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Als ein Filmteam nach Hummelstich kommt, um Bea und Dr. Jekyll für eine Tier-Castingshow zu interviewen, ist der Wetteifer der Dorfbevölkerung geweckt. Praktisch über Nacht können die meisten Einwohner ein hochbegabtes Haustier vorweisen. Der unsympathische Regisseur Oskar Mertens interessiert sich jedoch vor allem für Beas Papageien. Doch dann wird der allseits verhasste Mann tot in der Badewanne des Gasthofs aufgefunden - das Badewasser wurde unter Strom gesetzt. Bea, Sven und Dr. Jekyll nehmen die verbliebenen fünf Mitglieder der Filmcrew unter die Lupe. Ist der Mörder unter ihnen? Oder hat ein Unbekannter noch eine Rechnung offen?
Zur Serie: In Hummelstich scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: Die Dächer der niedlichen Fachwerkhäuser funkeln und glitzern unter strahlend blauem Himmel und die Bewohner gehen emsig ihrem Tagewerk nach. Aber der schöne Schein trügt - denn hinter der Bilderbuchfassade tun sich mörderische Abgründe auf ... Aber zum Glück ist die energische Hobbydetektivin Bea von Maarstein vor Ort! Zusammen mit ihrem persönlichkeitsgestörten Papagei Dr. Jekyll und dem Dorfpolizisten Sven Grüneis löst sie jeden noch so verzwickten Fall.
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2025
Cover
Grußwort des Verlags
Über diese Folge
HUMMELSTICH – Die Serie
Die Charaktere
Bisherige Bände
Titel
1. Das Geheimnis eines Sommertages
2. Ein Vogel möchte hoch hinaus
3. Sturköpfe
4. Manege frei!
5. A star is born
6. Eine unerwartete Abreise
7. Spiel mir das Lied vom Tod
8. The Show Must Go On
9. Eine Kirche voller Narren
10. Dunkle Träume
11. Manche mögen’s heiß
12. Die mit dem Werwolf tanzt
13. Haste Töne?
14. Die Schatten der Vergangenheit, Teil eins
15. Die Schatten der Vergangenheit, Teil zwei
16. Das Schweigen der Lämmer
17. Familienbande
18. Ein Hauch von Hollywood
19. And the Oscar goes to …
Rezept: Hollywood-Torte
In der nächsten Folge
Über die Autorin
Impressum
Leseprobe
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Als ein Filmteam nach Hummelstich kommt, um Bea und Dr. Jekyll für eine Tier-Castingshow zu interviewen, ist der Wetteifer der Dorfbevölkerung geweckt. Praktisch über Nacht können die meisten Einwohner ein hochbegabtes Haustier vorweisen. Der unsympathische Regisseur Oskar Mertens interessiert sich jedoch vor allem für Beas Papageien. Doch dann wird der allseits verhasste Mann tot in der Badewanne des Gasthofs aufgefunden – das Badewasser wurde unter Strom gesetzt. Bea, Sven und Dr. Jekyll nehmen die verbliebenen fünf Mitglieder der Filmcrew unter die Lupe. Ist der Mörder unter ihnen? Oder hat ein Unbekannter noch eine Rechnung offen?
In Hummelstich scheint die Welt noch in Ordnung zu sein: Die Dächer der niedlichen Fachwerkhäuser funkeln und glitzern unter strahlend blauem Himmel und die Bewohner gehen emsig ihrem Tagewerk nach. Aber der schöne Schein trügt – denn hinter der Bilderbuchfassade tun sich mörderische Abgründe auf … Aber zum Glück ist die energische Hobbydetektivin Bea von Maarstein vor Ort! Zusammen mit ihrem persönlichkeitsgestörten Papagei Dr. Jekyll und dem Dorfpolizisten Sven Grüneis löst sie jeden noch so verzwickten Fall.
Bea von Maarstein, 69 Jahre, kosmopolitische Hobbydetektivin, verwitwet, exzentrisch, lebensfroh, fährt einen alten Bücherbus, den sie zu einem mobilen Detektivbüro umgebaut hat.
Dr. Jekyll, Beas Papagei, ein Hellroter Ara, smart und kratzbürstig, äußerst sprachbegabt.
Sven Grüneis, 36 Jahre, Dorfpolizist und Landwirt, verheiratet, lebt mit seiner Familie in einem großen Bauernhaus, etwas naiv, pflichtbewusst und stets korrekt, hat das Herz am rechten Fleck.
Borwin Wandelohe, 62 Jahre, Halbspanier, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Friseurkunst, quirlig, fröhlich, verbreitet stets gute Laune, exzellenter Hobbykoch.
Kurt Pfeiffer, 61 Jahre, Kommissar im Ruhestand, hat ein Talent für die Ölmalerei, hat kürzlich die Ortsvorsteherwahl für sich entschieden.
Sieglinde Sperling, 36 Jahre, die neue Kommissarin der Bad Frankenberger Mordkommission, fleißig, aber unerfahren, ihr Lachen klingt wie das Quietschen eines Meerschweinchens.
Band 1: Hummelstich – Ein Mord kommt selten allein
Band 2: Hummelstich – Casanova muss sterben
Band 3: Hummelstich – Mord unterm Tannenbaum
Band 4: Hummelstich – Das Krokodil im Gartenteich
Band 5: Hummelstich – Der Tote im Rübenfeld
Band 6: Hummelstich – Mord im Regionalexpress
Band 7: Hummelstich – Kirschtorte mit Schuss
Band 8: Hummelstich – Die Leiche im Schnee
Band 9: Hummelstich – Der Stachel des Todes
Band 10: Hummelstich – Ein filmreifes Verbrechen
Ein filmreifes Verbrechen
Es war ein warmer, sonniger Septembermorgen. Hummelstich, die kleine Gemeinde am Fuße des Kyffhäusergebirges, erstrahlte wieder einmal in spätsommerlichem Glanz. Zwei große braune Hasen hoppelten über die üppig bewachsenen Rübenfelder, und auf den Dächern der niedlichen Häuser tummelten sich Sperlinge in großen Scharen. Die drolligen Vögel zwitscherten vergnügt und waren vor lauter Überschwang vollkommen arglos, so sehr, dass sie nicht einmal die rot getigerte Katze bemerkten, die auf dem Rand eines Schornsteins thronte und sich in Vorfreude auf die baldige Mahlzeit die Pfoten leckte.
Auch die Menschen, die in den Häusern und Gärten ihrem Tagwerk nachgingen, waren so ahnungslos und gutgläubig wie die Spatzen. Selbst nach allem, was sie bereits erlebt hatten, glaubten sie noch immer, dass der Frieden dieses ausgesprochen schönen Tages für alle Zeiten anhalten würde. Niemand dachte mehr daran, dass der idyllische Ort Hummelstich vor einiger Zeit vom Buch der Besten zum Mörderischsten Dorf Deutschlands gekürt worden war. Niemand rief sich mehr die Abgründe in Erinnerung, die sich hinter den Bilderbuchfassaden bereits aufgetan hatten. Dabei war es nur eine Frage der Zeit, wann das Verbrechen erneut zuschlagen würde. Ruhe und Harmonie waren in dieser Gegend nur von kurzer Dauer – das hatte die Vergangenheit oft genug gezeigt.
Auch im Bauernhaus der Familie Grüneis genoss man die friedliche Zeit in vollen Zügen. Gemeinsam mit ihrem Freund Borwin, der ein exzellenter Hobbykoch war, hatten Bea, Sara und Sven einen reichhaltigen Brunch aus verschiedenen warmen und kalten Gerichten vorbereitet. Es gab Omelett mit Schinken, Pfannkuchen mit Blaubeeren und eine große Schüssel Wildkräutersalat, dazu diverse spanische Tapas. Unter den Gästen waren Borwins Lebensgefährte Gabriel, die Pastorin Frederike Neuhaus sowie das Metzgerehepaar Brunhilde und Erwin Meuselböck.
»Ich habe gehört, ihr habt jetzt auch noch Ziegen?«, erkundigte sich die Pastorin.
»Keine Ziegen«, korrigierte Sven. »Lämmer. Drei Stück.«
»Babyschafe«, fügte seine Frau Sara mit verträumtem Gesichtsausdruck hinzu.
Bea lächelte und schaufelte sich Salat auf ihren Teller. »Zuckersüß.«
Frederike Neuhaus schob sich eine Olive in den Mund. »Ich dachte nur, dass ihr euch keine weiteren Tiere mehr anschaffen wolltet?«
»Wollen wir ja auch nicht«, entgegnete Sven und trank einen Schluck Kaffee.
»Die drei standen eines Morgens einfach vor unserer Tür«, erklärte Sara.
Die Gäste tauschten irritierte Blicke.
»Jemand hat sie dort angebunden«, sagte Bea.
Brunhilde Meuselböck rückte ihre monströse Brille gerade. »Jemand setzt Babyziegen aus?«
»Schafe, keine Ziegen«, wiederholte Sven.
Die Metzgersgatti‛n zuckte mit den Schultern. »Ist doch fast das Gleiche.«
»Wer macht denn so etwas?«, wollte Frederike Neuhaus wissen.
Bea gab noch etwas Olivenöl auf ihren Salat. »Das versuchen wir herauszufinden. Bislang tappen wir allerdings noch völlig im Dunkeln.«
»Schrecklich, wozu Menschen alles fähig sind«, murmelte Brunhilde und presste sich eine Hand gegen die Brust.
Borwin zwirbelte seinen Schnurrbart. »Auf jeden Fall haben die Lämmlein jetzt ein gutes Zuhause gefunden.« Er sah zu Sven. »Ihr werdet sie doch behalten, oder?«
Nun waren alle Augen auf den Hausherrn gerichtet, der sich mit der Serviette den Mund abwischte.
Sara fuhr sich durchs Haar. »Sag, was du willst, Sven, aber ich gebe die drei nicht wieder her.«
Ihr Mann grinste. »Keine Sorge, Liebling. Ich möchte mich auch nicht von ihnen trennen.« Er zwinkerte und warf Sara eine Kusshand zu.
»Da bin ich echt froh«, rief sie erleichtert aus. »Ich habe schon überlegt, wie ich dich überreden könnte.«
Sven vollführte eine wegwerfende Handbewegung. »Wir haben schon so viele Tiere, da kommt es auf drei kleine Lämmer mehr oder weniger jetzt auch nicht mehr an.«
Sara fiel ihm um den Hals. »Danke, du bist ein Schatz!« Sie küsste ihn, hielt dann jedoch abrupt inne. »He! Das ist doch sonst immer mein Spruch!«
Alle lachten.
»Euch ist aber schon klar, dass aus kleinen Lämmern einmal große Zie… äh, Schafe werden?«, warf Frederike ein.
»Kein Problem, das schaffen wir schon«, entgegnete Sven mit einem Lächeln.
Bea räusperte sich. »Borwin? Könntest du mir bitte noch ein paar Zweige Rosmarin frittieren? Das schmeckt mir doch immer so gut.«
»Rosmarin?« Borwin kratzte sich am Kopf. »Den muss ich erst aus dem Garten holen. Aber für dich immer gerne.« Er stand auf und wandte sich der Verandatür zu. »Kann einen kleinen Moment dauern.«
»Es eilt nicht«, rief Bea hinter ihm her. »Danke, du bist der Beste!«
Sobald Borwin verschwunden war, steckten Bea und ihre Freunde die Köpfe zusammen.
»Okay, er ist weg. Reden wir kurz über die Party.«
Schon seit Wochen führten sie diese heimlichen Gespräche, denn sie wollten Borwin, der in wenigen Tagen dreiundsechzig Jahre alt werden würde, mit einer ganz besonderen Feier überraschen.
»Ich weiß nicht, ob das nicht doch alles eine Nummer zu aufwendig wird«, meinte die Metzgersgattin. »Ich meine ‚Hollywood‛. ‚Hollywood‛! Und das in unserem kleinen und verschlafenen Hummelstich.«
»Für das Motto haben wir uns vor einer halben Ewigkeit bereits entschieden«, hielt Bea dagegen. »Außerdem passt es zu Borwin. Er liebt die alten Hollywood-Filme, und er liebt es, sich zu verkleiden.«
»Ja, das wird ihm mit Sicherheit gefallen«, stimmte Gabriel zu, der sich bisher ausgiebig dem Brunch gewidmet hatte.
Erwin Meuselböck strich sich über den runden Bauch. »Falls ihr je für mich eine Überraschungsparty planen solltet, dann hätte ich als Motto gerne ‚Wurst‛.«
»‚Wurst‛?« Seine Frau zog die Stirn kraus. »Das hast du doch sowieso schon jeden Tag.«
»Na eben! Von Wurst kann ich nicht genug bekommen.«
Wieder lachten alle.
Gabriel grinste. »Ich habe über meinen Cousin noch so eine uralte Filmkamera samt Stativ auftreiben können. Ist ein Mörderteil.«
»Klasse!«, rief Bea begeistert. »Das nehmen wir natürlich alles als Deko.«
Sara wandte sich Gabriel zu. »Meinst du, er ahnt etwas?«
Der Spanier schüttelte den Kopf. »Nein, er denkt, dass wir seinen Geburtstag ganz in Ruhe und nur zu zweit verbringen werden.«
»Wie weit sind denn die Vorbereitungen der Landfrauen?«, wollte Bea wissen.
Brunhilde berührte erneut ihre riesige Brille. »Alle sind fleißig an der Arbeit. Paula, Hanna und Elsa schneidern die Kostüme. Linda und Greta tüfteln Backkreationen aus. Und Erna und ich basteln noch an der Deko.«
»Prima.« Bea nickte lächelnd. »Wenn ihr meine Hilfe braucht, lasst es mich wissen.«
Die Metzgersgattin winkte ab. »Du hast schon genug hier auf dem Hof zu tun. Und außerdem musst du ja diesen Flegel aufspüren, der die Tiere ausgesetzt hat.«
»Ich hoffe, du findest den Kerl!«, sagte Frederike, und die anderen stimmten ihr zu.
»Wie macht sich Kurt in der Rolle des Ortsvorstehers eigentlich?«, wechselte Erwin das Thema. »Bislang ist er noch kaum in Erscheinung getreten.«
Das war richtig. Seit seiner Wahl und dem Amtsantritt waren knapp zweieinhalb Monate vergangen, in denen Kurt sehr unauffällig geblieben war.
»Geben wir ihm etwas Zeit, sich in die Rolle einzufinden«, sagte Bea und schaute auf die Uhr. »Ich wundere mich, dass er noch nicht da ist. Ich hatte ihn nämlich auch zum Brunch eingeladen.«
»Hallo, allerseits!«
Alle schauten zur Verandatür, durch die erst Kurt und dann Borwin mit dem Rosmarin geschritten kamen.
»Wenn man vom Teufel spricht«, murmelte Sven, der noch immer seine Konflikte mit seinem ehemaligen Vorgesetzten Kurt Pfeiffer hatte.
»Meint ihr mich?« Kurt schaute verdutzt aus der Wäsche.
Bea deutete auf den freien Stuhl neben ihr. »Quatsch, du hast mit dem Teufel etwa so viel gemein wie eine Ziege mit einem Schaf.«
»Du sprichst in Rätseln.« Kurt gab ihr einen Kuss auf die Wange, klopfte auf den Tisch und ließ sich an Beas Seite nieder. Dabei summte er leise eine heitere Melodie vor sich hin.
»Wie kommt es denn, dass du heute so gut gelaunt bist?«, fragte Bea. Sonst war er in letzter Zeit eher ein mürrischer Knurrhahn gewesen.
»Das verrate ich nicht.«
Bea zuckte mit den Schultern. »Dann eben nicht.« Sie wandte sich dem Rest ihres Wildkräutersalats zu.
Für einen Moment war es so still im Raum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
»Also gut, ich sage es dir.« Kurt breitete die Arme aus. »Es könnte sein, dass du demnächst überrascht wirst.«
»Was hast du vor?« Bea schwante nichts Gutes. Hoffentlich war er nicht auf die Idee gekommen, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Auch wenn sie ihn wirklich gern mochte, gestaltete sich ihre Beziehung doch immer wieder als recht schwierig.
Kurt grinste über das ganze Gesicht. »Ich sage nur ‚tierische Talente‛.«
»Davon haben wir hier reichlich«, warf Sven ein.
Bea musterte Kurt. »Geht es um Dr. Jekyll?« Der Hellrote Ara, der gerade mit seinem Kumpan Mr Hyde im renovierten Papageienzimmer steckte, war ihrer Meinung nach das mit Abstand schlaueste Tier.
»Eigentlich wollte ich, dass du es noch gar nicht erfährst. Aber gut, wenn du so hartnäckig bist …« Kurt straffte die Schultern. »Ich habe euch für die Fernsehsendung Deutschland sucht das Superhaustier angemeldet.«
»Wen hast du angemeldet?«, hakte Bea nach, die glaubte, sich verhört zu haben.
»Na, dich und Dr. Jekyll.« Er beugte sich vor. »Das heißt, wir kommen alle ins Fernsehen.«
»Das entscheidest du einfach so, ohne mich vorher zu fragen?« Bea gab sich keine Mühe, ihr Missfallen zu verbergen.
Kurt rieb sich das Kinn. »Ich habe angenommen, dass du dich darüber freuen würdest.« Er schaute sich Hilfe suchend in der Runde um, doch niemand schien ihm in dieser Angelegenheit beistehen zu wollen. »Außerdem, was das für eine Werbung für Hummelstich wäre! Als neuer Ortsvorsteher muss ich auch an solche Dinge denken.«
»Dann mach du doch da mit«, rief Bea und blitzte ihn verärgert an.
»Ich habe aber kein Haustier.«
Sven legte den Kopf leicht schief. »Daran soll es nicht scheitern.«
»Ja, die Butterblums haben gerade einen Wurf junger Kätzchen«, rief Brunhilde. »Die freuen sich bestimmt, wenn du ihnen eines abnimmst.«
»Ich will aber keine Katze«, protestierte Kurt. »Ich habe doch überhaupt keine Zeit für ein Haustier.«
»Schlimm genug«, murmelte Bea.
Kurt seufzte. »Dr. Jekyll und du, ihr seid ein eingespieltes Team.« Er nestelte am Kragen seine Hawaiihemdes herum. »Ihr hättet echte Chancen, die Show zu gewinnen.«
»Tja, dummerweise zieht es mich kein Stück ins Fernsehen«, entgegnete Bea ungewohnt schroff. »Da wirst du dir jemand anders suchen müssen.«
Dr. Jekyll spähte aus dem Fenster und betrachtete die illustre Menschenschar, die sich dem grüneisschen Bauernhof näherte.
Vier Männer und zwei Frauen unterschiedlichen Alters schritten auf das Wohnhaus zu, mit den sonderbarsten Gerätschaften im Gepäck.
Ein leicht untersetzter, bärtiger Mann in mittleren Jahren führte die Gruppe an. Er war mit Jeans und Lederjacke bekleidet, trug eine Sonnenbrille und klammerte sich an einem Coffee-to-go-Becher fest. Neben ihm lief eine junge Frau mit langen braunen Haaren, die einen klobigen, kastenförmigen Gegenstand auf ihrer rechten Schulter balancierte.
Sieht aus wie ein Werkzeugkasten, überlegte Dr. Jekyll. Oder wie eine Kamera. Aber nicht so wie die Action-Cam, die Sven gern benutzte, sondern sehr viel größer. Eine Kamerawerkzeugkiste möglicherweise.
Hinter der Frau schlurfte ein junger, muskulöser Typ mit Basecap und zitronengelbem Ringertop her, der in beiden Händen einen langen schwarzen Stab hielt, ähnlich einem Besenstiel, an dessen einem Ende ein graues, zeppelinförmiges Zottelding befestigt war.
War das ein Staubwedel an einem Verlängerungsstiel? Ein Schrubber an einem Selfie-Stick? Solch ein merkwürdiges Equipment hatte Dr. Jekyll noch nie gesehen.
Eine zweite Frau, die deutlich älter als die mit dem Kasten auf der Schulter war, machte sich im Gehen auf einem Klemmbrett Notizen. Sie trug einen taubenblauen Hosenanzug und hatte die dunkelblonden Haare zu einem strengen Knoten gebunden.
Sie wurde von zwei Herren flankiert. Der eine war Anfang dreißig, mit dunklem Vollbart und Brille, der andere Mitte fünfzig, mit grimmiger Miene und von kleiner, pummliger Gestalt. Mit seinem cremeweißen Anzug, dem gleichfarbigen Mafia-Hut und den bestickten Gamaschen sah er aus, als wäre er einem alten Ganovenfilm entsprungen. Fehlte nur noch, dass er einen Revolver zückte.
Dr. Jekyll beugte sich ein wenig vor, sodass sein Schnabel die Fensterscheibe berührte. War das vielleicht eine Sekte oder so etwas? Die Gesandtschaft eines Verbrechersyndikats?
Sein Blick fiel erneut auf den mysteriösen langstieligen Schrubber. Oder es war ein Reinemachtrupp. Ein Schrubbersyndikat. Oder Vertreter, die ihnen die Geräte vorführen und verkaufen wollten. Aber traten Vertreter nicht eher einzeln auf? Im Rudel waren sie doch selten unterwegs.
Der Ara legte grübelnd sein Köpfchen gegen das warme, sonnenbeschienene Fensterglas. Es könnte auch ein als Reinemachtrupp getarntes Killerkommando sein. Ein kaltblütiges Kidnapper-Konsortium. Ein Einbrecherkönig und seine Entourage. Oder es ging einfach wieder mal um irgendeinen seltsamen Wettbewerb. In Hummelstich galt das gegenseitige Kräftemessen schließlich als bevorzugteste Freizeitbeschäftigung.
Das Schrillen der Haustürklingel riss Dr. Jekyll aus seinen Gedanken. Rasch flog er zu einem anderen Fenster, aus dem er eine direkte Sicht auf die Haustür und das Geschehen hatte.
Kaum war er dort angelangt, sah er auch schon, wie Bea die Tür öffnete.
Der bärtige, leicht untersetzte Mann drückte seinen Coffee-to-go-Becher dem jungen Typen mit dem Schrubberding in die Hand. »Guten Tag, mein Name ist Kevin Köstner. Wir kommen vom Fernsehsender TrashTV und möchten bitte mit Bea von Maarstein sprechen.«
»Ich bin Bea. Was kann ich für Sie tun?«
Der Mafiosi im cremeweißen Anzug hob die Hand und ließ sie gleich darauf so abrupt fallen, als hätte er ein Stück unsichtbares Band abgerissen. »Und action!«
Wie auf ein Stichwort drückte die junge Frau auf dem Kasten herum und trat damit näher an Bea heran.
»Herzlichen Glückwunsch!« Kevin Köstner breitete mit einem breiten Grinsen die Arme aus. »Sie und Ihr Papagei wurden als Teilnehmer der aktuellen Staffel von Deutschland sucht das Superhaustier ausgewählt.« Er winkte den jungen Typen näher zu sich heran, der daraufhin das lange Schrubberding Bea entgegenstreckte.
Wie aufregend!, dachte Dr. Jekyll, und all seine wilden Spekulationen waren mit einem Schlag vergessen. Ein Filmteam – wie spannend! Jetzt interessierte sich sogar schon das Fernsehen für sie.
Bea hingegen schien vollkommen unbeeindruckt zu sein. »Das muss ein Missverständnis sein.«
»Ganz und gar nicht!« Kevin Köstners Stimme überschlug sich fast vor lauter Überschwang. »Sie gehören zu den wenigen Glücklichen, die aus Tausenden von Bewerbern ausgewählt worden sind.«
Yeah!, dachte Dr. Jekyll. So fühlte es sich also an, ein Auserwählter zu sein.
Bea bedachte den Redakteur mit einem mitleidvollen Blick. »Ich fürchte, unsere Definitionen von ‚Glück‛ gehen doch sehr weit auseinander.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust. »Im Scheinwerferlicht zu stehen gehört für mich nicht unbedingt dazu.«
Kevin Köstner runzelte die Stirn. »Sie haben sich doch aber für die Show beworben.«
»Nein, das habe ich nicht.«
»Ach, ich weiß.« Der Redakteur setzte wieder sein Grinsen auf. »Das liegt alles an der Aufregung.« Er nickte nachsichtig. »Kein Problem, das passiert häufig. Die meisten Leute werden vor einer Kamera nervös. Ich verstehe das. Als Normalsterblicher hat man ja nicht oft die Gelegenheit, sich im Fernsehen zu präsentieren.«
»Haben Sie mir zugehört?« Bea schob verärgert das Kinn vor. »Ich habe nicht das geringste Verlangen danach, bei Ihrer Show mitzumachen.«
»Wie? Was?« Kevin Köstner sah aus, als hätte man ihn geohrfeigt.
»Ich will nicht ins Fernsehen!«, rief Bea energisch. »Und mein Papagei ganz sicher auch nicht.«
Doch, na klar will ich das! Dr. Jekyll plusterte sein Gefieder. Das ist doch die perfekte Gelegenheit, der Welt mein Können zu zeigen. Dr. Jekyll, der Film- und Fernsehstar. Nach all den verschiedenen Persönlichkeiten, die er schon angenommen hatte, war das eine Facette, die er bislang noch so gar nicht ausgelebt hatte.
»Aber warum haben Sie sich dann überhaupt bei uns beworben?«, wollte der Redakteur wissen.
»Wie schon gesagt, das war ich nicht.« Bea zuckte mit den Schultern. »Tut mir wirklich sehr leid, dass Sie umsonst gekommen sind.« Sie machte Anstalten, die Tür zu schließen, doch Köstner grätschte dazwischen.
»Moment! Jetzt sind wir ja einmal hier. Da werden wir doch bestimmt eine Lösung finden.« Sein bärtiges Gesicht nahm einen unterwürfigen Ausdruck an. »Denken Sie doch bitte noch mal in Ruhe nach. Dem Gewinner winkt sogar ein ordentliches Preisgeld.«
»Schalten Sie die Kamera aus«, entgegnete Bea forsch. »Ich werde Ihnen keine Aufnahmen von mir genehmigen.«
Mit einem knappen Nicken gab Köstner der Kamerafrau ein Zeichen, die sich daraufhin ein Stück wegdrehte und die Kamera auf dem Boden abstellte.
Der Redakteur ließ die Schultern hängen. »So etwas habe ich noch nie erlebt.«
»Gibt es Probleme?« Sven war im Türrahmen aufgetaucht.
»Kevin Köstner von TrashTV«, stellte sich der Redakteur umgehend vor.
»Grüneis, ich bin der Dorfpolizist. Wie kann ich helfen?«
Bea lächelte. »Die Damen und Herren wollten gerade gehen.«
»Wir sind hier, um mit Frau von Maarstein und ihrem Papagei einen Beitrag für unsere Tiershow zu drehen«, erklärte Köstner. »Deutschland sucht das Superhaustier. Das kennen Sie doch sicher?«