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Gemüse, Kräuter und Obst anbauen, hegen, pflegen und die Ernte genießen: Sich aus dem Garten selbst zu versorgen, ist das neue Lieblingshobby der Deutschen! Auch Profiköchin und TV-Star Maria Groß hat sich mit dem Garten hinter ihrem Restaurant »Bachstelze« einen Traum erfüllt: Hier wachsen die besten Zutaten für ihre wunderbar aromatische Küche. Kein Wunder, dass sie ihr neues Kochbuch unter das Motto »vom Garten erntefrisch in die Küche« gestellt hat. Das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen: Rund 50 saisonale Rezepte mit selbst angebautem Gemüse und Obst in der Hauptrolle laden zum Nachkochen und Genießen ein. Vom schnellen Kräuterpesto über cremige Suppen und bunte Salate bis hin zu raffinierten Desserts und Eingemachtem. Und weil das Gärtnern neben dem Kochen Marias große Leidenschaft ist, verrät sie auch hierzu ihre besten Tipps und Tricks: Welche Basics man beim Gardening beachten muss, was selbst auf kleinem Raum auf Balkon und Terrasse wächst und welche persönlichen »Lieblinge« sie hat. Und natürlich steht über allem Marias Philosophie: Natürlichkeit, Qualität und Tradition.
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Seitenzahl: 183
Veröffentlichungsjahr: 2022
MEIN GARTEN
AUF DIE ZUTATEN KOMMT ES AN
Das Handwerkszeug
Die „Zutaten“
Pflanzplan
Natürlich düngen und Schädlingen zu Leibe rücken
Von der Natur lernen
MEIN GARTENJAHR IN ZEHN JAHRESZEITEN
Die zehn Jahreszeiten
SO KLAPPT’S MIT ANBAU UND ERNTE
Richtig ernten und lagern
Insektenfreundliche Umgebung
ORDNUNG IM GARTEN HAT ERFREULICHE FOLGEN
Richtig kompostieren
Eine Benjeshecke anlegen
Beerensträucher richtig schneiden
GEMÜSEPARADIES AUF DEM BALKON
Gemüse, Obst und Kräuter für den Balkon
Die richtige Pflege für Topfbewohner
Den Balkon winterfest machen
MEINE REZEPTE
MEINE VORSPEISEN
MEINE HAUPTGERICHTE
MEINE DESSERTS
MEINE EINMACHREZEPTE
Impressum
Dass es mit mir und dem Gärtnern so ausgeartet ist, hat seinen Ursprung in der besonderen Zeit seit März 2020, als wir uns alle im sogenannten Lockdown wiederfanden. Dass wir eine Zwangsfreizeit hatten, das sind wir als Gastro-Arbeitstiere ja gar nicht gewöhnt. Ich als Naturmensch habe mich dann als „Ablenkung“ viel an der frischen Luft aufgehalten. Und habe versucht, etwas zu schaffen, was auch nach der Krise noch Bestand für meinen Beruf hat. Fürs Restaurant. Es war ja auch seltsam, dass in Krisenzeiten auf einmal bestimmte Dinge gar nicht mehr zu bekommen waren. Die Warenströme waren unterbrochen, die Erzeuger womöglich in Kurzarbeit oder Schwierigkeiten. Selbst als wir in den Sommermonaten 2020 dann mal wieder öffnen durften, sind wir an bestimmte Sachen gar nicht mehr rangekommen. Dann denkt man: Wieso mache ich nicht noch mehr selbst? Auch wenn dann mal was nicht gelingt: Ein nicht 100 Prozent perfektes Produkt ist immer noch besser als vieles aus Massenkultivierung aus Gewächshäusern mit Kunstlicht und Kunsterde.
Klar, grüne Daumen sind ja nicht jedem angeboren, da muss man sich erst einmal rantasten. Am Anfang standen die Fragen, was benutze ich oft in der Küche, was ist nur überteuert im Handel zu kriegen und welches Gemüse kümmert sich am besten um sich selbst, denn mir war klar: Irgendwann will ich wieder mehr in der Küche stehen. Das Gemüse soll wachsen – aber mir nicht über den Kopf.
Aber wie legt man so einen Garten eigentlich an? In den Fachbüchern klingt es immer so einfach. Doch in der Praxis beweist es sich, ob man wirklich begriffen hat, worum es geht. Und man lernt ja auch ständig dazu: Was zum Beispiel im Vorjahr nicht funktioniert hat, muss man ja nicht auf Biegen und Brechen wieder versuchen anzubauen. Oder was tendenziell früher schon an seinem Fleckchen glücklich war, muss man ja auch nicht zu anderem zwingen.
Wichtig ist mir: Bedenke bitte bei jeder Zeile, die du liest – es handelt sich um meine Erfahrungen. Ich bin keine Professorin der Gartenbauwissenschaften. Ich bin Maria. Trial and Error liegen mir näher als „das geht nur so und so und sonst gar nicht“ aus Lehrbüchern. Manches hier mag in anderen Büchern anders stehen. In diesem Buch steht es so, wie ich es in den letzten Jahren erlebt habe. Und wenn das Buch hilft, zu animieren, auch nur einen Rosmarinstrauch, eine Fenchelknolle oder eine Gurke mehr im eigenen Garten, auf dem eigenen Balkon anzupflanzen, egal wie, umso schöner für uns alle.
Herzliche Grüße
Maria
ICH LIEBE ES UNKOMPLIZIERT. NICHT NUR BEIM KOCHEN, SONDERN AUCH BEIM GÄRTNERN. DAZU BRAUCHT ES ABER EINE GUTE VORBEREITUNG.
Wer mich kennt, weiß ja: Ich muss es nicht kompliziert und perfekt haben. Nicht in meiner Küche – und noch viel weniger in meinem Garten. Dafür ist er auch viel zu groß. Lieber lasse ich mich inspirieren von dem, was um mich herum ist, und arbeite damit. Das empfinde ich als äußerst befreiend. Wobei „perfekt“ auch Ansichtssache ist. Für mich bedeutet perfekt, wenn es um mich herum blüht, die Insekten sich freuen und Gemüse, Obst und Kräuter gut wachsen und schmecken. Dafür braucht es eine gute Vorbereitung, aber die mache ich dann auch gern.
Fangen wir am Anfang an: Mit dem richtigen und gutem Handwerkszeug geht alles viel leichter von der Hand und macht außerdem mehr Spaß.
Ich stehe ja noch am Anfang meiner Gärtnerinnenkarriere, kann also auch nicht so genau sagen, was du haben musst oder was du vielleicht auch nicht brauchst. Ein bisschen typisch ist ja, dass man sich erst mal komplett ausrüstet und noch gar nicht weiß, ob einem das, was man da vorhat, überhaupt liegt. Der Handel macht da ja auch ordentlich mit und suggeriert dir einen Mangel, wo gar keiner ist. Mein Credo im Garten war bisher immer eher: Ich lege erst mal los, gucke dabei, was mir fehlt, und besorge nur, was nötig ist. Deshalb sage ich auch dir: Du brauchst keine 50.000 Gartengeräte.
Allerdings habe ich in den letzten Jahren in Qualitätsprodukte investiert. Denn die Werkzeuge, die ich vorher mal günstig beim Discounter geschossen hatte, haben es nie besonders lang gemacht. Das rechnet sich dann auch nicht. Und einige tolle Erbstücke habe ich auch, etwa eine Hacke, die noch mein Vater, der Schlosser war, geschmiedet hatte. Die kann man immer wieder selbst schärfen. Wobei, ich habe sie zusammen mit meiner Oma geerbt, sodass ich mir meine Lieblingshacke mit ihr teile. Diese alten Geräte sind zwar schwerer, weil sie aus härterem Stahl sind, dafür sind sie auch unverwüstlich. Manchmal finde ich gute, alte Geräte auf dem Trödelmarkt – mit einem neuen Stiel dran hat man gleich ein super hochwertiges Werkzeug, das wirklich seinen Zweck erfüllt. Scharfe Werkzeuge sind auf keinen Fall zu unterschätzen, sie machen ihre Arbeit um ein Vielfaches besser als ein stumpfes Werkzeug. Gerade bei dem lehmigen Boden mit dem vielen Kalk im Garten der „Bachstelze“ ist das Gold wert.
Zum unverzichtbaren Handwerkszeug für die Gartenarbeit gehört für mich:
Hacke: Uund zwar die von meinem Vater, siehe oben. Die Hacke habe ich viel in der Hand, wenn‘s im Frühjahr ums Bestellen der Beete geht. Ich finde diese Arbeit übrigens höchst meditativ, ebenso wie das Umgraben und Auflockern.
Grabegabel: Ich mag sie lieber als den Spaten, wenn es darum geht, im Herbst das Gemüsebeet kräftig umzugraben oder aufzulockern. Oft mache ich das aber auch einfach mit meiner Lieblingshacke, indem ich sie hochkant halte. Nur wenn ich mal richtig tief oder gar ein neues Stück Boden umgraben muss, kommt der Spaten zum Einsatz.
Gartenschere: Ohne sie würden meine Beerensträucher (vor allem die Himbeersträucher) mir und der „Bachstelze“ über den Kopf wachsen.
Kräuterschere: Sie ist unverzichtbar, damit meine Kräuter frisch auf den Tisch (oder in den Topf) kommen. Die Klinge ist immer geschärft, denn für Zeitverschwendung habe ich keine Zeit.
Schubkarre: Oh ja, unbedingt eine Schubkarre! Worin sollte ich sonst alle meine Gartenabfälle zum Kompost oder zur Benjeshecke transportieren? Ich will ja nicht hundertmal hin und her laufen. Wer nicht dauernd einen Platten flicken will, investiert in eine Schubkarre mit Vollgummireifen.
Gießkannen: Natürlich brauche ich in meinem Garten etwas mehr als eine Gießkanne. Ich habe zwar auch einen Gartenschlauch, aber ich liebe Gießkannen, sie sind so nette Hingucker. Ich versuche, die Plastikdinger zu vermeiden, und bevorzuge Kannen aus Metall. Bei kleineren Flächen genieße ich es auch wirklich, meine Pflanzen rein mechanisch, nur mit meiner Armkraft zu wässern.
Alle Gerätschaften pflege ich nach Gebrauch natürlich schön, damit sie auch weiterhin gute Dienste leisten. Gerade bei Geräten mit Klingen finde ich das sehr wichtig: Sie müssen scharf sein, sonst wird man verrückt bei der Gartenarbeit (das ist übrigens wie mit den Messern beim Kochen). Und weil unser Garten so groß ist, räume ich alle Geräte nach der Benutzung gleich wieder dahin zurück, wo ich sie hergeholt habe – in mein Gartenhäuschen. Sonst würde ich sehr schnell die Gartenschere vor lauter Wildblumenwiese nicht mehr sehen.
Die richtigen „Zutaten“ sind wichtig, wenn das Gärtnern gelingen soll. Das bedeutet für mich: Die Gartenarbeit soll Freude bereiten, der Anbau der Umwelt guttun und das Ergebnis, also die Ernte, soll richtig großartig schmecken. Es ist beim Gärtnern wie beim Kochen: Die richtigen Zutaten machen am Ende den guten Geschmack aus. Natürlich braucht‘s dazu auch ein bisschen Zutun der Köchin oder, in diesem Falle, der Gärtnerin.
JOHANNISBEEREN
SIE SIND DEM EIN ODER ANDEREN VIELLEICHT ETWAS ZU SAUER, ABER SIE SIND SOOO GESUND UND NOCH DAZU SUPERLEICHT ANZUBAUEN.
Familie: Stachelbeergewächse
Alter: mehrjährig
Vermehrung durch Ausläufer: später Herbst
Pflanz-/Setzzeit: am besten im späten Herbst
Pflanzabstand: 1,5–2 m
Erntezeit: rote und weiße Sorten Ende Juni bis August; schwarze Sorten ab Mitte Juli bis August
Wuchshöhe: 1–1,5 m
Boden: gut durchlüftet, nährstoffreich, leicht sauer
Nährstoffbedarf: Mittelzehrer
Standort: sonnig bis halbschattig, windgeschützt
Wasserbedarf: groß, nicht austrocknen lassen
Ernte: reife Beeren zwei- bis dreimal pro Woche ernten; ganze Rispen abschneiden und in Körbe legen, nicht zu viele übereinanderschichten
Lagerung: nicht waschen, nicht von den Rispen lösen; maximal 1 Tag im Kühlschrank nebeneinander auf einem Teller mit Folie bedeckt
gute Nachbarn: Blaubeeren, Erdbeeren, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch
schlechte Nachbarn: Himbeeren, Stachelbeeren
SCHNITTLAUCH
DIE AROMATISCHEN HALME SIND HOCHGESCHÄTZT. ABER AUCH DIE BLÜTEN SIND NICHT OHNE – EINE BEREICHERUNG FÜR DEN GARTEN, UND SIE SIND ESSBAR.
Familie: Amaryllisgewächse
Alter: mehrjährig
Aussaat: auf der Fensterbank ab Februar; ins Beet ab April
Pflanzzeit: März/April
Pflanzabstand: mind. 20 cm, Reihenabstand 20 cm
Keimung: Dunkelkeimer
Blütezeit: Mai bis August
Erntezeit: einige Wochen nach der Aussaat, das ganze Jahr über
verwendete Teile: Stängel, Blüten
Wuchshöhe: 10–50 cm
Boden: frisch, locker, nährstoffreich, kalkhaltig, feucht
Nährstoffbedarf: Starkzehrer
Standort: sonnig bis halbschattig
Wasserbedarf: regelmäßig gießen in warmen Monaten
Ernte: Halme 2-3 cm über dem Boden gleichmäßig mit scharfer Schere abschneiden; im ersten Jahr aber am besten nicht mehr als ein Viertel kürzen, dann wächst er im zweiten Jahr deutlich kräftiger nach
Lagerung: in einem Wasserglas mehrere Tage; tiefkühlen möglich
gute Nachbarn: Erdbeeren, Gurken, Petersilie, Tomaten
schlechte Nachbarn: Kohlgewächse
Darum kümmern wir uns jetzt erst einmal um die Dinge, die in meinem Garten die Basis für alles sind. Wobei ich gleich sagen muss: Natürlich ist bei mir am Anfang einiges schiefgegangen, und nicht alles (lang nicht alles!) war von Erfolg gekrönt oder hat auch nur ansatzweise so geklappt, wie ich es mir ausgemalt hatte. Einige Pflanzen sind gar nichts geworden, andere sind mickrig geblieben, die eine oder andere Ernte schmeckte einfach nur holzig … Das alles hat mich aber nicht sonderlich geärgert – Schwamm drüber, und weiter geht’s, ist mein Credo. Probieren geht schließlich über studieren, oder wie war das? Irgendwann hat man den Bogen raus, und wenn einem auch vielleicht kein grüner Daumen wächst, so weiß man doch, was man kann und was im jeweiligen Garten was wird und sich lohnt. Das macht dann auch viel mehr Spaß, als wenn man an etwas hängt, das nun mal auf deinem Boden ums Verrecken nichts werden will. Spaß soll ja auch dabei sein.
Ich habe das auch alles erst lernen müssen, als ich die „Bachstelze“ und ihren großen Garten 2015 übernommen habe. Zum Glück hatte ich aber meine Berührungsängste schon früh auf Omas Feld ablegen können. Auf dem hatte ich schon immer eine gute Schule und in ihr eine gute Lehrerin. Seitdem ich mich aber noch tiefer in alles reingefuchst habe, kann ich dir sagen: Das Gärtnern ist eine Wissenschaft für sich.
Wenn es beim Gärtnern in der Praxis etwas werden soll, musst du etwas Theorie pauken. Hast du dann aber ein paar Basics wirklich verstanden, kannst du dich, wie ich, nach dem Motto herantasten: Learning by doing. Oder es einfach intuitiv ausprobieren. Mit dem ein oder anderen Rückschlag solltest du aber rechnen und ihn wegstecken können.
Guter Boden
Der Boden ist unsere Zutat Nummer 1. Ich mag die Bezeichnung „Mutter Erde“. Die Erde schenkt uns all die schönen Geschöpfe, die aus ihr herauskommen. Am Anfang steht immer die Erde, in die wir die Samen säen oder die jungen Pflänzchen setzen. Unser Boden muss eine gute Mutter für unsere Pflanzen sein. Aber was ist ein guter Boden? Nun, er sollte vor allem ein idealer Wasser- und Nährstoffspeicher sein, also unseren Pflanzen ein Zuhause geben, in dem sie sich rundherum wohlfühlen.
Ich musste also erst einmal verstehen, dass alles, was ich anbaue, mit dem Boden um die „Bachstelze“ zusammenhängt. Omas Feld, ein paar Kilometer entfernt, hat schöne schwarze Erde, wahnsinnig fruchtbar. Im Garten der „Bachstelze“ bewirtschafte ich aber heute eher Lehm und Kalk. Und hart und steinig ist mein Boden auch, also nicht besonders einfach zu beackern. Ich habe mir dann als Erstes einige Rahmenbeete angelegt, also einen hölzernen Rahmen dort gesteckt, wo ich ein Beet haben wollte. Die Erde habe ich einmal durchgegrubbert und dann mit guter Pflanzerde aufgefüllt (siehe dazu S. 13). Sozusagen ein Hochbeet in flach. Das ist die schnellste Variante, um ein neues Beet anzulegen, ohne alles umackern zu müssen, gerade wenn der Boden seine Eigenarten hat wie bei mir. Außerdem stehen noch viele große Bäume auf dem Grundstück, die aus dem Boden eine Menge Nährstoffe ziehen. Neben den Rahmenbeeten habe ich noch echte Hochbeete, und hier und da grabe ich auch jedes Jahr im Herbst einfach den vorhandenen Boden um, lege das Laub der Bäume darauf und schütte frische Erde und frischen Kompost darüber.
Bodentypen
Du kannst natürlich auch mit deinem vorhandenen Boden arbeiten und ihn anreichern. Bevor du das tust, musst du aber erst mal wissen, um welchen Boden es sich handelt. Das kann man sogar erfühlen:
Rieselt die Erde durch deine Finger, dann handelt es sich um einen Sandboden oder leichten Boden. Die Erde ist sehr locker und durchlässig. Sandiger Boden erwärmt sich im Frühjahr schnell und kann von den Pflanzen gut durchwurzelt werden. Allerdings ist er dadurch auch sehr wasserdurchlässig, das heißt, der Wassergehalt ist in diesem Boden niedrig, ebenso der Nährstoffgehalt. Für deine Pflanzen ist also vor allem wichtig, dass du was unternimmst, damit dieser Boden Wasser und Nährstoffe besser speichern kann. Dazu mischst du ihm etwas Lehm und Tonmineralien bei, damit er schwerer wird. Denselben Zweck erfüllen übrigens auch Laub, Humus oder Kompost.
Lässt sich die Erde mit den Händen gut kneten und zu einer glatten, klebrigen Kugel formen, hast du einen Tonboden oder schweren Boden – so wie ich in meinem Garten. Er ist ein prima Wasser- und Nährstoffspeicher, allerdings lässt er wenig Luft durch und ist schwierig zu bearbeiten, weil er sehr hart werden kann. Schwere Böden solltest du also mit Sand und regelmäßigen Kompostgaben etwas auflockern, damit die Pflanzen ihn gut durchwurzeln können.
Um den Boden meines ganzen Gartens mit Sand und Kompost anzureichern, ist er natürlich viel zu groß. Ich habe ja nicht fünf festangestellte Gärtner, die ständig alles umackern. Deswegen bleibt der Großteil meines Gartens im Urzustand, und das Anreichern des Bodens findet nur in den Rahmenbeeten statt.
Wenn du deine Erde zu einer Kugel mit Rissen formen kannst, dann gratuliere ich dir! Denn du hast den idealen Gartenboden: eine Mischung aus Ton- und Sandboden. Darauf gedeiht Gemüse besonders gut. Der Boden ist schön fruchtbar, weil er genug Nährstoffe und Wasser speichert, dabei hat er eine lockere Struktur, die von den Pflanzen gut durchwurzelt werden kann. Durch seine ausgewogene Struktur erwärmt sich der Boden auch schnell, was die Pflanzen gut wachsen lässt.
Wichtig ist dann noch, welchen pH-Wert der Boden hat: Ist er eher sauer und braucht also Kalk? Dafür gibt es Sets im Fachhandel oder der Apotheke, mit denen sich das ganz einfach selbst testen lässt.
Mein Boden ist sehr steinig, lehmig und kalkig. Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Bodenprobe von einem Apotheker analysieren lassen. Dabei kam heraus, dass ich eigentlich nichts unternehmen muss, um seine Qualität zu verbessern, weder was den pH-Gehalt noch was mögliche Giftstoffe betrifft. Sein Kalkgehalt ist also die gute Seite meines Bodens. Sein hoher Steingehalt macht es natürlich ziemlich mühsam, darin herumzugraben.
Übrigens: Nicht jeder Boden ist für jedes Gemüse, Obst oder für alle Kräuter gleich gut (oder schlecht) geeignet. Darum ist es neben der Analyse des Bodens sehr wichtig, welches Obst, Gemüse oder welche Kräuter du überhaupt pflanzen möchtest. Was auf welchem Boden gut wächst, erfährst du in den Steckbriefen in diesem Buch (du kannst sie auch im Register hinten nachschlagen).
ZUCCHINI
ZUCCHINI SIND EIN KALORIENARMES GEMÜSE, SIE BRINGEN SAFTIGKEIT UND FARBE IN VIELE GERICHTE.
Familie: Kürbisgewächse
Alter: einjährig
Anzucht: aus Samen
Vorziehen drinnen: Mitte April
Aussaat draußen: nach den Eisheiligen
Pflanztiefe: 1-2 cm
Pflanzzeit draußen: Mitte Mai
Pflanzabstand: 80–100 cm, Reihenabstand 70–100 cm, Saattiefe 2 cm
Keimung: Dunkelkeimer
Erntezeit: Früchte von Juni bis Frostbeginn, Blüten in der ganzen Saison (jeweils am Tag des Aufblühens)
verwendete Teile: Früchte, Blüten
Wuchshöhe: bis 60 cm
Boden: nährstoffreich
Nährstoffbedarf: Starkzehrer
Standort: sonnig
Wasserbedarf: reichlich
Ernte: kleine Früchte ab ca. 15 cm Länge regelmäßig ernten; 1–2 cm hinter Stielansatz abschneiden oder abdrehen; Blüten hinter dem Fruchtansatz abschneiden
Lagerung: wenige Tage im Kühlschrank
gute Nachbarn: Erbsen, Lauch, Möhren, Rote Bete, Zwiebeln
schlechte Nachbarn: Auberginen, Gurken, Kürbis, Melonen, Kartoffeln, Kohlarten, Paprika, Tomaten
TIPP: SCHLÄMMPROBE
Es muss nicht unbedingt eine Laboranalyse sein, auch mit einer einfachen „Schlämmprobe“ kannst du super erkennen , wie dein Boden zusammengesetzt ist:
Fülle dafür ein großes Schraubglas fast bis zum Rand mit Wasser und gib ein bis zwei Hände voll Gartenerde hinzu. Verschließe das Glas und schüttle alles kräftig durch. Lass es ein paar Minuten stehen: Grobe Sandkörner lagern sich dann am Boden des Glases ab, die Tonteilchen wabern im Wasser herum, unzersetzte Pflanzenteile schwimmen oben. Je nach Dicke der Schichten lässt sich so gut erkennen, welche Bestandteile in welchem Verhältnis in deinem Boden vorkommen. Außerdem verrät auch die Farbe noch einiges über deinen Gartenboden: Ton färbt das Wasser eher rötlich, Humus fast schwarz.
Pflanzerde selbst machen
Du weißt jetzt also, dass eine Mischung aus Ton- und Sandboden in der Regel der beste Boden für deine Pflanzen ist. Diese Mischung kann man natürlich im Fachhandel erwerben. Aber viel besser und natürlich billiger ist es, wenn du eine gute und vor allem ganz „gesunde“ Pflanzerde komplett selbst herstellst. Das hat den Vorteil, dass deine Pflanzen in ihr bestens versorgt und dadurch auch weniger anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall sind. Denn selbst gemachte Pflanzerde ist immer eine perfekte Erde, kein industriell gefertigtes Massenprodukt. Du weißt, was in deiner Mischung drin ist und es gibt nichts Unerwünschtes, was ihr vonseiten der Industrie zugesetzt wurde.
Deine eigene nährstoffreiche Mischung hat noch weitere Vorteile: Du brauchst am Ende auch weniger Dünger. In hochwertiger Pflanzerde reichen die Nährstoffe ungefähr sechs bis acht Wochen. Erst danach sollte mal nachgedüngt werden. Mit welchen natürlichen Mitteln ich das mache, verrate ich noch.
Jetzt habe ich so viel Gutes von der selbst gemachten Erde erzählt, nun muss ich natürlich noch verraten, wie ich sie mache:1 Teil lehmhaltige Gartenerde, 1 Teil reife Komposterde und 1 Teil Sand mische ich in einem Behälter (ich nehme dazu die Schubkarre). Wie viel benötigt wird, hängt natürlich davon ab, wie groß die Fläche ist, auf die die Erde ausgebracht werden soll. Ich mische alle Anteile gut miteinander durch. Das mache ich gern mit den bloßen Händen, weil ich es liebe, die Struktur der Erde so hautnah zu spüren.
Der Kompost ist übrigens unser organisches Material, das den Humus im Boden bildet, der bei der Wasser- und Nährstoffspeicherung hilft. Das riecht man dann sogar – er duftet irgendwie so gut und würzig nach Waldboden, herrlich! Da merkt man gleich: Das kann nur richtig und gesund sein.
So prüfst du, ob deine Erde das richtige Mischverhältnis hat: Sie sollte krümelig sein, sich aber zu einem Klumpen formen lassen.
Und damit bin ich dann auch schon fertig und kann meine Pflanzerde nun auf die Beete oder in Blumentöpfe oder -kästen ausbringen.
Noch ein Tipp: Vermeide es soweit wie möglich, in die Beete zu treten, das verdichtet den Boden. Früher habe ich immer gedacht, es ginge nur darum, die zarten Pflänzchen nicht zu zertreten. Natürlich geht es auch darum, aber eben auch um den Boden an sich. Ich mache mir deshalb zwischen meinen Gemüsepflanzen Trittpfade aus geschnittenen Baumscheiben. Das macht auch optisch was her, und wenn die Scheiben verwittern, geben sie ja sogar noch Gutes in den Boden ab. Bei Oma, wo das Feld einfach größer ist, machen wir Trampelpfade, um an die Ernte zu kommen. Ich bin keine Freundin davon, alles zuzupflastern und zuzubetonieren. Oma auch nicht.
Wer die selbst gemachte Pflanzerde auch für die Aussaat verwenden möchte, sollte sie noch in einem Erdsieb mit 6 mm Maschenweite durchsieben. Samen und Keimlinge wurzeln kräftiger, wenn der Boden schön feinkrümelig ist. Das ist aber meiner Meinung nach eine Arbeit, die man sich auch sparen kann.
Tipp:Unsere tolle Pflanzerde aus Gartenerde, Kompost und Sand ist leider für Erdbeeren nicht geeignet, weil Komposterde zu salz- und kalkhaltig ist.
Boden vorbereiten
Wenn du eine Anbaufläche über das Jahr stark ausgezehrt hast mit dem, was du angebaut hast, kannst du bis September eine Gründüngung aussäen. Daran ist besonders praktisch, dass du das Beet dann im Frühjahr nicht umgraben musst, weil die Wurzeln die Erde schon ausreichend auflockern. Die Pflanzen werden abgehackt, aber auf dem Boden liegen gelassen – das ist ein ganz natürlicher Kompost, den du nicht extra herankarren musst (mehr zur Gründüngung erfährst du auf S. 20).
Ob mit oder ohne Gründüngung: Nachdem ich meinen Boden im Frühjahr mit allem angereichert habe, was er braucht, muss er noch pflanzfertig gemacht werden. Das geschieht, wenn der Schnee weg ist und kein starker Frost mehr zu erwarten ist.
Zuerst entferne ich nicht verrottetes Pflanzenmaterial, Unkraut und Steine. Dann greife ich zur Grabegabel und lockere den Boden auf (falls vorher keine Gründüngung gepflanzt wurde). Das habe ich auch erst gelernt: Man sollte nicht zu doll umgraben, das schädigt den Boden nachhaltig. Ich lockere die Erde also nur vorsichtig auf. Dabei arbeite ich in meine Rahmenbeete Kompost ein (bei vorheriger Gründüngung ist das in der Regel nicht nötig, das haben die Pflanzen dann schon gemacht) und in meinen schweren Boden etwas Sand.
Wenn meine Beete schick gemacht sind, streue ich meine selbst gemachte Anzuchterde darüber, denn darin wurzeln die neuen Pflänzchen oder Samen am besten. Und dann kann es losgehen: Ich säe meine Samen aus und pflanze meine Stecklinge ein. Neben der Ernte ist das meine liebste Arbeit.
Du wirst sehen, es euphorisiert einen geradezu, wenn man so etwas Sinnvolles getan hat und die Pflänzchen wachsen sieht. Ich bin sogar ein bisschen stolz, wenn ich wieder mal Stecklinge in meine sorgsam vorbereiteten Beete setzen kann. Und ich weiß: Die erste Arbeit ist gemacht, die Natur riecht nach Aufbruch, und Mutter Erde ist bereit, uns zu beschenken. Jetzt musst du nur noch hoffen, dass kein Frost mehr kommt und den zarten Pflänzchen zusetzt.
ERDBEEREN
