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Wer schon einmal einen Garten angelegt hat, weiß, dass das ein dramatischer Prozess sein kann. Auch Beverley Nichols – altmodischer Gentleman und Katzenfreund – erlebt dabei eine Achterbahn der Gefühle, die von schierem Glück zu grimmiger Frustration reichen. Denn sein Garten in einem Londoner Vorort ist dreieckig. Was macht man mit einem dreieckigen Garten? Wie schafft man Sichtachsen, wie legt man Beete an, platziert gar ein Gewächshaus? Höchst vergnüglich schildert Nichols seine Einfälle und Rückschläge; kleine Zeichnungen illustrieren seine Ideen bis hin zur Vollendung.
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Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhalt
[Cover]
Titel
Kapitel I: Wir ziehen um
Kapitel II: Vorortsturm
Kapitel III: Fehlstart
Kapitel IV: Ein Lichtstrahl
Kapitel V: Die Zerschlagung des Dreiecks
Kapitel VI: Geburt einer Kuppel
Kapitel VII: Einzug der Blumen
Kapitel VIII: Rose und Kavalier
Kapitel IX: Eins führt zum anderen
Kapitel X: Rhapsodie in Grün
Kapitel XI: Triumph für Liliput
Kapitel XII: Das letzte Kapitel
Autorenporträt
Übersetzerportrait
Über das Buch
Impressum
Grünes Glück
Geschichte eines Gartens
Kapitel IWir ziehen um
Ich gebe auf«, sagte ich zu Gaskin, während ich mich in einen Sessel plumpsen ließ. »Wenn ich mir noch ein Haus ansehen muss, drehe ich durch. Sie müssen die Suche übernehmen.«
Mit gebührender Höflichkeit wies Gaskin mich darauf hin, dass er genug damit zu tun habe, ein Haus in Ordnung zu halten und sich um die mannigfaltigen Bedürfnisse seines Besitzers zu kümmern, ohne sich dazu noch auf die Suche nach einem zweiten begeben zu müssen.
»Es ist aber nicht zu ändern. Sie müssen. Ich werde auswärts essen, meine Kleider geben wir in die Reinigung am Ende der Straße, und Mrs Thing kann kommen und Ihnen beim Saubermachen helfen.«
Die ersten beiden Vorschläge riefen auf Gaskins Gesicht Bestürzung hervor, die sich bei der Erwähnung von Mrs Thing in Abscheu verwandelte. Mit eisiger Stimme teilte er mir mit, dass er sich, sollte Mrs Thing auch nur einen Fuß in seine Küche setzen, gegen seinen Willen gezwungen sähe, aus dem Fenster zu springen.
»Dann besorgen Sie eben jemand anderen. Es muss doch Dutzende geben. Hauptsache, Sie finden ein Haus für uns.«
Er zog die Augenbrauen hoch. Abgesehen davon war ihm keine Gefühlsregung anzumerken.
Ich griff nach der Abendzeitung. (Ach ja, die Niedertracht und Ruchlosigkeit von Arbeitgebern, die einer Auseinandersetzung aus dem Weg gehen wollen, von der sie wissen, dass sie sie nicht gewinnen können!) »Und jetzt« – als sei das Thema damit erledigt – »hätte ich gern einen Drink.«
»Einen großen?« Wie viel Bedeutung man doch in zwei Worte legen kann.
»Einen sehr großen.«
*
Ich sehnte mich nach Grün. Ich verzehrte mich nach dem nächtlichen Rauschen von Bäumen. Ich vermisste das Gefühl von Gras anstelle des ewigen Asphalts unter meinen Füßen, und wäre es nur ein kleines, staubiges Stückchen Rasen. Es wäre zumindest nachgiebig und lebendig und würde einen Teil seiner Lebendigkeit auf mich übertragen.
Ich hatte dieses Gefühl noch nie gehabt. Früher, als ich die Hälfte meiner Zeit auf dem Land verbringen konnte, hatte ich die Stadt als lebendig und bunt und anregend empfunden. Wenn man von Freitag bis Dienstag von Wiesen und Feldern und Hecken umgeben ist, besitzt man Kraftreserven, die einen selbst die längste und dunkelste Straße entlangtragen. Wenn man seine Lungen mit frischer, sauberer Luft gefüllt hat, angereichert mit den berauschenden Düften der Natur – dem Duft von Moos nach einem Regen oder von Bohnenfeldern am Abend, dem Rauch brennender Apfelholzscheite, dem unbeschreiblichen Hauch, der wie ein Zauber über einem frischgemähten Rasen liegt – wenn man all diese Wonnen tagelang genießen durfte, können die giftigen Ausdünstungen der Stadt einem nichts anhaben.
Doch wenn man Woche für Woche nur von Mauern und Steinen umgeben ist, so wie es mir jetzt ging, schwinden alle Widerstandskräfte langsam aber sicher dahin, bis man zu guter Letzt von einer Art Hysterie befallen wird. Die Stadt verwandelt sich in ein Gefängnis, die Häuser werden zu Gefängnismauern, die Schornsteine zu Zinnen, jeder Passant ist ein Gefängniswärter, und der Himmel verbirgt sich hinter einem Gitter aus Rauch.
An diesem Punkt war ich angelangt. Ich war innerlich so angespannt, dass ich glaubte, platzen zu müssen, wenn ich gezwungen wäre, noch länger in dem kleinen Haus in Westminster zu bleiben. Westminster! Wie angenehm es gewesen war, diesen Namen auf dem eigenen Briefpapier zu sehen. Manch einer würde sicher denken, man hätte etwas mit dem Unterhaus zu tun (obwohl das Elektrizitätswerk viel näher lag). Westminster klang nach Zylinderhüten, die im Schatten der Platanen des Smith Square durch die Frühlingsluft schwebten, kurz vor 1.30 Uhr die Lord North Street entlangdrifteten und auf einen kleinen Sheraton-Tisch segelten, während ihre Besitzer sich nach oben begaben, um mit Lady Sibyl Colefax zu lunchen. Ein hübscher Name, Westminster. Man dachte dabei an Winston Churchill, Erzbischöfe, nächtliche Glockenschläge, Schuljungen, die sich um Süßigkeiten balgten und die grauen, schnell dahineilenden Wasser der Themse. Man dachte an einen berühmten Herzog und eine ganze Reihe von Herzoginnen. Ein klangvoller Name für ein abscheuliches, feuchtes, dreckiges, nebliges Loch, wenn Sie mich fragen. Wenn Sie auf die Dächer der ach so reizvollen georgianischen Häuser stiegen – Dächer, bei denen man meinen könnte, Walt Disney habe sie zur speziellen Ergötzung von Zwergen, Hexen und Poltergeistern erschaffen –, würden Sie einige der finstersten Hinterhöfe Englands zu Gesicht bekommen. Und über diesen Hinterhöfen (und über den georgianischen Häusern) hängen die grauen, giftigen Dunstschwaden der Themse. Das heißt, eigentlich war ich zu der Überzeugung gelangt, dass jeder Londoner Nebel von meiner eigenen Haustür ausging – ein kleines gelbes Wölkchen, nicht größer als eine Männerhand, das sich genau über meinem Briefkastenschlitz bildete, die Straße hinunter waberte, sich auf den großen Platz wälzte, in die Platanen aufstieg und von dort ganz London vereinnahmte, den Verkehr zum Erliegen brachte, Millionen Kehlen kitzelte und Millionen Seelen mit Schwermut füllte.
Schluss damit. J’en avais assez.
*
Eine Nacht vergeht, ein Tag. Ich sitze im selben Sessel und sehe Gaskin ungläubig, nein, fassungslos an. Denn soeben hat er folgende Worte geäußert:
»Ich glaube, ich habe ein Haus gefunden, das Ihren Vorstellungen entspricht, Sir.«
»Sie glauben – «
Es verschlug mir die Sprache. Was Gaskin da sagte, war völlig unmöglich. Wild entschlossen, keinen Anlass für das Erscheinen von Mrs Thing zu liefern, hatte er das Haus erst gegen elf Uhr verlassen. Wenn man eine halbe Stunde für den Weg nach Heathstead rechnete, den Stadtteil meiner Wahl, eine halbe Stunde für den Rückweg, eine halbe Stunde beim Makler und eine halbe Stunde fürs Mittagessen, hatte er für seine Suche genau drei Stunden Zeit gehabt. Und ich war seit drei Monaten damit zugange.
Es war mehr als unmöglich. Es war zum Aus-der-Haut-Fahren.
»Ich wüsste nicht, wie Sie das geschafft haben könnten«, bemerkte ich.
Als Antwort überreichte er mir einen Vordruck des Maklers mit Angaben zum Haus Nummer 5 Highways Close, Heathstead.
»Haben Sie das Haus gesehen?«
»Gewiss, Sir. Es ist ein sehr hübsches kleines Haus.«
»Modern?«
»Ja, aber sehr hübsch.«
Ich schniefte. Ich studierte den Vordruck. »Es ist nur zu pachten, nicht zu kaufen. Ich wollte aber kaufen.«
»Da der Pachtvertrag über 999 Jahre läuft, dachte ich, das sei vielleicht ausreichend.«
»Hier steht nichts über eine Garage.«
»Sie ist nicht sehr groß, aber sehr nett.«
»Auf welcher Höhe liegt das Haus?«
»Einhundertsechsundzwanzig Meter über dem Meeresspiegel.«
Offenbar war es unmöglich, gegen Gaskin anzukommen. Ich unternahm einen letzten Versuch.
»Natürlich hat es keinen Garten.
»Einen kleinen.«
Ich gab auf. »Also gut. Ich kann es mir ja immerhin einmal ansehen.« Und ein wenig ungnädig fügte ich hinzu: »Vielen Dank.«
*
Der Vorort Heathstead liegt hoch über London, höher, so erzählen einem die Einwohner, als die Spitze der St. Paul’s Kathedrale, die sich zu schwindelnden 111 Metern emporschwingt. Jedenfalls ist die Luft so süß und rein, dass man kaum glauben kann, dass man sich in der Nähe einer Großstadt befindet. Wenn London in Nebel gehüllt ist, liegt Heathstead oft in strahlendem Sonnenschein. Natürlich dringt der Nebel manchmal auch zu uns vor, aber bis er die Spitze des Hügels erreicht hat, hat er einen großen Teil seiner Widerwärtigkeit verloren und sich in freundliche Dunstfetzen aufgelöst, die die Bäume zart umschleiern und dekorativ über das Dach der alten Kirche hinwegziehen.
Es erübrigt sich zu sagen, dass ich an jenem ersten Nachmittag in keiner sehr freundlichen Stimmung war. Ich litt immer noch unter einem extremen Gefühl der Minderwertigkeit, weil Gaskin in drei Stunden geschafft hatte, was mir in drei Monaten nicht gelungen war. Und obwohl ich in einem Zustand war, der an Panik grenzte (der Mietvertrag für das Haus in Westminster lief in sechs Wochen ab), konnte ich die heimliche Hoffnung nicht unterdrücken, dass dieses Haus genauso furchtbar sein würde wie alle anderen. »Bestimmt ist es feucht«, entschied ich. »Das muss der Haken sein. Zumindest kann man immer sagen, dass ein Haus feucht ist. Und bis das Gegenteil bewiesen ist, ist der erste Glanz von Gaskins Triumph längst verblasst.«
Wir brauchten im dicksten Berufsverkehr nur eine knappe halbe Stunde von Westminster nach Heathstead. Oder, falls Ihnen das lieber ist, zwanzig Minuten von Hyde Park Corner beziehungsweise zehn Minuten von der Baker Street. Darüber konnte ich mich also nicht beklagen. Auch nicht über das eigenartig »ländliche« Gefühl, das einen befiel, sobald man den Hügel hinauffuhr. Und auch nicht über die ungestörte Stille der Straße, in die wir, oben angekommen, plötzlich abbogen.
»Da ist es«, sagte Gaskin und deutete auf das untere Ende der Straße.
»Wo?«, fragte ich, denn ich sah nur eine Menge Grün.
»In der kleinen Senke hinter den Bäumen.«
»In der kleinen Senke hinter den Bäumen.« Der Satz hatte einen sehr angenehmen Klang. Vielleicht besaß er nicht gerade die beschwörende Magie von »hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen«, aber er klang sehr nett und heimelig.
Und tatsächlich, da war es, oder vielmehr, da waren sie, »in der kleinen Senke hinter den Bäumen«. Fünf kleine Häuser, gemütlich in einen Seitenausläufer der Straße eingekuschelt. Keine Reihenhäuser, natürlich nicht, nichts derart Gewöhnliches. Beziehungsweise nicht direkt, nicht wirklich aneinandergebaut – auch wenn sie in der Art siamesischer Zwillinge miteinander verbunden waren. Womit ich meine, dass sie aussahen, als stünden sie einzeln. Erst wenn man genauer hinsah, bemerkte man ein unauffälliges architektonisches Gebilde, eine Art Bogen, der jedes mit seinem Nachbarn verband.
»Ruhig ist es ja«, gestand ich ein.
Das war es. Obwohl die große Straße oben auf dem Hügel mit ihren unablässig nach Norden dröhnenden Verkehrsmassen kaum hundert Meter entfernt war, dämpfte das steile Gefälle der Highways Road das Getöse zu einem leisen, nicht unangenehmen Murmeln. Und sobald man in die Highways Close einbog, verlor sich sogar dieses Murmeln. Stattdessen nahm man plötzlich alle möglichen ländlichen Geräusche wahr, von denen man gedacht hatte, man hätte sie für immer vergessen – das Rascheln von Drosseln im Unterholz, das Knarren von Zweigen, die sich im Wind aneinander rieben, das leise Flüstern von Regentropfen auf Herbstlaub.
Während wir dort standen, schlug eine Uhr in der Ferne fünf. Ich hob den Kopf und sah etwa eine Meile entfernt den hohen Turm der Kirche von Heathstead, der aus einem Nest aus Bäumen aufragte. Einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken, Gaskin gegenüber eine mythische Befürchtung bezüglich dieser Glocken zum Ausdruck zu bringen und zu sagen, dass sie uns nachts garantiert wachhalten würden. Aber ich brachte es nicht über mich. Sie klangen an diesem Herbstabend so süß und erinnerten mich so sehr an eine andere Kirche, die ich vor langer Zeit gekannt hatte. Es war fast ein Wunder, dass man sie so deutlich hören konnte.
»In der Nummer 5 ist es noch ruhiger«, sagte Gaskin.
Das war es. Die Highways Close beschrieb einen scharfen Bogen, und am Ende lag die Nummer 5. Ein schlichtes, fast bescheidenes kleines Haus mit rotem Ziegeldach und apfelgrünen Fensterläden.
»Ich dachte, Sie hätten gesagt, es gibt einen Garten?«
»Er liegt nach hinten hinaus.«
»Sehen wir es uns an.«
Wir gingen hinein. Aber anders, als Sie vielleicht denken, sahen wir uns den Garten nicht als Erstes an. Ich ließ ihn bewusst außer Acht, da das Haus selbst so erfreulich war. Ein großes, helles, luftiges Zimmer würde ein perfektes Musikzimmer abgeben. Ein kleines Esszimmer grenzte daran an. Es gab ein Arbeitszimmer mit Blick auf ein paar Sträucher. Es gab drei Schlafzimmer und zwei Badezimmer und eine Menge Stauraum. Alles zusammen wirkte heiter und unaufdringlich und war genau die Art von Haus, in der Menschen wohnen sollten.
»Es ist großartig«, sagte ich zu Gaskin. »Dann wollen wir uns einmal den Garten ansehen.«
In diesem Augenblick bewies Gaskin seine überragenden Qualitäten, indem er sich unter dem Vorwand zurückzog, sich mit gewissen Geheimnissen der Küche vertraut machen zu wollen. Denn mit einem Takt, der vielen von denen, die sich für etwas Besseres halten als er, zur Ehre gereicht hätte, spürte er, dass dies ein schwieriger Moment für mich war. Angesichts meiner Erinnerungen an einen anderen Garten können wir mit Fug und Recht sagen, dass er tatsächlich schwierig war, ohne uns der Sentimentalität schuldig zu machen.
»Grundgütiger!«
Ich stand am Fenster. Draußen war es inzwischen fast völlig dunkel, es regnete in Strömen, und der Wind trieb die Blätter einer riesigen Trauerweide im Garten nebenan vor sich her. Von einem leeren, unbeheizten Haus aus betrachtet, wäre das alles selbst im Idealfall ein melancholischer Anblick gewesen. Doch weder das Fallen der Blätter noch das Fallen des Regens, noch das Schwinden des Tages oder meinetwegen auch des Jahres drückten mir in diesem Augenblick auf die Seele. Sondern die Tatsache, dass dieser »Garten« zweifellos das hässlichste, trostloseste Stückchen Erde war, das je von menschlichen Füßen betreten wurde – vom Niemandsland des Krieges einmal abgesehen.
Zum einen war er ein starres, kompromissloses Dreieck, dessen Grundlinie das Haus bildete. Zwei Holzzäune von der massengefertigten, kreosotbehandelten Sorte liefen von beiden Seiten des Hauses etwa zwanzig Meter aufeinander zu und prallten dann in einem spitzen, zornigen Scheitelpunkt zusammen.
Da Sie in diesem Büchlein noch so viel über dieses Dreieck hören werden, habe ich eine Fotografie eingefügt, damit Sie sehen, dass ich nicht übertreibe.
Sie heißt zwar »Wie es anfangs aussah«, zeigt aber nicht die volle Grauenhaftigkeit des Bildes, das ich an jenem trüben Oktobernachmittag vor Augen hatte. Zum einen haben Backsteinmauern die hässlichen Holzzäune ersetzt, auch wenn die linke Mauer noch nicht ganz fertig ist. Zum anderen gibt es schon eine kleine Terrasse, so dass man zumindest irgendwohin treten konnte, statt in dem ursprünglichen Meer aus Matsch zu versinken. Und vor allem bleibt Ihnen auf dem Foto der Anblick dreier abgrundhässlicher, schwarz verfärbter Pappelstümpfe erspart, die in der Spitze des Dreiecks aufragten und seine Dreieckigkeit noch mehr betonten.
Während ich am Fenster stand, richtete sich meine ganze Aufmerksamkeit auf diese drei Pappelstümpfe. Hätte ich gewusst, dass sie vor Ablauf weniger Wochen Anlass einer heftigen Auseinandersetzung würden, hätte ich sie sicher noch aufmerksamer betrachtet. Wie monströs sie waren! Jeder etwa zwei Meter hoch, kopflos, mit ein paar kränklichen Trieben, die sich aus der Schnittfläche in die Luft reckten. Sie sahen aus wie vom Wind umgestülpte Regenschirmgerippe. Und sie waren als Dreieck arrangiert – als sei der Garten nicht so schon dreieckig genug.
Garten! Hätte ich die Angewohnheit gehabt, das Geräusch auszustoßen, das in Romanen gemeinhin als »hohles Lachen« bezeichnet wird, wäre dies eine gute Gelegenheit für das hohlste Lachen gewesen, das je über London hinweghallte. Garten! Ich machte einen Schritt nach draußen. Und versank in Matsch. Bis über die Knöchel. Bauarbeiter hatten ein paar Bretter zurückgelassen, auf denen ich mich mühsam zum Scheitelpunkt vorkämpfte.
Dort drehte ich mich um. Immerhin waren wir nicht so ›einsehbar‹, wie ich gefürchtet hatte. Und hier, im Scheitelpunkt, ließ das Dreieck sich fast vergessen. Aber die Vorstellung, diese unmöglich geschnittene Monstrosität könne je etwas anderes sein als ein Katzenauslauf, war – ach, es war einfach zu lächerlich.
Gut, ein Katzenauslauf. Abgesehen davon würde ich diesen sogenannten Garten einfach ignorieren. Mit diesem Entschluss ging ich ins Haus zurück.
»Wir nehmen es«, sagte ich zu Gaskin, allerdings weniger enthusiastisch, als ich es noch vor fünf Minuten war.
»Sie haben den Garten gesehen, Sir?«
»Ja, habe ich. Er wird einen guten Katzenauslauf abgeben.«
Wir verließen das Haus, schlossen ab und gingen nach einem letzten Blick zurück das kleine Sträßchen entlang.
Als wir an der Nummer 1 vorbeikamen, blieb ich stehen. Das Haus war etwas größer als die anderen und hatte einen zusätzlichen Schornstein. Vor allem aber hatte es einen hübschen, etwas tiefer liegenden Vorgarten mit einer niedrigen Mauer zur Straße hin. Wer immer hier wohnte, besaß unzweifelhaft Geschmack. Zahlreiche Steingartenpflanzen sprossen zwischen Steinplatten hervor, die in einem geschmackvollen Muster verlegt waren, und in der Mitte lag ein ovaler Teich, in dem eine Fontäne sprudelte. Ein gelegentliches Aufglänzen im Wasser ließ auf Goldfische schließen.
Ich drehte mich zu Gaskin um. »Die Fische können sich in diesem Teich unmöglich wohlfühlen«, sagte ich zu ihm. Dann überkam mich ein leiser Verdacht. Waren sie vielleicht aus Zelluloid?
Aber nein. Die Goldfische bewegten sich. Und es wäre wohl zu viel gewesen, zu hoffen, dass sie mechanisch betrieben wurden.
»Die reinste Tierquälerei.«
Ich wollte gerade genauer hinsehen, als Gaskins Ausdruck würdevoller Missbilligung mich davon abhielt.
»Was ist?«
Er antwortete nicht, aber seine Augen huschten für den Bruchteil einer Sekunde zu den oberen Fenstern der Nummer 1. Ich folgte seinem Blick und sah die leise Bewegung eines Vorhangs und den Schatten einer Frau mit sehr großer Nase. Diskret wandte ich mich ab.
»Wer ist das?«, erkundigte ich mich.
»Mrs Heckmondwyke«, sagte Gaskin im Ton kalter Verachtung.
»Mrs was?«
»Heckmondwyke«, wiederholte er. »Eine überaus neugierige Person. Gestern hat sie mich auf der Straße angehalten und gefragt, ob sie einen Moment hineinkommen könne. Sie habe immer schon einmal sehen wollen, wie ihr Garten über den Zaun hinweg aussieht.«
»Haben Sie sie gelassen?«
»Selbstverständlich nicht!«
»Meinen Sie, das war richtig?«
»Ja, Sir, das meine ich.«
Aber was haben Sie gesagt? Welchen Grund haben Sie angegeben?«
»Ich habe gesagt, Sie hätten strikte Anweisung gegeben, niemanden ins Haus zu lassen, solange Sie sich nicht entschieden hätten.«
»Ach du je«, war alles, was mir dazu einfiel. Es war sehr deprimierend. »Ich hoffe nur, wir haben sie uns nicht zum Feind gemacht.«
Gaskin äußerte sich nicht zu dieser Bemerkung, doch seine Lippen pressten sich zu einer entschlossenen Linie zusammen. »Ich kenne diesen Typ«, sagte er.
»Aber sie ist eine Nachbarin, und wir werden nur vier Häuser von ihr entfernt leben müssen.«
»Ja, Sir«, sage Gaskin. »Das ist sie, und das werden wir wohl.« Dann sah er mich bedeutungsvoll an und fügte hinzu: »Ich glaube, Sir, es wird das Beste sein, wenn Sie sich möglichst für sich halten.«