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Eine von sechs unglaublich romantischen Geschichten des Sammelbands ›The Unexpected Meet-Cute – Geschichten zum Verlieben‹ Holly hat mit dem bevorstehenden Tod ihrer Großmutter zu kämpfen und ist immer noch von einer schlimmen Trennung gezeichnet. Ein Lichtblick: eine Valentinstagskarte an ihrer Windschutzscheibe – auch wenn sie nicht für sie bestimmt ist. Das Missverständnis entwickelt sich bald zu einem reizendenden Austausch anonymer Notizen und kleiner Freundlichkeiten zwischen zwei Fremden, die sich unbekannterweise immer näherkommen.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2025
Holly hat mit dem bevorstehenden Tod ihrer Großmutter zu kämpfen und ist immer noch von einer schlimmen Trennung gezeichnet. Ein Lichtblick: eine Valentinstagskarte an ihrer Windschutzscheibe – auch wenn sie nicht für sie bestimmt ist. Das Missverständnis entwickelt sich bald zu einem Austausch anonymer Notizen und kleiner Freundlichkeiten zwischen zwei Fremden, die sich unbekannterweise immer näherkommen.
Abby Jimenez
The Unexpected Meet-Cute 2
Aus dem amerikanischen Englisch von Regina Jooß
Auf meiner Windschutzscheibe klebte ein Umschlag.
Ich verriegelte sofort die Türen.
Es war drei Uhr nachmittags und meine Schicht war zur Hälfte vorbei. Ich musste schnell zur Apotheke und hatte gedacht, dafür wäre jetzt der beste Zeitpunkt. Grandmas Bridgeclub war zu Besuch, das Apartment platzte also aus allen Nähten. Ich wollte meine Patientin nicht lange allein lassen, nicht einmal, wenn sie Gäste hatte, also war ich eilig zu meinem Wagen gelaufen und hatte die Karte unter dem Scheibenwischer erst entdeckt, als ich auf dem Fahrersitz saß.
Ich hatte schon viel zu viele Warnvideos mit genau diesem Szenario gesehen: Ein Entführer klemmt irgendwas auf deinem Auto fest, du bleibst stehen, um es dir anzusehen, dann packt er dich, solange du abgelenkt bist, entführt dich und bringt dich um. Doch ich würde schon aus Prinzip nicht am Valentinstag mein Leben lassen. Nur damit sich in drei Jahren auf YouTube irgendein Mädchen schminken kann, während sie über den grauenhaften Tod einer alleinstehenden Krankenschwester aus Burbank berichtet, die am Valentinstag gestorben ist, weil sie keinen Freund hatte, der sie zum Auto begleitet hätte.
Ich rief meine Schwester Jillian an, während ich rückwärts aus der Parklücke fuhr. Sie ging beim ersten Klingeln ran. »Hey, was ist los?«
»Kannst du ein bisschen am Telefon bleiben?« Ich entdeckte ein Stückchen von einem roten Herzsticker auf der Rückseite des Umschlags. »Irgendwer hat etwas Unheimliches an meinem Auto hinterlassen.«
»Inwiefern unheimlich?«
»Eine Karte mit Herzen drauf.«
»Ohaa, was, wenn sie von einem heimlichen Verehrer ist?«
Ich schnaubte. »Ist sie nicht. Glaub mir.«
»Nein, im Ernst. Was, wenn sie …« Sie schnappte nach Luft. »Was ist, wenn sie von Jeb stammt?«
»Ich glaube, da wäre mir der Mörder lieber.«
Jeb war mein Ex-Freund. Wir waren zwei Jahre zusammen gewesen, hatten uns aber vor drei Monaten getrennt, nachdem ich herausgefunden hatte, dass er mich die meiste Zeit betrogen hatte. Ich hatte sein Bild bei einer lokalen Facebook-Gruppe mit dem Titel »Sind wir mit demselben Typ zusammen?« gesehen. Und ja. Wir waren alle mit demselben Typ zusammen.
»Soll ich mit einer Knarre zu dir kommen?«, fragte sie.
»Nein. Ich fahre gerade zum Einkaufen. Ich werde einfach irgendwo parken, wo Leute sind, und mir dann anschauen, was es ist.«
Ich fuhr zur Apotheke, blickte unterwegs aber immer wieder in den Rückspiegel. Ich wählte einen Parkplatz ein wenig weiter unten, direkt vor dem Kintsugi Day Spa. Ich war mir zwar ziemlich sicher, dass mir niemand gefolgt war, beeilte mich aber trotzdem mit dem Holen der Karte und kletterte sofort wieder ins sichere Wageninnere.
Der weiße Umschlag hatte einen metallisch-roten Herzsticker als Verschluss. Ich öffnete ihn. Darin war eine Scooby-Doo-Karte zum Valentinstag mit der Aufschrift »I Ruv You«. Die Nachricht auf der Innenseite war mit schwarzer Tinte geschrieben.
Andrea, du bist das Beste, was mir je passiert ist. Hab einen wunderbaren Tag bei der Arbeit. Ich liebe dich, alles Gute zum Valentinstag.
Dann war da noch ein Gutschein für »Einmal richtig flachlegen«, jederzeit einlösbar und unbegrenzt gültig.
Ich verdrehte die Augen und steckte ihn in den Umschlag zurück.
»Nun?«, fragte Jillian. »Was ist es?«
»Es ist ein Liebesbrief. Und er ist nicht für mich. Irgendjemand muss das Auto verwechselt haben.«
»Ohh. Wie süß. Ein bisschen komisch allerdings, dass er nicht weiß, wie das Auto seiner Freundin aussieht.«
Ich stopfte den Umschlag ins Handschuhfach. »Und was hast du heute so gemacht?«
»Ich bin Verehrern ausgewichen.«
»Ha.«
»Ich meine es ernst. Ich bin mir vorgekommen wie ein Ninja. Dieser Typ von dem Waveboard-Laden hat mir Doughnuts vorbeigebracht, und ich musste mich hinter der Theke komplett wegducken und verbiegen. Hab mir dabei irgendwie die Schulter verletzt. Kannst du dir das ansehen?«
»Du weißt, wo du mich findest.«
Meine Schwester war ein bewundernswertes ADHS-Chaospaket. Sie war auf eine zarte Art hübsch, an ihr sah jedes Kleidungsstück gut aus, ihre Haarfarbe wechselte ständig, und sie ließ sich nie fest auf jemanden ein, was alle männlichen Wesen in den Wahnsinn zu treiben schien.
»Wie geht es Grandma heute?«, wollte sie wissen.
»Unverändert. Sie ist gut drauf.«
»Und dir?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Mir geht es gut.«
Was nicht wirklich stimmte. Mir ging es schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gut.
Ich legte den Kopf in die Hand und lehnte mich ans Fenster.
Es war mir immer echt gut gelungen, meine Arbeit von meinem Privatleben zu trennen. Ich glaube, das gehörte zu meinen Begabungen. Ich brachte die nötige Leidenschaft für meine Verpflichtungen auf, konnte sie aber auch hinter mir lassen, sobald ich aus der Tür trat.
Wenn ich jetzt von meiner Schicht kam, stieg ich ins Auto und heulte. Denn meine Arbeit war es, meine Großmutter beim Sterben zu begleiten.
Es war für mich unmöglich, es nicht zu machen. Ich war Krankenpflegerin und für Sterbebegleitung ausgebildet, es war naheliegend. Und es war eine Ehre für mich, den Großteil ihrer Pflege übernehmen zu dürfen. Doch es war emotional so belastend. Ich war nach einer traumatischen plötzlichen Trennung in eine neue Stadt gezogen. Die neue Wohnung fühlte sich für mich immer noch wie ein Hotel an, als Grandmas Diagnose kam. Und die Verantwortung, die daraus resultierte, dass sie ein Familienmitglied war, machte es noch schwerer.
Ich war zuständig für die CaringBridge-Website, durch die alle weiter entfernt lebenden Verwandten an ihren letzten Lebenstagen Anteil nehmen konnten. Außerdem plante ich gemeinsam mit meiner Mutter die Beerdigung. Ich hatte keine freien Tage und die endlose Pflege raubte mir alle Kraft. Aber ich wollte auch keine freien Tage, ich wollte bei Grandma sein. Was ich mir wünschte, war mehr Zeit.
Zeit ist so etwas Wertvolles. Wie man sie nutzt, wie man sie verschwendet. Und sie wird sogar noch wertvoller, wenn die eigene Uhr abläuft, denn man bekommt niemals mehr davon. Das sehe ich täglich. Dieses Entsetzen, wenn die letzten Stunden schlagen.
Ich glaube, das ist auch der Grund, warum mich die Sache mit Jeb so verbittert hat. Er hat meine Zeit verschwendet.
Außerdem hat er meine Nasendusche geklaut, was mich aus irgendeinem Grund noch mehr geärgert hat als das Fremdgehen. Er hat keine sauberen Nasennebenhöhlen verdient.
»Ich sag dir, was wir heute bestimmt nicht machen«, erklärte Jillian. »Wir werden keinem mittelmäßig hässlichen Mann mit schwindender Haarpracht hinterherweinen, der eine Flasche 4in1-Haarshampoo in deiner Dusche vergessen hat. Du bist eine wunderschöne Todesgöttin, hörst du mich?«
»Todesgöttin. Das muss ich mir auf ein T-Shirt drucken lassen«, murmelte ich.
»Ich komme rüber. Wir überfressen uns mit Schokolade. Und lass dich nicht noch weiter runterziehen. Steig aus dem Auto und geh ins Grüne.«
Ich nickte, auch wenn sie mich nicht sehen konnte.
Wir verabschiedeten uns und legten auf.
Ich starrte auf das Spa vor meinem Auto und auf das große gelbe Werbeschild, auf dem Moorpackungen und Floating-Tanks angepriesen wurden.
Es wäre nett gewesen, heute eine Karte auf meinem Wagen zu finden. Eine, die für mich gedacht war. Doch ich musste wohl akzeptieren, dass ich nicht das bekommen würde, was ich wollte, und das würde auch noch eine lange Zeit so bleiben.
»Du hattest genau EINE Aufgabe.«
Mein Bruder Frank stand neben meiner Leiter.
»Es tut mir leid«, sagte ich abgelenkt, während ich mir die Kabel ansah, die aus dem Loch an seiner Wohnzimmerdecke hingen. »Wer hätte denn ahnen können, dass es so viele weiße Hondas gibt?«
»Jetzt denkt sie, ich habe ihr nichts besorgt.«