Johannes XXIII. - René Schlott - E-Book

Johannes XXIII. E-Book

René Schlott

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Beschreibung

Angelo Roncalli (1881-1963) regierte die Kirche als Papst Johannes XXIII. nur fünf Jahre lang, doch sein Pontifikat kann als das wichtigste des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Als er 1958 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, galt er als Mann des Übergangs. Mit der überraschenden Einberufung des II. Vatikanischen Konzils schrieb er aber Kirchengeschichte. Die von diesem Konzil ausgehenden Impulse und Auseinandersetzungen wirken noch immer - ebenso wie die Friedens- und Sozialpolitik von Johannes XXIII., der bis heute wegen seiner jovialen und volksnahen Art als der "gute Papst" gilt. Die Biografie zeichnet das außergewöhnliche Leben Roncallis vom einfachen Bauernsohn zum bedeutenden Reformpapst nach und wirft Schlaglichter auf die wichtigsten Stationen seiner wechselvollen kirchlichen Laufbahn. Abbildungen, wichtige Quellenauszüge und kommentierte Literaturhinweise ergänzen die facettenreiche Lebensbeschreibung. Mehrere Videointerviews mit dem Autor beantworten darüber hinausgehende Fragen. Die multimediale Reihe "Geschichte kompakt" bietet einen zeitgemäßen Zugriff auf Themen und Fragen der Weltgeschichte - geeignet für Schule und (Eigen-)Studium, zum Nachlesen, Nachschlagen, Lernen, auf den aktuellen Stand bringen und Bescheidwissen.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Johannes XXIII.

Der Friedens- und Konzilspapst

Büste von Johannes XXIII. In Porto Viro, Italien (Foto: Pivari)

Impressum

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN: 978-3-86408-074-6 (epub) // 978-3-86408-075-3 (pdf)

Korrektorat: Frank Petrasch

© Copyright: Vergangenheitsverlag, Berlin / 2012

www.vergangenheitsverlag.de

Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wahl und Krönung

3. Herkunft und Ausbildung

4. Beruf und Berufung

5. Diplomat und Seelsorger

6. Kardinal und Patriarch

7. Konzilspapst

8. Friedenspapst

9. Krankheit und Tod

10. Ausblick und Würdigung

Anhang

Quellenteil

a)  Sozialenzyklika "Mater et Magistra" 1961 (Auszüge)

b)  Friedensenzyklika "Pacem in terris" 1963 (Auszüge)

c)  Ansprache zur Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 (Auszüge)

d)  Ansprache an die Menge auf dem Petersplatz am Abend der Konzilseröffnung 11. Oktober 1962 "Discorso della luna" (Auszüge)

Lesetipps und weiterführende Internetressourcen

Endnoten

1. Einleitung

„Il papa buono“ - „Der gute Papst”, so wurde Johannes XXIII. schon zu Lebzeiten genannt. Er regierte die katholische Kirche als ihr Oberhaupt von 1958 bis 1963 und kann heute als einer der bedeutendsten Päpste des 20. Jahrhunderts gelten. In seine Amtszeit fallen entscheidende Weichenstellungen für die Entwicklung des Katholizismus im 20. und 21. Jahrhundert. Zu den weitreichendsten Entscheidungen von Johannes XXIII. gehörte die Einberufung eines allgemeinen Kirchenkonzils bereits wenige Monate nach seiner Wahl. Zudem setzte er mit seinen Enzykliken wichtige Impulse in der päpstlichen Friedens- und Sozialpolitik. Auch wenn seit dem Konzil und dem Tod von Johannes XXIII. inzwischen fast ein halbes Jahrhundert vergangen ist, sind die Wirkungen seines Pontifikats noch immer spürbar. Johannes XXIII. ging als Reformpapst in die Kirchengeschichte ein. Unter ihm erreichte das Papsttum ein zuvor nie dagewesenes Ansehen als weltweit anerkannte moralische Autorität über alle geographischen, politischen und religiösen Grenzen hinweg. Vom Charisma Johannes‘ XXIII. und seiner Wertschätzung profitierten alle seine Nachfolger sowie die katholische Kirche bis heute. Johannes XXIII. zeigte in besonderer Weise, wie sehr das Papstamt als Institution von der Person, die es ausfüllt, geprägt wird.

In seiner Ausgabe vom 4. Januar 1963 kürte das US-amerikanische Time Magazine Johannes XXIII. aufgrund der Eröffnung des Konzils und seiner Vermittlung in der Kubakrise als ersten Papst überhaupt zum „Man of the Year“ (1962) und erklärte ihn zum „most po popular Pope of the modern times – perhaps ever”.

Als er 1958 mit fast 77 Jahren zum Papst gewählt wurde, lag bereits ein langes und erfülltes Leben hinter Angelo Giuseppe Roncalli, wie er mit bürgerlichem Namen hieß. Nachfolgend werden die wichtigsten Stationen seiner Laufbahn vom Bauernsohn aus dem kleinen Dorf Sotto il Monte zum Oberhaupt der katholischen Kirche und römischem Pontifex Maximus chronologisch nachgezeichnet. Den Schwerpunkt der Biographie bildet sein kurzes, aber folgenreiches Wirken als Papst des Friedens und des Konzils. Im Ausblick und der Würdigung erfolgt abschließend eine Einordnung des Johannes-Pontifikats in die neuzeitliche Kirchengeschichte, bevor am Ende Auszüge aus seinen beiden wichtigsten Enzykliken und aus zwei seiner Ansprachen anlässlich der Konzilseröffnung sowie weiterführende, kommentierte Literaturhinweise wiedergegeben werden. Am Beginn der Biographie aber steht der entscheidendste Tag im Leben des Angelo Roncalli – seine Wahl zum Papst.

Papstwappen Johannes‘ XXIII: Wie üblich erscheinen über dem Papstwappen die Tiara, die dreifache päpstliche Krone und im Hintergrund die gekreuzten Schlüssel „des Himmelreichs“, die auf die biblische Überlieferung zurückgehen (Mt 16, 18). Die individuellen Wappenelemente erinnern an Roncallis Zeit als Patriarch von Venedig (Markuslöwe) und als Nuntius in Frankreich (Lilien, das Symbol der französischen katholischen Könige). Der Turm vor rot-weiß gestreiftem Hintergrund ist dem Wappen seines Geburtsortes Sotto il Monte entnommen und stellt gleichzeitig das über 500 Jahre alte Familienwappen der dort ansässigen Roncallis dar.

2. Wahl und Krönung

Seit drei Tagen waren die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen, um einen neuen Papst zu wählen. Im sogenannten Konklave (lat. cum clave, mit Schlüssel) erfolgte Wahlgang um Wahlgang, ohne dass ein Kandidat die notwendige 2/3-Mehrheit plus einer Stimme erhielt. Immer wieder stieg Rauch aus der Sixtina auf und die Menge auf dem Petersplatz rätselte über dessen Farbe.1 Nur 51 Kardinäle nahmen 1958 an der Wahl des Papstes teil; zwei Purpurträger aus dem Ostblock durften nicht nach Rom ausreisen.

Als am späten Nachmittag des 28. Oktober 1958 um 17:07 Uhr wiederum Rauch aus der Sixtina aufstieg, war sich der Sprecher von Radio Vatikan über dessen Farbe noch unsicher, obwohl der Vatikan als Zugeständnis an das moderne Medienzeitalter erstmals Spotlights auf den Schornstein gerichtet hatte. Er kommentierte live über das Kirchenradio: „Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Rauch weiß.“ Andere Beobachter aber sahen nur schwarz und die ersten Schaulustigen verließen enttäuscht den Petersplatz. Zu oft war in den vergangenen Tagen weißer Rauch gemeldet worden, der sich schließlich doch als schwarzer erwies, was wiederum bedeutete, dass die Stimmzettel mit feuchtem Stroh verbrannt worden waren, ohne dass ein neuer Papst gewählt war. Zehn Minuten später war der Radioreporter etwas sicherer, blieb aber vorsichtig: „Wir glauben, wir können die Bestätigung geben, dass das Rauchsignal weiß war.“ Das hieße ein neuer Papst war gewählt worden. Um 17:30 Uhr verkündete Radio Vatikan schließlich: „Der Papst ist gemacht. Wir warten darauf, dass die Fenster der Loggia sich öffnen.“ Gemeint war der große Balkon über dem Eingang des Petersdomes, die sogenannte Benediktionsloggia, wo jeder neue Papst seinen ersten Segen „Urbi et orbi – Der Stadt und dem Erdkreis“ erteilt.2

Unterdessen war hinter den nun erleuchteten Fenstern der Loggia ein reges Treiben zu beobachten. Um 18 Uhr öffnete sich die Tür und auf dem Platz trat Totenstille ein, als Kardinal Nicola Canali, der Älteste der Kardinaldiakone, auf den Balkon heraustrat. Mit der traditionellen lateinischen Formel „Habemus papam“ verkündete er die Wahl des neuen Papstes.

Als der Kardinaldiakon den Namen des Gewählten genannt hatte, Kardinal Angelo Roncalli, herrschte keineswegs Überraschung unter den Menschen auf dem Platz. Der Patriarch von Venedig war im Vorfeld des Konklaves in der italienischen und internationalen Presse als Kompromisskandidat gehandelt worden. Nach ca. zwölf Wahlgängen hatte er schließlich die notwendige Mehrheit erreicht. Überraschender war vielmehr die Wahl des Papstnamens Giovanni XXIII. durch den Gewählten. Seit über 600 Jahren hatte kein Papst mehr den Namen Johannes getragen.3 Roncalli hatte bei seiner Entscheidung nicht zuletzt an die Pfarrkirche San Giovanni in seinem Geburtsort Sotto il Monte gedacht.

Auf dem Petersplatz und in den angrenzenden Straßen, auf die inzwischen immer mehr Menschen geströmt waren, herrschte nach der Verkündigung der Papstwahl durch den Kardinaldiakon ein unbeschreiblicher Jubel. Tausende schwenkten Hüte und Tücher, lagen sich in den Armen, weinten und beteten. Obwohl die römischen Verkehrsbetriebe just an diesem historischen Tag streikten, sollen sich über 300.000 Gläubige, Schaulustige, Touristen und Neugierige unter den Fenstern des Vatikans zusammengefunden haben. Die Glocken von Sankt Peter stimmten in die freudige Begeisterung ein. Nach und nach läuteten die Glocken aller gut 300 Kirchen Roms und schließlich die aller katholischen Gotteshäuser in der Welt, um das Ende der papstlosen Zeit und den Beginn eines neuen Pontifikats zu feiern.