Maddrax 601 - Lara Möller - E-Book

Maddrax 601 E-Book

Lara Möller

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Beschreibung

Für Matt haben sich einige Fragen aufgetan - aber keine Antwort darauf, wo Aruula abgeblieben ist. Wird sie vielleicht an Bord des Flugzeugträgers gefangen gehalten?
Als er und Haaley zum Basislager zurückkehren, haben die dort verbliebenen Dark-Force-Soldaten bewaffnete Männer im Dschungel ausgemacht. Stammen sie von der USS Nimitz? Matt setzt sich auf ihre Fährte - und stößt auf ein unglaubliches Geheimnis...


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Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Was bisher geschah...

Der Tempel

Checkliste

Vorschau

Impressum

Am 8. Februar 2012 hält ein gewaltiger Komet Kurs auf die Erde! Man beschießt ihn mit Atomraketen. Drei Stratosphärenjets sollen die Auswirkung beobachten. Commander der Staffel ist der US-Pilot Matthew Drax. Doch die Raketen verpuffen auf dem Himmelskörper, von dem eine unbekannte Strahlung ausgeht. »Christopher-Floyd« schlägt in Asien ein. Die Druckwelle trifft auch die drei Jets und fegt sie davon...

Als Matthew und sein wissenschaftlicher Copilot Professor Dr. Jacob Smythe aus einer Ohnmacht erwachen, trudelt ihr Jet auf die Alpen zu! Smythe gelingt der Ausstieg per Schleudersitz. Matt kann die Maschine abfangen und notlanden. Er wird von Barbaren gefunden, die ihn als Gott ansehen und »Maddrax« nennen. Statt einer verwüsteten Erde sieht Matt sich fremdartigen Lebewesen und Pflanzen in einer veränderten Geografie gegenüber. Was er nicht ahnt: Die Druckwelle hat die Fliegerstaffel durch einen Zeitstrahl um 520 Jahre in die Zukunft geschleudert. Dieser Strahl, der seit Urzeiten vom Mars zur Erde reicht, sicherte vor 4,5 Milliarden Jahren den Marsbewohnern, den Hydree, das Überleben. Der vermeintliche Komet war die Arche einer Wesenheit namens »Wandler«, deren Dienerrasse, die Daa'muren, sich die Erde untertan machen will, indem sie Fauna und Fauna mutieren und die Menschen verdummen lässt.

Zusammen mit Aruula, einer telepathisch begabten Kriegerin, beginnt Matt Drax seinen Feldzug. Er findet Freunde – unter anderem die Hydriten, die sich aus den Hydree entwickelt haben und in den Meerestiefen leben –, kämpft gegen die Daa'muren und gerät an Schurken, allen voran Jacob Smythe, der wahnsinnig wurde und die Weltherrschaft anstrebt, bis Matt ihn am Ende unschädlich macht. Auch Smythes Zwilling aus einem Parallelwelt-Areal stirbt, während seine Freundin Haaley, ebenso verrückt wie er, entkommt. Diese Areale, die überall auf der Erde aufbrechen, sind das Ergebnis von Zeitreisen, die die Menschen einer fernen Zukunft unternahmen, um technische Artefakte zu sammeln. Matt und seine Verbündeten können alle schließen, wobei ihnen GRÜN, eine Art Pflanzenbewusstsein der Erde, zur Seite steht.

Auch Colonel Aran Kormak stammt aus einer dieser Parallelwelten – zumindest will er Matt dies weismachen. In Wahrheit ist er sein skrupelloser Zwilling aus dieser Welt, von dem Matt glaubt, er wäre tot. Doch Kormak, Befehlshaber einer Elitetruppe namens Dark Force, scheint sich zu besinnen und verbündet sich mit Matt, als eine neue Bedrohung auftaucht.

Denn kaum ist das letzte Areal in Afrika versiegelt, wobei GRÜN beinahe vernichtet wird, sehen sich die Gefährten einer kosmischen Bedrohung namens »Streiter« gegenüber, die noch immer den Wandler auf der Erde vermutet. In einem furiosen Endkampf gelingt es Matt, sie zu versteinern.

Doch die Freude währt nur kurz, als Aruula mit dem Gleiter RIVERSIDE verschwindet. Matt und ein Dark-Force-Trupp folgen ihr mit der PLASMA, einem außerirdischen Raumschiff, bis nach Südamerika. Über Peru stürzen sie wegen plötzlichen Energieverlusts ab und finden die havarierte RIVERSIDE. Von Aruula keine Spur! Dafür entdeckt Matt das Wrack eines Flugzeugträgers mitten im Dschungel – und eine blinde Passagierin, die mit nach Amraka kam: Haaley.

Matt schleicht sich auf die USS Nimitz und trifft dort auf eine feindlich gesinnte Mannschaft und einen gewaltigen roten Diamanten. Inzwischen wird seine Truppe von mysteriösen Gegnern dezimiert, und Matt ist sich nicht sicher, ob nicht Haaley dahintersteckt...

Der Tempel

von Lara Möller

Ein Geräusch ließ Private Dschenn herumfahren. In der Bewegung hob sie das Sturmgewehr und richtete es auf den Dschungel. Ihr Blick huschte über das dichte Unterholz. Kein Feind zu sehen. Sie horchte angestrengt. Nichts.

Nach den Ereignissen des gestrigen Tages lagen ihre Nerven blank. Der Absturz, Sergeant Walthers grausamer Tod und der Schlafmangel setzten ihr zu. Dazu kam die Sorge um Commander Drax und die anderen.

Ein Rascheln. Irgendwo brach ein Ast. Leicht geduckt schlich Dschenn vorwärts. Aus den Augenwinkeln sah sie Jackson und Katta aus der PLASMA treten.

Sie bedeutete den beiden mit einer Geste, ruhig zu sein.

Und hörte Stimmen ...

Marisa Dschenn erstarrte in der Bewegung. Das G36 im Anschlag, versuchte sie vergeblich, etwas im dichten Unterholz zu entdecken. Die Sicht betrug kaum drei Meter.

Sie lauschte angestrengt. Hatte sie sich die Stimmen eingebildet? Gaukelte ihr müdes Gehirn ihr Geräusche vor? Commander Drax, Teeyla und Boston würden sich kaum auf diese riskante Weise anschleichen. Außerdem waren die drei in PROTO unterwegs, warum sollten sie zu Fuß zurückkommen? Oder war dem Antrieb des Amphibienpanzers ebenfalls der Saft ausgegangen? Das wäre ein ernsthaftes Problem. Sie brauchten den Panzer, um aus dieser grünen Hölle herauszukommen!

Um Marisas Kopf summten und surrten Insekten. Eines landete dreist auf ihrer Nase. Sie widerstand dem Drang, den Störenfried zu verscheuchen. Ihre Sturmhaube lag auf einer der Vorratskisten; neben den Resten der faden Ration, die sie eben zum Frühstück gegessen hatte.

Sie schielte zu Jackson und Katta. Beide hatten die Gewehre gehoben und warteten auf ein Signal. Die Sturmhauben hingen an ihren Gürteln. Auch wenn die Nachtsichtfunktion und andere Extras durch die Entladung nicht mehr funktionierten, boten die Helme Schutz gegen Kugeln, Wurfgeschosse und Insekten.

Katta stand leicht schief, das Gesicht beinah so weiß wie sein Kopfverband. Neben dem bulligen, hünenhaften Jackson wirkte er schmächtig. Hinter der Brille verriet sein flackernder Blick Schmerzen und Anspannung.

Die Stimmen kehrten zurück. Weiter links. Eindeutig ein Mann und eine Frau, die sich in einer unverständlichen Sprache unterhielten. Vermutlich Quechua oder eine Art Dialekt. Der Tonfall war scharf, wie bei einem Streit. Der letzte Funken Hoffnung, es könne sich doch um die vermissten Kameraden handeln, erlosch in Marisa.

Sie winkte Jackson und Katta heran. Die beiden näherten sich lautlos. Im Vorbeigehen nahm Jackson ihre Sturmhaube von der Vorratskiste.

Sie deutete in den Dschungel. Die Männer hielten inne. Sie hörten die Stimmen ebenfalls.

»Folgen wir ihnen?«, flüsterte Marisa.

Vielleicht konnten die Fremden verraten, wieso der Antrieb der PLASMA sämtliche Energie verloren hatte. Oder sie wussten etwas über den Verbleib von Commander Drax, Teeyla und Boston. Nicht zu vergessen Aruula, die der Grund für diese Mission war.

Corporal Jackson nickte. Er reichte ihr die Sturmhaube. Dann deutete er auf Katta und zurück zur PLASMA. Falls es zu einem Feuergefecht oder Kampf käme, wäre der Sanitäter in seinem Zustand ein Risiko.

»Keine scharfe Muni«, raunte Jackson. »Wir wollen die lebend abgreifen.«

Sie setzten die Helme auf und wechselten rasch die Magazine mit den Bleimantelgeschossen gegen Gummigeschosse aus. Bei Bedarf konnten sie auch zu den Schrotflinten mit der Beanbag-Muni greifen.

Obwohl Jackson den höheren Rang besaß, ging Marisa entschlossen voraus. Das Sturmgewehr fest im Griff, bahnte sie sich einen Weg durchs dichte Unterholz, beharrlich den Stimmen folgend. Endlich einmal war ihre zierliche Statur von Vorteil. Sie schob sich elegant zwischen dicht stehenden Baumstämmen hindurch und duckte sich geschmeidig unter tief hängenden Ästen hinweg.

Jackson hatte hörbar mehr Mühe. Selbst bei aller Achtsamkeit und Vorsicht war es schier unmöglich, sich lautlos zu bewegen. Der unebene, von verrottendem Holz, Wurzelwerk und Laub bedeckte Boden erschwerte jeden Schritt. Die ständige Klangkulisse des Regenwalds bot einen gewissen Schutz vor Entdeckung. Die nahen und fernen Tierlaute, das Zwitschern der Vögel und das gelegentliche Flattern von Schwingen übertönten die Geräusche brechender Zweige und kleiner Ungeschicklichkeiten. Allerdings galt das auch für die anderen.

Schlingpflanzen und Ranken strichen über Marisa Dschenns Kampfanzug. Ausladende, fleischige Blätter hinterließen klebrige Sporen auf den Gläsern des Helms.

Da verstummten die Stimmen abrupt.

Marisa hielt inne und hob die Hand. Jackson blieb ebenfalls stehen. Sie lauschte angestrengt. Wo waren die Leute abgeblieben? Hektisch suchte sie die Umgebung ab. Die Sicht war miserabel.

Dort, eine Bewegung zwischen den Bäumen! Vielleicht zwanzig Meter entfernt.

Rasch löste sie das Fernglas vom Gürtel und holte die Szene heran. Es handelte sich um drei Personen in militärisch anmutender Kleidung, zwei Männer und eine Frau. Sie standen im Kreis, als würden sie etwas begutachten. Alle trugen Rucksäcke und Macheten und waren zusätzlich mit Pistolen bewaffnet. Einer der Männer hatte außerdem ein Gewehr umgeschnallt.

Was waren das für Leute? Warum stapften sie mitten durch den Dschungel?

Marisa senkte das Fernglas, blickte zu Jackson und hob drei Finger. Danach tippte sie dreimal auf ihren Driller und einmal auf das Sturmgewehr. Der Corporal nickte. Gelegentlich schaltete er schnell. Eine seiner wenigen positiven Eigenschaften.

Als sie zurück zu den Fremden sah, waren diese verschwunden.

Marisa fluchte stumm und versuchte gleichzeitig, ihnen zügig und möglichst lautlos zu folgen. Wenn sie die Gruppe verlor, würde Jackson wieder sein blödes Maul aufreißen. Und sich in seiner Meinung bestärkt fühlen, dass Frauen keine geeigneten Soldaten abgaben. Im schlimmsten Fall bot er ihr Nachhilfe unter Kameraden an.

Sofort kam ihr Jacksons Annäherungsversuch vom Vorabend in den Sinn. Wenn der schwanzgesteuerte Gorilla sie noch ein einziges Mal begrapschte, würde sie ihm sein armseliges Würstchen abschneiden und es vor seinen Augen über dem Feuer rösten!

In einiger Entfernung erklang ein Chor wütender Kreischlaute. Sie hob das Fernglas. Mehrere hellbraune, langschwänzige Kreaturen schwangen sich behände von Ast zu Ast. Ein Stück darunter ein Aufblitzen von Kleidung – die Fremden! Wieso konnten sich die drei im dichten Dschungel so schnell bewegen?

Marisa eilte weiter. Im nächsten Moment hakte sie mit dem rechten Stiefel unter eine Baumwurzel und stolperte. Sie fing sich und befreite sich genervt.

Kurz darauf erreichte sie zu ihrem Erstaunen eine Art Trampelpfad, der ins Unterholz geschlagen worden war. Eigentlich glich er mehr einem Tunnel. Hier und da waren Schnittstellen von Macheten oder anderen scharfen Klingen an der Vegetation zu erkennen. Jemand hatte sich sogar die Mühe gemacht, den Untergrund von Bewuchs und Laub zu befreien. Ein Aufwand, der sich kaum lohnte. Überall sprossen bereits neue Keimlinge aus dem Boden.

Nach diesem Pfad hatten die Fremden vermutlich vorhin gesucht. Und deshalb konnten sie ein solches Tempo vorlegen.

Marisa wartete ungeduldig auf Jackson, der wie ein Panzer durchs Unterholz walzte. Schließlich stand er schnaufend neben ihr. Sein mächtiger Brustkorb hob und senkte sich von der Anstrengung. Größe war eben doch nicht alles.

Marisa deutete nach links, den sich windenden Pfad entlang, der in der Ferne einen Rechtsbogen beschrieb. Ohne Jackson Zeit für einen Plausch zu geben, hob sie das G36 und lief geduckt weiter. Wo der Pfad nach rechts führte, hielt sie inne. Keine Spur von den Fremden.

Sie nahm das Fernglas zur Hand. Gut hundert Meter entfernt gab es eine freie Schneise zwischen den Bäumen. Marisa ging weiter und erreichte das Ende des Pfads.

Verblüfft blieb sie im Schutz der Bäume stehen. Vor ihr erstreckte sich eine weite Lichtung. Die große, nahezu quadratische Fläche wirkte wie freigeräumt. Als hätte eine höhere Macht ein Stück des Regenwaldes entfernt.

Und noch etwas war seltsam: Wenn die Fremden keine Richtungsänderung vorgenommen hatten, sollten sie hier irgendwo sein. Aber es gab keine Spur von ihnen.

Marisa horchte angestrengt. Keine Stimmen. Kein verräterisches Knacken im Unterholz.

Jackson trat neben sie. Nach einigen schweigsamen Sekunden nahm er die Sturmhaube ab und klemmte sie sich unter den Arm. Er runzelte die Stirn. Über seinem Schnauzbart schimmerte die getapte Nase in den schönsten Blautönen. Das passte hervorragend zum Rest der unattraktiven, von der gestrigen Säureattacke zusätzlich entstellten Visage.

Dank dieses Vollidioten zierten winzige Verbrennungen auch Marisas Hände, Arme und die Schultern. Bei der Erinnerung, dass er sie ohne Top gesehen hatte, stiegen Ekel und Wut in ihr auf. Sie hätte Jackson der fleischfressenden Schote überlassen sollen!

»So eine Wakudakacke«, kommentierte der Corporal nüchtern und spuckte trocken aus.

Marisa stimmte ihm wortlos zu.

Der Dschungel besaß tausend Augen. Tausend Stimmen. Tausend Gefahren lauerten im Dickicht. Das Sturmgewehr im Anschlag, drehte sich Corporal Katta langsam um die eigene Achse. Er fühlte sich exponiert. Einer feindlichen Umgebung ausgeliefert, deren Regeln und Gesetze er nicht kannte.

Seine Arme zitterten. Es bereitete ihm Mühe, die schwere Waffe zu halten. Die gebrochenen Rippen protestierten bei jedem Atemzug. Falls er schießen musste, würde ihm der Rückstoß wahrscheinlich den Rest geben. Die Platzwunde machte ihm zu schaffen. Dumpfer Schmerz pochte hinter seinen Schläfen. Dazu kam ein leichtes Schwindelgefühl.

Deshalb baumelte sein Helm am Gürtel. Er nahm lieber schwirrende Insekten in Kauf als stickige Enge.

Wie lange waren Jackson und Dschenn fort? Gefühlt eine halbe Ewigkeit.

Katta rechnete jede Sekunde damit, Schüsse oder Schreie zu hören. Was sollte er tun, falls sie nicht zurückkamen? Falls niemand zurückkam? Den Spuren von PROTO folgen? Verwundet und allein? Wer wusste, wie weit der Commander, Boston und Teeyla in dem Amphibienpanzer gefahren waren. Es konnten Dutzende Kilometer sein. Hunderte.

Humpelnd zog sich Katta zur PLASMA zurück. Nicht nur die Rippen, auch die Milz sendete deutliche Stresssignale.

Er lehnte sich rücklings an das Raumschiff und schloss für einige Momente die Augen. Nach der durchschlafenen Nacht hatte er sich besser gefühlt, nun baute er zusehends ab. Er fühlte sich fiebrig. Schweiß rann in Strömen Schläfen und Nacken herab. In der feuchtwarmen Luft beschlugen immer wieder die Gläser seiner Brille.

Vor ihm ertönte ein undefinierbares Geräusch. Erschreckt riss Katta das G36 hoch.

Stechender Schmerz explodierte in seiner linken Seite. Er schrie auf. Die Waffe entglitt seinem Griff. Eine Weile stand er gekrümmt da und atmete möglichst flach ein und aus. Schwarze Punkte tanzten vor seinen Augen. Die Intensität der Schmerzen bereitete ihm Sorgen. Wenn sie es nicht in absehbarer Zeit aus diesem verfluchten Dschungel schafften, steckte er in ernsthaften Schwierigkeiten!

Als das Brennen und Pochen endlich nachließ, versuchte Katta, das Sturmgewehr aufzuheben. Der Schmerz kehrte sofort zurück. Keine Chance.

Er richtete sich langsam auf und zog stattdessen den Driller. Die Projektilwaffe ließ sich mit einer Hand halten. Die Schrotflinte mit der Beanbag-Muni, die im Rückenholster steckte, konnte er in diesem Zustand nicht vernünftig durchladen.

Irgendwo kreischte ein Tier. Vielleicht ein Affe. Ein Vogel flog über das Lager hinweg, schillernd und bunt. Zwei weitere folgten, ebenso prächtig anzusehen. Dann ein ganzer Schwarm.

Wie abgeschossene Granaten sausten die Vögel zu Kattas Rechten zwischen den Bäumen hervor. Er richtete den Driller auf die Stelle. Angst zog ihm Brust und Magen zusammen.

Schlagartig verstummten sämtliche Geräusche. Der Dschungel schien den Atem anzuhalten.

Etwas traf ihn am rechten Oberarm. Zahlreiche fingerlange, flache, entfernt tannennadelähnliche Objekte steckten im Kampfanzug. Sie schimmerten gelblich-schwarz.

Ein Knacken im Unterholz, direkt vor ihm. Trotz der Schmerzen umfasste Katta den Driller mit beiden Händen. Verdammte beschlagene Brillengläser!

Ein Rascheln ertönte. Schwoll zu einem Rasseln an. Wurde lauter. Bedrohlicher.

Etwas schob sich aus dem Dickicht. Kattas Augen weiteten sich vor Entsetzen.

Corporal Wayne Jackson ließ säuerlich den Blick über die Lichtung schweifen. Keine Spur von den drei Fremden. Keine abgeknickten Zweige in der Nähe und keine Fußabdrücke. Dschenn stand reglos neben ihm. Beim nächsten Mal würde er es sich gründlich überlegen, ob er einem knackigen Hintern und einem Paar rehbrauner Guckerchen den Vortritt ließ. Das hatte er von seiner Großzügigkeit!

Eine Unterhaltung mit den Fremden wäre garantiert aufschlussreich gewesen. Jackson kamen zahlreiche Fragen in den Sinn, auf die er allzu gern Antworten gehört hätte. Das Problem mit der Sprachbarriere hätte er kreativ gelöst. Wo ein Wille, da ein Weg.

Nun kehrten sie mit leeren Händen zum Basislager zurück. Katta bereitete ihm keine Sorgen. Drax hingegen...

Der Mann ging ihm gehörig auf den Sack. Jackson verspürte keinerlei Verlangen, sich erneut von dem Besserwisser belehren zu lassen. Falls Drax, Teeyla und Boston überhaupt zurückkehrten. Allmählich zweifelte Jackson an einem Wiedersehen.

In der Ferne grollte Donner. Der Himmel über der Lichtung hatte die Farbe von altem Blei.

Ein Unwetter brauchte er so dringend wie Hämorriden!

»Zurück zum Basislager«, grummelte Jackson. »Bevor sich Katta vor Angst ins Höschen macht.«

Er setzte den Helm wieder auf. Den Lauf des Sturmgewehrs auf den linken Unterarm gestützt, wandte er sich um.

Dschenn folgte ihm den Pfad entlang und zurück zu der Stelle, an der sie aus dem Unterholz gekommen waren. Obwohl sie sich nicht mehr auf der Pirsch befanden, blieb Jackson aufmerksam. Die Begegnung mit der fleischfressenden Pflanze hatte deutlich gezeigt, dass in diesem Dschungel potenziell jeder bei jedem auf dem Speiseplan stand. Selbst das verfluchte Grünzeug wollte einem an den Kragen! Ohne Dschenns Hilfe wäre er im Säurebad in sämtliche Bestandteile zerlegt worden.

Beim Scheißhausbuddeln krepiert, dachte Jackson grimmig. Schöne Inschrift für einen Grabstein.

Dschenns nackte Titten waren das Erlebnis fast wert gewesen. Warum sie ihn gestern nicht rangelassen hatte, kapierte er nicht. Blöde Biisch!

Das Knie in die Eier und die Drohungen werde ich nicht vergessen. Darüber unterhalten wir uns noch.

Ein gellender Schrei ließ seinen Gedankenzug entgleisen. Es folgte eine Reihe dumpfer Geräusche, die verdächtig nach Schüssen klangen. Das kam aus der Richtung des Basislagers!

Katta! Mist, verdammter!

Jackson lief los. Er brach durch das Unterholz, achtete nicht mehr auf Heimlichkeit und nutzte seine schiere Körpermasse, um vorwärtszukommen. Trotzdem ging es frustrierend langsam. Man müsste diesen ganzen beschissenen Dschungel einebnen und einen Parkplatz daraus machen!

Er sah über die Schulter. Dschenn war leicht abgeschlagen.

»Beweg deinen Hintern!«, brüllte er genervt.

Als zwischen den Bäumen das Lager in Sicht kam, verlangsamte Jackson das Tempo. Mit dem Gewehr im Anschlag schlich er geduckt weiter. Er schnaufte unter der Sturmhaube. Nicht, weil er außer Form war. Sondern weil ihm die gebrochene Nase Probleme beim Atmen bereitete.

Diffuse Wut wallte in ihm auf. Es war nicht seine Schuld gewesen, dass er dieser Triell auf den hübschen Pelz gerückt war. Er hatte unter einem dunklen Einfluss gestanden, war nicht Herr seiner Sinne gewesen. Und den Scheiß brauchte er jetzt wirklich nicht!

Konzentriere dich, Mann!

Er vergewisserte sich rasch, dass Dschenn ihm Rückendeckung gab. Sie bewegte sich einige Meter hinter ihm, leicht versetzt und in der gleichen geduckten Haltung.

Am Rand des Lagers hielt Jackson inne. Keine Spur von Katta. Keine Schreie, keine anderen Geräusche. Vielleicht versteckte sich der Corporal im Raumschiff.

Wenn sich das lauwarme Weichei vor einer schäbigen Baumviipa*erschreckt hat, bepiss' ich mich vor Lachen!

Trotzdem tauschte Jackson das Magazin mit den Gummigeschossen gegen Bleimantelgeschosse aus. Für alle Fälle. Dschenn tat es ihm gleich. Als sie bereit war, deutete er zuerst auf sich und danach zur PLASMA. Dschenn befahl er mit einer Geste, nach links zu gehen. Sie nickte.

Nach einem prüfenden Blick löste sich Jackson aus der Deckung. Er huschte zum havarierten Raumschiff. Dicht neben der Außenhülle lag ein Sturmgewehr. Kattas Waffe. Das war nicht gut.

Beunruhigt nahm er die Umgebung in Augenschein. Abgesehen von Dschenn war niemand zu sehen. Jackson schlich zum Einstieg und spähte vorsichtig ins Innere. Nichts.

Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung wahr. Dschenn winkte ihm zu. Sie deutete erst auf den Boden und anschließend ins Unterholz. Fußspuren? Rasch die PLASMA überprüfen und...

Ein Kreischen aus dem Dschungel ließ Jackson erstarren. Im ersten Moment hielt er es für den Laut eines Tieres. Dann erkannte er Kattas Stimme. Sie klang nur noch entfernt menschlich. Eisige Kälte rauschte ihm über den Rücken und setzte sich in seinen Eingeweiden fest.

Eine schnelle Folge dumpfer Geräusche. Driller-Explosionen!

Jackson rannte los. An Dschenn vorbei, die sich dicht hinter ihn hängte. Er zog das Bajonett, hackte auf Schlingpflanzen und Ranken ein. Ein erneutes Kreischen irgendwo vor ihnen, das abrupt abriss. Jackson zwängte sich fluchend zwischen zwei Stämmen hindurch und hetzte weiter.

Zahlreiche verborgene Tiere flohen vor ihm ins Dickicht oder auf Bäume. Vögel erhoben sich mit hastigen Flügelschlägen. Jackson blieb keuchend stehen, um sich zu orientieren. Falls es Fußspuren gab, blieben sie ihm verborgen. Er fluchte frustriert.

Einige Schritte entfernt drehte sich Dschenn langsam um die eigene Achse. Dann hielt sie inne und deutete auf einen gigantischen Farn. Von den gefächerten Blättern tropfte Blut. Es hob sich in all seiner Röte vom hellen Grün der Pflanze ab.

Dschenn zeigte auf einige herabgefallene Blätter. Mehr Blut.

Jackson folgte der roten Fährte, vorbei an abgeknickten Zweigen und zerfetzten Ranken. Adrenalin kreiste in seinen Adern und schärfte sämtliche Sinne. An einem Baumstamm prangten auf Hüfthöhe drei blutige Striche, wie von Fingern gezogen.

Schließlich erreichte er eine spärlicher bewachsene Fläche, in deren Mitte eine große Blutlache glänzte. Das Erdreich war aufgewühlt. Hier hatte ein Kampf stattgefunden, dessen Ausgang Jackson ahnte.

Während Dschenn die Umgebung sicherte, suchte er nach einer neuen Fährte, der sie folgen konnten. An einer Stelle entdeckte er Abdrücke von Militärstiefeln. Vielleicht Kattas, vielleicht auch nicht.