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Gabriele Middelmanns künstlerisches Augenmerk liegt auf der Oberfläche, ist aber keineswegs "oberflächlich", denn ihr Tenor ist: "Man muss sich mit Oberflächen befassen, um in die Tiefe zu gehen." Die expressive, informelle Acrylmalerei der Künstlerin lebt von dem Reiz der verwitterten Oberflächen, wie sie durch mannigfache Schichtungen und Überlagerungen des Materials entstehen. Ihre Schichtenmalerei setzt sich aus den verschiedensten Materialien zusammen, angefangen bei Spachtelmassen über Acrylfarben und Pigmente bis ihn zu gerosteten Eisenteilen, Holz, Lehm und Papierfragmenten. Aufgrund der verschiedenen Darstellungsebenen gelingt es der Künstlerin, eine dreidimensionale Räumlichkeit auf die Leinwand zu bannen. Gabriele Middelmann gibt dabei Aufschluss über die hierfür notwendigen Techniken und gewährt Einblicke in ihre Ideen- und Motivfindung, die sich an der Natur selbst und ihren amorphen Strukturen orientiert.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Die Kunst-Akademie
Acrylmalerei
Oberfläche · Raum · Tiefe
Die Kunst-Akademie
Gabriele Middelmann
Oberfläche · Raum · Tiefe
Gabriele Middelmann, 1961 in Velbert geboren, nach dem Abitur Aufnahme an die Kunsthochschule Wuppertal. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Haimhausen bei Dachau, ist Mitglied der Künstlervereinigung Dachau und Mitbegründerin der open art Haimhausen. Gabriele Middelmann arbeitet als Dozentin an verschiedenen Kunstakademien. Sie hat regelmäßig Einzel- sowie Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Belgien, der Schweiz, Italien und USA. Sie ist 1.Preisträgerin des 9. internationalen Syrin Kunstpreises 2010.
Ich beschäftige mich mit der Oberfläche, damit ich in die Tiefe gehen kann.
Autorin: Gabriele Middelmann
Fotos der Werke: Frank Schuppelius; Porträtfoto Seite 4: Claude Langlois
S. 14/15, S. 29 rechts, S. 71, S. 73, S. 84/85, S. 86/87, mit freundlicher Genehmigung von PGM Art World
S. 6/7 unten, © koco, Photocase; S. 10/11 unten, © UlrikeA, Photocase; S. 22, © Svenja Kristina, Photocase;
S. 23, © moviestar, Photocase; S. 22/23 unten, © suze, Photocase; S. 30/31 unten © morningside, Photocase;
S. 34/35 unten, © judigrafie, Photocase
S. 20, S. 24, S. 30 beide, Uwe Sedlmaier; alle weiteren Gabriele Middelmann
Layout und Litho: Achim Ferger
Druck und Verarbeitung: Himmer AG, Augsburg
ISBN 978-3-86230-233-8
eISBN 978-3-95440-091-1
© 2017 Christophorus Verlag GmbH & Co. KG, Freiburg
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Vorwort
Oberfläche · Raum · Tiefe
Gabriele Middelmann – PrologVon Dr. Bärbel Schäfer
Ein kurzer Rückblick
Am Anfang war das Experiment
Das Atelier, ein Ort der Stille
Die Malgründe
Das Material
Das besondere Material – Lehm
Die Leinwand
Das Arbeiten in Zyklen
Der Trick mit dem Ausschnitt
Schichtungen – eine Anlehnung an die Natur
Der Malprozess
Die Funktion und Bedeutung der Emotionalität
Gesetzmäßigkeiten der Natur auf Bilder übertragen
Das malerische Kind in Dir entdecken
Künstlerisches Werk
Nachwort
Literarischer Anhang und Danksagung
Johann Wolfgang v. Goethe ( 1749 – 1832)
Ohne Oberflächen gäbe es keine Räume und keine Tiefen. Das eine bedingt das andere. Betrachtet man Oberflächen als einen lebendigen Organismus, offenbart sich das Wesentliche und es eröffnen sich dreidimensionale Bewegungsräume, in denen man sich visuell bewegen kann.
Malerische Geologie, wie der Panzer eines Reptils, die Schrunden eines morschen Baumes, die Sommersprossen auf der Haut, oder die Schuppen eines Fisches, begleitet uns unser ganzes Leben. Und wir finden sie überall wieder:
an uns selbst und an den Tieren, mit Fell, Haut, Haaren, Nägeln an den Wänden und Böden, mit Putz, Tapeten, Anstrichen in der Natur mit Rinden, Steinen, Wolken, Schnee, Wasser, Erde.
Wo Oberflächen sind, existieren auch Formen und Farben. Man muss sie nur entdecken!
Als Künstler sehe ich mich alsdurchlässiges Medium, der lediglich ausführende
künstlerische Arm des Ursprünglichen.
Oberfläche · Raum · TiefeVon Dr. Bärbel Schäfer
Gabriele Middelmanns Kunst ist voll dichter Atmosphäre. Ihre Bilder sind architektonisch gebaute Bewegungsräume, die den Landschaftsbegriff erweitern. Mit Farb- und Materialsubstanzen aufgeladen stellen sie die Frage nach dem, was sich hinter dem Sichtbaren verbirgt und forschen nach dem existenziellen Gehalt der Dinge.
„Oberfläche und Tiefe“ ist das übergeordnete Thema, mit dem sich die in Haimhausen bei Dachau lebende Künstlerin seit Jahren intensiv beschäftigt.
Gabriele Middelmanns Kunst basiert auf den Errungenschaften der informellen Malerei, wie sie beispielsweise von Hans Hartung, Wolfgang Schulze oder Antoni Tàpies vertreten wurde. Sie empfindet Farbe und Material als malerische Ursubstanzen, doch sieht sie nicht die spontane Improvisation und den gestischen Malakt als ihre Aufgabe. Ihre Botschaft ist das Mitteilen geistiger Inhalte durch die intensive Beschäftigung mit existenziellen Fragen, Naturgesetzen und Veränderlichkeiten. Trotz aller malerischen Freiheit strebt sie nach Formerhalt. Ihre Bilder wachsen langsam, bis sie zur geschlossenen Komposition reifen. Dabei geht sie zunächst vom Äußeren aus, um zum Wesenskern vorzudringen. Ihr Auftrag lautet:
„Ich beschäftige mich mit der Oberfläche, damit ich in die Tiefe gehen kann.“
Gabriele Middelmanns abstrakter Malerei liegt die Natur als greifbarer Gegenstand zugrunde. Sie erwandert die Landschaft, erlebt und erfühlt sie in ihrer unmittelbaren Umgebung an der Amper in Haimhausen oder an anderen bereisten Orten. Sie beobachtet das Wasser mit seinen ständig wechselnden Bewegungen und Reflexionen, fotografiert Details von Steinen, Mauern und natürlichen Oberflächen, um anschließend mit Pinsel und Werkzeug deren Ursprung zu erkunden.
Auch ihr unmittelbares Umfeld dient der Malerin als Inspiration. Die rohen Wände und die Türen der historischen Schmiede, in der sich ihre Werkstatt befindet, der abgebröckelte Putz an einem alten Bauernhaus und Maschinenteile treiben sie an, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie arbeitet in Zyklen, die sich mit drei wesentlichen Bereichen beschäftigen: der schöpferischen Kraft der Natur, dem Verhältnis von Natur und Mensch und seiner Spiritualität und schließlich mit dem Verhältnis von Natur, Mensch und Technik.
Gabriele Middelmann wählt Materialien erdgeschichtlichen Ursprungs. Sie arbeitet mit Pigmenten, Rinde, Lehm, Sand und Steinmehl. Fundstücke wie rostige Eisenplatten, trockenes Geäst, Karton und Papier dienen ihr zur Bildfindung. So betreibt sie malerische Geologie.
Ihre Materialbilder baut sie wie eine Architektin aus vielen Schichten und Lasuren auf. Das Herausarbeiten der Formen in körperhafter Plastizität, das Verweilen bei den Farbflächen und die Verkettung von Farb- und Umrisslinien mit den haptisch erfahrbaren Naturmaterialien sind wesentliche Merkmale ihrer Kunst. Sie zeichnet, ritzt und kratzt auf und unter der Oberfläche, übermalt und schöpft erneut. Oft ist die dichte Bildhaut aufgesprungen und schrundig, legt den Blick durch Schichtungen hindurch in die Tiefe frei. Der Arbeitsprozess schließt die gewaltsame Zerstörung ein, damit etwas Neues entstehen kann.
Durch Überlappungen sowie Faltungen von Material und Farbe eröffnen sich dem Betrachter dreidimensionale Bildräume, die fast zwingend das große Format fordern. Die Malerin erforscht Gegensätze, sowohl inhaltlich als auch in Farbsetzung und Komposition: Dynamik und Ruhe, Helligkeit und Schatten, Lastendes und Schwebendes, Sprache und Schweigen, Nähe und Ferne.
Schwimmendes Treibholz auf türkisfarbenem Grund, dem Fluss, wird durch einen erdfarbenen Block zur Ruhe gezwungen. Ein breiter heller Keil unterbricht eine große gespannte Farbfläche