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Nach fast vier Jahren nun endlich online! Mit Zitaten, die man so noch nicht gehört oder längst wieder vergessen hat: die O-Töne der (Un)-Verantwortlichen, der Macher, Promoter und Supporter der weltgrößten Musikveranstaltung, umsonst und draußen auf umzäunten Gebiet - die größte Jugendparty der Welt in einem Tunnel, in Käfigen, auf einem Schotterplatz! Mit all ihrem Zynismus, ihren Lügen, Widersprüchen und Ungereimtheiten. Beleuchtet all das, was unter den Teppich fiel: das politische Davor, die Planungen der "Experten", deren Versagen und undurchsichtigen Absichten. Das Beugen und Umgehen gesetzlicher Vorschriften, das sich Stehlen aus der Verantwortung, damit man, im Falle, das "etwas" passiert, strafrechtlich nicht belangt werden konnte! Es ist "etwas" passiert: 21 junge Menschen wurden brutal aus ihrem Leben gerissen, mehr als 600 verletzt und z.T. traumarisiert, weil sie einer Stadt vertraut hatten, dem Staat Deutschland und seiner Region, der angeblichen "Metropole" Ruhr(gebiet) - man schrieb das Europäische Kulturhauptstadtjahr! Merkwürdigkeiten, die sich am Tag der Loveparade abspielten, vor Ort, dort, wo gestorben wurde. Was war da los? Wissenschaftliche Erklärungen und Hintergründe, die die vielen Verletzten und Toten zu erklären helfen. Erklärungsversuche für die Verstrickungen von Stadt, Land, Bund und der EU. Dennoch unterhaltsam und ironisch dargebracht sowie angereichert mit persönlich Erlebtem, Gesehenen und Wahrgenommenen. Und nicht zuletzt eine Anklageschrift.
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Seitenzahl: 168
Veröffentlichungsjahr: 2014
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1. Teil
von Antonia Colloni
Rabenflug
Da wird sich gewundert, dass Ordnungsamtsleiter, Sicherheits- und Rechtsdezernent der Stadt Duisburg, Leiter des Katastrophenamtes und der Feuerwehr, gleichzeitig Chef der kommunalen Polizei, auch und vor allem bei Großeinsätzen wie Veranstaltungen oder Großschadensereignissen, wie die Loveparade in Duisburg sie gewesen war, deren zuständiger Chefplaner, der Beigeordnete Wolfgang Rabe, nicht gefangen und gehangen, sondern laufen bzw. fliegen gelassen wird. Dies hat Gründe, die nur übergeordnet zu finden sind.
Eigentlich ist es gar nicht so schwer, vergegenwärtigt man sich die Vorvorplanungszeit, beginnend also in den Jahren vor 2010, als klar gewesen war, dass Duisburg im Jahr 2010 mit der McFit-Parade an der Reihe sein sollte. Schon früh hatte man begonnen, ein "geeignetes Gelände" zu suchen, doch eigentlich hatte man gewusst, dass dies nicht schwer, sondern völlig unmöglich sein würde. Vor allem wusste dies einer: Der ehemalige Polizeipräsident Rolf Cebin, der, wie der Baudezernent Jürgen Dressler, 2010 sein letztes Amtsjahr vor Beginn der Pensionierung antreten sollte. Cebin aber hatte wohl keinen Bock gehabt, sich da noch Ärger einzuhandeln, außerdem galt er, wie Dressler auch, als Querkopf, als einer der älteren SPD-Haudegen, die ihren Degen mit Starrsinn führen.
Im Februar 2009, am 6., um genauer zu sein, gab das Duisburger Polizeipräsidium im Auftrag ihres Präsidenten eine Pressemitteilung heraus, in der es sinngemäß hieß, dass die Duisburger Polizei kein für die benötigte Sicherheit und Größe geeignetes Gelände im gesamten Duisburger Stadtgebiet sehe, eingerechnet sogar die entlegeneren Gebiete wie den Hafenbereich in Ruhrort oder den Landschaftspark, der noch weiter außerhalb im Norden der Stadt liegt. Auch wenn es nur am Rande von Bedeutung ist, selbst wenn deren Flächen ausgereicht hätten, wären diese Gebiete aus rein logistischen Gründen inakzeptabel gewesen.
Rolf Cebin wird gewusst haben, dass er sich Ärger einhandeln würde, was ihm, ein Beamter, über Jahrzehnte im Dienst Duisburgs stehend, nur egal gewesen sein konnte, kannte er doch nicht nur die dortigen "Pappenheimer" bestimmt sehr gut, teilte er gewiss auch keine sonderlich großen Animositäten mit deren Oberbürgermeister und Rechtsdezernenten, beide der CDU angehörig und gerade Adolf Sauerland ein Lieblingskind des NRW Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Und zu vermuten ist auch, dass auch FDP-Innenminister Ingo Wolf nicht zu seinen besten Freunden gezählt hatte, denn so, wie der sich daraufhin ihm gegenüber verhalten sollte, ist dies gut anzunehmen.
Der Wortlaut dieser Pressemitteilung klang dennoch vergleichsweise harmlos und versöhnlich: "Ein Vertreter der Polizei hat zuletzt im Herbst 2008 an einer Sitzung des Arbeitskreises "Loveparade" teilgenommen. Seinerzeit ist über mögliche Örtlichkeiten (Anm. s.o.) für eine solch große Veranstaltung diskutiert worden. In Duisburg eine Veranstaltungsfläche für 500.000 oder gar mehr Menschen zu finden, inklusive eines geordneten An- und Abreiseverkehrs, ist allerdings nicht einfach. Die Polizei ist über diesen Stand hinaus keine aktuelle Entwicklung bekannt. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung hätte auch einen entsprechend großen Polizeieinsatz zur Folge." Was Cebin zwischen den Zeilen damit gesagt hatte, war klar. Drei Zahlen bzw. Daten fallen auf: Herbst 2008, Februar 2009, 500.000 oder mehr Menschen. Der Aspekt mit dem "entsprechend großen Polizeieinsatz" könnte sich auf mögliche Kosten für das Land beziehen, meint vielleicht aber auch rechtliche Aspekte.
Wovon kein Mensch spricht: Im Grunde machte der Duisburger Polizeipräsident von seinem Remonstrationsrecht Gebrauch, zumindest zaghaft, da nicht in aller Deutlichkeit, doch die, die sich im Beamtenrecht auskennen werden's verstanden haben, denn Cebin hatte mit seiner angeordneten Pressemitteilung die Öffentlichkeit nicht gescheut. Und was auch nicht alle wissen, selbst im Dienst der Stadt Duisburg stehende Beamte, die bis zum Schluss Jura studiert haben, nicht: das Remonstrieren ist nicht nur einRechteines jeden Beamten, einer jeden Beamtin, es handelt sich sogar um seine/ihre verdammtePflichtals Beamter/Beamtin im Dienst! Zum Beispiel dann, wenn er oder sie "Bedenken" hat,z.B. aus Gründen der Sicherheit. Die hatte Rolf Cebin, und darüber war man sauer. Das kann doch nicht angehen, dass der uns unser schönes Leuchtturmprojekt zerstört. So oder so ähnlich werden sie getönt haben.
Remonstration meint nichts anderes als ein Veto einzulegen, einen Einspruch gegen ein Vorhaben, oder, noch schlimmer, gegen einen Beschluss. Das Remonstrieren ist quasi ein Notbremse ziehen, was auch dann noch Wirkung hat, wenn der Zug bereits fährt oder im Beginn ist sich in Bewegung zu setzen. Das ist, kurz gesagt der Grund dafür, warum sich die Kommunen, die Länder und der Bund Beamte leisten. Die gibt es, weil man annimmt, dass sie Experten auf ihrem Gebiet sind. Das glauben auch die Bürger und Bürgerinnen und wähnen sich gut aufgehoben. Und der ehemalige Duisburger Polizeipräsident war so jemand, der sich nicht scheute "njet" zu sagen, is' nich', nicht mit mir. Aber nur bedingt. Denn anstatt seine weiteren Rechte und Pflichten in Anspruch zu nehmen und ordentlich Rabbatz zu schlagen, auf dass man ihn hätte hören und vor allem verstehen können, nachdem man ihn im April 2010 aus dem Amt kickte, ließ er sich "ganz normal" in den Ruhestand verabschieden, nahm die Blümchen, sagte Danke und ging. Und wird sich hat denken können, dass die nun ihr Ding ohne ihn durchziehen würden. Wie das?
Geradezu ulkig, dies dazwischen geschoben, erscheint eine Forderung der Gewerkschaft der Polizei, veröffentlicht im Juli 2011 in der Onlinepresse: Die wollen allen Ernstes ein Vetorecht bei Großveranstaltungen - als wenn sie das nicht längst hätten! Bochum, in Gestalt ihres ehemaligen Polizeipräsidenten Wenners, hatte ihnen doch schon gezeigt, wie so etwas geht. Auch nur ein Trick, um davon abzulenken, dass die Sache mit der vorzeitigen Suspendierung Cebins, angeordnet vom damaligen Innenminister, dessen Vorgehen dann ja von dem jetzigen gedeckt werden musste, strafrechtlich vielleicht von Belang sein könnte, so tun also als wäre man eine arme rechtlose Polizei mit viel zu wenig Befugnis. Pfui.
Ingo Wolf also, ehemaliger Innenminister des Landes NRW, sorgte dafür, dass der Duisburger Polizeipräsident, nachdem er einen s.g. Brandbrief des CDU-Bezirksbürgermeisters im Stadtteil Bucholz, Thomas Mahlberg, ein Busenfreund des OBs, erhalten hatte(http://www.cdu-duisburg.de/index.jsp?index=presse&mid=20&content=ja&id=147),in dem nicht nur das Stadtimage schädigende Gebaren des Herrn Cebins angeprangert wurde, sondern ihm zudem eine antiisraelitische Überzeugung untergejubelt worden war, verabschiedet wurde. Und alle nahmen an, dass es für Cebin an der Zeit sei, man schriebe schließlich 2010. Doch kann das sein? Kann das sein, wo längst Cebins Nachfolgerin nebst Termin feststand, nämlich September 2010?
Boxt man eine Veranstaltung dieser Größenordnung, mit dieser Popularität, Publicity, Medienpräsenz, diesem Showaufgebot, bei freiem Eintritt ohne fachkundigen, erfahrenen Polizeipräsidenten, zuständig für die Sicherheit und zwar die echte, durch? Ist es normal, diesen durch einen höheren, wenn auch polizeilichen Verwaltungsangestellten (nein, kein Beamter!) zu ersetzen? Lässt sich so jemand durch so einen ersetzen? Ne! Gesagt, getan, Herr Detlef von Schmeling war an der Reihe. Von Tuten und Blasen keine Ahnung. Aber der machte das. Und das war der Grund dafür, warum der mit Wolfgang Rabe, Adolf Sauerland als Vertreter der Stadt, ihm als Vertreter der Polizei und Rainer Schaller als Vertreter der Veranstalterin am Abend des 25. Juli 2010 im Rathaus bedröppelt am Pressekonferenztisch gesessen hatten. Ja, wie, weshalb, warum, und wieso wir? So war das aber nicht abgesprochen, meine Herren.
Wir nähern uns den übergeordneten Hintergründen. Kommen wir zum Nachfolger des Ex-Innenministers Wolf (FDP), zum immer noch amtierenden, Jäger, Abgeordneter des Landtages, Minister des Inneren und des Kommunalen, somit nicht nur Chef der Landespolizei, sondern auch der Duisburger, aber auch Chef der Duisburger SPD, da stellvertretender Fraktionsvorsitzender, der ein Rieseninteresse daran hatte, dass sein Kumpel und Parteifreund Sören der neue Duisburger OB Link werden würde. Und das wurde der. Ehemaliger stellvertretender Polizeipräsident Detlef von Schmeling und amtierender Innenminister Ralf Jäger machten nicht nur am Tag der Veranstaltung gemeinsame Sache. Gemeinsame Sache war das auch für den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Jürgen Rüttgers (CDU), den Kulturstaatssekretär Jürgen Grosse-Brockhoff (CDU) und die amtierende Ministerpräsidentin des Landes Hannelore Kraft (SPD). Weshalb? Weil's einerseits über Parteiinteressen stand, die „Loveparade“ im Land NRW, im Ruhrgebiet, in der Stadt Duisburg zu haben, das andererseits im Interesse aller nennenswerten Parteien gewesen war, denn man hatte nicht nur den Bund und mit dem seine Regierung, sondern auch die EU, zu finden in Brüssel, im Rücken. Dies wiederum hat Gründe, die mit dem Begriff "Leuchtturmprojekt" in Verbindung stehen. Wohlgemerkt, wir befanden uns vor und im Kulturhauptstadtjahr Europas, und da geht es um alles Mögliche, nur nicht um Kultur, zumindest nicht um "Kultur" im landläufigen Sinne, also nicht um Kunst oder so etwas, allerhöchstens dann, wenn man Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor denkt! Und darum ging es auch in Duisburg, aber nicht nur, im gesamten Ruhrgebiet, was das Herz Europas sein soll, und auch das ist nur rein wirtschaftlich zu sehen und so und nicht anders gemeint, das erzählt man denen da nur, weil die sich da alles erzählen lassen.
Was also, wenn nun dieser Duisburger Dezernent auf der Anklagebank säße und nicht auf der der Zeugen, was wohl schon haarig genug werden wird? Nun, Thema würde zumindest werden die Verquickung von Rabe-Jäger-vonSchmeling vor und am Tag der Veranstaltung, die Verquickung von Cebin-Wolf-Jäger(-Rüttgers-Kraft)vor und nach der Veranstaltung, vor allem aber auch um das Niederschmettern des Remonstrations- versuches von Polizeipräsident Cebin, wenn dessen offizielle Presseerklärung rechtlich nicht gar bereits als solche gewertet werden könnte. Oder hatte es da gar mehr gegeben, von dem wir nichts wissen? Wie eng Jäger und von Schmeling zum Beispiel am 24. Juli 2010 zusammengearbeitet haben, beweist ein Foto- bzw. Filmdokument, aufgenommen vom WDR auf dem da längst stillstehenden Lopaventtruck vis-à-vis der "Rampe" mit Blick auf die Treppe, auf dem der Moderator Thomas Bug den McFit- und Lopaventboss Rainer Schaller interviewt hatte. Da ist es gegen halb fünf. Da schauen sich die beiden Polizeichefs die Lage vor Ort an, beziehungsweise das GSE, das Großschadensereignis. Interessanter Weise wurde dieses bei Youtube gepostete Video nach einiger Zeit gelöscht. Auf wessen Anweisung eigentlch hin, hm?
Wem es noch nicht deutlich genug geworden ist: Würde man Rabe "hängen", müsste Jäger "mitbaumeln". Die waren ein Gespann! Und von dieser Warte aus, muss man sämtliche anderen Organisationsverschuldenpraktiken sehen, insofern nicht von Planungs"fehlern", sondern von PlanungsVERSCHULDEN zu sprechen ist. Dass das nicht geschieht, hat wiederum Gründe, die nur übergeordnet zu erklären sind, denn es war ja nicht nur OB Sauerland, der die Veranstaltung "wünschte", etwa aus eigener Eitelkeit heraus, wie ihm wieder und wieder angedichtet wurde. Mein Gott, der Mann hat einen Schreibwarenladen, in einem unbedeutenden Duisburger Kaff, beziehungsweise seine Frau. Der ist klein, dick, und Samstags zieht der seine Lederjacke an, um seine BMW ein bisschen spazieren zu fahren. Okay, ja, der wird bestimmt eitel sein, aber kann man diese Typen in Duisburg mit deren Tradition, in dieser Ecke und diesem Fußballverein allen Ernsteseitelnennen? Da stehen doch Minderwertigkeitskomplexe doch wohl vielmehr an erster Stelle.
Diese Veranstaltung, die größte und wichtigste im gesamten Kulturhauptstadtjahr in diesem verkackten Ruhrpott, da sie die Jugend und mit ihr die Zukunft anspricht, wollten in aller erster Linie die Europamacher, die EU-Gurus und klar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch wenn die vielleicht nur das will, was man von ihr will. Und die "Europamacher", werte und gnädige Damen und Herren, richten sich an Investoren, zu sehen selbst an den Geschehnissen dieser unheilvollen Stadt auf diesem unheilvollen Gelände, der "Duisburger Freiheit", auf dem der Herr Krieger aus Berlin sein neues Möbel Höffner für Hape Kerkeling bauen will.
Organisationsverschulden. Das meint, dass ein Verschulden vorliegt, das nicht nur eine Stelle, eine oder wenige Personen zu verantworten haben, sondern viele, in Absprache, in gegenseitigem Einvernehmen, wenn nötig im stillschweigendem. So muss man vor allem die Rolle der Polizei sehen, die, als sich das GSE bereits anzubahnen drohte, größtenteils nichts unternahm und ja, in der Tat, sogar - und das nicht wenige von ihr - diesem zuschauten, unter Umständen also Menschen in Not oder sogar sterben sahen. Wie ist das zu erklären? Der Grund ist im Ort selber zu suchen, anders gesagt in dessen Bedingung und (Un-)Bedeutung, so grotesk bzw. zynisch das klingen mag. Der Ort, an dem sich das tödliche GSE ereignete, wird bedauerlicherweise "Rampe" genannt. Dies ausgerechnet in Deutschland! Ein deutsches Wort! Bei der Vergangenheit! Bis heute ist nicht geklärt, wer dieses abscheuliche, schmerzende Wort für den Part des Loveparadegüterbahnhofsgeländes in die Welt gesetzt hatte. Vermutungen helfen da nicht weiter.
Wir wissen heute, dass dieser Bereich gar nicht oder nicht ausreichend überprüft und abgenommen worden war, zum Beispiel am Nachmittag/Abend des 23. oder am Morgen des 24.7.2010. Wir wissen, dass es dort Zäune gegeben hatte, die mit Haken in die Betonwände links und rechts angebracht worden waren. Wir wissen, dass dort am Rande mehrere Polizeiwagen standen. Wir wissen, dass die Treppe, die später von sehr vielen Menschen als einziger möglicher Zugang zum Veranstaltungsgelände betrachtet wurde, nur notdürftig mit Bauzäunen "gesichert" worden war. Wir wissen, dass nicht nur aus diesen Gründen der Zugang viel zu schmal war. Wir wissen, dass er nicht nur, wie offiziell angegeben, als Zugang, sondern auch als Abgang genutzt wurde. Wir wissen, dass die Kamerabilder dieses Planungsfeldes weitgehend fehlen. Wir kennen die Gründe nicht, jedoch ist anzunehmen, dass ein paar diese kennen. Wir wissen weiter, dass der Duisburger Entfluchtungsexperte Dr. Hubert Klüpfel, der vom wiederum von der Stadt bzw. von Rabe beauftragten Stauforscher Prof. Michael Schreckenberg, Lopavent bzw. der Stadt empfohlen wurde, mit äußert falschen Zahlen operierte, sowohl in Anbetracht der Wegbreite als auch in Anbetracht der Menschenmenge, genannt der "zu erwartenden Besuchermenge". Besucher, die in Wahrheit Gefangene waren.
Wir wissen nicht, ob ein vom Bund finanziertes Forschungsprojekt, was zur Verbesserung von Großveranstaltungen in Deutschland dienlich sein sollte, zum Einsatz gekommen war, wofür man sich die Bewegungsströme auf eben diesem Teil des Veranstaltungs- geländes hätte vergegenwärtigen müssen, vergegenwärtigen durch sehr zoomfähige Aufnahmen, die sehr dafür geeignet sind, das Verhalten von Besuchern, gerade von schwer einschätzbaren Besuchern, wie Jugendliche das angeblich sind, noch dazu alkoholisiert, unterzuckert, dehydriert, euphorisiert, quasi völlig außer sich und vor allem „geil“, man ist jung, man will Party machen, tanzen, lieben (!), mit zu wenig Kalorienzufuhr und u.U. unter Drogen stehend. Es sind ältere Forscher, die anscheinend nie jemals wirklich jung und wild waren, die die Jugend erforscht.
Wir wissen nicht, was der wirkliche Grund dafür war, warum ein Sanitätsfahrzeug, ein Bully, in die Menschenmenge durch den Tunnel - auf "die Rampe" - fuhr, wer dies veranlasst hatte und wofür, zu einem Zeitpunkt als schon nichts mehr ging, und wo ein Sanitätseinsatz auch hätte vom „Festgelände“ aus erfolgen können. Wir wissen nicht, wer die Absperrungen angeordnet bzw. empfohlen hatte, es müssen wichtige Planungsdetails gewesen sein, man nennt sieSchikanen, die sind wichtig um Menschenmengen zu entzerren, aber auch und vor allem, um die Menge zu kanalisieren und aufzuhalten. Da Zaun, da geht nix, äj.
Wir wissen vor allem eine entscheidende Detailfrage nicht, von der anzunehmen ist, dass es in der Verhandlung, wenn überhaupt, nur am Rande thematisiert werden wird: Wer ist für den in seinen Schacht schräg gekippten Gullideckel verantwortlich, was dazu führte, dass dessen Schacht lebensgefährlich offen stand?
Wir wissen, dass dieser offizielle Teil des Veranstaltungsgeländes zu einem inoffiziellen erklärt und ausgeklammert wurde, da er aus mehreren Gesichtspunkten, die Sicherheit der Besucher betreffend, nicht genehmigungsfähig war, und dann war das wohl auch egal, ob da ELAs (Elektrische Lautsprecheranlagen) oder Hinweisschilder hingen, die darüber Auskunft hätten geben können, wo denn nun das verdammte Loveparadegelände ist. Nein, dann war es auch nicht so wichtig, diese verdammte Treppe wegzusprengen, ist ja eh viel zu teuer und wir, die Stadt ist so was von pleite, nehmen wir doch einfach Bauzäune, das verstehen selbst die Affen im Zoo, und vielleicht war es ja auch nur ein anderes Planungsdetail gewesen, dass man sich überlegt hatte, die Leute immer und immer wieder im Kreis laufen zu lassen, also rein in den ersten Tunnel, raus da und wieder rein in den zweiten und alles von vorne, was wiederum mit der Größe bzw. der Kleine des "Veranstaltungsgeländes" zu tun gehabt hat, mit dem Vertrag zwischen der Stadt Duisburg und der Lopavent GmbH und mit dem, den die Veranstalterin mit dem Veranstaltungsversicherer, der Kölner AXA, abgeschlossen hatte, denn da war es klar beziffert: 250.000 insgesamt, 125.000 auf dem Gelände. Dies und anderes muss ausgeführt werden.
Attacke
Uns ist inzwischen bekannt, dass gegen jene Duisburger Amtsleute ermittelt wird, die am Tag der Veranstaltung das Weite gesucht hatten. Dies war die, pst, inoffizielle Empfehlung, um im Falle des Falles strafrechtlich nicht belangt werden zu können. Es war ein schöner Tag, es war ein warmer, sonniger Tag, nicht zu schwül, nicht zu windig, beständig in der Temperatur, vor allem gewitterfrei. Ein plötzliches Gewitter - das galt als offizieller worst case. Dann wären die Massen in die Tunnel geströmt, jene, die sich schon auf dem umzäunten Veranstaltungsgelände befunden hätten, um nicht nass, oder, schlimmer, um nicht von einem Blitz getroffen zu werden, da war ja nichts mehr außer der weit entlegenen, einsturzgefährdeten Halle, in der das komplette Equipment nebst Lichtanlagen etc. einsatzbereit gelagert waren und mit den geilsten DJs der Welt auf ihren Big Gig warteten: Hauptsache das und die waren sicher. Nein, man brauchte, man sollte nicht kommen, man wurde quasi freigestellt, man war ganz einfach nicht zuständig. Weisung von oben. Von ganz oben, in dem Falle, dem Innenministerium, der Chefetage der Staatsanwaltschaft?
Uns nicht bekannt ist, ob und wann der andere Teil des Veranstaltungsgeländes bau- oder ordnungsamtlich abgenommen worden war, auf seine Sicherheit hin überprüft. Höchstens anzunehmen ist, dass dies nicht geschah, zumindest nicht am Morgen des 24.07.2010. Warum nicht? Es ist höchst wahrscheinlich, dass ein offen stehender Gullyschacht nicht dazu geführt hätte, dass ein Zugang zum Gelände genehmigt worden wäre, sprich der Beginn und die Durchführung der Veranstaltung, da hochgradige Lebensgefahr für die Besucher bestanden hätte, heißt, die Sicherheit von Leib und Leben hätte nicht gewährleistet werden können! Was geschah statt dessen? Es ist verifiziert, dass ein schon älterer Polizeibeamter, genannt Schupo (Schutzpolizist), ausgestattet mit einem Walkie-Talkie(belegt auf http://loveparade2010doku.wordpress.com/)gegen circa halb zehn Uhr morgens diesen Sachverhalt feststellt und in Verbindung mit einem leitenden Sicherheitsbeauftragten derjenigen Securityfirma getreten war, die für diesen Bereich der "Rampe" verantwortlich gewesen war. Gleichzeitig ist belegt, dass diese beiden es gewesen waren, die einen Bauzaun darüber gelegt hatten, einen engmaschigen Bauzaun. Dies war die Stelle, wo Stunden später mehrfach gestürzt, gefallen, gesprungen (?) und mehrheitlich gestorben wurde. Hier schichteten sich die Menschen, ohne in der Lage zu sein, sich aus dem Gewimmel zu lösen, daher später in der analytischen Aufbereitung „Menschenknäuel" genannt.
Aber als hätten diese, abgesehen von der noch amtierenden Amtsleiterin der Unteren Baubehörde Anja G. und ihrem ehemaligen Chef, dem nicht mehr amtierenden Baudezernenten Jürgen D., dies alles - und dann noch alleine - zu verschulden! Die Presse und auch einige der Opfer-, Betroffenen,- und Hinterbliebenenanwälte die anscheinend ein Komplott mit den eigentlichen Tätern eingegangen bzw. deren übergeordneten Stellen eingegangen sind, labern inzwischen von moralischer und politischer Schuld, lenken davon ab, dass es in Sachen Sauerland, Rabe, den mindestens drei Experten - alias „Gutachtern“ - nicht um die hier einzige relevante Art der Schuld geht, derstrafrechtlichen. Da sind dann höchstens noch Fragen von Interesse, wie der nach der Mitverantwortung des Bundes und auch das vermutlich nur deshalb, um weitere bzw. andere Töpfe anzapfen zu können. Vielleicht auch um mehr fordern zu können, schlussendlich auch für sich, aber vielleicht auch, um die "Schuld" so lange zu verteilen und aufzufächern bis nichts mehr davon übrig bleibt.