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Ist es ein galaktisches Syndikat, dem Dak Morley zu nahe kam? Oder ist die Angelegenheit eher persönlich? Das Mordprogramm namens MEGA KILLER ist unerbittlich. Und es folgt Dak Morley überall hin...
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von Alfred Bekker
Teil 6 von 8
Eine Gesamtausgabe erschien unter dem Titel "Hetzjagd im All – Die Mega-Killer-Romane in einem Band".
Printausgaben desselben Inhalts erschienen im Mohlberg-Verlag unter den Titeln "Rache aus dem Cyberspace", "Die Zone der Gesetzlosen" und "Fluchtpunkt Laika-System".
© 2003 by Alfred Bekker
All rights reserved.
Ein CassiopeiaPress E-Book.
Ausgabejahr dieser Edition: 2014
www.AlfredBekker.de
Wir übernachteten in einem der unzähligen halbverfallenen Gebäude, die die Ruinenlandschaft von Old-L.A. kennzeichneten.
Am Morgen gingen wir weiter.
Gegen Mittag trafen wir auf eine Patrouille von Blitz-Kriegern. Garenna und ich verschanzten uns in einem der Häuser, verhielten uns so still wie möglich.
Immerhin wussten wir jetzt, dass wir uns zumindest am Rand des Gebietes der Blitz-Gang befanden.
Die Blitz-Leute wirkten nicht sonderlich aufmerksam. Sie trugen ihre Waffen an den Magnethalterungen, sahen sich flüchtg um, schienen aber nicht ernsthaft damit zu rechnen, hier auf Feinde zu stoßen.
Ich fragte mich, ob sie schon vom Ende der Dreizack-Gang gehört hatten.
Es war anzunehmen.
Schließlich mussten die Detonationen kilometerweit zu hören gewesen sein. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Anführer der Blitz-Leute keine Kundschafter ausgesandt hatten, um über das, was sich da ereignet hatte, informiert zu sein.
Ich nahm den Nadler, zielte.
Insgesamt drei Blitz-Krieger waren es.
Den ersten tötete ich mit einem Nadler-Schuss genau zwischen die Schulterblätter. Der zweite drehte sich halb herum, als ihn die Nadel in Höhe der Brust erwischte. Die beiden sackten fast lautlos zu Boden.
"Stehenbleiben!", rief ich dem dritten zu. Er wollte zu dem Strahler greifen, der an der Magnethalterung am Oberschenkel befestigt war.
"Keine Bewegung!", zischte ich.
Der Blitz-Krieger hielt inne.
Ich wandte mich kurz an Garenna. "Gib mir Feuerschutz!"
"Okay!"
"Mit dem Strahler! Wenn der Kerl eine falsche Bewegung macht, äscherst du ihn ein."
Sie fasste den Strahler mit beiden Händen und nickte.
Ich sprang über die Fensterbank. Glas gab es in diesem Fenster schon seit Ewigkeiten nicht mehr.
Von hinten trat ich an den Blitz-Mann heran.
Er wusste, dass er keine Chance hatte, mich zu erwischen, bevor ich ihm die tödliche Nadel in den Körper schießen würde.
"Die Hände hoch!", befahl ich.
Er gehorchte nach kurzem Zögern. Ich nahm ihm den Strahler ab, fand noch ein Lasermesser und einen winzigen Nadler. Diese Dinge nahm ich an mich und befestigte sie an der Magnethalterung meines Gürtels. Etwas nervös ließ ich den Blick schweifen. Der Nadler war eine sehr leise Waffe. Selbst wenn noch weitere Blitz-Krieger in der Nähe waren, konnte ich hoffen, dass sie nichts von dem bemerkt hatten, was hier geschehen war.
Der Maskenträger sah mich an.
"Du bist schon so gut wie tot!", knurrte er.
"Abwarten", erwiderte ich.
"Worauf wartest du noch, Maskenloser! Warum schießt du mich nicht auch einfach über den Haufen?"
"Weil wir dich noch brauchen!"'
"Ach ja?"
"Wenn du schön tust, was ich dir sage, dann überlebst du diese Sache!"
Er atmete tief durch.
"Was habt ihr vor?"
"Erzähl uns alles, was du über das Raumschiff weißt, dass ihr in Besitz habt!"
"Ah, daher weht der Wind ..."
"Ja, genau!"
"Und ihr zwei Maskenlosen wollt euch die Raumyacht unter den Nagel reißen!" Der Blitz-Mann lachte schallend. Es klang etwas dumpf unter dem Gesichtsleder hervor. "Das haben schon ganz andere versucht!"
"Ist die Yacht flugfähig?"
"Finde es doch selbst heraus, Maskenloser!"
Ich musterte ihn abschätzig.
"Okay", sagte ich dann. "Eigentlich brauchen wir nur eure Masken. Da du nicht mit uns zusammenarbeiten willst, gibt es auch keinen Grund mehr, dich am Leben zu lassen."
Ich hob den Nadler, setzte ihn an seine Schläfe. Er atmete schwer unter seiner Maske.
"Ich bin ein Angehöriger der Blitz-Gang!", keuchte er. "Bei Billy the Kid und allen OutlawSector-Göttern! Ich werde den Teufel tun und euch helfen! Niemals würde ich etwas tun, was meiner Gang schadet!"
"Habe ich verstanden!", sagte ich.
Ein schneller Griff und ich hatte die Halterung seiner Maske gelöst. Einen Augenblick später hielt ich sie in der Hand. Er starrte mich an. Schweißperlen rannen ihm über das Gesicht.
Ich warf Garenna die Maske zu. "Hier", sagte ich, "bewahr das gut auf."
"Was hast du vor?", zischte der Blitz-Mann.
"Du kannst gehen", sagte ich. "Geh zurück in euer Lager."
Er schluckte.
"Was ist?" fragte ich. "Nicht zufrieden damit? Du kannst zurückkehren zu deinen Leuten. Wir haben eure Masken, das reicht für uns." Ich wusste, was in ihm vor sich ging.
"Maskenloser Bastard", zischte er, "so etwas tut man nicht."
Ich nickte. "Jemand, der an einen Codex gebunden ist, tut so etwas nicht, aber ich bin kein Gangmitglied. Ich bin ein maskenloser Bastard, genau wie du gesagt hast, und ich kann alles tun, auch einem Maskenkrieger das wegnehmen, woran seine Ehre hängt. Nur zu, geh zurück zu deinen Leuten. Du weißt genau, was dann passiert."
Ein Gangmitglied, das ungeschickt genug war seine Maske zu verlieren, galt als ehrlos. Umgekehrt hätte nie ein Maskenkrieger dem Mitglied einer anderen Gang soetwas angetan. Es verstieß gegen den Codex. Das hatte ich während meiner Zeit bei John Sabasco mitbekommen.
"Warum tötest du mich nicht, Maskenloser?", fragte er. "Nachdem, was du getan hast, bin ich schon so gut wie tot."
"Du willst deine Ehre und ich will euer Raumschiff", sagte ich.
Er verzog höhnisch das Gesicht. Verzweiflung leuchtete in seinen Augen. "Zwei Ziele, die sich wohl kaum in Übereinstimmung bringen lassen", meinte er. "Für das, was du hier getan hast, Maskenloser, wirst du die Feindschaft aller Gangs auf dich ziehen."
Ich zuckte die Schultern. "Ich bin Schlimmes gewöhnt", meinte ich. Was war schon die Feindschaft dieser Gangs gegen die Verfolgung durch jenes kalte Datenbiest, das mir so dicht auf den Fersen war. So dicht, dass ich auch jetzt noch das Gefühl hatte, alles auf eine Karte setzen zu müssen, um Old L.A. möglichst schnell zu verlassen.
Ich sagte: "Ich habe einen Vorschlag."
"Den kannst du dir sparen, Maskenloser."
"Hör ihn dir erst einmal an."
"Der Vorschlag eines Widerlings ohne Ehre."
Ich hob die Augenbrauen. "Diese Sache betrachte ich ganz pragmatisch", meinte ich.
"Na schön." Verachtung stand jetzt in seinen Gesichtszügen. Er hatte seinen Stolz und meine Aufgabe bestand jetzt darin, ihm deutlich zu machen, dass er sich den nicht leisten konnte. Jedenfalls war ihm sein Leben weniger wert als seine Ehre und so glaubte ich einen guten Druckpunkt gefunden zu haben, um seine Einstellung zu beeinflussen.
Ich nahm den Nadler von seiner Schläfe. Die Aussicht auf seine baldigen Tod schüchterte ihn ja ohnehin nicht sonderlich ein.
Ich machte einen Schritt zurück, um etwas Distanz zwischen uns zu bringen. Schließlich wollte ich vermeiden, dass er mit einem Überraschungsangriff eventuell noch das Blatt zu wenden versuchte. Inwieweit die Mitglieder der Blitzgang im waffenlosen Nahkampf ausgebildet waren wusste ich nicht, aber ich nahm an, dass unter den primitiven Bedingungen des OutlawSectors derartige Kampftechniken eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Bei John Sabascos Leuten war das jedenfalls so gewesen und ich hatte keinen Grund dafür, anzunehmen, dass es bei den Blitzleuten anders war.
"Ganz einfach", sagte ich, "du bringst uns zu euerm Raumschiff. Wir werden die Masken deiner toten Freunde da tragen. Niemand wird etwas bemerken."
"Das glaubst du", meinte er verächtlich.
"Ich denke, du wirst dafür sorgen."
"Warum sollte ich das tun?"
"Weil du die Maske eines deiner Freunde tragen wirst, während dein Original von Garenna oder mir getragen wird."
Man konnte ihm ansehen, wie er nachdachte. Die Masken der Gangmitglieder ähnelten sich zwar stark, aber wenn man genau hinschaute, glich keine der anderen. Feinste Verzierungen und Gravuren bedeckten das Leder. Zwar trugen alle Gangmitglieder der Blitzleute das gut sichtbare Blitzzeichen auf ihrer Maske, aber die zahllosen anderen Merkmale machten sie für einen Kenner so individuell wie einen Fingerabdruck. Und der hatte schließlich Jahrhunderte lang als Ausweis unverwechselbarer Identität gegolten.
"Ich – mit einer fremden Maske?", fragte er.
"So ist es", nickte ich. "Das wird im ersten Moment niemanden auffallen von deinen Leuten, schon gar nicht, wenn wir in der Dunkelheit in euer Lager gehen. Wenn wir dann am Ziel sind, bekommst du deine Maske zurück."
Er verzog das Gesicht zu einem zynischem Lächeln. "Umbringen werdet ihr mich, so wie die beiden anderen hier."