das grüne Land Nordafrikas. Es war sehr früh gewesen, an einem schönen Septembermorgen. Ich stand mit Jaque, einem Passagier, den ich auf dieser Reise auf dem Schiff kennen gelernt hatte, an der Reling und blickte hinüber zum Festland. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Afrika betreten würde, den Kontinent voller Eigenheiten und Gegensätze.

Nachdem die lauten Maschinen unseres Schiffes sich beruhigt hatten, steuerte der Kapitän, ein untersetzter Mann mit buschigem Schnurrbart sein Schiff durch einen schmalen Kanal in den Hafen von Tunis.

Es gab Momente in meinem Leben, da ich nicht sprechen wollte, denn die Gedanken waren schöner als alle Worte, so wie in jenem Moment als meine Sinne Afrika berührten, und sich ein seltsames Gefühl von Erwartung und Neugier in mir weckte, denn ich erblickte das Land, in dem ich nun eine Zeit leben sollte.

Als es so weit war, dass wir von Bord gehen konnten, stand die heiße Sonne Nordafrikas schon hoch über der Stadt, denn das Anlegemanöver und die Formalitäten der Behörden hatten länger gedauert als vorausgesagt wurde. Jaque und ich gingen die Gangway hinunter auf das holprige schmutzige Pflaster des Hafens und bestiegen ein Taxi, das uns von dem Schiff fort in die Stadt brachte.

Jaque und ich, wir waren uns beide das erste Mal im Hafen von Marseille an Bord begegnet. Jaque sprach nicht sehr viel, und das machte ihn interessant, denn Leute, die viel gesehen und erlebt hatten, waren manchmal schweigsam. Jaque sagte nichts über den Grund seiner Reise nach Tunesien, darum hielt ich es auch für angebrachter nicht danach zu fragen, denn es gab Dinge in manchen Menschen, über die er nicht gleich sprach. Es war genug fürs Erste, dass wir uns akzeptierten, jeder auf seine Weise.

Wenn ich irgendwo ankam, dann gefiel es mir dort, oder es gefiel mir niemals. Aber manches Mal konnte es auch sein, dass ich mir nicht von Anfang an schlüssig war, dann kämpften zwei Geister in mir.

Jaque sagte zu mir:

„Wenn Du in eine afrikanische Stadt kommst, musst Du sie erobern, wie eine schöne Frau, jeden Tag ein wenig mehr und Du würdest sehen, es ist ein Abenteuerliche Liebe ohne Ende.“

Als ich ganze zwanzig Tage und Nächte in Tunis verbracht hatte, erkannte ich die Stadt, wie ich sie sehen mochte. Die Häuser waren nicht irgendwelche Häuser, sondern Gesichter, lebendig und weiß mit tiefen schwarzen Fenstern. Die Risse in den Fassaden glichen Falten im Gesicht eines Menschen und vieler Geschichten und Leben unter einem weiten Himmel.

Wenn ich im Café Colisee auf der Rue Habib Bourgiba saß und hinunter die Straße entlang blickte, wusste ich, dass am Ende der Straße eine neue Straße begann. Es gab kein wirkliches Ende in dieser Stadt, so wie es auch keinen wirklichen Anfang gab.

Wenn ich aus dem Haus kam, in dem ich nun wohnte und die Straße entlang ging, dorthin, wo ein paar Stühle und Tische auf dem Trottoir, den idealen Platz für einen schwarzen Kaffee und die Studien des Straßenlebens bot, saß Jaque meistens schon neben dem Eingang eines kleinen Bistros und blickte mit Hingabe auf die Straße. Ich setzte mich ihm gegenüber.

„Jaque,“ sagte ich nach einer Weile, „ich habe bisher nicht danach gefragt, wo deine wirkliche Heimat ist, und was Dir in Deinem Leben etwas bedeutet, und was Du nun vorhast, aber ich meine, Du könntest es mir sagen, denn ich wünsche mir, dass wir Freunde werden.“

„Gut“ sagte Jaque „wenn Du meine Freundschaft möchtest, kann ich es Dir sagen, denn einmal wirst Du es ohnehin erfahren. Komm mit mir, ich zeige Dir ein paar Freunde von mir und erzähle Dir meine Geschichte“.

„Gerne“ erwiderte ich, „Wohin wollen wir gehen?“

„Du kennst den Platz nicht, aber es wird Dir dort sicher gefallen.“

Das genügte mir, und ich folgte Jaque, und als wir in dem Lokal ankamen, ganz in der Nähe der Port de France, gefiel es mir sogleich. Die Fenster zur Straße waren unterteilt, und die Decke war sehr niedrig, aber das gab dem Lokal eine gewisse Behaglichkeit. Irgendwo gab es auch eine Küche, denn es roch nach gebratenem Hammelfleisch.

Jaque führte mich an einem Tisch, an dem drei Männer saßen, die mich misstrauisch anschauten, weil ich ein Fremder war. Aber als ich mich an den Tisch gesetzt hatte, erfuhr ich die Namen der Drei, und wir waren uns sympathisch. Alle drei Männer sahen aus wie Franzosen aus dem tiefsten Süden, vielleicht Perpignan oder Nimes. Aber dann sagte Jaque, dass alle drei aus Oran in Algerien kamen, aus der Stadt, aus der auch er kam.

„Du bist aus Algerien“ sagte ich zu Jaque “das hatte ich nicht vermutet.“

„Dann weißt Du es jetzt.“ Jaque erwiderte.

Als es drüben begann, fuhr Jaque fort, und er zeigte mit dem Daumen über seine Schulter in eine Richtung, in der Algerien liegen musste.

„Da war ich noch in Avignon. Es gab keine Möglichkeit für mich, nach Hause zu kommen. Kennst Du das Gefühl, wenn Du weg musst, und Du kannst nicht, weil sie Dich an Armen und Füßen festhalten? Vier Jahre haben sie das getan. Das Schlimmste an der Sache sind nicht einmal die Umstände, in denen Du leben musst. Das Schlimmste ist die ewige, unendliche Zeit, die nicht vergeht, denn der Tag nachdem Wecken und der Tag bis zum Schlafengehen hat viele Stunden, dann beginnst du nachzudenken, weil Du nicht begreifen kannst, warum sie Dich in ein stinkendes Rattenloch gepfercht haben. Es war doch normal, dass Du als Mann mit Kraft und Stolz nicht einfach zusehen konntest, wie Dein Land erstickt. Wie Du zusehen musstest, wenn sie eine Bombe auf das Haus warfen, in dem Deine Frau, Deine Kinder und Deine Freunde waren. Eines Tages gehst Du zu dem Haufen Widerstand, der noch klein ist und gibst Dein Bestes, um ihn stärker zu machen. Aber dann hast Du Pech und sie erwischen Dich irgendwo, und Du wirst mit anderen Gefangenen zu einem Transport gebracht, der Dich irgendwohin bringt, wo für Dich eine schmale Zelle wartet. Auf der Zellentür klebt ein Stück Papier, auf dem steht: politischer Gefangener. Aber kaum bist Du drinnen, da schwörst Du Dir: wenn ich frei bin gehe ich zurück zu meinen Leuten und kämpfe für eine gute Sache. Ist es ein Verbrechen, wenn Du für Deine Heimat und den Frieden kämpfst? Aber die da oben, die legen es aus wie sie es brauchen. Wenn Deine Seite verliert, dann bist Du ein Verbrecher, aber wenn Deine Seite gewinnt, dann bist Du ein Held, und sie feiern Dich bis sie alle betrunken sind und unter dem Tisch liegen. Das alles unter einem Himmel, unter einer Sonne.

Als Jaque zu Ende gesprochen hatte, war eine bedrückende Stille. Nun erwartete ich auch Worte der drei anderen Männer. Sie lächelten aber nur, denn Jaque hatte seine Geschichte erzählt und das war auch ihre Geschichte. Da gab es nichts mehr hinzuzufügen. Die Geschichte von Jaque war ihre Geschichte. Einer der Männer blickte an mir vorbei zur Tür, in der ein fremder Mann im Burnus stand, und da in der Stadt Agenten und Spione waren, musste man vorsichtig sein.

Da es Abend war und die Zeit schon weit verflogen, verspürten wir alle, die wir rund um den Tisch saßen, Appetit.

Einer der Männer fragte mich:

„Hast Du schon einmal Shakshuka oder Cous Cous gegessen?“

„Nein.“ sagte ich.

„Dann musst Du das Essen jetzt probieren, denn es sind die Gerichte Afrikas.“

Nach einer Weile kam der Wirt und stellte eine Flasche algerischen Landweines und vor jedem von uns einen Teller mit Essen auf den Tisch. Es duftete. Wir aßen alle voller Hingabe das, was vor uns stand und aus Reis, Zwiebeln, Tomaten, Thymian eine Menge Knoblauch, Chili und anderen Zutaten gekocht und mit einem gebackenen Ei garniert war.

Wenn du sehen willst, ob dein Freund ein Patriot ist, dann servierte ihm das Essen seiner Heimat und du wirst merken, ob er mit Gaumen, Herz und Seele isst. So dachte ich, als ich sie essen sah, meine neuen Freunde.

Als nichts mehr auf dem Tisch stand außer den leeren Weingläsern, stellte der Wirt eine neue volle Flasche auf den Tisch, und Jaque sagte zu mir:

„Du kennst unsere Geschichte, und wir sind Deine Freunde. Jetzt solltest Du uns auch von Dir etwas erzählen, damit wir wissen, woran wir mit Dir sind.“

„Es gibt von mir nicht viel zu sagen.“ gab ich zurück.

„Der Chef der Zeitung, für die ich arbeite, rief mich eines Tages zu sich in sein Büro, und er sagte zu mir:

“Die Wirrnisse der Politik und des Befreiungskampfes Algeriens und Tunesiens sind für unsere Leser von Bedeutung, dass ich meine, Sie sollten als Berichterstatter für unsere Zeitung nach Afrika gehen.“

Das war alles, was mein Chef zu mir gesagt hatte, denn es war nicht seine Art, eine Sache mit langen Sätzen zu umschreiben. Natürlich hatte ich sofort zugesagt, denn ich bin in einem Alter, wo einem nach allem recht ist, was nach Abenteuer aussieht. So kam ich nach Paris und bestieg nach kurzem Aufenthalt in Paris, den Zug nach Marseille, wo ich ein Schiff bestieg, das mich nach Tunis brachte.

„So“ sagte Jaque.

„Dann bist Du hier, um über alles zu berichten, was auch uns angeht. Aber ich weiß nicht, auf welcher Seite Du stehen wirst!“

„Eigentlich auf keiner.“ sagte ich, „Aber ich glaube, dass Eure Seite für mich die Richtige und die Gute ist, und Ihr könnt mich so gut es geht zu Euch rechnen.“

Der Wirt kam von neuem und stellte die vierte Flasche auf den Tisch und wir tranken auch diese. Das ging eine ganze Weile so, bis ich spürte, dass meine Glieder schwer wurden. Ich genierte mich vor den anderen, weil ich mir einredete, ich sei kein Mann, denn ich vertrug nicht genügend. Aber mit der Zeit ging es meinen Freunden nicht besser.

Als es Zeit wurde, dass wir der Sache ein Ende machen sollten, denn die Müdigkeit nach dem vielen Wein hatte uns befallen, sagte Jaque:

„Ich denke, es ist gut, wenn wir gehen.“

Wir stellten uns alle Fünf vor das Lokal und verabschiedeten uns.

„Wenn Du möchtest“, sagte Jaque „können wir uns am Freitag wieder sehen.“

Ich sagte: „Freitag, ist ein guter Tag für mich, denn bis dahin bin ich mit meiner Arbeit ein Stück voraus, und ich kann mir Zeit lassen.“

Jaque nickte zustimmend mit dem Kopf und verschwand mit den anderen in der Dunkelheit.

Die Luft der Nacht mit etwas Feuchtigkeit war wie ein erfrischender Schluck Champagner. Ich ging durch eine kleine Gasse, die den Weg zur Rue de Theatre verkürzte. Meine Schritte waren nun etwas leichter. Als ich die Treppe zu meinem Zimmer empor stieg, war der Schlaf schon in mir.

Am folgenden Morgen wachte ich erst auf, als die Händler durch meine Straße zogen und mit lautem Geschrei das anboten, was sie verkaufen wollten. Ich ging hinaus auf den Balkon und sah hinunter auf das bunte Leben. Welch Anblick dachte ich. Wie gerne wäre ich jetzt in diesem Augenblick Maler gewesen.

Das warme Licht hatte sich über die Stadt ergossen. Das Weiß der Häuser blendete mich. Die Sonnenstrahlen bohrten sich in den Dunst des Morgens, der aus den Tiefen und Höfen kam. Das Licht der Sonne legte sich auf meine Hände. Wärme breitete sich in meinem Körper aus, und ich begann zu leben. Es ist ein gutes Gefühl hier zu sein, dachte ich.

Unrasiert ging ich hinunter auf die Straße. Die Tür des Hauses fiel hinter mir zu, und ich war einer von Vielen, die die Straße belebten. Im Café „Chez Papa“, zwei Häuserblöcke entfernt, setzte ich mich in einen Korbsessel, dort auf dem Trottoir, wo alle saßen, die ihren späten Frühstückskaffee tranken.

Der Kellner brachte mir einen Kaffee und zwei warme Croissants. Schon während er kam und das Tablett mit den Köstlichkeiten durch die Stuhlreihen balancierte, und ich nun den Duft des gebrannten Kaffees einatmete erwachte in mir der neue Tag. Jeder Schluck zerging bitter in meinem Mund und füllt meinen Magen mit wohltuender Wärme. Vor mir zwischen den Stühlen und Häuserwand gingen die Menschen vorbei, und dazwischen sah ich weiß gekleidete Frauen.

Nun saß ich dort auf der Straße und sah alles einzeln für sich. Die rotweißen Taxis, die Namen über den Geschäften, die Schlagzeilen auf den Tageszeitungen. Das Orange und Grün des Obstes, gegenüber auf dem kleinen Markt, die Uhr am Place Concorde mit den schwarzen Zeigern, die dunklen Bäume und den blauen Himmel, der über allem stand.

Das Leben, das ich liebte, war um mich, einen ganzen neuen Tag lang. Greife, Auge, nimm es an dich, was du ins Herz legen kannst, denn das Leben ist jetzt. Es war sicher eine gute Stunde, die ich mir nahm, um bei „Chez Papa“ zu frühstücken. Aber die Sache war ihre Zeit wert, und ich konnte sicher sein, dass der Tag nicht verloren ging.

Als ich wieder auf meinem Zimmer im kleinen Hotel Salambo war, stellte ich einen Tisch auf den Balkon und begann meine Arbeit. In meinem Zimmer sah es unaufgeräumt aus. Nach einer Zeit klopfte es an der Tür, und das Zimmermädchen kam herein und begann meine Sachen zu ordnen, die überall umher lagen.

Ich versuchte meine Arbeit fortzusetzen. Aber ich erwischte mich dabei, dass ich über die Schreibmaschine in das Zimmer blickte und den Bewegungen des Mädchens folgte. Als das Mädchen gegangen war, setzte ich meine Arbeit fort, bis das Licht der Sonne verschwunden war. Danach hatte ich einen gewaltigen Hunger. Aber ich hatte eine Menge Arbeit geschafft und das war gut. Du bist fleißiger als du von dir selber annimmst, sagte ich zu mir. Heute Abend gehst du in das Restaurant Elsace und isst irgendeine gute Sache.

Der folgende Freitag war ein guter Tag, denn ich hatte meine Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte erledigt. Zudem war der Scheck meiner Zeitung eingegangen und das war ein kleines Fest für sich. Als ich den Scheck in der Hand hielt, um ihn dem Bankbeamten zu überreichen, sagte ich mir: „Heute machst du mit Jaque einen feinen Abend und dazu gehören mindesten zwei Flaschen Coupe d`Ore.“

Als ich am Abend zur abgemachten Stunde in das Café Colisseé kam, in dem ich mich mit Jaque treffen wollte, saß er schon in seiner Ecke und hatte vor sich ein Glas stehen.

„Jaque“ sagte ich, „heute ist ein besonderer Tag und da versteht es sich, dass wir uns das Beste vom Besten zu Gemüte führen.“

„Warum glaubst Du, ist heute ein besonderer Tag?“ fragte Jaque.

„Weil ich annehme, dass zwei Menschen wie wir sich nicht jeden Tag begegnen. Darum denke ich, ist diese Begegnung etwas Besonderes. Es gefällt mir, hier mit dir zu sein. Dein Leben ist gewiss aufregend, und du kannst mir einiges erzählen.“

Und dann hoben wir unsere Gläser vom Tisch, in denen der Wein dunkelrot leuchtete und tranken sie leer, um sie nochmals zu füllen. Die Zeit verging, und Jaque sprach über viele Dinge und wenn er schwieg, begann ich von dem zu reden, was mich bewegte und was mein Leben war.

Als wir aufstanden und uns nach einem langen Abend verabschiedeten, damit jeder in eine andere Richtung davon gehen konnte, waren die Straßen leer, und um uns war Stille. Unterwegs musste ich an das Angebot denken, welches Jaque mir gemacht hatte.

„Wenn Du möchtest“, hatte er gesagt, „kannst Du mit einem Fischerboot von uns mit hinüber an die algerische Küste fahren. Wir holen Leute von unserer Gruppe ab.“

Natürlich wollte ich gerne mit einem Fischerboot auf die andere Seite fahren, um Leute des Widerstandes abzuholen, ich war aufgeregt und begann, mir Gedanken zu machen, was ich schreiben könnte, um einen guten Artikel abzuliefern.

Der Tag, an dem ich mit der alten Vorortbahn hinaus nach La Goulette fuhr, war gewittrig und die Luft feucht. Ich saß am Fenster und blickte hinaus auf die Bucht von Tunis, auf die grauen Wolken am Himmel und die roten Blumen, die wie kleine Schmetterlinge wippten, wenn der Luftzug der Bahn sie erfasste.

Der Hafen von La Goulette war nicht sehr groß. Es gab ein paar Schiffe, die zu viel Tiefgang hatten, um in den eigentlichen Hafen von Tunis zu gelangen, und dazwischen lagen die Fischerboote. Eines nach dem anderen, bunt und schaukelnd. Ich suchte jedes nach seinem Namen ab. Als ich an das Ende der Mole kam, sah ich das Schiff, auf das ich gehen sollte, um dabei zu sein, wenn sie ihre Kameraden drüben aus Algerien abholten, um für die Freiheit zu kämpfen.

Als ich an Bord kam, begrüßte mich Jaque, und wir gingen unter Deck, damit ich erfuhr, wo ich schlafen konnte, denn die Fahrt dorthin, wo wir die Leute abholen sollten, dauerte gute zwei Tage. Als ich wieder an Deck kam, stand der Kapitän vor mir. Wir wechselten ein paar Worte, und als er sich wendete und zur Brücke hinaufstieg sagte er:

„Es wird eine schwere Fahrt werden, denn das Wetter steht nicht gut.„

Im Laufe der folgenden Stunde kamen noch zwei Männer auf das Schiff, und als wir ausliefen, waren vier Mann Besatzung, Jaque und ich an Bord und die Reise konnte beginnen.

Während das Schiff mit langsamer Fahrt aus dem Hafen fuhr, waren drei Männer auf dem Achterschiff damit beschäftigt, die schweren Netze mit den Ladebäumen einzuziehen. Die Kisten aus dünnem splittrigem Holz, in die der Fisch normalerweise gelagert wurde, waren in Dreierreihen neben den Winschen aufgestapelt. Alles sollte den Anschein erwecken, als ging es auf Fischfang.

„Wir müssen uns gut tarnen und verflixt aufpassen.“, sagte Jaque „auf der Höhe von Cap Bou werden wir sicher den ersten französischen Patroullenbooten begegnen. Wenn die Franzosen glauben, dass mit unserem Boot etwas nicht stimmen könnte, werden sie beidrehen, und die Fahrt kann ein schlechtes Ende für uns nehmen.“

Ich wusste, dass Jaque die Sache harmloser beschrieb, als sie in Wirklichkeit sein konnte. Er sah mich einen Moment lang von der Seite an, als suchte er nach einem flüchtigen Zeichen von Angst. Ein Zeichen von Angst konnte in den Augen sein, auf den Lippen, die schmal und blass werden. Es konnten die Augen sein, die zuckten, oder die Stirn, die sich straffte.

Dann ging er hinauf auf die Brücke, und ich blieb allein an der Reling stehen und starrte hinüber zur Küste, die grau im Dunst lag. Das schlechte Wetter, von dem der Kapitän gesprochen hatte, blieb regungslos über dem Festland, denn vom Meer her kam ein Wind und solange er anhielt, brauchten wir nichts Arges befürchten.

Als der Abend anbrach, starb die Sonne schwach am Ende des Meeres. Das Wasser färbte sich in Türkis, Violett und dann Schwarz. Die Nacht griff nach uns und dem Schiff und verschlang alles.

Wir alle, bis auf Murat, dem Maat, der die Wache übernahm, stiegen den schmalen Niedergang hinunter in die muffige Mannschaftsmesse, um zu Abend zu essen. Murat war ein guter Mann auf See, und wir konnten beruhigt essen. Der Kapitän setzte sich an den Kopf des Tisches und wir begannen mit dem Wein. Alles was auf dem Tisch stand, war einfach und das Gericht einfacher Leute, die niemals etwas Besonderes in ihrem Leben gekannt hatten. Aber es schmeckte jedem von uns. Ich brach ein Stück Weißbrot in zwei Teile und legte Thunfisch darauf. Dann spülte ich die Stückchen mit Wein hinunter.

Wir saßen sehr eng um den Tisch und ich verspürte zum ersten Mal das eigenartige Gefühl, mit Männern auf einem Schiff in etwas Ungewisses und Gefahren zu treiben. Die Luft in der engen Mannschaftsmesse war kaum zu ertragen. Es roch nach Bratfisch, Wein und Diesel.

Als wir mit dem Essen fertig waren, sagte der Kapitän:

„Es ist besser, wenn ich näher unter die Küste gehe und die Positionslichter lösche. Die Schlechtwetterfront wird über dem Land bleiben, denn der Wind lässt sich Zeit.“

Dann stand er auf, nahm seine verblichene Segeltuchmütze und ging hinauf auf die Brücke.

Ich sagte zu Jaque: „Wenn Du mich brauchst, werde ich da sein. Ich gehe jetzt und werde versuchen, etwas zu schlafen.“

Und dann ging jeder an einen Platz, und es wurde still und dunkel auf dem Schiff, den Ton der Maschine in seiner Gleichmäßigkeit, und den Schlag des Wassers an dem glatten Schiffsrumpf nahm ich nicht mehr lange wahr.

Als das erste Grau des Morgens sich gegen das Schwarz der Nacht aufbäumte, erwachte ich aus einem unruhigen Schlaf. Meine Glieder schmerzten, denn ich war es nicht gewohnt, in einer schmalen, harten Koje zu schlafen. Das Rollen des Schiffes hatte über Nacht zugenommen, und ich war seit dem ständig damit beschäftigt gewesen, meinen Körper in eine bequeme, feste Lage zu bringen.

Als es Mittag wurde, hatte sich der Himmel über uns mit dunklen Wolken bezogen, und das Wasser sah aus wie flüssiges Blei. Nach dem weitere Zeit vergangen war, hatten wir Bizert schon weit hinter uns gelassen und mussten ständig damit rechnen, einem Schnellboot mit der Tricolore zu begegnen, befahl der Kapitän, das Schleppnetz ausgeworfen wurde. Als der Netz wieder eingeholt war, und die Leute an Deck die Fische, die sich im Netz verfangen hatten, in die oberen Fischkisten sortierten, wurde das Netz von neuem ausgeworfen und unser Schiff nahm leichte Fahrt auf.

Dann plötzlich sichteten wir das erste französische Patrouillenboot am Horizont. Es nahm Kurs auf uns. Alle blickten in gleiche Richtung und versuchten gelassen zu bleiben.

Ich dachte: „Wenn sie uns erwischen und sie ahnen etwas, dann kannst du daran nichts ändern, und es sollte so kommen.“

Das Patrouillenboot, das auf uns zuhielten, feuerte einen Warnschuss vor unseren Bug. Die Fontäne, die der Schuss auslöste, stieg über dem Wasser in die Höhe und die Gischt versprühte in der Luft.

Der Kapitän ließ die Maschine stoppen, und unser Schiff trieb auf einem sanften Schwell. Murat hatte im Top das Zeichen für Schiff mit Schleppnetz gesetzt. Wir standen auf der Brücke und warteten, dass das Boot längsseits kam.

Zu Jaque sagte ich:

„Meinst Du nicht, dass es günstiger wäre, wenn ich mich versteckt halten würde, denn sie könnten misstrauisch werden, wenn ein Engländer auf einem Fischerboot in diesen Gewässern ist?“

„Nein, es ist besser, Du bleibst, wo Du bist, denn wenn sie das Schiff durchsuchen und Dich finden, ist alles viel schlimmer. Ich denke, wenn Du nicht sprichst und bei den anderen bleibst, werden sie nicht aufmerksam auf Dich.“

Der Mann am Steuer hatte es schwer, das Schiff im Ruder zu halten, denn der Schwell der See war stark geworden. Unser Schiff tanzte auf und nieder, als das französischen Boot längsseits kam und vier Mann überstiegen. Einer der vier war Offizier. Er tippte an seine Mütze, und unser Kapitän erwiderte seinen Gruß, indem er das gleiche tat.

„Was machen Sie in diesem Seegebiet?“ Fragte der Offizier.

Ich blickte zu unserem Kapitän und wartete darauf, was er antworten würde.

„Wir hatten auf der Höhe von Cap Bou Maschinenschaden und die Winsch fiel aus, darum konnten wir das Schleppnetz nicht einholen“, sagte der Kapitän, so als wäre nichts auf der Welt, was ihn hätte aus der Ruhe bringen können. „Ich denke, wir haben die Winsch bald repariert und können dann das Netz einholen.“

Ich stand auf der Backbordseite und konnte jedes einzelne Wort genau verstehen, denn der Wind stand zu mir.

Der Franzose überlegte einen Augenblick und ging dann alleine hinüber auf sein Schiff. Es war eine Weile still, denn niemand wollte sich mit einem unnötigen Wort verraten.

Dann kam der Offizier zurück und sprach wieder mit unserem Kapitän. Aber dieses Mal verstand ich kein Wort, doch ich spürte, dass die Angelegenheit gut für uns stand. Die Franzosen zogen wieder ab.

Unser Kapitän befahl für kurze Zeit Kurs in die Richtung, aus der wir gekommen waren, denn es war gut keinen Verdacht zu erregen und aus dem Bereich des Radars der Franzosen zu kommen. Eine Stunde später verfolgten wir wieder den alten Kurs, der uns zu dem kleinen Hafen Annaba bringen sollte.

Als die Dunkelheit einbrach, kam ein warmer Saharawind über uns und wirbelte kleine Schaumkronen über dem Wasser auf. Der Kapitän brachte sein Schiff noch näher in den Schatten der Küste. Bis zu jener Bucht nahe Annaba, in der die Gruppe der Widerstandskämpfer auf uns wartete, waren es noch runde vierzig Seemeilen.

„Vierzig Seemeilen“, sagte der Kapitän, „können wir in sechs Stunden schaffen, wenn das Wetter gut bleibt“.

„Wenn wir Glück haben,“ meinte Jaque, „können wir noch vor Mitternacht die Leute übernehmen.“

Aber Jaque hatte sich mit der Zeit verschätzt, denn es war schon weit nach Mitternacht und wir mussten gut aufpassen, dass der Wind und das Wasser uns nicht zu weit in die Bucht trieben, in der wir erwartet wurden, denn es gab einige Untiefen.

Ich konnte kein Licht an Land ausmachen, darum fragte ich Jaque:

„Bist Du sicher, dass alles seine Ordnung hat?“

„Ja, ganz sicher!“

„Glaubst Du, dass sie uns sehen werden?“

„Du kannst Dich darauf verlassen.“

Der Kapitän brachte das Schiff fast zwei Meilen in die Bucht hinein, dann fiel rasselnd der Anker auf den Grund und die Maschine stoppte.

Ich hatte bis zum letzten Moment die Boote, in denen die Leute saßen, nicht gesehen. Die Männer an den Riemen tauchten mit Gefühl die Ruderblätter in das Wasser, und es gab keinen Laut, der sie hätte verraten können. Ich stand an der Reling und zählte die Personen, die an Bord kamen, und als ich bei acht war, sagte Jaque:

„Das sind alle, ich denke, wir sollten keine Minute Zeit verlieren und sofort auslaufen.“

Wie schwarze große Ameisen waren die Leute an Bord geklettert. Nun waren sie unter Deck. Die Maschine sprang an und unser Schiff fuhr den Osten der Küste entlang.

Als die Müdigkeit mich ergriff, ging ich unter Deck. Die Männer der Widerstandsgruppe hatten es sich bequem gemacht, wo es möglich war.

Als ich jedem einzelnen in sein Gesicht sah, denn ich suchte nach Spuren ihrer Erlebnisse, war ich überrascht, dass unter den Männern eine Frau war. Als sie mich sah, blickte sie mich einen Moment an und sagte:

„Bon soir, Monsieur!“

Als ich ihren Gruß erwidert hatte, spürte sie an der Betonung meines Französisch, dass ich keiner von ihren Leuten, aus ihrer Heimat sein konnte, und sie fragte mich:

„Bist Du Ausländer?“

„Ja, Deutscher.“

„Aber Du bist einer von unserer Seite?“

„Ja, ich denke schon.“

„Das ist gut, dann wirst Du uns helfen.“

„So gut ich kann“, erwiderte ich und das schien ihr zu genügen.

Das Mädchen fasste in die Tasche ihres Mantels und brachte eine Packung Zigaretten hervor. Über ihren Mantelkragen fielen lange dunkelbraune Haare. Das Gesicht war schmal und eben. Je länger ich das Mädchen ansah, umso mehr spürte ich ein eigenartiges Gefühl von Zuneigung.

„Wie heißt Du?“ fragte ich das Mädchen.

Sie sagte ohne Zögern:

„Jasmin.“

Nach einer Zeit setzte ich mich zu ihr an den Tisch, und wir rauchten beide eine Zigarette aus ihrer Packung. Der Tabak war schwarz und sehr stark. Aber ich fand, dass die Zigarette etwas hatte, was mich mit einem Hauch von Benommenheit befriedigte.

Wir tranken gemeinsam eine halbe Flasche Wein und das machte uns offen und wir sprachen eine Zeit lang miteinander.

„Wenn Du es möchtest“, sagte ich zu ihr, „dann kannst Du in meiner Kabine schlafen und Du brauchst nicht mit all den Männern und ihren Ausdünstungen in dem großen Raum liegen.“

„Das finde ich nett von Dir“, sagte Jasmin und folgte mir.

Als sie sich unter die dünne Decke gelegt hatte, die jeden Teil ihres Körpers filigran überdeckte, sagte ich zu Jasmin:

„Menschen wie Du haben meistens eine gute Mischung Blut in den Adern.“

„Das kann angehen“, sagte Jasmin. „mein Vater kam aus Frankreich und meine Mutter aus Algerien. Sie gingen beide nach Oran, und ich wurde dort geboren. Später lebten wir in Algier, denn mein Vater wollte, dass ich dort studieren sollte. Aber ich war nicht sehr lange an der Universität, denn unser Land kam in politische Wirren und ich ging wie viele Studenten in den Widerstand.“

Wir steckten uns eine neue Zigarette an. Der Rauch stand blau und schwer in dem kleinen Raum. Jasmin richtete sich im Bett auf und sah mich an. Die schwarze Zigarette klebte zwischen ihren Lippen.

Das neue Licht des folgenden Tages legte sich über unser Schiff, und wir hatten die erste Küste von Tunesien dicht an unserer Seite. Es war ein schöner, klarer Morgen.

Trotz der Frühe, die noch wie ein Tuch über dem Meer lag, stand das Thermometer schon recht hoch und wir wussten, dass es einen heißen Tag ohne Wind geben würde.

Jaque hatte lange mit seinen Leuten gesprochen, dann kam er zu mir an Deck und sagte:

„Bis jetzt haben wir Glück gehabt. Es hätte auch anders verlaufen können. Aber sie kennen unser Schiff nicht. Ihr Misstrauen war darum nicht sehr groß, und das war sicher günstig für uns. Gegen Abend werden wir die Kanaleinfahrt nach La Goulette erreicht haben. Wenn bis dahin alles glatt verlaufen ist, dann gehen wir einen trinken. Hast Du Lust?“

„Ja“, sagte ich, „Du kannst mit mir rechnen!“

Wir lachten beide und schlugen uns auf die Schultern.

Es wurde spät, als wir La Goulette erreicht hatten, und unser Boot an seinem Platz lag. Auf der Kaimauer standen drei Wagen, in die Jaque, ich und die Leute der Widerstandsgruppe einstiegen.

Wir fuhren in die Stadt. In der Rue de Greece hielten die Wagen, und wir stiegen aus. Es geschah sehr ruhig und unauffällig. Ich verspürte zum ersten Male, nach dem die Reise hinter mir lag, dass alles gut organisiert war und das imponierte mir.

Als Jasmin ging, sagte ich zu ihr:

„Ich möchte Dich gerne wieder sehen,

„Wenn Du kannst, in zwei Tagen.“

„Gut“, erwiderte Jasmin, „es ist mir recht. Ich freue mich Dich wieder zusehen.“ Ich werde im Café Collisee um acht Uhr abends auf Dich warten.“ Dann reichte sie mir die Hand, sah mich einen Moment lang an, und ging fort.

Jaque und ich gingen in das erstbeste Bistro und wir tranken auf die gelungene Fahrt, die schon in diesem Moment weit hinter uns lag.

Der Morgen danach war betäubend und mein Körper war schwer. Mein Geist war trübe, und ich war unfähig auch nur ein Wort zu Papier zu bringen.

An jenem Abend, an dem ich Jasmin um acht Uhr treffen wollte, war es schwül und erdrückend. Als ich aus meinem Hotel kam, dachte ich: „Es wird ein Regen kommen, denn die schweren Gewitterwolken ballten sich über der Stadt zu einer drohenden Faust.“

Es war gut eine Viertel Stunde später, als ich unseren Treffpunkt erreichte. Das Café ist groß, und es dauerte seine Zeit, bis ich Jasmin entdeckt hatte. Ein befriedigendes Gefühl erfasste mich. Jasmin saß an einem kleinen Tisch und es schien, als hätte es sie nicht gestört, dass ich erst jetzt zu ihr kam.

Nachdem wir uns guten Abend gesagt hatten, setzte ich mich zu ihr, und wir begannen miteinander zu sprechen. Erst zögernd, so als gäbe es eine längere Zeit zwischen uns. Aber dann erwachte in uns Zuneigung, und wir empfanden noch mehr füreinander, als auf der Fahrt von Algerien.

Sie hatte ein rotes Twinset an, was ihr gut stand, denn es schloss den Hals weich und rund ab, und das machte ihn und das Gesicht noch anmutiger. Ihre Beine hatte sie gekreuzt und der Rock darüber war glatt und eng. Das Parfüm, das in den Poren ihrer Haut lebte, schmeichelte ihr.

„Wie heißt Dein Parfüm?“ fragte ich.

„Fleur du Afrique, magst Du es ?“

„Ja, Du musst mir versprechen, wann immer wir zusammen sind, dieses Parfum zu benutzen. Wirst Du das für mich tun?“

„Wenn Du es möchtest und es gefällt Dir so gut, dann verspreche ich es Dir.“

Nachdem eine gute Stunde vergangen war, in der wir nur die gegenseitige Zuneigung und das Verlangen in uns gespürt hatten, sagte ich zu Jasmin:

„Wenn Du möchtest, dann gehen wir jetzt in ein Restaurant und essen etwas, worauf wir Appetit verspüren.“

Das Lokal, in das wir gingen, war fremd für beide von uns. Aber das war gut, denn so wurde jede Minute unseres Beisammenseins zu einem gleichen Gefühlt des Erlebens, denn alles mit uns und um uns war neu.

Während wir aßen, und es dauerte seine Zeit, blickten wir uns in die Augen. Es war sicher schon Mitternacht, als wir aus dem Restaurant kamen und hinaus auf die Straße gingen, um ein Taxi zu nehmen.

Die ersten schweren Regentropfen fielen auf die Stadt. Das Taxi fuhr an. Ich drehte meinen Kopf zu Jasmin, die eng neben mir saß und sagte:

„Wir könnten zu Dir fahren, denn ich möchte gerne wissen, wo und wie Du wohnst.“

„Gut“, erwiderte sie, „dann fahren wir zu mir, es ist mir Recht“.

Wir stiegen in dem dunklen Haus, in dem Jasmin wohnte, die Treppen hinauf bis zu ihrem Zimmer. Als sie das Licht anmachte, sah ich vor mir den Raum, in dem sie lebte. Die Wände waren weiß. An der rechten Wand hing ein Druck von Dufi. Von dem Zimmer zweigte eine Nische ab, in der die Küche untergebracht war. Das Bett war schmal und nieder. Hinter einem verblichenen Vorhang hingen Kleider aufgereiht nebeneinander. Ich trat auf den Balkon, der die Verlängerung des Zimmers sein konnte und blickte hinunter auf die Straße.

Der Regen, der begonnen hatte, ergoss sich mit seiner ganzen Fülle auf die Stadt, Das Wasser lief triefend von den glänzenden Dächern, von den Autos, von den Bäumen. Die trockene afrikanische Erde wurde getränkt mit dem Blut, das Leben bedeutete.

In dem Zimmer war es feucht und warm. Jasmin stand vor mir. Ich trat auf sie zu und legte meine Arme um sie. Ich zog Jasmin an mich, fest und weich zugleich dann sahen wir uns wieder an, aber wir sagten kein Wort zueinander. Wir küssten uns von neuem und es war noch sinnlicher und tiefer als zuvor. Der Kopf von Jasmins Kopf fiel leicht zur Seite. Ich küsste ihren Nacken, Danach zogen wir uns aus. Sie streifte das Kleid von ihrem Körper, leicht und voller Anmut. Erst sah ich ihre runden Schultern, dann ihre Brust. Die Taille ihres Körpers war schmal und ihr Becken weich geschwungen. Wir legten uns nebeneinander auf das Bett. Die Farbe unserer Haut war ebener Kontrast zu dem weißen Leinentuch, auf dem wir lagen. Das gleißende Haar des Mädchens legte sich um ihr Gesicht, unter ihren Nacken, auf das Laken. Sie fasste mich um die Schultern. Ich griff unter ihren Kopf und drückte ihn dicht unter mein Kinn an meinen Hals.