Der Abenteuerspielplatz - Johann R. Krauss - E-Book

Der Abenteuerspielplatz E-Book

Johann R. Krauss

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Beschreibung

In städtischen Gebieten sind geeignete Plätze für Kinder rar, von den Höfen und Bürgersteigen der Städte sind Kinder schon lange verdrängt. Umso wichtiger ist es, Kindern und auch Jugendlichen angemessene Räume anzubieten. Der Abenteuerspielplatz stellt einen ursprünglichen elementaren Erfahrungsraum dar: mit Holz und anderen Materialien arbeiten, den Umgang mit Tieren erlernen, Erde mit den Händen und Werkzeugen bearbeiten, mit anderen Menschen Spaß haben, Projekte planen und Vorhaben aushandeln. Johann R. Krauss schöpft aus seiner jahrelangen Erfahrung auf dem Abenteuerspielplatz und hat in diesem Buch zentrale Fragen beantwortet, die sich Menschen bei der Planung eines Abenteuerspielplatzes unweigerlich stellen:Was müssen wir bei der Gründung eines Vereins beachten?Wie beziehen wir die Kinder und Jugendlichen ein?Welche Vorschriften müssen wir beachten?Wie erarbeiten wir ein Konzept, wie setzen wir es um?Die Beispiele geben einen Einblick, wie das Leben auf einem Abenteuerspielplatz gestaltet werden kann. Ein informatives Buch, das nicht nur 60 Jahre nach der Gründung des ersten "Bauspielplatzes" in Dänemark in die Tasche eines jeden Erlebnispädagogen gehört.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2021

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»Kinder sind Kinder« – Band 24

Johann Rudolf Krauss,geb. 1964 in Kronstadt / Rumänien.Dipl.–Sozialarbeiter und Dipl.-Pädagoge (EFH- und PH-Freiburg).Von 1991–1999 auf dem Abenteuerspielplatz in Freiburg-Weingarten tätig. Wegbereiter zweier Abenteuerspielplätze undGründer der „Horkheimer Spielkarre“. Fachautor, Geschichtenschreiber,Musiker und Komponist (des Kindermusicals: „DieGeschichte vom Schneiderlein im Mond“). Er ist als Sozialarbeiterin der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig.

Titelbild und Fotos im Innenteil: Johann R. Krauss, Heilbronn.Fotos auf den Seiten 45 und 60 von Olga Wiese.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Datensind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.

ISBN978-3-497-61484-4 (PDF E-Book)

ISBN 978-3-497-61489-9 (EPUB E-Book)

© 2003 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlichgeschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzendes Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung derErnst Reinhardt GmbH & Co KG, München, unzulässig undstrafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungenin andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für dieEinspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

Reihenkonzeption: Oliver Linke, Augsburg

Ernst Reinhardt Verlag, Postfach 38 02 80, D-80615 München

Net: www.reinhardt-verlag.de Mail: [email protected]

Inhalt

Vorwort

1 Spiel und Spieltheorien

Das Spiel der Tiere

Das Spiel des Menschen

Der Ernst im Spiel des Kindes

Spielen, bilden, lernen

Ausgewählte Spieltheorien

2 Der Abenteuerspielplatz/die Jugendfarm

Der städteplanerische Aspekt

Der pädagogische Aspekt

3 Einen Abenteuerspielplatzoder eine Jugendfarm gründen

Informationen sammeln und Verbündete suchen

Öffentlichkeitsarbeit

Die Kinder und Jugendlichen von Anfang an einbeziehen

Die Finanzierung sicherstellen

Gesetzliche Rahmenbedingungen umsetzen

Einen Trägerverein gründen

Den Platz in Besitz nehmen

Den Spielbetrieb eröffnen

4 Konzeption für einen Abenteuerspielplatz

Adresse des Spielplatzes und Anschrift des Trägers

Sozialdaten aus dem Stadtteil

Was ist ein Abenteuerspielplatz?

Räume auf dem Abenteuerspielplatz

Die Mitarbeiter auf dem Spielplatz

Pädagogische Ziele und Methoden

Elternarbeit

Zusammenarbeit mit Institutionen

Öffentlichkeitsarbeit

Öffnungszeiten des Abenteuerspielplatzes

5 Abenteuerspielplatzpädagogik

Erwartungen an den Abenteuerspielplatzpädagogen

Garanten für erfolgreiches pädagogisches Arbeiten

Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess

6 Ein Jahr auf dem Abenteuerspielplatz

Anhang

Konventionelle Spielplätze und Aktivspielplätze – ein Kostenvergleich

Sicherheits- und Hygienevorschriften

Eine Vereinssatzung als Beispiel

Adressen von Abenteuerspielplätzen und Jugendfarmen

Literatur

Vorwort

Neustadt – ein stattliches kleines Dorf in Siebenbürgen, am Ufer des Weidenbachs gelegen, in unmittelbarer Nachbarschaft des Zeidner Berges und des Königsteins. Traditionell und sehr ländlich lebten wir dort, zum größten Teil als Selbstversorger: Unser Garten lieferte uns Proviant für den Sommer, Herbst und Winter. Im Hof liefen Hühner umher, Tauben flogen um das Haus und im Stall züchteten wir Hasen und Schafe. Kurz vor Weihnachten wurden ein oder gar zwei Schweine geschlachtet.

Ja, und ich kann mich noch sehr gut an den Glaser erinnern, der von Haus zu Haus zog, um Fensterscheiben einzusetzen. Auch an die Zigeuner, die mit ihrem Pferdefuhrwerk vor unserem Haus kampierten und das Besteck frisch „versilberten“ und die Töpfe flickten. Vor allem für uns Kinder war Neustadt, wie fast alle Dörfer im Rumänien der 60er und 70er Jahre des 20.Jahrhunderts, das Paradies auf Erden: Nur die Hauptstraße war asphaltiert. Alle anderen Straßen waren kaum befahren. Wenn ein Ochsen- oder ein Pferdefuhrwerk langsam an uns vorbeifuhr, schwangen wir uns aufs Zotzelbrett oder ließen uns vom Kutscher ein Stück des Weges mitnehmen. Nachmittags spielten wir Fuß- und Tennisfußball auf der Straße oder Murmeln. Oder wir maßen unsere Kräfte und unseren Mut, indem wir mit unseren Fahrrädern über und durch die Straßengräben und durch die große Dorfpfütze rasten, dass das Wasser nur so spritze. Beliebt waren auch die Dreher, die wir mit dem Fahrrad auf der erdigen Straße machten und dabei mächtig viel Staub aufwirbelten. Unser Lieblingsspiel an Sommerabenden war Verstecken. Und wir spielten es besonders gern, weil in unserer wie auch in den anderen Straßen die Straßenlampen kaum gewartet wurden und somit selten leuchteten. Im Dunkeln konnten wir schlecht von dem Suchenden gefunden bzw. erkannt werden, denn wir verstecken uns in den Haustoren, lagen im Straßengraben oder krochen auf die Bäume. Gelegentlich wechselten wir auch die Hemden, so dass der Sucher regelmäßig das falsche Kind anschlug. Kurzum, die Straßen gehörten uns, den Kindern, und unserem Spiel. Aber nicht nur die Straßen: auch der Weidenbach. Dass die Leute ihren Müll in den Bach kippten und weiter flussabwärts die Teppiche fein säuberlich gewaschen wurden, war für uns Kinder nicht von Belang. Hinter schönen Steinen waren wir her, und auf aufgepumpten Autoreifen schifften wir flussabwärts. Gerne gingen wir aufs Gelände der landwirtschaftlichen Produktiongenossenschaft, um kurz einen Blick in die Kuhund Pferdeställe zu werfen und um in der riesengroßen Silogrube herumzutollen. Außerdem hatte jedes Kind eine Werkstatt zu Hause: Hier konnten wir beispielsweise mal schnell Schwerter und Messer aus Holz zimmern oder eine Steinschleuder basteln. Einige von uns Kindern hatten Haustiere, die wir eigenverantwortlich und mit sehr viel Liebe versorgten. – Im Alter von dreizehn Jahren siedelte ich in die Bundesrepublik Deutschland über.

Während meines Studiums in Freiburg im Breisgau habe ich einen Platz entdeckt, der mich sehr stark an meine wunderbare Kindheit erinnerte: Der Abenteuerspielplatz in Freiburg-Weingarten. Auch hier gab es einen Bach und eine Feuerstelle. Hier gab es auch Schafe, Ziegen, Hühner, Hasen und Pferde. Und – hier spielten die Kinder ähnlich wie ich in meiner Kindheit: Verstecken, Fußball, im und am Wasser. Wenn sie keine Lust mehr zu diesen Spielen verspürten, gingen sie in die Holzwerkstatt, um hier zu werkeln, zu zimmern oder zu tonen, oder brieten Kartoffeln am Lagerfeuer.

Allein die Tatsache, dass es in einer Großstadt einen Platz gibt, an dem die Kinder auch heutzutage derart elementare und lebensbereichernde Erfahrungen machen können, veranlasste mich, ein Praktikum auf dem Abenteuerspielplatz zu machen. Dabei blieb es jedoch nicht. Ich wurde Honorarmitarbeiter, leitete den Spielplatz kurzzeitig als stellvertretender Leiter und arbeitete schließlich von 1998–1999 als fest angestellter Mitarbeiter im Hüttenbereich.

Weil ich gleich zu Beginn meiner Tätigkeit vom Sinn dieser pädagogischen Arbeit überzeugt war, befasste ich mich 1992 im Rahmen meiner Diplomarbeit mit der sozialpädagogischen Vorarbeit zur Errichtung eines zweiten Abenteuerspielplatzes, der nur einen Kilometer entfernt in der Wohnsiedlung Weingarten-Ost entstehen sollte.

1997 entschloss ich mich nun auf eigene Faust und ohne einen Pfennig Geld in der Tasche, einen Abenteuerspielplatz ins Leben zu rufen. Von Fachkollegen als Idealist belächelt, gelang mir doch der große Wurf. Das Grünflächenamt der Stadt Heilbronn war von meinem Vorhaben überzeugt. Kurze Zeit später wurde der Abenteuerspielplatz „ASPIK“ in Heilbronn-Böckingen gegründet.

Auf dem Abenteuerspielplatz erlebt bereits das Kleinkind beispielhaft, dassund vor allem wiees die Welt um sich herum verändern kann. Und diese Erfahrung bereits in jungen Jahren machen zu können ist elementar und damit prägend.

Der Abenteuerspielplatz ist ein wunderbarer Lebensraum für Kinder und Jugendliche. Er ist ursprünglich. Er stillt in jedem Menschen – und ganz besonders bei Kindern und Jugendlichen – auf unbeschreiblich befriedigende Weise die elementare Sehnsucht nach Leben und echtem Erleben. Erde, Wasser, Feuer, Luft, Tiere, frohe, spielende Kinder, freundliche Menschen, das Spiel der Jahreszeiten: Das ist Leben, Erleben und Lernen pur.

Im August 1943 eröffnete der Pädagoge John Bertelsen in Emdrup Banke (Kopenhagen) den ersten Byggelepladsen (Bauspielplatz). Mit diesem Buch möchte ich mich nicht nur postum bei ihm, sondern bei allen Menschen bedanken, die mit Hilfe ihrer Abenteuerspielplatzpädagogik unzähligen Kindern Freude bereitet haben: Herzlichen Glückwunsch zum sechzigsten Geburtstag, Abenteuerspielplatz!

Mit diesem Buch möchte ich auch Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, Mut machen, einen Abenteuerspielplatz zu gründen, auch wenn Sie keinen Cent in der Tasche haben. Mit Mut – versuchen Sie’s! Es wird schon gehen! Viele, viele Kinder werden sich freuen!

Bei Berufsbezeichnungen habe ich die männliche Form benutzt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde darauf verzichtet, jeweils die weibliche Form hinzuzufügen. Selbstverständlich sind stets beide Geschlechter angesprochen, auch mit Personen-Begriffen wie Mitarbeiter, Besucher, Politiker, Bürger, Schüler o.Ä.

Die Begriffe Abenteuerspielplatz (ASP) und Jugendfarm (Jufa) werden sehr oft synonym gebraucht. Im vorliegenden Buch wird aus Gründen der Lesbarkeit der Begriff Abenteuerspielplatz bzw. die Abkürzung ASP stellvertretend für ASP und Jufa benutzt.

Die folgenden Menschen haben in ihrer je eigenen Weise mit dazu beigetragen, dass ich dieses Buch geschrieben habe. Ich bedanke mich:

– bei meiner Familie für ihre Geduld und ihr Verständnis.

– bei meiner Mutter und meiner Großmutter für die moralische Unterstützung.

– bei Herrn Prof. Dr. Norbert Huppertz, dass er mich zum Schreiben allgemein ermutigt hat.

– bei Herrn Fred Hauser, dem langjährigen Leiter des Abenteuerspielplatzes Freiburg-Weingarten, für seine vorbildliche pädagogische Arbeit, die mich stets beeindruckt hat.

– bei Herrn Gerd Schelle von „Abenteuerspielplätze Heilbronn e.V.“, dass er mit der Veröffentlichung der Vereinssatzung einverstanden war.

– bei Frau Christina Henning vom Ernst Reinhardt Verlag für die Betreuung des Buches.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Buch beitragen kann, Sie, liebe Leserin und lieber Leser, mit dem Geschehen auf Abenteuerspielplätzen und Jugendfarmen vertraut zu machen. Für Anregungen, Rückmeldungen und Erfahrungen, die Sie mit dem vorliegenden Buch bzw. auf Abenteuerspielplätzen und Jugendfarmen gemacht haben oder machen werden, bin ich Ihnen dankbar!

Heilbronn, Januar 2003 Johann R. Krauss

1Spiel und Spieltheorien

Das Spiel ist eine faszinierende Erscheinung. Für jeden Menschen ist „Spielen“ etwas Eigenes, Einzigartiges. Jeder Mensch spielt. Ob mit Gedanken, Gegenständen, Lebewesen oder gar mit seinem Leben. Der eine ist von Kindesbeinen an ein Spieler, der andere möchte dem Spiel lieber aus dem Wege gehen. So versteht und subsumiert jeder Mensch beispielsweise aufgrund seiner Erziehung, seiner Bildung, seiner Sozialisation, und damit aufgrund seiner selektiven Wahrnehmung, jeweils etwas anderes unter dem Begriff „Spiel“: Bläst der Wind durch das Laub eines Baumes, so nimmt der eine dieses Geschehen als eine ihm bekannte und deshalb nicht weiter bemerkenswerte Bewegung wahr. Ein anderer denkt dagegen an das „süße Säuseln des Windes“ im sich wiegenden Geäst. In seiner Vorstellung flattern die hellgrün glänzenden bis tiefgrün schimmernden Blätter – Schmetterlingen gleich – an den Ästen der Pappel umher.

Jede Theorie versucht, einen Teil der Realität verständlich zu machen. Was nun das Spiel betrifft, so beleuchtet jede Spieltheorie für sich nur einen Aspekt dessen, was unter dem großen Begriff „Spiel“ zu verstehen ist. Mit Hilfe dieser verschiedenen Blickrichtungen ist das Verhalten der Kinder auf Abenteuerspielplätzen und Jugendfarmen besser zu verstehen.

Auf diese Weise kann der Pädagoge wie auch der Laie z.B. Spielplatzneulingen, „normalen“ oder „auffälligen“ Kindern derart begegnen, dass sie auf dem Spielplatz nach Herzenslust spielen und experimentieren können.

Das Spiel der Tiere

Auf der Grundlage des bei jungen Tieren beobachteten Spiels schloss Karl Groos, wohl einer der bedeutendsten Spieltheoretiker des 19. Jahrhunderts, in seiner berühmt gewordenen „Einübungstheorie“, dass sich Jungtiere durch die schrittweise Ausbildung ihrer körperlichen und geistigen Funktionen im Spiel auf ihr Erwachsenwerden vorbereiten (1930). Das Spiel der Jungtiere, sagte er, sei eine Vorübung für ihr späteres Leben. Alle Erfahrungen, die das junge Tier in seinem Spiel mache, bildeten den Urboden für das Überleben seiner Population.

Wie sieht es aber mit den erwachsenen Tieren aus? Spielen sie tatsächlich nicht mehr? Entgegen älteren Beobachtungen und Annahmen, wie z.B. denen von Groos, die davon ausgingen, dass der Lebenskreislauf älterer Tiere lediglich von vegetativen Funktionen bestimmt werde, berichtet Güntheroth (1995, 24) nicht nur von Krähen, die immer wieder rücklings auf den goldenen Kuppeln des Moskauer Kreml hinunterschlitterten, sondern auch von einem ausgewachsenen Eisbären, der mit Autoreifen spielte (16f). Auch der Verhaltensforscher Portmann (1976, 58ff) schildert Beispiele aus der Vogelwelt, in denen Tauben, Grasmücken, Amseln und ein Leierschwanz – darunter sind auch erwachsene Vögel – tatsächlich spielen. In allen Fällen handelt es sich um das Nachahmen einer sie begeisternden Aktion. Bei Tieren kann Spiel beides sein: „Vervollkommnung des Instinkts und Übermut. In jedem Falle ist es offenkundig, dass Spiel ein Schlüssel zur Intelligenz ist. Wir begegnen ihm immer häufiger, je höher wir auf der Leiter der Entwicklung, die zum Menschen führt, hinaufsteigen“ (Packard 1963, 158). Nun spielen aber nicht nur junge und alte Tiere für sich, nein, Jungtiere wie erwachsene Tiere suchen das Spiel mit anderen – und das nicht nur mit ihren Artgenossen.

Die Tiere spielen aber nicht immer. Damit dies möglich ist, müssen – so Portmann – drei Bedingungenerfüllt sein, und zwar:

„1. Reiche Umweltbeziehung, gegeben durch die gesamte Organisation des Tiers, durch die Körperorgane wie die Psyche;

2. Freiheit von der unmittelbaren Erhaltungssorge;

3. Echte Geborgenheit, Aufgehobensein in der Umwelt, besonders in der Gruppe.“ (1976, 67)

Das Spiel des Menschen

Während das Spiel der Tiere weitgehend von ihren Instinkten geleitet wird, liegt die Motivation für das Spiel des Menschen vorwiegend in seiner Phantasietätigkeit. Hierzu äußert sich Kujawa (1949, 40) wie folgt: „Die Phantasie mit ihren Bildern ist das eigentliche, ursprüngliche Lockmittel, welches die Spielerscheinungen hervorruft, durch Nachahmung steigert und damit zum Aufbau aller Erfahrung das entscheidende Grundgerüst liefert.“

In der Phantasie des Menschen werden alle Kräfte des Geistes und des Körpers lebendig und zueinander in Beziehung gesetzt: Neben die real gemachten Erfahrungen treten jene der Phantasiewelt. „Erfahrung der Welt ist immer ein Doppeltes: Ein Greifen, ein Begreifen und ein Ergriffenwerden“. Leicht kann aber das „Ergriffenwerden“ den Menschen so faszinieren, dass es ihn in einen nach Wiederholung heischenden Spielrausch versetzt. Dies kann bisweilen so weit gehen, dass der Mensch den Tod als die äußerste Grenze in sein Spiel mit einkalkuliert. Das Spiel des Menschen hat immer zwei Seiten: Auf der einen Seite herrschen Freude, Wonne, Glückseligkeit und Freiheit, auf der anderen Zwang, Zerstörung und Tod.

Das Spiel des Menschen unterscheidet sich weiter vom Spiel der Tiere dadurch, dass es eine kulturell überformte Tätigkeit ist (Hetzer 1973, 82). In seinem Buch „Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel“, das als der Klassiker unter den Spieltheorien gilt, weist Huizinga nach, dass die Kultur sich im und als Spiel entfaltet:

„Es war nicht schwer, im Aufkommen all’ der großen Formendes Gemeinschaftslebens einen spielenden Faktor alsäußerst wirksam und äußerst fruchtbar aufzuzeigen. SpielenderWetteifer als Gesellschaftsimpuls, älter als die Kulturselbst, erfüllte von jeher das Leben und brachte die Formender archaischen Kultur wie Hefe zum Wachsen. Der Kult entfaltetesich in heiligem Spiel. Die Dichtkunst wurde im Spielgeboren und erhielt immerfort aus Spielformen ihre besteNahrung. Musik und Tanz waren reines Spiel. Weisheit undWissen fanden ihren Ausdruck im Wort in geweihten Wettspielen.Das Recht ging aus den Gepflogenheiten eines sozialenSpiels hervor. Die Regulierung des Streits mit den Waffen,die Konventionen des adligen Lebens waren auf Spielformenaufgebaut. Die Folgerung muß sein: Kultur in ihrenursprünglichen Phasen wird gespielt. Sie entspringt nichtausSpiel, wie eine lebende Frucht sich von ihrem Mutterleibelöst, sie entfaltet sichinSpiel undalsSpiel“ (1981, 189).

Als wichtigste und treibende Kraft des Spiels bezeichnet Huizinga dessen agonalesPrinzip (Prinzip des Wettstreits), das in der Kriegsführung ebenso zum Ausdruck kommt wie z.B. in der Dichtung, in der Rechtsprechung, in der Politik und im Gesellschaftsspiel.

Roger Caillois (1982) ergänzt die Analyse von Huizinga um eine wichtige Komponente: Er rückt – im Gegensatz zu Huizingas agonalem Prinzip – das Wettspiel (alea) in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und weist nach, dass das Glücksspiel eine ebenso wichtige Rolle bei der Entwicklung der Kultur gespielt hat wie der Wettkampf. Beim Glücksspiel finde zwar keine Güterproduktion statt, aber es werde Eigentum verschoben. Caillois teilt darüber hinaus das Spiel in vier Prinzipien ein, die er auch als die „Grundkategorien“ (21f) des Spiels bezeichnet: agon (Wettstreit), alea(Chance bzw. Wettspiel), mimicry(Verkleidung) und ilnix(Rausch). Diese können durchaus Verbindungen untereinander eingehen (81ff). Im Grunde aber ist jedes Spiel, „auch das gekonnteste, wenn es nicht bloße Spielerei sein soll, nach irgendeiner Seite hin ein Glücksspiel“ (Scheuerl 1973, 153).

Das Spiel der Erwachsenen im Gegensatzzu dem der Kinder