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Was nützen noch so wichtige und richtige Forderungen, wenn deren Umsetzungen fortlaufend unfassbar lähmen - selbst bei unverkennbar existenziellen Bedrohungen? Gibt es keinen Weg, wie Klima-, Bildungs-, soziale, wirtschaftliche, politische und sonstige notwendige Wenden zügig angepackt und effektiv umgesetzt werden können?
Die Antwort ist so einfach wie spektakulär hoffnungsstiftend: Selbst ausgesprochen kühne Handlungskonzepte stellen selbst für die Wirtschaft absolut kein Problem dar, wenn sie eine Voraussetzung erfüllen, ein Prinzip beachten: wenn sie wettbewerbsneutral sind. Wettbewerbsneutrale Lösungen sind per se Win-win-win-Lösungen und geben uns genau deshalb effektive Handlungsfähigkeit zurück. Sie bereiten den Weg zu einer Transformation der heutigen Wett-Wirtschaft zu einer blühenden öko-sozial nachhaltigen "Planet We Economy". Dieses Buch erläutert das Prinzip der Wettbewerbsneutralität - und wendet es an auf die großen Gestaltungshebel von öko-sozialen Standards bis hin zur lokalen bis globalen Steuer-, Bildungs- und Innovationspolitik an.
Der renommierte Club of Budapest, eine internationale Vereinigung, die sich der Entwicklung einer neuen Denkweise und einer neuen Ethik verschrieben hat, die zur Lösung der sozialen, politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts beitragen, hat sich entschieden, das Buch als "Report an den Club of Budapest" anzunehmen!
"Das Buch verdient die Lektüre von allen, die für eine bessere Welt wirken möchten." (Prof. Dr. Dr. Ervin Laszlo, Gründer und Präsident des Club of Budapest International, im Vorwort zum Buch)
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Seitenzahl: 209
Veröffentlichungsjahr: 2023
Alle Bücher von WILEY-VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung
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Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
Print ISBN: 978-3-527-51141-9ePub ISBN: 978-3-527-84198-1
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Cover
Titelblatt
Impressum
Vorwort
»Wozu« dieses Buch?
Teil 1: WIRTSCHAFT NEU DENKEN
1 Schritte zu einer »Planet We Economy«
Annäherungen an ein neues Ökonomieverständnis
Die Wende zur Werte-Schöpfung ist der neue Metatrend WeQ
Kleiner Rundflug durch die Welt der WeQ-Trends
Gemeinsam geschaffene Gemeingüter
Weit über strategischen Konsum hinaus
Innovationsentwicklung befreit von der Verengung auf Fachexperten
Die bereits reichlich real-existierende Werte-schöpfende Zukunft
Nobelpreisverdächtig: Ole Peters‘ mathematische Formel zum Wirtschaftsparadigma der Kooperation
2 Wenn Wirtschaft zur Wett-Wirtschaft wird – Geht es noch (billiger)?
Die unsichtbare Hand und die spürbare Faust
Weltwirtschaft als Wett-Wirtschaft
Denkblockaden einer Wett-Wirtschaft gegenüber wettbewerbsneutralen Konzepten
Bisherige Lösungsansätze
3 Wettbewerbsneutralität – Der Schlüssel zu einer ökosozial nachhaltigen Marktwirtschaft
Erste bahnbrechende Initiativen für wettbewerbsneutrale Konzepte
Wettbewerbsneutraler globaler Mindestlohn
Teil 2: WIRTSCHAFT NACHHALTIG WETTBEWERBSNEUTRAL GESTALTEN
4 Welthandel transparent wettbewerbsneutral – Ein globales Zertifizierungssystem
Die Schlussfolgerung gleich am Anfang
Immer weniger Gewinner, immer mehr Verlierer
Transparenz bei der Herstellung der Produkte
Eine wettbewerbsneutrale Global-Trade-Lizenz für alle im Welthandel angebotenen Produkte
»Planet We Economy« – Die Global Trade Licence
Struktur und Vorteile dieses Labelsystems
5 Ein Steuersystem für die wahren Konsum-kosten – Wirtschaft als »Blue Economy«
Blue Economy – unerschöpflich kreativ
Eine sozial-ökologisch gestaffelte Konsumsteuer als Leitsystem zur Blue Economy
Eine sozial-ökonomische Konsumsteuer unter Berücksichtigung der Bedürfnispyramide
6 Das Ende des Dumpingwettbewerbs – Wettbewerbsneutrale Mindestlöhne und Mindestpreise
Unmittelbare Effekte der globalen Lohnuntergrenze
Globales soziales Wirtschaftswunder dank globalem Mindestlohn
7 Das Ende des Steuer-Dumpingwettbewerbs – Ein neues Steuersystem für Unternehmen
Warum wir die Steuerungshoheit über unser Steuersystem verloren haben
Weg vom global destruktiven Steuerdumping – hin zu einem lokal konstruktiven Steuerwettbewerb
Weshalb ein wettbewerbsneutrales Steuersystem sinnvoll ist
Notwendigkeit ist erkannt – jetzt ist die Zeit für die Frage der Grundkonzeption
8 Europa als Vorreiter – durch verbindliche öko-soziale Produktstandards
Die EU in der Vorreiterrolle
Teil 3: EIN BESSERES WIRTSCHAFTEN FÜR ALLE IST MÖGLICH
9 Von der Wissens- zur Kompetenzgesellschaft
Was hat Wettbewerbsneutralität mit Bildung zu tun?
Wissensverdoppelung – in immer kürzerer Zeit
Von der Wissens- zur Kompetenzgesellschaft – durch WeQ Learning einschließlich gesamtsystemischer Werte und Haltungen
Das Umdenken ist längst im Gange – zur exponentiellen Potenzialentfaltung unserer gesamtsystemischen Werte, Haltungen und Kompetenzen
Das neue Erfolgsgeheimnis: Future Skills
Der neue Engpass: Die grundlegende Andersartigkeit von Kompetenzen-Lernen
10 »We, the People … « – Eine gemeinsame Identität als Weltbürger
»Planet We Citizen« – Von der »ID« zur »WeD«
11 Die »Earth Life Organization« als neue UN-Einrichtung
Wer vertritt die Rechte der Natur?
Die Stimme der Natur – als konzertierte Aktion von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik
»Earth Life Organization« als neue UN-Organisation zum Schutz der Rechte der Natur
12 Weltinnenpolitik durch eine handlungs- und finanzstarke UNO
Unsere planetare Unregierbarkeit überdenken
Sicherheit als unteilbar erkennen – und entsprechend auf globaler Ebene neugestalten
Wettbewerbsneutraler Finanzierungsvorschlag für die Umsetzung der Global Goals
Planet We Economy: Das Manifest
Ein Appell an die Vereinten Nationen
Danksagung
Literatur
Die Autoren
Statements zum Grundkonzept sowie einzelnen Vorschlägen
Webseite zum Buch
End User License Agreement
Kapital 5
Abbildung 5.1: Konsumorientiertes Steuersystem nach ökosozialer Bilanz Farbi...
Kapital 7
Abbildung 7.1: Wettbewerbsneutrales Steuersystem Farbige Wiedergabe dieser G...
Kapital 9
Abbildung 9.1: Von Technologie zum Menschen – Kondratieff-Wellen
Kapital 12
Abbildung 12.1: Ein wettbewerbsneutrales Finanzierungssystem für die UNO und...
Cover
Titelblatt
Impressum
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
»Wozu« dieses Buch?
Fangen Sie an zu lesen
Planet We Economy: Das Manifest
Ein Appell an die Vereinten Nationen
Danksagung
Literatur
Die Autoren
Statements zum Grundkonzept sowie einzelnen Vorschlägen
Webseite zum Buch
End User License Agreement
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Es ist mir eine besondere Freude, für dieses Buch das Vorwort zu schreiben. In diesem Buch steht die Grundidee im Zentrum, dass große gesellschaftliche Herausforderungen wie die Überwindung von Armut, Ausbeutung, Kinderarbeit oder auch Steuerflucht am effektivsten und nachhaltigsten mit wettbewerbsneutralen politischen Maßnahmen gelöst werden können. Diese Idee wurde erstmals von dem Stuttgarter Unternehmer, Philanthrop und Philosoph Huschmand Sabet Mitte der 1990er Jahre entwickelt. Als Gründer und Präsident des internationalen Club of Budapest wurde ich auf dieses Konzept 1996 aufmerksam. In diesem Jahr hatte der Club of Budapest erstmals den von ihm geschaffenen Planetary Consciousness Prize vergeben. Mit diesem wurden Persönlichkeiten geehrt, die für beispielgebende Leistungen für ein planetarisches Bewusstsein und Handeln standen. Der erste war Václav Havel.
Ein Jahr später entschieden wir uns gleich für drei Preisträger: Michail Gorbatschow – für den der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Laudatio hielt – sowie den damals noch weitgehend unbekannten späteren Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und eben Huschmand Sabet. In seiner Laudatio, die er sehr bewusst für beide zusammen hielt, wählte Lothar Späth denkwürdige Worte. Er sprach am 25. Juni 1997 in der Frankfurter Paulskirche davon, dass Muhammad Yunus‘ Idee eines völlig neuartigen Bankings für die Ärmsten und Huschmand Sabets Idee von wettbewerbsneutralen Lösungen nichts Geringeres seien als »der Einstieg in eine globale ökosoziale Marktwirtschaft«.
Die beiden Autoren dieses Buches kannten Huschmand Sabet aus der Zeit, als er sein Konzept entwickelte und dafür Sorge trug, dass es von einem Wirtschaftssektor nicht nur prä-zidenzhaft umgesetzt wurde, sondern dieser sogar vehement an den Türen der Politik in Bonn und Brüssel klopfte, mit der sehr ungewöhnlichen Lobbyarbeit für die Einführung einer wettbewerbsneutralen Entwicklungsabgabe durch die EU, durch die alle Unternehmen dieser Branche verpflichtet würden, zwei Prozent vom Importwert in einen entsprechenden EU-Fonds abzuführen. Die so eingenommenen Gelder hätten nach Studien gereicht, um die Ursachen der Kinderarbeit in den Herkunftsländern abstellen zu können.
Dieses Beispiel inspirierte Georgios Zervas und Peter Spiegel dazu, das Konzept wettbewerbsneutraler Lösungen konsequent und hartnäckig weiterzuverfolgen und weiterzuentwickeln. Die Resonanz auf ihre Arbeit war bei internationalen Vordenkerinnen und Vordenkern ausgesprochen positiv. Doch politisch war bis heute die Zeit offenbar noch nicht reif genug für eine solche bahnbrechende Neukonzeption politischer Rahmensetzungen, durch die Unternehmen problemlos, weil wettbewerbsneutral, von der Bremse auf das Gaspedal wechseln können.
In diesem Buch wenden sie das Konzept wettbewerbsneutraler Lösungen nun gleich auf ein ganzes Paket der gegenwärtigen Weltprobleme an. Und zeigen auf, weshalb sie der Überzeugung sind, dass nun die Zeit für diesen Denkwechsel reif ist, ja überreif. Die Welt braucht neues Denken und Handeln so dringend wie nie zuvor, wenn wir unseren Planeten ökologisch wie menschlich lebensfähig erhalten wollen. Daher entschied sich der Club of Budapest, dieses Buch als Report an den Club of Budapest anzunehmen. Es verdient die Lektüre von allen, die für eine bessere Welt wirken möchten, denn es ist eine machtvolle und absolut machbare Guideline für den Einstieg in eine globale ökosoziale Marktwirtschaft.
Prof. Dr. Dr. Ervin Laszlo
Gründer und Präsident des Club of Budapest International
Wie entsteht schöpferisches Neudenken, das dem berühmten Satz von Albert Einstein gerecht wird: »Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Und wie bricht sich dementsprechendes Neugestalten dann schließlich tatkräftig bis weltverändernd Bahn?
Auf beide Fragen brauchen wir hinlänglich überzeugende und praktikable Antworten, denn erst dann können wir Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich zukunftsfähig neu denken und gestalten. Ansonsten drehen wir aus Angst immer wieder unnötige Rückfallschleifen in überholte Denk- und Handlungsmuster, die am Ende die Probleme nur verlängern und verschlimmern. Die Zeit zum Durchbruch eines »not-wendenden« Neudenkens und Neuhandelns zu verkürzen ist das »Wozu« dieses Buches.
Die Kernantwort zur ersten Frage der Entstehung von not-wendendem Neudenken ist überraschend einfach: Schöpferisches Neudenken über tradierte und eingefahrene Denkweisen hinaus entsteht immer dann, wenn die Notwendigkeit dazu reif genug ist. Der Mensch erwies sich über seine gesamte bisherige Evolutionsgeschichte hindurch als erstaunlich problemlösungsstarkes Wesen. Die Notwendigkeit für Neudenken ist gegenwärtig so überreif und zudem so universell – also den gesamten Planeten sowie alle Lebensbereiche umfassend – wie nie zuvor. Daher kann es nicht wirklich überraschen, dass neben den überbordend gewachsenen Problemen auch prototypische bis bereits bewährte Lösungen längst vorhanden sind – weit mehr und weit bessere, als wir vermuten würden.
Was wir daher an dieser Stelle als erstes erhebliches Beschleunigungsmomentum für den effektiven Durchbruch zum Neudenken und Neuhandeln brauchen, ist ein kollektives Gewahrwerden der längst sehr real existierenden Lösungsfindungskraft in allen Bereichen unserer Gesellschaft:
Eine fast schon exponentiell schnell wachsende und extrem diverse Lösungsfindungscommunity aus der engagierteren Zivilgesellschaft,
eine immer interdisziplinärer arbeitende Wissenschaft
und eine sich zunehmend neu erfindende Wirtschaft
generieren durch ein immer besseres Zusammenspiel immer lösungsstärkere Ansätze.
Längst ist nicht nur die Schwelle zu global existenziellen Problemen und deren immer breiterer Wahrnehmung überschritten, sondern auch jene zu einem grundsätzlichen Neudenken im Sinne des Einstein-Zitats, also zu einem grundsätzlich neuen Lösungsdenken – auch wenn Zweiteres noch viel zu wenig in Medien und öffentlichen Diskussionen wahrgenommen wird. Wir können und sollten viel breiter und viel konkreter realisieren, welche überaus vielfältigen und wirkmächtigen Lösungen für eine gesamtsystemisch nachhaltige Welt und ein weitaus ganzheitlicheres Wohlergehen für alle bereits existieren. Unsere Nachrichtenkanäle könnten längst täglich überlaufen mit Lösungen aus dieser sehr »real-existierenden Zukunft mitten in unserer Gegenwart«. Eine solche Good-News-Welle ist weitaus hilfreicher und zudem auch ungleich spannender als die (noch) allgegenwärtigen Bad-News- und Fake-News-Wellen. Der alte Journalistenspruch »Only bad news are good news« gehört in die Rumpelkammer der Geschichte, denn er ist im buchstäblichen Wortsinne verantwortungslos. »Only good news are good news« ist die zukunftsverantwortende neue Ansage.
Das Fenster in diese faszinierende Welt der Gegenwart und Zukunft so weit zu öffnen, dass die Neugier auf immer mehr solche Very Good News zunimmt und zu einer nachhaltigen Leidenschaft wird, ist eines der beiden Kernziele unseres Buches.
Doch damit ist noch nicht genug getan. Ein gesamtgesellschaftlicher Durchbruch zu umfassend nachhaltigem Neu- und Bessergestalten in allen Bereichen des Lebens bedarf auch eines grundlegenden Durchbruchs zu einem Neudenken und -gestalten in der Politik. Dies ist letztlich der entscheidende Fokus dieses Buches, denn jeder noch so zukunftsstarke Lösungsansatz kann seine Wirkkraft nur entfalten, wenn er von der Politik zum neuen wettbewerbsneutralen und nachhaltigen Handlungsrahmen erhoben wird.
Politik hat die Aufgabe, kluge und wirksame Rahmenbedingungen zu setzen für eine Wirtschaft und gesamtgesellschaftliche Entwicklung der Nachhaltigkeit, Menschlichkeit und sinnstiftender wie erfüllender Lebensgestaltung. In einer universell vernetzten Welt kann Politik diese unverzichtbare Aufgabe nur noch erfüllen, wenn sie an gleich drei Schlüsselstellen grundlegend neu denkt und sich entsprechend neu erfindet. Alle diese Schlüsselstellen haben mit einem und demselben Schlüsselthema zu tun – unserem überholungsbedürftigen Verständnis von Wettbewerb in Wirtschaft, Politik und im Leben überhaupt:
Selbst
innerhalb der Wirtschaft
begann inzwischen ein Umdenken in der Frage, was im Zeitalter universeller Vernetzung das intelligenteste Grundprinzip ist für eine neue zukunftsfähige Ökonomie. Todd Khozein, einer der Erfinder der Hackathons und Gründer der Unternehmensberatung
Second Muse
, brachte es so auf den Punkt:
»Collaboration is the next competition.«
Was hinter dieser erstaunlichen, ja geradezu abenteuerlich klingenden Wende steckt, werden wir uns im nächsten Kapitel ansehen.
Der noch viel zu sehr auf kurzsichtige eigene Vorteile fixierte
Wettbewerb zwischen den Nationen
stellt die Hauptblockade dar für eine
globale Rahmengestaltung
und
globalverantwortliche Gestaltungsfähigkeit
von Politik.
Die mutmaßlich entscheidenden und zugleich sehr
praktisch-pragmatischen Schritte
aus dieser selbstverursachten politischen Handlungslähmung auf ausgerechnet der heute wichtigsten Handlungsebene – der globalen – sind
wettbewerbsneutrale Konzepte, Lösungen und Rahmensetzungen
.
Eine ausreichend wirksame politische Rahmensetzung für die heute unumgänglich notwendige Nachhaltigkeit und Humanität ist in einer universell vernetzten Welt nur über den Wechsel zum Prinzip der Wettbewerbsneutralität erreichbar und über die schrittweise und überzeugende Implementierung von wettbewerbsneutralen Lösungen.
In unseren bisherigen Publikationen beschäftigten wir uns mit einem neuen systemischen Grundverständnis von Ökonomie und Gesellschaft im 21. Jahrhundert.
Unsere grundlegenden Impulse wie die Entdeckung des Paradigmenwechsels in allen Sektoren der Gesellschaft zu einer völlig neuen Bedeutung kollaborativer Intelligenz im Sinne von »WeQ – More than IQ« und die damit einhergehende Wandlung von »Economy« zu einer »WeQ Economy« beziehungsweise »Planet We Economy« zeitigten erfreulich schnell virale Wahrnehmung und Wirkung.
Auch unser Vorschlag für die Einführung eines globalen Mindestlohns als weltweite Lohnuntergrenze fand beachtliche Zustimmung als »faszinierende Idee« (Ernst Ulrich von Weizsäcker) und »neuer systemischer Ansatz, der diskutiert werden muss« (Gerd Müller, Ex-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit).
Mit diesem bewusst sehr kurz und essayistisch gehaltenen Buch wagen wir uns erneut mit kühnen Vorschlägen in die Diskussion. Anhand dieser Vorschläge unternehmen wir ferner den Versuch, noch präziser zu erläutern, was die nach unserer Überzeugung im Grunde verblüffend einfachen systemischen Grundansätze sind, die wir beachten müssen, um eine neuartige und neue Dimension von Wohlergehen für alle generieren zu können. Der Schlüsselbegriff hierzu lautet: Wettbewerbsneutralität.
Wir schließen dieses Buch mit einem Manifest ab. Dieses Manifest stellt aus der Perspektive einer hoffentlich sehr nahen Zukunft des gelungenen Durchbruchs die Frage, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass wir uns so lange so schwertaten, uns eine derart unvergleichlich nachhaltigere, menschlichere und ganzheitlich reichere Ökonomie und Gesellschaft vorzustellen, obwohl doch derart viele Problemlösungen so offensichtlich auf der Hand lagen und liegen. Es ist – so viel sei vorweggenommen – ein provozierend positives Manifest.
Wir würden uns sehr glücklich schätzen, wenn Sie nach der Lektüre dieses Buches zu einer Einschätzung kommen würden in etwa in dieser Form: »Jetzt bin ich mir sicher: Der Durchbruch des not-wendenden Neudenkens und Neuhandelns im Sinne einer Planet We Economy wird kommen. Weil er absolut möglich ist. Weil er unbedingt notwendig ist. Weil die Flut kreativer und not-wendender Konzepte und praktischer Lösungen bereits weit wirkmächtiger ist und weit schneller wächst, als ich mir das bisher vorgestellt habe. Und weil ich nun weiß, wie ich aktiver Mit-Lernender und Mit-Wirkender in diesem Prozess sein kann.«
Dies wäre das schönste und wertvollste »Wozu« dieses Buches. Machen wir uns gemeinsam auf zu einem Neudenken und Neuhandeln für eine ökohumane Wirtschaft, damit genau diese ins Rollen kommt.
Georgios Zervas & Peter Spiegel
Die anstehende Verwandlung der Wirtschaft ist nach unserer Überzeugung weitaus tiefgreifender, als es bisher diskutiert wird. Die Grundannahmen, Vorstellungen und Lösungsideen, die in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft gegenwärtig rund um den Schlüsselbegriff der Transformation unterwegs sind, würden wir auf einer 10er-Skala – von Ausnahmen abgesehen – noch deutlich im unteren Bereich einstufen. Die weiteren erforderlichen Stufen in Richtung 10 erachten wir dabei nicht nur als notwendig, sinnvoll und machbar, sondern aus systemischen Gründen als unausweichlich.
Das Denken über Wirtschaft war lange Zeit stark dominiert durch Maximen wie »The business of business is business« von Milton Friedman und deren politischer Entsprechung wie »It’s the economy, stupid« von Bill Clinton. Wirtschaftliches Wohlergehen und Wachstum waren klassisch verengt auf monetär bezifferte Wertschöpfung, auf das Wachstum des BIP, des Bruttoinlandsprodukts. Dieses maß und misst bis heute unterschiedslos alle monetär messbaren Geldströme, also beispielsweise Kohle-, Kern- und Solarenergiewirtschaft einschließlich der Maßnahmen zur Beseitigung von deren Nebenwirkungen, sofern dafür Geld im aktuellen Wirtschaftskreislauf eingesetzt wird. Auch abhängig machende Opiate und Drogen sowie die Beseitigung von deren teils riesigen Nebenwirkungen zählen beide noch immer als positive Beiträge zum BIP. Kein Platz im BIP-Maßstab hatte und hat hingegen ehrenamtliche Tätigkeit oder familiäre Kinderbetreuung und -begleitung.
Inzwischen fanden in sehr unterschiedlichen Graden Korrekturen in öko-sozialer Richtung statt, aber zum größten Teil sind diese noch immer viel zu weit entfernt von einer Maxime, die in etwa so lauten könnte: »The business of business is creating a sustainable future.« Dennoch bewegt sich das Denken über Ökonomie immer stärker in diese Richtung.
So hieß es in der Abschlusserklärung von 321 international führenden Wirtschafts-, Politik-, Nachhaltigkeits- und weiteren Thinktanks beim offiziellen »T20«-Thinktank-Vorbereitungsgipfel zum G20-Gipfel 2017: »Wir werden nur noch erfolgreich sein, wenn wirtschaftliche Entwicklung die gleichrangige Integration von sozialinklusivem, menschen- und ökosystemorientiertem Denken leistet.«
Dass dies nicht ein einmaliges Zufallsprodukt war, zeigt beispielsweise der »Global Risk Report«, den der Präsident des World Economic Forum, Borge Brede, unmittelbar vor Eröffnung des Davoser Treffens 2019 der internationalen Wirtschafts- und Politikelite vorstellte. Dort heißt es: »Dies ist ein Zeitalter beispielloser Möglichkeiten und technologischen Fortschritts, aber für zu viele Menschen ist dies auch ein Zeitalter der Unsicherheit … Die sozialen Verträge, die die Gesellschaft zusammenhalten, fasern aus … Für viele Menschen ist dies eine zunehmend beängstigende Welt, die unglücklich und einsam macht.« Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, sekundiert: »Ohne sozialen Zusammenhalt ist Demokratie nicht lebensfähig.« In seinem kurz danach erschienenen Buch »Die Zukunft der Vierten Industriellen Revolution« wird er noch deutlicher: »Verpassen wir die Gelegenheit, neue Technologien so zu entwickeln, dass sie dem Gemeinwohl dienen, die Menschenwürde fördern und die Umwelt schützen, (werden) sich die Probleme noch verschärfen.«
Und in seinem im Herbst 2021 erschienenen Werk »Stakeholder-Kapitalismus« geht er noch weiter und fordert schlicht einen Abschied sowohl vom Shareholder- als auch vom Staatskapitalismus: »Wir können nicht mit einem Wirtschaftssystem weitermachen, das von egoistischen Werten angetrieben wird wie kurzfristige Gewinnmaximierung, die Vermeidung von Steuern und Regulierung oder die Externalisierung von Umweltschäden. Stattdessen brauchen wir eine Gesellschaft, Wirtschaft und internationale Gemeinschaft, die darauf ausgerichtet ist, für alle Menschen und den gesamten Planeten zu sorgen.« Sein Kernvorschlag ist »ein Stakeholder-Kapitalismus, in dem Unternehmen nach langfristiger Wertschöpfung statt nach kurzfristigen Gewinnen streben, Regierungen kooperieren, um den größtmöglichen Wohlstand für ihre Bevölkerung zu schaffen, und in dem die Zivilgesellschaft und internationale Organisationen den Stakeholder-Dialog vervollständigen und helfen, die Interessen der Menschen und des Planeten auszugleichen«.
Dies erkennen auch zunehmend mehr Unternehmensführer – und formulieren es in immer radikaleren Worten. Rüdiger Fox, CEO von Sympatex, beispielsweise: »Unternehmerischer Erfolg wird immer mehr vollständig abhängig von einer zutiefst menschlichen und nachhaltigen Unternehmenskultur.« Er folgt dabei der Essenz der Forschungen des weltweit berühmtesten Innovationsforschers C.K. Prahalad: »Das schlichte Überleben von Unternehmen hängt immer mehr davon ab, wie gut und innovativ sie gesellschaftliche (ökologische und soziale) Herausforderungen lösen.« Die innovativsten Unternehmen sind laut Prahalad jene, die sich am weitesten aus klassischen Denk-, Handlungs-, Organisations-, Kultur- und Kompetenzmustern gelöst haben – auf der Suche nach neuen Mustern für eine zukunftsfähige Welt und zukunftsfähige Unternehmen.
Wie radikal dieses Transformationserfordernis ist, illustriert ein Statement des Bosch-Vorstands Uwe Raschke. Bei einer Konferenz des WeQ Instituts im Jahr 2014 führte er sinngemäß an:
Obwohl Bosch bis heute mit großem Abstand die Nr. 1 in der Disziplin Patente- und Innovationsentwicklungen in Deutschland ist – und dies seit mehr als einem Jahrhundert – und obwohl Deutschland noch immer das zweitstärkste Innovationsland der Welt nach den USA sind, so führte Uwe Raschke aus, habe Bosch keine Chance, mit der Innovationsdynamik mitzuhalten, die in jungen Start-ups eine völlig neue Innovations- und Unternehmenskultur praktizieren. Der große Innovationsmotor Bosch müsse seine Innovationskultur radikal neu erfinden und innovieren. Nur so könne Bosch in seiner Rolle als Innovationsmotor verbleiben und überleben.
Genau diese Arbeit findet seit einiger Zeit bei Bosch statt unter der Leitung von Anne Kathrin Gebhardt als Projektleiterin für Agile Transformation bei Bosch Power Tools. Ihr Statement:
»Die Art und Weise, in der wir heute und zukünftig in Unternehmen zusammenarbeiten, ändert sich entscheidend. Die Kompetenzen und Denkweisen, die wir benötigen, sind grundlegend andere. Die Unternehmen müssen hierfür einen tiefgreifenden Wandel, nicht nur in ihrer Organisation, sondern insbesondere ihrer Kultur, vollziehen.«
Der Schlüsselbegriff für diese Ebene der Transformation von Wirtschaft ist New Work. Noch wird »New Work« in einem sehr weiten Spektrum unterschiedlich verstanden von der schlichten Anpassung an sich fortschreitend digitalisierende Arbeitsplätze in weiterhin traditionell organisierten Unternehmen bis zu einer wahren Revolution von fast allem, was wir bisher mit wirtschaftlichen Organisationen und Relationen verbinden – so wie es bei Bosch und zunehmend mehr Unternehmen tatsächlich bereits stattfindet.
Wir nehmen wahr, dass sich das Verständnis von »New Work« unaufhaltsam in die zweitgenannte Richtung verschiebt und fortentwickelt, weil die reine Nutzung von Digitalisierungs-Tools sowohl Menschen als auch Organisationen noch bei Weitem nicht zukunftsfähig macht.
Warum und wie die Digitalisierung eine fundamentale Bedeutungsvertiefung und Potenzialentfaltung von Ökonomie und aller in ihr wirkenden Menschen eröffnet und erfordert, darauf gehen wir gleich näher ein. Die letztlich bedeutendste Rolle spielt dabei vor der Transformation von Prozessen, Organisation und vielem mehr die Transformation des eigenen Ökonomieverständnisses von einer verengt monetären Wertschöpfung zu einer Werte-Schöpfung. Werte-Schöpfung generiert sich hier aus der systemischen und systematischen Förderung und Weiterentwicklung der menschlichen, sozialen, kreativen, kollaborativen, selbstführenden und unternehmerischen Werte und Kompetenzen aller Mitarbeiter und entsprechend hoher Wertschätzungskultur untereinander. Und darüber hinaus aus der systemischen Weiterentwicklung des sogenannten Purpose des Unternehmens in Richtung ökologischer, sozialer und sonstiger gesellschaftlicher Problemlösung.
Aus diesen Transformationen in Richtung eines Ökonomieverständnisses entwickelte sich letztlich eine Serie von Trends, die je einzeln bereits zutiefst weltverändernd sind. Das WeQ Institute untersuchte mehr als 200 dieser neuartigen Trends – und erkannte hinter diesen den Metatrend von IQ zu WeQ.
IQ steht klassischerweise für den menschlichen Intelligenzquotienten. Wenn man die Chiffre IQ jedoch auf die Ebene ihrer gesellschaftlichen Relevanz hebt, steht sie für Ich-Qualitäten: meine Intelligenz und meine Fähigkeit, sie zu nutzen. Wofür steht WeQ? Für Wir-Qualitäten. Über ein Jahrhundert lang war man allgemein überzeugt, es komme in erster Linie auf die Ich-Qualitäten von Individuen an, vor allem basierend auf deren IQ.