Als mich das Glück fand - Sabine Schaub - E-Book

Als mich das Glück fand E-Book

Sabine Schaub

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Beschreibung

Über eine Frau, die ihre Verhaltensmuster änderte, eine psychotische Episode und starke Depressionen bekam. Sie stand kurz vor dem Suizid. Sie beschreibt in diesem Buch, wie es ihr damit ergangen ist. Wie sie wieder aus diesen vier Monaten der dunklen Seite des Lebens herausgekommen ist. Mit diesem Buch möchte sie den Menschen helfen nicht zu verzweifeln und ihnen Mut machen.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Sabine Schaub

Als mich das Glück fand

Autobiographie

E-Mail: [email protected]

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

DANKESWORTE

IMPRESSUM

VORWORT

Immer wieder gibt es dunkle Seiten in unserem Leben. Aber erst wenn wir wirklich in unserem Leben ganz unten waren, glaube ich, dass wir danach in der Lage sind, das Wichtige im Leben zu sehen.

Als ich anfing dieses Buch zu schreiben, dachte ich nie daran diese Zeilen zu veröffentlichen. Erst im Laufe des Schreibens, wurde mir bewusst, dass ich es gerne mit allen Menschen teilen möchte. Weil ich hoffe, ein paar Menschen mit psychotischen Episoden und auch mit Depressionen mit meiner Geschichte zu erreichen. Vielleicht gibt es den Menschen etwas Hilfe nicht zu verzweifeln und ihren Mut wiederzufinden.

Dieses Buch ist meine Geschichte und kein Werk.

Die ehemalige Grundschullehrerin unserer Tochter war so nett und hat dieses Buch für mich Korrektur gelesen. Schon an dieser Stelle ein großes Danke an Sie. Sie hat nur die Satzzeichen und grammatische Fehler geändert. Die Worte die ich schrieb, sind so geblieben. Das ist mir sehr wichtig, weil ich möchte, dass das Authentische erhalten bleibt. Es soll genau das wieder spiegeln, was ich in meinem Herzen spürte und wie ich es erlebte.

Für manche Menschen wird das Kapitel mit der Psychose sehr verwirrend und nicht nachvollziehbar sein, aber ich habe diese Zeilen während der Psychose zu Papier gebracht und es alles genauso gelassen, wie es wirklich war. Die Bilder auf der Vor- und Rückseite des Buches malte ich in der geschlossenen Psychiatrie, als ich psychotisch war.

KAPITEL EINS

DER WEG IN DIE PSYCHOSOMATIK

Ich bin 42 Jahre alt, ich habe einen wundervollen Mann und eine gesunde, liebevolle und willensstarke 11-jährige Tochter. Wir haben zwei Katzen Miezi und Mauzi, die mit uns leben. Dazu kommt noch unsere Wasserschildkröte Betty und einige Fische. Außerdem mangelt es mir materiell an nichts.

Wir wohnen auf dem Land, haben ein eigenes Haus mit einem kleinen Garten. Da ich hier, auf dem Land, immer beweglich sein will, habe ich auch ein Auto. Alles so, wie ich es mir vorstelle.

Ich habe eine chronische Krankheit. Ich leide seit 1986 an Morbus Crohn. Seit 2011 bin ich in einer Ruhephase und brauche das erste Mal in meiner Krankengeschichte keine Medikamente. Auch das ist bestens.

Im Laufe meines Lebens war ich schon in einigen psychosomatischen Kliniken. Zwischendurch kamen einige ambulante Therapien dazu.

Trotzdem merkte ich schon sehr lange, dass mir irgendetwas fehlte und nicht „rund“ lief in meinem Leben.

Ich stürzte mich auf unsere Tochter, sah rechts und links nichts anderes mehr.

Die Beziehung zu ihr wurde immer schlechter und schwieriger. Ich hatte keine Nerven mehr, konnte mich an nichts mehr erfreuen. Ich kämpfte nur noch mit unserer Tochter. Alles wurde mir zur Last, mir war alles zu viel.

Obwohl ich nicht arbeiten ging (ich beziehe Erwerbsunfähigkeitsrente) und ich jede Menge Zeit hatte meine Aufgaben zu erledigen, ging es mir psychisch sehr schlecht.

Ich konnte keine Entscheidungen mehr treffen, war immer wackelig, nicht klar unserer Tochter gegenüber. Immer mehr verlor ich mich.... und wusste nicht, wie ich mich wieder finden sollte!

Hinzu kam auch noch, dass ich das Leben als sehr langweilig empfand, weil jede Woche gleich war. Ich tat immer an denselben Wochentage die gleichen Tätigkeiten. Es gab keine Spontanität, alles war immer gleich. Warum ich dies machte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich konnte mir auch keine Gedanken darüber machen.

Außerdem machte ich andere Menschen und meine Erkrankung, für meine Situation verantwortlich. Ich litt....ich war das Opfer! Auch für Neues in meinem Leben hatte ich tausend Argumente, warum ich es nicht umsetzten konnte. Es war ja so schön, dass ich die Worte "Ja, aber" kannte. Damit konnte ich immer alle Möglichkeiten, etwas für mich zu tun, abwehren.

Körperlich ging es mir auch nicht gut. Seit einigen Jahren hatte ich Probleme mit dem Rücken und außerdem Herzrhythmusstörungen. Hinzu kam, dass ich seit einiger Zeit oft unter Kopfschmerzen litt und ständig Gesichtsverspannungen hatte. Es war, als hätte ich eine Maske auf. Jeder Arztbesuch war ohne Befund.

Aber das schlimmste war dieser ständige Druck auf der Brust. Ich hatte das Gefühl, dieser Druck mache mich kaputt, wusste aber nicht, woher er kam. In eine Entspannung kam ich schon seit Jahren nicht mehr. Gut schlafen konnte ich auch schon nicht mehr, ich war immer angespannt. Außerdem hatte ich, vor noch nicht allzu langer Zeit, massive Probleme mit den Zähnen.

Ich litt im Frühjahr 2012 über Wochen unter sehr starken Zahnschmerzen, die nie mehr aufzuhören schienen. Jeder Gang zu meiner Zahnärztin war eine Hoffnung auf Erleichterung der Schmerzen, aber sie gingen einfach nicht weg.

Seit Jahren fühlte ich mich in einem goldenen Käfig eingeschlossen und bekam die Türe nicht auf.

Die letzten Monate mutierte dieser Käfig zu einem Sarg, er war zwar nicht geschlossen, aber ich hatte keine Kraft aufzustehen. Ich fühlte mich ohnmächtig und hilflos. In diesem Sarg war es eng...ich bekam Beklemmungen. Ich war starr, konnte mich nicht mehr bewegen.

Die Gedanken zermürbten mich....! Aber das schlimmste war, dass ich meinen Humor verloren hatte....!

Ich hatte keine Aufgabe, die mir Zufriedenheit gab. Ich war depressiv.

Tief in meinem Inneren, wusste ich schon seit Jahren, dass ich Hilfe brauchte und es alleine nicht schaffen werde. Aber auch da gab es immer ein „ja aber“.

„Ja, aber“ ich kann doch nicht in eine Klinik gehen, meine Tochter und meinen Mann alleine lassen. Das hinderte mich daran, schon viel früher etwas zu unternehmen, so lief mein Leben weiter und weiter in totaler Unfreiheit.

Plötzlich fiel mir eine liebe Freundin ein. Ich kannte sie von der Selbsthilfegruppe Morbus Crohn. Wir gingen schon seit Jahrzehnten gemeinsam dort hin. Sie hatte immer ein offenes Ohr, ist sehr menschlich und hat ein großes Herz. Sie selbst war auch schon wegen Depressionen in Herborn, in der Vitosklinik, in Behandlung. Da diese Klinik hier in der Nähe ist, konnte es eine Alternative für mich sein, dort hinzugehen. Ich wusste, wenn ich ihr von meinen Problemen erzähle, dass sie mich verstehen würde.

Wir trafen uns noch an diesem Tag. Sie spürte, nur durch eine SMS, dass es mir nicht gut ging und nahm sich die Zeit für mich. Sie erzählte mir von ihren Erfahrungen in der Klinik. Damit ermutigte sie mich auf jeden Fall eine Therapie zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch unsicher, aber das Gespräch brachte mich sehr zum Nachdenken.

Es brauchte einen Tag und eine Nacht eine Entscheidung zu fällen. Ich musste etwas tun, das war mir klar. Ich empfand es für mich so wichtig, dass ich meinen Mann vor vollendete Tatsachen stellte. Ich teilte ihm mit, dass ich eine stationäre Therapie machen werde. Dass es nichts mit ihm zu tun habe, sondern nur mit mir selbst. Die Reaktion von ihm war phänomenal. Er meinte, ich solle sofort gehen. Lieber heute als morgen. Auch er hatte schon gemerkt, dass ich mich verändert hatte und des öfteren versucht mich darauf aufmerksam zu machen, aber die Mauer, die ich aufgebaut hatte, war einfach zu dick und zu hoch. Das sollte ich dann auch später, in der Therapie zu spüren bekommen...!

Es war Sommer 2012. Ich machte einen Termin bei meinem Therapeuten, er ist Psychologe und Neurologe. Dort bekam ich recht schnell einen Termin. Als es so weit war, war ich sehr aufgewühlt und unsicher.

Ich schilderte ihm meine Situation, sagte ihm, dass ich in eine Klinik gehen möchte. Am liebsten nach Herborn in die Vitos Klinik auf die Station 3 (Depressionenstation). Er meinte, dass dies nicht der richtige Ort für mich sei. Mittlerweile gäbe es in der Vitos Klinik eine psychosomatische Station, das Haus 10. Dort werde mehr mit Gesprächen gearbeitet, auf der Depressionenstation mehr mit Psychopharmaka. Ich ent-

schied mich für die psychosomatische Klinik. In meiner Gegenwart rief er sofort in dieser Klinik an um einen Termin für mich zu vereinbaren, aber der Chefarzt war nicht da. Und so gab er meine Nummer weiter. Er meinte, der Chefarzt werde sich in den nächsten Tagen wegen eines Termins bei mir melden.

In meiner Kindheit war die Vitos Klinik immer mit etwas Negativem behaftet. Damals hieß sie noch Psychiatrisches Krankenhaus Herborn oder kurz PKH.

Dort waren nur Irre. Es gab Sprüche, wie zum Beispiel: "Das ist die Klapse, und dann kommst du nach Herborn Süd". Jeder wusste dann, was gemeint war. Sie war stigmatisiert.

Ich konnte mich davon aber sehr schnell abgrenzen, es war mir egal, was andere über diese Klinik und meinen Aufenthalt dort dachten.

Im Jahr 1911 wurde die "Landesheil- und Pflegeanstalt Herborn" eröffnet.

Die Vitosklinik ist eine Parkanlage mit vielen verschiedenen Häusern. Alle Häuser sind mit Nummern versehen. Jedes Haus behandelt andere Krankheitsbilder. Die Häuser können nur ca. 20 Patienten aufnehmen, es gibt dem Patienten ein familiäre Atmosphäre. Mit einer Ausnahme, dem Haus 19 der geschlossen Psychiatrie, es verfügt über zwei Stationen in einem Haus, dort gibt es ca. 40 Betten. Fast jedes Haus verfügt über einen eigenen Garten mit Terrasse und Liegen zum Sonnen. Außerdem haben manche Häuser einen Pavillon. In einigen Häusern gibt es Langzeitpflege, das sind Heime, in

denen erwachsene Patienten ihr restliches Leben verbringen.

Es gibt eine Suchtstation, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Depressivenstationen und einige andere Stationen. Die Klinik verfügt über ein Museum. Die psychosomatische Klinik wurde erst im März 2012 eröffnet. Die Parkanlage lädt zum Spazierengehen ein. Teilweise sind die Wege, wie eine Allee, mit vielen Kastanienbäumen umsäumt angelegt. In dem Park gibt es einen wunderschönen Teich. Um ihn herum sind Bänke, die zum Verweilen einladen.

Ich wartete auf den Anruf des Chefarztes und weiß noch genau, wie angespannt ich in diesen Tagen war... mein Handy hatte ich immer zur Hand. Zwei Tage später. An einem wunderschön sonnigen und warmen Tag, als ich mit unserer Tochter gerade aus dem Freibad kam, klingelte mein Handy. Es war eine unbekannte Nummer, mein Herz fing sofort an schneller zu klopfen. Tatsächlich war es der Chefarzt von der Psychosomatik. Er fragte mich gleich am Telefon, ob ich nächste Woche schon stationär kommen könne. Ich verneinte dies, weil wir einen Urlaub gebucht hatten. Er gab mir einen Termin zum Vorgespräch ein paar Tage später.

Ich hatte den Stein ins Rollen gebracht....!

Der Tag des Termins rückte näher. Es war immer noch sehr warm draußen. Das war mein Lieblingswetter. Ich liebe den Sommer.

Ich fuhr zu dem Vorgespräch, war sehr kribbelig. Als ich dort ankam, sah ich mir das Haus von außen an. Es hatte eine weiße Fassade, oben einen kleinen Erker. Dieses Haus strahlt eine gewisse Ruhe auf mich aus. Ich holte tief Luft, ging durch die Tür in das Haus, meldete mich im Stationszimmer an. Die Pflege war sehr nett zu mir.

Die Angst war groß, ich hatte Bedenken, dass ich für diese Stadion nicht geeignet sei. Ich wartete noch eine Zeitlang, bis der Chefarzt mich in sein Büro bat. Mit jeder Minute warten wurde ich unruhiger und aufgeregter.

Dann endlich war es so weit. Der Arzt war groß, stämmig und schon sehr alt. Außerdem trug er eine Brille. Im ersten Eindruck kam er mir sehr zerstreut vor, das sollte sich in dem Gespräch auch bestätigen.

Er fragte mich, warum ich eine Therapie machen wolle. Ich erzählte ihm von meiner Lebenssituation. Aber irgendwie war er so unaufmerksam, er ging zwischendurch ans Telefon, tippte in seinem Computer herum, ich hatte das Gefühl, er hört mir gar nicht zu. Aber er meinte zum Schluss, ich sei geeignet für eine Therapie auf dieser Station. Der Aufenthalt betrage in der Regel 4-6 Wochen. Er fragte mich, wann ich kommen wolle. Ich erklärte ihm, dass ich, wegen meiner Tochter, erst am 13. August 2012 kommen könne, weil die Sommerferien dann zu Ende seien. Er war einverstanden, wir verabschiedeten uns.

Danach bekam ich von einer sehr netten Krankenschwester das Haus gezeigt. Sie ging mit mir nach oben, zeigte mir ein Zimmer, das nicht belegt war. Alles war neu renoviert, das Zimmer gefiel mir sehr gut. Es gab sogar in jedem Zimmer einen Fernseher. Auch das Bad war sehr schön.

Das Haus verfügte über zwei Einzelzimmer, die restlichen Zimmer hatten zwei Betten. Die Einzelzimmer waren den Privatpatienten vorbehalten. Im ersten Stock gab es ein Entspannungsbad. In der Badewanne konnten die Patienten Musik hören, es war möglich sie in verschiedenen Farben zu beleuchten. Eine richtige Luxusbadewanne.

Dann gingen wir wieder herunter. Ich bekam die Küche, den Aufenthaltsraum und die Terrasse gezeigt. Mir wurde alles erklärt...unter anderem auch, dass es einen Küchendienst gibt und die Patienten sich selbst um das Essen kümmerten.

Ich hatte einen sehr guten Eindruck von der Klinik.

Ein Gefühl der Zuversicht machte sich in mir breit, als ich nach Hause fuhr, wusste ich doch jetzt, dass ich in einigen Wochen geholfen bekam. Es war gut, dass ich heimatnah behandelt werden konnte und an den Wochenende nach Hause fahren durfte.

Ich erzählte meinem Mann, wie es gelaufen ist. Er freute sich, dass ich endlich etwas für mich machte.

So gingen die Wochen ins Land, ich verbrachte mit meiner Familie einen schönen Urlaub in Ägypten. Wie in jedem Urlaub war ich entspannt und locker. Die Urlaube konnte ich immer sehr gut genießen. Als wir wieder aus dem Urlaub zurück waren, war ich war sehr erleichtert, da ich Aussicht auf Hilfe hatte. Deshalb war ich auch relativ locker die nächsten Wochen.

Die Sommerferien neigten sich dem Ende zu, es war an der Zeit unserer Tochter zu erzählen, dass ich nach den Ferien in eine Klinik gehen werde. Sie reagierte sehr locker, fast schon ein bisschen erleichtert...sie wollte immer so gerne, dass ich arbeite und sie nach der Schule alleine zu Hause sein konnte.