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Mit dem Chef im Aufzug, mit Kunden am Messestand oder beim Verkaufsgespräch - Small Talk ist überall gefragt! Dieses Trainingsbuch zeigt, wie Sie das Gespräch aktiv beginnen, souverän plaudern und gewonnene Informationen geschickt einsetzen. Mit vielen Übungen und Tipps lernen Sie, wie Sie Hemmungen oder Selbstzweifel überwinden, das richtige Thema treffen und bei Ihrem Gegenüber einen guten Eindruck hinterlassen. Reden Sie mit: Schon die nächste kleine Unterhaltung kann Sie einen großen Schritt voran bringen! Inhalte: - So finden Sie den richtigen Gesprächseinstieg - Mit diesen Themen kommen Sie in jeder Runde gut an - Wie Sie kritische Situationen meistern - Rhetorische Tipps für jeden Anlass - Die zehn häufigsten Small Talk-Killer - Anregende Übungen für Ihr persönliches Training
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Seitenzahl: 346
Veröffentlichungsjahr: 2017
Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Print: ISBN 978-3-648-09663-5 Bestell-Nr. 00803-0003
ePub: ISBN 978-3-648-09664-2 Bestell-Nr. 00803-0102
ePDF: ISBN 978-3-648-09665-9 Bestell-Nr. 00803-0151
Dr. Stephan Lermer, Dr. Ilonka Kunow
Small Talk
3. Auflage 2017© 2017 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, [email protected]
Produktmanagement: Anne Rathgeber
Lektorat: Ulrich Leinz, Berlin
Satz: kühn & weyh Software GmbH, Satz und Medien, FreiburgUmschlag: RED GmbH, KraillingDruck: BELTZ Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza
Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.
Small Talk ist überall gefragt – auf Betriebsfeiern und Partys, im Vorzimmer des Vorgesetzten und beim Verkaufsgespräch, bei offiziellen Anlässen und beim Einkaufen. Aber ist die kurze Plauderei denn so bedeutend, dass man sie erlernen muss? Wir denken: Ja! Denn ein gelungener Small Talk ist der Türöffner. Ohne Small Talk kein Networking. Ohne Small Talk keine Mentoren. Ohne Small Talk keine Freunde. Die lockere Plauderei ist die erste Gelegenheit, einen guten Eindruck zu machen und Beziehungen aufzubauen. Guter Small Talk schafft gute Verbindungen – deshalb ist er so wichtig für Ihre Karriere. Wer Sie als sympathischen, interessanten Menschen erlebt und sich durch Ihr Verhalten aufgewertet fühlt, wird gerne an Sie zurückdenken – und das vielleicht im entscheidenden Moment. Wissenschaftlich-empirischen Studien zufolge macht Small Talk erfolgreicher, gesünder, zufriedener und glücklicher (siehe Kapitel 1.2[2]).
In diesem Trainingsbuch lernen Sie Small Talks zu führen und gewinnbringend zu nutzen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eventuelle Hemmungen und Selbstzweifel überwinden und das kleine Gespräch aktiv beginnen: mit dem Chef im Aufzug, mit dem potenziellen Kunden im Restaurant, mit interessanten Leuten auf einer Party. Sie lernen Interesse am anderen zu zeigen; Sie erfahren, wie Sie das richtige Thema und den richtigen Ton treffen; Sie üben souverän zu bleiben, wenn's mal schwierig wird. Und wir zeigen Ihnen, wie sich mit Small Talk ein Netzwerk aufbauen lässt, vom dem Sie beruflich und privat profitieren.
Wenden Sie die Small Talk-Techniken an, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Schon die nächste kleine Plauderei kann Sie einen großen Schritt nach vorne bringen!
Anregende und Karriere fördernde Gespräche wünschen
Dr. Stephan Lermer und Dr. Ilonka Kunow
Vergessen Sie zwei weit verbreitete Vorurteile über Small Talk:
Vorurteil Nummer 1: [3]Manche Leute können smalltalken, andere nicht. So wie einige Menschen einfach dazu geboren sind, leicht und locker mit jedem zu plaudern, werden andere ihr Leben lang daran scheitern.
Vorurteil Nummer 2: Small Talk braucht man nicht, denn wer viel oberflächliche Konversation betreibt, erscheint am Ende selbst oberflächlich.
Richtig ist: Smalltalken ist zwar eine Kunst, aber eine, die sich erlernen lässt – selbst, wenn Sie sich für den schlechtesten Redner oder den gehemmtesten Unterhalter der Welt halten. Und wir beweisen Ihnen: Diese Kunst zeigt höchst nützliche Effekte.
Die erste Lektion führt Sie in die Welt des Small Talks ein: Wir erklären, was Small Talk ist, welche Vorteile er hat, wann er angebracht ist und was einen (guten) Small Talk ausmacht. In der zweiten Lektion gehen wir auf einige theoretische Grundlagen ein.
Natürlich erforschen wir auch, woran es liegen kann, wenn ein Gespräch nur schwer gelingt oder vielleicht gar nicht erst zustande kommt. Beginnen für manche die Schwierigkeiten schon mit der Angst, sie könnten sich beim Reden blamieren, scheitern andere am Gespräch selbst: Wenn sie zum Beispiel ein Tabuthema treffen oder nicht dafür sorgen, dass ein Missverständnis ausgeräumt wird. Dann kann die kleine Unterhaltung schneller vorbei sein, als den Beteiligten lieb ist. Doch trösten Sie sich: Dies sind Pannen, die selbst Profis durchaus passieren können!
Wie Sie vor Missgeschicken im Small Talk bewahrt bleiben und dabei auch noch souverän und sympathisch auftreten, erfahren Sie im Einzelnen in den weiteren Lektionen des Buchs. Sie können Ihr Training gezielt dort beginnen, wo bisher Ihre größten Schwierigkeiten lagen. Sie können das Trainingsbuch aber auch von der ersten bis zur letzten Seite durcharbeiten. So erwerben Sie umfassende Kenntnisse darüber, was Sie benötigen, um ein Small Talk-Könner zu werden.[4]
Neben zahlreichen Tipps, Beispielen und Hintergrundwissen finden Sie in den Lektionen konkrete Übungen, und zwar:
Formulierungsübungen, die Sie zuerst schriftlich machen, dann aber auch mündlich „vortragen” können,
Anleitungen zu Rollenspielen und Partnerübungen, die Ihnen helfen werden, Gesprächsstrategien direkt einzuüben,
Übungen zur Selbstanalyse (etwa zu Ihrer Sprechweise) sowie
Körperübungen zu Haltung, Atmung und Stimmbildung.
Zu vielen Übungen bieten wir Lösungsvorschläge und Lösungswege im Anhang an.
Die Übungen können Sie ganz leicht zu Hause machen, sowohl alleine als auch mit Partner. Suchen Sie sich für die Rollenspiele eine Person, zu der Sie Vertrauen haben – und geben Sie sich gegenseitig Feedback. Zu zweit werden Sie spielerisch zum Könner aufsteigen.
Nutzen Sie die Gelegenheit, sich bei passenden Übungen selbst aufzunehmen. Sie erhalten dadurch einen realistischen Eindruck davon, wie Sie auf andere wirken. Ein extra Gerät dafür können Sie sich sparen, jedes Smartphone besitzt mittlerweile Diktat- und Videofunktion.
Anfangs werden Sie sich der Aufnahme bewusst sein, was zur Folge hat, dass Sie sich vielleicht noch etwas unnatürlich verhalten. Lassen Sie daher jede Aufnahme länger laufen. Irgendwann werden Sie die Aufnahmesituation vergessen haben. Nehmen Sie die in der Übung geforderte Situation nach Möglichkeit öfter auf und arbeiten Sie dann mit dem Gespräch, das nach Ihrem Empfinden am natürlichsten und lebendigsten geraten ist.[5]
Sollten Sie die Möglichkeit haben, sich selbst bei Übungen und Rollenspielen auf Video aufzunehmen oder in einem Seminar gefilmt zu werden: Nehmen Sie diese Gelegenheiten sofort mutig wahr! Dann können Sie nämlich auch den wichtigen Aspekt „Ihre Sprache und Körpersprache in realer Interaktion” in Ihre Analysen integrieren.
Aber Trockenübungen im stillen Kämmerlein allein reichen noch nicht aus für die nötige Routine auf dem gesellschaftlichen Parkett. Üben Sie also Small Talk auch und vor allem „draußen”. Suchen Sie den Kontakt! Nützen Sie die günstigen Gelegenheiten! So wie der Marathonläufer eher die Treppe nimmt als den Lift, könnten Sie gleich morgens beim Bäcker spontan mit dem Kunden neben Ihnen etwas plaudern – anstatt stumm darauf zu warten, dass Sie endlich an die Reihe kommen.
Ein gewandter Smalltalker werden Sie dann, wenn Sie oft mit Leuten reden – auch mit „Wildfremden”, mit flüchtigen Bekannten, mit Kollegen, mit Vorgesetzten, mit Mitarbeitern. Gehen Sie den kurzen Gesprächen jenseits des „Big Talks” nicht aus dem Weg, wenn Sie etwas Zeit erübrigen können. Eine gute Investition, es lohnt sich allemal. Üben Sie auf Partys, im Betrieb, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder sonst wo – und bald schon werden Sie merken: „Es fällt mir leichter, als gedacht.”[6]
In jedem Kapitel finden Sie zahlreiche Beispiele für ideale Small Talk-Gespräche und -Situationen. Auch für den Fall, dass Ihr Small Talk einmal nicht so heiter und locker verlaufen sollte, bekommen Sie Tipps. Zu den Herausforderungen zählen Missverständnisse, eine umgekippte Stimmung, das vermaledeite Treten ins Fettnäpfchen oder unangemessene oder vielleicht sogar beleidigende Angriffe von Seiten Ihres Gesprächspartners.
Eines sollten Sie bei der Lektüre immer im Hinterkopf behalten: So gut Sie selbst auch sein mögen – von Ihnen allein hängt das Gelingen eines Small Talks niemals ab! Denn schließlich sind daran immer (mindestens) zwei beteiligt. Und damit kommen wir auch schon zum Motto, das Ihnen den Einstieg in die Welt des Plauderns und in die plaudernde Welt erleichtern wird: „Mut” heißt das passende Mantra – die anderen kochen auch nur mit Wasser!
In den letzten zehn Jahren hat Small Talk einen enormen Aufstieg erfahren. Wodurch? Folgender Dreisatz scheint die logische Ursache dafür zu sein: Kein Erfolg ohne Networking. Kein Networking ohne vorausgegangenem Small Talk. Folglich: Ohne Small Talk kein Erfolg. Lediglich oberflächlich betrachtet ist Small Talk oberflächlich. In Wirklichkeit hat er wichtige soziale Funktionen, vom Abbau situativer Spannungen bis zum Aufbau wertvoller Beziehungen. In dieser Lektion erfahren Sie, wie Sie Small Talk erfolgreich nutzen. Und auch, wo die häufigsten Ursachen liegen, die „das kleine Gespräch” zum Scheitern bringen könnten.[7]
Ratgeber zum Small Talk, zum rechten Benehmen in Gesellschaft und zur Kommunikation in ganz speziellen Lebenslagen gibt es bereits vielerlei. Und nun auch noch dieses Buch, das erstmals ein umfassendes Training zum Small Talk präsentiert! Da stellt sich die Frage: Sind wir denn wirklich eine Gesellschaft von unzugänglichen, kontaktscheuen, unhöflichen oder gar mundfaulen Zeitgenossen? Denn in anderen Ländern ist Small Talk längst gesellschaftlich verwurzelt. In den USA bekommen Sie schon am Flughafen in der Wartezone von einem fremden Fluggast, der zufällig neben Ihnen sitzt, nach fünf Minuten die Bilder seiner Enkel gezeigt. Und Sie werden bereits nach kurzer Zeit nach Ihrem Privatleben gefragt. In Großbritannien gibt es für Small Talk den traditionellen Begriff des „Chit Chat”, die Franzosen nennen ihn „la petite conversation de la table”. Begriffe, die eine tief verwurzelte Small Talk-Kultur offenbaren.
Fragen Sie doch einmal ausländische Mitbürger (vielleicht aus dem englischen Sprachraum, aus Spanien oder auch aus Russland), wie sie die Möglichkeit einschätzen, in Deutschland mit anderen ins Gespräch zu kommen. Womöglich bekommen Sie ähnlich frustrierende Einschätzungen zur deutschen Gesprächskultur zu hören wie die der kanadischen Historikerin Suzanne Leduc, die in einem Interview in der „Zeit” einmal bemängelte:„Trotz der vielen Kneipen und Cafés, die ich sehr mag, existiert in Deutschland keine öffentliche Kultur … Man muss ja nicht gleich schunkeln, aber es ist diese Unfähigkeit zum Small Talk, die die Konversation oft so zäh macht. Auf Partys muss ich ständig das Gespräch in Gang bringen: Es ist eine Tortur, die Leute sagen einfach nichts.[8]” („Die Zeit”, 27.12.1996, Seite 38)
Nun könnte man der Kanadierin vorwerfen, sie betrachte die Sache nur aus dem Blickwinkel ihrer eigenen Kultur – in der der Small Talk eine ausgesprochene Tradition hat. Schließlich gibt es auch enorme regionale Unterschiede. So kommen Sie in einer Kölner Kneipe wahrscheinlich leichter mit einem Fremden ins Gespräch als in einer kühlen Münchner Bar. Aber irgendwie trifft sie mit ihrer Einschätzung doch den Kern eines Phänomens. Zwar gehört das englische Wort Small Talk längst zu unserem Alltagswortschatz, wir praktizieren das leichte Gespräch dennoch kaum. Warum sonst schweigen sich Lieschen Müller und Otto Taub an der Bushaltestelle lieber hartnäckig an, anstatt die Minuten des Wartens mit ein paar belanglosen, aber netten Worten zu überbrücken? In Sachen Small Talk-Kultur können die Deutschen von Menschen anderer Kulturen sicher noch lernen.
Doch nun kommt die gute Nachricht. Leduc sucht nach einer Erklärung für die Misere und findet folgende tröstende Worte: „Womöglich sind viele auch einfach nur schüchtern und unsicher, denn wenn man lieb zu den Deutschen ist, sind sie dafür sehr dankbar …[9]”
Ob wir Deutsche im Umgang mit fremden Menschen unsicher sind, darüber lässt sich sicher streiten. Zumindest können Sie sich, wenn Ihnen Small Talk schwerfällt, damit trösten, dass Sie offensichtlich nicht der Einzige sind. Auf jeden Fall ist es hilfreich, wenn uns Menschen aus fremden (Kultur-)Kreisen schildern, wie wir auf sie wirken.
Dies ist, am Rande bemerkt, auch ein guter Grund öfter zu smalltalken: Das öffnet die Augen, für andere Menschen und andere Sitten. Und wer mit offenen Augen durchs Leben geht, kann dazulernen. Für uns jedenfalls waren Suzanne Leducs Worte ein Anreiz mehr, Ihnen mit diesem Trainingsbuch Wege aus der „Small TalkWüste” zu eröffnen.
Die Verkürzung der Wartezeit, auf die Frau Müller und Herr Taub an der Bushaltestelle verzichten, ist nur einer der vielen positiven Effekte, die eine kleine Plauderei hätte. Sammeln Sie in der folgenden Übung Ideen, welche weiteren Vorteile sich durch einen kurzen Small Talk ergeben können.
(Vorschläge im Lösungsteil, Kapitel 10.1).
„Wir haben den ganzen Abend (nur) Small Talk gemacht.” Einen Satz wie diesen haben Sie sicher schon öfter gehört, und Sie haben ihn bestimmt auch selbst schon einmal geäußert. Wenn Sie jetzt denken: „Es hängt eben davon ab, welche Einstellung oder Erwartung man hat”, treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Es ist sogar ganz entscheidend, welche Bedeutung Sie dem Small Talk beimessen und was Sie persönlich von einem Zusammentreffen mit fremden Menschen erwarten. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie diese Situation im Einzelnen aussieht. Entscheidend ist allein Ihre Haltung.[11]
Die beiden amerikanischen Psychologinnen Sandstrom und Dunn wollten es genau wissen, was sie schon länger vermuteten: Menschen wollen in ihrem Privatleben zwar auch sachliche Vorgänge absolvieren, sie wollen jedoch vor allem Begegnungen. Also ersannen sie folgende Versuchsanordnung: In einer Fußgängerzone baten sie 60 Personen, sich nebenan einen Kaffee zu kaufen. Die eine Hälfte wurde gebeten, möglichst zeiteffizient vorzugehen. Also mit dem vorbereiteten Geld nach Empfang des Produkts rasch zu bezahlen, ohne sich bei der Verkäuferin mit Floskeln oder anderem Gesprächsbeiwerk aufzuhalten. Die andere Gruppe bekam als Vorgabe, neben dem eigentlichen Kaffeekauf mit der Verkäuferin Blickkontakt aufzunehmen, zu lächeln und ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Hinterher fragten die Psychologinnen nach dem Befinden. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war signifikant: Die zweite Gruppe, die den Kaffeekauf nicht nur als nackten Austausch von Geld gegen Ware abspulten, sondern als menschliche Begegnung zelebrierten, zeigte hinterher eine deutlich zufriedenere Befindlichkeit. „Unser Alltag ist voller Möglichkeiten, um sich auf diese Weise kleine Glücksmomente zu verschaffen”, resümierten die beiden Psychologinnen.[12]
Wenn Sie ein Typ sind, der
eine optimistische Grundhaltung hat,
offen für neue Situationen ist und
gerne auf Menschen zugeht,
werden Sie Small Talk vermutlich als etwas Positives betrachten. Menschen, die hingegen eine negative Grundhaltung haben oder Selbstzweifel hegen, tun sich mit dem Small Talk etwas schwerer, wie die folgende Begebenheit zeigt.
Hubert und Amelie aus München sind bei ihrem Freund Karl in Berlin zu Besuch. Am zweiten Abend will Karl die beiden auf eine Party bei einer Werbeagentur mitnehmen. Amelie findet die Idee toll, Hubert nicht. Er kennt niemanden außer Karl und Amelie. Er fürchtet eine Gesellschaft, in der er den ganzen Abend nur oberflächlichen Small Talk zu hören bekommt. Aber auf höfliche, aufgeblasene Konversation, in der jeder toller erscheinen will, als er ist, hat er keine Lust. Er beschließt nicht mitzugehen und erklärt Amelie: „Worüber soll ich mich unterhalten? Soll ich etwa von meinem Normalo-Job, der mir momentan ohnehin keinen Spaß macht, erzählen? Unmöglich! Wen soll das interessieren?”
Wer so denkt, der irrt. Erstens: Ein Small Talk kann zwar, muss aber nicht oberflächlich verlaufen. Nettigkeiten auszutauschen und sich anschließend über interessante Dinge zu unterhalten schließen sich nicht aus. Hubert sollte keine intellektuellen Höhenflüge oder tiefschürfende Gespräche erwarten – muss aber umgekehrt auch nicht befürchten, selbst glänzen oder sich offenbaren zu müssen. Und wer sagt eigentlich, dass andere Huberts Job uninteressant finden?[13]
Auch die Befürchtung, dass Small Talk eine unehrliche Kommunikation begünstigt, ist zunächst einmal unberechtigt. Nur weil sich Menschen höflich miteinander unterhalten oder Freundlichkeiten austauschen, heißt das noch lange nicht, dass sie sich gegenseitig belügen würden. Dass jemand umgekehrt versuchen könnte, beim Small Talk gezielt andere zu manipulieren, ist natürlich nie ganz ausgeschlossen. Dies dürfte aber nicht ohne Weiteres gelingen, denn es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man im Small Talk eher unverbindlich bleibt und lediglich unverfängliche Themen anspricht. Sollte jemand Sie unangemessen beeinflussen wollen (womöglich um vorzugeben, er sei ein ganz besonders „toller Hecht”), werden Sie das recht schnell merken.
Die verbreiteten Bedenken hingegen, beim Small Talk niemanden so richtig kennen zu lernen, sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Small Talk betreiben Sie ja mit Menschen, die Sie nur wenig oder vielleicht gar nicht kennen. Daher werden Sie und Ihr Gegenüber auch kaum über Ihre moralischen Grundwerte, über tiefgreifende Probleme oder Themen sprechen, die Sie im Innersten bewegen. Werden Sie einander aber im kleinen Gespräch zunehmend sympathisch und entwickeln Sie das Gefühl ähnlicher Chemie, dann könnte sich der Small Talk ganz automatisch zu einem tieferen Gespräch entwickeln, bei dem Sie einander näherkommen.[14]
Beim Small Talk geht es weder um einen gezielten Informationsaustausch noch um eine tiefschürfende Frage oder Entscheidungsfindung – und schon gar nicht um einen Schlagabtausch für informelle Hierarchie- oder Machtpositionen. Sprachliche Äußerungen, mit denen Sie mehr oder weniger stark auf Ihr Gegenüber einwirken wollen, wie z. B. Anweisungen, Überzeugungsarbeit oder anderweitige Verpflichtungsversuche, gehören auch nicht zum Small Talk.
Es gibt außerdem keine sachliche Notwendigkeit für das Gespräch, keinen unmittelbaren äußeren Anlass, keine direkten Anknüpfungspunkte. Über was Sie im Einzelnen beim Small Talk reden, ist sogar weitgehend sekundär!
Aber worum geht es dann? Und das ist das beruhigend Einfache beim Small Talk: Es geht darum, mit anderen freundlich zu reden und über das Gespräch den Kontakt herzustellen – selbst, wenn wir zu der betreffenden Person eine gewisse Distanz empfinden. Im Small Talk können Sie sich „beschnuppern” und herausfinden, ob Sie Konkurrenten sind oder freundschaftlich miteinander umgehen können: Was verbindet Sie und Ihren Gesprächspartner? Worüber sind Sie sich einig? Bei diesem Vorgehen sind wir Menschen den Hunden und anderen Tieren gar nicht so unähnlich.
Die beste Grundeinstellung für den Small Talk: Sie und Ihr Gesprächspartner sind ein temporäres Miniteam, das etwas Gemeinsames schaffen will. Denn Übereinstimmung schafft Harmonie und Sympathie – wenn Sie das erreichen, steht der Vertiefung Ihres Kontakts nichts mehr im Weg.[15]
Im Jahr 1985 stellten die beiden Psychologen Deci und Ryan von der amerikanischen Universität Rochester ihre neue Selbstbestimmungstheorie vor, die auf der Motivationstheorie von Abraham Maslow aufbaut. Sie belegten ihre Aussagen durch empirische Befunde von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und postulierten drei Grundbedürfnisse des Menschen.
Das erste ist das Bedürfnis nach Autonomie („kann ich schon allein”, sagen wir stolz als Kind). Beim Erwachsenen zeigt sich das Autonomiebedürfnis vor allem im Streben nach Unabhängigkeit, das uns das Gefühl von Erwachsensein und gesundem Stolz vermittelt. Damit verwandt ist das Grundbedürfnis Kompetenz, das wir im Sport spielerisch trainieren, um es im realen Spiel des beruflichen Lebens zu beweisen. All das natürlich nicht alleine: Das dritte Bedürfnis wird „Soziale Eingebundenheit” genannt, also die Bedeutung, die andere für einen haben, vielmehr noch, welche Bedeutung man für die anderen hat. So mag man im Lauf des Lebens formal durch seine gesellschaftlichen Rollen festgelegt sein, informell aber will man stets bestätigt bekommen, dass man für die anderen in gewissen Weise wichtig ist. Dem einen mag dazu der Stammtisch reichen, andere brauchen den Sieg und den Beifall, einige Chefs und Staatslenker leben so ihren Narzissmus aus.
Diese drei Bedürfnisse – Autonomie, Kompetenz und Eingebundensein – lassen sich im Small Talk mühelos ausleben und erfüllen. Wer einen Small Talk beginnt, ergreift Initiative, kann seine sozialen Kompetenzen unter Beweis stellen und knüpft Kontakte.[16]
Small Talk ist ein Gespräch, das Ihre sozialen Kompetenzen fordert.
Mit diplomatischem Geschick,
einem Gespür für Menschen und Situationen,
und der Fähigkeit, sich zurückzunehmen und den anderen aufzuwerten,
und zwar mit Einfühlungsvermögen
und „liebevoller” Neugier
– damit werden Sie als Smalltalker weit kommen.
Small Talk hat viele positive Effekte. Mit seiner Hilfe können Sie:
ein Gespräch mit Fremden eröffnen („Kaltstart”),
in einen Kreis unbekannter Personen „eindringen” und an dem, was gerade vorgeht, teilhaben,
sich entspannen und ablenken,
andere und sich gut unterhalten,
andere für sich einnehmen und Imagearbeit betreiben,
in bestimmten (formellen) Situationen die Atmosphäre positiv beeinflussen,
in spannungsreichen Situationen für Entspannung sorgen,
Ihr Gesicht und/oder das des Gesprächspartners wahren (etwa bei Konflikten),
soziale und hierarchische Distanzen überbrücken,
networken.
Selbst beim Flirten – eine Variante von Small Talk pur – können viele noch dazulernen. Sogar in den USA zeigen Studien, dass bei beiden Geschlechtern nur ein geringer Prozentsatz spürt, wenn er angeflirtet wird. In Deutschland hat die Rockband Wir sind Helden in dem Song „Aurélle” diesen Missstand pointiert thematisiert, indem sie einer Französin erklärt, wie es hierzulande zugeht: Die Deutschen flirten sehr subtil, formulieren sie es charmant.[17]
Small Talk ist nie zweckfrei. Small Talk hilft Distanz zu anderen Menschen ab- und eine persönliche Beziehung aufzubauen – eine sehr wichtige Funktion, gerade da in unserer Gesellschaft soziale Schichten immer durchlässiger werden. Sie werden in Ihrem Leben immer wieder auf Menschen aus anderen Kreisen stoßen. Für das Zustandekommen eines Small Talks spielt es jedoch eine geringe Rolle, ob Sie mit dem obersten Chef der Firma oder dem Mann von der Müllabfuhr reden. Salopp formuliert: So wie die Häppchen am Buffet, so ist auch der Small Talk für alle da.
Selbstverständlich gilt es die vorhandenen Strukturen zu respektieren: Bestehende Abhängigkeits- oder hierarchische Verhältnisse sind im Small Talk zwar für den Moment ausgehebelt, jedoch nicht aufgehoben. Und außerdem werden Sie mit Ihrem Chef sicher anders smalltalken als mit dem Hausmeister.
Ein weiterer positiver Effekt des Small Talks: Weil er so unverfänglich ist, können Sie auch Kontakt zu Menschen unterhalten, mit denen Sie eigentlich nicht viel anfangen können oder zu denen Sie gar eine gestörte Beziehung haben. So lässt sich mit einem unverfänglichen Gespräch also „gute Miene zum bösen Spiel machen”.
Wenn Sie mit den Methoden von Herrn Huber aus dem Controlling so gar nicht einverstanden sind und es als höchst unangenehm empfinden, wie er Ihnen mit seinen Zahlenreihen täglich auf die Nerven geht, hindert Sie das noch lange nicht daran, mit ihm auf der Weihnachtsfeier des Betriebs ein paar nette Worte auszutauschen. Denn Sie wollen in so einer Situation weder sich noch anderen die gute Stimmung verderben.[18]
Small Talk ist nicht nur etwas für Ihr Privatleben. Small Talk fördert Ihre Karriere. Wann und warum ist es richtig klug, im Beruf die lockere Plauderei zu pflegen?
Small Talk ist unerlässlich bei Geschäftskontakten. Und zwar dann, wenn Sie noch nicht oder nicht mehr über das Geschäft reden wollen. Anlässe sind z. B. Geschäftsessen, der Besuch von (ausländischen) Geschäftspartnern, Verkaufsgespräche, Verhandlungen mit Lieferanten, Projektbesprechungen u. v. m.
Small Talk ist das „Warm-up vor dem Warm-up”, zum Beispiel in Seminaren, Workshops oder Projekten; im Small Talk lernen sich die Beteiligten völlig ungezwungen und vor allem ohne Lenkung durch Dritte kennen.
Small Talk lockert formelle, anstrengende Gesprächssituationen auf. Gerade wenn sehr viel auf dem Spiel steht, erleben die Teilnehmer eine kleine Plauderei als sehr entspannend und Vertrauen fördernd.
Nutzen Sie Pausen in Seminaren, Workshops, Arbeitsgruppen etc. zum Small Talk. Lassen Sie los – und gönnen Sie sich nach dem Konzentrationsmarathon eine kleine Ablenkung. Belästigen Sie die anderen Kollegen jedenfalls nicht mit fachlichen Fragen oder Vorträgen, dazu ist später in der Runde wieder Zeit. Wenn Sie sich bei der kurzen Kaffeepause noch den Kopf darüber zerbrechen, ob die Vorgaben für Projekt X nicht doch am Kundennutzen vorbeizielen, bringen Sie sich um die für Ihre Kreativität notwendige Denkpause.[19]
Bei der Personalauswahl wird Small Talk ganz bewusst als Gesprächseinstieg eingesetzt, um den Druck bei den Kandidaten abzubauen. Aber auch, um den Bewerber auf einer anderen Ebene kennen zu lernen, ist Small Talk nützlich.
Small Talk ist ein Signal der Aufmerksamkeit und Zuwendung und hilft so, den Kontakt zu Vorgesetzten, Kollegen oder Mitarbeitern aufrechtzuerhalten. Dies gilt insbesondere, wenn Konflikte oder Spannungen das Arbeitsklima stören. Dann signalisiert ein Small Talk: „Ich ignoriere dich nicht” oder: „Du gehörst weiter dazu”. Allerdings hebt Small Talk den Konflikt nicht auf – der muss auf andere Weise gelöst werden.
Herr Teufel hat sich Ärger mit seinem Abteilungsleiter, Herrn Engelhart, eingehandelt. Der ist unzufrieden mit seinem Ingenieur, weil im letzten Projekt die Entwicklungskosten explodiert sind und Teufel weder Rechenschaft darüber abgelegt noch Verbesserungsvorschläge für zukünftige Projekte unterbreitet hat. Engelhart stellte Teufel deswegen bereits bei Projektabschluss zur Rede, doch Teufel blieb bei seiner Blockadehaltung. Eine Woche später, bei einem kleinen Empfang zum Geburtstag der Chefsekretärin, unterhält sich Engelhart jedoch nett mit Teufel. Nun glaubt der Ingenieur, der Konflikt sei vergessen. Doch beim nächsten Mitarbeitergespräch kommt Engelhart wieder auf die Sache zu sprechen und hält auch mit seinem Ärger über Teufels Verhalten nicht zurück.[20]
In einer sehr interessanten Studie zur Personalauswahl analysierten US-Forscher die Auswirkung gelungenen Small Talks auf die Beurteilung des Bewerbungsgesprächs. Und tatsächlich konnten sie nach der Auswertung von 163 Vorstellungsgesprächen festmachen, dass Personaler den Bewerbern, die im vorausgegangenen Small Talk gut abgeschnitten hatten, für die gesamte Bewerbung bessere Noten gaben. (Swider Brian, Harris Brad, Barrick Murray: „Should You Chat Informally Before an Interview?” Harvard Business Review Sept.14, 2016)
Ben Waber, ein Bostoner Wissenschaftler, Autor („People Analytics), Unternehmer und Youtuber, wirbelt mit einer phantastischen Erfindung seit Jahren die Firmenkultur bedeutender Unternehmen durcheinander. Was ein klassischer Manager oder Controller nicht auf dem Schirm haben mag, das ist seine Domäne: die Macht des informellen Gesprächs. Waber sieht das informelle Gespräch im Unternehmensflur oder in der Teeküche nicht nur als sehr einflussreich an, sondern sogar als Erfolgsfaktor für das ganze Unternehmen. Mit dem von ihm erfundenen „Soziometer” zeichnet er Gespräche zwischen Mitarbeitern derart auf, dass der Gesprächsinhalt tabu bleibt. Dafür jedoch misst das Gerät Tonlage, Lautstärke, Dauer und Sprecherabstand etc. Die sowohl revolutionäre wie triviale Erkenntnis aus der Analyse tausender Gespräche ergab, dass die analoge Gesprächssituation von Angesicht zu Angesicht so viel Bedeutung besitzt, dass sie als Schlüsselfaktor des Unternehmenserfolgs bezeichnet werden kann. Ein Beispiel: Als Waber zur psychologischen Klärung auffällig vieler Burn-Out-Fälle in den Callcentern einer Bank beauftragt wurde, erbrachten seine Forschungen, dass die Bank mit einer neuen Pausenreglung jährlich 15 Millionen Dollar einsparen könnte.[21]
Wenn Sie heute smalltalken, können Sie morgen davon profitieren. Vorausgesetzt natürlich, dass Sie den Boden gut bereitet haben. In einer großen Studie fanden Psychologen in London (Steptoe et al. 2012) heraus, dass Small Talk die Gesundheit so stark positiv beeinflusst, dass smalltalkfähige Menschen nachweislich länger leben. Es ging vor allem neben dem Auflösen der Einsamkeit darum, dass derart kommunikationsfähige Personen dadurch nicht in eine desaströse soziale Isolation rutschen, die heute ja auch bei Demenz- und Alzheimer-Patienten als Begleiteffekt oder gar als ursächlich mitverantwortlicher Faktor gesehen wird. Forscher in Chicago haben diesen Zusammenhang wiederum empirisch bestätig (Wilson, R. et al. 2007).
Längerfristige Effekte des Small Talks sollten Sie vor allem beim Aufbau von Beziehungen und bei Ihrem Networking im Auge behalten:
Small Talk ist eine Chance, Geschäftskontakte zu knüpfen, Freundschaften zu schließen oder eine/n Partner/in kennen zu lernen.
Umgekehrt können Sie im Small Talk Ihre Fähigkeiten als Vermittler ausspielen (Sie bringen andere zusammen).[22]
Andere erinnern sich an Sie, wenn Sie im Small Talk entsprechende „Anker” setzen (siehe Kapitel 6.2 „Wie sich andere Ihren Namen merken”).
Sie schaffen es, in einem gesellschaftlichen Kreis aufgenommen zu werden.
Als gekonnter Smalltalker haben Sie es leicht, viele neue Menschen kennen zu lernen und ein umfassendes social networking zu betreiben. (Aufbau eines Netzwerks, eines Freundes- oder neuen Bekanntenkreises; hierzu mehr in Kapitel 8).
Im Small Talk können Sie Ihre sozialen Kompetenzen unter Beweis stellen, zum Beispiel indem Sie sich als einfühlsamer Zuhörer erweisen oder als jemand, der andere selbstverständlich an seinem Wissen teilhaben lässt.
Sie haben nun viele positive Effekte des Small Talks kennen gelernt. Überprüfen Sie Ihr Wissen, indem Sie einmal die folgende kleine Übung machen.
(Vorschläge im Lösungsteil, Kapitel 10.1.)
Small Talk betreiben Sie in der Regel nicht mit Menschen, die Ihnen persönlich sehr nahestehen. Oder würden Sie ein Gespräch mit Ihrem Partner als Small Talk bezeichnen? Das bezeichnen Fachleute dann auch als „Alltagsgespräch”. Das Besondere des Small Talks ist: Es herrscht eine gewisse Distanz zwischen den Sprechern, d. h. eine persönliche Beziehung besteht noch nicht oder nur oberflächlich.[23]
Sie machen Small Talk also vorwiegend mit Leuten,die Sie nicht kennen,die Sie kennen lernen möchten oder müssen,die Sie nur selten treffen,die Sie überwiegend im beruflichen Kontext treffen,die Sie zwar kennen, an deren näherer Bekanntschaft Ihnen aber nicht viel liegt.
Prinzipiell sollten Sie bereit sein, mit jedem, der Ihnen begegnet, ein kurzes Gespräch zu führen. Zumindest einmal. Danach wissen Sie, ob es sich lohnt, das Gespräch erneut zu suchen, oder ob Sie es besser meiden.
Potenzielle Small Talk-Kandidaten sind die Ihnen unbekannten Gäste auf einer Party oder einem anderen Event; alle Ihnen eher unbekannten Mitarbeiter des Unternehmens, in dem Sie arbeiten, sowie dessen Führungskräfte, Kunden und Dienstleister; Ihr Sitznachbar in der Oper, im Konzert, im Theater; der Postbote, Ihre Putzfrau, der Lottoladenbesitzer und seine Frau von nebenan sowie andere Verkäufer/innen, Fahrgäste in der U-Bahn, Mitreisende im Zug, Urlaubsbekanntschaften, entfernte Verwandte, Vereinskollegen, Bekannte und Freunde von Freunden usw.
Zwei empirisch forschende Psychologen in Chicago Juliana Schroeder und Nicholas Epley ersannen folgenden Versuchsaufbau: Sie teilten 118 Bahnpendler in drei Gruppen ein. Die eine Gruppe sollte gezielt mit einem Fremden ins Gespräch kommen, die zweite Gruppe bewusst während der Fahrt mit niemandem reden. Die dritte Gruppe bekam keine Vorgabe. Das anschließende Fragebogenergebnis erbrachte, dass die erste Gruppe die meisten Angaben in die Richtung machten, dass ihre gute Laune gestiegen war und sie die Fahrt als produktiv erlebt hatten. Einige berichteten sogar von regelrechten Glückserlebnissen durch das Gespräch mit einem Fremden in der Bahn, was bei den anderen beiden Gruppen überhaupt nicht genannt wurde (Epley und Schroeder 2014).[24]
Es gibt Situationen, in denen Sie einem Small Talk nicht ausweichen können. Dazu zählen bestimmte geschäftliche Anlässe wie das bereits genannte Geschäftsessen, aber auch Zusammentreffen mit Dienstleistern bzw. Auftraggebern, darüber hinaus Verkaufsgespräche, Bewerbungsgespräche, Assessment Center, Seminare, Betriebsfeiern, Einladungen etc.
Es gibt aber Situationen, in denen Sie sich vor einem Small Talk durchaus „drücken” können: Auf einer Party mit hundert Leuten dürfte es kaum jemandem auffallen, wenn Sie sich ausschließlich dem Buffet widmen, in der CD-Sammlung des Gastgebers stöbern oder nur mit Ihrem Partner oder mit Ihrer besten Freundin sprechen.
Weichen Sie dem Small Talk bei offiziellen Veranstaltungen oder Einladungen nicht aus. Nehmen Sie sich vor, mindestens einen unbekannten Menschen anzusprechen und mit ihm einige Worte auszutauschen. Sie müssen mit niemandem länger reden, der Ihnen nicht sympathisch ist.
Manchmal ist es geradezu unmöglich, einem Small Talk auszuweichen. Dies gilt:je kleiner der Kreis der anwesenden Personen ist,je weniger sich die Anwesenden untereinander kennen,je kleiner der Raum ist, der ihnen zur Verfügung steht,je länger das Zusammentreffen andauert.[25]
Ganz eindeutig haben die Raumgröße und die Dauer eines Zusammentreffens entscheidenden Einfluss darauf, ob ein Gespräch zustande kommt oder nicht. Offensichtlich empfinden wir ein längeres Schweigen dann als belastend, wenn die Diskrepanz zwischen empfundener Distanz (man ist sich fremd) und räumlicher Nähe (zu wenig Abstand zum anderen) unverhältnismäßig groß wird. (Lesen Sie dazu mehr im Kapitel 8.2. „Wie Sie den richtigen Abstand zum Gesprächspartner finden”.)
Sie fahren mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung, den Sie kaum kennen, im Aufzug. Der Zeitraum des Zusammenseins ist relativ kurz. Platz haben Sie beide wenig, da der Aufzug eng ist. In so einer Situation drängt sich der Blickkontakt geradezu auf. Stattdessen starren jedoch viele Leute auf ihre Schuhe oder die Knöpfe am Schalter. Wenn das Schweigen über einen längeren Zeitraum anhält, steigt der Druck es zu brechen, zumindest subjektiv.
Das Schweigen empfinden wir in einer Aufzugssituation als belastend. Wir können den anderen aufgrund der Enge nicht ignorieren, tun es aber. Wir verhalten uns unnatürlich und empfinden eine gewisse Anspannung. Ein Lächeln würde die Situation sofort entspannen. Lächeln wir den anderen an – und er reagiert nicht abweisend – merken wir, dass sich die Spannung auflöst. Das Lächeln ließe sich z. B. so deuten: „Hallo, ich bin hier, ich nehme dich wahr, ich will dir nicht zu nahetreten, auch wenn es eng ist, denn ich bin dir freundlich gesonnen.” Mit einem Small Talk wird die Situation noch lockerer. Unter Umständen genügen schon ein paar Worte über das Wetter, um die Spannung abzubauen.[26]
Sehen wir uns nun aber einmal an, was passiert, wenn sich noch mehr Leute im Aufzug befinden, der Kreis der Beteiligten also größer wird.
Sie fahren Aufzug mit einer Person, die Sie nur flüchtig kennen. Sie schweigen. Nach zwei Stockwerken steigen drei Leute zu, die sich offensichtlich näher kennen. Sie müssen jetzt schon etwas zusammenrücken – eine Situation, die Sie nicht besonders lieben. Doch da beginnt einer das Gespräch:
„Brrh, man merkt, dass es Herbst wird.”
„Allerdings. Bist du mit dem Fahrrad da?”
„Ja, klar.”
„Und du, Hans?”
„Ich bin mit dem Auto unterwegs. Heute ist bei mir noch Einkaufstag.”
„Ach, ja, Donnerstag! Wie sieht es eigentlich aus mit Badminton nächste Woche, habt ihr Lust?”
Was ist passiert? Je weniger Personen sich im Aufzug befinden, umso größer ist die Verantwortung des Einzelnen, für die Auflösung der Spannung zu sorgen. Zu zweit stellt sich nämlich die Frage: Wer macht den Anfang, du oder ich? Bei fünf Leuten wird dieser Druck auf mehrere Schultern verteilt. Sie als Einzelner sind (vermeintlich) nicht mehr so stark verpflichtet, die Situation angenehmer zu gestalten. Und so empfindet es vielleicht auch Ihr Kollege. Kommen wir noch einmal auf unser Beispiel zurück: Als die Zugestiegenen ein Gespräch beginnen, entspannt sich die Situation sofort.[27]
Aber verlassen Sie sich nicht auf die anderen! Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass zuhören genügt, weil andere schon für die Unterhaltung sorgen werden.
Wenn Sie große Schwierigkeiten haben, in einen Gesprächskreis mit Small Talk einzusteigen, dürfen Sie natürlich erst einmal nur zuhören – das ist ohnehin notwendig, um herauszufinden, um was es gerade geht. Irgendwann kommt aber Zeitpunkt, an dem Sie etwas sagen sollten. Warten Sie nicht zu lange damit! Erfahrungsgemäß werden die Hemmungen nämlich größer, je länger Sie schweigen.
Ganz anders würde es wiederum aussehen, wenn Sie im Aufzug Folgendes erleben:
Frau Schneider fährt mit Herrn Wagner, einem Kollegen aus der technischen Abteilung, den sie persönlich nicht näher kennt, in den sechsten Stock. Die beiden schweigen sich an. Plötzlich bleibt der Aufzug stecken. Nach einer kurzen Schrecksekunde entfährt es Frau Schneider: „Oh, verflixt. Jetzt hängen wir fest.”
Herr Wagner: „Ausgerechnet, ich habe gleich ein Meeting. Aber hier gibt's doch sicher einen Hilfeknopf oder so was.”
Frau Schneider: „Ja, hier: ‚Alarm’. Was steht denn auf dem Schild?”
Beide lesen das Schild.
Herr Wagner: „Aha. Dann drück ich jetzt mal.”
Es meldet sich die Stimme des Hausmeisters. Er verspricht, die beiden in fünf Minuten herauszuholen.[28]
Frau Schneider: „Na, Gott sei Dank. Das ist mir ja noch nie passiert – wie im Film. Kennen Sie den berühmten Film noir…”
Herr Wagner lächelt: „… ,Fahrstuhl zum Schafott’, ja klar. Mit der Musik von Miles Davis. Die Platte ist toll. Ein Meilenstein des Jazz, kann man sagen.”
Frau Schneider: „Sind Sie Jazzfan?”
Und auf einmal sind die beiden mitten in einem angeregten Gespräch. Nachdem sie vom Hausmeister befreit wurden, verabreden sie sich zu einem Mittagessen. Frau Schneider denkt sich: „Na, am Anfang schien er so schweigsam und unzugänglich; fast ein Glück, dass der Aufzug stecken blieb!”
So einfach kann es gehen! Frau Schneider und Herr Wagner hatten von dem Moment an, als der Lift stecken blieb, ein gemeinsames Ziel: herauszukommen aus ihrem Gefängnis. Das Eis war in dem Moment gebrochen, als eine Problemlösung erforderlich wurde. (In solchen Krisensituationen lernen Sie übrigens den Charakter der anderen Beteiligten recht schnell kennen.) Damit beginnt auch die gemeinsame Geschichte der beiden. Wenn es auch noch so kurz und unbedeutend ist, das Erlebnis im Aufzug wird sie in Zukunft verbinden.
Fazit: Sie können Small Talk nicht nach bestimmten Regeln praktizieren. Ob der Small Talks gelingt, hängt von den Rahmenbedingungen ab:von dem guten Willen aller Beteiligten (Kontakt- und Gesprächsbereitschaft),von ihrer Aufmerksamkeit;vom Grad der Übereinstimmung bzw. Harmonie;von den Umständen und wie sie sich entwickeln.
Vielleicht haben Sie im ersten Fall (lastendes Schweigen im Aufzug) einfach kein Signal des anderen wahrgenommen, das Sie ermutigt hätte, den ersten Schritt zu tun und ein paar Worte zu sprechen. Oder selbst keines ausgesendet. Vielleicht hat Ihr Gegenüber Sie kurz angelächelt, als Sie eingestiegen sind, Sie aber haben an ihm vorbeigeblickt, ihn nicht wahrgenommen. Und dann hat er es aufgegeben. Es kann aber auch sein, dass Ihr Mitfahrer nicht in Redelaune war. Mag sein, dass er selbst das Schweigen nicht so belastend empfunden hat wie Sie oder dass er mit seinen Gedanken woanders war.[29]
Im letzten Beispiel hingegen hat sich alles einfach von selbst ergeben: Die Beteiligten hatten auf einmal einen zwingenden Grund, in Kontakt zu treten. Und haben selbst die beste Möglichkeit gewählt: die Zeit zu einem gegenseitig bereichernden Gespräch genutzt.
Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit und des guten Willens, mit einem Small Talk für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Versuchen Sie es: Denn Small Talk macht das Leben leichter.
Schon der griechische Philosoph stellte vor allem Fragen. Und das stets vor dem Hintergrund: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das ist ja schon einmal Orientierung, die uns vor dem unrealistischen Anspruch, perfekt zu sein und alles wissen zu müssen, erlöst. Nehmen wir nur die simple Tatsache, dass Sie in diesem Augenblick, während Sie diese Zeilen lesen, nicht wissen können, was morgen sein wird. Wir sind also trotz eigener Erfahrungen – dem besten Coach, den es gibt – darauf angewiesen, zu jeder Zeit, wo ungewisse Zukunft zur Gegenwart wird, zu improvisieren um angemessen zu reagieren, zu agieren, zu gestalten etc.[30]
Sie befinden sich auf einer Vernissage. Da verkündet der Galerist, dass alle ins Atelier des Künstlers eingeladen sind. Zwar stehen diverse Autos zur Verfügung, doch für eine Frau und Sie selbst ist kein Platz mehr. Bis Sie abgeholt werden, befinden Sie sich mit der Frau alleine in den fremden Galerieräumen. Die ursprüngliche These (a), eine übliche Vernissage-Situation, mutiert plötzlich und unerwartet zu einer Herausforderung für Sie. Diese Antithese (b) kann darin bestehen, dass Sie jetzt angesprochen werden und irgendwie angemessen reagieren müssen
