Coming Home to Blue River - Katharina Koch - E-Book
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Coming Home to Blue River E-Book

Katharina Koch

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Beschreibung

Schnee, Mapleccino und knisternde Gefühle

    Nach dem abrupten Ende einer Affäre zwingt ein Schneesturm Leanne zu einem spontanen Besuch in ihrer Heimatstadt Blue River. Dort trifft sie auf Seth, ihren besten Freund aus der Schulzeit. Während sie ihm mit der Familienpension hilft, entsteht zwischen den beiden eine unerwartete Anziehung. Doch Leanne wird von ihrer Vergangenheit und dem Verlust eingeholt, der sie geprägt hat. Als ihre tiefste Angst wahr zu werden droht, wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt und Leanne muss entscheiden, ob sie ihren Gefühlen nachgibt oder erneut vor ihnen flieht.

      Besuche das winterliche Kanada und decke Leannes gut gehüteten Geheimnisse aus der Vergangenheit auf.

        Es handelt sich um einen abgeschlossenen Einzelband. Um in den vollen Lesegenuss zu kommen, sollte die Reihenfolge eingehalten werden.

          Für alle Fans der Tropes Winterromance, Friends to Lovers Romance und Wholesome Romance.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Zwei Monate später
BIBLIOGRAFIE
DANKSAGUNG
ÜBER DIE AUTORIN

 

 

 

 

 

 

 

 

Coming Home to Blue River

 

 

 

von

 

Katharina Koch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2024 Katharina Koch – alle Rechte vorbehalten. Stillektorat und Korrektorat: Melissa Kamp Covergestaltung: Claudia Harnoss

 

Bildlizenzen: Creative fabrica

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlungen sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

Für Julia

 

Kapitel 1

Atemlos ließ Leanne sich auf ihre Betthälfte sinken und seufzte glückselig auf. Schon lange hatte sie sich nicht mehr so entspannt gefühlt. Die Wärme der Bettdecke umschloss sie und ließ ein Gefühl von Geborgenheit in ihr aufkeimen. Ihr ganzer Körper fühlte sich so geschmeidig an und ihr Herzschlag normalisierte sich langsam. Sie streckte ihre erhitzten Glieder und gähnte. Nach dem Langstreckenflug von Frankfurt nach Vancouver war sie erledigt und wollte nur noch schlafen.

Owen räusperte sich.

„Was ist?“, fragte sie, ohne die Augen zu öffnen.

„Du kannst hier heute nicht übernachten“, sagte er.

Ihre grüngrauen Augen weiteten sich vor Schreck und sie wandte sich ihm zu. „Was soll das heißen?“

Mit fahrigen Fingern zupfte sie die Bettdecke über ihre nackten Brüste. Sie setzte sich auf und wartete auf eine Erklärung, die jedoch ausblieb.

„Wieso denn das? Sonst schlafe ich doch auch immer bei dir.“

Wo lag nur das Problem, überlegte sie. Schon unzählige Nächte hatte sie in diesem Bett neben ihm verbracht. Hatte er sich etwa in sie verliebt? Eine Angst erfasste sie. Das durfte nicht passieren. Unter keinen Umständen.

Er antwortete nicht, sondern schaute starr zur Zimmerdecke.

„Du weißt genau, dass ich ein Layover habe. Wo soll ich denn jetzt noch hin?“ Sie drehte den Kopf zur Seite, um einen Blick auf den Wecker auf dem Nachtschrank zu werfen und tiefe Sorgenfalten überzogen ihre Stirn. „Es ist schon nach Mitternacht und du weißt, dass ich mir hier nie ein Hotelzimmer buchen lasse.“

„Haylee …“, doch weiter kam er nicht.

„Was ist mit ihr?“ Leanne sprang auf, riss die Decke mit sich und umwickelte ihren Körper.

Eine ungute Ahnung beschlich sie.

„Du weißt genau, was wir abgemacht haben.“ Sie starrte ihn an und ihre Blicke schienen ihn schier zu durchbohren.

Er wandte sich etwas. „… Wir haben etwas miteinander angefangen.“

„Und das sagst du mir erst, nachdem wir miteinander geschlafen haben?“ Sie presste die Decke fester an sich und schüttelte den Kopf. „Wie kannst du ihr das antun?“

„Aber für dich ändert sich doch gar nichts.“

„Nichts?“ Sie blies hörbar die Luft aus. „Du hast mich zu der anderen Frau gemacht, dem Seitensprung, der schmutzigen Affäre. Und dann bist du auch noch der Freund meiner besten Freundin!“ Sie ergriff das Kopfkissen und warf es in die Richtung seines Kopfes.

Er fing das Kissen noch in der Luft auf, bevor es sein Ziel erreichen konnte. „Nein.“

„Nein?“ Sie schnaubte. „Du weißt genau, dass ich mich nicht in Beziehungen dränge. Und dann auch noch ausgerechnet in die von meiner besten Freundin …!“ Wütend klaubte sie ihre Kleidung vom Boden auf.

„Hast du doch gar nicht.“

Kurz hielt sie inne und warf ihm einen Blick zu, der ihn wie vor Schmerz die Augen zusammenkneifen ließ.

„Es ist wirklich nicht so, wie du denkst.“ Er rieb sich die Stirn.

„Was denke ich denn?“ Sie schlüpfte ungelenk in ihren Slip, dabei verlor sie fast das Gleichgewicht und konnte sich im letzten Moment noch auf den Beinen halten.

„Warum machst du es dir mit der Decke denn selbst so schwer?“ Er schnalzte mit der Zunge. „Ich habe dich ohnehin gerade erst nackt gesehen.“ Langsam leckte er sich über die Lippen.

Hitze stieg ihr in die Wangen. „Ach, lass mich.“ Genervt blies sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und bückte sich nach ihrem BH, der halb unter dem Bett lag.

Wer war er, dass er ihr Vorschläge machte?

„Du hast mich betrogen.“

„Das zwischen uns ist doch schon vom ersten Tag an nichts Festes.“

„Du weißt genau, wie ich das meine.“ Sie schloss den BH und ließ die Decke ein Stück tiefer sinken, sodass ihr flacher Bauch zur Hälfte zu sehen war und die Decke sich um ihre kräftigen Hüften bauschte. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass es zu Ende ist, wenn einer sich verliebt.“

„Aber ich habe mich nicht in dich verliebt.“

Leanne schnappte nach Luft und kniff ihre Augen zu Schlitzen zusammen. War er so blöd oder tat er nur so?

„Das gilt auch für das Verlieben in andere Menschen. Fremdgehen ist scheiße.“ Sie schüttelte herablassend den Kopf. „Und du machst mich zu einem Teil davon. Das ist so …“, doch sie schnaubte nur.

„Komm schon. Dir hat es doch vorhin auch gefallen.“

„Das tut nichts zur Sache.“ Sie zog ihre Bluse über und ließ die Decke zu Boden fallen.

Owen lag nackt da und verschränkte die Arme unter seinem Kopf. „Wo ist das Problem? Ich bin noch genauso wie vorher. Derselbe Mann.“

Sie verdrehte ihre Augen. „Das glaubst du wirklich?“

In ihrem Inneren war eine Aufruhr, die kaum zu fassen war.

Wie ein rauschender Feuerballs schoss die Wut durch ihren Körper und sammelte sich als brennenden Klumpen in ihrem Bauch. Es brannte und schmerzte, doch sie wollte nicht sich nicht die Blöße geben und zeigen, wie es in ihr aussah. Auch wenn das zwischen ihnen ohne Verpflichtung war und jeder sein Leben lebte, war über die letzten Jahre eine gewisse Verbindlichkeit entstanden. Die Route Frankfurt – Vancouver flog sie mindestens einmal im Monat. Als Stewardess blieb Leanne Hall selten lange an einem Ort. Sie wollte die Welt sehen und ihr Job ermöglichte es ihr, genau das zu tun.

„Natürlich.“ Er setzte sich auf und rieb sich durch das Gesicht. Das Kratzen seines Bartes war deutlich zu hören. „Ich meine, was hast du erwartet?“

„Dass du verdammt nochmal etwas sagst, wenn du eine Freundin hast.“

Er strich sich über das Kinn.

Leanne wurde blass. „Vor allem Haylee … Weißt du eigentlich, was du mir hier antust?“

Er räusperte sich.

„Wie lang läuft das schon?“

Ihr Herz schlug bis zum Hals. Wie konnte ich das nicht bemerken, fragte sie sich selbst in Gedanken. Hatte Haylee den Namen ihres neuen Freundes tatsächlich nie in ihren Nachrichten und Telefonaten erwähnt? Sie wusste, dass Haylee jemanden an ihrer Seite hatte, aber keine einzige Sekunde hatte sie die Erzählungen ihrer Freundin mit ihrem gemeinsamen Kollegen aus dem Cockpit in Verbindung gebracht.

„Owen“, knurrte sie durch zusammengebissene Zähne. „Ich meine es ernst. Wie lange läuft das schon zwischen euch?“

Haylee war ihre Freundin und Kollegin. Sie kannten sich seit Jahren und hatten so einige Nachtschichten miteinander verbracht. Außerdem waren sie zusammen in Mexiko gewesen. Die beiden hatten einen sechs Tage langen Umlauf für einen gemeinsamen Urlaub genutzt. Es war der Wahnsinn gewesen und der Beginn einer langjährigen Freundschaft. Wie sollte sie ihr noch in die Augen schauen? Warum hatte Haylee nichts gesagt?

„Fast ein halbes Jahr.“

Ihr Mund klappte auf. Eisige Kälte ließ ihren Körper erzittern. Sie fuhr sich mit den Fingern über die Schläfen, die schmerzhaft zu pochen begann.

„Ein halbes Jahr und du sagst nichts? Du weißt genau, wie Haylee und ich zueinanderstehen. Ist das dein verdammter Ernst?“ Sie war so wütend, dass sie Mühe hatte, ihm keine schallende Backpfeife zu verpassen.

„Ich dachte, du wüsstest es bereits.“

Hielt er sie für verrückt?

Sie keuchte auf und schloss ihre Hose. „Du spinnst ja wohl. Ernsthaft. Du hast sie nicht mehr alle.“ Sie ergriff ihre Jacke und Handtasche. „Als hätte es dann auch nur eine einzige weitere gemeinsame Nacht gegeben. Glaubst du das allen Ernstes?“

„Sonst redet Haylee und du doch auch über alles.“

Sie wirbelte herum. „Ich habe seit Monaten, keinen Flug mehr mit ihr gehabt und das weißt du!“

Wie konnte er ihr das antun? Nicht nur, dass er sie betrogen hatte, sondern auch noch Haylee. Musste sie es ihr sagen oder würde er Manns genug sein, um es selbst zu tun?

Er strich sich durch das kurze Haar. „Ich weiß. Zuletzt ist sie viel mit mir geflogen.“ Er schmunzelte spitzbübisch.

„Owen, du bist so ein Klischee von einem Piloten. Wie konnte ich mich nur so in dir täuschen? Du wusstest von Haylee und meiner Freundschaft.“ Sie sah ihm tief in die karamellbraunen Augen, die sie früher immer mit Wärme erfüllt hatten, ihr in diesem Augenblick jedoch so fremd vorkamen.

Wer war dieser Typ eigentlich? Sie wollte nur noch weg von ihm. Ganz egal wohin, denn überall war es besser als in einem Raum mit diesem untreuen Schwein.

Sie rannte hinaus in den Flur, prallte gegen das kleine Sideboard neben der Zimmertür und rieb sich die Seite.

„Jetzt warte doch.“

„Worauf denn? Ich muss zusehen, dass ich ein Hotelzimmer bekomme.“

Plötzlich stand Owen hinter ihr und hielt sie an den Schultern zurück. „Du musst auch mich verstehen.“

„Verstehen? Was gibt es da zu verstehen? Du hast mich in die schlimmste Lage überhaupt gebracht. Haylee wird mir niemals verzeihen! Ist dir das klar?“

„Sie muss es doch gar nicht erfahren.“

„Owen …“ Sie seufzte schwer. „Du willst, dass ich sie belüge?“

„Wir haben die letzten Monate ständig gevögelt und es hat dich nicht gekümmert.“

„Kommt sie morgen früh?“ Sie suchte in seinen Augen nach einem Hauch von Reue, doch sie fand nichts dergleichen.

Es schien ihn völlig kaltzulassen. Wie konnte er nur so abgebrüht sein? Hatte er denn gar kein Gewissen? Sie blickte auf seinen nackten, schlaksigen Körper. Nicht mal die Decke hatte er sich genommen, um seine Scham zu bedecken. Ihm schien die Situation in keiner Weise unangenehm und jetzt wollte er ihr auch noch die Schuld in die Schuhe schieben.

„Ja.“

„Aha.“ Sie schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. „Du bist so ein Widerling. Ich wünschte, ich hätte dich nie kennengelernt!“ Mit diesen Worten ließ sie ihn stehen und rannte die Treppe hinunter ins Erdgeschoss.

Er folgte ihr. „Wirst du es ihr sagen?“

„Natürlich. Du bist ja anscheinend nicht in der Lage offen, ehrlich und treu zu sein.“

„Leanne!“

„Was denn? Ist doch wahr!“ Sie wirbelte auf dem Absatz herum. „Du bist ein verlogenes Arschloch! Jetzt lass mich einfach gehen.“

„Sag es ihr nicht. Bitte. Gib mir etwas Zeit. Ich regele das.“

„Regeln?“ Sie stieß die Luft zischend zwischen ihren Zähnen hervor. „Indem du dir irgendwelche Lügen ausdenkst, damit du fein dastehst?“

„Du bist genauso beteiligt!“

„Ach? Du willst ihr erzählen, dass ich an allem schuld bin?“

Sie bedachte ihn mit einem letzten Blick, betrachtete das Tattoo auf seinem Arm, dessen feine Linien sie schon so oft mit ihren Fingerspitzen nachgemalt hatte. Dann schaute sie wieder in sein Gesicht.

„Hast du denn überhaupt kein Gewissen?“

„Leanne. Weißt du eigentlich, wie oft du mit mir geschlafen hast, ohne zu fragen, ob ich vergeben bin?“

„Weil ich dachte, dass du es von dir aus sagen würdest! Dass du die Sache zwischen uns beenden würdest, wenn du eine feste Beziehung eingehst!“

War das sein verdammter Ernst?

„Du bist verdammt nochmal ein erwachsener Mann. Kommunikation heißt das Zauberwort“, sagte sie und presste ihren Fingernagel in seine nackte Brust.

„Du hast nicht gefragt.“

Ihre Nasenflügel weiteten sich und sie sog geräuschvoll die Luft ein. „Auf Nimmerwiedersehen.“ Mit diesen Worten griff sie nach ihrem Koffer, den sie beim Eintreffen in der Eile neben der Tür hatte stehen lassen. Sie stürmte, begleitet vom lauten Knall der Haustür, die hinter ihr ins Schloss fiel, in die eiskalte Dezembernacht hinaus.

Owen machte keine Anstalten ihr zu folgen. Zum Glück. Ihre arme Freundin. War alles verloren?

Kapitel 2

Ächzend ließ sich Leanne auf ihr großes Hotelbett sinken. Die Gedanken rasten in ihrem Kopf. Sie war hellwach und würde so niemals einschlafen. Wie sollte sie nur Haylee erklären, dass sie versehentlich monatelang mit Owen geschlafen hatte, ohne dabei wie der furchtbarste Mensch der Welt zu klingen? Sie war davon ausgegangen, dass Owen sie informieren würde, wenn sich etwas an seinem Beziehungsstatus ändern würde. Leanne fühlte sich so dumm und naiv, dass es geradezu wehtat.

Sie schrieb Haylee eine Nachricht, in der Hoffnung, dass Haylee merken würde, dass es wichtig war und sie ihr geplantes Treffen mit Owen aufschieben oder nach einer gemeinsamen Unterhaltung absagen würde. Je schneller sie das Geständnis hinter sich brachte, desto besser.

Obwohl sie ursprünglich einige Tage in Vancouver mit Owen hatte verbringen wollen, prüfte sie nun in der App, ob sie irgendwelche Schichten übernehmen konnte. Sie wollte nur noch weg von hier. Und dabei nach Möglichkeit so viel Entfernung zwischen Owen, Haylee und sich selbst bringen, wie sie nur konnte. Außer zwei Flügen von Kamloops nach Calgary und wieder zurück, gab es aktuell nichts, wo sie hätte einspringen können. Kurzstreckenflüge übernahm Leanne eigentlich nie, aber welche Wahl hatte sie schon, wenn sie schnellstmöglich verschwinden wollte?

 

Aufgewühlt saß sie in Haylees Lieblingscafé in der Abflughalle. Sie wusste, dass ihre Freundin nach der Schicht dort stets einen Kaffee kaufte. Sie würde ihr den Tag verderben. Das war ihr klar und doch musste sie es hinter sich bringen, bevor Owen ihr irgendeine Lügengeschichte auftischen konnte. Es gab einfach keinen Plan B.

Als sie Haylee in der Ferne sah, fing sie an, zu winken, doch ihre beste Freundin schaute nicht mal in ihre Richtung. Da bemerkte sie, dass Owen ebenfalls auf die Idee gekommen war, Haylee direkt am Flughafen abzufangen. Vielleicht hatten sie es auch schon vorher so geplant. Sie wusste es nicht, aber warum hatte sie dann nicht bei ihm schlafen dürfen? Es schien ihr eher eine spontane Aktion zu sein.

„Dieser Penner“, entfuhr es ihr zähneknirschend.

Leanne stand von dem Barhocker auf, ließ ihr Getränk zurück und lief mit entschlossenem Schritt auf das Pärchen zu, dass sich gerade liebevoll küsste.

„Hey Haylee“, sagte sie so fröhlich wie möglich, ohne Owen eines Blickes zu würdigen.

„Oh Leanne, was machst du denn hier?“

„Hallo“, knurrte Owen und warf ihr einen wütenden Blick zu.

„Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen. Ich dachte, ich überrasche dich und lade dich zu einem Kaffee ein.“ Sie deutete mit dem Daumen auf das Lieblingscafé hinter sich.

„Es tut mir leid.“ Haylee legte den Kopf schief. „Ich bin schon verabredet. Aber …“ Sie sah zu Owen und ihre Augen strahlten wie ein Leuchtturm in der Nacht. „Jetzt kann ich dir wenigstens endlich erzählen, weshalb wir uns in letzter Zeit so wenig gesehen haben.“ Sie lächelte noch breiter. „Das ist …“

„… Ihr fester Freund, Owen Chambers“, beendete Owen ihren Satz schnell und streckte ihr die Hand entgegen, wie es ein Fremder tun würde.

Leanne schnaubte. „Owen, du weißt schon, dass ich dich kenne?“

„Wir kennen uns?“, fragte er und spielte dabei die Rolle des Ahnungslosen so schlecht, dass sie nur die Augen verdrehen konnte.

„Ja“, antwortete Leanne trocken und wandte sich wieder Haylee zu. „Können wir mal kurz unter vier Augen sprechen?“

Owen ergriff Haylees Hand. „Wir müssen wirklich los. Ich habe dir doch versprochen, dass wir …“

Leanne unterbrach ihn unvermittelt. „Es dauert nur wenige Minuten.“

Haylee sah von einem zum anderen und schien sichtlich im Zwiespalt zu sein.

„Es ist wirklich dringend“, meinte Leanne mit Nachdruck.

Sie musste ihre beste Freundin warnen. Dafür gab es kein später. Vor allem, da Owen so tat, als würde er sie nicht kennen – und das, obwohl selbst Haylee klar sein musste, dass Owen für Leanne kein Fremder sein konnte. Immerhin arbeiteten sie alle bei der gleichen Fluggesellschaft.

„Schatz“, sagte Owen und blickte ihr tief in die Augen. Zärtlich streichelte er ihr eine blonde Haarsträhne hinter das Ohr. „Wir müssen wirklich los.“

„Leanne.“ Haylee wandte sich von ihrem Freund ab und sah mit einem entschuldigenden Blick zu der Brünetten. „Ich rufe dich später an, okay?“

„Später arbeite ich wieder. Bitte, es dauert nicht lange.“

„Du hast doch einen Layover“, sagte Haylee. „Oder kommst du nicht aus Frankfurt?“

„Doch, aber ich springe für die Route Kamlooops nach Calgary ein.“

„Als Deadhead?“

„Ja.“

„Aber du hasst es doch, vorher irgendwo als Passagier hinzufliegen, um Kurzstrecken zu übernehmen.“

„Ja. Es geht nicht anders. Wie jedes Jahr mache ich vor Weihnachten Überstunden, um zu den Festtagen freizuhaben.“ Leanne war genervt. Für ein Vieraugengespräch war angeblich keine Zeit, aber für diese sinnlose Unterhaltung schon? „Gut, dann sage ich es dir jetzt einfach direkt. Owen und ich haben seit vielen Jahren eine Affäre. Er hat mir nie erzählt, dass er mit dir Dates hat, geschweige denn, dass ihr ein Paar seid … bis gestern Abend. Es tut mir leid.“

Haylee starrte Leanne an und ihr Mund öffnete sich.

„Das stimmt doch gar nicht“, entgegnete Owen energisch. „Glaub ihr kein Wort! Ich habe sie noch nie zuvor gesehen.“

„Seitdem ich die Route Frankfurt - Vancouver fliege, schlafe ich mindestens einmal im Monat mit ihm.“

„Er ist also immer dein Schlafplatz hier in Vancouver gewesen?“

„Ja.“

Haylee trat reflexartig einen Schritt von Owen weg, der sofort nach ihrer Hand griff. „Das stimmt nicht. Ich habe nichts mit ihr.“

Blieb er wirklich bei dieser schlechten Lüge?

Leanne schnaubte. „Ich schwöre, hätte dieser Penner mir vorher gesagt, dass ihr datet, hätte ich ihn nicht mehr angefasst. Glaub‘ mir bitte. Du kennst mich doch.“

„Sie lügt und ist eifersüchtig auf dich. Sie will das zwischen uns kaputt machen. Siehst du das nicht, mein Schatz?“ Owen zog Haylee an der Hand näher zu sich und sah ihr tief in die Augen.

Leanne kam es fast hoch. Was für eine dumme Geschichte sollte das denn sein? Woher sollte ich von der Beziehung wissen, wenn nicht durch diese Affäre, fragte sie sich. Hörte er sich selbst nicht zu? Das ergab doch alles gar keinen Sinn.

„Ich … Ich …“ Haylee sah hilflos zu mir. „Ich brauche Abstand von euch beiden.“ Sie entzog sich Owen und trat erneut einen Schritt zurück.

„Es tut mir wirklich leid“, wiederholte Leanne. „Ich kann verstehen, wenn du sauer bist und Abstand brauchst, aber ich wollte dich nicht verletzen.“ Sie sah kurz zu Owen, der sie wütend anfunkelte und zeitgleich sichtlich verletzt wirkte.

Vielleicht begriff er endlich, dass er einen Fehler gemacht hatte. Dass er ihren Anstand und Sinn für Aufrichtigkeit hätte einkalkulieren müssen, wenn er mit Leanne Hall schlief. An diesem Punkt endete die Unkompliziertheit, die er so an ihr geschätzt hatte.

Haylee lief los, doch Leanne machte keine Anstalten ihr nachzulaufen. Sie wusste, dass ihre beste Freundin allein sein wollte, und das musste sie akzeptieren.

„Du blöde Kuh“, raunte Owen Leanne zu und folgte seiner Freundin auf dem Fuße.

Wieso war ich denn die blöde Kuh, wenn er es doch war, der hier ein falsches Spiel spielte, dachte Leanne.

 

Am Abend erreichte sie den Flughafen von Kamloops ein zweites Mal am heutigen Tag und sie erinnerte sich wieder, weshalb sie ungern die Kurzstrecken übernahm. Es war viel anstrengender mehrfach hintereinander ein und dieselbe Strecke zu fliegen, als eine Langstrecke über mehrere Stunden. Vor allem war das Wetter ungemütlich und hatte zu vielen Turbulenzen und aufgewühlten, ängstlichen Passagieren geführt, die sie hatte beruhigen müssen. Außerdem konnte sie heute Nacht nicht mehr nach Vancouver zurück, da die letzten Flüge aufgrund eines angekündigten Schneesturms gestrichen worden waren. Dazu waren alle Pensionen und Hotels ausgebucht, weil eine Vielzahl an Passagieren ebenfalls gestrandet waren.

Genervt stand sie am Schalter für Leihwagen an, während sie mit ihrem Vater Nachrichten austauschte. Er hatte vorgeschlagen, Leanne solle nach Blue River kommen. Das würde gegenüber der Fahrt nach Vancouver zumindest eine Stunde weniger Fahrzeit bedeuten. Wenn das Wetter wirklich so schlimm werden würde, wie vorhergesagt, konnte jeder Kilometer mehr auf einer vereisten und verschneiten Strecke eine Ewigkeit bedeuten.

Während der Fahrt in dem Honda CR-V hörte sie Radio und hoffte, dass es nicht so schlimm werden würde, ins heimische Kinderzimmer zurückzukehren. Sie war seit dem letzten Weihnachtsfest nicht mehr in Blue River gewesen. Mit Ausnahme der Weihnachtstage ließ sie sich nie in ihrer alten Heimat blicken. Dort war es stinklangweilig. Es gab weder trendige Cafés noch außergewöhnliche Orte, wie sie es von ihren vielen internationalen Flugzielen gewöhnt war. Nicht mal ein verdammtes Kino war in diesem Dorf zu finden. Dorf: Etwas anderes konnte man zu dieser Kleinstadt auch nicht sagen. Was sollte sie da halten? Nichts. Rein gar nichts.

Dennoch breitete sich ein schmerzhaftes Gefühl in ihrer Brust aus. Wer wusste schon, wie lang sie würde bleiben müssen, wenn der Schneesturm wirklich weiter anhielt? Es war nicht so, dass sie ihren Vater nicht liebte, aber der Tod ihrer Mutter würde ihr durch den Aufenthalt in dem Haus ihrer Kindheit unweigerlich wieder vor Augen geführt. Ihr Dad hatte das Haus bisher nicht verändert und nicht einmal die Bilder aus glücklicheren Tagen abgehängt. Somit würde es zu einem täglichen Spießrutenlauf werden. Leanne holte tief Luft. Es würde schon nicht so schlimm werden, versuchte sie sich einzureden. Immerhin war ihr Vater immer so lieb und bemüht, wenn sie zu Besuch war. Es würde guttun, ihn wiederzusehen, ohne den ganzen weihnachtlichen Stress. Vielleicht könnte sie ihn auch endlich überreden, die Bilder abzuhängen.

Es dämmerte bereits, als sie durch die verschneiten Straßen von Blue River fuhr. Alles fühlte sich so vertraut an. Die Wälder. Die Berge. Die Häuser. Ganz so, als wäre sie nur kurz weg gewesen und nicht fast ein ganzes Jahr. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und ihre Hände wurden feucht. Nur noch wenige Kilometer musste sie hinter sich bringen und sie wäre wieder zu Hause. Durfte sie es noch so nennen, wo sie doch eigentlich gar nicht mehr hier wohnte?

Sie kam am Cottage der Familie Clifton vorbei, die eine kleine Frühstückspension betrieb. Ob Seth hier noch immer lebte?

Nur einen Kilometer später fuhr sie vor die Garage und stellte das Auto ab. Erleichtert zog sie den Schlüssel aus dem Schloss. Geschafft. Fast sofort wurde die Haustür aufgerissen und ihr Vater lief freudig auf das Auto zu. Leanne lächelte bei seinem Anblick und schnallte sich los. Er war noch ganz der alte mit seinem lichten, grauen Haar und den zerschlissenen Schlappen, die er schon seit einer gefühlten Ewigkeit trug. Doch dann nahm sie eine Frau, die lediglich mit einem Morgenmantel bekleidet war, hinter ihm an der Haustür wahr.

Kapitel 3

Unbeholfen stieg Leanne aus dem SUV. Ihr Herz schlug von jetzt auf gleich so schnell, als wäre sie gerannt. Insgeheim hatte sie sich gewünscht, dass ihr Vater eine zweite große Liebe fand, doch diese so unerwartet präsentiert zu bekommen, haute sie um. Ganz und gar. Sie fasste sich an die Brust und presste die Lippen aufeinander. Zuerst musste sie ihre Gedanken ordnen, ehe sie auch nur ein Wort dazu sagen konnte.

Ihr Vater hatte das Auto umrundet und zog sie stürmisch in seine Arme. „Mein Sunshine“, sagte er und küsste sie auf die Stirn. „Das ist eine wunderschöne Überraschung.“

„Ich habe mich doch angekündigt.“ Schnell warf sie einen erneuten Blick auf die Frau, die ihre Arme eng vor der Brust verschränkt hatte und zu frieren schien.

„Dennoch ist es eine schöne Fügung. Ich freue mich so sehr.“ Ihr Vater drückte sie noch mal fest und schob sie dann von sich. „Du siehst gut aus.“

„Danke.“ Leanne räusperte sich und ihr Blick wanderte erneut zu der unbekannten Frau.

Ihr Vater folgte ihrem Blick. „Das ist Sierra.“

Wie der Tequila, schoss es Leanne durch den Kopf, als sie sich bereits von ihrem Vater zur Haustür mitziehen ließ.

„Ich brauche noch meinen Koffer“, entgegnete sie in dem Versuch, noch einen kurzen Moment für sich zu bekommen, ehe sie der Frau, die ihre Mutter ersetzen würde, die Hand würde schütteln müssen.

„Gleich“, sagte ihr Vater und wirkte so aufgeregt wie ein Kind am Weihnachtsmorgen.

Ein schwerer Stein lag in Leannes Magen. Warum hatte ihr Vater diese Frau bisher nicht erwähnt? War ihre Beziehung noch ganz neu? Dafür schien sie zu entspannt zu wirken, fast so, als ob sie hier schon eine Ewigkeit wohnen würde.

Was machte sich Leanne eigentlich vor? Sie telefonierte viel zu selten mit ihrem Vater und wenn, fragte er sie meistens aus und nicht umgekehrt. Er war mächtig stolz auf seine kleine Tochter, die die Welt eroberte. Seine Worte. Nicht ihre.

Schüchtern streckte Leanne ihre Hand aus, um ihrer Stiefmutter oder der neuen Lebensabschnittsgefährtin ihres Vaters, wie man heutzutage sagte, die Hand zu schütteln. „Leanne.“

Sierra war schlank und fast zehn Zentimeter kleiner als Leanne. Calvins neue Freundin hatte kaum Ähnlichkeit mit ihrer Mutter, von der Leanne ihre braunen langen Haare geerbt hatte.

„Schön dich kennenzulernen“, sagte Sierra und lächelte.

Leanne wusste noch nicht, ob sie das genauso empfand, denn sie fühlte sich überrumpelt und war von den Strapazen der Fahrt auf der Schnee- und Eisschicht erschöpft.

Aus Höflichkeit nickte Leanne und wandte sich an ihren Vater. „Sei mir nicht böse, aber ich würde gern meinen Koffer aus dem Auto holen und dann schnellstmöglich ins Bett. Die Straßen waren echt ein Graus.“

Er betrachtete sie mit einem durchdringenden Blick, doch Leanne gab sich alle Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Sie war noch nicht bereit, ein Urteil zu fällen. Dafür war die Situation zu neu und überfordernd. Sie hätte sich gewünscht, dass ihr Vater sie besser vorbereitet hätte. Dass er ihr vorhin am Telefon gesagt hätte, dass er nicht allein war. Dass er eine Freundin hatte, die er ihr gleich heute noch vorstellen würde.

Mit zittrigen Schritten - sie war sich nicht sicher, ob sie aus Kälte oder Überforderung zitterte – ging sie zurück zum Auto, öffnete den Kofferraum und hob ihren kleinen Koffer heraus.

„Mehr hast du nicht dabei?“, fragte ihr Vater und wirkte erstaunt.

„Nein. Ich komme direkt von der Arbeit.“ Sie deutete auf ihre Uniform, die sie auch noch trug. Nur ihre hohen Hacken hatte sie gegen ein bequemes Paar Sneakers getauscht, die sie immer im Handgepäck dabei hatte.

„Hast du denn wenigstens einen Wintermantel dabei?“

„Nein.“

Ihr Vater presste seine schmalen Lippen zu einer noch viel schmaleren Linie.

Sie schlitterte mit dem Koffer den Weg zur Haustür entlang.

„Na komm.“ Er schob sie regelrecht ins warme Haus. „Wir schauen mal, was wir morgen in deinem Kleiderschrank finden.“

Ohne weitere Worte verdrückte sie sich mit ihrem Koffer ins obere Stockwerk des Einfamilienhauses. Im Flur hingen noch immer die Fotos, die die verschiedenen Höhepunkten ihres Lebens zeigten. Einschulung, Schulabschluss, Schnappschüsse aus dem Urlaub und natürlich ihre Mutter. Kurz hielt sie inne und sah in das liebevolle Gesicht ihrer Mum, die sie für immer so sanft anlächeln würde. „Ich vermisse dich“, flüsterte sie und löste sich von dem Bild, um zu ihrer Zimmertür zu gehen.

Sie stieß sie auf und in ihrem Zimmer war alles so, wie sie es beim letzten Mal verlassen hatte. Die Wände waren noch immer mit den Postern von One Direction aus ihrer Schulzeit beklebt. Außerdem hing der Wimpel der Vancouver Canucks über ihrem Bett. Komisch, dass ihr Vater auch im Laufe dieses Jahres das Zimmer noch immer so belassen hatte, als würde seine Teenagertochter hier weiterhin wohnen, statt es in ein neutrales Gästezimmer zu verwandeln.

Sie zog ihre Bluse aus dem Bund ihres Minirocks und begann sie langsam aufzuknöpfen. Ihre Gedanken drehten sich und wurden durch die Stille im Zimmer noch befeuert. Es war einfach zu viel. Die Situation mit Haylee, die neue Partnerin an der Seite ihres Vaters und dieses abrupte Ende der Affäre mit Owen machten ihr doch ein wenig mehr zu schaffen, als sie zugeben mochte. Es war nicht so, dass sie traurig wegen Owen war. Die Enttäuschung, dass er so mit Haylee und auch mit ihr gespielt hatte, stach jedoch schmerzhaft. Vor allem, dass sie ihre Freundin so betrogen hatte, ohne selbst davon gewusst zu haben, stimmte sie traurig. Würde sie das jemals wiedergutmachen können?

Leanne prüfte ihr Smartphone in der Hoffnung, dass Haylee von sich hören lassen hatte, doch es hatte sich in den letzten Stunden niemand gemeldet.

Es klopfte an der Tür.

„Ja?“, fragte Leanne und zog die geöffnete Bluse nochmal etwas zusammen, um ihren BH zu verdecken.

Die Zimmertür öffnete sich und ihr Vater schaute um das Türblatt herum ins Zimmer. „Ich wollte nochmal kurz mit dir reden.“

„Geht das nicht morgen früh?“ Leanne legte den Kopf schief.

Sie war kein kleines Kind mehr und wollte einfach nur für sich sein.

„Du wirkst traurig.“

Tat sie das?

Sie setzte ein Lächeln auf. „Ich bin nur sehr müde. Gestern bin ich von Frankfurt nach Vancouver geflogen und heute dann die Kurzstrecken zwischen Kamloops und Calgary. Ich bin wirklich bloß müde und möchte gern ins Bett. Wir quatschen morgen, okay?“

„Klingt nach Jetlag. Du arbeitest viel zu viel.“

Sie zuckte trotzig mit den Schultern. Was wusste er schon?

Er stieß einen Seufzer aus. „Gut, dann lass uns morgen früh doch zu dritt frühstücken, damit du Sierra kennenlernst. Du wirst sehen, sie wird dir gefallen.“

„Bestimmt. Wenn du sie liebst, werde ich sie auch mögen.“ Ihre Kehle wurde trocken.

„Ich bin so froh, dass du hier bist.“

Sie wandte den Blick ab, drehte ihrem Vater den Rücken zu und zog den Reißverschluss an der Seite ihres Rocks auf.

„Ich lasse dich dann mal allein. Gute Nacht, Sunshine.“

„Gute Nacht, Dad.“ Sie blickte über ihre Schulter und sah, wie ihr Vater ihr einen Luftkuss zu pustete.

Das hatte er schon getan, als sie noch ein kleines Kind gewesen war, weil sein Bart sie damals beim Gute Nacht Kuss immer so gekratzt hatte.

---ENDE DER LESEPROBE---