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Der Auftakt der herzzerreißenden New-Adult-Dilogie von SPIEGEL-Bestsellerautorin Gabriella Santos de Lima - mit außergewöhnlicher Ausstattung nur in der ersten Auflage - Für Emmie bricht eine Welt zusammen, als sie ihren langersehnten Praktikumsplatz bei einer der renommiertesten Produktionsfirmen Londons verliert, und ihr Freund sich ausgerechnet in der gleichen Woche von ihr trennt. Ihr letzter Strohhalm ist ein kleiner Dokumentarfilmdreh, den ihre Professorin ihre vermittelt. Emmie soll den viel zu gutaussehenden Filmemacher Sam bei seinem Dreh auf Sardinien begleiten. Sam macht ihr allerdings mehr als deutlich, dass er keine semi-talentierte Filmstudentin als Assistentin braucht. Doch in den frühen Morgenstunden an den malerischen Inselstränden kommen sich die beiden langsam näher, bis Sams Geheimnis alles zwischen ihnen auf die schmerzhafteste Weise zerreißt … "Gabriella Santos de Limas Geschichten sind echt, ihre Sprache poetisch und roh zugleich – schön, aber nie beschönigend. Wenn Gaby schreibt, ist das am Ende immer ein wenig wie Magie." SPIEGEL-Bestsellerautorin Ava Reed Band 1: Moments so blue like our love - Emmie & Sam Band 2: Memories so golden like us - Connor & Blair
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Seitenzahl: 486
Veröffentlichungsjahr: 2025
Moments So Blue Like Our Love
GABRIELLA SANTOS DE LIMA, geb. 1997 in São Paulo, studierte am Hildesheimer Literaturinstitut Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus und arbeitete nebenbei als Flugbegleiterin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Fünf ihrer Titel standen auf der Spiegel-Bestsellerliste. In den sozialen Medien ist sie auf Instagram und TikTok (@gabriellasantosdelima) zu finden.
»Was tun wir hier?«, flüsterte er.»Ich … ich weiß es nicht.«Es stimmte. Ich wusste nichts.Ich fühlte nur noch, dass ich den allerallerletzten Zentimeter auf Sam zuging. Meine Beine bebten vor Unsicherheit, aber nicht so stark wie mein Herz.Du kannst das nicht machen, Braun. Es ist Samson Alderidge. Du arbeitest mit ihm zusammen. Er hat gesagt, du bist ihm egal. Dass er dich nicht einmal hierhaben wollte. Das ist eine schlechte Idee. Eine schreckliche Idee.Aber das Ding war: Wenn die Heldinnen meiner Lieblingsfilme nur gute Ideen gehabt hätten, wären es nie gute Filme geworden. Oder überhaupt Filme.All ihre Geschichten wären innerhalb von wenigen Minuten auserzählt worden.Ich wollte nicht, dass das hier so schnell vorbei war.
Gabriella Santos de Lima
Roman
Forever by Ullsteinwww.ullstein.de
Originalausgabe bei Forever Forever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH Berlin
1. Auflage April 2025© Ullstein Buchverlage GmbH, Friedrichstraße 126, 10117 Berlin 2024Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.Umschlaggestaltung: Favoritbuero GbR - Bettina ArltTitelabbildung: © shutterstock/ AlexZaitsev; © shutterstock/ Ittikorn_Ch; © shutterstock/ Rudchenko Liliia; © shutterstock/ hamzaaslam1991; © shutterstock/ Ihnatovich MaryiaLine Art im Innenteil: © Jule BürgiAutorenfoto: © Gabriella Santos de LimaE-Book-Konvertierung powered by PepyrusISBN 978-3-98978-031-6
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Titelei
Das Buch
Titelseite
Impressum
TRIGGERWARNUNG
Widmung
PLAYLIST
Motto
Prolog
LONDON
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
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SARDINIEN
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LONDON
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42
43
ST IVES
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LONDON
47
48
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50
51
52
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54
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DUBLIN
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LONDON
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64
EINE UNBEDEUTENDE KLEINSTADT IN NIEDERSACHSEN, DIE NIEMAND AUF ENGLISCH AUSSPRECHEN KANN
65
LONDON März nach Sams Tod
66
Epilog
Emmies Filmempfehlungen
Anhang
Danksagung
TRIGGERWARNUNG
Leseprobe
Social Media
Vorablesen.de
Cover
Titelseite
Inhalt
TRIGGERWARNUNG
Liebe Leser*innen,
Emmies und Sams Geschichte ist eine herzzerreißende Liebesgeschichte und enthält potenziell triggernde Elemente. Deshalb findet ihr am Ende des E-Books eine Triggerwarnung.
Achtung: Diese beinhaltet Spoiler für die gesamte Geschichte!
Ich wünsche euch das bestmögliche Leseerlebnis.
Eure Gabriella
Für KUnendlich
How Did It End? – Taylor Swiftgloria – Blumengartenchampagne Problems – Taylor Swiftemma – CasperMaster of None – Beach HousePazifik – ProvinzSailor Song – Gigi PerezAtlantis – Paula Hartmann & TrettmannWhat Was I Made For? – Billie Eilishparis syndrom (dach session) – Blumengarten & Paula HartmannFresh Out The Slammer – Taylor Swiftneue welt – BlumengartenRobin – Taylor Swiftengel – Blumengartenwelcome and goodbye – Dream, IvoryDie Erde dreht sich (ohne mich) – ENNIOThe Funeral – Band of HorsesFade Into You – InhalerIch liebe dich für immer – Blumengarten
Wir versprechen uns die EwigkeitObwohl uns nur ein Leben bleibt
Blumengarten
Aus »Videos, um meinen allerletzten Sommer zu überbrücken, bevor alles anders sein wird«, Nummer 11:
»Ich hoffe, du bekommst alles, was du willst, und es ist noch besser, als du es dir vorgestellt hast. Das … das wär’s auch schon für heute.«
INVISIBLE STRING
Würde ich es ganz genau nehmen, müsste ich sagen: Alles begann mit Sam.
Sogar meine Trennung.
Immerhin war es ausgerechnet sein Dokumentarfilm, für den ich an diesem Donnerstagnachmittag das Kino am anderen Ende des Campus ansteuerte. Der kühle Februarwind blies mir die dunklen Strähnen nach hinten, während mir die retromodernen roten Leuchtbuchstaben bereits entgegenstrahlten.
Regent Street Cinema.
Als Filmstudentin der FSOL konnte ich mir wöchentlich eine Vorstellung kostenfrei ansehen, ich wäre aber auch ohne diesen Rabatt Stammbesucherin gewesen. Das Kino war keine zehn Minuten Fußweg von meinem Wohnheimzimmer entfernt, veraltet und renovierungsbedürftig, aber irgendwie trotzdem charmant – auf diese nostalgische Weise, mit Kronleuchtern im Foyer und roten Samtsesseln im Saal. Als wäre die Zeit an diesem Ort stehen geblieben, was natürlich nicht wirklich der Fall war. Das bewiesen die verglasten Filmplakate an der Fassade neben mir: Indie-Streifen, Projekte erfolgreicher Alumni und preisgekrönte Filme aus Frankreich. Anspruchsvolle und intellektuelle Geschichten mit widersprüchlichen Charakteren und Szenen, in denen nichts gesagt wurde, weil damit alles gesagt war. Das behauptete ich zumindest in meinen Essays, um eine gute Note zu bekommen.
Ich stieß gerade die Tür auf und kramte mein Handy hervor, um das digitale Freiticket zu öffnen, da erstarrte ich.
Mein Handy hatte vibriert, und für einen winzigen Moment rechnete ich mit einer Nachricht von Maisie, die mir mitteilte, dass sie es überraschenderweise doch zur Vorstellung schaffte. Schließlich hatten wir uns eigentlich für den Film von Samson Alderidge verabredet, weil wir ihn beide noch nicht im Ganzen angeschaut hatten. Nur immer die Ausschnitte, die aktuell im Seminar behandelt wurden. Es wäre laut unserer Fachbereichsleiterin ein Verbrechen, den Film nicht komplett zu sehen.
Maisie hatte jedoch kurzfristig abgesagt, geschrieben, dass sie es leider nicht schaffen würde, einen traurigen Smiley angehängt und in einer neuen Nachricht gefragt, ob wir uns auf der Alumniparty nachher treffen wollten.
Jetzt blieb ich mit diesem verräterischen Kloß im Hals stehen, meine Augen wie hypnotisiert vom Bildschirm. Von der Benachrichtigung mit seinem Namen, um genau zu sein. Instinktiv begann mein Puls zu rasen.
Noch vor fünf Monaten hatte ein Smiley von ihm gereicht, damit alles in mir auf die beste Weise in Hochspannung geraten war. Wenn er mir nicht geschrieben hatte, hatte ich stumm auf mein Handy gestarrt und heimlich versucht, es zu beschwören, nur damit eine Nachricht von ihm aufleuchtete. Und wenn er mir dann endlich – endlich! – getextet hatte, hatte ich seine Nachricht gar nicht schnell genug lesen können.
In diesem Augenblick hätte ich seine Nachricht allerdings am liebsten gar nicht angeklickt.
Drei Worte, ein Fragezeichen, und alles in mir randalierte. Ich schluckte einmal heftig, ehe ich zum Tippen ansetzte.
Ich setzte Smileys, als wäre alles in bester Ordnung. Als wüsste ich nicht, wieso er reden wollte und warum ich ernsten Gesprächen in den letzten Wochen ausgewichen war. Einen Moment verharrte ich noch, das Handy zwischen meinen Fingern so fest umklammert, dass meine Fingerknöchel weiß hervorstachen. Ich registrierte, dass Ethan online war. Zwei, drei, fünf, sieben Sekunden, die ich im Kopf mitzählte. Anschließend verschwand das Wort unter seinem Namen einfach so, ohne dass er mir geantwortet hatte.
Es ist okay. Alles ist okay, Braun.
Tief durchatmend zwang ich mich dazu, den Griff um mein iPhone zu lockern, das Ticket einzuscannen und den Saal anzusteuern. Und dennoch sah ich dabei jede Sekunde auf meinen Bildschirm.
Wie gemein war es bitte, jemandem Können wir reden? zu schreiben und dann nicht mehr zu antworten?
Als ich in den Saal trat, ermahnte ich mich trotzdem dazu, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Auf die weiß strahlenden Sitzreihenanzeigen. Den Geruch nach zu fettigem Popcorn, vermischt mit Deo aus dem Discounter. Auf die noch schwarze Leinwand, auf der nach dem Werbeblock das Intro von Meermüll aufleuchten müsste – dem Film, der heute gezeigt wurde, weil Samson Alderidge später Ehrengast auf Clarks Alumnifeier war.
Es handelte sich um eine Dokumentation über die Verschmutzung unserer Ozeane, die er in fast völliger Eigenregie mit seinem Freund Connor Rutherford – ebenfalls ehemaliger Student der Film School of London – produziert hatte. Als Sohn von Rosie Campwell und Paul Alderidge, zwei von Großbritanniens hochkarätigsten Schauspielern, wäre es für Samson Alderidge höchstwahrscheinlich ein Kinderspiel gewesen, Fuß in der glamourösen Filmbranche zu fassen. Er hätte die nächste international gefeierte Netflixserie produzieren, den Ruhm genießen, all die roten Teppiche entlangflanieren und einen millionenschweren Vertrag nach dem nächsten unterzeichnen können.
Doch wofür hatte er sich entschieden?
Dafür, einen Unterschied zu machen.
Er hatte einen Indie-Dokumentarfilm mit Fokus auf die globale Ozeanverschmutzung produziert, hatte sich in Südostasien rumgetrieben und bestimmte Teile vlogmäßig festgehalten, während er für andere Sequenzen Meeresbiologen interviewt hatte. Für seine Arbeit hatte er etliche Preise und Fördergelder eingeheimst und war wie nebenbei Liebling der Medien geworden. Er hatte sogar letztes Jahr diesen angesehenen Filmpreis in Dublin erhalten und würde im September sicherlich den Gewinner dieses Jahres anmoderieren.
Ich war nicht besessen von ihm.
Es war nur so, dass es unmöglich war, diese ganzen Fakten über Samson Alderidge nicht zu kennen, wenn jeder unserer Dozenten sich als sein größter Fan outete.
Es liegt nicht an seinen Eltern. Er ist einfach gut.
Ethans Stimme echote in mir nach, während ich auf meinen Platz in der drittletzten Reihe huschte und auch direkt an dem Hier-und-Jetzt-Leben scheiterte.
Wieder betätigte ich den seitlichen Knopf an meinem Handy. Wieder hatte Ethan mir nicht geantwortet.
Nicht, als ich mich auf wackeligen Beinen in den roten Samtstoff sinken ließ. Nicht, als der Raum sich fast bis zur Hälfte füllte. Und auch dann nicht, als die Tür geschlossen wurde und der Vorhang aufging.
Ich kämpfte mich durch den Werbeblock, ohne mein Handy zu checken. Ausnahmsweise hatte ich heute nicht auf Flugmodus geklickt, obwohl ich das sonst stets tat. Ganz egal, wie gut oder schlecht ein Film war, ich schenkte ihm immer meine volle Aufmerksamkeit. Selbst in diesen elenden Nachmittagsstunden am Donnerstag, in denen meine Dozentin Filme in zweieinhalb Stunden Länge zeigte und wir anschließend die Aussagen auf verschiedenen Metaebenen auseinandernahmen. Immerhin wollte ich alles in mich einsaugen und nichts verpassen, lernen, lernen und noch mehr lernen, um irgendwann ganz klischeehaft meinen eigenen Namen unter dem Filmtitel lesen zu können.
Doch jetzt konnte ich mich einfach nicht konzentrieren.
Ich musste wissen, was Ethan mir schrieb.
Nur dass er es immer noch nicht tat, wie ich nach einem Blick aufs Display feststellen durfte.
»Wehe, es ist nicht so krass, wie Clark sagte«, hörte ich von weiter vorn, während die Beleuchtung weiter gedimmt wurde.
Kurz meinte ich sogar, die Stimme zuordnen zu können. Vielleicht jemand aus dem Jahrgang unter mir? Doch für einen Moment, für einen unendlich winzigen Moment, dachte ich an nichts, als seine Stimme im Raum ertönte.
»Hey.«
Hey.
Wie konnte jemand nur so tief klingen und mir eine derartig heftige Gänsehaut verursachen? Und das bei einer Begrüßung mit drei Buchstaben? Schlagartig stellten sich alle Härchen an meinem Körper auf. Dabei war die Leinwand immer noch schwarz, seine Stimme allerdings reichte.
»Ich bin Samson Alderidge. Und das hier ist die Geschichte darüber, wie wir die Meere zerstören.«
Sobald er verstummte, flackerten etliche Szenen im Schnelldurchlauf über den Bildschirm. Strände, Ozeane, Plastikinseln, Fische, Fischer, Boote, Blut. Anschließend wurde alles erneut dunkel. Zwei, drei Sekunden. Es war derselbe Moment, in dem ich mein Handy vibrieren spürte.
Sofort checkte ich den Bildschirm, wobei es mir für einen winzigen Moment egal war, dass ich die anderen mit dem Licht störte. Dann atmete ich erleichtert aus, weil Ethan mir endlich zurückgeschrieben hatte.
Ich dachte nicht mal darüber nach, sitzen zu bleiben. Heimlich, still und entschlossen schnappte ich mir meinen Jutebeutel vom Boden, während Meeresrauschen durch die Lautsprecher tönte und Samson Alderidge mit seiner Hörbuchstimme zu erklären begann, was für ein Monster der Mensch war.
HOW DID IT END?
Während ich die letzten Stufen zu seinem winzigen Apartment in der allerletzten Etage nahm, wartete er bereits im Türrahmen auf mich. Ethan füllte ihn mit seiner gesamten Statur aus.
Kaum zu glauben, dass du dir diese Treppenstufen immer wieder antust. Du musst ihn wirklich gernhaben, Em-Em.
Maisies Stimme erklang in meinem Kopf, als ich atemlos auf seiner Türmatte verharrte und Ethan seine vollen Lippen zu einem Lächeln verzog. Es war schief und ein bisschen schüchtern. Ein wenig zu zurückhaltend dafür, dass wir seit viereinhalb Monaten offiziell ein Paar waren.
»Hey«, sagte er, und ich wünschte, seine Stimme hätte rauer geklungen, kratziger, angeschlagen … irgendetwas eben. Doch da war nichts.
Er klang ganz normal, als er mich begrüßte und anschließend hereinbat. In seine hart erkämpfte Schuhkartonwohnung, in die wir während unserer Anfangszeit nicht schnell genug hatten stolpern können. Wenn er mich noch in seiner Jacke und der Wintermütze gegen die geschlossene Tür gedrückt und geküsst hatte, hatte ich mich wie in einer klischeehaften romantischen Komödie gefühlt. Die, die meine Kommilitoninnen stirnrunzelnd als trivial, banal und massentauglich betitelten, als wäre Letzteres ein Verbrechen. Aber es hatte sich wirklich so angefühlt: so dringlich, so heftig und hitzig, dass ich schwor, ich wäre in diesem kalten November beinahe vor lauter Gefühlen geschmolzen.
Fast fünf Monate und eine ganze Gefühlswelt später verharrte ich vor seiner Türmatte, ohne dass ich einen Schritt weiterging. Ich wusste, was passierte, wenn Ethan und ich uns an seinen kleinen runden Tisch setzen und reden würden. Reden, wie zwei erwachsene Personen nun einmal reden würden, die sich verliebt hatten und jetzt irgendwie nicht mehr verliebt waren.
Wieso das so war?
Keine Ahnung.
Es war einfach so passiert.
Was für eine lächerliche Ausrede, die allerdings dennoch stimmte.
Kurz vor dem Eintreten atmete ich so tief ein, wie ich es tat, wenn eine neue Mail in mein Postfach flatterte und ich bereits befürchtete, dass es sich um die nächste Absage handelte, die Maisie und ich für unser gemeinsames Projekt BOYS DON’T CRY entgegengeschmettert bekamen.
Dann machte ich einen Schritt über die Türschwelle und stolperte fast über die Menge an Sneakers im Eingangsbereich, ehe ich ihm zu dem besagten Tisch folgte, wo wir uns niederließen. Von meinem Platz aus erkannte ich, dass er sein Bett auf der anderen Seite des Raums gemacht hatte. Etwas Aufregendes gab es in seiner Wohnung nicht zu entdecken. Da waren ein Bett, ein Fernseher, die Kochnische und der kleine Schreibtisch, weil ein normal großer keinen Platz gefunden hätte. Alles an seiner Einrichtung war praktisch. Ein Platz zum Studieren, kein Zuhause.
Und dann saßen wir also da, Ethan und ich, in seiner Studentenwohnung in New Cross, in unmittelbarer Nähe des Campus. Er hatte die Bude nur bekommen, weil er sich acht Monate im Voraus darauf beworben hatte. Ohne zu wissen, ob er zum Masterstudiengang an der Filmschule überhaupt zugelassen werden würde. Verrückt, nicht wahr? Vielleicht genauso verrückt wie die Tatsache, sich zu verlieben, um sich ein paar Monate später nicht mehr zu lieben. Glich das nicht eigentlich einer Tragödie, die bei IMDb im besten Fall eine Bewertung von 4,8 erhalten würde, weil unsere Geschichte das komplette Gegenteil von außergewöhnlich war?
»Du, Emmie, ich …«
Du, Emmie, ich …
Wie unterwältigend würden Rezensenten schreiben, aber es war nicht unterwältigend, sondern schlicht mein ganz normales Leben, in dem Ethan gerade ratlos die Wangen aufblies.
»Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, aber …«
Er wich meinem Blick nicht aus, während er immer wieder zum Sprechen ansetzte, all seine Sätze allerdings wie Luftblasen im Raum schweben ließ. Nur diesen einen nicht.
»Ich glaube, wir sollten Schluss machen.«
Er erklärte mir, dass es irgendwie nicht mehr passe, dass etwas fehle, ein Funken, die Gefühle, eben dieses unbestreitbare gewisse Etwas.
Dabei betrachtete ich sein Gesicht und konnte nicht anders, als mich daran zu erinnern, wie wir vor eineinhalb Jahren gemeinsam unseren Masterstudiengang begonnen hatten. Ethan im Screenwriting-Programm, ich in Film und Regie. Wir hatten durch meine Freundin Maisie zufällig jedes Wochenende miteinander verbracht und waren uns in einer stürmischen Oktobernacht auf dem Weg vom Pub nähergekommen. Ha, hatte sie am Tag danach gerufen. Ich hab’s gewusst.
Keine Ahnung, ob meine Gefühle für ihn tatsächlich derart offensichtlich gewesen waren. Doch ich wusste, wie es sich angefühlt hatte, als Ethan, der gut aussehende, beliebte, so unfassbar talentierte Ethan, mich unerwartet in dieser bitterkalten Nacht geküsst hatte – richtig. Als wäre ich in diesem Moment komplett in London angekommen gewesen und völlig eins mit meinem neuen Leben. Nicht nur seinetwegen natürlich. Doch in ihm hatte ich mein schönstes i-Tüpfelchen von allen gefunden.
Jetzt war das nicht mehr der Fall.
»Es tut mir leid«, flüsterte er, während er seine Finger über den Tisch hinweg nach meinen ausstreckte.
Mit einem mitfühlenden Lächeln auf den Lippen tätschelte er meinen Handrücken, als wären wir flüchtige Freunde. Als hätte ich ihm nicht indirekt den Film gewidmet, den ich mit Maisie gemeinsam produziert hatte.
Schaut her, hatte ich immer gedacht. Ich, Emmeline Braun, habe einen von den guten Typen gefunden. Die, die nicht auf einer Datingplattform lustlos nach deinem Tag fragen und dich später ghosten, weil sie emotional beschädigt und sowieso unerreichbar sind, selbst wenn unter ihren Namen online steht.
Dabei war es doch tatsächlich gut gewesen.
Nur jetzt eben nicht mehr.
»Emmie?«, sagte Ethan plötzlich.
»Ja?«
»Wieso sagst du nichts?«
Weil du recht hast.
Weil ich der Wahrheit aus dem Weg gegangen bin.
Weil ich ein Feigling bin, der Angst vor Veränderung hat, obwohl Veränderungen der Grund sind, wieso ich überhaupt von Deutschland nach London gezogen bin. Weil ich ganz klischeehaft die gesamte Filmwelt verändern will und annahm, ich könnte das mit einem Abschluss der renommierten FSOL besser.
Ich musste heftig schlucken, ehe ich den einen Satz sagte: »Weil ich es genauso sehe wie du.«
HITS DIFFERENT
»H-hey«, stotterte ich atemlos in mein Handy, während ich den Campus in Richtung Westflügel überquerte, wo die Wohnheime lagen. »Ich hab dich angerufen, aber du bist nicht drangegangen. Ich muss mit dir reden. Ich bin auf dem Weg zu dir.«
Ich beendete die Sprachnachricht, wobei ich ein Brennen hinter den Augen spürte. Keine Ahnung, ob meine vorbeiziehenden Kommilitonen mich musterten. Allerdings hatte ich ebenfalls keine Ahnung, wie ich die letzten Minuten überlebt hatte. Obwohl ich wusste, dass die Trennung notwendig war, musste ich trotzdem mit jemandem reden, der mir genau das versichern würde. Der mir sagen würde: Hey, Emmie, es ist normal, dass du so aufgewühlt bist. So würde sich jeder nach einer Trennung fühlen. Aber es war die richtige Entscheidung. Es hat einfach nicht mehr gepasst, und es ist okay, deshalb traurig zu sein.
Natürlich hätte ich auch meine beste Freundin Leah in Deutschland anrufen können, aber wir wohnten seit meinem Umzug knappe tausend Kilometer voneinander entfernt. Ich brauchte jemanden, der wirklich hier war und Ethan kannte. Genau deshalb musste ich mit Maisie reden.
Nur noch die letzten hundert Meter zum Wohnheimkomplex, dann hätte ich es geschafft.
Instinktiv beschleunigte ich, während unter meinen Schritten kahle Zweige knirschten. In verglasten Kästen hingen etliche Poster, die für die letzten Veranstaltungen in diesem Semester warben. Es verging kein Tag, an dem ich nicht irgendeine Ausstellung, einen Kinofilm oder ein Theaterstück in New Cross besuchen konnte. Das Universitätsviertel pulsierte vor Leben, zwischen den alten viktorianischen Häusern und den Neubauten vibrierte alles vor Inspiration und neuen Möglichkeiten. Selbst in der vorletzten Semesterwoche, in der der Großteil meiner Mitstudierenden gedanklich schon nicht mehr am Campus weilte. Einfach nur krass hier, hatte Ethan einmal gesagt.
Ethan.
Er war kein guter Gedanke.
Ich hätte klüger sein sollen und mich nicht in einen Kommilitonen verlieben dürfen. Diese Straße hier? Schon zigmal mit ihm entlanggelaufen, meine Hand in seiner. Der Kiosk weiter vorn? Der Besitzer nannte uns Lovebirds. Die Bordsteinrillen auf der gegenüberliegenden Straßenseite? Im Oktober haben wir dort betrunken Wer über die Linien läuft, verliert gespielt, mit roten Wangen und von der Kälte zerrissenen Lippen, aber die waren sowieso vom Küssen taub gewesen.
Mit zitternden Fingern zog ich die Tür zu unserem Wohnheim auf, erhaschte dabei jedoch einen Blick auf mein Spiegelbild. Mein heller Pullover ließ mich unförmig erscheinen. Die dunklen Ponyfransen fielen mir einen Hauch zu zerzaust in die Stirn, während meine langen Haare mir fast bis zur Taille reichten. Eigentlich sah ich aus wie immer. Eine durchschnittlich große Studentin mit einem durchschnittlich guten Aussehen, die ihren Master in England machte. Was nicht zu mir passte, war der aufgewühlte Blick in meinen grünen Augen.
Hastig eilte ich die Treppe nach oben. Nur noch ein paar Schritte.
Nicht weinen, Braun. Jetzt. Bloß. Nicht. Weinen.
Meine innere Stimme klang zu hart, allerdings war es genau diese Härte, die ich brauchte, um nicht in diesem Flur zusammenzubrechen.
Keine zwei Minuten später stoppte ich endlich vor Maisies Tür und klopfte. Während ich darauf wartete, dass mir geöffnet wurde, verwandelten sich Sekunden in Jahre. Nach einer halben Ewigkeit drückte endlich jemand die Klinke nach unten.
»Emmie?«
Ich blinzelte ruckartig. Das war nicht Maisie, sondern ihre Zimmergenossin Bridget, die mich verwundert musterte.
»Ist Maisie da?«, fragte ich sofort.
»Sorry.« Bridget schüttelte den Kopf, wobei sie sich eine blonde Strähne hinters Ohr schob. »Sie ist auf dieser Alumniparty im Ruby’s. Ist ungefähr vor einer halben Stunde weg. Ich glaube, mit Ben?«
Scheiße. Natürlich war sie bei Ms Clarks Veranstaltung.
»Danke trotzdem«, murmelte ich und war schon halb am Gehen, da ertönte ihre Stimme noch mal.
Bridget, die schüchterne und vorsichtige Bridget, die sogar fürs Chipsessen den Raum verließ, um Maisie nicht zu stören, hielt mich auf, obwohl ich eigentlich schon auf dem Weg war. »Ist alles in Ordnung?«
Ich hätte lügen können, abwinken oder das Ganze hastig belächeln können. Ich tat nichts davon. »Ethan und ich, wir …«
Ich musste nicht weitersprechen, damit Maisies Mitbewohnerin verstand. Mein Gesicht, die Erwähnung seines Namens und der Blick in meinen Augen – wahrscheinlich hätte jeder meine Worte gehört, ohne dass ich sie aussprechen musste.
»O Gott«, flüsterte Bridget mitfühlend. »Es tut mir so leid. Das muss schrecklich für dich sein. Vor allem, weil das mit dieser anderen Studentin doch schon ganz schön lange ging. Er ist so ein Wichser.«
Ich blinzelte aus zwei Gründen. Erstens: Seit wann fluchte Bridget? Und zweitens: Was?
»Was?« Ich musste so verwirrt klingen, wie ich mich fühlte, denn mit einem Mal wich alle Farbe aus ihrem Gesicht. »Bridget?« Meine Stimme kratzte. »Was meinst du damit?«
»Mist … ich … ich … ich dachte, du wüsstest davon. Ich meine, Maisie … sie … und die Trennung, ich dachte …«
»Bridget«, wiederholte ich unsicher. »Wovon redest du?«
Sie schüttelte allerdings nur den Kopf, krallte die Finger in die Kante des Türrahmens und sah mich an.
Ihr Blick war nicht leer. Ihr Blick war voll von Mitleid.
»Es tut mir so, so leid.«
QUESTION …?
Es kann nicht stimmen.
Das war mein einziger Gedanke, als ich aus dem Gebäude lief. Instinktiv steuerte ich den Hauptcampus an. Vorbei an mit Efeu bewachsenen alten Gemäuern, in Richtung des roten viktorianischen Backsteingebäudes, des Herzstücks, in dem der Großteil unserer Seminare stattfand. Ich musste Maisie einfach finden und sie darauf ansprechen, damit sie mir lachend erklären konnte, dass das alles bloß Bullshit sei.
»Hey, Emmie!«
»Bist du auch auf dem Weg zur Alumniparty?«
»Sehen wir uns später noch bei Rouben?«
Bekannte grüßten, sprachen und lächelten mich an. Unser Campus mit der üppigen Grünfläche vor dem Hauptgebäude war nicht besonders groß. Die Film School of London war für ihre Exklusivität und ihre herausragenden Studenten bekannt. Jährlich wurden nur bis zu fünfzig neue Leute angenommen, meistens eher weniger. Und es war tatsächlich ein Wunder, dass eine unbedeutende Filmstudentin aus Berlin, wie ich sie gewesen war, einen Platz erhalten hatte. Wenn man meinen Dozenten in Berlin glaubte, war das noch nie passiert. Aber worauf ich eigentlich hinauswollte, war, dass wir uns hier fast alle kannten. Und wahrscheinlich hielten mich diese Bekannten genau jetzt für unfreundlich und schräg, denn ich antwortete nicht. Wie besessen rauschte ich an ihnen vorbei. Am Himmel kämpfte sich die Wintersonne sogar für einen kurzen Moment durch die Wolkendecke, als wäre alles vollkommen in Ordnung. Als hätte mein Freund nicht gerade mit mir Schluss gemacht. Als hätte die Mitbewohnerin meiner Freundin mir nicht indirekt zu verstehen gegeben, dass Ethan mich betrogen hatte.
Aber nein. Stopp.
Es konnte nicht stimmen. Es war nur ein Missverständnis. Eine Verwirrung. Alles, bloß nicht die Wahrheit.
Ich nickte mir so lange Mut zu, bis ich mein Ziel erreicht hatte. Dort hatte sich eine Traube von Menschen im Außenbereich gesammelt. Das Ruby’s war eigentlich ein beliebtes Café, um dort gemeinsam zu arbeiten, doch für geschlossene Veranstaltungen außerhalb unserer Stundenpläne war es ebenfalls buchbar. Je nach Wunsch wurden die Tische verschoben und eine Leinwand und Stühle aufgebaut. Die Erstsemester zum Beispiel präsentierten hier im Dezember ihre Kurzfilme. Jetzt hielten Gäste im Außenbereich Sektflöten und Bierflaschen in den Händen, während sie ihre Gesichter den frühabendlichen Sonnenstrahlen entgegenreckten. Hätte ich nicht auf Autopilot funktioniert, wäre jetzt der Moment gekommen, in dem ich eine Kehrtwende gemacht hätte.
Ich konnte diese Veranstaltung nicht besuchen. Nicht in meinem Zustand, nicht in meinem verschwitzten Pullover und nicht mit meinem stark pochenden Herzen, das jede Sekunde in Tausende Einzelteile zerbersten könnte.
Wie gut, dass meine Beine mich dennoch ins Innere lenkten, wo irgendein Song von MGMT aus den Lautsprechern tönte. Etliche Menschen unterhielten sich an den Tischen, lachten und genossen einen völlig normalen Donnerstagnachmittag in einer völlig normalen Woche. Sie schienen so zufrieden, so entspannt. Wieso auch nicht? Es war der letzte Februartag, und die Sonne warf ihre letzten Strahlen für den heutigen Tag auf uns. Bald hatten wir Semesterferien. Außerdem erinnerten uns die Plakate an den Wänden ringsum daran, dass hier tatsächlich alles möglich war. Filmprojekte besagter Alumni hingen auf Augenhöhe, ihre fett gedruckten Namen unter denen der Produktionsstudios, von denen wir träumten. Wie zum Beispiel Golden Pictures, bei denen ich im März mein sechsmonatiges Praktikum antreten würde. Morgen früh hatte ich einen Termin mit meiner Ansprechpartnerin Marigold, bei dem wir die letzten organisatorischen Details besprechen würden.
Doch für einen Moment war mir das egal. Manisch schweifte mein Blick durch den Raum, da erkannte ich meine Mitbewohnerin Zoe links in der Ecke. Sie studierte wie ich Film und Regie und winkte mir zu, als sie mich entdeckte. Neben ihr deutete ihr Freund Finlay ebenfalls ein Winken an. Ein rothaariger Physikstudent, den sie in unserer Erstiwoche in Covent Garden kennengelernt hatte. Seitdem es zwischen ihnen ernster geworden war, verbrachte sie eigentlich jede freie Minute bei ihm in Peckham. Maisie meinte, ich stünde deshalb für immer in seiner Schuld. Immerhin hätte ich seinetwegen ein heiß begehrtes So-gut-wie-Einzelzimmer abbekommen, was eine tägliche Erwähnung in einem Dankbarkeitstagebuch wert wäre, hätte ich eins besessen.
Maisie.
Bei dem Gedanken schloss ich die letzten Meter zu Zoe und Finlay auf.
»Hey, Leute«, sagte ich, nachdem ich auf die beiden zugegangen war. »Habt ihr Maisie gesehen?«
»Sie stand gerade mit Ben bei uns, aber jetzt sind sie irgendwie weg.« Besorgt verzog Zoe die dunklen Brauen. »Ist alles okay mit dir? Du wirkst irgendwie so, als wärst du dazu gezwungen worden, dir hundertmal hintereinander Americas Monolog in Barbie anzuhören, ohne dabei heulen zu dürfen.«
»So hätte ich es jetzt nicht ausgedrückt, aber der Vergleich passt eigentlich ganz gut«, murmelte ihr Freund.
»Ist irgendetwas passiert, Em?«, fragte Zoe sofort.
»Ich …«, kopfschüttelnd brach ich ab, »ich muss nur Maisie finden. Wisst ihr echt nicht, wo sie ist?«
Zoe überlegte kurz. »Ich meine, sie wollte auf die Toilette.«
»Danke«, flüsterte ich, bevor ich ihnen den Rücken zukehrte und dabei ignorierte, dass meine Mitbewohnerin mir nachrief, mich aufhalten und herausfinden wollte, was mit mir los war. Sobald ich mit Maisie geklärt hätte, dass die Situation nur ein riesengroßes Missverständnis war, würde ich ihr alles erzählen.
Sorry, würde ich vielleicht sagen. Ich war gerade total durch den Wind, weil meine beste Freundin angeblich gewusst haben soll, dass Ethan mich betrügt. Und das schon eine ganze Weile. Natürlich war das alles nur ein Missverständnis. Ein Glück, nicht wahr? Ich meine, ich bin immer noch getrennt, aber im Internet geht doch dieses Zitat viral, das besagt, man lerne am besten durch seine Freundschaften, was wahre Liebe wirklich sei. Also alles in bester Ordnung.
Mit wankenden Beinen steuerte ich das Ende des Raumes an, wo eine Treppe nach unten zu den Waschräumen führte. Ich bemühte mich darum, im Gehen nicht die Schultern der anderen zu streifen, allerdings war Letzteres unmöglich. Der Raum war zu überfüllt, deshalb hielt ich absichtlich das Gesicht gesenkt.
Jetzt bloß nicht angesprochen werden.
Ich hatte es fast geschafft. Die Treppe war nur noch einige Schritte entfernt, da erstarrte ich.
»Ah, da ist ja die Stipendiatin aus Deutschland, von der ich dir erzählt habe«, hörte ich plötzlich eine viel zu bekannte Stimme sagen. Dann rief sie meinen Namen. »Ms Brown!«
Ich wollte nichts weiter, als schnellstmöglich nach unten zu laufen, Maisie zu finden und dieses Missverständnis aufzuklären. Allerdings hatte ausgerechnet meine Professorin nach mir gerufen. Virginia Clark, die berühmt-berüchtigte Leiterin meines Fachbereichs. Ich hatte vier Kurse bei ihr. Außerdem war sie diejenige, die meine Thesis und meinen Abschlussfilm bewerten würde. Ich konnte mir bei ihr also keinen Fehltritt erlauben.
»Ms Clark«, begrüßte ich sie, nachdem ich mich umgedreht hatte.
Unter schummriger Beleuchtung stand sie mit diesem großen dunkelhaarigen Typen an einem Bartisch, während sie mir mit einer Kopfbewegung zu verstehen gab, dass ich mich zu ihnen gesellen sollte.
Hastig warf ich einen Blick hinter mich. Keine Spur von Maisie.
Mit einem Kloß im Hals tat ich, was meine Dozentin erwartete. Je näher ich allerdings kam, desto weiter wollte ich mich eigentlich von ihnen entfernen. Schließlich war der Mann neben ihr nicht einfach nur irgendein Mann.
Verfluchte. Scheiße.
»Ms Brown«, wiederholte sie eine Spur zu laut, wobei ich geflissentlich ignorierte, dass sie meinen Nachnamen wohl niemals deutsch aussprechen würde. »Das ist Mr Samson Alderidge. Wie Sie bestimmt wissen, hat er vor vier Jahren denselben Masterstudiengang wie Sie absolviert. Und danach diesen völlig unbekannten Film produziert. Meermüll. Vielleicht haben Sie ja schon mal davon gehört.«
In meinem Hals schwoll der Kloß weiter an, während Clark über ihren eigenen Witz lachte und Samson Alderidge mir die Hand entgegenstreckte.
Ich hatte gewusst, dass er hier sein würde. Alle hatten es gewusst. Es war auf den Plakaten zur Feier groß angekündigt worden. Samson Alderidge, Teil der Alumnifeier, wahrscheinlich sogar der eigentliche Hauptakt. Immerhin war er das Aushängeschild unserer Hochschule. Genau aus diesem Grund sah ich nun die Schlagzeilen vor meinem inneren Auge, als ich seinen Händedruck erwiderte.
Unfassbar talentiert.
Meine Handinnenfläche presste sich an seine.
Herrlich bodenständig.
Sein Blick verhakte sich mit meinem.
Der vielleicht interessanteste Newcomer der britischen Filmbranche.
Doch die Wörter passten nicht mit dem zusammen, das mir durch den Kopf schoss, als er mich immer noch ansah.
Intensiv.
Stechend blaue Augen, dunkelbraunes Haar, an den Seiten kurz geschoren, in der Mitte leicht verwuschelt. Samson Alderidge besaß keines dieser perfekten Modelgesichter. Dafür war sein Mund einen Ticken zu breit und seine Nase etwas zu schief. Seine dunklen Brauen bildeten mit seinen hellen Augen beinahe einen zu starken Kontrast. Er war groß, viel größer als ich, bestimmt über eins fünfundachtzig. Außerdem erkannte ich, dass sein linker Arm vollständig mit einem losen Wellenmuster tätowiert war. Alles in allem war Samson Alderidge nicht klassisch schön.
Er war heiß.
»Sam«, sagte er.
Und, o Gott, natürlich hatte er diese unglaublich tiefe Stimme, mit der Indie-Sänger normalerweise ihre Liebe in lakonisch geschriebenen Liedern beschworen. Aber Sam war kein Sänger, nicht mal Schauspieler. Er bescherte seinem Publikum bloß eine Gänsehaut, indem er aus dem Off seinen Dokumentarfilm kommentierte. Ich mochte es nicht, dass die Härchen an meinem Arm sich jetzt aufstellten.
»Emmie«, erwiderte ich viel zu leise, denn ich wurde mir unter seinem Blick schlagartig wieder bewusst, dass meine Haare zu zerzaust waren und mein Aussehen nicht zu dem der anderen Gäste passte.
»Die Arbeitsweise von Ms Brown erinnert mich an deine«, sagte Ms Clark, was ihn dazu brachte, seine Aufmerksamkeit von mir abzuziehen. »Sie hat sogar ein Praktikum bei Golden Pictures in der Tasche. Fantastisch, nicht wahr?«
Ich nickte zögerlich, während sie an ihrer Sektflöte nippte. Ich fragte mich, das wievielte Glas es wohl war.
»Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Ihr Kurzfilm über toxische Männlichkeit im letzten Semester, den Sie gemeinsam mit Ms Culter abgegeben hatten. Damit haben Sie sich doch auch an den gängigen Sommerfestivals beworben, oder?«
Natürlich hatten wir das getan. Immerhin hatte unsere Professorin uns die Bewerbung ausdrücklich empfohlen. Was sie dabei nicht gewusst hatte, war, dass Ethan mich zu diesem Projekt inspiriert hatte, weil er bei Hunde-aus-Griechenland-Videos weinte, aber die Tränen so schnell wegwischte, als wären sie nie da gewesen. Weil er ein Mann war, groß, dunkelhaarig und muskulös. Wie konnte er es auch nur wagen, wegen so etwas wie misshandelten Hundewelpen zu weinen? Als ich ihm im Herbst von dem Projekt erzählt hatte, hatte er mir leise und lächelnd gesagt, wie großartig er die Idee finde.
Aber jetzt war fast Frühling. Jetzt berührte mich meine Professorin bloß an der Schulter, als wäre sie stolz auf mich. Professorin Virginia Clark, die Furcht einflößendste und anspruchsvollste Diva in Londons Filmwelt. Die, die letztes Jahr bloß zweiundvierzig Studierende angenommen hatte, obwohl fünfzig Plätze für die Mastergänge angedacht gewesen wären. Die Bewerber müssen mich zu hundertundeinem Prozent überzeugen, hatte sie später in einem Interview verraten. Wenn sie das nicht tun, haben sie in meinen Seminaren nichts verloren.
»Oh, okay«, sagte Sam. »Ein Film über toxische Männlichkeit also?«
»Ja, ähm.« Die Hitze schoss mir nun sogar in die Wangen. »Er heißt BOYS DON’T CRY. Es geht darum …«
»… dass Männer auf gar keinen Fall weinen dürfen, weil sie dafür viel zu stark und männlich sind?« Sam hob die Brauen, wobei ich mir einbildete, dass sein linker Mundwinkel ganz leicht zuckte. Wenn er gelächelt hätte, wäre es jetzt schief geraten. Ich wusste das, weil ich ihn bereits so in den Ausschnitten von Meermüll gesehen hatte. Schief lächelnd, mit seinem schwarzen Shirt und den Tattoos, die Mädchen im Internet dazu brachten, die Videos mit blauen Herzen und Wellen-Emojis zu kommentieren.
»Sehr einfallsreicher Titel, was?« Ich lachte nervös, während ich mich selbst schlechtmachte. Eine meiner stärksten schwachen Angewohnheiten. Doch ich konnte in dem Moment nichts dafür. Ich sprach mit Samson fucking Alderidge. Als ob ihn Maisies und mein kleiner Amateurfilm wirklich interessieren könnte. Er, der preisgekrönte Star, dessen Filmtitel wirklich einfallsreich und einprägsam war. Und mein gewöhnlicher Kurzfilm, zu dem mich mein Freund – ich meine natürlich Ex-Freund – inspiriert hatte.
»Ach, kommen Sie, stapeln Sie nicht so klein«, tadelte meine Professorin mich. »Der Film ist wirklich gut gedreht, vor allem im Hinblick auf die Kameraeinstellungen. Ich finde es großartig, dass wir den Protagonisten anfangs nur in Nahaufnahmen sehen können, die sich in immer weitere Long Shots verwandeln, bis er am Ende gar nicht mehr zu erkennen ist.«
»Klingt interessant.« Wieder landete Sams Blick auf mir. Flüchtig, nicht so lange diesmal.
Aber es reichte.
Warm, wärmer, ich spürte, wie alles in mir ganz heiß wurde.
Ich hasste es, dass ich so schnell in Verlegenheit zu bringen war, nur weil mich ein Mann ansah. Weil Samson Alderidge mich ansah, während wir über mein letztes Filmprojekt redeten.
Aus den Lautsprechern schallte ein Chartsong, dessen Name mir nicht einfiel. Rings um mich registrierte ich andere Gespräche, bemerkte, dass die Gäste immer wieder mit ihren alkoholischen Getränken anstießen. Mittendrin immer noch Samson Alderidge, der mich für eine weitere Länge eines Wimpernschlags einfach nur betrachtete, bis …
Bis etwas Rotes in meinem Sichtfeld aufblitzte.
Bis sie aufblitzte.
Mit pochendem Herzen drehte ich mich um, und endlich entdeckte ich Maisie mit ihren feuerroten Haaren, die meinen Blick vom gegenüberliegenden Tisch erwiderte. Spitzbübisch lächelnd wackelte sie mit den Brauen, als wollte sie mich neckend fragen: Was machst du an einem Tisch mit der Chefdozentin und Samson Alderidge?
»… genau deshalb finde ich es so großartig, dass du dich …«
»Ich, ähm, Entschuldigung. Vielen Dank für das Gespräch. Aber da ist jemand, der auf mich wartet.«
Ich unterbrach meine Professorin mitten in ihrem Satz, redete dabei so schnell, dass ich mich fast selbst nicht verstand. Aber es war mir egal. Alles war mir egal. Selbst ihre und Sams leicht irritierten Blicke.
Ich konnte hier nicht stehen bleiben, lächeln, zuhören, Sam lauschen und dabei Gänsehaut auf meinen Armen bekommen, nur weil er er war. Ich konnte nicht ganz normal weiterleben, als wären die letzten eineinhalb Stunden gar nicht passiert.
Ich verabschiedete mich nicht richtig, deutete nur ein Winken an und sah Sam nicht mehr ins Gesicht.
Ich war schrecklich unhöflich und unprofessionell.
Ebenfalls egal.
Doch gerade dann, als ich den ersten Schritt in Maisies Richtung machte, die mich weiterhin neugierig beobachtete, stieß ich gegen etwas Hartes. Einen Partygast. Der wegen mir die Kontrolle über die Sektflöte verlor, die er umklammert hielt. Ich konnte zeitlupenartig beobachten, wie ihr sprudelnder Inhalt sich auf Alderidges Shirt ergoss.
»Fuck!«, stieß er aus.
»Tutmirleidtutmirleidtutmirleid«, stammelte ich.
Sein Shirt war durchnässt, und es war meine gottverdammte Schuld. Allerdings war da auch dieses seltsame Gefühl, das dafür sorgte, dass alles in mir noch eine Spur wärmer wurde – und dafür war Sam verantwortlich. Womöglich weil er ein äußerst gut aussehender Mann war, dessen Präsenz mir bewusst machte, was alles nicht gut an mir war.
Maisies Blick lag noch immer auf mir.
»Tut mir wirklich leid, aber ich … ich muss gehen.«
Dann drehte ich ihm den Rücken zu. Ich bot nicht an, ein Taschentuch oder Handtuch zu organisieren. Einfach so ließ ich ihn stehen und ging in Richtung Maisie. Innerlich war mir bewusst, dass ich mein Verhalten bereuen und mich gedanklich dafür zerfetzen würde, einfach abgehauen zu sein.
Eigentlich war ich so nicht.
Aber eigentlich wurde mir auch nicht gesagt, dass meine Freundin gewusst haben sollte, dass Ethan mich betrogen hatte.
Keine Ahnung, ob meine Professorin mir verwirrt und Sam mir womöglich angepisst hinterherblickten. Sicher war ich mir nur darüber, dass Maisies Mund vor Schock aufklappte. Doch auch das – Überraschung! – war mir im Moment egal. Entschlossen ging ich auf sie zu, während sie sich automatisch aus dem Gespräch schlängelte, an dem sie gerade teilgenommen hatte.
»O mein Gott«, sagte sie, als sie mich gleichzeitig zur Seite zog. »Hast du Samson Alderidge gerade ernsthaft …«
»Sag, dass das nicht wahr ist«, unterbrach ich sie.
»Was?« Ehrlich verwirrt sah sie mich an. Bis ich seinen Namen sagte. Dann konnte sie meinem Blick nicht mehr standhalten.
»Ethan«, erklärte ich. »Und diese Studentin.«
Sie öffnete den Mund, ohne dass Worte ihn verließen.
Nichts.
Nichts.
Nichts.
»Sag es«, flüsterte ich, weil Maisie rein gar nichts von sich gab, weil ihre Augen weit aufgerissen waren und sie mein Handgelenk panisch umfasste, aber ihre Berührung sich so unglaublich kalt anfühlte. »Sag, dass es nicht stimmt.«
CHAMPAGNE PROBLEMS
Nicht hier.
Das hatte Maisie nicht erwidert, allerdings hatte ich sie auch so verstanden. Hastig hatte sie nach meinem Handgelenk gegriffen, bevor sie mich aus dem Ruby’s rausgelotst hatte und wir in einer kleinen Nebengasse zum Stehen gekommen waren. Von weiter weg heulte ein Motor, während die Gespräche der Veranstaltung immer noch als gedämpftes Rauschen an unsere Ohren drangen.
Ich beobachtete, wie Maisie sich selbst umarmte und die burgunderfarben lackierten Nägel dabei unter ihren Ärmeln hervorblitzten. Die weinrote Farbe harmonierte perfekt mit ihren Haaren und den Lippen, so wie jeden Tag. Rote Haare, rote Nägel, rote Lippen. Die trug sie immer, um sich selbstbewusster zu fühlen.
Die Leute im Internet reden darüber, dass mir die Farbe helfen würde, mich besser in meine weibliche Energie einzufühlen, aber das interessiert mich nicht. Ich fühle mich einfach selbstbewusster damit, verstehst du?
Natürlich hatte ich das verstanden.
Ich hatte Maisie immer verstanden, seit unserem ersten Aufeinandertreffen im Auditorium. Wir hatten beide in der Menge verloren gewirkt, mit zitternden Händen und fragenden Gesichtern. Auf dem Umweg zu unserem ersten Seminarsaal hatten wir uns gefunden. Wie ich konnte sie die Filmschule nur mit einem Stipendium besuchen. Das war das, was uns von den anderen unterschied. Doch es war auch das, was uns verband.
Maisie schwieg immer noch. Suchte nach Worten. Öffnete erneut den Mund. Sagte jedoch nichts.
»Ich verstehe das nicht«, begann ich, weil wir in meiner Vorstellung längst lachen sollten.
Angestrengt holte sie Luft, die Lider fest geschlossen. So als könnte sie bloß ein Wort herausbekommen, wenn sie mir nicht ins Gesicht schaute. »Es tut mir so leid.«
Es tat ihr leid?
Das war nicht das, was sie sagen sollte. Ihre Entschuldigung klang nicht nach einem Missverständnis.
Sie war ein Eingeständnis.
»Es stimmt?«, fragte ich schrill. »Das, was Bridget mir gesagt hat?«
»Emmie.« Ihre Augen glitzerten. »Es ist nicht so, wie es aussieht.«
»Bitte?« Ich lachte so laut, dass ich fürchtete, ich könnte die Aufmerksamkeit der Passanten auf uns lenken. »Glaub mir, dasselbe habe ich mir auch eingeredet, als Bridget mir indirekt verraten hat, dass er mich betrogen hat. Und dass das, was auch immer es genau ist, schon länger ging. Und dass du es anscheinend weißt. Ich meine, ich habe dir nicht mal gesagt, worum es geht, aber du weißt genau, wovon ich spreche.«
Sie scheint alles zu wissen.
»Ich wollte es dir erzählen. Wirklich, ich …«
»Es stimmt also?«, unterbrach ich wiederholend, ohne dabei schroff zu klingen. Meine Stimme war leise, zitternd, ängstlich.
Keine Reaktion.
Schließlich schüttelte sie den Kopf. »Ethan ist ein Arschloch«, flüsterte sie belegt. »Er verdient dich nicht.«
Das gab mir den Rest.
Ethan hatte mich betrogen. Und meine Freundin hatte davon gewusst.
Die Erkenntnis traf mich wie ein Tsunami.
Ich konnte nicht mehr atmen. Es fühlte sich so an, als würde mein Brustkorb sich heben und senken, jedoch keine Luft meinen Körper erreichen. Als würde ich mich mit jeder weiteren Sekunde bloß ein Stückchen mehr auflösen.
Nicht weinen, Braun. Jetzt bloß nicht weinen.
Doch diesmal prallte meine innere Stimme an mir ab. Ich konnte die Träne nicht verhindern, die meine Wange hinunterperlte. Ich wischte sie nicht weg. Konnte mich nicht bewegen. Konnte nicht mal die Hände zu Fäusten ballen.
»Mit wem?«, fragte ich rau. »Mit wem hat er mich betrogen?«
»Emmie, du …«
»Beantworte mir die Frage.« Tränen verschleierten mir die Sicht, doch ich knickte nicht ein. Ich sah meine Freundin so lange an, bis sie es nicht mehr aushielt und auf das Pflaster starrte.
»Mit Charlotte Bennington.«
In meinem Kopf überschlug sich alles. Bilder von Ethan mit Kommilitoninnen und Bekannten zogen an mir vorbei, allerdings wurde ich nicht fündig.
»Sie studiert an der UOL«, erklärte Maisie, als hätte sie meine Gedanken gelesen. »Kunstgeschichte oder so.«
»Wie lange schon?«
»Ich … Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass es nicht nur ein Ausrutscher ist. Es muss wohl schon einige Wochen gehen.«
»Nein.« Eine Träne erreichte meinen Mundwinkel. Sie schmeckte nicht salzig, sondern bitter. »Ich meinte, wie lange du es schon weißt.«
»Ein paar Wochen.« Sie gab mir keine Gelegenheit, um dazwischenzugrätschen. »Aber du musst mich das erklären lassen. Ich wollte das nicht. Ehrlich. Aber ich wollte dich auch nicht verletzen und …«
»Und was?«
»Er hat gesagt, ich soll es dir nicht sagen. Ben, er …«
Ben.
Oh, natürlich. Natürlich hatte Ben es gewusst, weil er Ethans bester Freund war.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. »Du hast es mir wegen Ben nicht gesagt?«
Ich wollte lachen. Ich wollte lachen, bis ich weinte, und dann nie mehr damit aufhören. Ben und Maisie hatten eine von diesen Beziehungen, die keine wirklichen Beziehungen waren. Sie hatten Sex, er ghostete sie, sie hasste ihn, er schrieb sie doch wieder an, und sie liebte ihn wieder. Wenn toxisch eine Sportart wäre, wäre Ben darin Weltmeister.
»Das kann nicht wahr sein«, flüsterte ich ein allerletztes Mal, weil es sich zu unwirklich anfühlte. Wie eine Filmversion meines Lebens mit viel Lug und Trug, Dramatik und Intrigen. Wäre ich die Regisseurin, würde ich mich von meinem Stuhl erheben, mich dicht hinter die Kameraperson stellen und sagen: Los, los, los! Halt nah drauf, wir brauchen ein Close-up von ihrem tränenüberschwemmten Gesicht! Später, im Schnitt, würde ich die Szene verlangsamen, damit auch ja niemand den Moment verpasste, in dem ich realisierte, dass mein Leben eben doch kein Film war. Sondern meine verdammte Wirklichkeit.
»Ich kann das nicht«, stieß ich hervor.
Mit klopfendem Herzen drehte ich mich um. Tränen rannen mir das Gesicht hinab, während Maisie mir nachrief, allerdings nicht versuchte, mich aufzuhalten. Tranceartig lief ich aus der Gasse. Ich dachte nicht nach, als meine Schritte sich instinktiv in Richtung Hauptcampus beschleunigten. Das alles geschah erneut wie auf Autopilot. Vielleicht war es eine Überlebensstrategie. Von Adrenalin berauscht konnte eine einzelne Person mühelos ein Auto hochheben. Womöglich war das hier dasselbe.
Wie besessen rannte ich über das Gelände, vorbei an der Mensa, dem Leuchtschild zur Bibliothek und zurück in Richtung Westflügel. Beinahe erleichtert atmete ich aus, als ich die Tür zu meinem Wohngebäude mit der Karte öffnete.
Sobald ich mein Zimmer betrat, fiel die Tür mit einem lauten Knall zu. Es war mir egal, dass sich Anna von gegenüber morgen wegen des zu hohen Lärmpegels auf unserem Gang beschweren würde. Alles war egal. Noch immer. Auch Ethan, auch Charlotte Bennington, auch Maisie. Besonders Maisie.
Scheiß auf Maisie. Scheiß auf ihre Umarmungen. Scheiß auf ihr gutmütiges Herz.
Sie war meine beste Freundin hier in London. Sie hatte es Bridget verraten. Wieso zur Hölle hatte sie es mir nicht gesagt?
Ich schaffte es gerade noch auf mein Bett, ehe alles in mir – inklusive meines Herzens – zusammenbrach. Dabei fühlte es sich nicht nur so an, als wäre es gebrochen, sondern eher zerbombt. Als wäre es jetzt schwarz und voller Splitter, ein Totalschaden eben. Zusätzlich fühlte ich mich auch noch wie die größte Idiotin. Wie konnte mir so etwas entgangen sein? Was hatte ich übersehen? Waren da Anzeichen gewesen? Es musste doch Hinweise gegeben haben. Allerdings waren diese Fragen nichts im Gegensatz zur Frage aller Fragen: Warum?
Warum hatte Ethan das getan? War ich etwa zu normal? Zu langweilig? Zu dick oder an den falschen Körperstellen zu dünn? War ich zu viel, war ich zu wenig?
Wieso?
Wieso war ich verflucht noch mal nie genug, sondern immer nur die zweite Wahl? Denn das war doch das Problem. Ich war nicht gut genug. Ich war noch nie gut genug gewesen.
Es stimmte.
Irgendwann weinte und schrie ich so heftig in mein Kissen, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Panisch setzte ich mich auf, griff mit zitternden Fingern nach der Wasserflasche und meinem Handy. Bevor ich den Bildschirm entsperrte, erkannte ich im Spiegel gegenüber mein eigenes Gesicht. Verweinte Augen, leerer Blick.
Etwas in mir war taub. Tot.
Deshalb fühlte sich alles anders an.
Mein Bildschirm verriet mir, dass es kurz vor neun war. Maisie war mir nicht hinterhergerannt. Sie hatte mich nicht angerufen, sie war nicht vorbeigekommen.
Das hatte sie geschrieben. Als würde das ausreichen. Während ich schluchzte, bebte mein gesamter Körper weiter. Ich umklammerte mein iPhone fester, obwohl mein innerer Kompass mir befahl, es beiseitezulegen. Oder nein, noch besser: es weiter zu umklammern, aber Leah zu schreiben. Sie war meine wirkliche Freundin. Wahrscheinlich meine einzige richtige. Doch ich konnte nicht. Es war, als hätten meine Finger ein Eigenleben entwickelt.
Charlotte Bennington.
Ihr Name klang in mir nach, wobei meine weise innere Stimme lauter wurde: Lass es. Tipp den Chat mit Leah an. Verflucht noch mal, JETZT, Braun!
Natürlich hatte die Stimme recht, allerdings hatten meine Finger Instagram bereits geöffnet. Ich wusste nicht, wie ihr Username lautete. Ich meine, ich hatte bis vor wenigen Stunden nicht einmal von ihrer Existenz gewusst. Innerlich bereitete ich mich darauf vor, jeden meiner Social-Media-Stalking-Skills hervorzukramen, die ich mir mit Leah gemeinsam in der Mittelstufe angeeignet hatte. Doch das war nicht nötig. Ich fand Charlottes Konto bereits, als ich ihren Klarnamen bei Instagram eingab. Sie wurde mir sogar als Erstes angezeigt, weil wir zwei gemeinsame Verbindungen teilten.
@ethanwllms
Und @maisiedoesthings.
Ein Wimmern brachte meinen Brustkorb zum Vibrieren.
Hatte der Betrug tatsächlich die ganze Zeit vor meiner Nase stattgefunden?
Ich hatte keine Antwort auf diese Frage. Sicher wusste ich bloß, dass Charlotte auf ihren Bildern atemberaubend aussah. Ihr Konto war nicht auf privat gestellt, sodass ich mich problemlos durch ihren Feed scrollen konnte. Bei jedem weiteren Bild blieb mir die Luft ein bisschen mehr weg.
Ein Teil von mir wollte sie hassen. Diese wunderschöne blonde Frau, die verschwommene Spiegel-Selfies in einem Pullover von ZARA schoss, als wäre er nur für sie und nicht für Millionen von anderen Frauen gemacht worden. Charlotte lud Fotos von sich und ihren Freundinnen hoch, teilte Ausschnitte aus ihren liebsten Büchern und hatte scheinbar eine Schwäche für Zitate von Patti Smith. Letztere fand ich nämlich viel zu oft in ihren Bildbeschreibungen. Sie wirkte sympathisch und intelligent, cool und leicht alternativ mit ihrem verwaschenen Shirt, das Destroy the patriarchy, not the planet besagte. In einem anderen Leben hätten wir Freundinnen werden können. In diesem … nicht.
Charlotte nippte an einem Matcha, mitten in einem trendigen Café.
Ich bin nur die zweite Wahl.
Charlotte zeigte ihre perfekt manikürten Nägel – nudefarben, schön, schlicht, sexy.
Ich bin nur die zweite Wahl.
Charlotte tanzte lachend in einem Glitzerrock, das Bild verschwommen.
Ich bin nur die zweite Wahl.
Charlotte teilte ein unterstrichenes Zitat in einem zerlesenen Buch: For some a prologue, for others an epilogue.
Und ich begann wieder zu weinen, mit Schluchzern und Schnodder, laut und hässlich, weil die Welt uns sagte, dass wir unsere Gefühle herauslassen mussten. Dass sie da seien, um gefühlt zu werden. Die gesamte Zeit über befürchtete ich, Zoe könnte jede Sekunde die Tür aufschließen, dabei wollte ich allein sein. Weiter zusammenbrechen, ohne dass mich jemand mit gut gemeinten Worten wieder zusammenflickte. Immerhin würden die Wortpflaster nicht halten. Wie könnten sie auch, wenn ich mich nie gut genug fühlte? Immer die zweite Wahl war? Dagegen gab es keine Medizin oder Mantras, die mich heilten.
Ich hatte Glück. Zoe stolperte erst mitten in der Nacht in unser Zimmer. Ich hörte ihre Schritte von der anderen Seite der Tür, drehte mich mit dem Rücken zu ihrem Bett und hielt die Luft an, als sie eintrat und sich ihren Kulturbeutel schnappte.
Zwanzig Minuten schlummerte sie friedlich, während ich ganz lautlos weiter zusammenbrach.
Leise Tränen, lauter Schmerz.
EPIPHANY
Der Moment nach dem Aufwachen war wunderschön.
Für einige schlaftrunkene Sekunden lang erinnerte ich mich an nichts. Ich war Emmie, studierte Film und Regie an einer der besten Filmschulen Europas und stand kurz vor meinem Abschluss. Ich hatte hart für mein Leben in London gekämpft, Familie und Freunde hinter mir gelassen, um für meinen Master in ein neues Land zu ziehen. Ich hatte Rechtsverkehr gegen Linksverkehr eingetauscht, dm-Eigenmarken gegen schweineteure Produkte von Boots und deutsches Brot gegen Brot, das eigentlich bloß latschiger Toast war und den Namen nicht verdient hatte. Sommernachmittage mit meiner besten Freundin an der Spree gegen Spaziergänge mit Kommilitonen an der Themse. Ich hatte mich daran gewöhnt, Tee mit Milch zu schlürfen und mich nicht mehr in eine überfüllte Straßenbahn quetschen zu müssen, um zwanzig Minuten später Leahs Altbauwohnung im Berliner Wedding anzusteuern. Ich hatte die Sommer, in denen Leah mich zu Festivalauftritten unserer liebsten Indie-Künstler gezerrt hatte, gegen Spotify-Links zu ihren und meinen Lieblingssongs eingetauscht. Lieder von Provinz, Berq und Blumengarten. In London sah ich meine beste Freundin nicht mehr selbst auf den kleinen Bühnen stehen, wo sie ihre selbst geschriebenen und herzzerreißenden Songzeilen in ein Mikrofon sang. Stattdessen schaute ich mir die Videos der ranzigen Locations am Tag danach in ihren Storys an und stellte mir vor, wie schlecht der Sound und wie gut Leah trotzdem gewesen war. In London schrieb Mama mir jedes Wochenende, ob alles okay sei, und ich antwortete ihr sofort. In Berlin waren ihre Nachrichten sporadischer gewesen, und ich hatte mich schuldig gefühlt, dass ich meine Eltern zu wenig besuchte. Ich hatte sogar meine losen Branchenkontakte, die ich mir während meines Filmstudiums aufgebaut hatte, zurückgelassen. Stattdessen hatte ich mich an einer neuen Filmhochschule mit neuen und viel talentierteren Menschen als meiner Wenigkeit zurechtgefunden.
Mein Leben in London war anders, aber es war gut.
Doch dann setzte ich mich in meinem Bett auf und bemerkte augenblicklich dieses Pochen hinter meiner Stirn.
Ich rieb mir die Schläfe, öffnete die Augen und registrierte vage, dass Zoe nicht mehr auf ihrer Matratze lag, ihr Handy allerdings noch ans Ladekabel angeschlossen war. Ich blinzelte gegen ihre pastellfarbene Bettwäsche an, als die Erinnerungen mich innerhalb von Sekunden überrollten.
Ethan. Das Ruby’s. Ms Clark. Samson Alderidge. Die Sektflöte. Maisies Es-ist-nicht-so-wie-es-aussieht-Gelaber.
Das Atmen fiel mir schlagartig wieder schwer. Hinter meinen Augen brannte es. Ich schnappte nach Luft, es reichte nicht. Mir wurde übel. Kotzübel.
Ich schaffte es gerade so, schnell aufzuspringen, die Tür zu öffnen und in Richtung Toiletten zu rennen.
»Guten Morgen«, hörte ich Zoe, die sich gerade am Waschbecken die Zähne putzte, verwirrt zu mir sagen.
Doch ich ignorierte sie. In letzter Sekunde gelang es mir, die Klobrille anzuheben, bevor ich mich übergab. Tränen quollen aus meinen Augen. In meiner Kehle ätzte es. Als es hinter mir klopfte, spuckte ich allerdings nur noch Magensaft.
»Emmie?« Wieder Zoe. Sie klang unglaublich besorgt. »Ist alles okay bei dir?«
»Klar«, stieß ich angestrengt hervor.
»Sicher? Es hört sich gerade so an, als würdest du dich übergeben.«
»Keine große Sache«, krächzte ich. »Nur was Falsches gegessen.« Oder auch: Nur mit der falschen Person zusammen gewesen.
»Kann ich dir irgendwie helfen?«
»Nein«, sagte ich sofort. »Mach dir keine Sorgen!«
Trotzdem hörte ich bloß Stille. Nicht, wie sie sich entfernte oder gar verabschiedete. Zoe würde warten, bis ich fertig war. Natürlich würde sie das. Sie war zwar nicht meine beste Freundin, allerdings wohnten wir zusammen. Ich wusste, dass sie für Milchschokolade von Tesco morden würde, insbesondere wenn sie ihre schmerzhafte Periode hatte, die sie nur mit Ibus und Bettruhe während der ersten zwei Tage überlebte. Ich wusste, dass Babylon ihr Lieblingsfilm war und sie sich vorstellen konnte, nach dem Studium junge und feministische Serienformate für die Öffentlichen zu produzieren. Und ich wusste, dass sie ihren dreizehnjährigen Bruder Jaxon über alles liebte, nicht nur weil fünf Fotos von ihm an ihrer Pinnwand hingen, sondern weil ich mitbekommen hatte, wie sie mehrmals die Woche miteinander telefonierten und sich immer mit einem Love you! verabschiedeten. Außerdem war ich mir sicher, dass Zoe genauso viele Kleinigkeiten über mich wusste wie ich über sie.
Natürlich würde sie mich nicht allein lassen, wenn sie hörte, wie schlecht es mir ging.
Dreimal holte ich Luft, bevor ich die Spülung betätigte. Dann rappelte ich mich auf und öffnete die Tür. Meine Mitbewohnerin strich sich eine ihrer Locken hinter das Ohr, während sie mich musterte.
»Mann«, sagte sie mitfühlend. »Du siehst echt scheiße aus.«
»Nie wieder Falafel vom Lieferdienst kurz vor Mitternacht«, log ich, was Zoe ein kleines Grinsen entlockte.
Auf wackeligen Beinen stolperte ich in Richtung Waschbecken und hielt meine Hand unter den fließenden Strahl, spürte ihren Blick allerdings trotzdem auf meiner Haut.
»Hast du Maisie gestern eigentlich noch gefunden?«
Ich zuckte zusammen, was ich zu übertünchen versuchte, indem ich ihr hastig antwortete. »Wir mussten nur noch was für BOYS DON’T CRY klären.«
»Gestern Abend? Auf Clarks Veranstaltung? Habt ihr die Bewerbungen nicht schon längst alle weggeschickt und wartet gerade auf Antworten?«
»Es, ähm, ja. Es war dringend. Ein Veranstalter hatte noch Rückfragen.« Ich lachte wenig überzeugend. »Diese ganze Prozedur bringt mich noch irgendwann um.«
»Ach so.«
Als ich mich nach Zoe umdrehte, hörte ich die Ungläubigkeit nicht nur in ihrer Stimme, sondern entdeckte sie auch in ihrem Gesicht. Ich spürte, wie sie weiterbohren wollte. Doch wir respektierten unsere Grenzen, selbst wenn wir uns einen Wäschekorb teilten. Genau deshalb hakte sie nicht weiter nach. Stattdessen trat sie neben mich und richtete sich die voluminösen Haare. Als unsere Blicke sich im Spiegel streiften, weiteten sich ihre Augen. So als hätte sie sich plötzlich an etwas erinnert.
»Was ist eigentlich mit deinem Termin bei Golden Pictures? Hast du den wegen deiner Übelkeit abgesagt? Der stand doch für heute in deinem Kalender, oder?«
CHANGE
74,23 Euro. Oder eben 63,52 Pfund.
Ich checkte meinen Kontostand auf dem Handy, während der Uber-Fahrer mir versicherte, dass es nur noch fünf Minuten seien. Meine Nervosität musste offensichtlich überoffensichtlich sein. Immerhin hatte ich ihm nicht einmal verraten, dass ich es eilig hatte.
»Keine Sorge, Miss«, beschwichtigte er mich. »Wir werden rechtzeitig ankommen.«
Mit rechtzeitig meinte er die Ankunftszeit, die die App mir angezeigt hatte. Ich war so oder so eineinhalb Stunden zu spät.
Zoe hatte recht gehabt.
Das letzte Gespräch bei Golden Pictures in West London war heute.
Genau deshalb würde ich knapp zwanzig Pfund von meinem spärlichen Kontostand für diese Fahrt ausgeben. Weil ich einfach alles versuchen musste. Ich wusste nicht mal, ob ich das Gespräch verschlafen, vergessen oder verdrängt hatte. Nach den gestrigen Ereignissen war es wohl eine Mischung aus allem.
Aber es ist deine Zukunft, Braun. Wie konntest du die vergessen?
Gott, ich war so wütend auf mich selbst.
Meine Beine tippelten nervös vor sich hin, während irgendein Remix von Marshmallow aus dem Radio dröhnte.
»Sie haben wohl einen sehr wichtigen Termin, hm?«, fragte mein Fahrer.
Mein zögerliches Nicken reichte dafür, dass er mir einen kurzen Blick im Rückspiegel zuwarf, bevor er aufs Gaspedal drückte. Wir rasten an hupenden Autos vorbei und überholten einen Doppeldeckerbus, bis der gute Mann exakt vier Minuten später in der Springfield Road die Handbremse zog.
»Das wird schon«, sagte er zum Abschied, bevor ich mich bedankte und förmlich aus seinem SEAT Ibiza hechtete.
Der Hauptsitz von Golden Pictures jagte mir wie immer einen Schauder über den Rücken. Das moderne Glasgebäude war imposant, gigantisch und der Ursprungsort vieler preisgekrönter Meisterwerke.
Wir haben soooo viele Bewerber, da müssen wir wirklich ganz genau schauen, wen wir nehmen – ich hatte Marigolds Stimme im Ohr, während ich die Eingangstür mit der Schulter aufstieß. Eigentlich konnte ich es immer noch nicht glauben, dass sie mir den Praktikumsplatz als Produktionsassistentin wirklich gegeben hatten. Das Filmstudio in meinem Lebenslauf aufzählen zu können wäre unheimlich wertvoll.
Ich durfte