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Weihnachten mit den Wunderfrauen – das perfekte Geschenk für alle Fans der Bestseller-Serie »Die Wunderfrauen« Oberbayern 1991: Die Ruhe und Besinnlichkeit der Adventszeit genießen? Für Luise Dahlmann ist das nur ein Traum, denn ihre Pension und der Reiterhof halten sie auf Trab – schließlich möchte sie ihren Gästen jeden Wunsch erfüllen. Außerdem hat sie mit ihrer Tochter gestritten, was ihr besonders zu schaffen macht. Weihnachten ohne Kinder und Enkel! Stattdessen hofft sie auf ihre Freundinnen Annabel, Helga und Marie. Mit ihnen wichteln und in Erinnerungen schwelgen, vielleicht eine Rock'n'Roll-Platte auflegen und um den Christbaum tanzen – doch auch bei aller Leichtigkeit wird klar: Die Herausforderungen des Lebens können sie nur gemeinsam meistern. Die Wunderfrauen-Bestseller-Serie im Überblick: »Alles, was das Herz begehrt« »Von allem nur das Beste« »Freiheit im Angebot« »Wünsche werden wahr« Entdecken Sie die neue Romanserie von Stephanie Schuster: »Glückstöchter« - Eine Reise durch sechs Jahrzehnte: Anna und Eva, verbunden durch ihr tiefes Verständnis zur Natur, aber getrennt durch ein schicksalhaftes Geheimnis. Band 1 »Glückstöchter. Einfach leben« Band 2 »Glückstöchter. Einfach lieben«
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Seitenzahl: 368
Veröffentlichungsjahr: 2022
Stephanie Schuster
Wünsche werden wahr (Wunderfrauen Winterbuch)
Historischer Roman
Ein Wiedersehen mit den Wunderfrauen – sie sind Mütter, Großmütter und vor allem und für immer Freundinnen
Leutstetten 1991: Die Ruhe und Besinnlichkeit der Adventszeit genießen? Für Luise Dahlmann alles andere als ein Traum: Ihre Pension und der Reiterhof halten sie auf Trab, schließlich möchte sie ihren Gästen jeden Wunsch erfüllen, außerdem hat sie mit ihrer Tochter gestritten, was ihr besonders zu schaffen macht. Weihnachten ohne Kinder und Enkel! Stattdessen hofft sie auf ihre Freundinnen Annabel, Helga und Marie. Mit ihnen wichteln und in Erinnerungen schwelgen, vielleicht eine Rock’n Roll-Platte auflegen und um den Christbaum tanzen – doch auch bei aller Leichtigkeit wird klar: Die Herausforderungen des Lebens können sie nur gemeinsam meistern.
Die Wunderfrauen-Serie im Überblick:
»Alles, was das Herz begehrt«
»Von allem nur das Beste«
»Freiheit im Angebot«
»Wünsche werden wahr«
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Stephanie Schuster, Jg. 1967, lebt mit ihrer Familie und einer kleinen Schafherde auf einem gemütlichen Hof in der Nähe von Starnberg, in Oberbayern. Hier spielt auch die Serie »Die Wunderfrauen«. Auch wenn die Figuren frei erfunden sind, könnten die Geschichten so oder so ähnlich passiert sein. Bestseller-Autorin Stephanie Schuster verwebt in ihren Romanen vier bewegende Frauenschicksale zu einem Panorama der 1950er, 1960er und 1970er Jahre.
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Erschienen bei FISCHER E-Books
Dieser Roman wurde gefördert im Rahmen des Stipendienprogramms der VG WORT in NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Covergestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Coverabbildung: Getty Images und Shutterstock
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-491593-7
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Der Schlüssel zur Phantasie ist wie die Tür zu einem alten Tante-Emma-Laden, in dem es alles gibt, was man sich nur vorstellen kann.
Wie immer für meinen allerliebsten Wundermann Thomas,
der mich durch alle Romane wie auch durchs Leben trägt.
Für meine wunderbare Familie: Theresa, Veronika, Jonas, David, Basti, Winona, Ida und Lia.
In Erinnerung an meinen Vater Josef Wagner (*1937–†2022), der mich als Künstlerin geprägt hat und mir die Liebe zur Literatur nahebrachte.
In besonderem Gedenken an Else und Hermann, die einst einen Gemischtwarenladen in Münster hatten, und für Carla, ihre Enkelin, die mir den Anstoß zu den Wunderfrauen gegeben hat.
Nicht zuletzt für alle, die noch zum Staunen bereit sind.
LUISE DAHLMANN, geb. Brandstetter (*1927), geschieden von Hans (*1920)
Kinder: Josephine (*1954) und die Zwillinge Christian und Elias (*1964)
MARIE BRANDSTETTER, geb. Wagner (*1928), verwitwet, ihr verstorbener Mann war Martin (*1925), Luises Bruder
Kinder: Alma (*1956), Konrad (*1957), Linda (*1959), Xaver (*1962)
ANNABEL VON THALER, geb. Tobek (*1920), verheiratet mit Konstantin (*1909)
Kinder: Friedrich (*1948), Marlene (*1961)
HELGA KNAUP (*1932) ledig, aber liiert mit Otto (*1929) Kind: David (*1954, Vater: Jack)
JOSEPHINE DAHLMANN-KNAUP (*1954) verheiratet mit David (*1954)
Kinder: Valentin (*1981), Lisa (*1984)
Starnberg1991
Sobald die ersten Flocken fielen, blieben alle, ob jung oder alt, stehen und staunten, als würden sie Zeugen eines Wunders. Die Hektik des Alltags verebbte, und die lauten Geräusche lösten sich in ein Rauschen auf. Wie Sprechblasen in den Comics, die er als Kind verschlungen hatte, hing den Leuten der Atem in der Luft. Nach und nach bedeckte der Schnee die grelle Welt, hüllte sie in ein weißes Tuch ein, als wäre die Bitte um Entspannung erhört worden. Er liebte den Winter, wenn die Leute sich in ihre Behausungen zurückzogen und nur noch das Notwendigste im Freien verrichteten. Das war seine Zeit. Seit er denken konnte, war er dann immer nach Einbruch der Dämmerung draußen herumgelaufen und hatte sich die Familiendramen im Schutz der Dunkelheit betrachtet. Er unsichtbar im Zuschauerraum, und sie hinter ihren beleuchteten Fenstern wie auf einer Bühne. Später hatte er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, oder besser, war er seiner Berufung gefolgt. Die offizielle Bezeichnung, die man für solche wie ihn verwendete, war viel zu allgemein gehalten und unterstellte niedere Beweggründe für seine Art von Tätigkeit. Als ob es ihm einzig um Profit ging. Das, was er machte, folgte einem höheren Anspruch, war so etwas wie Kunst, zu der Talent gehörte. Eine logistische Meisterleistung, die viel Kreativität verlangte. Bisher hatte niemand seine Raffinesse durchschaut, er trickste sie alle aus. Das Wichtigste war die Vorbereitung, die musste sorgfältig bis ins kleinste Detail erfolgen. Danach konnte er alle weiteren Schritte routiniert abspulen. Freilich kam es vor, dass unvorhergesehene Ereignisse seinen Plan durchkreuzten, dann galt es Ruhe zu bewahren.
Eigentlich hatte er seinen Wagen bei der Kirche, nahe der Hauptstraße abstellen wollen, um möglichst schnell wieder fortzukommen. Doch als er dort keine freie Lücke fand, entschied er, am Bahnhofsrondell zu parken. Er stieg aus und ging die Wittelsbacherstraße entlang, wo ihm Scharen von Menschen entgegenkamen. Darunter viele Kinder, brav an den Händen der Erwachsenen, und alle im Sonntagsstaat, die meisten dunkel gekleidet wie er. Er blickte in glänzende Augen und auf rote Wangen unter Wollmützen, nickte den Leuten zu, als gehörte er zu ihnen. Vor ein paar Jahren hätte er noch bei jeder Dame seinen Hut gelupft, kurz zuckte es in seinem Arm, der alte Impuls war noch vorhanden, auch wenn diese Geste längst aus der Mode gekommen war. Die Zeit der Kavaliere war vorbei. Türen aufhalten, den Stuhl für die Dame herausziehen, bevor man sich selbst setzte und ihr später in den Mantel hineinhelfen war »out«, wie die Jungen sagten. Dabei sehnte sich jede Frau danach, umgarnt zu werden. Das Läuten der Kirchenglocken setzte ein. Er war so auf sein Ziel konzentriert gewesen, dass er für einen Moment vergessen hatte, welcher Tag heute war. Die Feiertage waren doch von höchster Bedeutung für seinen Plan. Er lächelte in sich hinein. Die Kindermette. Als er klein gewesen war, hatte er Kinderwette verstanden und gedacht, dort gäbe es etwas zu gewinnen. Eine Art Wetten, dass ..?, um ihm die Zeit bis zur Bescherung zu verkürzen. Er drängelte sich an den letzten Familien vorbei und lief den schneebedeckten Gehsteig weiter, bis zur Ludwigstraße vor. Im Laden an der Ecke brannte Licht. Um diese Zeit, noch dazu an Heiligabend, hatten die meisten Geschäfte längst geschlossen. Anscheinend erhoffte man sich, bis zur letzten Minute Umsatz zu machen. Er lugte durch das Schaufenster, das mit Kunstschnee besprüht und mit Lichtergirlanden verziert war. Tatsächlich. Die Verkäuferin, eine ältere Frau, die eine Schleife im Haar trug, als wäre auch sie ein Geschenk, bediente mit einer Seelenruhe noch Kunden.
Solche kleinen Läden hatte er früher geliebt, hatte es nicht erwarten können, groß genug zu sein, um allein einkaufen zu dürfen. Mit dem Wanderrucksack auf dem Rücken, dem Einkaufszettel in der Hosentasche und der Milchkanne in der Hand hatte ihn seine Mutter losgeschickt, nicht ohne ihn zu ermahnen. Falls er der direkten Nachbarin begegnete, durfte er sie nicht mehr grüßen. Seine Mutter war wieder einmal mit ihr zerstritten. Die Nachbarin ein Haus weiter musste er hingegen unbedingt grüßen und zwar mit Namen, sonst wäre sie beleidigt und würde überall herumerzählen, dass er keine Manieren hätte. Die kurze Strecke, den Berg hinunter, an einer Handvoll Gartenzäunen vorbei war wie ein Hindernislauf. Lieber wäre er auf dem Weg bloß seinen eigenen Gedanken nachgehangen, oder er hätte in dem Ameisenhaufen gestochert, den er am Hang entdeckt hatte. Noch verlockender war die Mauer beim Hotel, um darauf zu balancieren. Aber das wagte er nicht. Was, wenn die Emaillekanne herunterfiel und eine Delle bekam? Endlich beim Schnatterer angelangt, drückte er die Ladentür mit der gesamten Kraft seines kleinen Körpers auf. Die Glocke, die unter der Decke hing, bimmelte zur Begrüßung, und er betrat das Wunderland. Sofort strömten tausend Gerüche auf ihn ein, als gäbe es hier von der ganzen Welt ein Stück. In den Regalen standen Beutel voller Mehl, Gries und Linsen, neben Kartons mit Waschpulver und Hundefutter, auf der Theke Flaschen mit Essig und Öl, darüber hingen an Haken Speck, Lakritze und Dauerbrezen. Während er wartete, dass er an die Reihe kam, stieg der feine Duft von Kakao, Kräutern und Tee in seine Nase. Beseelt reichte er Frau Schnatterer, deren Gesicht wie eine Landkarte voller Flüsse wirkte, die Kanne und den Zettel mit der Liste. Während sie die frische Vollmilch, die morgens noch in einer Kuh gewesen war, aus einer großen Pumpe hineinfüllte und die Waren zusammenstellte, durfte er sich für ein Fuchzgerl Süßigkeiten aussuchen. Mit einer kleinen Zange aus den Behältern, die extra auf Kinderhöhe bereitstanden. Fünf Pfennig das Stück, ein Lutscher zehn. Das ergab bei sorgfältiger Abwägung einen Schatz und reichte sogar noch, um seine Spielkameraden zu bestechen. Frau Schnatterer klemmte ein Pergamentpapier unter den Kannendeckel, damit die Milch, wenn er sie auf dem Heimweg schlenkerte, nicht herausschwappte. Zuletzt half sie ihm mit dem schweren Rucksack und reichte ihm die Spitztüte aus Buntpapier mit seinen Guttis über die Theke. Die schob er in die Hosentasche, um sich auf dem Rückweg schon belohnen zu können.
Dicke Schneeflocken umwehten ihn und rissen ihn aus seinen Kindheitserinnerungen. Er blickte an der Hausfassade hinauf. I-Tüpferl – Geschenke für Groß und Klein stand dort. Der dunkle Streifen im Anstrich verriet, dass hier früher ein größeres und längeres Schild befestigt gewesen sein musste. Ein Paar mit mehreren Einkaufstüten trat, begleitet von der Verkäuferin, die frohe Feiertage wünschte, aus dem Laden und überquerte die Straße. Hastig zog er die Mütze tiefer über den Ohren und schlug den Kragen seines Mantels hoch. Niemand sollte sich später an ihn erinnern. So wie er sich verhielt und aussah, war er einer von vielen, ein Teil der Masse, den niemand im Gedächtnis behalten würde. Rasch wich er der Verkäuferin aus, die jetzt eine Tafel anhob und zusammenklappte. Zum Fest: Gameboy & Co, Markenartikel reduziert war mit Neonfarbe darauf geschrieben. Doch als er einen Schritt zurückmachte, trat er mit einem Fuß in den Rinnstein und stolperte. Er schwankte, drohte zu fallen.
»Hoppla, junger Mann. Nicht ausrutschen.« Beherzt packte ihn die Schleifenoma am Ärmel. »Der Winter kam diesmal so überraschend, ich bin noch gar nicht zum Streuen gekommen.«
»Nichts passiert, nichts passiert.« Er wand sich aus ihrem Griff und stützte sich an ihrer Tafel ab, um sich hochzurappeln.
»Wer hätte das gedacht? Weiße Weihnachten! Wann hatten wir das zuletzt?« Sie strahlte ihn an, wirkte auf einmal viel jünger. Als er nichts erwiderte, musterte sie ihn eindringlich und fragte besorgt: »Alles in Ordnung? Haben Sie sich den Fuß verknackst?«
Er schüttelte den Kopf.
»Sie sind nicht von hier, oder? Vielleicht kann ich helfen. Zu wem möchten Sie denn?«
Genau das hatte er vermeiden wollen. Ohne ein weiteres Wort stapfte er los, um die Kurve, möglichst schnell aus ihrem Blickfeld, darauf bedacht, nicht wieder auszurutschen. Diese Frau würde ihn beschreiben können, so viel stand fest. Sollte er mit seinem Grundsatz brechen, zurückgehen und ihr einen Denkzettel verpassen? Eine Villa kam in sein Blickfeld. Sie stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, umgeben von einem Garten. Es musste die der Kleefelds sein. Sie hatte eine Veranda und Korbbogenfenster unter einem geschwungenen Dach mit Erkern – diesen Baustil sah man oft in der Starnberger Gegend. Hastig ging er weiter, wandte sich dabei vorsichtig um. Die Verkäuferin war nicht mehr zu sehen, und die Stadt wirkte endlich wie ausgestorben. Er atmete auf, straffte seine Lederhandschuhe zwischen den Fingern. Offensichtlich waren die meisten Leute in der Kirche oder hatten sich für die Festvorbereitungen in ihren Wohnungen zurückgezogen, wo sie Last Christmas hörten. Das war seine Gelegenheit. Er kehrte um und spürte wie das Blut in ihm pulsierte. Hoffentlich lohnte sich der Aufwand, und die Frau Doktor hatte nicht zu viel versprochen, geschwätzig wie sie war. Das Risiko blieb, machte aber auch den Reiz aus. Wie erwartet, war es ein Leichtes, in die Villa zu gelangen. Das einfachste Werkzeug genügte, um in weniger als einer Minute drinnen zu sein. Zur Straße hin verbarrikadierte man sich mit hochwertigen Schlössern, damit der Prunk und seine Bewohner geschützt waren, und hinten, wo es keiner sah, sparte man, wie so oft. In seiner Laufbahn hatte er bereits sämtliche Varianten erlebt. Vergitterte Fenster, aber die Terrassentür unverschlossen. Oder der Klassiker, alles dreifach gesichert, doch der Ersatzschlüssel griffbereit unter dem Gartenzwerg. Freilich war selbst die stärkste Verriegelung kein Hindernis für ihn, eher eine Herausforderung, schließlich hatte er von Jugend an mit jedem Schloss trainiert. Zudem informierte er sich ständig über die aktuellen Entwicklungen in der Sicherheitstechnik. Hauptsache, die Bewohner waren ausgeflogen. Gewalt gegen Menschen und Tiere lehnte er ab, und auch das Inventar versuchte er, wenn möglich, nicht oder nur geringfügig zu beschädigen. Er war doch kein Unmensch. Manchmal ließ es sich jedoch nicht vermeiden. Die Wertsachen horteten die meisten in abgeschlossenen Schränken, Schubladen oder Tresoren. Nur einmal hatte er es erlebt, dass eine Familie vor ihrer Abreise in weiser Voraussicht die Sparbücher, den Schmuck und sämtliches Bargeld auf dem Tisch ausgebreitet hatte, und so der Einbruch in ein paar Sekunden erledigt gewesen war. Er hatte sogar noch Zeit gehabt, die Katze zu füttern. Er stieg die Treppe nach oben. Die Stufen knarrten, als ächzte das Haus. Im Schein der Taschenlampe erkannte er, dass die Möbel mit Tüchern verhängt waren. Wie praktisch – so hatte er genügend Verpackungsmaterial griffbereit. Die Räume waren eisig kalt, und sein Atem stand in der Luft. Geheizt worden war wohl schon länger nicht mehr. Er wandte sich den Gemälden zu und konnte sich kaum sattsehen. Echte Barbara-Kleefelds, was für ein Schatz! Schon alleine eins von diesen Bildern war laut seiner Recherche ein Vermögen wert, aber hier befand sich offenbar eine ganze Sammlung. Wenn er wollte, könnte er sich nach diesem Coup zur Ruhe setzen und bloß noch seine Schüler anleiten. Vielleicht sollte er als Berater einsteigen? Ja, das würde ihm gefallen. Oder … Er hatte eine bessere Idee. Die kecke Frau Doktor, als seine Muse, hatte ihn angespornt. Er berührte die Rabenbraut, wartete, ob er damit einen Alarm auslöste. Ein frühes Selbstporträt der Künstlerin hatte es in der Presse geheißen, das bestimmt eine Million Euro wert war. Als er wieder nach unten gehen wollte, um sich ein Leintuch zu holen, blickte er aus dem Fenster. Schnell knipste er die Lampe aus. Am Gartenzaun stand sie. Ausgerechnet. Er hatte doch alles getan, um sie abzuschütteln. Vom Schnee umwirbelt wie eine Krähe, harrte sie ungerührt aus und starrte zur Villa herüber. Das konnte kein Zufall sein. Endlich, nach einer Ewigkeit, bewegte sie sich. Aber was machte sie? Sie ging geradewegs auf die Haustür zu. Was sollte er tun? Sie zu überwältigen, würde nicht schwer sein. Vorausgesetzt, sie leistete keinen Widerstand. Und wenn doch, musste er ausnahmsweise mit seinem Grundsatz brechen. An dem, was dann passieren würde, wäre sie selbst schuld. Warum war sie ihm auch gefolgt?
Im Vorhäuschen kramte David den Schlüssel aus seiner Jackentasche und schloss die Haustür ab. Über seiner Schulter hing Lisa, halb schlafend, noch im Nachthemd und in eine Decke gewickelt. Valentin, bereits hellwach, rannte im Dunkeln voraus und kletterte ins Auto. »Hast du das Geschenk für meinen Vater?«
»Ja, hab ich.« Jedenfalls glaubte es Josie. Der Jahreskalender mit den Fotos und den selbstgemalten Bildern von Jacks Enkeln, den sie in den letzten Tagen zusammen mit den Kindern gebastelt hatte, lag ganz oben im Koffer. Sicher war sie sich aber nicht. Sollte sie noch mal nachsehen? Nein, ganz bestimmt war er da, in gepunktetes Geschenkpapier gewickelt. Sie hatte noch darauf geachtet, dass die Schleife nicht zerdrückt wurde, als sie die Waschbeutel dazulegte. Fast unmöglich, so voll wie der Koffer war. Sie spürte einen sanften Tritt von innen, strich sich über den Bauch – das jüngste Knaup-Kind war ebenfalls wach. »Hast du geschaut, ob der Ofen aus ist?«, fragte sie ihren Mann, bevor sie die drei Stufen nach unten nehmen wollte.
»Nein, bei uns ist der Ofen nicht aus. Niemals.« Im Schein der Außenlampe riss David die Augen auf und grinste sie an.
Sie lächelte. »Schauen wir aber lieber nach. Setz du Lisa ins Auto – ich mach das.« Über ihre Tochter hinweg küsste sie ihren Liebsten, nahm ihm den Schlüssel ab und ging ins Haus zurück. Sie musste sowieso noch mal aufs Klo, sicherheitshalber. Zum ersten Mal nach der Wende fuhren sie nach Berlin, aufregend, so ganz ohne Grenzkontrollen. Josie war gespannt, was sich in der Stadt verändert hatte. Laut Jack, mit dem sie ab und zu telefonierten, war die Teilung auch ohne Mauer noch spürbar. Sie würden bis Anfang Januar bei ihm und seiner neuen Familie bleiben, sofern es das dritte Kind, dass weiter kräftig in Josies Bauch strampelte, erlaubte. In Berlin entbinden wollte sie nicht, schon gar nicht in einem Krankenhaus. Aber der errechnete Geburtstermin war erst am fünfzehnten Januar, und so wie sie die Knaup-Dahlmann-Kinder kannte, würde es sowieso später auf die Welt kommen. Sie und David stellten sich für Anfang Februar auf die Geburt ein. Auf Valentin hatten sie zwei Wochen länger gewartet, auf Lisa sogar drei. In ihrem Bauch musste es sehr gemütlich sein. Dabei hatte Josie die ersten Jahre ihrer Ehe geglaubt, unfruchtbar zu sein. Nach dem Absetzen der Pille hatte sie von Monat zu Monat und bald von Jahr zu Jahr gehofft, war aber einfach nicht schwanger geworden. Sie war bereits sechsundzwanzig gewesen und hatte die Hoffnung auf eine große Familie schon aufgegeben, als das Wunder geschehen war. David und sie waren seit ihrer Kindheit befreundet und seit ihrer Jugend ein Paar. Und so hatten alle geglaubt, als die beiden mit Anfang zwanzig heirateten, dass sie schwanger wäre, und hatten ihnen prophezeit, dass es bei ihnen bald nur so von Kindern wimmeln würde. Doch so war es nicht gekommen. Sohn und Tochter hatten sich Zeit gelassen, und auch das dritte, von dem sie noch nicht wissen wollten, ob Junge oder Mädchen, würde noch einige Wochen auf sich warten lassen. Das hatte ihr auch die Hausgeburtshebamme versichert, die sie seit der ersten Geburt betreute. Josie konnte also beruhigt fahren, dennoch spürte sie Widerstand in sich. In der Küche war alles ausgeschaltet, der Herd, die Kaffeemaschine und auch der Wasserkocher. Erneut drückte sie gegen die Kühlschranktür, bei der die Dichtung defekt war, und entdeckte die Tasche mit der Brotzeit. Sie hing noch am Stuhl. Nicht auszudenken, wenn sie die vergessen hätten. Ein letztes Mal sah sie sich um, tastete ihre Jackentasche ab, ob das Skizzenbuch und das kleine Federmäppchen auch darin waren, und drückte auf den Lichtschalter. Im Finstern hielt sie inne. Ihre Beine fühlten sich auf einmal wie Blei an. Draußen hörte sie Lisa weinen, sie war also aufgewacht. Was gäbe Josie dafür, hierzubleiben, sich ins warme Bett zu kuscheln und Weihnachten zu verschlafen. Und Silvester auch – mit Hilfe von Ohrenstöpseln. Doch sie musste fahren, ihrer Mutter zum Trotz und ihrem Mann zuliebe. Sie hatte es David versprochen. Also nichts wie raus in die Kälte, um ins Auto zu steigen und auf der langen Strecke ihre Kinder zu umsorgen und den Fahrer bei Laune zu halten. David hatte bis Mitternacht durchgearbeitet, er war genauso müde wie sie, erlaubte ihr aber nicht, in ihrem Zustand zu fahren. Schon allein der Sicherheitsgurt war eine Zumutung für das Ungeborene, fand er. Eigentlich gehörte seine schwangere Frau, wie Lisa, in einen Kindersitz. Als Arzt, wenn auch Veterinär, nahm er es mit seiner Fürsorge übergenau. Josie dachte daran, wie sie früher im Auto mitgefahren war. Damals hatte es noch keine Anschnallpflicht gegeben. Einmal begleitete sie als Kind ihre Mutter zu einer Verkaufsmesse nach Innsbruck. Dafür hatte ihr Luise im Dahlmann-Bus extra ein Bett eingerichtet. Eine Kuschelecke auf einer Matratze mit Decke, Kissen und allem, so dass sie während der Fahrt schlafen und sich beschäftigen konnte. Auf den Serpentinen über die Alpen rutschte sie wie in einem Spielmobil von einer Ecke zur anderen. Die reinste Gaudi, und keiner dachte an die Gefahr. Zum Glück war das heute anders, auch wenn sich die Kinder sträubten, den Gurt anzulegen. Immerhin musste sich Valentin seit kurzem auf der Fahrt nicht mehr ständig übergeben, das hatte sich glücklicherweise gelegt. Lisa fing gleich an zu jammern, als Josie zum Auto kam. Sie fror, also kroch Josie auf den Rücksitz und zog ihr eine Strumpfhose an, die sie wohlweislich schon bereitgelegt hatte. »Wir fahren doch zum Opa Jack, um mit ihm und Oma Jenni und dem Baby Weihnachten zu feiern, weißt du nicht mehr?«, versuchte sie ihre Tochter zu beruhigen. Das schien die Siebenjährige tatsächlich vergessen zu haben. Sollte sie ihr noch eine Wärmflasche machen? Ihre Hände waren kalt. Josie wickelte die Decke fest um den Kindersitz. David war mit dem Kratzen der Scheiben beschäftigt, über Nacht hatte es gefroren. Hoffentlich würde es im Auto schnell warm werden. Kaum war David eingestiegen, hatte den Zündschlüssel gedreht und die Heizung eingeschaltet, ging auf der Rückbank das Gezanke los. Über das Gebläse hinweg stritten die Kinder, welche Kassette als erste angehört werden sollte. Benjamin Blümchen oder TKKG und der Millionendieb? Mit zehn liebte Valentin die Detektivreihe, verschlang sie auch in Buchform, mit der ihn Tante Bella regelmäßig versorgte. Für Josie waren beide Geschichtenreihen kaum mehr zu ertragen, sie kannte sie in- und auswendig, schließlich dröhnten sie pausenlos aus den Kinderzimmern.
»Erst mal gibt’s nur Nachrichten und den Verkehrsfunk, damit wir mögliche Staus umfahren können.« David hauchte sich in die Finger und drehte das Radio an. Musik erklang. Wenigstens waren die Kinder kurz leise und lauschten irgendeinem Schlager. Valentin reichte ihr schon mal den TKKG-Kassettenstapel nach vorne. Unzählige Male hatte Josie die verhedderten Kassettenbänder mit Hilfe eines Buntstiftes aufgewickelt, sogar die Bänder mit Tesafilm geklebt, wenn sie gerissen waren. Mittlerweile gab es auch viele Hörspiele auf CD, aber David und sie hatten beschlossen, diesen Trend zu überspringen. Nicht nur, weil man für das rausch- und tränenfreie Klangerlebnis ein Vielfaches mehr bezahlte – bestimmt kam schnell wieder etwas Neues auf den Markt. Ihre Brüder behaupteten sogar, man bräuchte in Zukunft gar keinen Tonträger mehr, um Musik abzuspielen. Nicht mal eine Diskette oder ein Chip oder wie die Dinger hießen, die immer winziger wurden und eine Unmenge an Daten speicherten. Obwohl Josie Phantasie besaß, konnte sie sich das kaum vorstellen. Fing man eines Tages Töne, Stimmen und andere Geräusche einfach aus der Luft ein? Christian und Elias, die immerzu an irgendwelchen Computerprogrammen herumtüftelten, prophezeiten, dass man in ein paar Jahren sämtliche Musik auf einem Medium hören könnte, nicht nur den einen gekauften Titel, sondern all seine Lieblingslieder, noch dazu beliebig oft. Bald würde man sogar auf einem Bildschirm zeichnen können, mit einer Computermaus die Illusion von Pinsel und Farbe täuschend echt imitieren. Ungläubig hatte Josie erst die Zwillinge angeschaut, die in ihrem Büro mit Werkstatt im Brandstetter Stadl saßen und dann auf den blinkenden Cursor auf den Bildschirm gestarrt, der kaum größer als ihr erster eigener Fernseher war. Wenn überhaupt, dann dauerte das bestimmt noch mal genauso lange, wie die Menschheit gebraucht hatte, um auf dem Mond zu landen. Außerdem brauchte sie diese Möglichkeit gar nicht. Etwas mit der Hand erschaffen, Schicht für Schicht, dazu der Geruch von Graphit und das Mischen und die Konsistenz der Farben, das war doch das Besondere an der Malerei. Allerdings musste bei einer Illustration jeder Strich sitzen und die Figuren in jeder Pose wiedererkennbar sein. Das verlangte ihr oft genug große Geduld und Gelassenheit ab, besonders wenn sie unter Zeitdruck stand. In solchen Momenten wünschte sie sich schon eine Methode, mit der man spurlos radieren oder das Verlaufen der Farben verhindern konnte. In den Augen ihrer Freunde, die nach dem Aufkommen der CDs sofort all ihre Platten entsorgt hatten, galten sie als rückständig. Ihre geliebten Musikschallplatten einfach in den Müll werfen? Nein. Da war sie mit ihrer Mutter ausnahmsweise einer Meinung. Luise trennte sich auch nicht von ihren heißgeliebten Simon & Garfunkel-, Bob Dylan- und Beatles-Scheiben. Als Josie an ihre Mutter dachte, stieg sofort der Ärger wieder in ihr auf. Ständig mischte sich Luise in ihr Leben ein, egal, wie oft sie ihr sagte, dass sie mit siebenunddreißig wirklich alt genug war, sich selbst um ihre Familie und vor allem um ihre Ehe zu kümmern. Gestern war sie einfach nur übermüdet gewesen, und schon hatte Luise ihren mütterlichen Seismographen ausgefahren, mit dem sie anscheinend die kleinste Erschütterung spürte, und sie gemaßregelt. Wie sie das hasste! Vor Wut lockerte Josie den Gurt über ihrem Bauch und rutschte auf dem Beifahrersitz hin und her.
»Alles in Ordnung bei dir?« David schaltete nach der ersten Ampel, nahm die Hand von der Kupplung und berührte ihren Arm.
Everything I do, I do it for you, sang Bryan Adams. Wie wahr, und doch konnte Josie genau das jetzt überhaupt nicht vertragen. »Ja, ja, alles perfekt.« Schnell beugte sie sich vor und wischte mit einem Taschentuch über die Frontscheibe, die immer noch von innen beschlagen war. Nebel hing über Aufkirchen, als sie auf der Seestraße nach Starnberg fuhren. Die Lampen spiegelte sich in den vereisten Pfützen.
»Freust du dich auf unsere Reise?«, fragte David.
»Natürlich.« Sie riss ein weiteres Taschentuch aus der Packung und wischte auch die Seitenscheibe frei.
»In Berlin soll es besonders tolle Buchhandlungen geben. Die Frau von Jack kennt auch ein Papiergeschäft, vielleicht haben die noch diese Sorte, die du suchst – kann doch sein.« Die Katastrophe, dass ihr mitten in der Arbeit am letzten Bilderbuch das Aquarellpapier ausgegangen war und sie erfahren hatte, dass es nicht mehr hergestellt wurde, hatte er nicht vergessen.
»Du musst mich nicht überzeugen, wir sind doch schon unterwegs. Pass lieber auf die Straße auf.« Sie nahm Davids Hand und legte sie zurück ans Lenkrad. Natürlich war ihr aufgefallen, dass er von Jenni weiterhin als Frau von Jack redete, so als ob sie keinen eigenen Namen hätte. Anscheinend setzte es ihm immer noch zu, dass sein Vater vor drei Jahren eine Andere geheiratet hatte. Vielleicht hatte David tatsächlich bis zuletzt gehofft, dass Jack und seine Mutter wieder zusammenkämen. An Jenni konnte es nicht liegen, sie war zwar kaum älter als Josie und David, herzlich nett und sehr um sie bemüht. Wie unter Gleichaltrigen unterhielten sie sich, wenn sie sich trafen oder telefonierten. Vor eineinhalb Jahren war ihr erstes Kind auf die Welt gekommen, Davids Halbschwester. Die kleine Yuna besaß amerikanisch-japanische Wurzeln, würde als Berliner Großstadtgöre aufwachsen und war auf den Fotos, die sie bereits gesehen hatten, ein richtiges Knuddelchen.
»Irgendwas ist doch, sag schon«, bohrte David nach.
Dasselbe könnte sie ihn fragen, auch er schleppte einiges mit sich herum, über das er mit ihr nicht sprechen konnte oder wollte. Möglicherweise hatte er sich seiner Mutter anvertraut. Um die enge Beziehung, die er mit Helga hatte, beneidete ihn Josie. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war oft ein Drahtseilakt und nun erneut eskaliert. Ob es, nachdem was sie sich gestern alles an den Kopf geworfen hatten, überhaupt noch zu kitten war, war die Frage. »Ich sitze im Auto, und wir fahren«, betonte Josie wie zur eigenen Bestärkung. Jetzt gab es kein Zurück und eigentlich einen Grund zum Aufatmen. Das tat sie. Weg von Luise und allen Sorgen, wenigstens über die Feiertage. Sie holte tief Luft. Nach vorne blicken, auf nach Berlin! Im Radio dudelte Reklame. Nussini, ein neuer Schokoriegel wurde angepriesen.
»Kann ich Schokolade haben?« Lisa zappelte auf dem Kindersitz.
»Ich auch«, rief Valentin. Ausnahmsweise waren sich die Geschwister einig. Warum brachte der Sender bereits in aller Früh Werbung für Süßigkeiten?
»Erst gibt’s was Gescheites, ein Brot. Ihr habt ja noch nicht mal gefrühstückt.« Über ihren Bauch hinweg wühlte Josie in der Tasche, die sie in den Fußraum zwischen ihre Beine gestellt hatte, und stieß auf die Plätzchendose ihrer Mutter. Erst hatte sie gezögert, die überhaupt mitzunehmen, auch wenn Luise extra ihre Lieblingssorten gebacken hatte. Wenigstens etwas Nettes von zu Hause hatte sie dann gedacht, und sie schnell eingesteckt. »Wer mag ein Plätzchen von der Oma?« Die Kinder jubelten, und David schaute sie an, kommentierte es aber nicht, dass sie sich wieder mal selbst widersprochen hatte. Von dem Streit mit Luise wusste er nichts. Es gab so vieles, das sie abends, wenn er von seinen Patientenbesuchen heimkehrte, für den nächsten Tag beschließen mussten, dass das ganz Persönliche oft auf der Strecke blieb. Meist half Josie ihm noch beim Schreiben der Rechnungen und bei der Buchführung, und wenn sie endlich zur Ruhe kamen, redeten sie vor Erschöpfung meist gar nichts mehr. Josie öffnete die Blechdose und reichte sie herum, auch David griff zu. Die Kinder stürzten sich auf die Plätzchen in Tierform, die sie mit der Oma verziert hatten. Sofort erfüllte ein köstlicher Duft das Auto. Vanillekipferl, die wirklich nach Vanille schmeckten, Husarenkrapfen mit Marmelade von den Erdbeeren aus dem Garten, Spitzbuben mit Zartbitterschokolade und marmorierte Marzipankartoffeln. Jedes Plätzchen ein kleines Kunstwerk, was so nur ihrer Mutter gelang. Wieso verletzten sie und Luise sich ständig gegenseitig? Von Jugend an hatten sie diese Reibereien, die auch nach der Scheidung ihrer Eltern nicht weniger geworden waren. Ohne sich selbst etwas zu nehmen, schloss Josie die Dose wieder, stellte sie zurück in die Tasche, schnappte sich stattdessen einen Apfel und biss hinein. Es nervte sie, dass ihre Mutter eine Art Hellseherin war. Luise musste sie bloß ansehen und schon wusste sie, wie es um sie stand.
»Von wegen Emanzipation«, hatte ihre Mutter gesagt. »Du arbeitest doch genauso wie David, also steck nicht immer zurück.«
»Aber ich bin zu Hause und kann mir die Zeit einteilen, wie du weißt.« Sofort ärgerte sich Josie, dass sie sich überhaupt rechtfertigte.
»Ach, ist das so?« Typisch Mama, natürlich gab sie sich nicht mit ihrer Erklärung zufrieden, sondern stichelte weiter. Luise wusste, dass Josie als Illustratorin enge Abgabetermine hatte und absolute Ruhe brauchte, damit sie sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte. Nur auf diese Weise wirkten die Bilder hinterher wie aus dem Ärmel geschüttelt. Leichtigkeit war eben schwer.
»Außerdem ist die Reise eine Zumutung für dich als Schwangere. Ihr könnt Jack noch oft genug besuchen. Muss es ausgerechnet im Winter sein, wo es auf den Straßen viel gefährlicher ist?« Das Wort Weihnachten mied Luise, hier durchschaute Josie sie wiederum. Ihre Mutter liebte den Jahresausklang mit all seinen Bräuchen – besonders, seit sie Großmutter geworden war. Trotz ihrer Arbeit als Köchin und der Bewirtung der oft anstrengenden Übernachtungsgäste hatte sie mit Lisa und Valentin im Advent gebacken und sogar ein wunderschönes Lebkuchenhäuschen gebastelt. Das hatte Josie gestern, als die Kinder im Bett waren, nur noch schnell abholen wollen und ausgerechnet da hatte ihr Luise dieses Gespräch über Gleichberechtigung aufgezwungen. Als ob sie nicht schon genug um die Ohren hatte. »Du unterstützt doch deinen Mann in allen Belangen, warum ist das dann umgekehrt nicht genauso?«
Ihre Mutter hatte recht, und genau das wurmte sie. Weil David als Tierarzt ständig auf Abruf war, managte sie die Familie, zwackte sich für ihre eigene Arbeit oft die Nacht- und die Morgenstunden ab, wenn alle anderen schliefen. »Weil wir eben vereinbart haben, dass ich für den Haushalt und die Kinder zuständig bin, darum.« Vereinbart war übertrieben, es hatte sich eher so ergeben. Trotzdem blieb viel liegen, besonders im Haushalt, und dauernd trieb Josie das schlechte Gewissen um. Dass sie sich nicht genügend Zeit für die Kinder nahm, dass sie es nicht hinbekam, Ordnung zu halten. Wie hatte Luise das damals mitsamt dem Laden und dem ganzen Drumherum bloß geschafft? Noch dazu war ihre Mutter meistens gut gelaunt und hatte für jeden ein offenes Ohr. Und wenn jemand ein Problem hatte, dann ließ ihre Mutter sofort alles stehen und liegen und war gleich zur Stelle. Deshalb verstand auch niemand, wie es diese Unstimmigkeiten zwischen ihnen beiden geben konnte. Luise musste man einfach mögen. Sie war ein Schatz und eine Wunderfrau dazu. Aber eben auch aufdringlich, bevormundend und … Josie wusste es selbst nicht so genau zu benennen, was sie an ihrer Mutter störte, und das machte sie erst recht wütend.
»Könnt ihr das nicht ändern?« So schnell hatte Luise nicht aufgegeben. »Rede doch mal mit David, er wird es verstehen, da bin ich mir sicher. Ich finde, dass du ruhig mehr für dich einfordern solltest. Lass dir trotz aller Liebe nicht alles gefallen, behaupte dich! Wenn’s ums Honorar für deine Arbeit geht, schaffst du es doch auch.«
Das stimmte, bei den Verlagen hatte Josie keine Scheu, mehr pro Illustration zu fordern. Eine Lektorin hatte sie mal gefragt, ob sie das Verhandeln auf einem Bazar gelernt hätte. Nein, im Gemischtwarenladen meiner Mutter, eine Art bayerischer Bazar, da haben Sie recht, hätte sie am liebsten geantwortet, sich das aber verkniffen. »Hör mit deinem mitfühlenden Getue auf«, schnauzte sie ihre Mutter an. Auf einmal reichte es ihr. »Warum kommst du ausgerechnet jetzt, kurz vor unserer Abfahrt, damit?«
»Weil es mich beschäftigt, und ich es dir schon länger sagen wollte. Du bist eine moderne junge Frau, und ich dachte …«
»Wie war das noch mal bei dir?«, unterbrach Josie.
»Wieso, was meinst du?«
»Na, deine Einstellung hat dich ja wirklich weit gebracht, Mama.« Der spitze Tonfall, den ihre Stimme angenommen hatte, gefiel Josie selbst nicht.
»Welche Einstellung?« Luise wirkte irritiert.
»Wo bist du denn mit deiner Emanzipation gelandet? Du versinkst in Arbeit und führst ein Leben in Einsamkeit.« Das Letzte hatte sie eigentlich gar nicht sagen wollen, es war ihr rausgerutscht, und plötzlich war es zu spät. Gesagt war gesagt. Dabei wusste Josie, wie sehr sich ihre Mutter bemühte, wie viel sie für die gesamte Familie tat. »Und überhaupt, was macht dich denn zur Expertin für die Ehe?«
»Das ist unfair.« Luise schluckte.
»So, warum denn? Du weißt, wie ich zu leben habe, wie ich meine Ehe führen soll, aber wenn ich etwas zu dir sage, willst du es nicht hören.«
»Ich möchte nur, dass du mehr auf dich achtest. So habe ich dich nicht erzogen.«
»Ach ja? Wie hast du mich denn erzogen?« Das brachte Josie noch mehr in Rage. Erziehung, als ob sie noch ein Kleinkind wäre. »Ist deine Ehe mit Papa nicht gescheitert, weil du jahrelang ein heimliches Verhältnis hattest?« Deswegen hatten sich ihre Mutter und sie schon vor Jahren gestritten. Als Jugendliche konnte und wollte Josie viele Entscheidungen ihrer Mutter nicht akzeptieren. Damals drehte sich Luises Leben, und damit das der Familie, hauptsächlich um den Laden, und dann gab sie ihn auf und ihre Ehe dazu. Dabei versuchte ihr Vater noch alles, ohne zu ahnen, dass er seine Frau in Wirklichkeit längst verloren hatte. Zu dem Zeitpunkt bekam Josie auch noch die Absage von der Münchner Kunstakademie, und ihre Welt lag in Scherben. Neun Jahre lang hatte ihre Mutter verheimlicht, dass die Zwillinge nur ihre Halbbrüder waren. Besonders kotzte es Josie an, dass sie vor der Kundschaft weiterhin die heilige Familie zu spielen hatten, obwohl ihre Eltern nur noch stritten. Zugegeben, ihr Vater, Hans Dahlmann, war, was Frauen betraf, ein Draufgänger. Noch heute, mit siebzig hatte er kesse, leider oft peinliche Sprüche auf Lager. Trotzdem liebte sie ihn, als Vater war und blieb er der Beste, und auch als Opa war er unschlagbar. »Wenn du allen Männern abgeschworen hast, dann ist das deine Sache. Aber ich bin nicht wie du, und ich will auch nicht so leben wie du!« Josie war ausgeflippt, hatte sich heiser geschrien, sich am Tisch abgestützt und dabei das Lebkuchenhäuschen umgestoßen. Es war auf den Boden gefallen und in tausend Stücke zerbrochen.
Politik
Nach langen Verhandlungen zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten wurde endlich ein Vertrag unterzeichnet. Seit dem 3. Oktober 1991 ist Deutschland offiziell wiedervereinigt, hurra!
Berlin soll außerdem der neue Regierungssitz werden und damit die Hauptstadt Deutschlands.
Leider keimt rechtsextreme Gewalt auf. So haben im September 91 im sächsischen Ort Hoyerswerda Neonazis ein Asylantenheim mit Steinen und Molotowcocktails angegriffen.
Aber auch die linksextreme Gewalt reißt nicht ab. Detlef Karsten Rohwedder, der Leiter der Treuhand, die sich um die ostdeutschen Betriebe kümmert, wurde von der dritten Generation der RAF ermordet. (Ich frage mich, wie die RAF sich mit drei Generationen voller Gewalt brüsten kann?)
Beim Durchsehen meiner gesammelten Zeitungsausschnitte habe ich weitere Attacken gegen Politiker gefunden: Oskar Lafontaine wurde am 25.4.90 von einer psychisch kranken Frau mit einem Messer an der Halsschlagader lebensgefährlich verletzt, überlebte aber zum Glück.
Wolfgang Schäuble, unser Bundesinnenminister, trafen zwei Schüsse im Kiefer und ins Rückenmark, seither ist er querschnittsgelähmt.
Steinzeitmensch in den Alpen gefunden
Am 19. September 1991 hat ein wanderndes Ehepaar aus Nürnberg in über dreitausend Meter Höhe, auf dem Tisenjoch der Ötztaler Alpen, eine Mumie im Gletscher entdeckt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der »Ötzi« wie er seither genannt wird, vor über fünftausend Jahre gelebt hat. Ich finde das faszinierend und werde alle Meldungen dazu weiterverfolgen. Wie haben unsere Vorfahren damals gelebt, was gedacht und gefühlt?
Neues aus unserer Familie
»Kann ein Lautsprecher auch leise sein, Oma?«, hat mich neulich Lisa (7) gefragt, und dann hat sie versucht, Stille mit ihrem Kassettenrekorder aufzunehmen, was äußerst schwer war. Irgendetwas raschelte immer. Draußen wieherte ein Pferd, meckerte eine Ziege, oder ein Auto rauschte unten auf der Landstraße vorbei. Erst im Erdkeller fand Lisa die Stille, die sie suchte. Ich begleitete sie, sperrte Tiller aus, der uns miauend gefolgt war. Hinter den Käseregalen drückte sie die zwei Tasten, minutenlang wagten wir beide kaum zu atmen. Endlich war Lisa mit der Länge der Aufnahme zufrieden und spielte sie ab. Wir lauschten. Außer einem leichten Quietschen des Rekorders war so gut wie nichts zu hören. Ich fragte, was sie damit vorhätte. Die Stille würde sie abspielen, wenn es ihr wieder mal zu laut wäre, besonders, wenn Valentin Lärm machte oder der Papa staubsaugte, dann würde sie den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen.
23.12.1991, 23.55 Uhr: Ich vermisse die Kinder und meine Enkel jetzt schon, wir werden uns erst im neuen Jahr nach ihrer Rückkehr aus Berlin (hoffentlich) wiedersehen.
Dieses Weihnachten wird anders, aber ich freu mich drauf!
Aus: Luises Kachelkochelbuch
Die Kälte schlug ihr ins Gesicht und die gefrorenen Pfützen knirschten unter ihren Schuhen. Luise knöpfte ihre Strickjacke zu, hauchte sich in die Hände, bevor sie den Korb hochhob und über die Steinstufen nach oben zum Erdkeller stieg. Das hatte sie davon, dass sie alle Angestellten nach Hause geschickt hatte, jetzt musste sie selbst Holz für den Kachelofen in der Gaststube holen. Der Brandstetterhof lag noch im Zwielicht der Morgendämmerung, nur in der Reithalle brannten bereits die Lampen. Marie war genauso zeitig aufgestanden wie sie. Die beiden hatten bereits gemeinsam gefrühstückt und alles besprochen, was für den Tag anstand. Dieses Morgenritual ließen sie sich, egal, wie viel auch los war, nicht nehmen, selbst an Heiligabend nicht, wo die Uhren eigentlich anders ticken sollten. Immerhin stand der Hefeteig zum Gehen schon auf dem Kachelofen. Es gab noch viel zu tun, Luises Liste war lang. Seit sie schreiben gelernt hatte, notierte sie alles, was sie beschäftigte, oder auch Dinge, die sie nicht vergessen wollte. Auf diese Weise brachte sie Ordnung in ihr inneres Chaos. Im Laufe des Tages oder abends im Bett strich sie die erledigten Sachen dann auf ihrer Liste durch oder hakte sie ab, was jedes Mal ein besonderes Gefühl von etwas geschafft zu haben, war. Allerdings kam ihr sofort das Nächste in den Sinn, was sie aufschreiben musste, so als hätte es in ihrem Hinterstübchen nur darauf gelauert, dass sie den Stift zur Hand nahm. Inzwischen führte sie nicht nur eine Liste für den Einkauf, die Gäste oder das, was sie sonst noch erledigen musste, sondern verfasste sogar auch noch eine Liste der Listen, damit sie den Über-blick behielt. Es kam häufig vor, dass sie sich schnell ein neues Rezept oder eine besondere Mischung, die ihr beim Kochen gelungen war, notierte, dann den Zettel zwischen das Geschirr klemmte und ihn dort vergaß. Wenn es ihr wieder einfiel, schrieb sie auf einen weiteren Zettel »Zettel suchen« und dazu noch all die anderen Dinge, die sie vor dem Einschlafen umtrieben. Dieses ganze Sammelsurium schob und klebte sie in ihr Kachelkochelbuch, wie ihre Enkelin Lisa ihr Notizbuch getauft hatte. Aber gestern Abend war ihr das Aufschreiben und Listenmachen leider keine Hilfe gewesen. Ewig hatte sie an die Decke gestarrt und über den Streit mit Josie nachgedacht. Hatte ihre Tochter recht, mit dem, was sie ihr an den Kopf warf? Mischte sie sich tatsächlich zu viel in ihr Leben ein? Warum hatte sie idiotischerweise auch ausgerechnet kurz vor der Abreise damit anfangen müssen und auf diese Weise den Abschied verdorben. Würden sie sich wieder vertragen und überhaupt wiedersehen? Besser, sie fing gleich mit einer weiteren Liste an, schrieb Vorsätze fürs neue Jahr auf und legte fest, wo sie sich in Zukunft überall heraushalten würde. Vorausgesetzt, Josie redete 1992 noch mit ihr. Jetzt, mit vierundsechzig, fragte sich Luise manchmal, ob ihr Listenmachen nicht doch etwas Zwanghaftes hatte. So wie manche Leute rote Autos zählten oder nicht auf die Linien zwischen den Pflastersteinen traten. Oder hatte sie Angst vorm Alter und der Vergesslichkeit? Aber Marie, die ihre Marotte seit langem kannte und der sie sich mit ihrer Befürchtung anvertraut hatte, meinte, dass sie ja nicht darunter leide, sondern im Gegenteil, davon profitiere. Es sei doch praktisch. Und auch ihr kämen Luises Notizen zugute. Sozusagen ein ausgelagertes Gedächtnis für sie beide. Während sie den Schafen und Ziegen, ihrem Streichelzoo für die Gäste, die Krümel des schönen Lebkuchenhäuschens als Betthupferl verfütterten, erzählte sie Marie von Josie bedauerten sich gegenseitig. Dass sie dieses Jahr beide ohne Kinder feierten – und Marie hatte vier –, nagte auch an ihrer Schwägerin, das spürte Luise.
Eiszapfen hingen am Dach des Erdkellers, der im Hang versteckt lag, und vor dem sie das Brennholz lagerten. Es roch nach Schnee, was vermutlich bloß Einbildung war, doch Luise gefiel die Vorstellung. Oben angekommen, blickte sie über die Dächer von Leutstetten und glaubte, in der Ferne den See zu erkennen. Schon komisch, vor ein paar Wochen war sie noch schwimmen gewesen – Luft und Wasser herrlich warm. Nun waren die Bäume kahl, und die Felder abgeerntet. Wo war der Sommer geblieben? Kaum zu glauben, dass das dieselbe Welt war, wenn auch aller Farben beraubt. Sie lebten nur noch in der Erinnerung, und Luise mit der Hoffnung, dass der Frühling wiederkehrte. Je älter sie wurde, desto mehr schätzte sie diesen Kreislauf. Heute nahm sie die Jahreszeiten intensiver wahr als früher, als sie hauptsächlich damit beschäftigt gewesen war, den Alltag zu meistern. Damals lebte sie in der Gewissheit, dass nach einem schlechten, anstrengenden Tag ein neuer kommen würde. Jetzt war sie sich dessen nicht mehr so sicher, und seit so viele geliebte Menschen in ihrem Umfeld gestorben waren, und sie schätzte sie jeden Augenblick. Wie viele Sommer würde sie noch erleben, wie oft noch im See schwimmen oder sich in der Würm treiben lassen? Abgesehen davon, dass die Würm von Pestiziden verunreinigt war, weshalb man das Baden in dem Flüsschen bislang noch meiden sollte. Das sollte sich aber nun durch das Ausrufen des Naturschutzgebietes mit Schonzeiten für Vögel und die neu errichtete Pumpstation, mit der alle vierhundert Dorfbewohner an die Kanalisation angeschlossen waren, verbessern. Würde sie noch einmal dieses ehemals klare, im Frühling mit weißen Blüten übersäte Wasser ihrer Kindheit, das sich durch eine Art Urwald bis nach Gauting schlängelte erblicken? Und wenn ja, würde es dann das letzte Mal sein? Welche Zukunft erwartete ihre Kinder und Enkel, in einer Welt, in der die Angst vorm Dritten Weltkrieg, die Angst vor einer weiteren Explosion eines Atomkraftwerkes abgelöst hatte? Umso stärker betrübte sie der Kummer mit ihrer Tochter. In dieser Zeit, in der noch so viel getan werden musste, sollten sie doch lieber zusammenhalten, als gegeneinander zu kämpfen.
